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Full text of "Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg"

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URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 

FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBURG 



ßsi'' 




tTANrOID DNIVEH: 



URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 

•7 

ZUR GESCHICHTE 

DES 

KURFÜRSTEN FRIEDRICH WÜ^HELM 

VON BRANDENBURG. 



AUF VERAXLASSUN« SEINER KÖNKiLICHEN HOHEIT DES 
KRONPRINZEN VON I'REliSSEN. 



ELFTER BAND. 



BERLIN. 
DRÜCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 

1887. 



URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 



ZUR GESCHICHTE DES 



KURFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 



VON BRANDENBURG. 



POLITISCHE VERHANDLUNGEN. 



SIEBENTER BAND. 



HERAUSGEGEBEN 



TOH 



D«- FERDINAND HIRSCH. 

PROFESSOR AM KÖNI08TÄDTI6CHEN REALGYMNASIUM ZU BERUN. 



BERLIN. 

DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 

1887. 



V.W 



Vorwort. 

iiachdem der Vater des Unterzeichneten, Professor Dr. 
Theodor Hirsch im Jahre 1879 den neunten Band der 
„Urkunden und Aktenstücke" vollendet, hatte er sogleich die 
Bearbeitung des nächsten Bandes in Angriff genommen, bis zu 
Anfang 1881 hatte er einen grossen Theil der betreffenden 
Akten des Berliner Geh. Staatsarchivs durchgearbeitet und er 
war eben im Begriff, die eigentliche Ausarbeitung zu beginnen, 
als er durch einen plötzlichen Tod am 17. Februar dieses 
Jahres dahingerafft wurde. Die Kommission für die Heraus- 
gabe der „Urkunden und Aktenstücke'' richtete darauf an den 
Unterzeichneten die Anfrage, ob er es unternehmen wollte, 
das von dem Verewigten hinterlassene Werk zu vollenden, 
und derselbe trug um so weniger Bedenken, diesem ehren- 
vollen Rufe Folge zu leisten, als er einerseits dadurch eine 
Pflicht der Pietät erfüllen zu können meinte, andererseits 
glaubte^ bei seiner Bekanntschaft mit der Handschrift und der 
ganzen Arbeitsweise des Verstorbenen leichter als andere im 
Stande zu sein, das von demselben hinterlassene Material zu 
verwerthen und das Werk in dem Sinne und nach den Ab- 
sichten desselben zu Ende zu führen. Freilich erwies sich, 
als er an diese Arbeit ging, dieselbe als weit schwieriger und 
langwieriger, als er ursprünglich geglaubt hatte. Nicht nur 
dass er sich zunächst durch die nöthigen Vorstudien in dieses 
ihm bisher fremde Gebiet einarbeiten musste, vor allem zeigte 
sich das von dem Verewigten hinterlassene handschriftliche 
Material in einem weit unfertigeren Zustande, als es anfänglich 
den Anschein gehabt hatte. Nur für einen Abschnitt, den jet- 
zigen dritten dieses Bandes, war das urkundliche Material schon 
einigermassen ftir den Druck vorbereitet und fanden sich auch 
einige Vorarbeiten ftir die Einleitung und die Anmerkungen, im 



VI Vorwort. 

übrigen lag allerdings eine grosse Fülle von Kxcerptcn ans den 
Akten nieht nur für diesen, sondern aach sehon für den nächsten 
Band vor, dieselben aber waren noch in einem so unfertigen 
Zustande, dass gewiss der Verfasser selbst vor der Herausgabe 
die Akten selbst noch einmal würde zur Hand genommen 
haben, und der Herausgeber jedenfciUs sich genöthigt sah, fast 
durchweg, namentlich wo es sich um wörtliche Wiedergabe 
des Textes handelte, auf diese zurückzugehen. Ausserdem 
fand derselbe bei näherer Nachforschung in dem Berliner 
Geh. Staatsarchive, dass dort noch eine Menge werthvoUer, 
von dem Verewigten noch garnicht benutzter Akten vorhanden 
waren, und tiberzeugte sich, dass auch aus einigen Provinzial- 
archiven Beiträge zur Ergänzung heranzuziehen seien, und er 
hat so noch ein bedeutendes weiteres Material zusammen- 
gebracht. Um dasselbe verwerthen zu können , hat er sich 
dann veranlasst gesehen, den Plan der Arbeit theilweise zu 
verändern. Nach der in der Vorrede zum neunten Bande 
enthaltenen Ankündigung hatte der Verewigte beabsichtigt, 
in diesem neuen Bande zunächst den Einituss Brandenburgs 
auf die deutschen Keichsangelegenheiten während der Jahre 
1660 — 1666^ bis zum devischen Frieden und der Huldigung 
Magdeburgs, und dann den Antheil des Kurfürsten an den 
polnischen Wirren bis zur Abdankung des Königs Johann 
Kasimir und zur Wahl König Michaels (1664 — 1669) dar- 
zulegen, jenen ersten Hauptabschnitt hat er, wie es scheint, 
in folgende Unterabtheilungen sondern wollen: 1) die Be- 
lehnung des Kurfürsten, 2) der Türkenkrieg, 3) die Erfurter 
Händel, 4) Brandenburg und die Rheinische Allianz, 5) der 
Münstersche Krieg, 6) die Unterwerfung von Magdeburg. 
Der Herausgeber hat nun geglaubt, um die P^inwirkung des 
brandenburgischen Kurfürsten auf die deutschen Reichsan- 
gelegenheiten während jener Jahre in ihrem vollen Umfange 
vor Augen treten zu lassen, weiter ausgreifen und auch noch 
einige andere Ereignisse und Händel, an denen derselbe mit- 
betheiligt gewesen ist, berücksichtigen zu müssen, er hat so 
gleich zu Anfang zwei neue Abschnitte über die in den ersten 



Vorwort. VII 

Jahren nach dem ülivaer Frieden geführten Verhandlungen 
wegen der Garantie des Friedens, der Verlegung des Deputations- 
tages und der Berufung des Reichstages und über die 1661 
mit dem Kurfürsten von der Pfalz geführten Allianzverhand- 
lungen und das weitere Verhältnis des brandenburgisclien 
Kurfürsten zu demselben vorangestellt, dann nachher die Ab- 
schnitte 9 und 10, in denen der Antheil. welchen derselbe an 
dem Ittneburgischen Erbfolgestreite und an dem Wildfangsstreite 
(1665) genommen hat, dargelegt wird, eingeschoben, vor allem 
aber in Abschnitt 4 die Rolle, welche der Kurfürst auf dem 
zu Anfang des Jahres 1663 in Regensburg erötfneten Reichs- 
tage während der beiden ersten Jahre des Bestehens desselben 
gespielt hat^ zu veranschaulichen gesucht, endlich noch in 
den Abschnitten 10 und 12 die seit 1663 beginnenden Ver- 
handlungen mit dem Pfalzgrafen von Neuburg und den im 
Jahre 1666 mit demselben getroffenen Ausgleich, welcher 
Gegenstand, wie es scheint, erst in dem nächsten Bande hatte 
behandelt werden sollen, sowohl um des chronologischen als 
auch sachlichen Zusammenhanges willen hier mitaufgenommen. 
Da so die für die deutschen Angelegenheiten ursprünglich fest- 
gesetzten Grenzen bedeutend erweitert worden sind und ein viel 
reichlicheres Material hat bewältigt werden müssen, so ist es 
nicht möglich gewesen, auch noch die polnischen Angelegen- 
heiten in diesem Bande zu behandeln, sondern haben dieselben 
für den folgenden aufgespart werden müssen. Das gleiche ist 
mit den auf die Unterwerfung Magdeburgs bezüglichen Akten 
geschehen, welche nebst den auf die bremisch -schwedischen 
Händel und den Abschluss der Quadrupelallianz sowie auf 
die Reichstagsverhandlungcn der Jahre 1665 und 1666 bezüg- 
lichen Materialien jenen nächsten Band eröffnen sollen. 

Unter den Materialien des hiesigen K. Geh. Staatsarchivs, 
dem natürlich der grösste Tlicil der nachstehend publicierten 
Aktenstücke entnommen ist, verdient eine Quelle hervorgehoben 
zu werden, welche erst seit dem Ende des nordischen Krieges 
zu tliessen beginnt und welche für diesen Band zum ersten 
Male verwerthet worden ist, nämlich die Geheimenraths-Proto- 



VIII Vorwort. 

koUe. Allerdings sind dieselben keineswegs so sorgfältig 
und ausflihrlich abgefasst, als man wünschen möchte, meist 
stehen nur ganz kurz die Gegenstände, welche zur Sprache 
gebracht worden sind, und die betreffenden Resolutionen sowie 
die Namen derjenigen Mitglieder des Geheimen Rathes, wel- 
chen die weitere Erledigung der Sache übertragen wurde, 
verzeichnet, aber ausnahmsweise sind doch auch ausführlichere 
Aufzeichnungen vorhanden, in denen über die gepflogenen 
Berathungen Bericht erstattet wird, und es haben hier nament- 
lich in den letzten Abschnitten eine Anzahl solcher Protokolle 
veröffentlicht werden können, welche tiefere Einblicke in den 
Gang der brandenburgischen Politik gestatten, welche die 
Motive der gefassten Beschlüsse kennen lehren und zugleich 
zeigen, einen wie thätigen und entscheidenden Antheil der 
Kurfürst selbst an diesen Berathungen genommen hat. 

Auch die Benutzung des hiesigen K. Hausarchivs ist 
dem Herausgeber gestattet gewesen, demselben ist die Mehr- 
zahl der in dem dritten Abschnitte über die Belehnung des 
Kurfürsten mitgetheilten Aktenstücke entnommen. Von den 
Provinzialarchiven hat das K. Geh. Staatsarchiv in Hannover 
eine ganze Reihe von Materialien für die Abschnitte 1, 9 und 
11 geliefert, welche in sehr erwünschter Weise die hier be- 
findlichen Materialien ergänzen, auch dem K. Geh. Staats- 
archiv in Münster sind einige Beiträge zu Abschnitt 11 ent- 
nommen, während die auch in dem K. Geh. Staatsarchiv zu 
Düsseldorf angestellten Nachforschungen leider zu dem Er- 
gebnis geführt haben, dass von dort für die hier behandelten 
Gegenstände so gut wie garkeine Ausbeute zu gewinnen 
ist. Der Herausgeber benutzt diese Gelegenheit, um den Vor- 
stehern und Beamten jener Archive, namentlich den Herren 
Geh. Staatsarchivar Dr. Bai Heu und Geh. Archivsecretär Dr. 
Meinardus hierselbst und Geh. Staatsarchivar Dr. Janicke 
in Hannover für die freundliche Hülfe und Förderung, welche 
sie seinen Arbeiten haben zu Theil werden lassen, seinen 
wärmsten und verbindlichsten Dank auszusprechen. 

Berlin, im März 1887. Ferdinand Hirsch. 



Inhalt. 



Seit«* 

Vorwort V 

Inhalt IX 

1. Verhandlungen wegen der Garantie des Friedens, 
der Verlegung des Deputationstages und der Be- 
rufung des Reichstages. 1660 — 1662. 

Einleitung 3 

Acten 15 

2. Die Allianz mit Kur-Pfalz. 1661. 

Einleitung . (>3 

Acten 78 

3. Die Belehnung des Kurfürsten durch den Kaiser 
und die Verhandlungen über die schwedische Be- 
lohnung. 1661. 

Einleitung 95 



o 



Acten 10.S 

4. Der Anfang des Regensburger Reichstages. 1662 
—1664. 

Einleitung 149 

Acten 159 

Anhang. Die Obersächsischen Kreistage zu Leipzig (October 1663 
und Juni 1664) und die Zusammenkünfte der Kurfürsten von 
Sachsen und Brandenburg zu Torgau und Berlin (December 
1663 und Hai 1664) 258 

o. Der Türkenkrieg. 1663—1664. 

Einleitung 285 

Acten 294 

6. Die Erfurter Händel. 1663—166,'). 

Einleitung .351 

Acten 3G0 

Anhang. Der Obersächsische Kreistag zu Leipzig. Februar 1065 425 

lUter. X. Gesch. d. O Knrmntteri. XI. * 



X Inhalt. 

Seite 

7. Brandenburg und die Rheinische Allianz. IßOS — 
1668. 

Einleitung 437 

Acten 44*2 

8. Verhandlungen mit Pfalz-Neuburg. Die Verträge 
zu Dorsten. 1663—1665. 

Einleitung 485 

Acten 495 

9. Der braun schweig -lüneburgische Erbfolgest reit. 

1665. 

Einleitung 55i» 

Acten 563 

10. Der kurpfälzische Wildfangsstreit. 1665—1666. 

Einleitung bSd 

Acten 51)5 

11. Der Miinst ersehe Krieg. 1665 — 1666. 

Einleitung (515 

Acten 623 

12. Der Erbvergleich mit Pfalz-Neuburg. 1666. 

Einleitung 731 

Acten ". . 73i» 

Personenverzeichnis 778 



Abschnitt 1. 

Verhandlungen wegen der Garantie des Friedens, der 
Verlegung des Deputationstages und der Berufung 

des Reichstages. 

1660—1662. 



MAt«r. s. Ge«ch d. G. Kurfürsten. XT. 



Einleitung. 



Die ODsichere und gefahrvolle Lage, in welche sich der Korfürst 
Friedrich Wilhelm nach dem Olivaer Frieden versetzt sah, die Besorg« 
nisse namentlich vor Schweden, welches nicht nnr in Polen gegen ihn intri- 
gnierte, nm ihn die Früchte des Friedens nicht gemessen zu lassen, sondern 
sogar, nach den drohenden Aeussernngen einiger seiner einflnssreichsten 
Staatsmänner zn schliessen, bereit schien, mit seiner anch nach dem Frie- 
den kriegsbereit behaltenen Armee bei nächster Gelegenheit über ihn her* 
zufallen, veranlassten den Kurfürsten, welcher nnr an Oesterreich einen 
keineswegs dnrchans zuverlässigen Bundesgenossen hatte, und der bei dem 
erschöpften Znstande seiner Lande sich genöthigt gesehen hatte, seine 
Armee auf ein sehr bescheidenes Minimum zu reducieren, >) Sicherung auf 
anderer Seite, bei seinen norddeutschen Nachbaren zu suchen. Die An- 
knüpfung dazu boten ihm Anerbietungen, welche ihm von ebendorther 
während des letzten Krieges gemacht worden waren. 

Der Kurfürst hatte es nicht verhindern können, dass während jenes 
Krieges im Jahre 1658 die Kurfürsten von Mainz und Cöln, der Pfalz- 
graf von Neuburg, die braunschweigischen Herzoge und der Landgraf von 
Hessen-Cassel mit Frankreich und Schweden jene Allianz abschlössen, deren 
Spitze ebensowohl gegen ihn wie gegen Oesterreich gerichtet war. Doch 
hegte ausser dem Neuburger keiner von diesen deutschen Fürsten wirklich 
feindselige Absichten gegen ihn, am wenigsten die braunschweigischen 
Herzoge, auf deren Betreiben er früher zur Theilnahme an jenem Bünd- 
nis aufgefordert und zu den Verhandlungen über dasselbe hinzugezogen 
worden war, welche dann nur sehr ungern dasselbe ohne ihn abgeschlossen 
hatten, welche auch nachher sehr wenig Lust zeigten, sich zu kriegerischen 
Schritten gegen ihn treiben zu lassen, vielmehr fortgesetzt in Unterhand- 
lungen mit ihm blieben. Als im Jahre 1659 ') durch den Einbruch des Kur- 



8. F. Hiricb, Die Armee des Grossen EurfursteD und ihre Uoterhaltang 
während der Jahre 1660-1666 (Historische Zeitschr. N. F. XVII 8. 232ff.). 

^ Vgl. fär das Folgende Köcher, Geschichte von Hannover nnd Braun- 
schweig I S. 283 ff. 

1* 



I 



4 1. VerliBDdiiingeii wegeo der Garantie dea Friedena etc. 

fürsten und seiner VerbÜDdeten in Vorpommern der Kiieggschaaplntz auch 
iD das Reichsgebiet verlegt war, auch die scbwediscbea Besiizungen im 
niederEächsischen Kreise ledrolit schienen und Scbwedeu sowohl die Kreis- 
biilfe als aucb. von Fr;inkreich DnterstüUt, auf ürand der Rbeinifcheo 
Allianz, in welcher der Schulz dieser letzteren Gebiete ausdrücklich zuge- 
sagt worden war, die Hiilfe der Alliierten in Ansprncb nahm, versuchten 
die braunsehweigischeii Fürsten eiue Vermittlerrolle zu spieleu und durch 
nerstellDUg des Friedens oder wenigstens durch Neutra lisierung der beider- 
seitigen, sowohl der schwedischen Besitzungen als auch derjenigen des Eur- 
fürsteu im nieder^ächsi sehen und wettlalisrheii Kreise, die Kriegsgerahr von 
Deutschland und die drohende Einmischung Frankreichs fern zu halten. 
Darauf fassend, dass der Kurfürst selbst ihnen versirbert hatte,'} dass er 
und seine Bnndesgenossen nur um einen sicheren Frieden zu erlangen Pom- 
mern angegriffen hätten, dass er bereit sei, seine dortigeu Eroberungen 
wieder herauszugeben, und dass er und die Seinigen keine Feindseligkeiten 
Jenseits der Elbe gegen die schwedischen Besitzungen vornehmen wollten, 
wenn die Herzoge sich verpflichtetcu, keine Angriffe der Schweden gegen 
seine dortigen Besitzungen zu dulden, beschlossen sie Ende September 1659 
die Absendung einer Gesandtschaft an den Kurliirsten, welche 2) unter Hin- 
weis anf die drohende Einmischung Frankreichs, welche auch diejenige 
Spaniens nach sieb ziehen werde, denselben dazu bewegen sollte zu be- 
wirken, dass nicht nur der niedersächsische und westfälische Kreis von 
seinen und seiner Bundesgenossen Truppen nicht belreten und die dortigen 
schwedischen Besitzungen nicht angegriffen würden, sondern auch dasa den 
Feindseligkeiten in Pommern ein Ende gemacht und, wenn ein allgemeiner 
Friede nicht so bald zu erreichen sei, der Krieg anseerhalb des Reichs- 
gebietes gefuhrt werde , wogegen sie sich erboten im Verein mit ihren 
Bundesgenossen dabin zu wirken, dass auch die dem Kurfürsten in jenen 
beiden Kreisen gehörigen Gebiete von den Schweden nicht angegriffen 
würden. Ausserdem gab Herzog Christian Ludwig von Celle seinem 
Gesandten noch den besonderen Auftrag, dem Kurfürsten den Eintritt in 
die Rheinische Allianz anznemprehlen. Die Gesandtschaft traf erst am 
16. November in dem damaligen Hauptquartiere des Kurfürsten, Barth in 
Pommern ein. Das Resultat der dort an den drei folgenden Tagen ge- 
führten Verhandlungen^ entsprach nur tbeilweise den Wünschen der braun- 
Bchweigischen Fürsten. Allerdings erklärte sich der Kurfürst bereit, seine 

<) Sr. au die braunscliw. Berioge d. Feldlager bei Gcsthoff I2./-23. Aagaet 
1659 (8- Pufendorf VHl §27 8, 484. Köcher l 8,284). HeUtlon dea vom 
Kt. an die Herzoge abgeaandten Generals v. Kaaaeabers d. Minden 30. Sep- 
tember 165'J. 

') InBtruhtien für die Gesandten (Freudemann. v. Hardenberg und 
r. Kram) d. 12./22. September 1651) (Kannov. A.), theilweise abgedrnckt bei 
Köcher I S. 651. 

') Protokoll über die Confereneen «o Barth 7./17.— 9./19. November 1669 
iBerlioer u. Hanuov. A.) ■. Pafendorf VIII §37 S. 4B4 f., Köcber I ä.SSdt. 



BinleituDg. 5 

ifi-ühere Zusage, die Elbe sollte nicht über§chriiten werden, zu erneuern, falla 
■juch TOQ scbwedJEchrr Seit« nichts gegen Beine jenseits derGclben gelege- 
i Lande Doternommen werde, nnd versicherte ferner eetue eigene Be- 
i reit Willigkeit znm Frieden, mass aber die Schnid daran, daes es noch nicht 
zu einem solchen gekommen sei, den Schweden bei und verlangte, die liraun- 
Echweiger ond ihre BondesgenOEsen sollten nnf diese dabin eimvirken, dasB 
de von ihren ehrgeizigen Absiebten anf Preu=Een nnd Dänemark abstehen 
aud 80 das Zustandekommen des Friedens ermöglifben möihten, ferner 
Boilteu sie bei Frankreich remonstrieren, dsss dieses sich Schwedens nii'bt 
anders als dnrih Vermittelung des Friedens nuDehme. Den Beitritt zur 
Rheiiiiscben Allianz, welcher ihm als das beste Mittel zn seiner eigenen 
Sicherung nnd derjenigen der beiden Reiebskreise vorgesehlapeu wurde, wies 
er zwar nicht unbedingt zurück, er liess aber durch seine BeTolimächtig- 
ten erklären nnd wiederholte nachher bei der Absihtedsaudieoz selbst, er 
kCane sich darüber noch nicht kategoriach erklären, er müsse vor allem 
erst Sicherheit darüber erhalten, ob Frankreich nnd Schweden in seine 
Aufnahme in die Allianz jetzt während des Krieges einwilligten, er miisse 
ferner erst genauer den Inhalt des Allianzveitrageg kennen lernen nnd er 
müsse der Zustimmung seiner Bundesgenossen, des Kai.-ers ond des Königs 
von Dänemark versirbert sein. Es wurde daher verabredet, später auf 
einer neuen Zusammenkunft weiter darüber zu verhandeln. 

Der Kurfürst bat dem Kaiser eogleicb tou diesen VerbandlnngeD, 

den Anträgen der Braunschweiger und seiner daran!' ertheiiten Antwort 

uhricht gegeben'], er rieth demselben, die brannEchweigiscben Fürsten, 

s ihn selbst darum gebeten hatten, sie dem Kaiser zu empfehlen, auf 

|ede Weise an siih zu ziehen, uud em)'fahl ferner'], da Frankreich und 

FSchweden durch ihren Eintritt in die Rheinische Allianz hanptsäcblich zu 

I beabsichtigen schienen, die anderen Alliierten immer mehr au sieb zn fesseln 

^and »OD allem, was bei denselben vorginge, Kunde zu erhalten, man sollte 

^och ihrerseits es ähnlich machen, sich zn dem begehrten Eintritt in die 

j^llianz nicht aligeoeigt erklären und weitere Verhandlungen dariiber in 

iknssicht stellen, um auf diese Weise genaueres über die eigentliche Be- 

"»ibaffeüheit dieser Allianz nnd über die Absichten ihrer Tbeilnehmer zu 



■) Kf. an Kaiser Leopold d. Haoplquartier Grimmeu H./34. November IG^O. 

') .Worbey ich dan lu B. Kaii. M. - Unheil — alelle, dass alldieweil diu 
aaawertigea CraaeD mit ihrer Eiulretuag in diese alliance acbeinea xu erkenueo 
in geben, daei ihnen hierauter ea aicbt so gross umb Erlangung einer BülSe 
von den AllÜrten, snndera durutob voroehmBC zu ihun. wie man aulcbe Alliirte 
mehr and mehr aa sich 7U ziehen und iederzeit von demjenigeD, was bay ihnen 
»orgebet, WisseoBchart zu tragen vermöchte, ob nicbt B. Kais. M, gut befinden 
würden, daae man dlesseilB ein gleichmSsaigeB beliebte DUil zu der begehrten 
Eintretang (wan man Bonstcn Dach gescbehener Commnoication die instrameota 
foederis nicht bedebklicb fände), sich nicht eben abgeneigt zu seyn ertclärie, 
»oade.-n allea in ferner und weiterem Vernehmen, aU wodurch mun der Sacbeu 
•igcDtlichsre BuwantuuBBe elwan mehr peoetfireD könote, aasatellen th&le.* 



6 1. VerliaDdlungeD iregen der Garantie des Friedeos etc. 

errahren. Alleiu der Kaiser wies in seiaer Antwort diesen Vorschlag durcli- 
saa zurück. Er erklarte'), die Absiolit Fraakreiclis and Schwedens bei der 
RheioiscIieD Allianz i^ei aar, Zwietracht unter den Ueich^fürsten za stiften 
und dadurch ihre eigenen Pläne zn erreichen. 'W'eun der EnrfürEt sich zum 
Eintritt in dieselbe und er, der Kaiser zur Billigung deseen geneigt zeigen 
sollten, so würde dieses nur zur Folge haben, dass auch die bisher ihnen 
günstig gesinnten Keicbsstände ihnen entfremdet wurden, da sie dadurch 
den Anschein erweiken wUrden, als wenn sie die Absichten und Mass- 
nahmen der Alliierten billigten, ihr eigenes bisheriges Verfahren über für 
unrecht erklürten. Der Kurfürst möchte rielinehr versuchen, die Braun- 
Schweiger ganz anf ihre Seite binüberzuzieben nnd zum Beitritt zu der 
zwischen ihnen beiden abgeschlossenen Allianz zu bewegen. 

Der Kurfürst hat einen solchen Versuth, von dessen Aussichtslosigkeit 
er von vornherein überzeugt gewesen sein wird, nicht gemacht, sondern er 
bat auf jene andere Weise, welche er trotz der von dem Kaiser geltend 
gemachten Gegengründe für die zweckmässigere gehalten bat, die Verhand- 
lungen mit den Brannschweigern fortgesetzt, und diese sind bereitwillig 
darauf eingegangen, da auch sie au der Hoffunng festhielten, auf dem von 
ihnen eingeschlagenen Wege die Neutralisieruug Norddentscblnuds zu er- 
reicbeu, und in diesen Bemühungen fortfuhren, obgleich inzwischen, seit 
Ende December 1659, die Priedensverhandlungen zwischen den kriegfüh- 
renden Parteien zu Oliva begonnen hatten. Anfang Februar 1660 con- 
ferierten die braunschweigischen Minister v. Heimburg, Langenbeck, 
V. Hardenberg und v. Bülow mit den Abgesandten des Kurfüraten, 
r. Canstein und Reinhardt zu Tangermünde') und beantragten 



'} Kaiser Leopold an Kf. d. Wien 31- December 1659: .da ist unschwer 
zu erachten und liegt nunmehr menniglichan vor Augen, wer nur die Schwedische 
aclionea etwas genauer auf die Wag leget, wohin an seilen der benachbarten 
Croneu das Absebeo bey diesem Allianzweaen gerichtet, daes sie nämlich die 
Stände von einander halten und dadnrch ihre Intention behaupten möchten. Ob 
nun durch meine Approbation oder E. Ld. wirklichen Beilritt zu einer solchen 
Allianz, die unserer, der CoDföderirten gesambten Interesse garnil verträglich 
ist, der voo PI. Ld. wohlmeinend inteodirte Zweck erhebt werden könnte, und ob 
die gesanibte übrige Chnr-, Fürsten und Slunde, d;e solche auch ihres Orte dem 
alten löbl. tenlachen Herbommen bis dato an dererge statt nicht als höchst nach- 
theiiig and verklcinerlicb geachtet, Ursuch und Anlass nehmen wdrden, sich auf 
unsere Seiten zu begeben, wao sie hören — sollten, dass B. Ld. sich auch darzu 
verstanden nnd ich dieselbe meinee Orts nit weniger approbirt hätte, darüber 
muBB ich bekennen, dass mir in feruerer Ueberlegnng der Sachen fast andere 
nnd zwar diese Gedanken zn Gemüih geben, dass Tortaa kein einiger Stand des 
Beichs sich unserer Intention bequemen, sondern wir selbst anch die au selten 
der Allürlen geführte counilia dadurch aucreditireo, uns aber in unseren eigenen 
aclionibns gleichsamb Unrecht geben würden' (a. Pnfeodorf Vlll § ^7 S.4tiÖ.}. 

'") Kf. an Kuiser Leopold, Beriebt über die Verhandlungen zn Tanger- 
müude d. CÖlu a. Sp. 7./17. Februar lütiU (Loodorp VIU ä. (i8S), s. Köcher 1 



EiuleitDDg. 7 

wiederDiu NeDtralisiernDg der Bremisch- Verdischeo und aoderDtbeils der 
HalberstadtiEchen , MiadeDGchen und CleviGcben Lande, ferner Eiastelloog 
der Feindseligkeiten io Pommern, nogegeo Srhweden nntei franzöeisclier 
Garantie sich verpSichCen Gollte, ?oq dort ans nichts gegen den KurrUisteu 
nnd dessen Bundesgenos>ien za untcrnehuien, allein da sie keine sicberen 
Beweise weder dalür Torliriogen Iconnten, dass Schweden noch auch dass 
Frankreich diesen Vorschlägen wirklieb zostitnmten, so lehnten es aach die 
Brandeobnrger ab, eine bestimmte Erklärung darauf abzugeben nnd sagten 
nur la, dass der Kurfürst dem Kaiser nnd seinen anderen Bundesgenossen 
diese YorBcbIKge mittbeileu und deren Meinung vernehmen wollte. Ebenso 
fruchtlos endeten die Conferenzeo, welche der von dem Korfürsten nach 
Brannschweig geschickte v. Canstein dort Ende März mit den 
Mioisteru der drei braunsehweigischen Uerzoge abhielt,') da die leizleren 
auch hier keine festen Zui-icherungcu geben, sondern nnr die Hoffnung ans- 
sprechen kounien, dass Frankreich und die Hheinischen Alliierten die Garan- 
tie fiir die Aufrerbthaltung den Friedenszustandes in Norddeut«cbland über- 
Debraeo würden.') Trotzdem gaben die Braunschweiger diese Versuche 
nicht auf, vielmehr, jedenfalls noch ohne Kenntnis von dem schnellen und 
giinstigen Verlauf der Olivaer Friedensverhandlungen und in der Besorg- 
nis, dass Frankreich seine Drohung, wenn nicht bis zom Februar der Frie- 
den Eustande gekommen sei, die Schweden in dem WesträlischeD Frieden 
zuge.'agte Garantie seiner Reichslaiide zu leisten, wirklieb wahr machen 
und Truppen in Deutschlaud einrücken lassen werde, gewanuen sie') auch 
den Eurfürsten von Cölu und die Landgrafen von Hes sen-Oaesel und 
Darmetadt zur Abseudung einer gemeinsamen Gesttiidtsehaft an den Kur- 
fürsteu, welche diesen dazu bestimmen trollte, die Einstellung der Feind- 
seligkeiten in Pommern nud die Bäumung der dort von den Verbündeten 
eingenommeneu Plätze zu bewirken, wogegen jene Fürsten sieh verpflichten 
wollten, im Vereiu mit den übrigen MÜgÜedern der Rheinischen Allianz 
von Schweden die Zusicherung zu erwirken, dass dasselbe die im Reiche 
gelegenen Lande des Kurfürsten und eeiner Bundesgenossen nicht angrei- 
fen wolle, und für die Erfüllung dieser beiderseitigen Verpflichtungen die 



8-285. Der Kaiser aotwortet darauf znatimmend (d Wien 3. März 11)60),- 80 
lange man nicht wiase, wie sieb Frackreicb nnd Bcbwedec zn diesen Vorschlä- 
gen verhielten, könne m«n sich auch ihrerseits darüber nicht erklären. 
L <) S. KÖehar I. S-28S. 

ft *) Naohttäglich achreiben die braanschneigiscben Bevollmächtigten an Cbd- 
piltaiD (i. Peina 10./20. März lÜGO): .Demselben geben wir hiermit — zu ver- 
atehen. dass die Garantie and Vereicherang der Uron Frackreicti und der Al- 
Itirten gegen EiDstellnng der HostililÜten und ResUluiion der Plätse in Pum- 
nern verhaffenllich erfolgen and daran kein Maogel erscheinen dürfte, massen 
DiBD deshalber gehöriger Oerter beharfige Erinnerung gelhan und guten Effect 
Tcrepüret.' 

*) Ueber diese Kadv Februar uDd Mürz gepflogenen Vorverhaodlungen s. 
Köcher 1 S.288f, 



8 1. VerbaadtungeD iregeo der Garantie des Friedens elc. 

Garantie za übernehmen. Als die Gesandten Anfanf; Mai 16G0 in Berlin 
aokanicü, stand der AbschlusB der Friedensverhandlungen in Oliva ecbon 
nnmitteHiar bevor. Sie trugen trotzdem ibr Anbringen vor, doch mit der 
den veränderten Conjuocturen entsprcühenden Verändernug, dass sie von 
dem Eurfüraten forderten, er BoHe obne Rtiiksicht auf den Aui^gang die- 
ser Friedensverhandlungen, auch für den Fall, dass sieb diese selbst oder 
die Eiecution des Friedens binziebeti cider Schwierigkeiten finden sollte, 
äicb zar Einstellung der Feindseligkeilen in Pomtnern und zur Häumang 
des Gcbwediscben Gebicles verpiliubten, wogegen sie die G^rnntie ihrer 
Fürsten nnd der Bundesgenossen derselben dafür, dass auch Sclweden aioh 
aller Feindseligkeiten im Reiche enthalte, anboten. 

Die Akten über die mit dieser Gesandtschaft gepflogenen Verbandlan- 
gen bilden den Anfang der in diesem ersten Abschnitte zu'' am menge stellten 
Dokumente. Obwohl diese Verhandinngen nicht zu dem gewünschten Er- 
gebnis führten, da der Kurfürst sich zwar bereit erklärte, die Forderungen 
jener Fürsten zu erfüllen nnd die von ihnen angebotene Garantie anza- 
iiehmen, aber eine genauere Präcisiernng derselben, nelche ihm Sicherung 
auch gegen etwaige spätere feindliche Schritte Schwedens gewährte, und Auf- 
nahme anch seiner preussiEchen Lande in dieselbe forderte, und sich wie- 
derum für verpflichtet erklärte, zuDäckst die Zustimmung; des Kaisers ein- 
zuholen, die Gesandten sich aber dahin nicht für instruiert erklärten nnd 
man so nnr verabreden konnte, dass die Angelegenheit demnächst auf 
einer neuen Zusammenkunft weiter verhandelt werden sollte, sind dieselben 
doch dadurch von Wiehtigheit geworden, dass sie dem Kurfürsten die Iland- 
bnbe boten , um weitere Anknüpfungen mit jenen Fürsten za Tersucben. 
Während nämlich die braunschweigifcben Fürsten und deren Genossen, 
nachdem der Friede abgeschlossen, in Ausführung desselben Scbwedisch- 
Pommern von den Truppen des Kurfürsten und seiner Uuudesgenossen 
wirklich geräumt und so die Gefahr, welche sie dnrch die Unterhandlungen 
mit dem Kurfürsten hatten abwenden wollen, beseitigt war, jene Unterhand- 
lungen nicht weiter fortgesetzt haben, hat der Kurfürst, welcher, wie oben 
angeführt, auch nii<'h dem Frieden sich von Schweden bedroht sah, die- 
selben wieder aufgenommen, und indem er sieh bemühte, von jenen Fürsten 
eine vertragsmässige Zusicherung jener ihm früher angebote- 
nen Garantie zn erlangen, an denselben eine Stütze zu gewinnen ver- 
sarbt'}. Die im Folgenden mitgetheilten weiteren Aktenstücke veranschau- 
lichen diese bis gegen Ende des Jahres 1661 fortgesetzten Bemühungen 
des Kurfürsten. ') Sie zeigen, wie derselbe, nachdem eine erste briefliche 



') In dem OehetmeDratbeprotokoUe vom 25. September/ä. Oclober 1G60 wird ba- 
merfcti „Herr Oberprasident vorgetragen, weil man soviel Nschricbt liat, dass di« 
Schwedeu BO stark armiren nnd nicbte abdanken, ob S. Chorf D. jemaad wegen 
der Garantie an die Alliirten Fürsten scblckeo wollten, 2) ffeil S. Cborf. D. 
wegen Prenssen nicht garanttri, wie es zu suchen. ' 

^ Dro;een, Gescfa. der PreuastBchen Politik lU 3 {2. Aufl.) S. lOf. B. 573 



KAofrage an jene Fürsten, ob nicht die verabredete weitere Zusammenkunft 
etattfioden solle, Trurbtlos geblieben, bei der ZoBaminenkonfl mit seinem Si'bwa- 
ger, dem Landgrafen Wilhelm von Hessen- Cassel auf dem Sparen- 
berg (20. nad 21. December 1660) anf diesen duhin einiawicken sucht, dass 
die Verhandlungen wegen der Garanlie fortgesetzt werden, wie er dann 
die arsprüngiich durch nndere Urtäcben, den zwischen KurpfaU und 
Knrcöln aasgebrochenen Streit und die heranfziehende Tüfkengefahr rer- 
«nUssie Sendung Portraanns an den Kurfürsten von Cöln (Januur Ifiöl) 
dazu benutzt, um auch bei jenem die frühere Zusage in Erinnerung zu 
bnugea, wie er darauf bei der auf Anregung jenes Kurfürsten (Juni IGiil) 
EU CöIn abgehaltenen Zusammenkunft seiner Bevollmächtigten mit denje- 
tiigen von Kurcöln, der branuschweigibchen Herzöge und dea Landgrafen 
TOn Heesieu-Cassel darauf dringen lästt, dass jene ihm von diesen Fürsten 
angebotene Gurantie wirklich geleistet werde, wie aber diese Versuche ver- 
geblich sind, vielinebr, wie schon auf dem Sparenberg der Landgraf ihn 
gemahnt hatte, „mehr auf die Rbetuisube Allianz ?.a reQectiren", eo jetzt alle 
jene Fürsten ibu zum Eintritt in diese Allianz zu bewegen suchen und wie 
dann Herzog Christian Lndwig von Celle Ende 1661 bei Gelegenheit 
der Sendung t. Gladebecks naih Berlin diese Mahnung in der eindring- 
lichsten Weise wiederholen lässt. Wir wissen von anderer Seite her, dass 
der Erfüllnng jener Wünsche des Kurfürsten inbetreff der Garantie auch 
Frankreich eotgegeugearbeitet hat, dass Kdnig Ludwig XIV'), noch be- 
sonders Bulgereizt durch den Pfalzgrafeu von Neuburg, welcher ihm seine 
Befürchtaug uitgetlieilt hatte, Kurcöln und Hesseu-Cassel würden bei der 
Rheinischen Allianz die Bewilliguug der von dem Kurfürsten verlangten 
Garantie des Friedens und dessen Eintritt in die Allianz rinrebsetzen, Bei- 
nen Gesandten in Frankfurt augewiegen hat, das erstere nicht zuzulassen, 
während er den Eintritt des Kurfürsten in die Rheinische Allianz als Mittel, 
nm denselben von der Verbindung mit Oesterreich abzuziehen, schon da- 
mals befürwortet hat. Der Kurfürst seinerseits bat diesen Aulrägen gegen- 
über dasselbe Verfahren eingehalten, welches er früher dem Kaiser, als er 
diesem von jener Aulforderuug der braunschweigischen Fürsten zum Eiu- 
tiitl in die Rheitiische Allianz Naohricht gab, als empfehlenswertb bezeich- 
Det hatte ^ nud von welchem er siih auch durch dessen Widerspruch da- 
gegen nicht hat abbringen lassen: er bat diese Anträge nicht ohne weiteres 
abgewiesen, sondern zwar Bedenken geltend gemacht, Bedingungen gestellt, 
darunter solche, dereu Annahme von Seiten der Alliierten durchzusetzen aus- 
sichtslos schien, aber er hat doch immer eine gewisse Geneigtheit zum £ia- 



giebt Dur eine kurze Notiz aber dieeelben, bemerkt aber, i1b«h diese Verband- 
Inngien, wenn bIb uucb fruchtlos verlsufeu aiod , doch ,fiir die Anfklärung der 
■leotBcben Verbälinisae van grösstem Interesse sind.'' 

InetraklioD Ludwige XIV. für Gravel von 26. Allrz KliU (Cuhruner. 
Kur-Maihi iu der Epoclie voo 1672. II S. 3(m). 

■) S. oben ä. 5. 



10 



. Verhaadlungeo wegen dm Gar&Dtie des Frieden 



treteo ta die Allianz kund gegeben and es wenigstens so eiosarichteäi^ 

wasBt, daEs die Verhaadlun,B;eQ darüber nie TollEtändig abgebrochen wurden. 
So giebt er noch znletzt io der Unterredung mit T. Gladebeck zwar seinem 
Unmutbe über die herrBcbende öleÜung, welche Fraukreich im Reiche zu 
geninnen trachte, und über die Abhängigkeit, in welche sich die Fürsten 
der Rbeinjschen Allianz hätten bringen lassen, den offensten Ausdruck, er 
erklärt dann aber doch nur, er könne sich nicht so pare zum Eintritt in die 
Allianz verstehen, und lässt durch seine Käthe weiter mit demselben darüber 
verhandeln, er besteht auf der »on Gladebecfc als unannehmbar bezeich- 
neten Einschliessnug von Preussen in die Allianz, lässt ihm aber durch seine 
Käthe mittheilen, wenn man im übrigen einig wäre, würde man sich auch wohl 
über diesen Punkt ve rata od igen. Sicherlich hut der Knrrürst damals nicht die 
Absicht gehabt, in die Allianz einzutreten, und er hat die Verhandlungen 
darüber hanptsäcbiich zu dem Zwecke fortführen lassen, um genauer hinter 
die eigentlichen Absiebten der Alliierten zu kommen, er hat aber ohne 
Zweifel dabei auch die Absiebt verfolgt, sich eine Brücke oflfen zu hallen, 
um, wenn andere Rücksichten ihm doch den Eintritt in die Allianz als ge- 
boten erscheinen lassen sollten, die dabin führenden Schritte ohne sich et- 
was vergeben zu müssen tbun zu können. 

Mit diesen Verhandlungen über die Garantie des Friedens kreuzten 
nnd vereinigten sich solche über eine andere Frtige, welche schon seit län- 
gerer Zeit die Stönde des Reichs in Aufregung versetzte, über die Ver- 
legung des Reicbsdepntationstages'), Die auf Grund der Be- 
schlüsse des letzten Reichstages seit dem September 1655 zu Frankfurt 
a. Main tagende Heichsdepuialion*) hatte eich nach dem Tode Kaiser Fer- 
dinand 111. (1657) nicht, wie dieses bisher üblich gewesen, aufgelöst, son- 
dern, obwohl der Rurrürstenrath Tür die Snspendierung gestimmt und das 
österreichische Directorinm im FürstenrHtb seine Vollmacht lür erloschen 
erklärt hatte, hatte die Majorität im Fürst«nrath im Einverständnis mit dem 
Kurfürsten von Mainz, dem als Erzkanzler die Leitung der Verhandlun- 
gen zustand, die Fortsetzung beschlossen und die Bevollmächtigten dieser 
Fürateu hatten dann auch wirklich vräbrend der Zeit des Interregnums wei- 
lergetagt'). Nachdem dann (Juli lll5b) die Wahl und Krönung des neuen 
Kaisers Leopold erfolgt war, hatte dieser auf den von dem Kurfürsteu 
von Mainz an ihn gestellten Antrag, die Fortsetzung der Reiihsdeputatiori 
zn genehmigeo und derselben neben ihren anderen Aufgaben die Berathnng 
über die securitas pnblica, d. h. über eine Reichs kriegs Verfassung zuzuwei- 
sen, zwar die Fortsetzung der Deputation gut geheissen aber, um derselben 

') 6. Grössler, Der Streit uoi die TrauslatioD der Frankfurter Ordinär! — 
ReichsdcpnlatioD 1658— IStil (Programm des G^mnasiumB tu Stergard in Pom- 
mern IBTO), eine Scbrirt, in welcher nur das bei Londorp gedruckte Material 
susammengestellt ist. 

=) S. Urk. u. Akt. VII S.ti33ff. 

S) S. Urk. u. Akt. VII a. 6M5ff., VIII S. 437 ff., Köcher I S. 227 ff. 






II 



B näher sein zu böutien, die VerleguDg derselben nach ßegensburg verlaogt, 
der Kurfürst voa Mainz aber hatte darauf, ohne sich am diese Forderung 
za kümmorn, die Wiedereröffnung des Depalationstages in Frankfurt auf 
den l.Oclober 1658 angesetzt. Allein nur ein Tbeil der Mitglieder, ansser 
^^ «eDigeti anderen nur ebendiejenigen Korfürsteo und Fürsten, welche eich 
^^Noswischen mit Frankreich uud Schtreden zu der Rheinischen Allianz ver- 
uneinigt hatten, waren dieser Ladung gefolgt, und als im Januar 1659 der 
Kaiser Beine Forderung wegen Verlegung des Deputation Etages, uud zwar 
nach Regensburg, niederholte, erklärten sich die übrigen Kurfürsteu und 
eine grosGe Anzahl anderer Keicbsstände bereit, dieEem Verlangen zu will- 
fahren. Allein die Kurfürsten von Mainz und Cöln sowie die übrigen 
Mitglieder der Rbeiniscben Allianz, welche die Versammlung in Frankfurt 
beschickt hatten, erkannten in dieser von dem Kaiser gewünschten Ver- 
legang nur einen Versuch, ihre Allianz, deren Bundesratb auch zu Frank- 
furt meinen Sitz hatte, zu sprengen oder wenigstens zu lockern, sie ver- 
weigerten daher, jedenfalls schou damals auch vou Frankreich aufgehetzt, 
die Verlegung als den Reicbssatzungen widerstreiteud , mahnten die ande- 
ren ReichsBt&iide, ihre Deputierten nach Frankfurt zu senden, und setzten 
dort, obwohl diese Mahnung nicht befolgt wurde, so nur die Minderzahl 
der zur Theilnahme berechtigten Reichsstande hier vertreten war') und 
desahalb von dem Kaiser uud den anderen Reichsständer] diese Versamm- 
long garnicht als rechtmässige Reicbsdeputntion anerkannt wurde, die 
Sitzungen fort, während andererfeits ein Thcil jener anderen Stände, der 
Aufforderung des Kaisers Folge leistend, ihre Deputierten nach Regens- 
burg sandten, welche aber, da Kurmainz sich fern hielt, zu keiueu Ver- 
handlangen schreiten konnten, sondern sich nulhätig verhalten mussten. 
Nun wurden allerdings von verschiedeneu Seiten Versuche gemacht, diesen 
illegalen Zuständen ein Ende zu machen und den Streit zu schlichten. 
Unter Berufung auf die dem Reiche durch die nordi.fcUen Kriegawirren 
drohenden Gefahren wies Knrcölii im October 1659 Kurbaiern gegen- 
über darauf bin. dass der 1654 nur vertagte Reichstag wiederbcrufeu wer- 
den müsse, und Eurbaiern, das anfangs dem nicht zugestJmmt hatte, 
Gchtug Anfang 1660 im Verein mit dem Erzbischof von Salzburg dem 
-Kaiser selbst dieses Mittel, als am besten geeigntt, um den im Reiche ans- 
gebrochenen Zwiespalt zo beseitigen, vor. Ebendieselbe Forderung erhoben 
aoch die im März 1660 in Wien erschienenen Gesandten von Kurmainz 
Dud Kurcöln. welche zugleich den Auftrag hatten, den Kaiser zur Räu- 
mung Pommeros zu bewegen, allein dieser, welcher fürchtete, dass auf 
einem Reichstage die auf Frankreich und Schweden sich stützende Oppo- 
sitionspartei noch mehr Anhänger finden und ihm noch grössere Schwierig- 
keiten bereiten würde, wies diesen Vorschlag zurück. Seine eigenen Ver- 
suche, den Kurfürsten vou Mainz, das Hanpt dieser Oppositionspartei, 



■) 8. dai Varzeicfauis der in Praukfart anweaendea GaeBudler; 
ünropaeutn VII S. 507, vgl. auch Köcher 1 S. 264 Anm. 1. 



1-' 



1 Verhaadlun^eQ wegen der Garantie des Friedei: 



zuerst dorch das ZngeEtändniR, dass auf dem Depatationatnge der puaclaa 

secnritatis vor allen anderen Berathungsgegenslanden vörgeuommen werden 
Eollte, dann durch die linstiniiDUDg za dem, zuerst vdd dem Herzoge tou 
Sachsen-A Itenburg vorgebrachten Vorschlage, dass beide DeputationeD, 
die in Frankfurt und die in Regengburg tagende, Gich aa einem drit- 
ten Orte, inÄugfiburg, Tereiuigen üollten und dase dort auch Gcbon Vor- 
berathuDgen über den Reichstag, dem er, wie er sieh ausdrückte, keineswegs 
za entfliehen suche, gehalten werden sollten, zur Nachgiebigkeit zu bewegen, 
waren vergeblich, obwohl sie von den anderen Kurfiireten, Belbst von Knr- 
coln, befiirworlet wurden. Von Frankreich aufgereizt, welches durch 
reicfalicbe Geldspenden seinen Forderungen besonderen Nachdruck zu geben 
verstand,') beharrten der Kurfürst von Mainz und die übrigen Mitglieder 
der Rheinischen Allianz bei ihrem Widersprui-be und Hessen die Versamm- 
long in Frankfurt weiter bestehen. So dauerte der Zwiespalt fort, bis 
eodlich der Kaiser, durrb die immer mehr drohende Türkcugefahr erschreckt, 
nm die Hülfe des Reiches zu erhalten sich zur Nachgiebigkeit entschloss, 
zuerst August 1661 siih zur Änsetzung eines bestimmten Termines fiir den 
Keichstag und zur Einholung des Consenses der Kurftirsteu dazu, freilich 
noch unter der Bedingung, duss vorher die Translation de.s Uepntatioas* 
tages nach Augsburg erfolge, verstand, dann, da Kurmainz und dessen 
Bundesgenossen sich auch dadurch iiocb nicht umstimmen liessen, auch diese 
Bedingung fallen Hess und November 16öl einfach den Reichstag ausschrieb. 
Knrrürst Friedrich Wilhelm hatte eich in den früheren Stadien dieses 
Streites, entsprccbciid der engen Bundesgcnossenscliaft, in welche ihn die 
Wechselfälle des nordischen Krieges zn Ocslerreich geführt halten, und 
dem gespannten Verhältnis, in wclihes er, nachdem die Rheinische Allianz 
ohne ihn abgeschlossen worden war, zu den Mitgliedern derselben getreten 
war, durchaus auf die kai-^erliihe Seite gestellt. Auf jene Aufforderung des 
Kurfürsten von Mainz zur Beschickung der von demselben auf den 1. October 
I658 wieder nach Frankfurt berufenen Rcichsdepulation hatte er erwidert,') 
dass er sich von der Reassumption derselben nach den bisherigeu Erfab- 
rangeti wenig Nutzen verspreche und dass er, da vorher zu Krankfurt ein 
einmüthiger Beschluss inbetreff derselben nicht gefasst sei, vielmehr die 
Majorität beschlossen habe, sieb darüber zunächst mit dem Kaiser zu ver- 
ständigen, dorthin kirine Gesandten abschirken werde, bevor er die Mei- 
nung des Enisers und der anderen Kurfürsten erfahren habe, er halte dann, 
als jene Deputation Irolzdem zusammengetreten war, die Rechtsbe ständig- 
keit derselben, da so wenige keine Deputation ausmachen könnten, bestritten *) 



■) 8. Ludwigs XIV, iDBtmclion för Gravel vom 28. März und das Hb- 
script an denselben vom 1. October lülil {Guhraaer 11 S. 3(H>. 314). 

^ K.C. an den Kurfürsten von Maine d. Hauptquartier in Trittaa 21 Sep- 
tember/1. October 1658 (Londorp VIII S. M8) a. Gröesler S.S. 

•) KI. au denselben d. Feldlager vor Friudrichsöde 37. Mai/ 6. Juni 1650 
(Londorp VIII S. 558). 



ßinlei 



13 



Innd Kormninz dringend gerfttben, der von dem Kaiser verlangten Verlegung 
derselben nach Kegenfiburg zuzuetinimen, halte selbst im October 1659 
Matbiae t. Crockow als eeineo Bevollmächtigten nach Rcgensbnrg 
gesendet, welcher bis zum Jali des nächsten Jahres ^ich dort aofgebalieo 
hat. Er hatte ferner versucht auf die brannseh weigischen Fürsten 
eiiiinwirlfen') und diese za bewegen, ihre Gesandten von Frankfurt ab- 
zuTofen and auch nach Regensburg zu schicken, und in der That hatte 
jeoe im October 1659 an ihn abgeordnete Gesandtschaft'] derselben erklärt, 
das8 sie nebst den übrigen noch zu Frankfurt versammelten Deputierten 
daza bereit seien, freilieb unter Hinzu riiguug der Bedingung, wenn ein ^lu 
Sicherung der Stände und Verhütung künftiger Consequenz djeDsames 
Mittel" getroffen werden könnte, und ohne dass nie »-ich zo einer uäheren 
Erläuterung dieses sehr unbestimmten Vorbehaltes bewegen liesseo. Das» 
es denselhen mit dieser Zusage keineswegs KrDsl gewesen, zeigte sich bald 
anf der Zusammenkunft zu Tangermünde') (Febrnar 1660), wo die braun- 
schweigiscben Gesandten entsprechend der gleichzeitig von Kurmaiuz und 
Knrcöln an den Kaiser selbst gestellten Forderung rerlangten, der Kur- 
fürst solle als bestes Mittel um den Streit wegen der Deputation zu been- 
digen den Kaiser um Wiederbernfnug des Reichstages ersuchen, Der Kur- 
fürst hatte in seinem Bericht über diese Zusammenkunlt an den Kaiser 
auch dieser Forderung Erwähnung gethan, der Kaiser hatte aber darauf 
erwidert, er könne nicht dafür halten, dass der drohenden Gefahr durch 
dieses Mittel, wohl aber durch sofortige Erneuerung des Deputationstages 
und Erledigung des puncti securitatis daselbst abgeholfen werden könne, 
und diesen Punkt, die Gefahren, welche eine Wiederberufung des Reichs- 
tages damals, noch während des Krieges, nach sich ziehen wurde, hat er 
dem Kurfürsten auch durch den im April 1660 nach Berlin abgeschickteu 
Fürsten Goni^aga') näher vorstellen lassen. 

Bei deo in der uächstfolgenden Zeit von dem Kurfürsten einerseits mit 
den branDscbwcigischen Herzogen, dem Landgrafen von Hessen- 
Cassel, dem Kurfürsten von Cöln und auch mit dem Kurfürsten von 
Mainz, gerade den Hauptfübrern der auf der Frankfurter Versammlung 
vertretenen Oppositionspartei, und andererseits mit dem Kaiser geführten 
Veihaudlnngen sind nnih diese Fragen belrrEfend die Verlegung der Rcichs- 
deputation nnd die Berufung des Reichstages mehrfach berührt worden und 
die nachfolgend abgedruckten Aktenstücke veranschaulichen auch die Slel- 
welche der KnrfUrst in den späteren Stadien des Streites über die- 
Mben eingenommen hat'). Sie zeigen, dasa er diesen Fragen an und für 



•) B. Köcher 1 S. 2S4. 
I 8. oben B.lf. 
t S. oben 8 6 f. 

<) S. ürh. n. Akt. Vtlt S. 4287. und du na (en abgednokte Schreiben des 
Kaiser« an Kf. vom .''>. Juai 1G60. 

■} Qbdb kurz hat Drovsen, Gesoh d. Preuaa. Fol. III b S. lOff. diese Ver- 



14 1- VerhandlaDgen wegen der Oarantie des Friedeos etc. 

sich Dor eine geringe Wichtigkeit beigemessen nnd dass er keineswegs eine 
scharf ausgeprägte Parteistellnng in denselben eingenommen hat; im allge- 
meinen bleibt er anf der Seite des Kaisers, billigt nnd nnterstQtzt er dessen 
Massnahmen, doch bemüht er sich denselben zu weiterer Nachgiebigkeit 
nnd dadurch znr Beendigung des Streites zu bewegen. Schon früh scheint 
auch er in der Wiederberufnng des Reichstages das geeignetste Mittel 
dazu erkannt zu haben. Sofort nach der Beendigung der 01i?aer Friedens- 
nnterhandlnngen fragt er bei dem Kaiser an, was derselbe jetzt nach dem 
Abschlnss des Friedens in betreff des Reichstages zu thnn gesonnen sei, er 
benutzt dann bald eine Gelegenheit, um unter schicklichem Verwände sei- 
nen Gesandten Ton Regensburg, wo derselbe ganz unthätig hatte bleiben 
müssen, abzurufen; bei der Zusammenkunft mit dem Landgrafen von Hes- 
sen sucht er allerdings zuerst diesen zur Einwilligung in die Verlegung 
der Deputation an einen dritten Ort zu bestimmen, als aber dieser die Wie- 
derberufung des Reichstages fordert, erklärt er, er wolle sich ancb den 
Reichstag gefallen lassen, wenn man ihn nur versichern könnte, dass anf 
demselben auch wirklich die dringenden Angelegenheiten würden in Angriff 
genommen werden. In ähnlicher Weise spricht er sich dann auch dem 
Grafen Fürstenberg gegenüber aus, bei den Verhandlungen zu Cöln 
erklärt er sich für die Berufung des Reichstages, erbietet sich anch dem 
Kaiser dieselbe anzurathen, verlangt aber wiederum, man solle dafür sorgen, 
dass dort etwas Nützlicheres als bisher verrichtet werde nnd dass man dort 
in besserer Einigkeit erscheine. Dem Kaiser gegenüber hütet er sich 
wohl, die Berufung des Reichstages geradezu anzuempfehlen oder gar in 
fordern, er berichtet ihm nur, dass die meisten Reichsstände dieselbe ver- 
langten und von der Verlegung und Fortsetzung der Reichsdepotation 
nichts wissen wollten, ebenso wenig aber missbilligt er dem Kurfürsten von 
Mainz gegenüber dessen Verfahren geradezu, doch ermahnt er ihn sn 
verhüten, dass nicht „durch allzu langsame consilia und Anstellung*' die 
Türkengefahr noch vermehrt werde. Als der Kaiser sich dann zur Fest* 
setznng des Termins für den Reichstag verstanden hat, versucht er die 
Kurfürsten von Cöln und Mainz zur vorherigen Abhaltung eines Kor- 
fürstentages zu bestimmen, giebt aber, als er dort nicht das gewünschte 
Entgegenkommen findet, den Gedanken auf. 



hältnisse berührt, geoaaere Nachrichten darüber hat neuerdings Köcher, Gesch. 
von Hannover and Brauoschweig I S. 283 ff gegeben. 



Proposition der Kur - Cölnischen , Braunschweigischen und 
HeBsifichen G^fiandten.') D. Cöln a. Spree 26. April/[6. Mai] 1660. 

[Ef. and dessen BaDdesgenossen sowie Schweden sollen sieh yerpfliehten gegen- 
seitig ihre Reichslande nicht ansagreifen, Anerbieten der Grarantie dieser 

Zusicherung.] 

1660. 

Da ihre Fürsten den Zastand im Römischen Reich so bescbaf- 6. Mai. 

fen finden , dass, wenn dem nicht vorgebant würde, eine universale Kriegs* 
flamme in demselben zu befürchten sei, so zweifeln sie zwar nicht an des 
Kf. Intention, das Reich in seiner Sicherheit zu erhalten, weil aber ans den 
TOD der Krone Frankreich einkommenden Schreiben') bekannt sei, dass 
diese die in Pommern vorgegangene Expedition pro contraventione pacis 
aehte und bei nicht erfolgender Abstellnng derselben der Krone Schweden 
die im Westfälischen Frieden verglichene Garantie wirklich leisten wolle, 
so wünschen die Fürsten, dass es dazu nicht kommen, sondern die in Pom- 
mern entstandene ünmhe cessiren möchte; sie haben es sich daher bei der 
Krone Frankreich angelegen sein lassen, dass mit Leistung wirklicher Ga- 
rantie möchte eingehalten werden, bis man zunächst durch gütliche Mittel 
versuche, das Reich wieder zu seiner Ruhe zu bringen und den darin krie- 
genden Theilen gleichwohl genügende Sicherheit dabei zu verschaffen. 



*) Die Gesandten waren : für Earcöln der Geheime Rath, Westfälische Land- 
drost and Generalwachtmeister Freiherr Dietrich v. Landsberg, für die braun- 
schweigischen Herzoge die Geheimenräthe Friedrich v. Heimbarg (Wolfen- 
bfittel) and Bodo v. Gladebeck (Celle), für Hessen die Geheimenräthe Chri- 
stian Pagesteeher (Cassel) and Hans Eitel Diede zum Farstenstein 
(Darmstadt). Vgl. aber diese Gesandtschaft Köcher, Geschichte von Haanover 
und Braanschweig I 8. 289. 

^ S. das Schreiben Ludwigs XIV. an die Reichsdepatation zu Frankfurt 
d. Toaloase 5. December 1659, nnd die Schreiben Mazarins an den Kf. von 
demselben Datum and an die Kurfürsten von Mainz und Cöln vom 22. Decem- 
ber 16&9 (Londorp VUI S. 661. 664 f). 



IP 



Verband langen vegea der Garaotie des Friedet 



Gestalt (lau uusere giiädigste Chur-, Filmten und Herren nicht 
allciD ihre mitvereinigte Clinr- und Fürsten, sondern auch die Chron 
Fraukreicii vermöge gethancr Erklärunge dahin geneigt und willig 
zu sein wissen, von der Chron Schweden eioe solche Declaration, dasa 
Ton derselben Ew. Cbf. D. noch deio Conföderirter im Reich gelegene 
Landen nicht sollen invadiret werden, wau eine glcichmäasige De- 
claration nebenst Restitution der occupirten Posten an die Cliron 
Schweden geschieht, nicht allein zu Wege zu bringen, sondern auch, 
da es nöthig, zu Festhaltung solcher gegen einander auslierernden 
Mutualversicherung sich als Garant darzustellen. 

Trotz der iDEwisubea eröffnetea friedlichen AaRsicbtea ersuchen ihre 
Pursten den Kf. doch, sein Absehen nicht auf den Ausschlag oder die Exe- 
CQtioD der Prcussisohen Tractaten zu richten, sondern, wenn es mit denselben 
sich wider Verhoffen noch verziehen sollte, gleichwohl nichts desto weniger, 
so bald man sirh eines insirumeuli aaservationis werde verglichen haben, 
»ocL zugleich die Verordnung zu thun, dass die wirkliche Erledigung der 
in Poroiaern enstandencn Unruhe Bii?eiläugt erfulgeu möge, sie sind un- 
gleich der Zuversicht, düss sich die kriegenden Parteien aller Feindselig- 
keit gegen beiderseits im Reich gelegene Lande entbatten werden. 



(i, M 

I 



Protocollnm, so mit den Rnr-Cöloischen, aämtlichen Brann- 

achweigistlien, Hessen Caasel- und Darmstädtiaclien Gesandten 

zu Berlin vorgangen den 26. Aprilia und folgende Tage. 

Nacbdom Kf. dem O.-PräsidenCen v. Schwerin und dem t. Canstein 
befohlen, mit den Gesandten in Conferenz zn treten, begehen sich diese 
gleich am 26. April zu denselben und v. Schwerin erklärt ihaea nach 
den Cunalieu. es käme hauptsächlich darauf an. wie man des etwa la erlan- 
genden Friedens versichert sein könnte. Denn ob zwar in den Polni- 
schen Tractaten dies VTerk mit Pommern vorkomme und erledigt werden 
möchte, so bliebe dochSchwedeu arrairt, lilhre auch gegen Dänemark ferner 
fort, und wollte Kf. daher vernelioien, was ihrer Principulen Gedanken 
hierunter, namentlich was sie der Garantie halber zu thun gemeint seien.. 
Zwar möchte man meinen, wenn nur der Friede geschlossen, so habe mau 
nichts weiter zu appreheiidireii, der polnische und leiste dänische Krieg 
aber nud die kurländiscbe actiones bezeigten wohl das widrige. 

Die Gesandlen erwidern daranf, sie wollten ihre mündlieb gethane Pro- 

positton schriftlich Übergeben, dies gesichieht am fegenden Tago {^2^ April), 

. Kf. lässt ihnen darauf erklären, nach dieser Proposition schiene ihm, als wenn 



KnrcÖloische, braanschweigische a. hessische GesaDdtschaft in Berlin. 17 

die Gesandten non, nach Abschluss des polnischen Friedens die Leistung 
der Garantie fast für nnnöthig hielten, man hätt<} ihm aber die mündliche Er- 
klärung derselben hinterbracht, er lasse ihnen daher vorstellen: 

1) ob sie die Proposition ihrer mündlichen Erklärung gemäss ändern 
oder desshalb ein anderes schriftliches Memorial übergeben wollten, in wel- 
chem die Garantie ohne Restriction offeriert werde. 

2) Kf. vernehme ungern, als wenn diese Garantie blos auf die Reichs- 
lande restringiert werden sollte. Weil ihre Principalen gegen den Kaiser 
auch zu Einnehmung der Schlesischeu und anderen Lande sich erklärt, so 
hoffe Kf., man werde auch Preussen miteinschliessen. 

3) Weil sie selbst gestern angeführt, dass man hier nicht billig diese 
Garantie zustande bringen könnte, man gleichwohl wissen müsste, worauf 
die Garantie sich fundieren sollte, so bäte man, ein Project zu übergeben. 

4) Kf. hoffe, man hätte hierbei auch diese Meinung, dass, wenn etwa 
die Schweden post pacem Polonicam, ante vel post evacuationem der 
vom Kaiser und Kf. occupierten Oerter ihn infestieren wollten, dass man 
ihm dagegen sofort cum effectu assistieren und nicht dieses nehmen wollte, 
als wenn es aus dem vorigen Kriege herrührte. Kf. müsste deshalb beson- 
ders erinnern, weil er den letzten Friedensbruch gegen Dänemark vor sich 
habe, den man nicht für einen Friedensbruch, sondern dass es noch vom 
vorigen Kriege herrührte habe nehmen wollen, und weil ihm die schwedi- 
schen Desseins von früher her genugsam bekannt, da man zu der Zeit, als 
man auf schwedischer Seite seine Hülfe am höchsten nöthig gehabt, sich 
doch nicht gescheut, seine Seehäfen und Lande zu begehren. In der Pro- 
position geschehe auch nur der Lande der Conföderierten Erwähnung, Kf. hoffe 
nicht, dasR man dadurch die Kaiserlichen Erblaude auszuschliessen suche. 

Auf das letzte antworten die Gesandten sofort, die angebotene Garan- 
tie sei auch auf die Kaiserlichen Erblande gemeint. Im übrigen haben 
sie die Sachen in fernere Bedenken genommen, haben am folgenden Tage ihre 
Resolution schriftlich eingebracht, worauf dann auch Kf. seine endliche 8. Mai. 
Resolution ihnen schriftlich zukommen lassen, womit diese Conferenzen 
geendigt haben. 



Der Gesandten Erklärang auf die ihnen bei der gestrigen 

Conferenz vorgestellten 4 puncta wegen der Garantie. 

Cöln a. d. Sp. 27. April/[7. Mai] 1660. 

IBediDguDgeo der zu übernehmeDdeD Garantie.] 

Soviel nun den ersten betrifft, lasset mans bei der — gestrigen 7. Mai. 
Tages so mündlich als schriftlich offerirten Garantie nochmalen be- 
wenden, kraft derer Ihre gn. Chur- Fürsten und BH. sich verobligi- 
ren, wenn S. Durch), und dero Conföderirten bei der Resolution be- 

Ifater. t. Qescb. d. G. Karfürsten. XI. 2 



18 



1. TerhandluDgeD wegen der Oarautie des Friedena «tc. 



ständig verharren werden, nicbt alleiu ihre Waffen in Fummeri] und 
anderen K. ScbwediBchen Reichelanden cessiren zu lassen, Bondern 
auch die darin occupirte Oerter zu restitniren, sicli nebst der Chron 
Frankreicli und anderen ihren Mitalliirten Chur- und FUrsten als 
Garant dergestalt darzustellen, dass weder S. Chf. Ü. noch dero Cou- 
föderirten im Reiche geleg^ene Lande von der Chron Hebweden, 
die eich auf solchen Fall dazu alschon willfährig erklärt, angefochten 
weiden sallen, wobei unsere gnädigsten Chur-, FUrslen und Herren 
zwar ganz gerne vernehmen, dass auch ausserdem kraft der auf dem 
Schluss stehenden Prenssiscben Tractaten die Hostiütälen in Pommern 
cessiren, auch die darin occupirte Oerter restituiret zu werden ganz 
gewisse Hoffnung geschöpfet wird, zu S. Chf. D. tragen sie aber das 
zuyerstchtlicUe Vertrauen, dass da auf allen unverhofften Fall bei der 
Esecution des in Freussen vielleicht alschon geschlossenen Friedena 
einige Hindernisse in den Weg kommen — — sollten, daas S. Chf. D. 
ofterwähnte cessationem armorum und Restitution der occupirten Oerter 
in Pommern alsdann auf die Execution des Polnischen Friedens nicht 
verweisen, sondern einen Weg als den anderen dazu gegen jetzo offe- 
rirte Garantie geneigt seiu werden, zumal ausser deme unsern gnä- 
digsten Chur-, Fllrsteu und Herrn sehr bedenklich fallen dflrfte, eine 
so schwere Obligation Ober sich zu nehmen. 

Gleichwie nun unsere gu. Chur-, Fllrslcn und HH. dafllr halleo 
müssen, dass S. Chf. D. auf solche Weise genagsam gesichert sein, 
also werden sie gleichwohl nicht unterlassen auf nächstem Reichs- 
tage sich dahin zu bearbeiten, dass nicht allein der punctus secun- 
tatis publicae insgemein recht gefasset, sondern auch zuforderst H. Chf. 
D. nach Anleitung dero deueu K. Mainzischen und Cölnischen 
an den Kaiserl. Hof deputirten Gesandten aufgegebenen Commission 
von dem ganzen Reiche gnugsame Sicherheit verschaffet werde, in- 
zwischen aber und bis dahin lassen sie es bei ihrem vorigen Erbieten 
der Garantie halber bewenden — zweifeln gleichwohl nicht, es werden 
S. Chf. D. — wie nütbig es sei, daas die prorogata comitia filrder- 
lichst reassumiret werden, erwägen und dieselbe — möglichst beför- 
dern helfen. — Indem nun hieraus die Churf. deputirte geheimbte mi- 
nistri der anwesenden Gesandten hoher Herrn Principalen eigentliche 
— Intention klärlieb werden zu vernehmen haben, als hält man die 
bei dem dritten puncto begehrte Entwerfung eines Projecfs fUr jetzo 
llberflllssig. 

Wohin der anwesenden Geaandten hoher Herrn Principalen in- 



Karcölnische, braooscliweigische u. hessische Gesandtschaft in Berlin. 19 

tentio bei dem yierten puncto gerichtet, wird yerhoffentlich ans obigem 
zur Genüge erhellen. — 

Was in dem andern puncto wegen Miteinschliessung des Churf. 
Preussens angefhhret, darauf befinden die — Gesandten sich nicht 
instruiret, sein aber ihren gn. Chur-, Fürsten und Herrn bei ihrer 
Zurückkunfk alles fideliter zu referiren erbötig. — 



S. Chf. D. Resolution auf der Gesandten Anbringen. 
Cöln a. d. Sp. 30. April/[10. Mai] 1660. ^ 

(üeber die Garantie ist anf einer neaen Zasammenknnfl za yerhandeln, Prenssen 

ninss in dieselbe eingeschlossen werden.] 

Tragen die Hoffnung, dass der höchste Gott ver- lo. Mai. 

mittelst Verleihung eines allgemeinen Friedens alles in vorige Sicher- 
heit und gewünschte Ruhe stellen — werde. Wie aber dabei vornehm- 
lieh auch auf die Befestigung desselbigen zu sehen, also können S. 
Chf. D. die deshalb an Seiten Ihrer Chur-, und Fürstl. Dchl. Dchl. 
angebotene Guarantie nicht anders als zu des gemeinen Besten Sicher- 
heit zielend erkennen und wohl aufnehmen, nicht zweifelnd, es wer- 
den auch der Herrn Abgesandten hohe Frincipalen darob ferner die 
Hand halten, damit was zu Perfectirung dieses alles diensam, ge- 
bohrend befördert und zum Effect gebracht werde, und aldieweil hiezu 
allenthalben weitere Vernehmung, insonderheit auch mit den Cronen 
Frankreich und Schweden erfordert wird, von solchen Cronen 
dabei die Herrn Abgesandten nichts beständiges, sicheres und eigent- 
liches itzo exhibiren, sondern selbst erinnern, dass dieses alles bis 
zu solcher weiteren Vernehmung und deswegen absonderlich ange- 
stellter Tagefahrt ausgestellet bleiben müsse, dabenebenst auch von 
der Herrn Abgesandten hohen Frincipalen diese Sache an die Rom. 
Kais er 1. M. — schon yorhero gebracht ist, so können S. Chf. D. 
nicht weniger, als die völlige Abhandlung dieser erwähnten Guarantie 
bis zu — Ihr. Eaiserl. M. allergnädigsten Erklärung, wie auch der 
angeregten Zusammenkunft ausgestellet sein zu lassen. S. Chf. D. 
wird jedoch lieb sein, dass diese Zusammenkunft nicht nur je ehender 
je lieber vorgehen möge, sondern versehen sich damebenst, dass 



') Von demselben Tage ist aach das Recreditiv des Rf. für die Gesandten 
datiert. 

2* 



20 1- Verhandlungeo wegen der GaraDtie des FriedeDS etc. 

wann I. Kaiser). M. und S. Chf. D. von ferneren Hostilitäten gegen 
Pommern und andere in dem Reiche von den Schwedischen be- 
sitzende Länder inhalten thäten, nachgehends aber I. Kaiserl. M. und 
S. Chf. D. ungeachtet dessen, so zu Danzig etwa verhandelt sein 
möchte, von der Cron Schweden im Reiche angegriffen werden 
sollten, alsdann der angebotenen Guarantie nach sowohl von der 
Cron Frankreich als von LI. Churf. und Fürstl. Dchl. Dchl. kräftig- 
lich assistirt werden wird. 

So tragen S. Chf. D. kein Zweifel, es werden die Herrn 

Abgesandten aus dem letzten Polnischen Kriege angemerket haben, 
wie dero Oerter in Polen und Preussen^ nicht wohl einige motus 
vorgehen können, die nicht zugleich das Rom. Reich und dessen Pro- 
vinzen miteinflechteten, darwider dann alle vincula im Rom. Reich 
vergeblich, nichts aber beständiger dieses zu verhindern vermag, als 
wenn diejenigen, so auch dero Oerter Unruhe anzurichten sich unter- 
nehmen, durch eine solche Guarantie (die auch S. Chf. D. Preus- 
sische und angehörige Länder mitbegreift) davon abgehalten und 
gehindert würden, in welche zu verwilligen S. Chf. D. so viel we- 
niger Schwierigkeit sich vermuthen können, angemerket, gegen L 
Kais. M. der Schlesischen und andern Landen zu einer solchen 
Guarantie sich der Herrn Abgesandten Principalen von sich selbst 
anerbietig gemacht. 



Gesamtrelation von v. Landsberg, v. Heimburg, Bodo v. Glade- 
beck, A. Chr. Pagestecher und Hans Eitel Diede zum Fürsten- 
stein an ihre Principalen. D. Magdeburg 4./ [14.] Mai 1660. 

(Hannoversches Archiv.) 

[Verlauf der YerhaDdlaDgen. Die an den Kf. zu BtelleudeD ForderuDgen und die 

mit den Alliierteu zu beratheudeu Punkte.] 

4. Mai. Sie haben 26. April bei Kf. in CöId a. Sp. Audienz gehabt und darauf 

mit den von diesem deputierten Geheimen Käthen Conferenz gehalten. Sie 
legen bei ihre Proposition >), die sie auf Grund ihrer Instruktion und der 
durch die bei ihrer Ankunft überall erschollenen Friedensnachrichten etwas 
veränderten Conjuncturen aufgestellt, und die Antwort, welche Kf. durch den 
O.Präsidenten v. Schwerin ihnen hat ertheilen lassen 2), sowie das Protokoll 



') S. oben S. 15. 
^ S. 19. 



KarcÖloische, braanscbweigiscbe u. hessische Gesandtschaft in Berlio. 21 

über die Conferenzen. Da die braDdeobargischen Deputierten dafür gehal- 
ten haben, dass die von ihnen offerierte Garantie za sehr restringiert sei, und 
begehrten, dass in diesem puncto ihre Proposition durch ein Memorial erläu- 
tert werde *) , so haben sie durch eine Declaration die Garantie nicht nur 
auf die Cessation der Waffen und Restitution der occnpierten Oerter in 
Pommern ohne einige Reflexion auf die Execution der Preussischen Frie- 
denstractaten, sondern auch ratione temporis bis auf den folgenden Reichs- 
tag zu restringieren für nötbig erachtet, da vermöge der nun geschlossenen 
Friedenstraetaten, wenn dieselben ratificiert und exequiert werden, die Hosti- 
litäten ohne das cessieren und die occnpierten Oerter restituiert werden müssen, 
die Fürsten aber gewiss nicht gemeint sein werden, die Garantie zu ver- 
sprechen, wenn nicht dagegen die Versicherung geschehen sollte, dass auch, 
falls die Execution der Friedenstraetaten verzögert werden sollte, doch die 
Hostilitäten in Pommern cessieren und die dort occnpierten Oerter gegen 
die offerierte Garantie restituiert werden sollten, zumal sonst der Zweck, das 
Reich in Ruhe zu halten und die sonst unfehlbar erfolgende französische 
Garantie abzuwenden, ganz verfehlt werden dürfte. 

Kf. hat sich aber darauf nicht categorice resolviert, sondern in seiner 
ihnen übergebenen Resolution^ die völlige Abhandlung der Garantie auf 
Communication mit dem Kaiser und fernere Yernehmung ausgestellt; sie 
haben darauf ihre frühere Deklaration noch einmal schriftlich wiederholt 
und Schwerin hat des Rf. Intention dieses puncti halber ad protocollum 
declariert. 

Sie hoffen, nachdem Kf. die offerierte Garantie nicht allein acceptiert, 
sondern auch zu Ausmachung derselben eine zu dem Ende vorgeschlagene 
anderweitige Zusammenkunft beliebt hat, es werde dabei keine andere Mei- 
nung haben, als dass gegen Auslieferung des Instrumenti assecnrationis Kf. 
auch declarieren werde, wofern bei Execution des Friedens die Pommersche 
Restitution stecken bliebe, sollte dieselbe doch kraft besagter Garantie er- 
folgen; wenn daher bei der neuen Zusammenkunft Kf. sich zu solcher Even- 
tual Versicherung nicht inclinieit befinden sollte, müsste seinen Ministern remon- 
striert werden, dass dann auch die Fürsten nicht einsehen könnten, wie 
ihnen die Prästation einer Specialversicherung zuzumuthen sei, da Kf., ob 
er zwar in Ansehung dieser Garantie die Preussischen Tractaten beschleu- 
nigen helfen, doch auf solche offerierte Securität keine Eventual Versicherung 
des effectus thun wollte. 

Sie rathen, die Fürsten möchten je eher je lieber mit den übrigen Al- 
liierten und den Ministern der Kronen überlegen lassen, wie das lustr. asse- 
cnrationis am besten abzufassen, ob, wenn Kf. nicht auf die weitere Zusam- 
menkunft dringen, sondern auf den Ausschlag der Execution des polni- 
schen Friedens sein Absehen behalten wollte, man ihm zu Adjustierung 
der mutuellen Securität Ort und Zeit vorschlagen solle, und ob die AUiier- 



^) 8. 17. 
*) S. 19. 



22 1- YerhandluDgeD wegen der GaraDÜe des Friedeos etc. 

tea zufrieden seien, dass Kf. zo Amplectierong der Allianz nochmals mit 
invitiert würde. 



Der Kurfürst an Kaiser Leopold. D. Cöln 2J[12.] Mai 1660. 

(Conc. 0. V. Schwerin.) 

[Mittheilnng der Verhandlaogen mit K.Cölo, Brannschweig und Hessen. Anfrage 
wegen der angebotenen Garantie und des Reichstages.] 

12. Mai. Er theilt mit, was auf den mit den Gesandten von K. Cöln, Brann- 
schweig and Hessen- Cassel und Darmstadt gehaltenen Conferenzen 
vorgegangen. Obwohl es nach dem jetzt zu Dan zig geschlossenen Frie- 
den rathsam ist, diese von Frankreich und den genannten Ständen an- 
gebotene Garantie zu acceptieren, so hat er doch, ohne des Kaisers WiHens- 
meinnng einzuholen, hierin nicht einseitig etwas Hauptsächliches erklären 
wollen, ersucht also den Kaiser ihn seine Meinung in betreff dieser Garan- 
tie und der dabei angehängten Conditionen, wie auch was er jetzt nach 
geschlossenem Polnischen Frieden wegen des Reichstages zu thun ge- 
sonnen, wissen zu lassen. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 5. Juni 1660. 

[auf das Schreiben vom 2./ 12. Mai. Empfehlung einer Verbindung mit K. Sachsen, 
Braunschweig, Hessen und E. Baiern. Eroffouogen Fürsteubergs. Reichstag 

unstatthaft. Berufung der Beichsdeputation.] 

5. Juni. Dank für die Mittheilung; er ist mit dem, was Rf. in dieser Sache ge* 

than, durchaus einverstanden. Er hält es für ihre beiderseitige Sicherheit 
am dienlichsten, wenn Kf. sich bei K.Sachsen, dem Hause Braun- 
schweig, Hessen-Cassel und anderen Confidenten dahin bemühe, dass 
dieselben sich mit ihnen beiden zu Exequierung dessen, was in dem Frieden 
geschlossen, contra quoscumque turbatores pacis verbänden, er seinerseits 
will sich ebenso bemühen, dieselben wie auch K. Baiern dazu zu dispo- 
nieren. 

Es hat zwar der an seinem Hofe bisher anwesende K. Cölnische Obrist 
Hoffmeister, Graf Egon von Fürstenberg ihm durch seinen Christen 
Hoffmeister den Vorschlag einer Allianz contra quoscumque invasores, 
bis man sich hernach auf dem Reichstage einer rechten Reichs- und 
Kreisverfassung vergleichen möchte, beibringen lassen, er hat aber den- 
selben nur dahin beschieden, er sei nicht ungeneigt, mit K. Cöln und anderen 
Fürsten sich in ein solches Bündnis einzulassen, und stelle zu ihrem Be- 
lieben, ob sie ihm eröffnen wollten, was für Kur-, Fürsten und Stände man 
ihres Davorhaltens dazu weiter einzuladen hätte, und wie sich dieselben 
dazu zu verstehen und einzulassen gedächten. Wegen des Reichstages 



VerlegQDg der Beichsdepatation. 23 

hat er durch Fürst Gonzaga*) dem Kf. eröffoeo lassen, {lus was für er- 
heblichen Motiven er damals die Reassumption desselben für bedenk- 
lich und den damals auf dem Scbluss stehenden Preussischen Tractaten 
für hinderlich gehalten, anch jetzt erachtet er es für das beste, man möchte 
dem Werk so lange einen Anstand geben, bis man sehe, wie nach vollzo- 
genem Frieden sich der Status remm im Reich anliesse. Nachdem ihm 
der Vorschlag') an die Hand gekommen, er möchte sämtlichen Reichsde- 
pntlerten Ständen schreiben, weil nun der allgemeine Frieden geschlossen, 
man sich aber wegen Consolidation des Deputationstages bisher nicht habe 
▼ergleichen können, und da man nun in executione des getroffenen Friedens 
begriffen sei, ob ihnen gefallig sei, dass künftiges Jahr Anfang März die 
gesamten Reichsdeputierten zusammen kämen, um das vorzunehmen, 
was auf letztem Reichstage der Reichsdepntation übergeben, wie auch de 
praeparatoriis zu dem künftigen Reichstage geredet werden könnte, falls 
inzwischen eine Gefahr auskommen sollte, wollte er, der Kaiser, nicht allein 
den Depntations-, sondern auch einen Reichstag selbst ausschreiben lassen, 
bat er den Grafen v. Fürstenberg zugleich beauftragt, bei K.Mainz, 
K.Cöln und anderen ihren Confidenten zu sondieren, ob und wie weit sie 
sich zu diesem Vorschlage verstehen möchten, er wird Kf. dann Antwort 
mittheilen und auch dessen Gedanken darüber vernehmen. 



Der Kurfürst au Kaiser Leopold. D. Cöln 9./[19.] Juui 1660. 

(Couc. O. V. Schwerin.) 

[Auf das Schreiben vom 5. Jani. Zastimmaog zu der Aufhebung und späteren 

Reassumiening der Reichsdeputation.] 

Wegen der verabredeten weiteren Zusammenkunft hat er bisher noch 19. Jani 
nicht die geringste Nachricht erhalten. Betrefifend die Aufhebung der De- 
putation und deren Reassumierung im nächsten März will er sich ganz mit 
dem Kaiser conformieren und seinen Gesandten ehestens von Regensburg 
zurückkommen lassen^). 

Ueber dessen Mission an den Kf. (Ende April und Anfang Mai 1660) s. 
ürk. u. Akt. VIII 8. 428 ff. 

*) Dieser Vorschlag stammte nach dem S. 24 mitgetheilteo Schreiben des 
Kaisers an den Kf. vom 13. Juli und nach den Mittheilungen, welche der Kur- 
forat von Mainz dem brannschweigischen Gesandten in Frankfurt Heyland 
machte (Köcher I S. 295), von Furstenberg selbst her; s. auch Ludwigs XIV 
Instruktion für Gravel (Guhrauer II S. 306), in welcher der König angiebt, 
man bemühe sich den Grafen Egon durch dessen in Paris anwesenden Bruder, den 
Grafen Wilhelm von Fürstenberg, zum Aufgeben dieses Gedankens zu bringen. 

*) Schon am nächsten Tage (10./20 Juni) beauftragt Kf. seinen Gesandten 
SU Regensburg, Matthias v. Grockow, welcher dort seit Oktober 1659 anwe- 
send war, aber, zumal nach dem Friedensschlüsse, ganz unthätig hatte bleiben 
matsen, er solle sich erkundigen, ob er ohoe Offension, unter dem Vorgeben 
eigener Geschäfte, von dort zurückkehren könne. 



2i 1- Vertiaodluugen wegen der G&rautte des Friedeoa etc 

Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 13. Juli 1660. 

[auf daa Schreibeo vom 9./19. Joai. Die Aufbebuog des Regeosbarger DepntS' 

tioDBtages knon nor nach AaflösaDg der Frankrurter Veraamnlaug and mit Za- 

BliffliDung aller Deputieriaa erful^ea. 

i. — Was DiiQ den von dem Grafen Frantz Egoo von FtlrsteB- 
berg ins Mittel gebrachten Vorsclilag wegeo Aufhebung tiea Deputa- 
tiüDstages und desBeu ReasBuniirung im nächstkUnftigeu Monat Martio 

— anlaagct, finde icli, dag» in meinem an Ew. Ld. diegfalls abge- 
lassenen — Schreiben meine Intention entweder nit gnugBatu expri- 
miret oder an Ew. Ld, seilen nit allerdings eingenommen sein magr, 
sintemaln meine dem Grafen von FUrstenberg auf diesen seinen 
Vorschlag eröffnete Intention dahin gangen, daaa, wan er das Werk 
bei K. Mainz Ld. auch dahin bringen würde, dass dieselbe ibro die 
Äufbebung des Deputationstages und dessen Reassumption im Monat 
Martio nächstkUnfligen Jahres zu Regeosburg mit belieben liesseo 
(weiln er wegen seines Herrn consensus bereits die Zusag getiian) und 
ich dessen beständig vergewissert sein würde, dass ich alsdann auch 
mit meinen Confideuten aus dem Werk weiter commuuiciren und naeb 
derselben eingeholter GemUthsmeinung mich hinwicderumb erklären, 
im wenigsten aber nit, äuss icb den Deputationslag zu Hegensburg 
ihrer aller unvernommener aufheben wollte, ehe man vorbero ver- 
sichert sein würde, dass die in Frankfurt sich noch befindende we- 
nige Räthe ihre Versammlung aufgelassen hätten, damil dieselbe nit 
etwa aus der allzu frühzeitigen Äbforderung einer oder anderer Ge- 
sandtschaft von Regensburg eine Dissolution selbigen Convents er- 
zwingen und bingegen die Frankfurtische Versammlung pro legl- 
timo et ordinario convenlu Deputationis auszusehreien — sieb an- 
massen möchten. Icb ersuche demnach Ew. Ld. — sie wollen ihren 
Abgesandten bis dahin zu besaglera Regen sburg subsistiren laesea 

— und ihm so lange daselbst zu verbleiben anbefehlen, bis wir uns 
allerseits naoh vernommener K. Mainz- und K. Cölnischer Erkiftrunfp 
mit einander eines einhelligen Schlusses verglichen baben werden '). 



') Zu diesem Scbraibea bemerkl M. 
(jeaaudte in Begeueburg, Volmer elu 
(Regeoeburg l'J. Juli ICtiO): ,) 
mich in moiDer vorigen MeiDU 
KHlserlicbeQ HoF Iceiu l<:iaet sc 
ZD Iialtco, SDCiderii gkicLsam i 






öslerreichiBCli« 
gr «lue AbscbriTt deBselbeo zugestellt halte, 
lei mir allerband Nachdcnkeu verursachet od«r 
mehr und muhr bestärket, es sei nämlich am 
Buig einen Deputatloo- als gemeioeD Reichstag 
circulum immerfort nf etliche Jahre ad serais 



Verlegung der Reichsdeputation. 25 

Der KurfUrst an Matthias v. Crockow. D, Cöln a. d. Sp. 

9. /[19.] Juli 1660. 

[Befehl von Begeosbarg zurückzakebren.] 

— Ob wir zwar befinden, dass die zu dem R. Deputationsfage ver- 19. Juli. 
ordneten Kaiserl. Commissarii dabin zielen, dass Ihr Eure Abreise 
einzustellen und, ehe man von einander ziehet, vorerst der Kaiserl. 
Resolution zu erwarten, so sehen wir doch hingegen je mehr und 
mehr schlechtere Apparenz, dass die zu Frankfurt anwesende De- 
putirte, zumal nach numehr zwischen allerseits kriegenden Parteien 
getroffenen Frieden, sich von dar weg begeben und zu Regenspurg 
einfinden werden, sondern es wird auf ein ander Expedient zu ge- 
denken sein. Weil nun die Kosten nebenst der Zeit vergeblich an- 
gevvandt und dergleichen noch weiter geschehen wird, so verbleiben 
wir noch der Meinung, dass Ihr unterm Prätext einiger Euch ange- 
legener privatorum, und dass Ihr nicht lange auszusein verhofftet — 
zuforderst bei der Kaiserlichen und dann den — übrigen Gesandt- 
schaften Abschied nehmet und Eure Rückreise in dem Namen Gottes 
fortsetzet. Eine andere Person dabin zu senden finden wir bei so- 
thaner Beschaffenheit nicht rathsam *). — 



usqae posteritatem die albie anwesende Abgesandten affzuhalten. — - Zu was 
Ende oder was yor occnlta consilia darnoter stecken, kann möglieb das Sieben- 
bürgische Wesen und dass man zuvor abwarten wolle, ob man mit dem Türken 
in Gute von einander kommen könne oder nicht, die grosste CoDsideration sein. 
Ob aber der anwesenden Abgesandten Chur- und Fürstliche hohe Herrschaft so 
immerhin mit schweren Kosten einig und allein I. Kais. M. su gefeilen die Ih- 
rigen alhie so vergeblich werden verbleiben lasseU} solches stehet dahin.** 

Kf. erneuert (d. Cöln 30. Juli/9. August 1660) an v. Crockow die Weisung, 
sich nach Berlin zurückzubegeben, und theilt ihm mit, dass er, damit inzwischen in 
Regensburg nichts verabsäumt werde, den Hof- und Kammergerichtsrath Georg 
Friedrich v. Borstell, der sich in Kommission zu Baireuth befinde, beauf- 
tragt habe, tfich dorthin zu begeben. Derselbe scheint aber dort nicht erschie- 
nen zu sein, weitere Berichte aus Begensburg sind in den Akten nicht vorhanden, 
Kf. entschuldigt sich bei Markgraf Georg Albrecht von Anspach (d. Cöln 
11./21. Februar 1661), dass er wegen anderweitiger Verhinderung noch zur Zeit 
niemand nach Regensburg abschicken und daher auch nicht an den dort zu füh- 
renden Verhandlungen zwischen dem Markgrafen und Kurbaiern könne theil- 
nehmen lassen, und der Gesandte des Markgrafen, v. Fühel, meldet dem Kf. 
(d. Regensburg 15. März 1661), allerseits, namentlich die Kaiserlichen und Kur- 
bairischen hätten ihn nach der Gesandtschaft des Kurfürsten gefragt und war- 
teten noch immer mit Verlangen auf dieselbe in der Hoflfnung, dass dann auch 
die zu Frankfurt Anwesenden sich in Regensburg einfinden würden. 



26 1* VerhandlaDgeD wegen der Garantie des Frieden« etc. 

Der EurfUrst an den Kurfttrsten von Cöln, die Herzoge von 

Braunschweig und die Landgrafen von Hessen - Cassel und 

Darmstadt. D. Cöln a. d. Spree 3./[13.] Juli 1660. 

[Anfrage wegen der verabredeten ZasammenkonfL] 

ili. Er fragt an, ob nicht die verabredete weitere Zasammenkonft erfolgen 
solle, and bittet Ort and Zeit dazu za bestimmen und ihre Abgesandten 
vornehmlieh dahin zo instraieren, wie der Friede exequiert, erhalten und fer- 
nere Infractionen desselben abgewendet werden könnten. 



Augustus, Christian Ludwig und Georg Wilhelm, Herzoge zu 
Braunschweig und Lüneburg an den Kurfürsten 

D. 21./[31.] Juli 1660.0 

[Nothwendigkeit des Reicbstages ] 

all. Nachdem inzwischen der Polnische und auch der Dänische Frie- 
den zu Stande gekommen sind, wird hoffentlich die daher dem Reiche dro- 
hende Gefahr jetzt von selbst aufhören und desfalls keine weitere Be- 
mühung bei einem oder andern Theil von nöthen sei. Wohl aber schwebt 
das Reich noch wegen in- und auswärtiger Kriege und zu besorgender inner- 
licher Empörung in grosser Gefahr, im Reiche ist garkeine Anstalt nnd Ver- 
fassung vorhanden, um dasselbe in Sicherheit zu erhalten, eine solche höchst- 
nöthige Verfassung kann aber nur von den gesamten Ständen des Reiches 
bei dessen allgemeiner Versammlung zustande gebracht werden, sie ersuchen 
daher Ef. auf nachdrückliche Mittel und Wege zu denken, dadurch die 
Wiederantretung des schon weit über die bestimmte Zeit erstreckten Reichs- 
tages ') unverzüglich befördert und so dem Streit und der Trennung wegen 
des Dcputationsconvents ein Ende gemacht werde. 



Ein Schreiben äbnlicben Inhalts richten auch die Landgrafen von H essen - 
Oassel und Darmstadt an Kf. (d. 31. Juli /IG. August 1660). 

^ Der zuerst von Kurcöln angeregte Gedanke, den Streit ober die Ver- 
legung der Beichsdeputation durch Wiederberufung des Reichstages sa been- 
digen (b. QrÖBsler S. 11), ist nachher mit besonderer Lebhaftigkeit von den 
braunschweigiscben Herzogen aufgenommen worden, s. die Instruktion Her- 
zog Christian Ludwigs für seinen Gesandten in Frankfurt vom 21. /31. Juli 
1659 (K.öcherl S. 654) und das Schreiben der ausschreibenden Fürsten des 
niedersäcbsischen Kreises an den Kaiser vom 11./ 21. September 1661 (Diarium 
Europaeum VI S. Ö7). 



FordemDg der WiederbenifaDg des Beichttages. 27 

Maximilian Henrich, KnrfUrst von Cöln, Angnstns, Christian 
Ludwig und Georg Wilhelm, Herzoge von Braunschweig, 
Wilhelm und Georg, Landgrafen zu Hessen an den Kur- 
fürsten D. 11. August 1660. 

[aof daa Schreiben Yom 3./ 13. Juli. Noibwendigkeit der Gommonication mit 

ihren Mitalliierten.] 

Weil die Sachen mit der veranlassten ZossmmenknDft so beschaffen 11. Aaj 
sind, dass darob mit ihren übrigen Mitalliierten zu commnnicieren die Noth- 
durft erfordert, so werden sie diese Commnnication befördern nnd alsdann sich 
gegen Kf. erklären, sie bitten, diesen unumgänglichen Verzug nicht übel 
zu ?ermerken. 4i 



Protocoll was zwischen S. Churf. D. zu Brandenburg ver- 
ordneten HH. Commissarien, dem H. Oberpräsidenten Frei- 
herm v. Schwerin, H. Generalkriegscommissarius v. Platen, 
H. HofFinarschallen v. Canstein und H. Cantzler v. Jena 
einestheils und dan denen Fttrstl. Hessischen H. Hoffmar- 
schall vom Hoff und H. Cantzler Vultejum anderstheils ge- 
handelt worden.*) 
1. CoDferenz den 10. December 1660 auf dem Hanse Sparenberg. 

[Die Garantie. Drohungen der Schweden. Die Türkecgefahr. Die PostaDgelegen- 

heit. Beschwerde über die Gesandten in Frankfurt.] 

Die K. brandenburgischen erinnern daran, dass Hessen und an- 20. Dec 
dere bei dem jüngsten Kriege unterschiedliche Male den Kf. ermahnt 
hätten, mit Schweden billige Tractaten einzugehen, und dass sie, 
damit Kf. deshalb nicht in Gefahr geriethe, ihn dergestalt hätten garantieren 
wollen, dass er in keiner Unsicherheit deswegen stehen sollte. K. Cöln, 
Hessen, Braunschweig nnd andere hätten durch Ambassaden es auch 
solenniter offerieren lassen, und nachdem mehrmals darüber conferiert worden, 
wäre man so weit einig geworden, dass es nur zu weiterer Zusammenkunft 
ausgesetzt sei, bei welcher die Garantie abgefasst und in allen Theilen voll- 
zogen werden sollte, Kf. hätte nach diesem öfters daran erinnert, dass diese 
Garantie zu Werk gebracht werde, es wäre aber bis dato stecken geblieben, 
er wollte den Landgrafen erinnern lassen, dieses Werk zur Richtigkeit zu 
befördern. 



') Diese Zasammenkunft mit seinem Schwager, dem Landgrafen Wilhelm 
von Uessen-Oastel hielt der Kurfürst auf der Durchreise nach Gleve, wohin 
er sich im December (irrig giebt Diarium Enrop. VI S. 127 den 26. No- 
vember als den Tag seiner Ankunft in Cleve au) begab, um die Verhandlungen 
mit den dortigen Ständen zum Abschluss zu bringen. S. Urk. u. Akt. V 8. 939. 



28 1- VerbandluDgeo wegen der Garantie des Friedens etc. 

Dabey ist vorgestellet worden, dass Schweden viele Drftaangen 
wider S. Ghf. D. auch nach geschlossenen Frieden yemehmen lassen, 
welches, ob es schon S. Ghf. D. nicht von Gonsideration zu sein ge- 
halten, so wäre es dennoch von solchen Personen geredet, die nicht 
ausser Gondition seind, gestalt Graf Schlippenbach*) gesagt, sie hätten 
nun Frieden gemacht, wollten denselben auch mit allen halten, aber 
Sr. Gbf. D. könnten sie es nicht schenken. Andere hätten auch der- 
gleichen Reden gefbhret und öffentlich gesagt, Moskau habe nichts, 
daran sie sich erholen könnten, mQssten demnach andere suchen, der- 
gleichen Briefe dan noch itzo alhier eingekommen, und stelleten die 
Schwede^^dic Werbungen noch stark fort. 

2) Durch den Streit wegen des Deputatioostages sei bisher die Zo- 
saumensetzuDg der Stände verhindert. Weil aber die Gefahr mehr und 
mehr zn nehme, insonderheit wegen des Türken in Siebenbürgen, wel- 
cher Etark armierte, so wünsche Kf., dass Knr- und Fürsten bei dieser Zeit 
zusammentreten, die Gefahr überlegen und auf remedia gedenken möcbteo. 
Weil man vermeinte , K.Mainz habe Nürnberg vorgeschlagen ')| so 
zweifle Kf. nicht, der Landgraf werde helfen, dass der Tag an einen an- 
dern bequemen Ort verlegt werde, gestalt Braunschweig sich desfalls 
auf Hessen referiert hätte. 

3) Gegenüber 3) den Eingriffen des Grafen Taxis wegen des Post- 
meisteramts habe Kf. seine und der anderen Stände Befugnis eifrig ver- 
fochten und wünsche, dass der Landgraf mit ihm umtrete, die Posten auf 
solche Art auch in seinen Landen zu bestellen. Die Stadt Danzig oder 
der König in Polen wollte auch eine Post durch des Kf. Lande anlegen 
und auf Stettin geben lassen und schiene es, dass Schweden ihnen dar- 
unter zu fügen suche. Weil es aber beschwerlich, wenn es von Auswär- 
tigen geschehen sollte, so hoffe Kf Hessen werde ibm assistieren, er wünsche 
auch zu vernehmen, was sie vermeinten, wie Kf. sich zu betragen hätte^ 
wenn Schweden sich solches Werkes mit Gewalt unterfangen wollte. 

4) Kf. beklagt sich, dass die zu Frankfurt subsistierenden Räthe ihm 
den gebührenden Titel ^) entzögen, und ersucht Hessen dafür zu sorgen, 
dass es insküuftige nicht mehr geschehen möchte. 



') Ueber Scblippenbacbs feindselige Haituog gegen den Kf. und die 
MachinatioDen desselben in Polen nach dem Olivaer Frieden 8. Urk. a. Akt. IX 
S. 71. 78. 149 f. 182.202. 

') Diesen Vorschlag Hessen die Kurfürsten von Mainz und Co In dem 
Kaiser durch den von diesem an den ersteren abgesendeten Reichsvicekanzler 
V. Waldendorf machen, t. Köcher I, S. 297. 655. 

^ Ueber diese Postangelegenbeit s Urk. u Akt. IX S. 12. 

*) S. Urk. u. Akt. VIII S. 568. 



ZusammeDkiinft mit dem LaDdgprafen von Hessen. 29 

2. Confefenz. 11. December 1660. 

[Die Garantie. Empfehlung des Eintritts des Kf. in die Rheinische Allianz. 
Nothwendigkeit der Wiederberufung des Reichstages. Die K. Pfalzische 

Ehesache.] 

Die Hessischen erklären, sie könnten sich auf die gestern proponier- 21. Dec. 
teu Punkte wegen Mangelung einiger nöthigen Sachen hauptsächlich nicht 
einlassen, erwidern nur: 

ad 1) sie hätten öfters wegen der Garantie an gehörigen Orten Erinne- 
rn ng gethan, bis dato aber wäre nichts geschehen wegen anderer unterlau- 
fender Sachen, so es gehindert, sie wollten aber, wenn nöthig, weitere Er- 
innerung thun, damit eine gewierige Resolution erfolge. Die Bedräuungen 
hätte ihr Fürst mit Bestürzung Ternommen, glaubte aber dennoch, dass es 
die Krön Schweden sich annehmen werde, und weil es nicht durch Parr 
ticuliersachen zu heben, so würde Kf. zu rathen sein, mehr auf die AUiance 
zn reflectieren. 

ad 2) Ihr Fürst zweifle, ob durch Translation des Deputationstages 
dem Werk zu helfen sei, das zulänglichste Mittel würde sein Reassumtion des 
Reichstages, jedoch wenn das andere zulänglicher sollte erachtet werden, 
wollte er sich gerne conformieren. 

ad 3) Graf Taxis gegenüber wolle ihr Fürst gern für der Stände 
Gerechtsame miteintreten. Wie er wegen des Danziger Eingriffs dem Kf. 
assistieren könne, fände er zwar keine Mittel, wurde aber, wenn solche an 
Hand gegeben würden, sich derselben nicht entbrechen. 

ad 4) Hofften sie nicht, dass das, so sie bei dem Directorio nicht än- 
dern könnten, ihnen beigemessen werden sollte, jedoch wenn an Hand ge- 
geben würde, wie der Sache zu helfen, wollten sie es gern thun. 

Sie erinnern dann noch wegen Renovation der Erbverbrüderung, ferner 
dass Kf. sich zur Interposition in der K. Pfälzischen Ehesache erboten, 
und hoffen, Kf. werde in dieser Angelegenheit in Entstehung der Güte 
ferner dem Landgrafen assistieren, sie hätten schriftlich abgefasst, worauf 
die Sache jetzt beruhe. 

Die K. brandenburgischen erwidern: 

ad 1) betreffend die Garantie beruhe die Sache nicht auf der quaestio: 
an? sondern es wäre die Garantie offeriert und vom Kf. acceptiert wor- 
den, und mangelte es nur daran, dass es zur Wirklichkeit gebracht würde. 
Was sonst erinnert worden, dass es besser sei, des Reichs Securität festzusetzen 
oder die Rheinische Allianz nicht ausser Augen zu setzen, so habe Kf. 
gleichfalls die Intention, das erstere nicht zu lassen, und wenn von der 
Allianz ihm völlige Nachricht gegeben würde, wie es sich gehöre, so wolle 
er sich der Eintretung halber so erklären, dass man spüren sollte, dass er 
alle Mittel gebrauche, so zur Ruhe des Reiches dienlich seien, nur begehre 
er, dass die Completierung der Garantie vorher gehen möge und von dem 
Landgrafen solches bei den anderen getrieben werde. Sollte es aber länger 
verzögert oder difficultiert und Kf. etwa gezwungen werden, mit Frem- 



30 



1. Verbandlnngeo wegen dar Oaraotia des Priedeos etc. 



den solche consilia zu ergreifen, so dem Reiche vielleicht schaden könDtea, 
Bo wollte Kf. de iiiDOceotia bedongea haben. 

ad 2} ET. tiesae die ntioacü, ob Reichs- oder Depot attons tag besser, 
dahin stehen, wallte aber den Reichstag wohl belieben, weati Hessen iha 
versichere, anch andere dabiu disponieren zu können, dass man den Reichs- 
tag nicht mit anderen Dingen znbringen, sundern ^aforderst von der Seco- 
lität lind Befriedigung des Reiches reden wollte. 

ad 3) verlaugte Kf. von dem Landgrafen nur. was derselbe präsiie- 
ren könnte, dass er, wenn Schweden sich der Danziger oder Polen an- 
nehmen sollte, sieh in Sehreiben seiner annehmen möchte. 

Sie bedanken sich wegen Commnnirutian in der K Pfälzischen 
Sache, wollen dem Kf. davon referieren. 



Der Kiirfilrst an Kaiser Leopold. D. Cleve 13. Januar 1661. 



[Bericht liber die Verhandlungen i 



Hat 



11 Kf. bat anf der Reise hieher seinen Schwager, den Landgrafen von 

Hessen-Caasel in der Grafschaft Ravensberg gesprochen und die 
Gelegenheit benut/.l, mit ihm selbst in publicia Unterreduug zn pflegen nad 
anch seine bei sich habende Rüthe mit denen jene« in ConferenK treten la 
lassen und absonderlieh vorbringen zu lassen: I) Da die von K. Cöln, 
Dessen, Braunschweig und anderen während des schwedischen Krieges 
ibtn angebotene und von ihm angenommene Garantie noi'h nicht zur Richtig- 
keit gebracht sei, ihm aber viel daran gelegen sei, weil ihm allerband 
schwere Bedräunngeu, deren sich der Graf Sehlippenbarh gebrauchet, 
vorkämen, so ersuche er den Landgrafen, bei den anderen das Werk sn 
fördern, damit es ohne Süumnis zustande gebracht werde und er seine 
Mesnres danach nehmen könnte. 

2} Da bisher durch den Streit über den Deputationstag die vertrauliche 
Correspondenz unter den Ständen verhindert sei, so dass man nicht insge- 
samt die Sicherheit de.i Reichs in Acht nehmen künne, jetzt aber dem 
Reiche von den Türken schwere Qefahr drohe, so wünsche Kf., dass alle 
Stände gegen eine solche Gefahr sich insgesamt vereinigten, dazu sei eine 
schleunige Zusammenkunft nölhig, ihm scheine die vorseiende Deputation 
dazn nicht undienlich zn sein, er ersuche daher den Landgrafen, dieselbe 
seinerseits nicht länger zu divertiercn eu suchen, vielmehr deren Ltefördening 
lieh angelegen sein zn lassen, zumal da Brauusehweig sich deshalb 
auf Hessen bezogen hätte und auch K.Mainz dafür halte, dass die Depu- 
tation bequemer .in einem andern Ort als zu Frankfurt anzustellen sei. 

Der Ljindgraf habe sich darauf nur so weit herausgelassen: ad 1) er 
hätte Erinnerung getban, wegen der Garantie eine richtige Autwort abzu- 
fassen, dass sie noch nicht vollzogen und überschickt wäre, daran wäre die 
Verzögerung Ursache, näheres ijber diese Verzögerung und ijber den Inhalt 
der Autwort hatten die Hessischen nicht angeben wollen, nur endlich hätten 



ZotAtamenlcnarL mit dem LaDd^mren 



1 Heaaen, 



31 



- -wcicn« 

iL.' 



sie erklart, dass die oblütio garaiitiae nur mit gewissen Bedingungen niid 
modiücBta gewesen nod dass KT, zn rsthen sei, mehr auf die Alliance za 
reSectieren. ad 2) deu Deputationsta{{ bielten sie Tür kein zulünglkb Mittel, 
das Reich in goter niirniüoie Dod Sieberbeil lu ballen, sondern der EUspea- 
dierle Reichstag sei mit ehestem wieder za rca.'isDmiereii, Kf, habe erwidert, 
er wolle sich kein Mitlei, das Keieh in Sicherheit zn bringen, und also 
auch nicht einen Reichstag cnigege» eein lassen , wenn der Landgraf ihn nor 
versichere and anch andere dahin disponiere, dass der Reichstag eicbt mit 
anderen Dingen ?.iigelracbt, soudeni vor allem des Reichs Sicherheit fest- 
gestellt werde. Der AUiance halber habe er erklärt, wenn nur vorher die 
pure angebotene und acceptierte Garantie richlig and ihm von der Alliance 
völlige Nachricht gegeben, wolle er sich dergestalt erklären, dass jedermann 
daraus verspüren könne, wie er alle Mittel zu gebrauchen begierig sei, 
welche tu des Reiches Rnhe und Besten dienlich sein könnten. 

So ist nian mir doeh mit ciuem mebreren nicbt, als mit einem 
meinen guten Erbieten begegnet, und bat dabei contestirt, das» 
Aessen-Cai^flel dergestalt an Si^hweden nidit hinge, dasH en darüber 
seine Scbuldigkeit vergessen, oder mir zu einigem Zweifel Uraach 
geben sollte, auf dem Reichstag wollte es rmaser-'^ten Vermögens nach 
das Seinige thun, und das würde mir Versicherung genug sein. 

Ob nun wnbl bis dato weder wegen der Guarantie noch AUiance 
mir einige fernere Nachricht oder Erklärung zukommen, es auch vor 
diesmal mit Hessen-Cassel uicbt weiter zu bringen gewesen, so ist doch 
aus der gehaltenen Conferenz so viel zu nehmen, dass sie uunmehrn 
nach dem gemachten Frieden die vorhcro angebotene Specialguarantie 
wieder zu rock zuziehen, zu der in Instrumcnto paeis und anderen 
Reichssatzungeu paciscirten aber gicii zu verstehen schwerlich gemeinet 

Iihr ganzes Absehen auf einen Reichstag gerichtet s 
er 



per Knrflirst an den Geheim enrath Joliann v. Portmann.') 
D. Cleve 15. Januar 1661. 



{Brinnerang an K. Cüln wegen der üarautie.j 

Er soll K.CöIn auch vortragen, derselbe werde sieb erinnern, dass 15. 
er Bebst den Fürstlichen Ilänsern Brannschweig und Hessen und an- 

') Porlmaon war vom Kf. an den Knrfüralen von CJiln goachickl worden, 
am laut seiner Instraklion (d, Cleve 13. Januar lO'll) (lenBell>eD ea bewegen, in 
d«r Wiedachen Streitsache mit KnrpfalE (s. darüber die Einleitung zu Ab- 
BChnitl 3) den Forderungen des letzteren nachzugeben, uud ferner um die An- 
sicht desselben darüber zu vernehmen, waa augesichta der Tiirkeogerahr dem 
Iwaiaer tn ratben sei. Der Ef. sandte ibm danu diese weitere Instruktion nach. 



32 



. Verhatidlongen wegen der Gurnntie äee Fn 



elc. 



deren während des schwedischen Krieges den Kf. durch tii-hreibou und meh- 
rere Schickungen zu eiiiera billigen Vergleich mit Schweden angemahnt nnd 
dabei auT erfolgten Frieden den KT. so zu garantieren Tcrsprocheu, dasa 
derselbe sich keines Widrigen von Schweden oder jemand anders zn he- 
fuliren haben eulle, dass Kf, die offerierte Garantie angenommen und iJass 
man allerseits so weit einig gewesen, dass es nur an der Abfassung noch 
ermangelt habe. Wie Kf. nun durch üeförderung des FriedeoK K.Cölus 
und der mitnegotilerenden Fürsten ItegclireD errtillt, so hätte er auch erwartet, 
dass jene ihrerseitB ihrem Versprechen uachkonimea, die Garantie in Rich- 
tigkeit bringen oder wenigstens ihn mit einer besläudigen und deutlichen 
Resolution würden versehen haben. Da aber uncrachtet seines Erinnerns 
dieses alles nicht geschehen, ihm aber merklich daran gelegen sei, das» er 
in dieser Sache Gewissheit habe, so ersuche er K.Cöln dem Versprecbeu 
förderlichst nnclizukouimeu, rumni es ein melireres nicht wäre, als zu wel- 
chem ohnedem ein Mitkurfürst und Stand dem nuderii sowohl ;ius dem Ver- 
ein als Instrnniento pacis nnd anderen KeichsRatKungen verbuuden. Sollte 
man die Sache difficultiereu oder gar weit von sich werfen wollen, so soll 
er dagegen gehörige remonstratinnes thun. 



K.CöIniaclie Resolution auf des v. Portniami Anbringen. 
Signatum Bonn 18. Januar 1661. 

[Bereitwilligkeit die Garantie ku leisten und eine neue ZuBammeukuort deswegen 
zo beBchicbetj. Die Türkengefahr.) 
I R. C6lu erinnert sich sehr wohl, was für eiue Krklärung in seiuem 

und der FUrstl, Häuser Biaunseh weig und Hessen Namen der Parti- 
culargarantie halber gegen Kf. geschehen sei, er hat .lucli nach Abschlusa 
des Friedens bei jenen Fürstl. Häuseru und den übrigen in der engereu 
Correspondenz stehenden Kur- und Fürsten wegen Prästation derselben Er- 
innerung getban, was daniuf insgesamt für gut angesehen, werde Kf, ans 
der in seinem und beider Fürstl. Häuser Namen abgegebenen Antwort vom 
29. Novembris ersehen. Sobald Kf. darauf seine Gedanken inbetreff der 
in Vorschlag gekommenen Znaamtncnschickung offenbaren werde, sei er 
erbietig, die Seinigen dazu abzuschicken und ihnen solche Instruktion ko 
ertheilen, das^ daraus seine zu Kf. stets tragende ACfectinn zn verspüren 
sein solle. 

Anlangend das Türkische Unwesen, so gehe auch K. Cäla dasaelbe 
tief zu Herzen, er höre auch, dass der Kaiser niiht ausser AppreheiiBiou 
sei nnd an die Kurfürsten und die vornehmsten Fürstlichen Häuser Gesandte, 
um schleunige Assistenz nachzusuchen, abschicken wolle. Er glaube, 
dass ein Iruchtbarer Schluss nicht wohl ohne Unterredung und Belicbnng 
gesaniter Kurfürsten nnd Stände herauskommen werde, sobald er vernommen 
haben werde, was die Kaiserlichen Abgesandten deswegen vorbringen wür- 
den, werde er mit Kf weiter communicieren. 



Sendniift v, Portmar 



33 



Saiser Leopold an den Kurfdrsten. D. Wien 8. Febraar 1661. 

laar des Kf. Schreiben vom 13. Janoar. Der Depulalionslag boII sich in Augs- 
burg vereamraelD.I 
^L Dank dafür, dass Kf. sich bemnht hat, den Landgrafea von Hessen- a, Pebc 
^HE/BBsel zar Ein willigang in die KeaKi^nniptiori des DepotaiioDStage» an einem 
^^äritten Orte zn bewegen. Er eeibst ist mit dem Vorschlag de loco tertio 
sehr einverstanden and hut seine Gesandten in Regensburg in eventam 
dahin instruiert, wenn die dort anwesenden Knr-: Fürsten und Stände auch 
damit znrrieden, nnd die zn Frankrurt subsistierenden Stünde die Stadt 
Angsbarg pro loco terlio gleichfalls beliebteD, ebenfalls Tür dlesi^n Ort 
sich zn entscheiden. Sollte es znm Einverständnis darüber kommen, so 
könnte das Werk ebne Zeitverliemng zn Stande gebracht nnd. bis man 
zo einem Reichstag füglich gelangen könne, mit der Deputationshandtung 
coDtinaiert nnd dabei nicht nur die dazu gehörigen Materien erörtert son- 
dern anch dasjenige mit beobachtet werden, was die Sicherheit des R«i- 
<-hes bei dieser je länger, je mehr überhand nehmenden Türkengefabr 
weiter erfordern wird. Kf, werde seine zn Abwendung dieser Türkengefabr 
führenden sorgsamen Gedanken und waruni hierzu für diesmal ein Rei'hs- 
tag nicht znlängtich sei, von dem an ihn abgeordneten Keicbsbnfrath und 
^1 Obristen, Claudia Grafen von Colalto') bereits vernommen haben'). 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D, Wien 13. April 1661. 

IPeiodliche Abeicbteo der Schweden gegen Bremen. Gutacbten der Karfürslea] 

Da ihm fast von allen Seiten Zeitung cini^ekommeu, dass Seh weden 13. ApriU 
die Stadt Bremen mit Ileeresmacbt angreifen nolle, angeblich unter dem 
Vorwande, weil sie ihm als Reichsstadt den Homagialeid geleistet'), so hat 

') neber Colaltoa Sendang an de» Kf. (Ende Jaonar 1661) a. unten die 
Eiuleitnng zu Abschuilt ii. 

') Kf. furdert darauf (d. Cleve 26. Februar 1(161) sowohl den Landgrafen 
von BeHBeo als auch die branoecbweigiscbeD Hersoge anf, nach äem Wunsche 
dra Kaiaers dis Verlegaog der Reichadeputation an einen dritten Ort ta beför- 
ilern. Landgraf Wi Ibvlm (d. Caaeel 2./lä- März 1661) erwidurt, da nachgehenda 
die Länfle sich geaadert und die Türkengefabr sich vermehrt habe, so dürfe 
(Dan sich nicht mit Trauslalion dns Depalaliunatagea anfhalteD, Konderu müsse 
den Kaiser ersochen, sofort den Reichstag eu reassnmiereD. Das gleiche fordern 
die brannschweigiEcben Herzogu (d. 13./ä3. Mai 1661), doch erklären sie 
«ich bereit, in die vorherige Verlegung der [lepuialion an einen dritten Ort la 
willigen, dafern diese ,in ordine ad comilla und ünr Befarderang dersolbeo an- 
gesehen*, uud ihre Gesandten dortbin zu schicken, wenn anch andere sn Franb- 
Tarl Versammelle das gleiche thäten. 

■*) Ueber diese titreiligkeilen der Bchwedischen Regierung mit Bremen 
□ nd die damals von der erslereu gegen die Stadt verübten Gewalltbatigkeilen 
B. Uuutse, Geschichte der freien Kladl Bremen, IV, S. I33ff. ond unten die 
BinleiloDg EU Abschnitt 14. 



34 



. VerbandlaDgen vegen der Osraotie des FrisdeoB etc. 



ersieh entschlostieD, dem gäLzen Kurrurstlicben Colle^ium duvon Mittbeilaog 
zn iDachea und dnsselbe zu ersuchen, ibm seine Gedanken darüber la er- 
öffnen, er giebt dem Kf. in anteceasum davon Nachriclit. damit er am so 
reiflicher überlegen könne, irie dieser drobenden Oefabr und allem ferneren 
Unheil im Kcich abzuhelfen sei. 



Der Kurfürst an den Kaiser. D. Cleve 4. Mai 1661. 

[aar daa Schreiben vom 13. April. Bedroblicha Nachrichten über ScbwedeoB 
AbBichlen, Vorkehrnogei 



I, Er theilt dem Kaiser abschriftlich mit, was ihm nicht allein über die Ab- 

sichten Schwedens von gewisser Hand /.ugekommen, sondern wie er anch ab- 
sonderlich gewarnt worden ist. ') Er will nicht hoffen, dass dieses wahr sei, 
doch will er sowohl seine Sachen in Acht nehmen, als anch alles tbun und 
beitragen, was zur Erhaltung der Ruhe im Reiche dienen kann. Wenn ihm 
TOD seinen Mitkurfürsten das kaiaerl. Schreiben nebst der V^orhergeb enden 
Bedenken commnniciert werde, werde er sich weiter erklären, bittet auch 
den Kaiser, ihm inzwischen seine Meinung zn eröffnen. 



Der Kuifiirst an den Kurfürsten von Mainz.') D. Cleve 
14. Mai 1661. 

IHittel zur Aufrecbterballnng der SecDritüt des Reiches.] 

i. Er hütte gewiinscht, diist^ K.Mainz ihm seine Meinung niitgetheilt 

hätte, er selbst verharrt bei der Meinung, d.188 kein besseres — Mittel 
sei, das h. Rom. Reich in seinem Wohlstand und Securität — zu ma- 
nuteniren, denn durch rechtschaffene einmüthige Zusaramensetzung der 
aümtlichen Glieder und des Hauptes, und ob sich wohl diesem — prin- 
cipio bis dato viele Widerwärtigkeiten entgegengesetzet , so hoffe ich 
doch, Golt werde die Sache endlich dergestalt richten, damit das irrige 
Deutschland seine bekannte Mängel und Gebrechen dermaleins bereue, 
Haupt und Glieder in guter Conferenz — fUr den Riss zu rechter 
Zeit treten und die von Gott verliehene Glorie und Kräfte erkenne. 

'} S. ürk. 11. Akt IX S. 343. Nach einer Bemerkung in dem Geheimenratba- 
Protokoll vom 3. Mai batte der Kurfüret dieses warnende Schreiben von dem frü- 
her als (jeeandter des Königs von Dänemark su ihm abgescbickten v. Ahlefeld 
(s. Urk. u. Akt. VIII S. 5:)1 ff.) aue Flensburg erhalten. 

*) Antwort anf ein Schreiben das Karfürsteii von Mains vom 2G. April, ia 
welchem derselbe den KT. von dem Eaiserlicben Schreiben inbetreff der Bre- 
mischen Angelegenheit beoachricbtigt hatte. 



Drohende AbsichteD SchwedeDS gegen Bremen. 35 

Er zweifelt nicht, E.Mai dz werde, wie bisher, seine Sorgfalt allein za Er- 
haltung nnd Bestätigung des deutschen Friedens anwenden, er hofft auch 
nicht, dass jemand zu neuem Kriege Ursache geben wolle. Sollte aber dem 
R. Reich etwas Widriges begegnen, so wüssten der Kaiser und alle Stände, 
dass er sich niemals dem entzogen alles zu thnn, wozu ihn Vaterlandsliebe, 
sein Amt, die Reichsconstitutionen , der Westfälische Friede und andere 
dergleichen yincula verbinden. 



Resolution auf die vom E. Cölnischen Abgesandten Grafen 
von Fürstenberg bei der Conferenz proponirte Punkte. 

[Cleve 16. Mai 1661.] 

1) wegen Unterhaltung guten Vertrauens; darzu seind S. Chf. D. 16. Mai 
bereit und wollen nichts unterlassen, was darzu dienlich sein würde. 

Schickung nach Beyern« 

2) E.Göln meinte hochnöthig, dem Kaiser Hülfe contra Turcam 
zu senden: wie die Hülfe universal zu machen? 

Rs. Hüsste durch einen Reichstag geschehen. 

K.Göln möchte desfalls an den Kaiser mit einem bescheidenen 
Schreiben suchen, S. Chf. D. wollten f&r sich in modum consilii auch 
schreiben. 

3) Wegen der Schweden Vorhaben auf Bremen'), bittet S. 
Chf D. Meinung und Bedenken, K. Cöln wollte thun, was J. P. ver- 
möchte. 

Ob nicht K. Cöln, Haintz etc. an Schweden schrieben, sie hätten 
vernommen, dass sie im Reiche etwas moviren wollten, und sie dehor- 
tirten davon abzustehen. 

4) dass bei dem Reichstage punctus securitatis der erste sein 
sollte. 

5) dass besser wäre, Völker als Geld dem Kaiser zu schicken. 

6) Wann es sollte zum Bruch kommen, dass das Directorium 
über die Armee einem Churf&rsten ohne Ansehung der Religion ge- 
geben werden solle. 

7) Wegen Hildesheim, so sich zur Türkenhülfe nicht verstehen 
wollen, weil kein Reichstag oder Kreistag noch nicht ausgeschrieben. 

8) Ob S. Chf. D. belieben die Zusammenkunft zu Cöln: quod hie. 
Was daselbst zu proponiren: Garantie. 

*) Dieselbe liegt dem GeheimeDrathsprotokoIl vom 16. Mai bei. 
^ 8. oben S. 33f. 

3* 



36 



I. Verhandlungen wepen der Gnrttnlie 



i Friedens e 



9) Wie die Cburf. PrüeniiLciiz ku erlialten uud die alten Fllrslen 
von den neuen zu unteracbeiden. 

S. Chf. D, wollen sich quoad primum engagiren, wie es die 
Noth erforderte. 

Audi quoad secuiiduni, müclite seine Gedanken erüfTnen, S. Chf. 
D. wollten ilim eonformiren, 

10) BcBchwer wider das Cammerge rieht zu Speyer und Reichs- 
hofrath. Ob Ch. CJiln und S. Cb. D. deafalls an das Canimergericht 
ein Gesamtscli reiben abgeben lassen wollten, zu Ternehmen. 

Wegen des Reich shofraths an den Kaiser zu schreiben, 

11) Von den G. Staaten und wegeu Rbeinberg'), ob S. Chf. 
D. durch H. Copessen sieh wollten der Sache annehmen und gute 
ofScia thun, wollte es raBircn lassen. 

Rs. S. Chf. D. wollen die Saelie durcbselien lassen. 

12) Ob wegen der Religion in Gillichschen und Cleriscben etc. 
Landen*) ein Gewisses zu vergleiclien. 

S. Chf. D, sind zufrieden, dass die Coniniission ihren Fortgang* 
nehme. 

13) Wegen der Titulatur, wollte Durchleuchtigster geben, S. Chf. 
D. auch dergleichen thuu. 

14) ein Bedienter, der im Cölniscben 10000 Thaler gestohlen, 
abfolgen zu lassen, weil er in S. Chf. D, Landen sein sollte. Fiat 
gegen gewöhnlichen Revers. 



Der Kiirfiirat an Kaiser Leopold. D. Cleve 18. Mai 1661. 



[Bericbt über die Erüffnuugea 



rstadbergs. Uutli K. Cola freundUcb eotgegeD- 
KukominoD.I 

IV. Hai. Er theilt ihm mit, vas K.CÖlii durch seinen Geheimcnrnth Graf PranE 

Egon r. Fürstenberg bei ihm dieser Tage anbringen lasf^en. K. Cölo 
habe coatestiert, duss ihm an nichts mehr gelegen, als an Erlmlinng von 
Ruhe nnd Frieden im Rei<'he, dass er sieb auch dem Kaiser gegenüber ED 
aller möglichen Hülfe gegen den Türben erboten hnbe und es ancb in der 

') Ueber die damaligen dnrch Eingriffe der Ffolländer, welche :a Bhein- 
berg eine BeBatznog hatten, in die Verwaltung dieser dem Eurrürsten von Göln 
gehörigen Stadt voranlnsaten Streitigkeiten b. die im Diarium Burop. VI 
S.SöBffund danach bei Londorp VIII ä. ?:i!)ff. abgedruckten Aktenatäcke. 

') S. danlber M, Lehmann. Preiisseu nnd die kolbnlische Kirche! 3. 60 f. 
nad oaten Abschuitt 6 über die VerliaudluDgeu mit Pralzneubarg. 



Ghtr Purste über); in Bitüd 



37 



[Tbat btiseugeu wolle, aber er gestebe, daEs er nicht glanbe, dass dieser 
anderen Sachen durch eine particular und iiep;4riertc Hülfe geholfen 
den bÖDDe, sondero es dürfe dem Kaiser nicht ISuger zn widerralhen 
Hin, sich zur Bevufnng eines Reichstages zu eiiti^chlicseen, es könnte ja 
'vorher unter den CorrespandiereDdeo festgesetzt werden, dass mau auf dem 
^Reichstage keinen anderen l'unkt vornehmeo wolle und aolle, ehe der panetas 
pKcnritatis üeine Ri<.'htigkeit halte und vollkomnieutlich eingerichtet wäre. 
'Ferner wären ihm die Zeitungen wegen der neuen Bremischen Unruhe sehr 
zu Herzen gegangen, weil er aber, wenn es sieb bericbteteruiuseeu verbalten 
sollte, die Sache und die Mittel bell und klar im Instrumento parif. befinde, 
so hielte er anch nicht für nötliig. dass man sich darüber viel zu bedenken 
habe, nnd «olle er dem Kf. zu solchen] Ende commuuicieren, wie er sich 
dieses i'nnktes iialler ge^en den Kaiser erklärt halie. Endlich weil Kf. in eeluer 
Antwort sieb dahin verlauten lassen, da^s ihm eine Zusammcnschickung 
Geiuer mit K.Cölns, des Uanses Braun&cbweig nnd Hessens ßäthen 
nicht entgegen, sondern er dazu Reneigt wäre, so erklärte jener, Kf. möchte 
der Meinung bleiben und »ersichert sein, dass K.Cöln nicht» mehr desi- 
deriere, als zu des Kaisers nnd dessen Assistierender Interesse cooperie- 
ren ta helfen. Kf. bat selbst den Grafen von Fürstenberg mit Fleiss 
sondiert, bat abei nichts anders vernehmen oder penetriercu können, als 
dass dasjenige, was er vorgebracht, recht gemeinet. Kf. bat sieb erboten, 
darüber noch weiter mit dem Kaiser zn rommunicieren, und bat erklärt, 
K.Cölus Meinung sei ihm sehr angenehm, er halte für nölbig, d.irüber 
auch mit anderen bicb ta unterreden, er zweiße nicht, der Kaiser werde 
wenn K.Cöln ihn so versichere, kein Bedenken haben, den von etlichen so 
eebr ^etiiebenen Iteicbstag länger zu verschieben. Kf. glaubt, es würde 
zu dos Kaisers Bestem dienen, wenn derselbe nunmehr K. Cöln wohl nies- 
nagieren und dadurch befördern wolle, dass iiuih andere ber;ingezogen und 
den übrigen der bisherige Prätest benommen werde, und dass man suche 
durch allerhand Mittel gegen die sogenannten .Alliierten sich dergestilt zu 
bezeigen, damit auf allen Fall der Unglimpf auf ihrer Seite bleibe. Seine 
Intention hiebei sei keine andere, als dass sie sich zur special Garantie des 
_deatscben Friedens verbündeteu, daferne sie aber andere Gedanken nnd Des- 
i führten, so werde man dasselbe nicht besser penetrieren können, als 
einer Confeienz. 

Kf. bat den vom Kaiser an ihn abgefertigten Residenten im Haag 
triquet') empfangen, derselbe wird berichtet haben, dass Kf. dasjenige, 
I er desideriert, schon getban habe. 



'] üeber deBeon fjendui 



□ den Er. i 



Url 



i. Abt. IX S.Ub. 



3^ I. Verhand langen wegen der Garantie dei Friedent etc. 

Kaiser Leopold an den Kurftirsten. D. Laxeiiburg 
14. Juni 1661.') 

|aur das Schreiben vom 18. Uai. BitligUDg der Terabrodeleu ZusainnieDkuDft; 
Keicbs- nod DeputaUoDBUg. Beroitwilligkeit K. CÖId freuodlich eutgegensa- 

n.l 



i. Dank für die Mittheiloog und treu gemeinte Expectoration. Er ist 
mit der »oa dem Kf, veranlftssien Znsammen-'chirlmnR eiDTerstaiiden, ebenso 
dttss, wenn von den sogenanuten Alliierten abseitige Meinung geführt 
würde, man sieb gegen dieselben gleichwohl also beieige, damit auf allen 
Fall der Unglimpf auf ihrer Seite bleibe, er zweifelt nicht. Kf. werde ent- 
sprechend seiner jüngst an E. Mainz erlassenen Erkläruug') seine Abgesand- 
ten bauptaächlicb dabiu instruieren, dsss die Sicherheit des Reiches nur 
durch rechtschaffene eiumütbige ZiDiammensetznuK der sämtlichen Glieder 
mit ihrem Haupte ohne Einmischung fremder Potentaten und Händel aof- 
recht erhalten werden könne. BetreQ'eud die Frage wegen des Keichstsges 
werde Kf. aas des Rainers Schreiben vom 14, Mai ersehen haben, dass der- 
selbe bereit sei einen Reichstag zn berufen, wenn man mit der Depulatious- 
handlung in loco tertio nur solange Ttrfabrea werde, bis die zum Reichs- 
tage gehörigen Materien soweit vorbereitet seien, dass er etwas zuTerlässiger 
die Mass nehmen köuue, auf was für einen Termin er denselben ansetzen 
solle. Er werde nicht unterlassen E.CÖlns gegen ihn con testierte treuher- 
zige Affection zu cultivieren. Wie er gegeu Kf. mit Dank zu erkennen habe, 

>) Zagleich mit diesem erhielt der Kf. auch ein frühereB, auch an andera 
Knrräraten geriohletes Scbreibsn des Kaisers (d. Lazeaburg 14. Uai 16t>l, die 
Aosfertigung deaaelbeu für Karcöln aai Kiurpfalz ist Diariam Bnrop. VII 
S. 103 und Londorp VIII S. Tü!l abgedruckt), in welchem sich derselbe dar- 
über beklagt, dass ein Thetl der Reichsstande sein an sie büsoadera geriobtetea 
HülfsgesDch so ausdeuten wolle, als wolle er ihoeo anf solche Weise das jaa 
soffragü nehmen, aud daee diese daher desto oifriger auf Wiederberufung des 
Reichstages drängten. Er habe durch den an KnrinaiuE abgeschickten Reichs- 
vicekanzler diesen) vorstellen lassen, iwarum er nnter den jetzigen Verhältnissen 
einen Reichstag auBznachreibeD nicht fiir DÖthig halte, und dcDSulben auffordern 
lassen, den Deputationstag nach Augsburg möglichst bald auszuacbreiben. mit 
der VerBichemng, daaa dort auch praeliminariter von dem gehandelt werden 
aolle, was zur Beförderung des ReicbBlagea dienen könne, und dsss er, we 
er von den Reichsständen die VerBichsrnng erhallen würde, dass man ohne We 
länGgbeit eudi Reichstage gelangen könnte, einen Boluben alsbald ausschreiben 
wolle- KT. möge den Standen, welchen jene Einbildung gemacht worden, i 
wolle er ihnen das jus suffragii nehmen und dem Beichatage entSiehen, dieaa 
Gedanken benehmen und sie versichern, dasa, wenn jener Deputationalag nur 
wenige Monate im Schwange sein werde, so dass der Kaiser znverläsBiger be- 
«tlmmea könne, anf welchen Termin der Reichstag anzusetzen ael, er es an 
der Ausschreibung eiuea solchen nicht werde ermangeln lassen. 

>} ä. oben S. 34 das Schreiben des Kf. an Ikurnaiuz vom U.Mai 1G61. 



DepatatioDsUg und Reichstag. 39 

dass derselbe alle seine actiones zu SolidieniDg ihres beiderseitigen Inter- 
esses dirigiere, so werde anch er selbst nichts unterlassen, was zn diesem 
Zweck immer mehr würde erspriessen können. 



KorfUrst Johann Philipp von Mainz an den Kurfürsten. 
D. St Martinsborg 15. Juni 1661.*) 

[Bereitwilligkeit die Sicherheit des Reiches aufrechtzuerhalten und dem Kf. za 15. Jaoi. 

assistieren, die Rheinische Allianz.] 

Er hofft nicht, dass jemand von den Auswärtigen das Vaterland zu 
beunruhigen beabsichtige, sollte es geschehen, so wird anch er mit Rath 
oud That zu allem beitragen, was zn dessen Abwendung dienen könne, er 
wird nicht ermangeln, deswegen mit dem Kf. zn communicieren, und wenn 
dieser selbst wider den Reicbsfrieden angefochten werden sollte, ihm nach 
aller Möglichkeit, wie er es auch von ihm reciproce erwarte, wirklich zu 
assistieren. Gerade zur Erhaltung des Friedens hat er, bis man sich auf nächst- 
künftigem Reichstage einer allgemeinen Garantie und Reichssecurität ver- 
gleichen möge, die zwischen ihm und anderen Kronen und Reichsständen 
aofgerichtete Allianz für das beste und sicherste gehalten und daher auch 
bisher dabei als einem in dem Friedensschlnss und den Reichssatzungen ge- 
gründeten und zn niemandes Gffension, sondern allein sich wider alle un- 
billige Gewalt zu schützen angesehenen Mittel beharrt. 



Instructio, wonach sich unsere .... Claus Ernst v. Platen 

nnd Raban v. C an stein bei der zwischen uns und K. Cölns 

Lfd.^ auch denen fürstlichen Häusern Braunschweig und Hessen 

in der Stadt Co In angesetzten Conferenz zu achten. 

D. Cleve 20. Juni 1661. 

[Pestatellaog der Garantie. Kf. ist nicht geneigt, der Rheinischen Allianz bei- 
zutreten.] 

Zweck der Zusammenkunft ist zu überlegen, wie der im Reich erlangte 20. Jani. 
Friede erhalten, insonderheit die von jenen Fürsten dem Kf. angebotene 



Auf ein Schreiben des Kf. vom 4. Jani, in welchem dieser in der Haupt- 
sache die in dem Schreiben vom 14. Mai (S- 34) ausgesprochenen Gedanken 
wiederholt hatte. 

^ Korcölo, die drei Herzoge von Braanschweig and die zwei Laod- 
grafen von Hessen hatten (18. Mai 1661) den Kf. zur Beschickung einer Zu- 
eammeokunft in Coln am 14./24. Juni, worüber auch schon Graf Fürstenberg 
iD Berlin (s. oben S. 3öf.) verhandelt hatte, eingeladen. Es erschienen dort als 



t. Verband Ion gea wegen der OariDtio des Frieden 



ineD gewisseo Fubs und richtigCD Stand ge- 



Garantie prästiert nnd ant > 
bracht nerden könne. 

l>o liaben unsere Abgeordnete sieb dann über die Particularitäten 
mit denselben zu vcrncbnieD. Da dann daliia 2U selicn ist, doss diese 
Guaraatie; 

1) nuf den MUnsterisclien, OsnabrUckscben und dann aucli den 
Olivischen Frieden gerielitet werde, 

2) das9 alle unsere im Reiche belegene Lande, dabei sie aucli, 
dass diese auf Preuescn extendiret werden möge, zu urgireu und 
zu renionatriren, dass daseibat nichts angefangen werden könnte, 
welches nicht endlich da» Römische Reich miliniplieircu würde, 

3) dass anjotzo fcstgestellet werde insgemein, es sollte einer dem 
anderen getreulieh gegen alte diejenigen, so ctwan gegen den auf- 
gerichteten Friedenscbluss den andern vergewaltigen würden, eine 
mutuelle und reciproque wUrkliche Assistenz nach jeden Vermögea 
leisten und auf jedesmaliges Krrordern dieselbe prästiren. Was aber 
die rarticularitäten ratione itiodi, teniporis, quanti, dircctorii und der- 
gleichen angehet, darüber können sieh unsere Abgesandte mit den 
anderen vernehmen, docii darin nichts schtiessen, sondern alles zur 
Hinterbringung an sieh nehmen", yolllen aber die Abgeordneten — 
sofort auf die Frankfuriische AUianee und dass wir uns darinne mit- 
begeben möchten, kommen und zu vernehmen geben, dass sie ausser 
derselbigen sich zu keiner anderen Versicherung verstehen wollten, 
so haben die Abgeordnete anzudeuten, dass wir die Frankfurtiscbe 
Allianz — an ihren Ort gestetlet sein Hessen. Kaehdem aber diese 
jetzige Zusammenkunft wegen der nicht namens der sämtlichen Al- 
liirten, sondern S. Churf, Dcbl. zu Cöi n, des FUrstl. Hauses Braun- 
schweig und Hessen angebotenen Guaranlio und auf diese Erbietung 
veranlasst worden, so mllsste da nur dasjenige, wessbalb diese Bei- 
einkunft angestellet, alhier in Abhandlung kommen. 

Ob nun diese Guarantie vermittelst einer AUianee mitK.Cüla — 
Braunschweig und Hessen zu stände gebracht werden sollte, das 
könnten wir endlich geschehen lassen, jedoch haben unsere Abges. 
hierbei allemal in Acht zu nehmen, dass nichts hierin geschehe, so 

UeTollmächtigte Kurcülns ßrafFranz Egou von fiirBlenberg und Dr. Alden- 
hovBD, der drei braanBcbweigiBchen Hurzoge Ur. Wi tlo, von Uessen-Cassel Oe- 
belmerrutb Pagesleclier, voo Darmstadt war in Folge des plötElicb (11. Juni) 
errolgleu Todes des Landgrafen Georg die Zusammenkuurt nicht beschickt 
worden. 8. über dieselbe Köcher 1 ij. 300ff. 



ZusammoDkooft za Cölo. 41 

der Kaiser!. Maj. zugegen oder dem mit derselben habenden Bünd- 
nflss abbrflehig sein könnte. Aueh können sie wohl bei Gelegenheit 
vor sich den Abgeordneten zu verstehen geben, warum wir zu Ein- 
tretung in die Frankfurtische Alliance uns nicht verstehen könnten: 

1) dass uns selbige, wie sie eingerichtet ist, unbekannt, 

2) darnebenst unwissend, ob alle und jede der Alliirten gemeint 
wären sich mit uns zu setzen und auf was Haasse, und ob auch wir 
dasselbe zu thun vermöchten. 

3) Könnten wir nicht umhin hierbei anzuführen, dass wir bei 
dieser Frankfurtischen Alliance nicht die Begegnung empfangen, so 
sich billig wo nicht in respect unserer Person, doch in Ansehung, dass 
wir von ihnen invitiret gewesen und den Tractaten bis bald zum 
Ende beiwohnen lassen, gebühret — — da dann uns billig be- 
denklich sein müsste, in ein solches Bündniss, dabei wir dergestalt 
tractiret worden, einzutreten und gleichsam ein Accessorium zu sein. 
Mit vorgenannten Chur- und Fürsten, wie auch anderen unsren Mit- 
ständen aber wären wir bereit absonderlich — Defensivbündnis ein- 
zugehen. — — 

Sollte man nun auf anderer Seite blos bei der Eintretung in die 
Frankfurtische Alliance bestehen bleiben, so haben unsere Gesandte 
zu vernehmen, wie und auf was Maasse solches geschehen solle und 
könne, auch was darunter vor conditiones vorgeschlagen werden 
wollen, wie nicht weniger, was vor Sicherheit die Abgeordnete wegen 
Schweden und Frankreich geben können, und diesen Punkt end- 
lich ad referendum annehmen, doch dabei fügen, dass nicht ihrerseits 
fernere Communication gänzlich benommen und abgeschnitten werde. 

Im übrigen kann wohl discoursweise, und wann dazu Anlass ge- 
geben würde, wegen der Schweden Vornehmen, imgleichen der Tür- 
kengefahr halber sich mit den Abgeordneten vernommen werden, und 
wann darbei des Deputation- und Reichstages halber von ihnen etwas 
moviret wird, darin ist denselben unsere Intention bekannt. 



Protocollum gehalten zu Colin am Rhein den 28. Juni a. 1661. 

In der Proposition der Kar- und Fürstlichen Gesandten wird al8 28. Jani. 
Zweck der Zosammenkonft bezeichnet, alles, was ad conservatiooem pacis 
in imperio et maDUtentionem instromenti pacis immer dienlich, zn befördern 
Qod danach za trachten, wie man diesen gemeinsamen Zweck erreichen 
könne. 



42 



1. Verhandlungen wegen der Garantie äee Friedeoe etc. 



Die K.brandeDbargischen erinuern dagegen daran, dass ICColn 
nnd die anderen durch besondere Abechickung dem Kf. die Garantie angebolCD 

und dasE er dieselbe angenomuien bätte, dass es also nur darauf ankomme, dau 
diese Garaotie recht eiugericbtet werde. Das ganze "Werk beruhe darauf, 
da8S man eirh zugamnieniietKe, einer dem andern die Hand biete, Kf. me 
solcher Zweck könne erreicht werden, wenn er sich mitK.Cöln, den Häu- 
tern BrauDscbweig und Heseeu verbinde, dass einer dem andern mit 
allen Krarten nnd Mittelu assistieren solle, er hoffe, dass man bereit fiei, ancb 
Freusseu mit in die Garantie aofzunehnieti. Die K.CöIniscben, Bra 
Bcb wcigischeu und HcBsiscben erwidern darauf: 1) betreffend die ea 
Berlin offerierte Garantie, hätten ihre Frimipaleu dahin gezielt, dass de« 
Kf. Lande im Reiche sichergestellt und die Krone Schweden ancb ver- 
liehen bleiben möchte, dass ihre Reiebslande ex instrumeiito pacis auch 
befreit und die occuplerten Plätze restituiert werden, und also die Reichslande 
und uegotia von den auswärtigen separiert werden möchten, uud hätte man 
diese Separation durch eine abeonderüchc Declaration genug zn erkenDca 
gegeben, worauf aber keine Gegendeclaration vom Kf. erfolgt wäre. Wdl 
aber der Friede EaOÜTa nachgehenda geschlossen und eaequiert wäre, so 
wäre nicht unbillig zu sagen, dass die Sache in anderen Stand gekommen. 

2) soviel die nähere ZuBammensetzung mit K.Cöln, Brannschweig 
und Hessen betrifft, hielten sie, weil diese Zusammeuschickuog mit Vor- 
wiBsen ihrer Alliierten geschehen, für diensamer und hätten Befehl zu verneh- 
men, ob Kf, nicht beliebig wäre, sich mit den gesamten AlUierieo in oähers 
Znsammeusetzuog zu begeben, und könnte mau alsdann de particnlaribus 
weiter reden. Wenn mit ihren Friocipalen und den Alliierten eine nähere 
Zusammensetzung geschehe, würde dadurch die Garantie wirklich befördert 
und der Weg zur allgemeinen Reicbsdefension gelegt werdeti. 

Die K.braudenburgischea setzen die Veraulastiung n-egen dei 
Garantie weitläuüger ans einander, es sei Ef. eine Garantie in gemein, nicht 
aber auf Ezecution des Friedens angeboten worden, dahin gerichtet, dasE 
Schweden im Reich sowohl damals als später nichts aufangen 
dass Kaiser und Kf. desshalb gesichert sein möchten. Diese Zusammen- 
kunft sei bloss znr Gjrantie angesehen uud solche zwischen ihnen bisher ant 
allein tractiert worden Ob Kf. sich mit andern Alliierten verbinden könne, 
dazu wären sie nicht instruiert, Kf. vrüsste auch nicht, ob alle Alliierten sich mit 
ihm setzen wollten und auf was Weise und Maass solches geschehen eollte. 
Des Kf. Meinnng gebe dabin, sich mit K.Cöln, Biaunsch neig und 
Hessen dergestalt zn setzen, dass eiuer gehalten sein solle den andern 
bei dem Münsterseben und Olivischen Friedensschlnss zo schütsen. Dieseg 
könne gar wohl salvis aliis foederibns geschehen. 

Die K.Cölnischeu, Brannschweigischeu und Hessisch en: Bei 
der Garantie habe man auf den Olicischeu Frieden keine Reflexion gemocht, 
sondern deuselben vielmehr von den Reicbsnegotiis separiert, Kf. habe in 
einem Schreiben vom 3. Juni l6t)0 den Zweck der Zusammenkunft also 
berabmt, dass der Friede im Reiche erhalten werde. Dieser Zweck könne 



ZuNUHDenkunft sn Göln. 43 



nicht sowohl durdi partieiilieri als durch gemeine Zosammensetzung erreicht 
werden. Auf eine ParticnliercoofoederatioD seien sie nicht instraiert, das Ab- 
sehen ihrer Prineipalen sei nnr darauf gerichtet , wie die Generalgarantie 
könnte stabiliert werden, das könnte am besten geschehen dnrch die Alliance, 
die sie schon hatten, wenn Kf. sich mit hinein begeben wolle. Vermöge 
ihrer Instniction könnten sie erklären, dass keiner der Alliierten sich Ton 
solcher Zusammensetzung mit K. Brandenburg alieniert bezeige. 

Die K brandenbnrgischen können nicht einräumen, dass man bei 
der Garantie nicht das Absehen auf den Olivischen Frieden sollte genom- 
men haben. Wegen Eintretung in die Frankfurter Alliance, wiederholen 
sie, seien sie nicht instruiert, sie wüssten nicht, ob Kf. in dieselbe werde 
eintreten können, 1) weil demselben die Gontenta niemals in forma commn- 
nieiert, 

2) in dem, so dem Kf. vorgekommen, hätte man gesehen, dass viele 
TOD des Kf. Landen darin ausgesetzet, 

3) weil dieselbe mit allerhand beschwerlichen Conditionen für Kf. an- 
gefüllt wäre, 

4) weil Ef. bei selbiger Alliance unbillig behandelt worden wäre. 
Dazu ginge die ganze Allianz auf den Dänischen Krieg, so sich nun 

ganz geändert, und würden also ganz andere conditiones erfordert werden. 



Continuatio, Cöln 29. Juni 1661. 

Die K. Gölnischen, Braunschweigiscben und Hessischen wün-29. Juni. 
sehen, weil die comitia dazu dienen könnten, dass daselbst von Bestäti- 
gang des Friedens und der Generalgarantie etwas abgehandelt werde, 
des Kf. Meinung, wie dazu zu gelangen, zu vernehmen, und ob die K. 
brandenburgischen über die gestern vorgewesenen Punkte, in specie wie 
man sich mit den gesamten Alliierten näher setzen könnte, sich ferner ver 
nehmen lassen wollten. 

Die K.Brandenbnrgi8chen: Kf. habe dem Kaiser die Noth wendig- 
keit der comitia vorgestellt, namentlich, dass derselbe ohne diese seine dc- 
sideria wegen der Assistenz gegen den Türken nicht erhalten werde, Kf. 
«erde bei dieser Intention verharren, hoflfe, der Kaiser werde sich zn den 
comüiis verstehen. Es wäre darauf zu sehen, dass dann dort etwas nütz- 
licheres pro imperio, als bisher geschehen, möge verrichtet werden, vor allen 
Dmgeo mösste der punctus secorltatis publicae vorgenommen und müsste da- 
nach getrachtet werden, dass man mit besserer Conformität in consiliis auf 
solebem Reichstage erscheine. 

üeber den Punkt wegen näherer Verbindung mit den sämtlichen Alli- 
ierten könnten Gesandte, da es ihnen an Instruction mangele, nur an Kf. 
achten« Es würde ihnen lieb sein, wenn man ihnen an die Hand geben 
^oUte, wie nnd auf was Maasse die Verbindung mit den sämtlichen Alliierten 
vcrkstellig gemacht werden könnte, sie wollten es dann dem Kf. referieren. 
Die anderen erklären, am folgenden Tage darauf antworten zu wollen. 



t. Verhandlnagen wegen der Gfirantte de* Friedeni etc. 



3. Congressas, 30. Juni 1661. 



}. Jani. Die E. Colniguheii, B rauDsch weigischuii aad deBsiacheil 

»erlesen eine scbririlirhc Krklärung, bIc kÜnDten nicht eiQEehen, wie di« I 
iLngehoteae Garnnlie auf deu Poloiiicbcn und Oliviscben Frieden und deseen I 
Garantie ausgedeiilct werden könne. Ebenso wenig köDUten sie begreifeo, I 
daBK man auf K. braiidenburgisebcr Si'itc dafür lialtcn wolle, doss wu I 
zwischen dem Kr. und ihren rrincipalcN vorgegangen, blo£ in ibrem nnd I 
nicht Eugleich auch ihrer Mitalliierten Namen geschehen würe. Weil die E. 1 
lirandenbnrgischcn Gesandten nur instrniert seien, mit den srhii-kendea Kor- I 
und Fürsten allein sich in einen näheren Verein eijuulassen, und zwar 
gestalt, doss man Kt. auch bei dem Olivischeu Frieden garaotiereD solle, 
sie ihrerseits aber nur in^^trulert seien, im Namen der säiutlicben, diese Ab- 
schickung mit concernierendeu Alliierten auf das, Fundament des Teatscheu 
Friedensschlasses mit Kf. über eine nähere Zusammensetzung zu bandeln, 
sonderlich d;i Kf. in die mit anderen scbuii habende Samtallians miteiozi 
treten iuclitiiercu sullle, auf welchen Fall man auch wohl sich getrane dieje- 
nige DiUlcultät, welche von seilen Pfalz Neubnrgs wegen dessen Exclusion 
aus dem Oliviscben Frieden gemacht werde, aus dem Wege zu räumen, bo 
werde es liir diesmal darauf ankommen, dass mna beiderseits referiere. 
erklären, die Eröffnung, dass keiner von deu Alliierten mit Kf. sich SB' 
verbinden abalieuicrt her, hätten sie nicht ex commissione, sondern nur für. 
bich gemacht. Wenn Kf. sich resolvicren sollte., sitb mit sämtlichen Allüt 
eioüulaseen, bü könnte dieses doch keinesnegs so blosser Dinge durch Eiii- 
tretuug in die Frankfurtische Allianz geschehen, zumril da dieselbe nicht aof 
des Kf. jetzigen Bstat proportioniert wäre, sie stellen den K.brandeabuF> 
giseheu Gesandten anheim, ob dieselben sich in dem Allianzrecess ersehen und 
mit einigen Erinnerungen, was Kf. circa niodnm et condiiiones etwa de- 
siderieren möchie, nni davon zugleich zu leferieren, an die Hand gehen 
möchteu. lieber die Frage, ob inzwischen, wenn einige turbae dem Kf. 
zuwider erregt würden, ihre Prineipalen demselben zn assistieren gemeinr, 
werde man referieren. Da ihren Principalen auf diese und vorige Expecto- 
rationen wohl anliegen wird, eigeoilich zu wissen, ob Kf. auch mit den übri- 
gen Alliierten sieh zu vereinigen Belieben trage, welche Resolution, da Kf. 
in der Nähe sei, bald eingeholt werden könne, so stehe nx der K.branden- 
burgischen Gesandten Gntliuden, ob sie vermeinten, dass mau in Erwartung 
dessen noch etwas an diesem Ort zu snbsislieren habe, oder nicht. 

Wegen des Reichstages stellen sie zu bedenken, ob nicht abzDwarlei 
sei, bis der RVicekanzler zu K.Mainz komme, um za sehen, ob der- 
selbe desfalls einige Coinmissiou habe, und hernach nnf ein Bxpediens tM; 
gedenken, wie der Reichstag könnte befördert werden. 

Die K.brandenburgis<:ben bitten um Communicutioa der schrifti 
liehen abgelesenen Erklärung, die Frage wegen der Garantie wollten i 
da sie die Akten nicht bei sich hätten, nustelien lutsen. ebenso »b, wi« 
jene behaupten, was früher und jetzt geschehen, nomine aller Alliierten ge- 



ZasftmineDkiiDft za Cöln. 45 

scheben sei, Kf. sei der Meinung, das? er blos mit den Principalen der Ge- 
f^andten za thnn hätte, sie hätten anch bei jetziger Conferenz kein anderes 
Creditiv gehabt. Den Pnnkt wegen Verbindnng mit sämtlichen Alliierten 
müssten sie, da sie darauf nicht instruiert seien, ganz zo des Kf. Resolution 
stellen, hielten auch dafür, dass man sich deswegen hier nicht aufzuhalten 
habe, es sei eine Sache von hoher Importanz, Kf. werde sich darin nicht 
so geschwinde resolvieren, wenn es zu Tractaten käme, so müssten sie da 
geschehen, wo alle Alliierten wären. 

Darauf Schluss der Conferenz^). 



Der Kurfürst an den KorfUrsteu von Mainz. D. Cleve 

9. Juli 1661. 

[auf das Schreiben vom 15. Juni. Dank fär die zugesagte Assisteoz. 

AbwenduDg der Turkeogefahr.] 

Dank dafür, dass K.Mainz sich ihm gegenüber besonders zu even> 9. Juli. 
toeller Assistenz erboten habe, er versichert, dass auch er auf begebende Fälle 
ihm solche leisten werde, ersucht ihn zugleich zu allem beizutragen, was 
tu Abwendung der Türkengefahr gereichen könne, namentlich verhüten 
zn helfen, dass dem Türken nicht durch allzu laugsame consilia und An- 
stellung Gelegenheit zur Ausführung seines blutdürstigen Vorhabens gege- 
ben werde'). 



Der Kurfürst an Kaiser Leopold. D. Cleve 10. Juli 1661. 

[auf die Schreiben vom 14. Mai and 14. Juoi. Knrf. will des Kaisers iDtention 
befordern, die meisten Reichsstande aber verlangen den Reichstag.] 

— Gleichwie ich nun bisher mich allemal beflissen E. Kais. M. lo. Jali. 
desideria und bestes, so viel an mir, zu befördern, also werde ich 



^) Aach von dem Verlauf dieser Zasaromenkunft giebt Rf. dem Kaiser (d. 
Cleve 9. Jali 1661) Nachricht. 

^ Karmainz in seiner Antwort (d. Mainz 1. Aagast 1661, abgedruckt in 
Diariam Enrop. VIl 8.377, Londorp VIII S. 774), weist darauf bin, vor 
allem mäsae die gemeine Securität des Reiches festgestellt werden, dieses koone 
aber nicht aaf einem Depatatious-, sondern nnr auf einem Reichstage geschehen. 
Wenn der Kaiser sich zur Wiederbernfang desselben entschliessen sollte, konnte 
dort nicht nar gegen den Türken von selten des gesamten Reiches assistiert, 
sondern aach sonst im Reiche gote Ruhe erbalten werden. Darauf erwidert Kf. 
(d. Cleve 15. August 1661, Diarium Europ. VIT S.411. Londorp VIII S. 783), 
ihm sei gleichgültig, ob Deputations- oder Reichstag, wenn nur der Zweck er- 
reicht werde, und stellt Karmainz anbeim, ob nicht dem Kaiser zu willfahren 



46 1. Verhnodlangen wegen der Garantie des FriedenB etc. 

ferner nicht unterlassen, daBJeüige willig leizutragcn, was zu Errei- 
cburg E. Kais. M. guten Intention dicnnamb sein wird. Wicwobl — 
die meieten ßeieliestrindc nouhniah die Beschleunigung des Reichs- 
tages treiben, die Deputation und deren Transferir- und FortatelluDg 
dei'liiiiren und den Reichstag vor das bequemste und /.ulän^lickste 
Mittel halten, dadurcb E. Kait^. M. niclit alleia gegen den Türken 
mit einmütiger Zusammensetzung unter die Arme gegriffen, souders 
auch der Friede und die Securität im Reich erhalten werden künce. — 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 25. Augnst 1661. 

] BeicbBdepnUliOD in Aagsburg m- 
□e'b EiDirilligtiug beiDüheii.] 

"S5. Aug. — Nachdem mir nun von unterschiedlichen Ständen die Nacb- 

rieht als von K.Mainz') die Erklärung eingelanget, wann ich den 
Reichstag auf einen gewissen Termin ausschreiben wörde, dass dadurch 
alles hOcbetachädlichc Misstrauen verhütet bleiben — und das Reich 
durch Eeatsteliung des Puncti securitAtis bei Fried und Ruhe bestän- 
dig conaerviret, ich aber wider den Türken raebrer und gewisser 
liUlff versichert sein und benebens den RUcken auf allen Fall frn 
haben würde — Also bin ich entschlossen und im Werk begriffen, 
mich durch meinen R. Vicekanzler, wann anders Ew. und der übrigen 
Kurfürsten LL. dero erforderten Couaena dem Herkommen nach dann 
zu ertheilen kein Bedenken haben werden, mich dahin vernehmen za 
lassen, das« ich den Reichstag gegen den 1. Octobris schierst künf- 
tigen 1662 Jahres nacher Regensburg unfehlbar und zu rechter Zeit 
auszuschreiben erbietig sei, jedoch mich zu Ilir. Ld. binwiedernmb 
gänzlich versehe, sie worden dero mehrmaligem Erbieten und Ver- 
sprechen zufolg die Sache wegen Translation des Deputaiionstages 

und der Antaag uod praeparalorium zu einem boeeercD Griiode Bof den Depa- 
tatiouBtug la legen sei, weil docb mi' dem Contradicieren echon viele Zeit ver- 
gebens verlaarea sei und leicbt oocb eo viel verelreicheD könne. 

') S. dae ansfuhrliche Memorial desselben (d. Mainz 30. Juül6<3t, gedruckt 
I.oadorp VIII B. TT2ff.), in welchem er entspreuhend der ihm von Fraokreicli 
ertbeillen Weisneg {b. Guhraner 11 S. 3031 DacbzunelBeo sucht, dsBB eine Ver- 
legang der Reicbsdepiitaticin unstatihart sei, nod zum SchtoBB äuesert, allea 
UiBBtraaan werde verhütet und die Slnnde bei gnler A£Fection nnd Treue gegen 
den Kaiser erbalten bleiben, wenn sieb derselbe darüber erklüre, in welcher 
Zeit er den prorogierten Reichstag Tarlsetzen wolle. 



ReichaUs und DepntetiooBUp. 



47 



dahin richten, dass allerseits depulirte Stände »ich mit dem fürder- 
lichstea nacher Augspurg — begeben und diejenige Remissa, so ver- 
müg jAogsteo ReichsabBcIiieds praeparatorie auBgemaclil werden eolten, 
daselbst unverlangt an die lland nehmen. 

Kf. möge ibm Keine Üedankeu darüber eröffaeii, wcdd er gegen die 
Aq BSC breibang des KeicLstages kein Bedenkeu trage, seinen Coasens er- 
tbeileii und ancü K.Mainz dazu zu disponieren helfen'). 



I Herzog Christian Ludwig von Brannschweig und Lüneburg 
an den Kurfürsten. D. auf unaerm Jagdliauae Fulirberg 
4./[14.] November 1661.0 



BADkuDdignng der EntaendaDg i 



m Becolliii&chtlgteD 
ElbhMdel.] 



Ew. Ld, wird zweifelsfrei annoeU in gutem Andenken ruhen, ]4. Nov. 
wasgestall ohnISngsthin , da wir Ew. Ld. sehr angenehmen Gegen- 



') Kf. in eeioer Antwort {ä. Cleve 9, September 1C61 , gedruckt Diarinm 
Enrop, VII 8. 44f.. Londorp VIII S. TS«) ertheilt BeineB Conaena und leigt 
HU. dass er an Eurraaloz dem Wunacbe dea Raisors geiBÜ-BH geBcliriebeu habe. 
DkB Schreibeo au Kurmaiat (Diarium Barop. VlI S- 447. Londorp VIII 
S. T8ü} JBt von denselbeD üalum. ebeuBO f^chreiben au die audeien KcrfurBten, 
denen AbBchrifIcu jeoer beiden Schreiben mitgetbeilt i^erdeu. Karinainz er- 
widert dem Kf. daraur (d. Mainz 17. September IWJl , Diarium Europ. Vll 
a. 460. Londorp VIII S. TH*i), daaa er mit der BerafuDg des Reichatagei eluver- 
slBDÜeu sei uud aeicien CoDBens dazu erlbellt habe, dasa er aicb aber xu der 
VerlegQDg der Retchadeputatioii nnsaer anderen Gründen Bchon deBehalb nicht 
verstehen könne, «eil die tu FrankTurt annresenden Reichedeputierten darein 
Dicht nilligeo wollten In ätinlicher Weise, unter Beruraug auf den Widerspruch 
xaa EurmaiDE nnd der anderen Mitglieder der Deputation zu Frankfurt lehnt 
K urcülD die Verlegung ab, während Kurpfalz. Knrtrier, KnrsachBen und 
Knrbaiern ebenso wie Kl. sich einTach zustimmend zu den kaiserlichen Vur- 
scblagen erklären und darauT nochmalige aber ebeDfalls vergebliche Versuche 
machen, Knrmaini uniEustiinmen a. die Correspondeuz darüber LondorpVIII 
S. 7S'Jff., vgl. Grössler 8. 17ff. 

^ Infolge der Zölle und anderweitigen BeläBligungen, welche Hamburg dem 
Bändel, namenllicb mit IIoIe und Getreide, auf der Elbe auferlegte, balle Kf. 
mit dem Herzoge Christian Ludwig vod Celle Verhandlungen angekutipfl, 
um den Ulbbandel aus Beinen Landen, statt nach Bamburg, anf der Südetbe 
i.acb Haarburg zu leiten. Si'boa am S6. September ICGl war auf einer Con- 
ferenz der beiderseitigen Bevollmächtigten zu Haarburg eine Convention darüber 
vereiubart worden. Nachdem dai n Kf. auf der Rückreise von Cleve nach Berlin 
mit dem Uerioge, den er unterw< ga besuchte, die Angelegenheit persönlich be- 
sprochen hatte, sandte dieser Mitte November die Geheimen Eammerrätbe Bodo 



48 



I. VerhandlnngBB wegen der Garantie dea Friei 



wart zu geniessen und uns mit deroselben ~ zu besprechen die Ehre.' 
geliabt, unter anderen die Abrede genommen, das» wegen der bd- 
hauptenden freien Schiffahrt und Handlung auf dem Elbstroni oudl 
Hatiücation des devobehuf in unser Stadt Haarburg errichteten Rfr- 
cessuR eine Conference einiger aus Mittel unser allerseits Geheimes 
Räthe angestellet und sitdann desfalls ein endlicher Schluss gemachet 
werden sollte. 

Er wird daher seiue dazn bereits deputierten Geheimen Käthe in 
gen Tagen unih lierlia schicken. 



Derselbe an den Kurftirsten. D. ZeH 6./[16.] November 1661. 

ICreditiT für B, v. Gladebeck zu beaonderen »ertrauliclieo llDterliandluD^D.] 
»V. Nachdem ich zu der mit Ew. Ld. Geheimen Ministris der Baar 

burgischen Handlung halber anstellender Commuaication meinen Geb. 
Cammerrath, den von Gladebeck, deputirt und abgcfertiget, so habe 
ich demselben zugleich befohlen, dass er sich bei dieser Gelegenlieit 
k part bei Ew. Ld- unterthänigst anmelden und meine zu deroselb» 
tragende — Affection und Cunfidenee mit mehrem contestiren, auch 
für die mir neulich gegünnete Besuchung gebührenden Dank abstattet 
und danebenst eine und andere Eröffnung tbun solle. — — Zw«- 
l'ele ') nicht, Ew. Ld. werden bei unter uns abgeredete Sachen und 
deroselben wobi bewusst bestündig beharren, deswegen den Monsieur 
Gladebeck meine Meinung Dero eutdecken wird. Hoffe bald die 
Ehre zu haben E. Ld. auf der Reiherbeize hinwieder aufzuwarten 
vermiige genommener letzter Abrede. 

Relation Bodo v. Gladebeck'e an Herzog Ciiristian Ludwig 
von Braniiöchweig und Lüneburg. D. Berlin 20./[3O.] Novem- 
ber 1661. (Hannoversebes Arcbiv.) 

IVorhandlungeii mil dem Kf. uu<l ilessen Kiilbec wegen Bintritts In die Bbel- 

niBcbe Allianz.] 

V. Nachdem er dem Kf. da» llaiidschreibeo des Herzogs übergeben ood 

dicEer danins erEeheu, dass er noch etwas a pari ihm rorzubringen, hat er 

V. Glndeback und Heiurich BesRcl zu weitereo Verbandlnogen nach Barlil, 

nod zwischen diesen nod den vom Kurriireten deputierten Geheimenräthen Claif 

Ernst V. Platen, Olld Rrote und Friedrich v. Jena, wurde der VertrtC' 

II 2«. Novetnber/t). December llilil (a. v. Mürner S. 256) abgeachloaeen, wd- 

cheu K(. am '30. November/10, December, Herzag L'hristiau t..udwig Ui 

Sä. I>ecember/'.!. Januar ratificierle. 

') Die letzten Worte aiad ron dem üertoge eigenbitndig hinsngerügt. 




VerbaudluDgen mit v. Gladebeck. 

nach der Tafel ibu ulleio wieder in sein Gemach gefordert. Ais Gl. hier aufs 
neae iho seines Uerru Freundschaft »ersicbert und bemerkt, derselbe erin- 
oere sich dessen, was za verschiedenen Malen wegen des Eintretens des 
Kf. io die Frankfurter Allianz vorgekommen, dafern Kf. meinte, dasa 
der Herzog hierzu cooperieren sollt«, so möchte er ea dLmselben ver- 
traulich aD die Haad geben, dankt Kf. dafür sehr höflich, und erklärt, 
er vertraue auf des Herzogs frenDdlii.'he Absichten, „denn sie ihreatlieils 
kein ander Interesse als die Wohlfahrt des Köm. Reichs hätten, be- 
gehrten auch von dessen Ständen nichts anders, als dass sie bei 
demjenigen möchten guarautiret werden, was ihr das Instr. pacis 
zueignete, — und ob&chon ihre consilia beschuldigt werden woll- 
ten, als ob sie ganz von Oesterreich oder Spanien dependirten, 
80 solle tcb jedoch meinem gn. Fürsten und Herrn — versichern, dass 
sie weder kaiserlich, weder spanisch, weder französisch, weder schwe- 
discb, sondern einzig und allein gut reichisch wären und flir dessen 
Freiheit alle ihre consilia und actinnes dirigiren würden, es möchte 
aucli niemand glauben, dass sie an den Kaiser dergestalt attacbiret 
wären, dass sie nicht freie Wahl zu reden haben sollten, sie wären 
imperatori zu nichts in der Welt obligiret als pro salutc imperii und 
dessen Defension, und wann Imperator diese Stunde etwas dagegen 
anfangen wUrde, so wäre er der ärgste Feind des Katsera, welches 
er imperatori klärlich sagen und schreiben lassen, auch noch neulich 
in puncto comiliorum solche remoustrationes getban, dass er gewiss 
versichert, dass es keiner seiner Mitstände getban hätte, er hätte sich 
aber de« Vertrauens, so Ib. Kais. M. zu ihm hätten, bedienet und 
deswegen frei heraus geschrieben, wollte auch ferner das Seinige 
dabei thnn. Das Bündnis') zwischen Oesterreich und ihm ziclete 
auf nichts anders als die Situation der Laude, dass weder Schlesien 
noch Böhmen von den Schweden nicht könnte angegriffen werden, 
sie müseten denn zuvor sein Land berühren. Weuu nun Imperator 
den geringsten Widerstand leistete, die Schweden repousairele oder 
Dicht alsobald in seinen Erblanden Meister werden iiesse, so hätte 
er das ganze theatrum belli wo nicht von beiden, so zum wenigsten 
von einer Armee im Laude. Weil er nun doch in der äussersten 
Gefahr seiner Ruin auf solche zutragende Fälle sitzen mttsste, so 
nollte er lieber mitspielen als zusehend das Seinige verlieren. la 
Holstein hätte ihm zwar der Kaiser das Generalat Über die ge- 



') Daa DeteDBiv- uod OffeaaivbündDi 
rD«r, S. öd3t.}. 

[ Mawr, L Oncb, iL Q. Kartänwi XL 



1 30. Jnt 



Br/9. FebruB; 



I65S ( 



50 1- Verhandlangen wegeo der Garantie dea FriedeDi etc. 

samte conjungirte Armeen aufgetragen, er hätte es aber niemils 
pure aeceptiren, auch nicht allerdings abschlagen wollen, sondern 
hätte das Werk in solcher Balance gehalten, dass es zu nichts scha- 
den und ihn nicht gar zu weit verbinden könne. 

Mit den Kronen hätte er allezeit in beständiger gater Freond- 
Schaft gelebt .... Nachdem er aber mit Schweden brechen müssen, 
hätte Frankreich auch seinen disgusto merken lassen, hätte mit Neu- 
burg sich so arctissime gegen ihn verbunden, dass er genugsam seine 
Intention gegen ihn verspüren können. Er hätte gar gute und ver- 
trauliche Nachricht, dass Gravel zu Heidelberg dem RorfUrsten 
zumuthen dürfen *), er solle der Allianz, so er mit ihm, Kf., gemacht, 
renunciiren, oder sein König wQrde ihm alle Freundschaft aufsagen. 
Nun würde ja das den deutschen Kur- und Fürsten zum höchsten 
Präjudiz gereichen, wenn sie sich von den Kronen sollten f&rschreiben 
lassen, ob, wie und mit wem sie in Bündnis treten oder unter sich 
verbinden sollten. Er hätte gegen Frankreich niemals das geringste 
gethan, suchte auch noch nichts anders als seine gute Freundschaft, 
hätte auch unter der Hand vertrauliche Nachricht, dass man am fran- 
zösischen ^) Hofe erbötig, wann Kf. ihm, dem Gallo, einen Schritt 
entgegen thäte, wollte man an selten Frankreich ihr gern drei ent- 
gegen kommen; er hätte aber nichts gegen Frankreich gesQndiget, 
könnte sich dero wegen auch nicht submittiren, sondern Hesse sie in 
Wachsen und Subsistenz, müsste ihnen trauen, so viel er könnte, und 
würde im übrigen ihr guter Freund verbleiben. Mons. Budelwelts') 
liätte etliche Mal herausgeschrieben und 8. Chf. D. grosse contesta- 
tiones gethan, als sie nun endlich bei dem Mons. Lionne weiter 
nachfragen und sieh gleichsam anmelden lassen, hätten sie eine solche 
kaltsinnige Antwort bekommen, dass sich die Zeiten nunmehr geän- 
dert, das Werk in einem andern Stand und anderwertig zu überlegen 
wäre. Nun wollte der König in Frankreich alle consilia in dem 
Kömischen Reiche dirigiren und möchten doch die deutschen Kur- 
und Fürsten Selbsten bei sich erwägen, in was für Esclavität sie sich 
und ihre Nachkommen stürzten. Er wiederholete nochmaln — dass 
er kein spanisch, noch österreichisch, noch einiges ander Interesse 

') S. iiDten Abscboitt 2. 

'') S. die Scbreibeo Wicque forte an deo Oberpräsidenten v. Schwerin 
ürk. u. Akt IX S. r>9lff. 

-; Püdewils, a. ürk. u. Akt. IX 8 576. 



Verhandlaogeo mit ▼. Oladebeck. 51 

als nur die Freiheit der freien Reichsstände fovirete — und hoffe 
er noch zu erleben, dass endlich erkannt werden wQrde, dass die 
Brandenburgischen consilia aufrichtig und zu des Reichs Besten ge- 
meinet gewesen. Wegen Neuburg hätte er keine sonderliche Re- 
flexion. Es hätte derselbe zwar seinen RQcken an Frankreich ge- 
setzet, er getrauete aber der Gerechtigkeit seiner Sache und hätte 
seine final Deduction herausgegeben, die er uns communiciren wollte, 
und hätte sieder dem Neu bürg acquiesciret und dagegen nichts ein- 
wenden können. Er hätte seinestheils die ganze Sache dem Ghurf&rstl. 
CoUegio zu dessen Interposition untergeben und könnte leicht er- 
messen, wann unparteiisch darin verfahren würde, wie das Urtheil 
fallen möchte. Es wären an Spanischer Seiten für diesem einige 
Furschlage ins Mittel kommen, dass der Rhein die Grenze zwischen 
ihnen beiden sein sollte, weil aber S. Churf. D. darbei gar zu viel 
verloren und nichts als die Stadischen Guarnisonen in ihrem Lande 
behalten hätten, so hätten sie diese Handelung ausschlagen müssen, 
es würde ihr aber lieb sein, wenn das Churf. CoUegium je eher je 
lieber die Sache reassumiren möchte. Es gaben S. Churf. D. nun zu 
allem unparteiischen Nachsinnen, ob bei solcher Bewandnus sie sich 
der Direction der auswärtigen Cronen gleichsamb unterwerfen und 
ihr Interesse in dero Hand stellen sollten.'' 

Als 61. erwidert, auch die consilia des fürstl. Hauses zielten nur darauf, 
die jura statonm zu cooser?ieren und die gute Harmonie im Rom. Reiche 
zu stabilieren, keineswegs aber sich den auswärtigen Kronen zu unterwerfen 
oder das Interesse in ihre Hände zu spielen, man könnte also mit Kf. gar 
leicht sich vereinigen und würde nur die Frage sein, ob man sich denn 
nicht in den mediis auch vereinbaren könnte, antwortet Kf., es sollte ihm 
selbiges nicht entgegen sein, aber in der Frankfurtischen Allianz wären einige 
Dinge, darin er so pure nicht willigen könnte, weil er aber des Herzogs 
gute Intention darin verspürte, so wollte er durch Dr. Jena, der in der 
Harburgischen Sache mit ihnen negotiieren würde, auch dies Werk weiter 
mit ihm überlegen lassen. 

Den 21. Donnerstags eröffnet ihm Jena, dass er von Kf. Befehl 1. I>ec. 
erhalten, mit ihm in Conferenz zu treten, wiederholt fast eben dasjenige, was 
bereits oben angezeigt ist, giebt dabei aber zu verstehen, dass dem Kf. 
das Frankfurter foedns gar zu weitläufig fallen würde, zumal die Interessen 
gar zu wunderlich und divers, und solche Personen darin begriffen wären, 
die vor diesem des Kf. Diener gewesen und mit denen er kein foedns machen 
würde, als insonderheit der Graf von Wal deck'). Gl. erwidert, die 

>) Graf Heinrich YII. von Waldeck hatte 1438 BeineD Theil der Wal- 
deckecbeo Lande dem Landgrafen Ladwig vou Hessen eq Lehn aufgetragen 

4* 



52 1* VerhandlaDgen wegen der GaraDtie dea Friedena ete- 

anfängliche Intention dieses foederis sei gewesen, endlich und aoter der 
Hand das ganze Rom. Reich wieder in eine gute Harmonie zu setzen, weno 
man nur dem noch inhärierte, könnte das foedns nicht zu weitläufig seioi 
Graf Wal deck wäre nicht immediate, sondern mediate io demselben, so 
dass Kf. weder mit ihm paciscieren noch schliessen dürfte , er hofie, wean 
die anderen dubia des Kf. nicht wichtiger wären als diese jetzt movierten, 
so würde man sowohl in modo als intentione einig werden. 
3. Dec. Den 23. neue Conferenz mit Jena. Derselbe erklärt, Kf. würde gern 

mit allen Ständen des Reiches und sonderlich, wie suGöln^ Torgekomnieji, 
mit dem Hause Braunschweig, Hessen nnd anderen sich yereinbareo, 
so absolut und ohne Restriction aber in die Frankfurter Allianz zn treten 
würde er grosses Bedenken tragen, er hielte vielmehr dafür, dass, wenn die ob- 
erwähnten Kur- und Fürstlichen Häuser nebst K. Pfalz in einem bestin- 
di^eri Bündnis ständen, man der Auswärtigen nicht bedürfen, sondern ge- 
gen Kaiser und Könige sich genugsam redoutabel machen könnte. Des 
Kf. Verbindung mit dem Kaiser sei der Art, dass er sich anch mit an- 
deren setzen könnte, wie er wollte. Gl. erwidert, separatim nnd ezdasis 
coronis noch zur Zeit im Rom. Reich beisammen zn stehen, wäre bisher 
von vielen für impracticabel gehalten worden nnd deswegen sei noch neo- 
lieh die Frankfurter Allianz auf 3 Jahre extendiert worden'), wenn diese 
verflossen und Kf. sich inniittelst mit hinein begeben, so würde sich als« 
dann überlegen lassen, ob die Stände besser allein oder bei den fiLFOoen 
ständen, inmittclst wüssten sich die Alliierten keiner sonderlichen Direction 
von den Kronen zu erinnern. Er bittet das Bündnis des Kf. mitOester- 
reicli zu coinmunicicrcu, ebenso wie es mit dem englischen geschehen 
sei. Jena bemerkt darauf, ob es nicht bei den Alliierten zn erhalten sein 
möchte, dass P reu sscu mit cingescbloswsen werde. Gl. erwidert, das werde 
wohl etwas hart halten, und wenn Kf. seine anfänglichen conditiones gar 
zu schwer machte, würde es fast seheinen, als wenn es mit der Beitretong 
kein Ernst wäre. Jena bat hierbei so ganz alien von der Sache sich nicht 
vernehmen lassen, sondern dahin gezielt, dass man nicht ganz abrumpieren 
möchte, fragte aber nur für i>icb, ob mau vermeinte, dass die gesamten 
Alliierten mit des Kf. Eintretung einig sein würden, ob die Handlung eini- 
gen Deputierton könne con)mittiert und ob nicht auch K.Pfalz, als des Kf. 
Mitalliicrter, könne mit eingenommen werden. Gl. erwidert, an seinem 

aud seitdein stand Waideck za Hessen in einem Lebosverhaltois, das frei- 
lich mehrfache titreitigkeiten veranlasste, diese worden 1635 durch einen Ver- 
gleich beigelegt, welcher auch in dem Westfälischen Frieden (XY §14) bestätigt 
wurde. S. Schulze, Die Hausgesetze der regierenden deutschen Fürsten- 
häuser III 8. 373fr. Vgl. über die Aufnahme des Waldeckschen Hauses in die 
Rheinische Allianz und die zweifelhafte Stellung, welche es in derselben ein- 
nahm, unten Abschnitt 7 die Relation G. v. Jena's vom 15./25. December 1665. 

') S. oben S. 39 ff. 

'-) Diese Erneuerung der Rheinischen Allianz war am 7. März 1663 erfolgt, 
B. Köcher I ä. 313 ff. 



Yerhaadlaogen mit v. Gladebeck. 53 

Hofe sei mao der Meinung, dass Kf. allen angenehm sei, nnd wolle man 
in diesem and den anderen Punkten zn nnterbanen sich bemühen, wenn 
man nnr des Kf. beständiger Intention versichert wäre. 

Den 27. Vormittags eröffnet ihm Jena des Kf. schliessliche Resoln- 7. Dec. 
tion: dass er zwar in dieses jetzige Frankfurter foedus, wie dasselbd in sei- 
ner Yollkommentlichen forma bestünde, nicht allerdings treten könnte, son- 
dern er müsste für sich noch einige gewisse conditiones machen, er wäre 
aber erbietig, nach Veranlassung des jetzigen foederis sich mit den Alliierten 
zn setzen, er würde aber solchenfalls auch seinen Mitalliierten, den Kurfür- 
sten von Pfalz, gern mit einnehmen und ?on selbigem sich nicht separieren, 
nnd er hoffe, dass dadurch die Allianz dergestalt verstärkt und verbunden 
werden sollte, dass man die Wohlfahrt des Rom. Reiches auch ohne aus- 
wärtige praeceptores endlich beobachten könnte, jedoch suchte er auch mit 
den Kronen nichts anders als beständige Freundschaft zn halten. Sein foe- 
dus mit Oesterreich wäre er erbötig, auch das Original, zur Collation 
zo communicieren , er verhoffte aber, der Herzog würde das Werk dahin 
mesnagieren, dass etwa dem Fürstlichen Hause Braunschweig, Hessen, 
Co In nnd anderen wenigen die Handlung aufgetragen werden möchte. Als 
Gl. wünscht, mau möchte doch zu besserer Facilitierung des Werkes das 
Frankfurter foedus durchgehen und etwaige desideria dabei mittheilen, ver- 
langt Jena Mittheilung eines Exemplares des foedus und bemerkt, Kf. werde 
sich nicht gern einigem Directorio unterwerfen, soudern lieber sehen, dass 
man ganz keines Directorii Erwähnung thäte, ferner Kf. würde nicht mit 
Gravel als Gesandten, sondern lieber mit dem Könige selbst unterschrei- 
ben, dafern der König auch nur wegen des Flsass darin wäre, würde Kf. 
ihm nicht cedieren. Gl. erwidert, wenn die übrigen Erinnerungen von kei- 
ner grösseren Wichtigkeit als diese beiden wären, so würde dem Werk 
leichtlich zu helfen sein, wegen K.Pfalz werde sein Fürst kein Bedenken 
tragen, er fürchte aber, dass von Hessischer Seite solches werde diffi- 
cultiert werden^), Jena erwidert, erhoffe nicht, dass es sich daran stossen 
werde, das Werk werde sich appaisieren, K. Pfalz habe es in des Kf. 
Hände gelegt. 

1. December. Gl. fragt Jena, ob man das Frankfurter foedus nicht 11. Dec. 
durchgehen und ihre monita vernehmen möchte, zumal er aus dem Cöl- 
nischen Protokoll ersehen, dass es den Ihrigen daselbst zugestellt sei. Jena 
erklärt, diese Akten seien noch nicht angekommen, und als Gl. sich er- 
kundigt, ob einige Bedenken dabei wären, vermeint er, man müsste ihrer- 
seits erst wissen, ob die gesamten Alliierten Kf. admittieren wollten, eher 
könnte er sich keiner sonderlichen Conditionen vernehmen lassen. 

3. December besucht Gl. wieder Jena, dieser erläutert des Kf. Er- 13. Dec. 
kiäruDg dahin, dass Kf. in die jetzige Allianz nicht eintreten würde, sondern 
erbötig sei, mit den gesamten Alliierten sich zu setzen, die Articul aus der 

') Ueber die ZwistigkeiteD zwischeo Korpfalz aod Hessen s. die Ein- 
leitung zu Abschnitt 2. 



54 1- Verhandlungen wegen der Garantie des Friedens etc. 

Allianz durchzugehen und daraus sich zu verbinden. Was er jenesmal tob 
Französischer Snfoscriptiou und dcrgl. erwähnt; würde keine sonderliche 
Difficultäteu haben, es müsste zuförderst diese qnaestio an Ton den Alliierta 
resolviert werden, so würde Kf. sich wohl zur Billigkeit weisen lassender 
würde aber K.Pfalz nicht verlassen nnd Prenssen gern mit eiD|e- 
schlossen sehen. Ql. erwidert, die Preussische Condition würde schweriick 
bei allen Alliierten zu erhalten sein und also fast allein capabel sein, du 
Werk zu hindern, er wollte nicht hoffen, dass Kf. daranf bestehen würde. 
Jena erwidert, sie wollten Polen und Moskau excipieren, wenn sie nnr 
wegen Schweden und dessen Beifall gesichert wären, wiewohl sie sie ebei 
nicht p:ross fürchteten. Gl. erwidert, er könne dazu keine Hoffnnng macbn. 

14. Doc. 4. Deccmber berichtet ihm Jena, dass er mit dem Kf. geredet, de^ 

selbe bliebe hestäiidig bei der Prcussi sehen luclosion. 61. fragt, ob m 
zur Handlung wohl jem;ind nach Frankfurt schicken würden, jener ve^ 
neint es. 

15. Dec. ^' December redet Gl. mitCanstein, dass er nicht glanbe, dass die 

Prenssis< he Inrlusion zu erhalten wäre. Jener erwidert, Kf. best&ode 
zwar daniuf, wenn man aber im übrigen richtig wäre, würde sich dies« 
wohl finden , man möchte nur nicht die Hand abziehen. Der För^t voo 
Anhalt war beim Abschied derselben Meinung und erbot sieh zu alkr 
Cooperation. 



Der Kurfürst an Herzog Christian Ludwig von Braunschweig 
und Lüneburg. I). Cöln a. d. Spree 2./ [12.] December 1661. 

jRecreditiv für v. Gladebeck.] 

12. Dec. Als Ew. Ld. nebcnst der bekannten und nunmehro abgehandelten 
Harburgischen Sache dero Geh. Camnierrath, dem von Gladebeck, 
abisondcrlich und i\ part befehligen wollen, mich nicht nur Ew. Ld. 
beständigen — Aflfection und Confidence zu versichern, sondern auch 
in andern publicis einige vertrauliebe Eröffnung zu thuu, so habe ich 
bei verstatteter absonderlichen Audienz von ihm solches alles wohl 
eingenommen, daraus Ew. Ld. gegen mich und unser allerseits ge- 
meines Vaterland tragende Affection, Vorsorge und Vigilanz mit 
grossem Vergnügen und erfreulieh verspüret, und mich gegen ihn, 
den von Gladebeck, in eigener Person auch sonsten dergestalt er- 
kläret, dass E. Ld. aus dessen Relation meine für deroselben und 
dero löbliches fürstliches Haus, auch für allerseits des U. Römischen 
Reichs Glieder Wohlfahrt führende Intention verhoffentlich sattsam 



Verhandiaogen mit v. Oladebeck. 55 

abnehmen und alles zu des Vaterlandes, auch unser beider Chur- 
and Fürstlichen Häuser Besten mesnagiren werden. — 



Der Kurfürst an den Kurfürsten von Cöln. D. Cöln a. d. 

Spree 4,/[14.] Januar 1662. 

[Vorschlag der Abhaltung eines Kurfärstentages.] 

— Nachdem uns weder des Ausschreibens zu besagtem Reichstage 14. Jan 
halber noch der Deputation wegen etwas gewisses ferner zukommen, 

als seindt wir dessen täglich gewärtig. Im übrigen ist E. Ld. 

erinnerlich, wie S. Kais. M. in verschiedenen Reichssachen der HH. 
Kurfürsten Sentiment begehret*), auch ohne das verschiedene Reichs- 
händel, absonderlich die Executionsordnung und das Ghurf. Collegium 
in specie belangend, unter Händen, so gegen den Reichstag wohl zu 
überlegen wären. Solchem nach stellen wir zu E. Ld. reifen Nach- 
dencken, ob nicht rathsam, dass ein Kurfürstl. Collegialtag ') förder- 
lichst möchte ausgeschrieben und gehalten werden, damit, wann wir 
gleich nicht in Person beisammen kommen könnten, dennoch die 
Sachen durch unsere zusammengeordneten Räthe überlegt — und 
zu einem allgemeinen Schlüsse befördert werden möchten, gestalt uns 
denn auch lieb sein würde, wenn E. Ld. mit K.Mainz Ld. hieraus 
zu communiciren Belieben tragen wollten. — 



') S. das Schreiben des Kaisers vom 13. April IGGl (oben S. 33), in wel- 
chem die Kurfürsten zu einem Gutachten in der Bremischen Angelegenheit auf- 
gefordert werden. Ein solches Gutachten (d. 2. December 1601) ist wirklich von 
Kurmainz abgefasst und darauf von allen Kurfürsten unterzeichuet worden. 
Der Kaiser wird darin aufgefordert, falls Schweden wirklich gegen Bremen 
etwas Gewattthatiges vorzunehmen gesonnen sein soÜte, dasselbe davon abzu- 
mahnen und dahin zu wirken, dass der Streit entweder gutlich oder auf dem 
Rechtswege beigelegt werde. Sollte auch dieses nichts verfangen, „so würden 
alsdann auch die Reichsconstitutiones und der Friedensschluss weitere Ziel und 
Maass geben, was zu Abwendung neuer Unruhe und Erhaltung gemeinen Frie- 
dens im Reich ferner hiebei zu thun sein möchte.'' Zu derselben Zeit hatte 
der Kaiser von dem Kf. wie auch von den anderen Kurfürsten ein neues Gut- 
achten wegen der von Schweden errichteten Warnemünder Schanze und 
anderer schwedischer Uebergriffe verlangt (Geheimenrathsprotokoll Cöln a. d. 8p. 
18./ 28. December 1G61>. 

^ Schon im Juni 16G1 war vom kaiserlichen Hofe aus die Abhaltung eines 
Kurfürstentages angeregt worden, s. das Schreiben des Kf. an Kurpfalz vom 
24. Juni 1661 unten in Abschnitt 2. 



56 1- Verhancllnngen wegen der Garantie dei Friedens etc. 

Kurfürst Maximilian Henrich von Cöln au den Kürfttrsten. 

D. Bonn 25. Januar 1662. 

[auf das Schreiben vom 4./ 14. Januar. Bedenken wegen des KarföratonU^J 

25. Jan. Er hätte gewünscht, dass die Depatation so Frankfart Tdlligergiait 

geblieben, oder man sich der Translation halber hätte vergleichen können, 
welciienfalls das Kurf. CoUeginm beisammen gewesen, and alle Torfallo- 
den Sachen von demselben ad partem hätten überlegt, anch die Jalousie, 
welche die Ausschreibnug eines absonderlichen Collegialtages bei den übri- 
gen Reichsständeu gebären würde, abgewendet werden können, es werde 
ihm jedoch lieb sein, von Kf. zn vernehmen, was demselben hierin ßr 
Gedanken zu Gemüth gehen. 



Der Kurfürst an den Kurflirsten von Cöln, 
1). Cöln 4./[14.]März 1662. 

[auf das Sclireiben vom '25. Januar. Der Kurfürstentag kann jetzt nicht mehr 

stattfinden.) 

14. März. Kr hätte die Auss( hreibung eines Collegialtages vor dem Reichstage 
für sehr nötig und nützlich gehalten, sieht auch nicht ein, wie andere 
Stände daraus hätten Jalousie schöpfen können, da aber jetzt der aasge- 
schriebene Reichstag nahe vor der Thür, sieht er nicht, wie zu dergleichen 
Collcglaltage zu gelangen. 



Kaiser Leopold an den Kurflirsten. D. Wien 8. Februar 1662. 

[Anzeige der Ausschreibung des Reichstages. Der Convent zu Begensborg soll 

bis zu Beginn des Reichstages fortgesetzt werden.] 

8. Febr. Nachdem er ans der Relation des von ihm hierher berufenen R.Vice- 

kanzlers ersehen, dass ein Theil der Stände noch in dem Gedanken ver- 
harre, als ob es ihm mit dem Reich^tng kein rechter Ernst sei, so hat er 
zu Henehmuiig dieses uuglei<hon Wahus denselben, wie Kf. ans beikom- 
mendem Ausschreiben*) ersehen wird, innerhalb 4 Monaten nach R egensbnrg 
ausgeschrieben, woraus Kf. ei kennen wird, dass er weder den Reichstag zn 
verzögern noch unter der für gut befundenen Translation und Reassump- 
tion des Deput'itionstagcs einijre Gelährde oder Verlängerung der comi- 
tiorum, sondern vielmehr die Präparierung der dazu gehörigen Materien 
gesucht habe. Weil aber unterdessen sein und der mit ihm einstimmen- 

') d. Wien 8. Februar 1602 (Diar. Europ. VIII S. 123 ff. Londorp VIII 

S 81111'.). 



i Berafnog des Reichstages. 57 

f den Stände Respect und Reputation erfordert, dass der Coiivent zu Regens- 
barg nicht aufgegeben werde, so ersucht erKf., seinem daselbst subsistieren- 
J den Gesandten anzubefehlen, dass er sich von dort nicht hinweg begebe, 
' Bondem diese geringe Zeit noch daselbst verharre. 



Der Kurfürst an den Kaiser 25. Februar/[7. März] 1662. 

[auf duB Schreiben vom 8. Februar. Kf. wird den Reichstag beschickeo, hat 
seioeD Gesandten von Regensborg schon längst abgefordert] 

Kf. wird seine Gesandten gegen die angegebene Zeit mit nöthiger 7. März. 
Instruktion nach Refi;ensburg abfertigen. 

Belangend E. K. M. gnädigstes Begehren, dass wir den Depu- 
tationstag zu Regensburg eontinuiren möchten, so ist E. K. M. be- 
kannt, dass fürlängst verschiedene Stände wie auch ich meine Ge- 
sandten von dannen abgefordert, wie denn auch von der Translation 
des Tags indessen vielßlltig gesprochen und gehandelt worden. Da- 
ferne aber E. K. M. die Ihrige dahin zu senden gst. entschlossen 
and es nöthig finden, dass ich wiederumb annoch für dem Junio je- 
mandes auch dahin sende, so will ich dero gsten Begehren und Gut- 
finden zu folgen mich gehorsamst anschicken^). — 



Chnrf. Resolution, so dem Chnr - Sächsischen Abgesandten, 
Geheimbten Rath und Cämmereni Nickel von GerstorflFen^ 

ist ertbeilet D. 4./ [14.] März 1662. 

[Ob Kf. den Reichetag persönlich besuchen werde, ob auf demselben der Strei- 
tigkeiten wegen Translation des Deputationstages Erwähnung zu thnn. Die 

Rheinische Allianz.) 

Ob Sie aber Ihres Orts solchen Reichstag persönlich wer- 14. Mär2 

den beiwohnen können, dabei müssen Sie wegen allerhand wichtigen 
Motiven billig anstehen, zumahlen aus dem Keys. Ausschreihißn zu 



') S oben S. 25. Es ist dieses nicht geschehen. Von den Mitgliedern der 
Deputation waren, als sich der Reichstag in Regensburg versammelte, dort ausser 
zwei kaiserlichen Deputierten nur noch der K.bairische, K. sächsische und Sach- 
sen -Altenburgiscbe Gesandte anwesend, s. Gemeiner, Gesch. der öffent- 
lichen Verhandlungen des zu Regensburg noch fortwährenden Reichstages 1 S. 12. 

') In der von demselben mondlich vorgetragenen und dann auch schriftlich 
äbergebeoen Proposition (d. Coln a. d. Sp. 28. Februar/ 10. März 1662) wird bei 
Kf. angefragt, ob er in Person zum Reichstage nach Regensburg zu kommen 



58 l< Verbaadlangen wegen der Garantie des Friedens etc. 

ersehen, da»8 noch ungewiss, ob auch I. Keys. M. selbst in Perecin 
dahin kommen werden. Wenn aber I. Keys. M. der Herrn Chur- 
fUrsten persönliche Gegenwart begehreu und deshalb absonderlich an 
Sie etwas gelangen lassen würden, so würden S. Chf. D. eich als- 
dann nach Gelegenheit der Zeit darauf zu resolviren liaben, inmit- 
telet aber dero Gesaudien mit genügsamer Vollmacht — dahiu abzu- 
fertigen nicht unterlassen. 

Was die Translation dea HeichsdeputatioDstags anlanget — seind 
mit 1. Ciiurf. ü. zu Sachsen darin ganz einig, dass solche eine Sache 
gewesen, darin sowohl der Keys. M. hohe Autorität als des Cburf. 
coUegii Respect nicht wenig intercssire, dass wider alt Herkommen 
einige wenige sich den majoribus wiedersetzet und also die Fort- 
setzung des Deputat) onslags gehindert bähen, allermassen S. Churf, 
D, Bolehes in dero Schreiben dahevor gnugsam zu erkennen gegeben. 
S. Churf. D. hielten auch wobl nöthig, dass man dienliche Wege 
ergreifen könne, wodurch sowohl dieses inskltnftige verblltet als die 
bei dem Reich sdirectorio eingerissene Mängel und Misshräncbe, wor- 
aus dieses zum Theil entstanden, rcniedirel und abgestellet werden 
möchten. Alldieweil aber solche Streitigkeiten wegen des auBge- 
schriebeuen Reichstages nunmehr cessiren, so stehen S. Chf. D. an, 
ob nicht zu Erhaltung und Stiftung guten Vertrauens und damit nicht 
andere nötbige und nützliche deliberationes dadurch aufgehalten wer- 
den, solches silentio zu involviren — und solches nmb so viel mehr, 
weil I. Keys. M. in dem Ausschreiben davon keine Meldung thun. 
Sollten aber I. Keys. M. davou in der Froposition einige Anregung 
thun oder von der andern Seite etwas moviret werden, so wird man 
auch dieserseiten nicht unterlaasen können, die Nothdurft und was 
das Uerkonimen und die Reichssatzungen erfordern, zu beobachten, 
wie dann S. Clif. U. — dero Gesandten uff allen Fall darüber in- 
struiren wollen. 

gedenke, was KU thuu Bei, wena der KaiBer auf dem ReicbB^age diu Sache wegen i 
der Translatiou tlee DepnlatioDStageB varliringeu aullte, und ob, falls der Kaiser 
diuBelbe mit Stillsvhwuigeu übergebe, l^ur-. Füreteo iiud Staude jenes nugebühr- 
licbe Verfuhreu uliicber weniger □ogeahndet laesou dürften, feioer waa Kf. von 
derKwischen eiaigunRvIcbBStäuden aufgerichteten Alliaus halle, toq der K.äacbaei 
gehört, daBB eie den ReichBCODBlitnlionua inniderlaufende BestimmuDgeD «nt- 
halte, ob Kf. mit der ÄuascbreibtiDg eiues Obersächsiscben K.reiHta|^e uanh 
Leipzig eioverBtanden Bei und welche Bewandnia ea mit dem Enrischeo dem Kt 
und Herzog ÜbristiBO Ludwig vuq BrauuBcbweig wegen des mbbaodeli 
ttbgescblusaenen Vertrage (b. oben 8. 11 f.) babe. 



Verhaodlangen mit v. Oersdorff. 59 

Ueber die von einigen Ständen uffgerichtete Alliance hätten S. 
Chf. D. jederzeit Klage gefbhret und davor gehalten, dass obzwar den 
Chur-, Forsten und Ständen des Reichs nnverboten, sowohl unter 
sich als mit frembden Potentaten, Herrschaften und Republiquen Al- 
liancen und BQndnis aufzurichten, dennoch diese also beschaffen, 
dass sie den Fundamentalgesetzen und Reichsverfassung zuwider zu 
laufen scheine, indem nicht allein, wie von S. Chf. D. zu Sachsen wohl 
angefahret, darin nicht enthalten, wenn ein Stand von einem AUiirten 
angegriffen würde, dass demselben vermöge der Reichsexecutions- 
ordnung und andern Satzungen wider den alliirten aggressorem Hülfe 
wiederfahren sollte, sondern vielmehr das contrarium darin zu be- 
finden. S. Chf. D. hätten zwar es an gnugsamen Remonstra- 
tionen nicht mangeln lassen, wäre aber wenig oder gar nichts atten- 
diret worden, und wäre derselben auch die alliance von den Alliirten 
nicht in forma communiciret worden, ausser was vor weniger Zeit 
von S. Chf. D. zu Co In geschehen, so S. Chf. D. Abgeordneten davon 
zu Cöln ') bei einer Conferenz Copei zustellen lassen. Wie es sonst 
damit vor Jahr beschaffen, würden S. Chf. D. zu Sachsen ohnzweifel 
wohl Selbsten Nachricht haben, indem die Alliirten allmählig mehr 
Stände darein zu ziehen sich angelegen sein lassen, auch bereits einige 
dieselbe anzunehmen bewogen, und von neuen unter sich renoviret 
haben. Gestalt auch einige S. Chf. D. selbsten sich darein zu be- 
geben angetragen, dabei aber S. Chf. D. bisher nicht unbillig ange- 
standen. Und halten S. Chf. D. fast ausser Zweifel, dass sie bei 
gegenwärtigem Reichstag noch mehr Stände mit darein zu bringen 
sich äusserst bemühen werden. Dannenhero S. Chf. D. würde lieb 
gewesen sein, wenn S. Chf. D. zu Sachsen sich hierunter etwas ferner 
herausgelassen, ob dem Werk also zuzusehen oder was dabei zu thun 
sein möchte. — 

1) 8. oben S. 39 ff. 



Abschnitt 2. 

Die Allianz mit Kur -Pfalz. 

1661. 



Einleitung. 



Za dem Korfürstea Karl Ladwig von der Pfalz, dem Sohne des 
ODglücklichen Friedrich V., welcher, nachdem er durch den Westfälischen 
Frieden von seinen väterlichen Landen nor die ünterpfalz mit der achten 
Kor erhalten hatte, dort im Jahre 1649 zur Regiemng gekommen war, hatte 
Kurfürst Friedrich Wilhelm, obwohl beide durch nahe Verwandtschaft 
nnd durch dasselbe religiöse Bekenntnis verbanden waren, doch bis znm 
Jahre 1661 in keinem näheren Verhältnis gestanden. Im Gegentheil hatte 
zoerst der enge Anschlags Karl Ludwigs an den Kaiser und die Gefü- 
gigkeit desselben gegen die österreichische Politik, welche bei der Königs- 
wahl zu Augsburg und aof dem Reichstage zu Regensburg (1653 und 
1654) zu Tage trat'), das Misstranen des brandenburgischen Kurfürsten 
erweckt, und die Unterstützung, welche dieser in dem Streite Karl Lud- 
wigs mit seinem Oheim, dem Pfalzgrafen Ludwig Philipp, wegen des 
diesem zustehenden Antheils an den pfälzischen Landen dem letzteren hatte 
zukommen lassen*), sowie Ceremonialstreitigkeiten ') bei der Krönung des 
nengewählten Königs Ferdinand hatten beide noch mehr einander ent- 
fremdet. Als dann 1657 nach dem unerwarteten Tode Kaiser Ferdi- 
nand III. Kurfürst Friedrich Wilhelm eine Verständigung mit den 
übrigen Kurfürsten anzubahnen versuchte und, wie zu den anderen, so auch 
an Karl Ludwig einen Abgesandten schickte, hatte jener sich sehr reser- 
viert gehalten*), bei den Wahlverhandlungen in Frankfurt hatte sich 
dann gezeigt, dass derselbe ganz entgegengesetzt gegen seine frühere Haltung 
Oe sterreicb feindlich gesinnt und von Frankreich und Schwedengewon- 
Den war ^), wiederum also haben damals beide Kurfürsten auf der entgegen- 



') S. ürk. u. Akt. VI S. 177. 224. 236. 255. 308 und Karl Ludwigs Recht- 
fertigung wegen dieses Verhaltens S. 449. Vgl. Häasser, Gesch. der rhei- 
Dischen Pfalz II S. 592 f. 

ürk. 0. Akt. VI S. 305. 347, vgl. Häusser II 8.594. 

3) ürk. u Akt. VI S. 242. 

*) S. ürk. 0. Akt. VIII S. 438 f. 

') S. ürk. 0. Akt. VIII 8. 463 ff. 4H9, vgl. Häusser II S. 616. 



64 2. Die Allianz mit Kur-Pfalz. 

gesetzten Seite gestanden ; der brandenburgische Karfürst hat damals Karl 
Ludwig im Verdacht gehabt i), dass er sich ganz an Frankreich hin- 
gegeben und sich verpflichtet habe, -demselben seine Festangen zu überlie- 
fern. Damals wurde auch der Kurfürst, freilich zunächst nur vorübergehend, 
in die unglücklichen Ehehändel Karl Ludwigs') mit hineingezogen. Die- 
ser hatte sich 1650 mit der Hessischen Prinzessin Charlotte, der Schwester 
des Landgrafen Wilhelm YL von Hessen-Cassel, welcher seinerseits 
seit 1649 mit der Schwester Friedrich Wilhelms, Hedwig Sophie, ver- 
mahlt war, verheirathet. Seine Ehe mit dieser kalten, unweiblichen und 
launenhaften Fürstin hatte sich aber bald zu einer sehr unglücklichen 
gestaltet und schliesslich (1657), nachdem der Kurfürst von Liebe za 
einem Hoffräulein seiner Gemahlin, Luise von Degenfeld, welche wie 
er unter den Launen derselben zu leiden gehabt hatte, ergriffen worden, war 
es zu einem vollständigen Bruche gekommen. Der Kurfürst, ohne dass er eine 
förmliche Ehescheiduag zu erwirken versucht hätte, hatte öffentlich die Ehe 
mit seiner Gemahlin für gelöst erklärt und das Luise von Degenfeld 
gegebene Eheversprechen bekannt gemacht 3). Er hatte dann den Versuch 
gemacht^), seinen Schwager Laudgraf Wilhelm dazu zu bestimmen, dass 
derselbe seine Schwester dazu bewegen sollte, Heidelberg zu verlassen und 
zunächst nach einem seiner anderen Schlösser überzusiedeln, allein der Land- 
graf hatte sich dazu nicht verstehen wollen. Vielmehr betrachtete man am 
Casselschen Hofe das Verhalten Karl Ludwigs gegen seine Gemahlin als 
einen dem ganzen Hessischen Hause angethanen Schimpf, der Landgraf 
verlangte daher, dass derselbe sich mit seiner Gemahlin, welche sich jetzt 
dazu bereit erklärte, wieder aussöhne, und drohte im Weigerungsfälle alle 
Anverwandten des Hauses aufzurufen. Davon aber wollte Karl Ludwig 

Kf. theilt dem Kurfürsten von Sachsen (d. Gölu a. Sp. 15./25. Decem- 
ber 1657) mit, dasa er gewisse Nachricht erhalten, Kurpfalz habe nicht nur 
Frankenthal scheu an Frankreich abgetreten, sondorn sei auch Vorhabens 
andere am Rhein gelegene Plätze demselben einzuräumen. — Diese Nachricht 
ist irrig, Kurpfalz bat damals allerdings mit Frankreich ein Bündnis anf 3 
Jahre abgeschlossen, scheint sich aber in demselben nur verpflichtet zu haben, 
bei der Kaiserwahl und sonst in den Reichsangelegenheiten die französische 
Politik zu unterstützen, wofür ihm jährlich 40,000 Thaler zugesagt wurden, s. 
Ludwig XIV. Instruktion fürGravel vom 28. März IGÜl (Guhrauer'll 8.307). 

O S. ober dieselben Kazner, Luise Raugräfin von Pfalz. H ausser 11 
S. 609 ff. Rommel, Geschichte von Hessen XX S. 62ff. Memoiren der Her- 
zogin Sophie von Hannover, herausg. von Köcher (Publicationen ans den 
K. Preussischen Staatsarchiven IV S. 4Gff. 57ff. und Einleitung S. löff.). Schreiben 
des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz und der Seinen, herausg. von 
Holland (Bibliothek des Litterariscben Vereins in Stuttgart CLXVII). 

^) S. die Ebegelöboisse Luisens und des Kurfürsten vom 10. Februar und 
ü. März 1057 und den offenen Brief des letzteren vom G. März 1657 (Holland 
S. 14 ff.). 

*) Relation des im April 1657 nach Cassel geschickten Kurpfälzischen Ge- 
beimenrathes v. Hoen (abschriftlich im Berliner Geh. Staatsarcbi?}. 



BialeitQDg. 

uiclitti wissen, veigcliüih veraucbte Landgraf Ueorg von UeBsen-D arin- 
s tailt, der nusammeD mit einem Caseelscben AbgesandteD zn diesen) 
Zwet-kc itii Joli 1657 oach Heidelberg kam, in Tcrmittelu '), im Januar 
1658 vollzog Karl Luduig seiue förmlicbe VermübluDg mit Laiae v. 
UegeDTeld und richtete dernelbeii, da die Karfürstia in Heidelberg 
Illieb, eiiieu eigenen Hofbalt in Scbwelzingeo eia. Darauf wandte mau 
sich von Hessischer Seite an die etbverbriiderteu Häuser vou äacbsen 
und Brandenburg, man gab dem Knrfürtilen Friedrieh Wilbelm') 
und dem KurrUr^teu Jobanu tieorg von Sachsen Ennde von jenen Ereig- 
nissen und crsuchie sie auf Grund der naiien Verwandtschaft und der Erb- 
Verbrüderung auf den Euiriiisten vou der Pfalz dahin einzuwirken, dass 
derselbe sieb za emer Aussöhnung mit Neiner Gemahlin verstehe. Beide 
KurHirsteu hnbeu ^tch auch wirklieb dazu bereit erklärt uud Kurfürst 
Friedrich Wilhelm bat seinem Frincipalgcsandten bei dem Wahltage 
in Frankfurt, dem Fürtten Jobanu Moritz von Nassau, den Aultrag 
erthcilf), zusammen mit dem dort persönlich anwesenden Knrfiirsicn von 
Sachsen deu ebenfalls dort anwesenden Kurfürsten von der Pfalz zur 
gütlirbeu Beilegung der Streitigkeiten mit seiner Gemahlin zn vermögen. 
Allein Jener überzeugte sich sehr bald bei Gelegenheit eines BesucLes, deu 
»Pfingsten 1658 zu Heidelberg machte, dass , die Gemüther schon atUu- 
Behr vou einander alieniert seien.* ') Vielleicht hat die Entfremdung, welche 
l>ald darauf i^wiscben dem Kurfürsten und dem Landgrafen Wilhelm infolge 
des Beitrittes des letzteren zur Rheinischen Allianz eiutral, auch auf diese 
Allgelegenheit eingewirkt, jedenfalls scheint von brandenburgischer Ueite 
die zugesagte Einwirkung auf den EurfUrsteu von der Pfalz aocb nicht 
eiumal vcrsuchl zu sein. Hessischerseits hat mau dann auch zunäcbat 
nicht weiter sich bemüht, deu Kurfiirotcu in diese Angelegenheit hineinzn- 
ziebeu. Als man tith dort WtO doch zu Verbandlungen mit Karl Lud- 
w ig wegen der jetzt auch von der Kurfursiin selbst gewünschten Entfer- 



^K- »1 1 



. die Briefe des Kurrürslen Karl Ludwig an Luise v. Degenfeld 
1.6. Job 1657 {üollaud ».SUB.) 

») Landgraf Wilbelm an Kf- d. Cnesel lL'./22. Mira HiM. Der Kurförat 
vou der Ffalz halle scbon Ende HifiT durch v. Brandt ilen Kf. über diese An- 
gelegeuheit iurormicreu la«s(iu. a. das Scbrcibeo Karl Ladwiga an Lalee v. 
Uegeofeld Tum 3. November 1657 (Hulland S. 54). 

') Kf. an Fürst Jobann MariiE vou N aasau d. Üüln a. d. Sp. 23. Marx/ 
2. April 1656, unter demselben Datum an deu Landgrafen Wilhelm. 

*) Fürst Moritz von Naasaa an Kf. d. Frankfart I5,/1». Jaai 1B5!J. Karl 
Ludwig, der am ä.^. Mal Luise v. Degenfeld augeeelgt hatte, er bringe kd 
Plingileu Fürst HorilK mit, schreibt derselben am 1^9. Mai: „Vetter Morits 
iat bey mlhr — Er gibt mihr in meiner Sachen gross recht, sagt, er liette es 
aclbsl getban; wolle gern nach SchwetElngeu' (Bulland b. 7äf.); 13. Juni mel- 
(liil er (S. 7i)). ein guter Freund habe verliladert, dass nicht auf der Kurfürstin 
von tjacbaen Vorsclilag alle Karrürateu sich bei ihm für seine Gemahlin ver- 
vieadet hätten. 



66 2. Die Allianz mit Kur-Pfals. 

nnng derselben aas Heidelberg verstand, wandte man sich anaaer an den 
Landgrafen Georg au das Haupt der Rheinischen Allianz, den Kurfürsten 
Johann Philipp von Mainz, und unter Vermittelang dieser beiden 
Fürsten worden im August Verhandlungen begonnen, die sich aber zunächst 
bis zu Ende dieses Jahres fruchtlos hinzogen, da man über die Bedingungen, 
nnter welchen diese Entfernung erfolt^en sollte, namentlich über die Höbe 
der von Karl Ludwig seiner Gemahlin za zahlenden jährlichen Unterhalts- 
summe sich nicht einigen konnte *). Als Kurfürst Friedrich Wilhelm 
im Decembcr 1660 auf der Durchreise nach Cleve mit dem Landgrafen 
Wilhelm auf dem Sparcnberg zusammenkam, wurde bei den dort gehal- 
tenen Conferenzeti ^) hessischerseits auch diese pfälzische Ehesache berührt 
und die Hoffnung ausgesprochen, der Kurfürst werde, wenn dieselbe sich 
nicht sollte in der Güte beilegen lassen, dem Landgrafen beistehen, branden- 
burgisclicräcits aber scheint keine bestimmte Erklärung darauf abgegeben 
zu sein. 

Gerade damals nun hat Kurfürst Karl Ludwig einen Versuch gemacht, 
mit dem brandenburgischen Kurfürsten in eine nähere Verbindung za treten. 
Derselbe glaubte sich damals durch den Kaiser und den Karfürsten von 
Cöln in seinen Rechten schwer gekränkt und war darüber mit dem letz- 
teren in einen Streit gerathen^), welcher ^chon zu Thätlichkeiten geführt 
hatte. Infolge von Streitigkeiten, welche zwischen dem Grafen Friedrich 
von Wied und dessen Untertbanen wegen harter von dem ersteren gefo^ 
dertcr Frohndienste ausgebrochen waren, hatte Kurfürst Karl Ludwig, 
an welchen als dcu Lehnsherren des Grafen sich die Unterthanen desselben 
gewendet hatten, den Grafen vor sein Lehnsgerichc gefordert, derselbe aber 
hatte sich dort nicht gestellt, sondern die Sache vor deu Reichshofrath 
gebracht. Von diesem war dieselbe dem Kurfürsten von Cöln übertragen 
worden, derselbe hatte diese Kommission auch angenommen, Bevollmäch- 
tigte in die Grafschaft geschickt und diese mit militärischer Gewalt gegen 
die aufständischen Unterthanen einschreiten lassen. Der Kurfürst von 
der Pfalz, der dadurch seine lehusberrlichen Rechte verletzt glaubte, 
hatte darauf nicht nur bei dem Kaiser Beschwerde geführt, sondern auch 
sich an verschiedene andere Fürsten gewendet und dieselben um Verwen- 
dung bei dem Kaiser gebeten. Auch an den Kurfürsten Friedrich 

^) 8. über diese Verhandlungen die Briefe R.arl Lndwigs an Luise v.D. 
vom 4. 12.21. August und 2.S. October lOGO (Holland S. lOl'ff.) und diejenigen 
der Herzogin Sophie von Hauoover an Karl Ludwig vom 24. Juni, 8. Juli, 
2ii. Sept. und 1). October 16(iO (Briefwechsel der Herzogin Sophie von Hannover 
mit ihrem Bruder, dem Kurfürstcu Karl Ludwig vou der Pfalz, herauBg. von 
Bodemann (Publ. aus den K. Preuss. Staatsarchiven XXVI) S. 32ff). Ob das 
in dem Briefe derselben vom 17. November KiGO (,S. 38) erwähnte Schreiben dei 
brandenburgischco an den pfälzischen Kurfiiräten auch auf diese Khesache be- 
züglich gewesen, ist nicht zu ersehen. 

'-') S. das Protokoll darüber oben S. 21> f. 

3) S. Diarium Europaeum VII S. l4Uf. 



EiDleituDg. 67 

Wilhelm hatte er ein solches Schreiben') gerichtet, and dieser hatte darauf 
wirklich sich bei dem Kaiser für ihn verwendet^). Wahrscheinlich dnrch 
dieses Entgegenkommen ermnthigt, gab dann Karl Ladwig^), als von Kur- 
cölnischer Seite weitei^e Gewaltschritte erfolgten, dem Kurfürsten Nachricht 
bievon und bat ihn, sich seiner aaznnehmen und den Kurfürsten von C Ö 1 n 
zo ermahnen y von solchen Schritten abzulassen and ihn in seinen lehns- 
herrlichen Rechten nicht weiter zu beeinträchtigen, und er schickte dann 
im December 1660 seinen Geheimen Reglern ngsrath Dr. Arnold Peil zu 
dem Kurfürsten, um denselben dazu zu bewegen, ihn auch weiter mit diplo- 
matischen und im Nothfalle mit militärischen Mitteln zu unterstützen. Peil 
wird Ende December*) bei dem Kurfürsten in Cleve angekommen sein, 
über die mit demselben geführten Verhandlungen besitzen wir keine Auf- 
zeichnungen, aus den folgenden Schritten des Kurfürsten aber ersehen wir, 
dass derselbe durchaus auf die Wunsche Karl Ludwigs eingegangen 
ist. Er entsandte im Januar 1661 seinen Geheimenrath v. Portmann an 
den Kurfürsten von Co In und liess^) demselben vorstellen, dass jene Wieder 
Angelegenheit vor die Gerichtsbarkeit des Kurfürsten von der Pfalz gehöre 
and dass daher eine Kommission in derselben nicht statthaft sei, und ihn 
auffordern, das von jenem schon früher gemachte Anerbieten, beide Theile 
sollten ihre Truppen aus der Grafschaft zurückziehen und Kommissare zu 
gütlicher Schlichtung des Streites zusammentreten lassen, anzunehmen, zu- 
gleich aber andeuten, dass er, wenn derselbe diese Forderungen nicht er- 
füllte, dem Kurfürsten von der Pfalz sofort durch Entsendung von Truppen 
Hülfe leisten werde. Diese Sendung hatte auch in der Hauptsache den 
gewünschten Erfolg, denn der Kurfürst von Cöln behauptete in der Port- 
mann ertheilten Resolution^) allerdings, dass er durchaus nicht in die 
Rechte des Kurfürsten von der Pfalz eingegriffen habe und dass er zur 
Widerlegung der von demselben gegen ihn erhobenen Beschuldignnge c 
eine Darstellung des Verlaufes der ganzen Angelegenheit wolle drucken 
assen), erklärte aber, dass von seinen Truppen überhaupt nur noch 23 Mann 



1) d. Heidelberg 6./ 16. September 1660. 

>) Kf. an den Kaiser d. Gölo a. d. Sp. 18. /28. September 1660. 

3) Karf. Karl Ladwig an Kf. d. Heidelberg 13./23. November lOGO, darauf- 
hin ricütet Kf. ein solches ErmahnangSBchreibeo an Kare öl o d. Sparemberg 
8./ 18. December 1660. 

*) Nach einem Schreiben Karf. Karl Ludwigs an Kf. (d. Heidelberg 
7./ 17. December 1660) war Peil am Tage vorher abgereist. 

^) Instruktion far Johann v. Portmann (d. Cleve 12. Januar 1661). Ueber 
die anderweitigen Aufträge desselben s. oben S. 31 f. 

^) d. Bodo 18. Januar 1661. 

Dieselbe erschien unter dem Titel: ,,UmbstaDdlicher Bericht zu Mäonig- 
liehes Wissenschaft, was durph Ihrer Churf. Durchl. zu Collen in der voo Ihrer 
Born. Kayserl. Maj. Ihre in Sachen Herrn Friedrichen GrafTen zu Wiedt — 
gegen desselben ungehorsame Ünderthanen ailergnädigst auffgetragenen Com- 
mission verrichtet worden.'* Dagegen erschien von Kurpfalzischer Seite: ^Gründ- 



ö* 



sich in derOnfschafc \Vi 



1 SchutK der Person des Qraren lierindi 



lind dri» 



er auch diese 



sich die Unterlbniien dcKselbei 



Dhig f 



haltfn oDd der KorRirst vou der I'falz versprethen werde, den* 
fort nicht weiter zu vergewaltigen, abfordern werde. Zugteich nbcr tnt 
der KnrfürBt auch bei dem Kaiser weiter für Karl Ludwig ein. ii 
Erwidernng eines Schreibens, in welchem ihm dieser'), wie er bcbaaptete, 
den wa)iren Hergang der Saclie auiieinfindergesetEt hatte, tbeilte «r den- 
selben mit,") wie sich diesHbe uiich der Angabe des Pfiilzers verhalt«. 
indem er hinzufügte, der Kaiser werde darntis ersehen, dass Jener bererh- 
Ligt «ei. vor eeinem Lehnhof Klugen gegen seine Lehnsleute anzunehroen. 
lind ihn aufforderte, denselben bei seinen Rechten zu itehiiteeu, den Grnrca 
von Wied an dessen Lehnshof zd verweisen nud den Karfiiräteu vou Cöl« 
Knr Abführung seiner Truppen anzuhalten. 

Was für weitere Aufträge ausser in dieser Wieder ADgelegenheit Peil 
gehabt hat, wissen wir nicht, eä scheint, dass sein Kurfürst erst nachltig- 
lich, nachdem er den brandenburgischon Korfürsten so liercitwillrg tu Mi- 
ner Unlerstiltzung gefunden h.-ittc, auf den Gedanken gekomuien ist, mii 
demselben überhaupt eine engere Verbindung einzugehen, denn erst »uo 
2S. Februar ist das Creditiv datiert, in welchem er seinen Ent^cliluss, ai: 
dem Kurfürsten von Urande nburg 'eine Defensivalliunz nbznschlieBten, 
ausspricht und Peil ?.u den darauf bezüglichen Verhandlungen beTi>ll- 
mäcbtigt, darauf sind dann sulche Verhandlungen geführt worden,') dodi 
erst vom 26. April ist das Creditiv des Kurfürsten Friedrich Wilheln 
für den von ihm zu dem Abs<'hlu»(s der Allianz bevollmächtigten GeheiniMi- 
rath Friedrieh v. Jena ausgestellt Das Resultat dieser Verband luiigm 
waren dann der Allianzvertrag und der Nebenreccss vom 6. Mai !ij61, 
weli'he unten zum ersten Male abgedruckt sind, üeber die Verbaodliit 
selbst sind weder in dem Berliner Geh, Sta;it6;irchive Aufzeichnungen 
banden, noch haben sich in dem Generallandesarcliiv zu Karlernhe oAT' 
dem K. B airischen Reichsarchiv zu München solche auffinden laaHs. 
Einigen Ersatz dafUr bietet der ebenfalls unten abgedruckte, in den bi^ 
sigen Akten beÜndliche Auszug aus der Instruktion Karl Lndwige lü> 
Peil, welcher zusammengehalten mit den Erklärungen , welche derselb« 
dann in Paris über die Motive dieser Verbindung mit Brandeubotg 
hiit abgehen lassen und von welchen wir durch die Instruktion Lud- 

lieber Gegenbericht uff den K.CällDischeii □hoiengsl in Truck gegebenea ilw 
genanilten UmbatündllichBU Rericht die Gräfflich Wiedische Sache batreffenit elc' 
Heydelberg 1U6I. 

') Kaiser Leopold an Kt. d. Wl« 

') Kf. an Kniser Leopold A. CIe< 

>) In einem Memorial des Kurpfali 
(October 1C61) wird daran eriunert. di 
V. Sc b wer in and dann seihst 

r Landgräfin von H 
oicbt irra macbBa lasten. 



33. November llHW. 

4. Februar IWl. 

jben Abgesandten Caspar v. B orctt 
t. doBS K(. zuerst durch ileu OberpräsidvaM 
19. März;». April Peil erklärt habe, er wsrdt 
■iner Schwester , 




BinlwiiQog. 69 

trigs XIV. für Geioen Ende Mars oach Fr^nkrart geschickten tiessadten 
Gravel') Kunde erhalten, deutlieh genug die Altüicbteu, welche der Kur- 
füret Tou der Pfalz bei dieser Allianz verfolgt hat, erkennen la^st. 
Weniger klar lä.a&t l^i<'h ergehen, uelehe Bewe^rgründe den brandenbargiächeo 
Kurfün^ien d»zu bestimmt h.-ihen, eine solche Verbindung einzugehen, welche 
ihm selbst sehr geringe Vortheile zosicherto, dagegen ihm Verwickelung io 
diejenigeu Händel and Streitigkeiten in Aussiebt stellte, in welche der Kur- 
fürst ton der Pfalz mit seinen Nai bbaren und anderen Reich -ständen gera- 
theu wiirdf. Daes es nn solchen nicht fehlen niirde, wird angeeichts der 
Lage der KurpfäUiNchen Territorien, andererseits des Eifers, mit welchem 
Karl Ludwig alle Kechtsaiispriicbe seines Hauses durchzuführen sncble, 
lind der Leidenscbaftlicbkeil und Hartnäckigkeit, mit welcher er an solchen 
Ansprüchen fest hielt, der Kurfürst ebenso gut wie Ludwig XIV.') Rcwusst 
hnbeü. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es vornebmlicb der Uegensatz 
t^gen die französische Politik, der Wuii.'^ch zu Terbiilen, dass auch der 
Kurfürst vüq der Pfalz ebenso wie die Mitglieder der RheinlBchen Allianz 
(Caiiz in das Schlepptau derselben sich ziehen lasse, gewesen, was ihn zu 
diesem Tiulschlusse bestimmt bat. Wie wir ans der Instruktion für Peil 
ersehen, batK;irl Ludwig durch diesen dem Kurlitrsten erklären lassen, 
wenn sich ihm nicht eine anderweitige Stütze darbiete, so sehe er sich 
peitothigt, eine solche wieder bei Frankreich zu suchen und die »er drei 
Jabren mit dieser Macht abgeschloBseue Allianz zu erneuern, andererseits 
ersehen wir aus der Instruktion Ludwigs XIV. für Gra*el, dass dem 
französischen Könige diese A'eibindung des Kurfürsten von derPlalz mit 
dem von Brandenburg, den er für enger denn je an Oesterreich 
gekettet hielt, sehr verdächtig erschienen ist and dass er seinem Gesandten 
antgetragen hat. alles aufzubieten, um dieselbe zu vereiteln and Karl 
Ludwig dafür zum Beitritt zu der Rheiniscben Allianz zu bewegen. 

Diesen /weck, den Kurfürsten von der Pfalz vom Kinlritt in die 
ßheinisclie Allianz und von eiuer Unterordnung unter Frankreich abiu- 
baltcu, hat der brandenburgischc Kurfürst durch die mit demselben abge- 
Gchlossene Allianz erreicht, d;igegen ist es zu einem wirklich engen Buudcs- 
verhäUnis zwischen beiden nicht gekummen. Allerdiiigr> ist man zunächst, 
wie die unten publizierten weiteren Dokumente beweisen, In vertraulicher Weise 
einander entgegengekommen, Karl Ludwig bat sowohl unmittelbar nach 
dem Absc'bluss der Allianz dem brandcuburgisihen KurlUrstcu die Anträge, 
welche ihm von Fraukreieh gemncht wurden, und die zu seiner Kennt- 
Uli gekommenen, gegen Oeslerreiob gerichteten Macbiuationeu Frank- 

') Guhraoer II S 30Öf. 

') S. dessen Ortbeil über Karl Ludwig (tiulirauer II S. 307): comma c'e« 

an eapril pcu ferme daoa ses amities. fort iuleresse et lellrtoieDl appliqu^ puur 

cette raison -la a tourmenler et li chicaner tona sea voislns et la noblesse de 

rEmpiie, (|iril ea tombc dana nne baiae g^n^rale, cjui so connDnniqneroil ä ses 

I rrolactattf*) dm» des canaea le plne Boavept injnatai, oa II »'eKharawe. 



3. Die AllLBDE mit Kur-PfalE. 



che beim Fr;iukfurter Haiideäratb. sie aut^b narhber, im October 1661, 
die neuen ihm durch Gravel iibarmittelten Vorschläge Ludwigs XIV, 
weltbe dabin i^'ingen, seine Allianz mit Brandenburg illusorisch zn machen 
und ihu dütb in das engte AbbaugifckeiteverbalcDis zu Fraukreict 
bringen, aitCgtiCheilt, und der Kurfürst hat nictic nur. iodem er seinerseits 
dem Kaiser Kenntnis davon gab. diesem die Interessen seines Bon 
genossen aul' das witrm^te anempfahlen, sondern noeb bei dun Verb»ndlaQ- 
gen, welche er mit Knrcöln, den braansoh weigiscben und be 
sehen Fiirstea gerührt bat, um mic diesen in ein engeres Bündnis zn treten, 
nnd bei den ersten Verhandlungen wegen seines Beitrittes zur Rbeinisriien 
Allianz auf deniielben Rüeksicbt genommen'), sehr bald aber ist es infolge 
davon, dass er ^icb za einer Eiunii^chung In jene unglückseligen Ebebändel 
desselbeii bestimmen liesp, zn Differenzen zwischen ihnen beiden gekommen, 
welche nicht iinr das freunds<haftlicbe Verhältnis zwischen ihnen getrübt, 
sondern auch das Foribeslebeu der Allianz Ubi-rhaupt auf d;is erostlichsta 
bedroht haben. Wir wissen, dass diese hänslioheu Verhiillnisse Karl 
Ludwigs auch bei den Verhandlungen zu Cleve zur Sprache gekommen 
sind. Bei den folgenden Verhandlungen ist von brandenbnrgischer SeiA mefar- 
maU daran erinnert und behauptet worden, der Kurfürst babe nicht nai 
dieser Gelegenheit sich bemüht, eine Anssöhnung zwischen Karl Ludwig 
und dessen Gemahlin zu erreichen^, sondern auch, er habe Bedenken getra- 
gen'), die Allianz überhaapt abzuschlie.-<sen, ehe jene Saihe erledigt sei, 
daher bftbe sich der Abscblqss derselben »erzögert «od bei dem^cibeD sei 
die Hessische Angelegerheit ausdrücklieb ^msgenoinmeu worden*) , tob 
Pfiilzischer Seite dagegen ist dieses bestritten und behauptet worden, jene 
Verzögernng habe andere UrBacben gehabt und bei dem Abschlusae der 
Allianz sei kein solcher Vorbehalt gemacht worden'), es ist daran erinneit 
woiden^). der Kurfürst habe selbst Peil rersichert, er würde sieb in dieser 
Alliauzsache durch seine Schwester, die Landgräfin von Hessen, nicht 
irre machen las!^en, und ullcrdings kunnlc von jener Seite dar&nf hinge- 
wiesen werden, dass in dem Alliaczvertrage jener Händel keine Crw&bDang 
geschieht, sondern dass in demselben die HüKeleistung im Falle eines tbät*- 
lieben Angriffs von Seiten einex oder mehrerer Reichsstande ohne irgend 
welchen Vorbehalt oder Einschränkung zugesagt wird. 

Da eine auch nur auszugsweise Wiedergabe des sehr umfangreichen 
Akteumaterials, welches im Berliner Geh. Staalsarcbiv nber die durch die 



') S. oben K. b'2f[. nud unten Absehn. 7. 



Kf. 



her Kim. 
') Kf. 
0, 



eu d. üieve 34..tuDi Itüil. 
der PfaU d. Ulsva 17. Sapiens 



BedepRcti d. RöuiKsberg '23. Februar llißa. 
leuha Ralation an Kf. d- Heidelberg ü'J. l>euember/l. Januar 
lW;a/16G3, Kurf. Karl Ludwig an KT. d. Heidelberg 10./20. Augo« lÜO. 

") S. das schon S. tig ciiierte M(>ai<irial Caspar v. Borokas .October 1061),. 



Eioleitoag. 71 

Eiornischang des KorfürsieQ in diese sogenannte Korpfälzische Ent- 
fernangssache veranlassten Verhandlungen and Streitigkeiten vorhanden 
ist, durch den Plan dieses Werkes ausgeschlossen ist, andererseits aber 
diese sowohl an und für sich ein gewisses Interesse darbieten, namentlich 
weil sie zeigen, wie eifrig der Kurfürst damals auch bei dieser Gelegenheit 
für die Aufrechterhaltung des Friedens im Reiche thätig gewesen ist, als 
auch da sie mit auf das spätere Verhalten desselben in dem unten (Ab- 
schnitt 10) näher zu behandelnden Wildfangsstreite eingewirkt haben, 
so möge hier eine auf jenes Aktenmaterial gegründete kurze Darlegung 
derselben folgen. 

Nachdem die, wie oben *) erwähnt, seit August 1660 unter Vermittelang 
des Landgrafen Georg von Darmstadt und des Korfürsten Johann 
Philipp von Mainz unternommenen Verhandlungen wegen der Entfernung 
der Kurfürstin Charlotte aus Heidelberg, wohin jetzt Karl Ludwig 
aoch seine neue Gemahlin Luise von Degenfeld hatte übersiedeln 
lassen, auch nachdem man sich über den Hauptpunkt, den Betrag der 
der Kurfürstin jährlich zu zahlenden Geldsumme ''), geeinigt hatte, infolge 
der Weigerung Karl Ludwigs, auf andere von Hessischer Seite gestellte 
Forderungen 3) einzugehen, sich bis in den Sommer 1661 fruchtlos hinge» 
zogen hatten, wandte sich Landgraf W ilhelm aufs neue an den Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm mit der Bittet), sich der Sache auzunehmen. Der 
Kurfürst, jedenfalls in der Hoffnung, dass der jetzt mit ihm so eng ver- 
bündete Kurfürst von der Pfalz seine Mahnungen bereitwillig berücksichti- 
gen werde, sagte dieses zu^) und entsandte bald darauf seinen Clevischcn 
Regierangsrath, den Freiberrn v. Heiden nach Heidelberg, mit dem Auf- 
trage^), zunächst zu versuchen Karl Ludwig zu einer Aussöhnung mit 
der Kurfürstin zu bewegen und, wenn dieses vergeblich sein sollte, in den- 
selben zu dringen, die Verhandlungen wegen der Entfernung der Kurfürstin 
sogleich, noch während seiner Anwesenheit, und auf Grund der von Hessi- 
scher Seite /gestellten Bedingungen zum Abschluss zu bringen. Die Sen- 
dung V. Heide US, welcher Ende Jnli 1661 in Heidelberg eintraf, war 
aber ganz (rfolglos^). Karl Ludwig zeigte sich sehr empfindlich über 

») S. 65 f. 

^ Dieselbe wurde auf 8000 Thaler jährlich festgesetzt, wovon aber einen 
Theil (812^ Thaler), entsprechend den Zinseo des von Hessischer Seite nicht aus- 
gezahlten Heirathsgutes, dar Landgraf von Hessun zahlen sollte. 

^ Dieselben betrafen vornehmlich den Vorbehalt ungehinderter Rückkehr 
der Kurfürstin nach Heidelberg, die Sicherstellung der von Karl Ludwig der- 
selben zu zahlenden Summe und die Befriedigung gewisser anderer von der 
Kurfürstin an ihren Gemahl gestellten Geldforderuogen. 

*) Landgraf Wilhelm an Kf. d. Cassel 4. /U. Juni 1661. 

^) Kf. an Landgraf Wilhelm d. Cleve 24 Juni 1661. 

^ Instruktion für v. Heiden d. Cleve 11. Juli 1661. 

Relation v. Heidens d. Heidelberg 23. Juli / 3. August 1661 und dessen 
Diarium. 



72 



2. DiB 



Mlia 



; mit Kiir-PfttiK. 



die5e plötzliche Eit 
heiteo. behauptete. 



imi^chuDg des KurrUrsteii in eeine häuslichea ADgelegeiH 
derselbe habe sieh von Hessischer Seite gegen iha 
eionehmeo la^^ea, wollte von einer Aas9öbnang mit seiner Geniablia f 
nichts höreo. weigerte sich anfangs ancb, unter dem Vorwande, dass mit 
dem inzwiaehen erfolgten Tode des Landgrafen Georg die bisfaerige 
Mediation erloschen sei, die Verharjdlangen wegen der Entfernung fortio- 
Eetzen. bequemte sich noibher zwar doch dazu, verwarf aber einen Theü 
der Hessischen Fordernngen und Hess einen neuen Verlragsentwnrf auf. 
setzen, den er aU sein Ultimatum bezeichnete. Er entliess AnTang Angu^t 
y. Heiden mit einer echriflüch abgefasstea Resolution, in welcher er sich 
beklagte, dass der Kurfürst, durrb unwahre Berichte seiuer Uegner \ 
leitet, ganz im Widerspruch zn den ihm bei Ab^ch1u£s der Allianz gemachten 
freundschftftliiben Erbietungen die längst abgethanen AussöhnniigG versuche 
wieder erneuert habe, ferner dagegen protestierte, diiss die KurfüFitin, 
V. Heiden in seiner Proposition sieb aa«gedrüekt hatte, gefangen gehalten 
und ungeziemend behandelt werde, und schliesslich die Erwartung aussprach, 
dasB man sich weiterer anbefugter Einmlscbung in seine häuslichen Ange- 
legenhiiten enthalten werde. Natürlich empfand der Kurfürst eine so schrolT« 
Abweisung sehr übel. Er antwortete er.'it nach längerer Zwitii-henzeit in 
einem Schreiben'), in welchem er in nicht minder scharfer Weise seinem 
Befremden über diese ebenso für ilin wie für deu Landgrafen von Hess 
fast schinipQtche Begegnung Ausdruck giib. trotzdem aber erkiarle, er halte 
sich für verpflichtet, zu Verhütung der Estreniiläten alle giitlichen Mittel 
zu versuchen, und daher Karl Ludwig ermahnte, die Entfern ungstractateo 
doch nicht um nnr unbedeuteiider Dinge willen langer anfzuhalten, Bonden 
anf Grutid der Hessischen Fordernngen zum Abschluss zu bringen. 
erinnerte bei dieser Gelegenheit an das, was er dieser Sache wegen bet 
Abscbliesaung der .Allianz zu Peil gesagt habe, und sprach zum Schluss 
die Hoffnung aus, der Kurfiirst werde nicht Ursache dazn geben, dass von 
Hessischer Seite auf Grund der Erbverbruderung weiter in ihn gedrungen 
werde. Diesee Schreiben hatte zur Folge, dass Karl Ludwig doch ein- 
lenkte; er gchicbte seinen Hofgerichts rat b Caspar v. Borcke zu dem Kur- 
fürsten nach Cleve, liess') demselben versichern, es sei ihm nicht in den Sinn 
gekommen, dem Kurfürsten oder dem Landgrafen schimpflich zu begegne 
er habe vielmehr aus Rücksicht auf den ersleren in Keinem Entwurf mehr, als 
er eigentlich schuldig gewesen, nachgegeben; freilich aber Hess er wiederholen, 
jener Entwurf sei sein lelztes Wort, weiter böune er nicht gehen. Er lieu 
ferner, sogar unter Beifügung voji Attesten seiner Hofbeamten, darleget), dasi 
der Zustand der Kurfürsiiu kciucswegs ein so klaglicher sei, wie sie and- 
ihre Verwandten ihn schilderten, liess bestreiten, dass der Kurfürst sk-li 
gegen Peil in solcher Weise geäussert hätte, und schliesslicb verlangen, 



'} Kf. an Eurf Karl Ludwig d. Cleve IT. September UKl. 
') Memorial v. Borckes e. d. Dis darauf beciigliche Resolution des Kf. iat 
datiert Qlere 13. October IbUl. 



EiDleitang. 73 

da man Hessischerseits garkeioe gegründete Ursache za Beschwerden hätte, 
dass, falls man von dort ans thätlich gegen ihn vergehen sollte, der Kur- 
fürst ihm die vertragsmässige Hülfe leiste. Der Knrfürst hat darauf wieder 
gemahnt , die Sache in der Güte beizulegen, er übersandte durch jenen 
y. Borcke einen neuen ihm von Hessischer Seite zugestellten Vertragsent- 
wurf und machte Vorschläge, wie die noch übrigen DifTerenzpunkte aus- 
geglichen werden könnten. Darauf ist mehrere Monate lang über dieses 
Project hin und her geschrieben worden, Karl Ludwig nahm die meisten 
Vorschläge des Kurfürsten an, nun erklärte man aber auf Hessischer Seite 
diese Zugeständnisse für sehr unerheblich und bestand auf den anderen von 
Karl Ludwig verworfenen Forderungen. Der Kurfürst bemühte sich nach 
beiden Seiten hin auszugleichen, aber ohne Erfolg, schliesslich hat er einen 
Versuch angestellt, die Sache kurz abzumachen. Kurfürst Karl Ludwig 
hatte im April 1662 aufs neue v. Borcke zu ihm nach Berlin geschickt, 
der Kurfürst hatte das von demselben übergebene Memorial nach Cassel 
gesendet, als darauf auch von dort her ein Abgesandter, der Kanzler Vul- 
tejns, bei ihm erschien, hatte er mit jenen beiden wegen der noch streiti- 
gen Punkte verhandeln lassen, als es zu keiner Verständigung kam, Hess 
er sich selbst genauer über die noch vorhandenen Differenzpunkte informie- 
ren, traf darauf eine Entscheidung über dieselben und erklärte i) (Anfang 
August 1662), wenn diese von einem von beiden Theilen nicht angenommen 
werden sollte, so wollte er nichts weiter zur gütlichen Beilegung des Strei- 
tes beitragen, auch jenem Theile nicht assistieren, sondern diesen alles 
Unglück, das etwa daraus entstehen sollte, verantworten lassen. Jener 
Kurpfälzische Abgesandte ist noch bis Anfang September bei ihm geblieben, 
muss aber auf jene Forderung des Kurfürsten, dessen Schiedsspruch anzu- 
nehmen, keinen Bescheid von seinem Herren erhalten haben. Als auch bis 
Mitte November keine Antwort von demselben eingetroffen war^), beschloss 
der damals schon in Königsberg befindliche Kurfürst nochmals durch 
Abschickung eines Gesandten, des Obristen und Schlösshauptmanus zu 
Berlin Otto v. Berlepsch auf ihn einzuwirken. Er beauftragte den- 
selben 3), von dem Kurfürsten Karl Ludwig eine Erklärung auf seine 
Vorschläge zu fordern, wenn diese zustimmend laute, darauf zu dringen, 
dass die Sache sofort mit Zuziehung der anderen Vermittler zum vollstän- 
digen Abschluss gebracht werde, sollte aber Karl Lndwig seinen Schieds- 
spruch nicht annehmen, demselben zu erklären, der Kurfürst könne dieses nur 
80 aufnehmen, dass jener die Sache aufhalten und den bedrängten Zustand 
seiner Gemahlin noch schlimmer macheu wolle, er werde daher zusammen 
mit dem Landgrafen von Hessen auf andere Mittel zur Rettung derselben 

') Kf. an Kurf. Karl Ludwig d. Cöln a. Sp. 30. Juli / 9. August 1662. 

') Irrig behaupten Reiger, Die aussgeleschte Kur-Pfalz-Simmerische Stamm- 
Lioie 8.66, und Rommel, Gesch. v. Hessen, IX S. 64, dass lo62 wirklich ein 
BotferDungsvei-trag abgeschlossen sei. 

^ Instruktion für v. Berlepsch d Königsberg 15. November 1662- 



74 



2. Die Allia; 



denken müssen. Sehr bald aber, uacbilei 
träge ertheilt hatte, traf ein Schieiberi Ka 
Gleichem derselbe anzeigte, dass infolge vo 
ihm und dem Lniidgrafen 



! er T. Uerlepgrb diese Aot 
rl Ludwigs') bei ihm ein, ia 
Streitigkeiten, welche iswiscbei 
Uadt über die BeaeUuiig 



r beiden fteTiieinschaftlich Rsht^ripen Stadt ü 
gebrocbeo waren, der Landgraf Truppen in diese Stadt geschirkt und sei- 
nen dortigen Aoitsknecht habe raissliandeln and gefangen «ctzeti lassen,^ 
dann bald darauf die weitere Anzeige'), dass stärkere Darm städtische und 
auch CasselBche Troppen sieh dort festgeselat hätten, verbanden mit det 
Aufforderung, beide Landgrafen von eokhen Thätliihkeileii abzumahnen und 
ihm kraft der Allianz Truppen zu Hulte zu schicken. Einen Monat gpäter<) 
folgte dann die Erklärung Karl Ludwig»:, er köaue jetzt infolge der tou 
Hessischer Seile verübten Oenalcthätjgkeiteti die EntfernungstracMten nicht 
fortsetüeii. sondern müaäe diegelben auf spatere Zeit auüsetzeu. Der Kur- 
fiirst forderte darauf Karl Ludwig auf), zunächst zu versurhcn den Streit 
wegen Umstadt auf güiliihem Wege beizulegen, wozu Berlepscb milbil- 
len solle, gelinge dieses nicht nud sollten von HesBisiber Seite norh weitere 
Gewaltthätigkeiten erfolgen, so werde er ihm die vertragsmüssige Hülfe 
Gchickeu. Zugleich beauftragte er Berlepsi;h'). eich zu bemühen, jenes 
Streit gütlich beizulegen, wenn der Kurfürst von der Pfalz seine VermitU- 
lung annehme, bich nach Darmstadt und Casitel zu beigeben nud ilii 
LandgTiLl'en zu ermuhueu, da tou ihnen der Anfang mit den TbäUichkettea 
gemaeht tici. die^e etiisusleHen und (Jmstiidt wjedtrr zu räuuito, Ber- 
lepseh war inzwischen in Heidelberg angekommen und hatte sich biet 
bemfihc Kurl Ludwig zu bewegen , trot? jener Slreitigkeilen die Knifer^ 
oungstractateu wieder aufzunehmen, aber vergeben:«, derselbe hatte 
jene dem Kurfürsten selbst gegebene Erklärung wiederholt, er könne Ehret 
halber jetzt mit Hessen nicht verhandeln, und es war zwibi-hen beiden echoK 
zu hefligen Auseinandersetzungen gekommen'). Infolge jener Denen W«- 
sungeu des Kuifitrsten begab sich Berlepsch Anlaug .lanuar 161 
Dtirmstadt und dann oachCaüsel und er bewirkte hier ohne besonderi- 
Schwierigkeiten, das» die l.iindgrafen aich der Mahnung des Kurfiirsieo. 
fügten und die Räumung von Umstadt zusagten"). Im März erlulgt« die- 



>) Surf. Karl Ludwig qd Kf. d. He 

'') R. über diese seit dem October ep 

IX S.435ff. 482ff. und Lundorp VHl S. 

>) Kurf. Karl Ludwig aa K.(. d. He 



lelberg '28. Octuber/7. November leSl' 
ilenden Händel die Diarium Bu 
:t8!)ff. abgedruckten .Schrifistücke. 

ilberg 17./27. November 166J. 



*) Üerselbe an Kf. d. Heidelberg I6./-J(i. Decerober 1GC.2. 

') Kf. an Kurf Karl Ludwig d. Königsberg 1^. Decembor lUSii. 

') Kf. an v. Berlepsch d, Königsberg '.'O. Deoember llifö. 

J) V. Berlapflcha KelatioaBD vom L'O. und T2. Deüembar 16(i2, nach ( 
lauteren hat sich Karl Ludwig heftig über den Fürsten von Anhalt b 
scbwert, der jetzt beim ßf ale PremierminiBter alleB dirigiere uod der sich i 
Efessisclier Seite gegen ihn habe einnehmen laeseu. 

') V. Borlepschs Berichte aus parmatadt und Cassel vom |./ u. u 
13./2a. Januar HJöa. 




EiDleitong. 75 

selbe wirklich and nnn versachte der inzwischen nach Heidelberg 
zorOckgekehrte v. Berlepsch infolge neuer Anweisungen des Kurfürsten >) 
von Karl Lndwig eine kategorische Erklärung auf dessen Vorschläge in 
der Entfernnngssache zu erlangen. Anfang April erhielt er endlich eine 
solche, in der aber nur in einigen Punkten die Vorschläge des Kurfürsten 
angenommen, im übrigen an den alten Fordernngen Karl Ludwigs fest- 
gehalten und noch allerhand für die Kurfürstin ungünstige und verfängliche 
Vorbehalte gemacht wurden. Vergeblich versuchte Berlepsch durch 
mundliche und schriftliche Vorstellungen Karl Ludwig zu weiterer Nach- 
giebigkeit zu bewegen, endlich entschloss er sich, mit der letzten Declara- 
tion des Kurfürsten hervorzutreten, er erklärte erst den Käthen Karl Lud- 
wigs nnd dann diesem selbst, dass unter diesen umständen der Kurfürst 
Hessen assistieren und auf andere Art für die Kurfürstin eintreten müsse, 
und reiste, als auch diese Drohung ohne Wirkung blieb, von Heidel- 
berg ab^). Unterwegs hielt er in Umstadt mit dort eingetroffenen Pfälzi- 
schen und Hessischen Kommissaren eine Conferenz behufs Schlichtung der 
Umetädtischen Streitsache, welche aber seinem Berichte nach auch dorch 
die Schuld der Pfälzischen Abgesandten sich fruchtlos zerschlugt). Nach- 
träglich Hess ihm Karl Lndwig noch ein neues Project in der Entfernungs- 
sache zugehen, welches aber auch von den Vorschlägen des Kurfürsten 
mehrfach abwich. Wenn schon die Berichte v. Berlepschs den Unwillen 
des Kurfürsten über das Verhalten des Kurfürsten von der Pfalz hatten 
erregen müssen, so noch mehr ein bald darauf eintreffendes Schreiben des 
letzteren,*) in welchem derselbe sich heftig über v. Berlepsch beschwerte, 
der ohne Grund die Tractaten abgebrochen, sich Drohungen und sogar die 
Aufkündigung der Allianz erlaubt habe, zugleich aber auch dem Kurfürsten 
selbst vorwarf, dass er sich durch die parteiischen Hessischen Berichte 
gegen ihn habe einnehmen lassen, und schliesslich erklärte, wenn derselbe 
doch Berlepschs Auftreten gutheissen und Hessen assistieren sollte, so 
werde er aller Welt seine Unschuld darthun nnd seine Sicherheit und Ruhe 
mit allen erlaubten Mitteln zu erhalten suchen. Der Korfürst erwiderte 
darauf in einem sehr geharnischten Schreiben^), er erklärte zunächst, er 



Kf. an v. Berlepsch d. Königsberg 4. und 23. Febrnar 1663. 

^ V. Berlepschs Relation s. l. 11./21. April 1663, sein Recreditiv ist vom 
9. April. Vgl. über die letzten mit ihm geführten Verhaudlnngen die Briefe 
des Karfärsten Karl Ludwig an Luise v. D. vom 12. März, 3. and 9. Mai 
1663. (Holland S. 115. 119. 123.) 

') V. Berlepschs Relation aus Gassei 28. April/ 7. Mai 1663. 

*) Karf. Karl Lndwig an Rf. d. Heidelberg 20./30. April 1663. 

^) Kf. an Karf. Karl Ludwig d. Königsberg 26. Mai 1663, darin heisst es, 
die Karfjirstin müsse geschehen lassen, «dass gleichsam in ihrem Angesicht 
eine andere Fraaensperson gehalten, welche sie aus ihrem Ehebette und von 
dem Recht, welches ihr der Kurfürst vor Gott und der Kirche versprochen, mit 
grosser Gewalt verdrangeu.*" Kf. müsse sich derselben annehmen, «damit der 
ganzen Welt gezeigt werde, dass eine geborena deutsche Prinzessin, vermählte 



I 



koune oipht befinden, dass Berlepscli wider seine lostru>'tion gehandelt, 
sich Drohungen erlaubl und die g-ütliche BeilegDDg des Screices Tcrbiodert 
habe, ging dann aber auf die Sache der KarrürstiD und die nnwurdigt 
BehandInQg, welche dieselbe zu crdnldeu habe, näher eio, erklärte, er müsM 
als naher Verwandter si'.h derselben annehmeu, und verwahrte sich endlich 
dagegen, daes die iwischeu ihnen beiden abgeschlossene Allianz auch nat 
diesen Ehebande) bezogen werde. Üicse.s Schreiben blieb längere Zeit 
ohne Autwort inzwischen starb rna 16. Juli 1663 Landgraf Wilhelm tod 
Hessen und für seinen unmiindigen ältesten Sohn übernahm seine Gemahlin 
Hedwig Sophie, die Schwester Friedrich Wilhelms, die TOrmnod- 
si'haftliche Ke^ierunß. Diesen Umstaud benutzte der Karfiirst als Vornand, 
um doch wieder mit Karl Ludwig anzukoüpfeu >J und denselben auf^ nene 
zu ermahnen, die Eiitrernnng>KBche zu eiueoi gütlichen Abschluss zu bringen. 
Inzwischen aber, au« welchem Anl;iss ist nicht ersiihtlicb"), hatte die Kar- 
fürstin Charlotte wirklich Heidelberg verlassen und war nach Caä»el 
übergesiedelt, wo sie hinfort geblieben ist. Sd war das eingelrelen. was Karl 
Ludwig »on jeher gewiinscbt hatle, er hat der Kurfürstiu in den uachaten 
Jahren jene für ihren Unterhall festgesetzte Snuime zahlen lasäen, aber er 
wollte keine bindenden Verpflichtungen deswegen eingehen, er lehnte dahef 
in seiner Antwort an den Eurfiirslen') unter Hinweis darauf, dass er nach 
des Landgrafen Tode nicht wüsste, mit wem er unterhandeln solle, nnd 
dass seine Gemahlin abgereist sei und ron ihm die früher geforderte 
Summe ausgezahlt erhalte, weitere Verhandlungen ab und wiederb')lte, als 
der Kurfürst si'h trotzdem den Anschein gab*), als habe er seine .Antwort 
lür eine znstiramende gehalten, und neue Vorschläge zu einer VersUindi-' 

Kurfäretiu und mit den vorcehmsteo Kar- and Füretlicheo Hsusero alliirt« 
Faratlu dergaslalt oDbet ihren hohen Anvernaniiten nicht dürfe beschimpn und 
durch ihre gewesoae Diüneriu und Aiifwärieriu gemartert werden.' Karl Lud- 
wig schreibt ua Laise v. Degenfeld 7. Juli liiii3 (Holland ä. 131): .Chor- 
Brand, halt mihr eia unnütz und mitt vielen Unwahrheiten gespicktes Schreiheo 
zugeschickt. Worden ee der liebÜbr beaatwurtea." Uie Herzogin Sophie mal- 
dflt demselben 11. Juli l>;ii:j (Bude mau u S. tlO}, Kf. solle 2000 Mann bereithaltea, 
um die Hessen zu aoterstützen, und aolle suhr ungehitleu über dessen Vertrag- 
mit Pfal« Neuburg sein. 

') Kf. an Knrf. Karl Ludwig d. Jagdliaus RomitteD I. September ItiGS, 

s| Aus den Schreiben Karl Ludwigs an Luise v. t>- vom H, Juni nodl 
H. September K'6'^ (Holland S. 1211. i:)^) ergiebt sich, dass in der Zwisebentsit 
die Abreise der Kurfürstin erfolgt ist. Irrig lüsst llSusser It S. 612 
üurfürstiu lliC'2 uach Cassel znrückkebreD , Reiger, die aussgeleschle Chur- 
Pfalz- tsimmerische Stammea-Liuie S. 71 erst IBliü, wogegen schon der Ver- 
fasser der neuen Auflage (lTiv>) Joannie (S. 20l> f.) Bedeuken erhebt. 

^ Knrr Karl Ludwig an Kf. d. Heidelberg I3./-A'. October ItiliS. Ueber d!« 
Eol-Beadaug eines ueueu pfähischeu Gesandten v. Brunn an Kf., der Anfang.' 
December \Gi-3 in Berllu eintraf, erfuhren wir mir dun^h den Brief Kart L 
wigs au Luise v. Ü, vom aö. Uecember 1663 (Holland .S, 136.) 

S Ef. au Kurf. Karl Ludwig d. C&ln a, Spr. U./24. December 1663. 



EiDleitoDg. 77 

gong machte, diese Weigerang in der bestimmtesten Weiset- Als aber 
der Korfürst non wieder mit Aofkündigong der Allianz drohte, lenkte er 
doch wieder ein ond beqoemte sich (März 1664) zn nenen Verhandlongen, 
bei denen der Knrfürst, welcher sich aoch erboten hatte, die Garantie des 
abznschliessenden Vertrages zn übernehmen, die Vermittlerrolle spielte, es 
aber nicht verhindern konnte, dass dieselben wieder dieses und das ganze 
folgende Jahr (1665) ohne Ergebnis sich hinzogen. Anf ernente Bitten von 
Hessischer Seite machte der Korfürst (Anfang 1666) den Versoch, dorch 
den zor Beilegung der dorch die Wildfangsstreitigkeiten veranlassten Hän- 
del nach Heidelberg abgeschickten Freiherrn v. Mahren hol tz die Erle- 
digong der Sache zostande zo bringen, das gelang aber wieder nicht, da 
Korfürst Karl Ludwig^ sich anfangs garnicht anf diese Sache einlassen 
wollte, dann aber erklärte, nor wenn verschiedene Aenderongen in dem Pro- 
jeete des Korfursten vorgenommen würden, dasselbe annehmen zu können. 
Nachdem dann Hessischerseits auf alle diese Forderungen eingegangen 
war, erklärte sich Ende 1666 Karl Ludwig') zor Aosfertigong des Ver- 
trages bereit, es worde daraof verabredet, in Regensborg dorch die dort 
auf dem Reichstage anwesenden Gesandten aller drei Parteien diese Aus- 
fertigung und die Auswechselung der betreffenden Docnmente vornehmen 
zu lassen , aber dort zogen sich die Verhandlungen darüber wieder das 
ganze Jahr 1667 hin. Endlich zu Ende dieses Jahres kam es so weit, 
dass der Kurfürst das von der Kurfürstin, der Landgräfin und ihm selbst 
unterzeichnete Exemplar des Vertrages nach Regensburg zur Auswechselung 
gegen das von dem Kurfürsten Karl Ludwig unterzeichnete Exemplar 
hinschickte*), aber nun wurden von Pfälzischer Seite wieder neue Vorwände 
hervorgesucht, um diese Auswechselung weiter und weiter hinauszuschieben, 
so dass diese Verhandlungen doch zn keinem Abschluss gekommen sind^). 



*) Enrf. Karl Lndwig an Kf. d. Heidelberg 18./28 Jannar 1664. 

^ V. Mahrenholtzs Relationen ans Beidelberg 8./ 18. Janaar nnd aas Speier 
15./25 Januar 1666. 

^ Karf. Karl Ludwig an Kf. d. Heidelberg 29. November/9. December 1666. 
vgl. das Schreiben desselben an Lnise v. D. vom 27. October 1666 (Holland 
S. 178.) 

*) Kf. an die Gesandten in Regensburg d. Cöln a. Spr. 17./27. December 1667. 

^) S. über die später (1679) wieder ernenten Bemühangen der Karfürstin 
Charlotte in dieser Angelegenheit die Briefe Karl Ludwigs an seine Schwe- 
ster, die Herzogin Sophie, vom 1. Februar, 4/14. and 18. /28. October 1679 und 
die Briefe Sophieos vom 10. October und 25. December 1679 (Bodemann 
S. 344 ff.). 



Auszug aus der Instruktion des Kurfürsten von der Pfalz für 
seinen Abgeordneten Dr. I\nl (s. 1. et d. c. Februar 1661). 

(Kf. mofte 8«iDe RemübuDg^n, sich mit dem Könige tod Knglasd aofliasöhnen, 
unteritutteo, ihm ratben, ob er die Alliaoi mit Frankreich eraeoeni soUe, selbst 

ihm bei Rehaaptuog seiner Rechte Hülfe leisten.] 

Kr hat dem Kf. ausoinnnderzusctien , in welchen Verhältnissen K. 
Pfalt in Kngland früher iir<(lebt habe, wie er durch die Noth gexwan- 
gcn gowe<on sei. sich so xu halten« dass er das ParlameDt nicht offen- 
diere '>; er habe sich dadurch das Mis^fallen des jetxigen Königs zag^iogen, 
wolle aber jet/.t einen Gesandten nach England schicken ond hoffe , die 
Saohe xu verirlinipfen; Kf. machte dabei gute officia anwenden, aach ein- 
rathen« ob etwas Fuss auf die englische Freundschaft la machen, weil er 
ex antecedcntibus gesehen, dass wenig darauf xu fussen. 

Kr soll ferner dem Kf. und dessen lieh. Kath t. Schwerin ?od der 
xwisohen K.Ffalf und der Krone Frankreich getroffenen Alliance sattsa- 
men Rerioht geben und dabei anführtMu dass er tempore interregni, da 
Raiern armiert gewogen, um den ihm uud seinem Kurhause tostehenden 
Vicariatum su disputieren uud für sich xu verfechten • und da er too den 
wenigsten StJinden mi Keioh iu seiner so klaren Befugnis Beifall bekom> 
meu. sich in diese AUianco. um sich und seine Lande Tor unbilliger Gewalt 
ju schutjten« «u bcgebrn gcmüssigx^t woi*den, und dass darin nichts ent- 
halten, so wider die Ka\s. Mt « das Reich und dessen Constitotioaes laufe« 
und ob iwar obgt»dachie Alliance ad tempus« uAmlich auf drei Jahre 
geschKvisen gewe>en. nunmehr aber >olohe Zeit expirienpt, so hielte er doch 
g^nxlich dafiir. Kf wünle es ihm nicht \er\lrnkett, wenn er sich am Pro- 
longation derselben bei Frank rei»h v^eUhes datu nicht uageneigt), 
bemuhte. Ks sei denn, dass Kf cn \\\t l>es>er eraohtenf, mit Frank- 
reich allem in gutrr Nachbursohait nn.l Frvundsoha(> xu stehen, ohne sich 
in eine rarticular>e»bundnis «icdcrnm cin0uU>sen. welchenfails Teil andeic 
\\*r>chUgt» von Kf oder dcv>en M*r;r.tuirm Xluusttv«« II. v, Schweria« 

* S llaasser 11 n «m^I 



Gesandtschaft Peil's. 79 

welchem er allein, was diesen und vorigen Pankt anlangt, zq comroani- 
eieren , vernehmen solle , wie er sich auf andere Weise gegen seine Wider- 
sacher manntenieren könnte. 

Peil soll den Kf. nnd dessen Minister ersuchen, durch dessen Auto- 
rität ihn bei seines Kurhauses uralten Regalien, Rechten und Privilegien 
(darin vornehmlich die Unter- Pfalzischen Lande bestehen, und wenn die- 
selben ihm geschmälert und genommen werden sollten, er in keiner Consi- 
deration sein würde, in Betrachtung die Lande klein and mit grosser Schul- 
denlast beschwert, auch er selbst mit vielen oneribus beladen) erhalten zu 
helfen und zu dem Ende ihm seine Assistenz zur Behauptung seiner Gerecht- 
same angedeihen zu lassen, und zwar einestheils mit seinem Voto auf 
Reichs- und anderen Tagen und mit nachdrücklichen Schreiben gehörigen 
Orts, anderntheils auch, da es nöthig, mit der That dem Instr. pacis und 
Reichsconstitutionibus gemäss, [falls er dagegen angegriffen werden sollte. 
Uiebei soll er dem Kf. wohl zu Gemüth führen, dass falls in ihn ferner mit 
Gewalt und Thätlichkeiten (wie jetzt von KGöln in der W ieder-Sache, 
welche er ob summum in mora periculum vor allen andern zu treiben hat) 
sollte gedrungen werden, er zu Rettung seiner juriura und Gerechtsame end- 
lich sich gemüssigt sehen würde, (^ich anderer nnd fremder Hülfe, (deren 
er doch lieber entübrigt sein wollte), zu gebrauchen, und stelle er lieber 
Kf. zu bedenken anheiro, ob derselbe ihm zu dieser Extremität rathen 
und nicht vielmehr selbst durch die jetzt an Hand habende Mittel ihm in 
seiner klaren Befugnis Assistenz leisten wollte, dagegen wäre er erbötig, 
nicht allein des Kf. und dessen Kurhauses Interesse bei allen Begebenheiten 
nach Möglichkeit zu befördern, sondern sich auch zu einer proportionierten 
Reciprocation zu obligieren. 



DefeDsivallianz zwischen Kurfürst Friedrich Wilhölm von 

Brandenburg und Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz. 

D. Cleve 26. April/[6. Mai] 1661.0 

Zu wissen. Demnach zwischen der Churfürsten zu Branden- 6. Mai. 
bürg und Pfalz Churftirstlichen Durchleuehtigkeiten höchstlöblichen 
Vorfahren vor. vielen und langen Jahren eine sonderbahre vertraw- 
liche Freundschafft gestifftet, dieselbe zu allen Zeiten und Gelegen- 
heiten, wegen der nahen Anverwandnuss, dazu gekommener Einig- 
keit in der Religion, auch gemeinen Interesse beständig erhalten und 
fort für fort auf beyderseits hohe Nachkommen gepflanzt und fort- 
gebracht worden, auch bis auf gegen werttige Stunde der Durch- 
leuchtigste Fürst und Herr, Herr Friederich Wilhelm, Marggraf zu 

^) lübaltsuDgabe bei v. Möroer, S. 251. 



80 2. Die AlliaDS mit Ear-Pfals. 

Brandenburg, des Heyl. Rum. Reiche Ertzkämmerer and Churfllrst, 
zu Magdeburg u. 8. w. und der Durcbleuchtigste Fdrst and Herr, Herr 
Carl Ludwig, Pfalzgrave bey Rhein, des Heyl. Rom. Reichs Ertz- 
Schatzmeister und Churfärst, Hertzog in Beyern, als bejderseits re- 
girende Churflirstliche Durchleuchtigkeiten durch Gottes Gnade da- 
rinnen nicht nur unverrückt verharren, besondern auch dieselbe za 
Gottes Ehre, des Heyligen Römischen Reichs Nutzen und Besten, za 
Beybehaltung nöthigen Vertrawens zwischen Haubt und Gliedern und 
dann zu dcro eigener Churfiirstenthumben, Ffirstenthumben und Lan- 
den gutem Gedeyeu, Ruhe und Wohlstand je mehr und mehr zu be- 
festigen und zu stiften gemeinet und bedacht seyn, unnd za Errei- 
chung solchen Zwecks und damit jcdwxdes Theil bey dem Seinigen 
ungekränckt seyn und bleiben, und keinesweges betrabet oder de facto 
beleydiget werden möge, eine nähere Yerständnuss und Defensivbflnd- 
nuss für ein zulangendes Mittel gehalten. So haben Ihre Churflirst- 
liche Durchleuchtigkeit zu Brandenburg mich dero Geheimen Raht und 
Cantzler des Flirstenthumbs Halberstatt Friedrichen von Jena mit 
gnugsamer Vollmacht und Pienipotenz versehen, Ihre ChurfUrstliehe 
Durchleuchtigkeit zu Pfalz aber mich dero Geheimen und Regierungs- 
raht Arnold Peilen gleichergestalt bevollmächtiget mit dem gnädig- 
sten Befehl, dass wir unns beyderseits zusammen than, die Sache 
mit einander überlegen und eine DefensivbQndnuss tractiren and 
schlicssen sotten. Alss wir nun crafl*t habender vorangezogener 6^ 
waldt und Befeleh darüber mit einander zu verschiedenen Mahlen con- 
feriret, so haben wir uns über nachfolgende Articul und Puncta ein- 
mtthtig und gründlich verglichen. 

I. 

Unnd soll nun zwar zu anfangs diese Defensivbfindnuss aaf des 
Heyl. Rom. Reichs Constitutioncs und auf den zu Ossnabrugg und 
Münster abgehandelten und beschlossenen Frieden gegründet und ge- 
meint seyn. 

II. 

Darauf beyderseits Ihre Churflirstliche Durchleuchtigkeiten ein- 
ander rechtschaffene beständige Freundschafft versprechen. Es will 
und soll auch ein Theil des andern und dessen Churfttrstenthumben, 
Fürstenthuniben und Landen Nutzen, Frommen und Aufnehmen suehei 
und nach aller Möglichkeit befördern. 



III. 

Zu welchem Ende jedes Theil schuldig: und gehalten seyn soll, 
demjenigen Theil, welches wieder die Reicbsconstitutiones , den 
Tentachen Frieden und Freyheit, altes Herkommen und aufge- 
richtete Verträge ahn seinem ChurfUrstentliumb, der Marggrafscbafft 
Brandenburg oder PfaltzgrarsclialTt bey Rhein, sambt dazu gehörigen 
Fürstenthumben , Landen, Leuthen, Mannen, Undertbanen, Schutzver- 
wandten, Angehörigen, wie auch sonsten allen andern Kegalien, 
Privilegien, Recht und Gerechtigkeiten im Heyl. Römischen Reich 
Teutscher Nation, sie haben Nahmen wie sie wollen, auss was Ur- 
sache oder unter was fllr Prätext und Schein es auch seye, betrübet 
und angefochten würde, nicht nur mit schleuniger InlerpoBition, son- 
dern auch auf Reichs-, CoUegial-, Deputation-, Creyss- und andere 
dergleichen Tage und Zusamnienknnfften, und dann ausser solchen 
bey der Kayserl. Maycstät, denen Herrn Churfbrsten, Fürsten und 
Ständen in gesambt oder auch absonderlich, wie auch bey aussläu- 
dischen Potentaten und Repuhliquen mit allen möglicheu ofliciis ver- 
tretten und assistiren, gestalt denn beyde hohe Paciscirende sich auch 
nebenst deme craift dieses verbunden, auf vorgedachten Reichs- und 
anodere Diäten, auch wo es sonsten nöthig: und thunüch, zu des tiey- 
ligen Römischen Reichs Besten und zu Beybehallung der alten Teut- 
schen Frej'heit, des Reichs Praeemineiiz uud ihren eigenen Regalien, 
Privilegien, Recht und Gerechtigkeiten, CburfQrstenthumben, sambt 
dasQ gehörigen FUrstentliumbcn, Landen und Leuthen, Mannen, 
Unaderthanen , Schutzverwaudten und andern Angehörigen im Reich 
Teutscher Nation Ruhe und Tranquillität, dte consilia zu con- 
jUDgiren, verträwlich von allem uud jedem zu jeder Zeit mit ein- 
ander zu communiciren, und sich dergestalt in fhren vutls zu ver- 
einigei), die Ihrigen auch dahin anzuweisen. 

IV. 
Dafern aber wieder VerhofFen bey dem offendirenden Theil keine 
GBtte etwas verfangen, sondern derselbe ungeachtet aller angewandten 
Oföcien noch weiter und de facto verfahren, oder da auch stracks 
uod zugleich er die That zur lland nehmeu und einen von beyden 
hohen Paciscirenden dero CburfUrstenthumb und dazu gehörige Für- 
stenthumb, Lande, Leulhe, Mannen, Undertbanen, Schutzverwandte 
und andere Angehörige im Komischen Reiche Teutscher Nation auss 



92 3' I)>e Allianz mit Kur-Prals. 

was Ursache oder unter was vor Prätext und Sehein es immer wolle, 
mit Gewalt angreitfen und beleidigen oder ahn Csercirung dero Pri- 
vilegien, Kegalieu, alt Ilerkommen, iteclit aud Gerechtigkeit ein oder 
mehr Stände oder Glieder des Reichs auf einige Weise oder Wege 
thätlich hindern oder turbiren würde, so sollen zwar die gUttliche 
Mittel nicht zurtick gesetzt werden, nichts desto weniger aber eia 
Tbeil dem andern zu assistiren und auf geschehene Noti&cation und 
Requisition alssbald, ohne Aufenthalt und Sauninuss, wUrckliche llillffe 
zu schicken schuldig und verbunden seyu, massen beyderseits Iure 
Chui'fUrstliche Durchleuchtigkeiten sowohl der Anzahl halber, alss auf 
was Weise und Manier solche HUItTe am fUgUchsten zu Werck in 
richten, sich in einem Nebenrecesa vergüclicn haben. 



l'nnd obwobl die officia und die Assistentz auf Reichs-, Collegi&l-, 
Üeputations-, Creyss- und andern Tagen, inngleichen hey der Kayscr- 
ticlien Mayeatät, ChnrfUraten, Fürsten und Ständen, auch ausswerttigen 
Potentaten und Republiquen auf bcyderseits Ihre CliurfUrstlicbeD 
Durchleuchtigkeiten obgedachte Churfürstenthumb und die dazu ge- 
hörige FUrstentbumbe, Lannde, Lcutbe, Mannen, Unndcrtlmnen, Schutt 
verwandte und andere Angehörige, wie aucli Kegalien, Privilegien, 
Recht und Gerechtigkeiten im Römischen Reich Tcutscher Nation, 
nichts liberall davon aussgenommen, allein gemeint und angesehen, 
an soll docii die wUrekliche Uulffe, so des Pfaltzgrafens CliurfUrstliche 
Üurchleuchtigkeit eraflft dieses und des Nebenrecessea zu leisten 
schuldig, ahn selten Ihrer ChurfUrsllichen Durclileuchtigkeit zu Bran- 
denburg nicht weiter verstanden oder begehrt werden, dann sofern 
das Hertzogthumb Oleve, Grafschatft Marck und Ravensberg mit ihren 
ZubehiJr von einem oder mehr Htännden oder Gliedern des Reichs an- 
gefochten oder beleidiget werden sollten. 

VI. 

Dafern auch bey, vor oder nach geschehener Notification und 
Requisition oder auch wehrender HdlBlcistung der Requisitus von 
andern thällicb solte angegriffen werden oder gegen den t^rbfeind, 
wie auch sonsten Ihrer Kaysserlichcn Mayestät und dem Römischen 
Reich wUrkliche Htilfe leisten mUsste, so solle derselbe, wann er dl« 
in diesem Btlnduuss und Nebenrecesa vei-sprochene BUlffe noch nicht 



Der Alliansvertrag. 83 

geschickt, solche zurRckzubebalten oder die al bereit geschickte wie- 
der abzufordern befugt, der Requirent auch selbige ohne Aufenthalt 
sofort folgen zu lassen schuldig seyn. 

VII. 

« 

Unnd alss diese Defensivbündnuss sambt dem dabey aufgerich- 
teten Nebenrecess in ihren Articuln und Clausuln nur von zukünftigen 
Thätlichkeiten und Fällen zu verstehen, also solle solches alles von 
dato die zehen nechst nach einander folgenden Jahre seine Crafft 
und Würckung haben, und die Zeit über nicht nur von beyderseits 
hohen Paciscirenden, sondern auch von dero Successoren und Nach- 
kommen trewlich und unverbrüchlich, doch mit diesem Verstände ge- 
halten werden, dass wann einer unter ihnen mit einem aussländischen 
Könige oder Republicque solte in Streit gerahten, desselben sich der 
ander gegen solche anzunehmen durch diese Bündnuss weiter nicht 
gehalten seyn soll, alss die Keichsconstitutiones und Westphälische 
Frieden verordnen und mit sich bringen« 

Unnd haben wir dazu bestftlte und zu anfangs genante Gevoll- 
mächtigte über diese Bündnuss zwey gleichlautende Exemplaria heut 
dato aufgerichtet, verfertigt und gegen einander aussgegeben, damit 
dieselbe von beyderseits Ihren Churfürstl. Durchleuchtigkeiten inner- 
halb vier Wochen von dato des Schlusses und geschehener unsseiyer 
Underschrifft genehm gehalten und ratificiret, die ratificationes auch 
gegen einander aussgewecbselt werden ^). 

Zu mehrer Beglaubigung haben wir dieses alles unterschrieben 
und besiegelt So geschehen zu Cleve den 6. May/ 26. Aprilis Taus- 
send sechshundert ein und sechzig. 

Friderich von Jena. Arnoldus Peil D. 



Nebenrecess. 

Kund und zu wissen seye hiemit Jedermänniglich, demnach 
zwischen Ihrer Churfürstlichen Durchleuchtigkeit zu Brandenburg 
an einem, dann Ihrer Churfürstlichen Durchleuchtigkeit zu Pfaltz am 
andern Theil den 6. May/ 26. Aprilis eine Defensivalliance beliebet 

') Die BatificatioD des Allianzvertrages nnd des Nebenrecessea ist voo 
Karl Ludwig aasgestellt Heidelberg 9./ [19.] Mai 1661, voo Kf. Cleve 18./ 
28. Mai 1661. 

6* 



A4 3- Die AllianE mit Kiir-FfaU. 

uud aufgerichtet und dabey beyden hoben Paciscenten gefalleD, eioea 
iiud den aiindern Punct vnrgedacbter DefensivbUndnu&s nieht eioza- 
verleiben, besonderti dieselbe in diesen Neben- und Secreten Hecess 
zu verfassen, dasa darüber beederseits böcbstgedachter Ihrer Cbur- 
fUrstlichen DurchleuchtigkelteD Oevollmäcbtigle folgender gestalt sich 
vereioiget undt verglichen: 

I. 
Uund wollen nun z.ufolge geschlossener Älllanee und da der- 
selben genieess von Ihrer Churfdrstlicheu Durchleuchtigkeit zu PfalU 
die Notification und Requisition auf die im Haubtrecess enthaltene 
Fälle und Bedingungen diesem Bündnuss gemeess geschehen, Ihre 
CburfUrstliche Durchleuchtigkeit zu Brandenburg hundert zu Hoss und 
dreyhundert zu Fuss tüchtiger geworbener und bewehrter MannschaffI 
ohne Aulfenthalt und Säumnuss zuschicken. 

II. 
Ingieichen verbinden sich des Pfaltzgrafen ChurfUrstliclie Durch- 
leuchtigkeit auf geschehene Notification und Erfordern auf gleich- 
massige im Haubtrecess enthaltene Fälle und Bedingungen diesem 
BUndnuss gemeess Ihrer Churfürstlichen Durchleuchtigkeit zu Bran- 
denburg sobald und gleichfallsB ohne einige Verzögerung zweyhun- 
dert und fUnfTzig Mann guter tllcbtiger geworbener und bewehrter 
Musquetirer ahn statt der HUlife zu senden. 

III. 
Die HOlffe solle von beyden Theilen biss ahn des Requirenten 
Uräntzen geschickt und biss dahin von demjenigen, welcher »ie schickt, 
unterhalten werden. Sobald aber die Manoscbafl't gedachte Gräntzeo 
erreicht, so bald ist dieselbe von demjenigen nach seiner Verpfle- 
gungaordnung mit aller Notthurft zu verseheu und zu verpflegen, 
welchem sie zu IlUlffe kommen, ea wehre dann Sach, dass^der Orth, 
wo mann die HUlff benöthiget, näher alss die Gräntzen oder bey- 
seits gelegen, auf welchen Fall auf des Herrn Requirenten Begehren 
der commandirende OfHcirer mit der Hiiltfe dabin zu gehen beordert 
seyn solle. Mit dem Unterhalt aber und Verpllegung bleibt es da- 
bey, dass sobald die Völcker Über des Herrn Requisiti Gräntzen ge- 
bracht, der Herr Requirent dieselbe vorhergesetzter Masseu Über 
Mich nehme. 



J 



Der Alliaozvortrag g5 

IV. 

Unnd wenn die Uttlff nun in des ßequirenten Gräntzen und von 
ihme angenommen ist, so soll die MannschafTt und Officirer dessen 
Commando und Befehl, welchem sie zugeschickt, allerdings und nicht 
minder als ihres Herren Gebott gehorsamen. Doch soll der Officirer, 
welcher mit der Httlffe geschickt wird, nicht schuldig oder gebalten 
seyn einem Befehlshaber, der mit ihme in gleicher oder geringerer 
Charge stehet, zu pariren. 

So geschehen zu Cleve den 6. May/26. Aprilis Tausendt sechs- 
hundert ein und sechzig. 

Friderich von Jena. Arnoldus Peil D. 



Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz an Dr. Peil. Datum ut 

in litteris 25. Mai/ [4. Juni] 1661. 

[MittheilaDg der von Gravel in dem Rheinischen Allianzrath gemachten Propo- 
sition wegen der Türkenhülfe. Ob man nicht die Hälfscontingente znrack- 

behalten solle.] 

PS. Auch — habt Ihr K.Brandenburgs Ld. zii remonstriren 4. Juni 
und dero — Sentiment zu vernehmen, wann occasione der vom Pabst 
vorgeschlagenen Türkenhülfe die von Frankreich durch Mr. Gra- 
velles in seiner dem Allianzrath zu Frankfurt den 30. Mai st. n. ge- 
thanen nachdenklichen Proposition ') — projectirte Zusammenziehung 
der Rheinischen Conföderirten neben den Französischen Völkern zu 
Werk gerichtet werden sollte, was etwa diejenige, so nicht in der 
Allianz begriffen, vor Reflexion darauf zu machen haben würden, 
und ob es denselben rathsamb sei in Erwartung solchen Falls sich 
von Völkern und Mitteln zu entblössen und dieselbe I. Kais. M. 
vertröstetermassen zuzuschicken, und ob nicht I. Kais. M. dazu zu 
bewegen sein möchte, dieselbe bei so gestalten Sachen von Schick- 
und Unterhaltung solcher Völker zu dispensiren '). 

*) Dieselbe entspricht darchans den Weisungen, welche Ludwig XIV. in 
der Instruktion vom 28. März 1661 ^Guhrauer II. S. 297 ff.) Gravel ertheilt hatte. 

^ Kf. erwidert darauf nur (d. Cleve 10. Juni 1661), auch ihm komme Gra- 
vels Proposition sehr nachdenklich vor und er wolle ihm künftig seine Gedanken 
daräber mittheilen, zugleich giebt er ihm Nachricht von der auf den 29. Juni in 
Cöln mit Kurcoln, den braunschweigischen und hessischen Fürsten verabre- 
deten Zusammenkunft (s. oben S. 39 ff.) 



Der Kurftirst au Kaiser Leopold. D. Gleve 11. Juni 1661. 

[MitlheiluDg der ibm vod C.Prali über die rraazüBiicbeu Antrage gemaclilea li^r- 
öffcangeD, Verwendaag für K-Pfali.) 

i. Gr übersendet eine Abschrift der I'ropoEitioD, welche Qravul aeulicb im 
Allianzrathe vorgebracht, der Antrüge, welche derselbe K.Pfalz wegen 
desBen Eintrittes in die Allianz gemacht, und der von diesem darauf er- 
tbeitten Antwort. 

Ich fltelle zu Ew. Kai». M. fernerea Hüchaterieuchteten Naclisiniien, 
ob Sie vermeinen, das» etwa K.Pfalz durch ein gnädigstes kaiser- 
liches yehreibeii hei der bisher erwiesenen guten Bezeigung beständig 
SU verharren zu animiren, und ob Ew. Kais. M. darbenebeost ^ns- 
digBt geruhen möchten, an den Reiehshofrath die Verordnung ergehen 
zu lassen, damit Ihre Ld. (wie sie sich beklagt) etwas gelinder trac- 
tiret und darum absonderlich auf dieselbe kQuflig mehrere Reflexiou 
genommen werde, weil Ew. Kais. M. eich dadurch eines kurftrst- 
liehen voti mehr zu versichern. — 



D. Heidelberg 



Kurfürst Karl Ludwig ati den Kurfürsten. 
7./[l7.]Juni 1661. 

[LJerB.VicekHaxler verlangt AbLalluug eines K-urrürsteutageg.] 

li. Glückwunsch zu der abgesjchloBBeuen Allianz. 

PS. Sein am Kaiserlicheu Hofe befindlicher Abgesandter, Obriatlentr 
nant Johann v. Arentiu hat ihm berichtet, dasB der R. Vicekanzler 
ihm in discorsu zu verstehen gegeben, es müsste ein Collegialtag gehalten 
werden. Da er verinutbet, der R. Vicekanzler, der, wie verlaute, ehe- 
stens berauswärts ins Reich kommen werde, werde dergleiihen aufs Brett 
werfen, so bittet er Kf. ibm sein Sentiment darüber zu eröffnen. Er selbst 
hält einen Collegialtag nicht für niiratfasam und will, wenn Kf. dabu 
kein Bedeukeu habe und der Kaieer einen eolchen verlange, 'gern damit 
einstimmen. 



Der Kurfürst an deu Kurflirsten Karl Ludwig. D. Cleve 
24. Juni 1661. 

[Der in Wien vorgeBcblagene Kurfü ratliche Callegiallag.) 

34. Jani. Dank für die guten Erbietnngen, ferner für die commuoicierte Nach- 
richt, was der It. Vicekanzler eines vorseicuden Collegialtages halber 
gedacht. Sollte auch an Kf. etwas gebracht werden und er sehen, wis 



L. 




VerwendoDg ffir K.PfaU beim Kaiser. g7 

ein solcher Collegialtag lo Vorschlag gebracht werden, auch was für Sachen 
darauf vorkommen möchten, so wird er sich darauf erkl&ren und solches 
dem Kurfürsten communicieren. Ihm soll sonst keine zu des Rom. Reiches 
oder seiner Mitkurfürsten ins Mittel kommende Zusammenschickung zu- 
wider sein. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 29. Juni 1661. 

[aof die Schreiben vom 6. a. 11. Juni. Sendung des R-Vicekanslers an K.Mains. 
Beräeksichtigang der Verwendaog des Kf. for K.Pfals.] 

Dank für die Mittheilnngen. Er hat seinen Reichsvicekanzler29. Jnni 
Wilderich Freiherren von Waldersdorff an K.Mainz abgeordnet, 
denselben seiner aufrichtigen Intention und alles dessen zu versichern, was 
zu Erhaltung der allgemeinen Wohlfahrt erspriesslich und zu Maturierung 
des von einigen Kurfürsten und Ständen so hoch verlangten Reichstages 
selbst zulänglich und befbrderlich sein könne. 

Was dann nächst diesem die nach Ausweisung Ihres letzten 
Schreibens wegen Animir- und Beibehaltung des Churfbrsten zu Pfalz 
Ld. gethane wohlmeinende Erinnerung betrifft, wollen Ew. Ld. mir 
beständig zutrauen, dass gleich wie ich meinestheils Ihrer Ld. alle 
— — Affection zu jeder Begebenheit zu erweisen geneigt bin, also 
ich derselben auch dasjenige widerfahren lassen werde, was Ihro 
die justitia immermehr attribuiren wird, habe dahero — meinen 
Reichshofrath dahin angewiesen, dass er hierauf seinen mir gelei- 
steten treuen Pflichten nach gebührende Reflexion machen und Ihro 
Ld. Gerechtsame — beobachten wolle. 



Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz an den Kurfürsten. D. 
Heidelberg 28. October/[7. November] 1661. 

[Mittheilnng neuer französischer Anträge.] 

Er theilt ihm mit, was Gravelles dieser Tage im Namen des Königs 7. Nov. 
▼on Frankreich bei ihm angebracht nnd welche Antwort er daranf 
ertheilt hat, bittet Kf. ihm seine Gedanken darüber mitzntheilen nnd diese 
▼ertranliche Commnnication dergestalt zn mesnagieren, dass ihm keine Unge- 
legenheit deswegen zuwachsen möge. 



Propositiüii de Mous. Gravellea attoucliatit le reiiouuellement 
dt: TÄlliance anec la France 

La lesolutioii la deasus de S. A. E. Pal.'' le 25. Octob. 1661. 

[. M. GravellcK a proiioBÖ ä S. A. E. Pal.f que le Roy TreschretlieD, 

vojaut que !>. A. E. troüooit läe la dilflcullfi a entrer datis rAlliaüce du 
Rbin, desiroit de reuonQeller le dernier Traiciö particulier Tait auec S. A. 
F,., maiü qa'il y falloit, poar piecautioa, chaoger et ndioneier qnelqaea 
ArlicleB, asBaaoir: 

Qu'en iitteudaDt que S. A. E. entrc daiis la Cuofederatioo qui % 
lile coüclue entre S. M.'* Treseh."* et quelques Electeurs et Princes da 
l'Empire ä Mayeuce le 15. d'Auast do l'aunöe 1Ö58, S. A. F.. se couruim« 
cepeudaut aus Couseils et aux reBolutiona de la d.« Confederation en tout ce 
qui regardera la seuretg, le bien et la liberli^ de l'Eujptre. 

Que S. A. E/dedare, que le Traittö qu'Elle a fait auec M. l'Elec- 
teur (ie Braudebourg ne imirs et ne pourra deroger eD neu ä celluj 
qu'Elle fflit auec S. M.'^ Trescb."» et qu'en tuutes les reocoutres ou les 
JutereBts et les denhi de lad. M.<^ se trouuerout coniraires aux äeutJmeulS 
dud. Elccteur de Braudeubourg sad. A. £. promelte d'upioer dans 
le College Elecloral &oh d la Diele generale, soit daiis les autres AEsem- 
blees publique» par Elle mesme ou par Bes MJnblres conformeuieat aas 
iolentions de S. M,'* Trest-h,"" eii tout ce qui regardera le bieii de l'Enipire. 

Que S. Ä. E. a'eHtant engagä Jana le mesme Traittii Tait auec led. 
Electeur de Brandeiibourg de &g coiumuiiiquer reciproquemeut' toas 
leuvs CoDseih daua les affaires publique^, promeiie et s'obligc qae nonub- 
i-taiit celte Clause Elle ne coinmuuiquera rien aad. Elect.' de Brandeu- 
bourg taut qu'il demeorera eugagiä daus des jnterests cuutraJrea qai 
puLBBe iiuire ä ceus du Roy, et ue luy douaera aucuoe couuoissauee de 
ce que S. iM.'* Tresch."" pourra luy auoir coutiö de ses int«Dtions gi ee 
; ie consenteirieot prealable obtenu de sa M.'" Tresch."". 

Qiie le Roy Trestb. ue vouloit pas se mesler des differends particalien 
de S. A. E. (ayant cxpreseemeiit uonimä ceux qui regardent les Leibeigeue) 
autreroeut que par reotremise de ses bona Offices et exortatioua. 

Que sad. M." Tresch."" desiroit fort que S. A. E. fust en bonne intelü- 
gence auec la Maison de Hessen Cassel, mais qu'il ne disoit pas celU 
cotuoie une coudition sine qua non; que le Roy y prenoit iuterest parce 
qu'ayant esl6 peudant la deraiere gnerre en uue eslroite alliance auec cett* 
maison lä et l'ayaut a preseot renouueli^e, ü ne voudroit pas qae fusaat 
alliance anec S. A. E, ses alb^s vescussent en mesintelügence eusemble. 

Sur ce que deseus B, A. E. luy fit dooner pour response et reEolutioa: 

Que S. A. E. ue doutoit pas que led. Ü.' Gravelles ne se souDieuM 
des conditions auxqutlles S. A, E. s'offrit de Iraitter auec Inj lora qa'il fat 
icy au Mois de May de eette ann^e; Surquoy il se chargea d'obtenir ni 
plein pouuoir de S, M.** Treach,"«. 




Französische Anträge an K.Pfalz. 89 

Que S. A. E. n'a scea remarqoer par sa proposition et ce qa'U a dit 
aax CoDseillers de S. A. £., qa'il ait est^ poorveu aasdites conditions, 
mais bien qae le Traitte qn'il propose sembloit batter directement & luy 
oster la ]ibert6 de son soffrage en toat ce qai regardera la seuretö, le bien 
et la libert^ de TEmpire, en Tobligeant a se conformer ans Conseils et 
resolotions de quelques Electenrs et Frinces de TEmpire AUiös de sa M.^ 
Tresch.°« en vertu de la Confederation conclue a Majence le 15. d'Aont 
1658^ Ce que ne se pouooit faire sans donner grand suiest de Jalousie 
a S. M.^ Imp.i« et aux autres Electenrs, Princes et Estats de VEmpire 
qai ne sont pas de cette Confederation et particulierement a M. TElecteur 
de ßrandenbourg proebe parent et Alli6 de 8. A. E. 

Que S. A. E. n'auoit jamais desir6 que S. M.^ Tresch.»« interrompe 
le cours de la justice de TEmpire en faveur des droits de S. A. E. mais 
seulement d'en estre assist6e par ses bons Offices et contre la voye de fait. 

Que pour le differend auec M. le Landgrave de Hessen Cassel S. 
A. E. ayant satisfait M. TElecteur de ßrandenbourg sur les expediens 
que led. Electeor de ßrandenbourg a propoe^ poor adiuster les points 
lesquels 4 son anis estoient encor a decider et entrepris d'y disposer aussi 
M. le Landgrave, il n'y auoit lieu de doutter, qu'il n'arriue a un bon 
accord. 

Que S. A. E. se promettoit, que S. M.^ Trescb.»« aura la bont^ de 
ne pas tronver maouais que les affaires estans en ces Termes, S. A. E. de- 
meure dans ceux du Traitt6 de paix, qu'elle obsernera tousiours de tont 
sont pouuoir, et particulierement en tont ce qui regarde les interests de 
sa M.^^ Trescb.B®, la seuret^, le bien et la libert^ de TEmpire et que S. 
M.^^ Tresch.^* ne lairra pas de continuer a 8. A. E. sa faueur et son appny 
pour le Bien de ses interests en conformitö du dit Traitte. Enquoy S. 
A. E. prioit le d. S.'Grauelles de vouloir employer ses bons Offices. 



Der Kurfürst an den Kurfürsten von der Pfalz. D. Cöln a. d. 

Spree 18. November 1661. 

[aaf das Schreiben vom 28. October/7. November. Die Anmassang Frankreichs. 

AafrechterhaltaDg der Allianz.] 

Dank für die vertrauliche Communication. 18. Nov. 

Und gleichwie wir das Gravellische An- und Vorbringen der- 
gestalt beschaffen zu sein befinden, dass dasselbe von niehrer Con- 
sequenz und dabin angesehen zu sein scheine, wie man ferner einen 
und den anderen Reichsstand an sich ziehen möge, also können wir 
gleichwohl nicht begreifen, wie im H. Römischen Reich und dessen 
öffentlichen Versammlungen oder sonsten unser als eines Reichscuhr- 
fürsten für die Ehre Würde, Ruhe und Wohlstand unsere geliebten 



90 '^' Die Alliaax ml Kvr-Pfals. 

Vaterlandes tentseher Nation führende Intention nnd RaAsehllge mit 
dem Könige oder Cron Frankreich conenrriren and dahero gegen 
einander sein werde, viel weniger, wie der Konig oder Cron von 
Frankreich, nachdem das Reich dem Instmmento paeia seineraeiten 
ein Tollkommenes Gnfigen gethan, bei den Cohrfllrstlichen oder an- 
dern ConTcnten etwas zn erinnern. Zwar ist es ans dabei leid, wie 
der GraTcUi seines Königes nnd nnser Interesse Ar zwo wider- 
wertige Dinge halte, nnd seind Tersiebert, dass wir darzu' unser« 
Orts die geringste Ursacb nicht gegeben, als wir aber bei Lebzeiten 
des Cardinal Mazarini nngeachtet aller geschehenen RemonstratioD 
in der That erfahren, dass Frankreich von seinen alten MaximcD 
und mit unserm Cnhrhaus von vieler Zeit hero gehalten genauen 
Correspondenz abgelassen und soviel möglich wider uns und unser 
Interesse an allen Orten stark gearbeitet, so haben wir auch unsere 
Conservation so gut wir gekonnt sonsten suchen und beobachten 
müssen. Und demnach Ew. Ld. sich albereit wohl und dergestalt 
erkläret, wie es einen getreuen Cuhrffirsten — gebfihret, Qberdem sich 
zu beständiger und fester Haltung des mit uns aufgerichteten Bflnd- 
uns nochmals erbieten, also versichern wir Ew. Ld. hiermit gleich- 
falls reciproce zu aller beständigen nnd der Allianz gemässenen 
Freundschaft. Und weil sowohl das Reich als auch iedweder Cuhr- 
ffirst, Ffirst und Stand desselben nicht nur mit dem Könige und 
Cron Frankreich, sondern auch anderen auswertigen in gutem Ver- 
trauen und Nachbarschaft zu leben, auch wir absonderlich vor uns 
keines anderen gemeinet sein, so sehen wir nicht, warumb — je- 
mand der auswertigen von dem Reich oder demselben zugethanen 
CubrfQrsten, Fürsten und Ständen etwas anders und weiters zu be- 
gehren haben. Es ist Ew. Ld. aus denen alten und neuen Geschich- 
ten mehr dann zuviel bekannt, dass das H. Römische Reich niemals 
sich in besserem Stande befunden, als wenn es seine Sachen vor 
sich allein gehabt, denen Benachbarten zur Feindschaft keine Ursache 
gegeben und sich aller fremden Sachen soweit entschlagen, das wird 
verhoffentlich mit Gottes Hülfe auch noch ietzo das beste — sein. — 



Fransösiscbe Antrage an K.Pfalz. 91 

Der Kurfürst an den Kaiser. D. Cöln a. d. Spree 18. No- 
vember 1661. 

[Mittheilang der Eröffnungen *von K. Pfalz. Frankreichs anmassendes Auftreten 

im Reiche.] 

Er theilt demselben das Anbringen Gravelles an K. Pfalz und dessen 18. Nov. 
Erklärung darauf mit, bittet den Kaiser, ihm seine Meinung darüber zu 
eröffnen. 

Es will fast das Ansehen gewinnen, dass nachdem Münster und 
Trier*) sich auch in die also genannte Frankfurtische Allianz be- 
geben, man die annoch wenig übrige Stände vollend hineinzuziehen und 
dergestalt das arbitrium im H. Römischen Reich per indirectum an 
sich zu bringen suche, welches, wie es eine Sache von der aller- 
grössten Wichtigkeit ist, also werden E. Keys. M., zumal gegen be- 
vorstehenden Reichstag deroselben — reichlich vorzusinnen wissen 
und ihre belieben lassen, das Werk unbeschwert in geheimb zu 
halten. — 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 29. No- 
vember 1661. 

[auf das Schreiben vom 18. November. Der Anmassung Frankreichs muss ent- 
gegen getreten werden. 

Dank für die Mittheilung. Kurpfalz hat in seiner Antwort an 29. Nov. 
Gravelle das Werk gar reiflich und wohl überlegt, was das für eine 
Freiheit des Reiches sein würde, wenn dessen vornehmste Säulen sich an 
eine so gestalte Allianz binden lassen sollten, vermöge deren sie sich des 
höchsten Kleinods ihrer Gerechtsame und Libertät zu begeben, und sich 
deren nur so weit zu gebrauchen befugt sein sollten, als es der Krone 
Frankreich Interesse zulassen würde. Auch er wie Kf. ist der Meinung, 
dass man auf diese als eine der allerwichUgsten Sachen eine absonderliche 
Reflexion zu machen und wohl vorzusinnen habe, damit solchem weit aus- 
sehenden Beginnen gesteuert werden möge. Kf. möge sich bemühen, K. 
Pfalz bei seiner guten Intention zu erhalten. 

'). Bischof Christoph Bernhard von Münster war schon im Janaar 1661 
der Rheinischen Allianz beigetreten (s. Tucking, Geschichte des Stifts Mäoster 
anter Christoph Bernhard von Galen S. 82; Röche r I S. 299.), Kurfürst Karl 
K aspar von Trier im Aag^st desselben Jahres. (Gohraner II S. 311, Mignet, 
N^gociations relatives 4 la snccession d'Espagne sous Loois XIV. II S. 19.) 



Abschnitt 3. 

Die Belehnung des Kurfürsten durch den Kaiser und 
die Verhandhingen über die schwedische Belehnung. 

1661. 



Einleitung. 



Nachdem Korfurst Friedrich Wilhelm im Jali 1642*) dorch Kaiser 
Ferdinand III. die Belehoong mit seinen Reichslanden nnd den böhmi- 
schen Lehen empfangen hatte, hatte der Tod dieses Kaisers ond die 
Erhebung des Sohnes desselben, Leopold I. zur kaiserlichen Würde 
(18. Juli 1658) auch für ihn eine nene Lehnsempfangnis nöthig gemacht. 
Da die damaligen kriegerischen Verhältnisse die Ausführung derselben 
innerhalb der eigentlich vorgeschriebenen Jahresfrist unstatthaft erscheinen 
liessen, so hatte zu Ende derselben der damals auf dem Feldzuge in Jüt- 
land abwesende Kurfürst die Geheimen Räthe in Berlin angewiesen'), 
durch seinen Residenten in Wien, Andreas Neumann, um Verlängerung 
dieser Frist nachsuchen zu lassen, schon jetzt aber die zu einer solchen 
Belehnung nöthigen Vorbereitungen zu treffen, die Instruktion, Vollmachten, 
Creditive u. s. w. für den Geheimen Rath Johann Friedrich y. Loben 
und jenen Andreas Neumann, welche er damit zu betrauen gedachte, 
anzufertigen. Der Kaiser hatte dann auf das Gesuch Neumanns zu- 
nächst dujrch ein Decret vom 23. Juli 1659 den Termin auf 6 Monate, bis zum 
23. Januar 1660, und als der Kurfürst infolge der Fortdauer der kriege- 
rischen Verwickelungen zu Ende 1659 um eine weitere Prolongation nach- 
suchen Hess'), durch ein neues Decret vom 19. Januar 1660 auf weitere 
6 Monate bis zum 23. Juli, dann auf ein nochmaliges Prolongationsgesuch^)? 
welches mit der bevorstehenden Reise des Kaisers nach Steiermark und 
andererseits damit, dass der Kurfürst infolge des Todes seiner Mutter und 
des eben erfolgten Friedensschlusses seine Minister zu allerhand anderen 
Abschickungen gebrauchen müsste, motiviert wurde, auf weitere 3 Monate, 
bis zum 23. October 1660 verlängert. Diesen Termin scheint der Kurfürst 
wirklich einzuhalten beabsichtigt zu haben. Rechtzeitig Hess er die Vor- 
bereitungen, welche vorher doch unterblieben sein müssen, treffen, Anfang 



») 8. ürk. u. Akt. I S. 790. 

^ d. Feldlager bei Coldingen in Jätland 30. Juni / 10. Juli 1659. 

^) Kf. an A. Neumann d. Hauptquartier zu Barth 3./ 13. November 1659. 

*) Kf. ao A. Neumann d. Cola a. d. Spree 3./13. Mai 1660. 



96 3- I^ie BelehDQDg des EorfSraten n. s. w. 

Jali wurde eine Instraktion für jeoe beiden Beyollmächtig^n darch deo 
Geheimenrath Friedrich 7. Jena aufgesetzt, der Entwarf desselben warde 
am 31. Juli im Geheimen Rathe verlesen, darauf auch an Nenmann mit- 
getheilt und demselben aufgetragen, was er dabei etwa zu erinoem habe 
rechtzeitig anzumelden, auch die in den fränkischen Fürstenthüroem regie- 
renden Vettern des Kurfürsten, Markgraf Albrecht yon Anspach ood 
der minderjährige Markgraf Christian Ernst tod Baireath, denen 
kraft der Dispositio Achillea nnd des dieselbe bestätigenden Geraer Hans- 
Vertrages die Mitbelebnung zur gesamten Hand mit den Kurlandeo zustand, 
wurden von der Absiebt des Kurfürsten in Kenntnis gesetzt und aufgefor- 
dert, Bevollmächtigte nach Wien zu senden. Schliesslich aber hat der 
Kurfürst doch noch einmal eine neue Prolongation des Termins nach- 
gesucht. In einem Rescripte an Neumann*) schreibt er, derselbe werde 
ans seinem vorigen Rescripte ersehen haben, dass er gewünscht habe, die 
Helehnungssache jetzt zu Ende zu bringen. Da er sich aber aas dem lo- 
stmmento pacis und sonst ferner habe berichten lassen, dass der König 
von Schweden als Herzog von Pommern zu der Zeit, wann er mit 
Pommeni belehnt werde, durch seine Bevollmächtigten die Mitbelehnnog 
zu empfangen habe, und dass er, der Kurfürst, verpflichtet sei, demselbeo 
den von dem Kaiser für die Belehnung angesetzten Termin vier Monate 
vorher anzuzeigen, so solle Neumann dieses dem Kaiser vorstellen ond 
denselben ersuchen, wegen dieser ihm nicht eher beigefallenen Ursaeheo 
einen weiteren Indult auf wenigstens 6 Monate zu gewähren, and in der 
That bewilligte der Kaiser durch Decret vom 12. November, dem Antrage 
Neumanns entsprechend, eine weitere Prolongation auf 8 Monate bis zam 

23. Juni 1661. 

Es ist durchaus unglanblich, dass man brandenburgischerseits, wie der 
Kurfürst hier vorgiebt, jenes durch den Westfälischen Frieden Schweden 
zugesprochene Recht der Mitbelehnnog über Hinterpommern nnd Gam- 
min und die noch weiter gebenden Rechte, welche der Kurfürst in den 
Stettiner Grenzrecess von 1653 dieser Krone hatte einräumen müssen, eio- 
fach vergessen und dass man sich erst nachträglich derselben erinnert 
haben sollte, vielmehr ist ganz offenbar, dass der Kurfürst zu Anfang die 
bewusste Absicht gehabt hat, jene Rechte Schwedens, nnd zwar nicht so- 
wohl die ans dem Westfälischen Frieden als vielmehr die ans jenem 
Stettiner Recess abzuleitenden, unberücksichtigt zu lassen. In dem West- 
fälischen Friedensinstrument '^ war Schweden nur die Simultaninvestitor 
mit Hinterpommern und Cammin zuerkannt worden, ohne dass dabei 
Näheres über die Modalitäten festgesetzt oder bestimmte Verpflichtungen 
für den Kurfürsten daran geknüpft wären, erst durch den Stettiner Re- 
cess vom 14. Mai und die im Anschlüsse an denselben zu Stockholm am 

24. Mai 1653 abgeschlossenen Specialconventionen waren solche festgesetzt 

') d. Cöln a. d. Spree 13./ 23. September IGGO. 
'-') lostr. pacis Osuabr. X, § 4. 8. auch XI. § 12. 



Eioleitnng. 97 

und zugleich die Schweden eingeräointen Rechte bedeutend erweitert wor- 
den. Einmal nämlich hatte sich der Kurfürst dort yerpflichten müssen ^), 
wenn vom Kaiser der Termin für die Lehnsempfangnis festgesetzt sei, den- 
selben vier Monate vorher dem schwedischen Könige anzuzeigen, damit 
derselbe rechtzeitig seine Beyollmächtigten zur Entgegennahme der Simul- 
taninyestitur über Hinterpommern und Cammin an den Kaiserlichen Hof 
entsenden könne. Ferner aber hatte der Kurfürst ') dem Könige und der 
Krone Schweden die früher den Herzogen von Pommern kraft der 
Erb vertrage zustehende Anwartschaft auf die Neu mark, das Land Stern- 
berg und die Schlösser Vierraden und Löckenitz samt deren Gebiet 
und demgemäss auch die Simultaninvestitur mit diesen Landen zugestehen 
müssen. Dieses auch im übrigen so ungünstigen Vertrages, welcher ihm 
nur im Drange der Noth abgepresst war, hat der Kurfürst bei nächster 
günstiger Gelegenheit sich zu entledigen gesucht, und eine solche schienen 
die glücklichen Waffenerfolge gegen Schweden im nordischen Kriege, in 
dessen letztem Stadium ein grosser Theil des Schwedischen Pommerns von 
den Truppen des Kurfürsten und seiner Bundesgenossen besetzt wurde, dar- 
zubieten. Allerdings hat er, ohne grosse Schwierigkeiten zu machen, bei den 
Friedensverhandlungen in Oliva und den gleichzeitigen Verhandlungen mit den 
Braunschweigischen Fürsten und deren Genossen') in die Räumung 
und Wiederabtretung dieser eroberten Plätze eingewilligt, aber jenen Ver- 
trag betrachtete er als durch den Krieg hinfällig geworden. Er verweigerte 
die von Schweden geforderte ausdrückliche Erwähnung und Bestätigung 
desselben in dem Olivaer Friedensvertrage und gab ganz offen kund, dass 
er denselben nicht für zu Recht bestehend anerkannte. In einer bald nach 
dem Abschluss des Friedens, sicherlich auf seine Veranlassung erschienenen 
Flugschrift^) wird auf das eindringlichste die Ungerechtigkeit und Gewalt- 
samkeit, mit welcher Schweden bei den Stettiner Tractaten gegen den Kur- 
fürsten verfahren, geschildert, die Ungerechtigkeit und Unbilligkeit der 
Bestimmungen des Recesses dargelegt und dem Kurfürsten die Befugnis 
zugesprochen, ohne Rücksicht auf denselben sich wieder in den Besitz 



1) Stettioer Grenzrecess § 27 (Dähnert, Sammlung gemeiner n. besonderer 
Pommerscher and Rägischer Landes -Urknoden I S. 140), vgl. Sf^ecialconven- 
tion I (Dahnert S. 160). 

^ Stettiner Grenzrecess §29 (S. 143), s. Specialconvention 11 (8. 170). 

3) S. oben S. 4ff. 

*) Snmmariam processas, qno erga serenissimum et poteotissimam electorem 
Brandenbargicnm contra instmmentam pacis, pragmaticas imperii sanctiooes, dei, 
natnrae, gentium omoiaqne inra circa restitnendam Pomeraniam ulteriorem apud 
ita dictos limitnm tractatns Stetioi habitos magna ioiustitia atque aperta vi 
usa est Soecia (s. 1. 1660). Ohne Zweifel ist es diese Schrift, welche des Kf. 
Gesandter in Paris, v. Brandt, ins Französische übersetzt, um sie dem Car- 
dinal Mazarin zn äberreichen (s. Urk. a. Akt. IX S. 580), nnd auf welche der 
schwedische Reichskanzler 1663 v. Grockow gegenüber hindeutet (Urk. u. Akt. 
IX S. 751). 

Mater, s. Gesch. <L O. Karfiirtten. AI. 7 



98 3- 1^1® Belebnnog des KnifDraten n. a. w. 

dessen zo setzen , wa> ihm tod Rechu wegeo zukomme, ood der Kurfürst 
hat oo^h oaeh dem Friedens schlösse bis in den Herbst 16G0 hinein am 
französischen Hofe Unterhand Inngen fuhren lassen '), welche dmhin selten, 
nnter französischer Einwirkung von Schweden eine günstigere Orenzlinie 
in Pommern und den Verzicht auf den Antheil ao den Colberger Seesöllen, 
welchen es sich an^h in dem Stettiner Recess ansbedongen, sn erwirken. 
Allein diese Bemühungen waren ganz ei folglos und einerseits die Erkennt- 
nis , dass diese Pläne jetzt doch nicht ausführbar seien, andererseits der 
Wunsr-h. Schweden, dessen feindselige Haltung gegen ihn gewiss zum Theil 
durch dieselben heryorgerufen war. seinerseits keinen Verwand lo dem 
befürchteten kriegerischen Losbrechen darzubieten, haben den Knrffirsten 
bewogen, einzulenken und wenigstens eine directe Verletzung der Bestim* 
mungen des Stettiner Vertrages zu vermeiden. Er hat daher, nachdem er 
von dem Kaiser die erbetene weitere Prolongation des Termines für die 
Lehnsempfängnis erlangt hatte, rechtzeitig im Januar 1661 dem Könige 
von Schweden, allerdings ohne des Stettiuer Vertrages Erwähuang lo 
thun, nur unter Berufung auf das demselben durch den Westfälischen 
Frieden zugesprochene Recht der Simultaninvestitur Anzeige von dem ihm 
dazu get^tellten Termine und von seiner Absicht, zu demselben Be?olI- 
mär-htigte na *h Wien zu senden, gemacht^. Die schwedische Regentschaft 
erwiderte darauf), dass auch sie im Begriff sei, eine Gesandtschaft nach 
Wien zu schicken, um dort die Belehnung mit den Schweden durch den 
Westfälischen Frieden zugefallenen Reichslanden zu betreiben» und dass 
sie Sorge tragen werde, inbetrelT der Simultaniuvestitnr das, was ihr nach 
dem Friedensinstrument obliege, auszuführen. Zugleich machte dieselbe 
dem Kaiser die Anzeige ^), dass sie. sobald es die Jahreszeit erlaube, eine 
Gesandtschaft wegen der Lehnsempfängnis zu ihm schicken werde, nnd 
sie entsandte vorläufig ein Mitglied derselben, den ^in den llerzogthümem 
Bremen und Verden bestellten Regiernngsrath^ Schweder Dietrich 
Klei he, welcher schon 1655^) in Wien die damals vergeblichen Verband* 
lungen wegen der Belehnung geführt hatte, dorthin voraus, um zunächst 
die Rechte Schwedens bei der Belebnung des Kurfürsten wahrzunehmen. 
Derselbe reiste am 10. Mai von Stockholm ab, sah sich aber genöthigt, sich 
unterwegs länger aufzuhalten. Die Sehwedische Regierung in Stettin 
ersuchte daher den Kurfürsten^, falls Kl ei he nicht zu dem bestimmten 

') S. V. Brandts Berichte ans Paris (ürk. o. Akt. IX 8. öSOff.). 

^ d. Cleve 13. Januar 1G61 (abgedruckt in , Bericht ond Bewandois der In- 
vestitursache zwischen den Romisch Kaiserlichen ond K. Schwedischen May.* 
Stralsund 1662, auch lateinisch «Repraesentatio etc." Beil. F.) 

2) Schwedische Regentschaft an Kf. d. Stockholm 9. Febraar 1661. 

*) Dieselbe an Kaiser Leopold d. Stockholm 16./ 26. Febraar 1661 (Beriebt 
and Bewandois (Repraeseotatio) Beil. D ) 

^) S. Heyne, Der schwedische Investitorstreit 16i$— 1664. Frogr. Weilbarg 
1883 S. 11 ff. 

«0 d. Stettin 4/14. Mai 16G1. 



BioleitaDg. 99 

Termine in Wien eintreffen sollte, seine Gesandtschaft 8 bis 14 Tage auf 
denselben warten zn lassen, nnd der Knrfürst befahl dem entsprechend 
V. Loben ^), der nrspründlich Anfang Jnni hatte abreisen sollen, seine 
Reise noch 14 Tage anfznschieben. y. Loben begab sich daher zunächst 
noch anf seine Güter, reiste erst am 28. Jnni von Peitz, wohin er das 
übrige Gesandtschaftspersonal beschieden hatte, ab nnd traf am 14 Juli in 
Wien ein, wo inzwischen auch Kl ei he schon erschienen war. 

Die nachfolgenden Akten veranschaulichen den Verlauf der von den 
Gesandten des Kurfürsten dort geführten Verhandlungen, welche erst im 
October ihren Abschlnss gefunden haben. Die lange Verzögerung der- 
selben nnd die Schwierigkeiten, welche die Gesandten zu überwinden hatten, 
worden hauptsächlich durch drei Umstände veranlasst. Erstens durch einen 
zwischen den beiden Vettern des Kurfürsten, welche die Mitbelehnung zu 
empfangen hatten, dem Markgrafen Alb recht von Anspach und dem noch 
onmündigen Christian Ernst von Baireuth ausgebrochenen Präcedenz- 
streit, welcher zur Folge hatte, dass die erwartete Gesandtschaft des letz* 
teren nicht in Wien erschien. Zweitens durch die von Schweden anf 
Grnnd des Stettiner Recesses erhobenen Ansprüche, namentlich die For- 
derung, dass dasselbe nicht nur zur Simultaninvestitnr über Hinterporo- 
mern nnd C am min, sondern krafc der durch jenen Recess der Krone 
Schweden zuerkannten Expectanz anf die Neu mark und die benachbarten 
Gebiete anch zur Mitbelehnnng über die Kurlande zugelassen werde, und 
dass der Knrfürst von dem Kaiser die Bestätigung jenes Recesses ver- 
langen solle. Endlich drittens durch die von kaiserlicher Seite erhobene 
Fordernng, dass nicht wie früher alle Reichslande des Kurfürsten in einen 
Lehnsakt zusammengefasst nnd demgemäss auch nur ein Lehnsbrief über 
dieselben ausgestellt, sondern dass über die von demselben durch den 
Westfälischen Frieden erworbenen Lande, für welche damals zum ersten 
Male die Belehnung nachgesucht wurde, besondere Belehnnngsakte vorge- 
nommen und eigene Lehnsbriefe ausgestellt, und dass der Kurfürst beson- 
dere Lehnsgebühren für dieselben bezahlen solle. 

Die erste Schwierigkeit wurde dadurch gehoben, dass der Kurfürst, 
welcher mit Markgraf Albrecht zusammen die Vormundschaft über Markgraf 
Christian Ernst geführt hatte, für den letzteren, welcher gerade damals 
die Volljährigkeit erlangte '), von dem Kaiser einen Indult erwirkte, dass er 
erst später sowohl die Belehnung mit seinen eigenen Landen als auch die 



d. Gleve 6. Juni 1661. 

^ Christian Ernst (geb. 27. Jnli 1644) hatte am 27. Juli 1661 das 18. Jahr 
erreicht. Er hatte die letzten Jahre auf Reisen im Auslände zugebracht, jetzt 
aaf der Rückkehr erschien er bei dem Kurfürsten in Cleve, dieser resignierte 
dort (25. September 1661) auf die Vormundschaft und äberliess ihm die Regie- 
rung, welche er dann, nachdem er am 29. October in Baireuth eingezogen war, 
wirklich übernommen hat. S. Renschel, Des Durchleuchtigsten Chur- und 
Fürstlichen Hauses Brandenburg Stammbaum (Bayreuth 1666) S. 115. 

1* 



100 3. Die Belehnang des Knrfuraten n. s. w. 

MitbelehntiDg mit denen des Kurfürsten enipf;iDgeo dürfe % woraaf ao dem 
Belehnungsakte nar die Anspachische Gesandtschaft Theil geQomineD hat. 
Den Schwedischen Forderungen gegenüber hatte der Korfürst von vorne 
herein seine Gesandten angewiesen, sich durchaus passi? zu verhalten, d. h. 
es dem Schwedischen Gesandten zu überlassen, ob er die ErfüIloDg der- 
selben beim Kaiser durchsetzen könne oder nicht Ad diesem Verfahren 
hat er dieselben consequent festhalten lassen, und seine Voraassetzong, 
dass man kaiserlirherseits in dieser Angelegenheit in seinem Interesse han- 
deln werde, hat si<'h durchaus erfüllt Der Kaiser, welcher nach dem 
Olivaer Frieden Schweden in nicht minder gespanntem und feindseligem 
Verhältnis gegenüberstand als der Kurfürst, hat unter Berufung darauf, 
dass die in dem Stettiner Re(!esse vorbehaltene Einholung der kaiserlichen 
Ratification bisher nicht erfolgt sei und dass in demselben Schweden Rechte 
zugesprochen seien, welche zu bestätigen er durch die goldene Bnlle und 
seine Wahlcapitulation verhindert sei, die Berücksichtigung jener schwe- 
dischen Forderungen verweigert, und wenngleich es K leihe gelang, die 
Verhandlungen längere Zeit aufzuhalten, so hat er doch nicht verhindern 
können, dass diese endlich den Wünschen des Kurfürsten gemäss ihren 
Abschluss fanden, dass die Belehnuug desselben mit den Knrlanden ohne 
seine Zuziehung erfolgte, worauf er sich auch von derjenigen mit Hinter- 
pommern fern gehalten und sich begnügt hat, die Ausstellung eineä 
kaiserlichen Decretes zu erwirken, in welchem erklärt wurde, dass das bei 
der Belchnung des Kurfürsten Vorgegangene den aus dem Westfälischen 
Frieden herstammenden Rechten Schwedens nicht präjudicieren solle. Jenen 
von kaiserlicher Seite aufgestellten Forderungen entgegen hatte der Kur- 
fürst seinen Gesandten aufgetragen, dahin zu wirken, dass für die Aequi- 
valentlandc keine besonderen Lehnsbriefe ausgestellt, sondern dass dieselben, 
ebenso wie früher Pommern, mit in den Ilauptlehnsbrief aufgenommen würden, 
die Verpflichtung zur Bezahlung besonderer Gebühren hatte er vollständig 
abgelehnt. In dem ersten Punkte hat er sich nachher den Wünschen des 
Kaisers insofern gefügt, als er, damit den nach dem Westfälischen Frieden 
Schweden zustehenden Rechten Genüge gethan werden könne, znliess, dass 
zwei Belehnungsakte, der eine für die K u r 1 a n d e und dicAeqnivalente, der 
andere für li i n t e r p o m m e r n und C a m m i n, vorgenommen, und dass bei dem 
letzteren Schweden die Zulassung zur Empfangnahme der gesamten Hand 
gestattet wurde. In dem zweiten Punkte, in Betreff der von kaiserlicher 
Seite geforderten Gebühren, hat er in der Hauptsache seinen Willen durch- 
gesetzt. Nur für Hinterpommern erklärte er sich bereit, die Regalien 
zu entrichten, und als die Reichskanzlei und der Reichshofrath damit nicht 
zufrieden waren und durch immer weitere Verzögerung der Belehnung ihre 
Forderungen durchzusetzen suchten, drohte v. Loben, dass er abreisen 
und die ganzen Verhandlungen abbrechen würde. Schliesslich Hessen sich 



') Dieselbe hat erst am 1. Aogost 1663 stattgefunden (Diarium Enrop. 
X S. 498). 



Einleitung. 101 

die Reichskanzlei^ die Hofämter ood die niederen kaiserlichen Beamten mit 
der Zahlung ziemlich unbedeutender Summen (im ganzen c. 1300 Tbaler) 
zofriedensteilen, während der Reichshofrath , welcher den Betrag des von 
ihm beanspruchten Landeminm der Generosität des Kurfürsten anheimge- 
stellt hatte, ganz leer ausging. 

Zu Anfang des nächsten Jahres 1662 erschien^) in Wien jene früher 
angekündigte grosse schwedische Gesandtschaft, um dort die Be- 
lehnnng ihres Königs mit den Reichslanden und bei dieser Gelegenheit zu- 
gleich die Bestätigung des Stettiner Recesses durch den Kaiser sowie die 
Erfüllung anderer Fordernngen, welche schon 1655 durch Kl ei he gestellt 
worden waren, zn erwirken. Gleichzeitig schickte die schwedische Regent- 
schaft an den Kurfürsten den Yicckanzler von Vorpommern t. Sternbach, 
um bei demselben über die Haltung, welche y. Loben Eleihe gegenüber 
eingenommen hatte, Beschwerde zu führen und auf Grund des Stettiner 
Recesses von dem Kurfürsten zu verlangen, dass derselbe jene Forderun- 
gen Schwedens in Wien unterstutzen und dort selbst die Bestätigung des 
Stettiner Recesses nachsuchen solle. Die am Schluss dieses Abschnittes 
abgedruckten Akten zeigen, wie der Kurfürst sich diesem Ansinnen gegen- 
über yerhalten, wie er gerade daraus, dass die Erfüllung desselben als 
yertragsmässige Pflicht von ihm gefordert wurde, Gelegenheit genommen 
hat, dasselbe auf das entschiedenste abzulehnen, und wie er auch in Wien 
seinen Residenten Neu mann dieselbe passive Rolle wie früher hat weiter- 
spielen lassen. 

An dieser ablehnenden und feindlichen Haltung Schweden gegenüber 
hat der Kurfürst auch noch weiter, bis in das Jahr 1663 hinein, festgehalten. 
Sie zeigt sich in der Instruktion des Kurfürsten vom 2. August 1662 '^) für 
seine Gesandten zum Reichstage in Regensburg, auf welchen der Kai- 
ser, nachdem die Verhandlungen mit jener schwedischen Gesandtschaft 
sich fruchtlos zerschlagen hatten, die ganze schwedische Belehnungssache 
verwiesen hatte, ebenso auch in der seinem nach Schweden geschickten 
Gesandten v. Krockow mitgegebenen Instruktion vom 31. Oc tober 1662 3) 
ood in den zu Anfang des nächsten Jahres im Geheimen Rathe des Kur- 
fürsten gehaltenen Berathungen^). Dieselbe ändert sich erst, nachdem der 
Korfürst in diesem Jahre eine wirkliche Aussöhnung und eine engere Ver- 
bindung mit Schweden als nothwendig erkannt hat. Schon in einem Re- 



') S. Heyne, Der schwedische iDvestitarstreit S. 17. 

') S. unten Abschnitt 4. 

3) ürk. u. Akt. IX S 743. 

*) Nach dem Geheimenrathsprotokolle vom 9. Januar 1663 befiehlt Kf. in- 
folge der Nachrichten v. Krockows von der Armatur der Schweden seinen Ge- 
heimen Räthen, dass ein jeder von ihnen sein schriftliches Bedenken aufsetzen 
solle, «was sie vermeiuteo, dass, wenn solche Zeitung continuieren sollte, Kf. 
za than, was für Aktionen za machen, wie er sich zu verhalten, woher die Mittel 
sa nehmen.* 



Abschnitt 3. 

Die Belehniing des Kurfürsten durch den Kaiser und 
die Verhandlungen über die schwedische Belehnung, 

1661. 



104 3. Die BelehDODg des Kurfarsteo u. 8. w. 

gehalten, deshalb auch von I. Keys. M. auf geschehenes geziemendes 
Anhalten verschiedene gnädigste Indulta ertheilet und numehro end- 
lich zur Abstattung der WUrcklichkeit und solennen Lehns-Empfahung 
der Monat Junius dieses Jahres dazu berahmet — so haben Wir 
Uns resolviret das Werk nicht länger anstehen zu lassen, besondem 
zumal Wir in Unserer Residenz wieder angelanget, der verlangete 
Friede durch Gottes Gnade erfolget und dahero die vorgewesene Ver- 
hinderungen guten Theils bei Uns aufhören, dasselbe — zu seiner 
Endschaft und Richtigkeit zu befördern, weswegen ihr, der Freih. 
V. Loben, euch dan zu rechter Zeit von hinnen aufmachen sollet, 
damit ihr euch mit Unserm Rath und Residenten Andreas Keu- 
mannen zuvorhero — die Sache mit einander zu überlegen Zeit und 
Gelegenheit haben möget. 

Ges. haben darauf za sehen, dass die Solenniea wie sie vor Alters 
im kurfürstlicheD Hause gebräuchlich waren, beobachtet und der Lehns- 
eid in der alten Form geleistet, sie selbst ganz wie die von E. Baiern 
und K.Sachsen recipiert und traktiert werden, zumal Neu manu vor 
diesem berichtet hatte, dass die K. Mainzischen gegen jene zurückge- 
setzt worden seien. Doch werden sie sich so zu betragen wissen, dass 
keine unnütze Skrupel erweckt, oder ohne Grund die Hauptsache aufge- 
hoben werde. Bei der Audienz haben sie die Proposition so wie sie 1638 
und 1642 abgelegt, jedoch mit Berücksichtigung der seither im Besitzstand 
eingetretenen Veränderungen abzulegen, so dass in specie des Herzogthnms 
Magdeburg, wie auch der Fürsteuthümer Halberstadt, Minden und 
Camin, auch der Snchung der gesamten Hand an das Herzogthnm 
Mecklenburg, das Fürstenthum Ratzeburg und sonst überall der ge- 
samten Hand für unsere Vettern, die Markgrafen zu Nürnberg mitgedacht 
werde, ausser was die Herzogthümer Jülich, Cleve und Berg nebst den 
dazu gehörigen Landen betrifft, an welchen den Markgrafen weder die ge- 
samte Hand noch sonst ein ander Recht zusteht. Ges. erhalten zwei Haupt- 
Vollmachten, eine zu Empfahung der ordentlichen männlichen Reichslehen, 
darunter auch die Aequivalentlande inbegrififen, und eine für die CIe?e- 
Jülich-Bergische n Lande, und sie haben diese Lehnssache, absonder- 
lich die Angelegenheit der Aequivalente, bei den anwesenden Ministris 
aufs beste zu recommandieren und dabei sich der beifolgenden Creditive ') 
zu bedienen. 



^) Sie erhalten solche ausser an den Kaiser, die verwittwete KaiaeriD uod 
den Erzherzog Leopold Wilhelm an Wenzel Franz Easebius Hersog 
von Sagan und Fürst von Lobkowitz, an Johann Weichardt Färst von 
Auersperg, an Johann Ferdinand Fürst von Portia, an Doo Aooibal 
Gonzaga, an den Hofmarschall Graf Stahremberg, den Geheimenrath Graf 
V. Traun und den Oberkämmerer des Erzherzogs Leopold Wilhelm, den Grafen 



lostraktioD der Gesandteo. 105 

Und ob wir wohl — daf&r halten müssen, dass die Belehnung 
über die Jalieh-Gleve' Bergischen und zugehörigen Lande so wenig 
vor jetzo als vor diesem erfolgen möchte, so ist jedennoch — die 
Belehnung — mit ganzem Fleiss zu suchen — (damit) uns die ge- 
ringste Schuld der bis anhero unentschieden gebliebenen Sachen nicht 
beizumessen, auf den äussersten Fall aber unser Recht — zu ver- 
wahren. Und nachdem wir — jetzo auch zugleich mit denen 

in dem Instrumento Pacis erhaltenen Aequivalent - Landen , als 
Magdeburg, Halberstadt, Minden und Camin belehnet werden 
müssen und dahero die Notturft erfordert, dass die Lehnbriefe dar- 
über als die ersten, und weil die Lande geistliche Güter gewesen, 
wohl und ohne einigen Scrupel oder Praejuditz, absonderlich der- 
gestalt eingerichtet werden mögen wie unser Haupt- Lehnbrief über 
unsere Chur-, Herzogthümer und andere Fürstenthümer, und dass dem 
Papst oder andern Päpstlern zu gefallen keine vorträgliche oder son- 
sten einige andere Clausula reservativa hieringerückt werde — , so 
sehen wir nicht, wie wir dergleichen Clausul gar oder doch auf 
den äussersten Fall anderer Gestalt zulassen können, als dergestalt: 
„doch uns und dem h. Reich an unser Obrigkeit und sonst männig- 
lich an seinen Rechten und Gerechtigkeiten, so weit sie dem Instr. 
Pacis gemäss und demselben auf keinerlei Weise oder Wege zuwider 
und entgegen, unvorgreiflich und unschädlich." Dieweil auch — 
diese Aequivalent- Lande gegen das abgetretene Pommern uns zu- 
kommen, wir aber wegen Pommern keine absonderliche Lehnbriefe 
empfangen, sondern dieses Herzogthum mit in unsern Hauptlehnbrief 
gesetzt ist, — so haben — (Ges.) dahin es zu vermitteln, da- 
mit auch alle diese Aequivalent -Lande zugleich mit in unsern 
Hauptlehnbrief gebracht und keine Sonderung gemacht werde. — 
Sie haben aber nichts desto weniger dasjenige, was vorhin der Clausul 
halber erinnert, in Acht zu nehmen, und dass bei denen Aequivalent- 
Landen unter andern gewöhnlichen Rechten aller schiffreichen und 
anderen Strömen und Wasser gedacht und sonsten alle Hoheit und 
Recht, sowohl ob als unter der Erden beobachtet, und bei Halber- 
stadt Acht gegeben werde, hiermit Uns weder der Probstei halber 
noch auch sonsten einiges Präjuditz zugezogen, sondern alles ohne 

yoD ScbwarzeDberg (sämtlich datiert Cleve 4. Mai 1661), aassordem noch an 
den Erzherzog Carl Joseph und ao zahlreiche andere Hof- und Staatsbeamte, 
welche letzteren sie aber nicht abgegeben, sondern wieder zurückgebracht haben 
8. nnten die Haoptrelation vom 6./16. October. 



106 3. Die Bd<-hD..nB 

NKcbteil — ausgefertigt werde. Uad was ietzo wegen der Prol 
im FtlrBtentum Halberstadt erinnert, dau ist auch bei Minde 
Aebt zu haben, weil uns Minden mit eben den Jnribus in allen 
Stticken übergeben, mit welehen uns Halberstadt im Instr. PacH 
zugeeignet. 

Weil wir auch — in dem Hauptlehnbriefe zugleich zu gesam- 
ter Hand das Angelälie des Hcrzogtbuins zu Mecklenburg'), de< 
FQrstenthums zu Wenden, der Grafschaft Schwerin mitsamt denen 
Landen Stargardt und Kostock mit ihren Herrschaften etc. wirk- 
lich empfangen und damit zugleich belehnt werden, nunmehro aber 
vermöge des Friedensschlusses ') das beste Kleinod des Landes als 
Stadt und Haven Wiszmar, Land und Ami Pohl, Insel Walfisch 
und Amt Neuen Kloster mit allen Pertinentien zu Erlangung dea 
Friedens her- und denen Schweden hingegeben und dagegen anstatt 
eines Aequivalents das Fllrstenthum Ratzeburg mit aller ZubehiJr 
von dem h, Rom. Reiche abgetreten, die Herzoge von Meckelnburg 
damit belehnet und dergestalt jetztgedachtes Fürstenthum anstatt des 
Abganges dem Herzogthum Mecklenburg wiederzugelegt worden, 
Bo haben Ges. daraur zu achten, dasB der Hsupllebubrief in Betreff die- 
ses Punktes in eotaprecbender Weise geüudert werde. 

lächtigte der Herren Vet- 



1 dem Akt der Investitur s 



tern, Markgrafen zu Brande 



rg für die gesamte Hand zuealaBsen ■), so 



') Darcb den svrischen Korfürat Friedrieb II. von Brandenburg and den 
BeMögen Johann V. und HeinricU IV. von Schwerin ond Heinrich » 
Stargard am 12. April 1442 abg^BchioeseDen Wittstocker Vertrag war dem Kl 
CürBlen und dessen NaclikommeQ für den Fall des Erlöschens dee geaamten 
Meektetiburgiachen MaoDastamniee die Succeesion in den MecklenburgiBcfaen 
Landen Eugesicbert wordeo. Dieser Vertrag war noch In demselben Jahr« 1443 
von Kaiser Friedrich in. bestätigt worden, und seitdem wnrde bei jeder Kaiser* 
lieben Belehnnng Tür Kurbrandenbarg dieselbe auch anf das Angefälle derHecklea- 
burgischen Lande erstreckt, s. Schulze, Die UansgeseUe der .regierendeo dBiiVi 
sehen Füratenhänser II S. 191. 

') S. Inalr. pacia Osnabr. X, § 6. XII, § t. 

^ Auf Grund der DispoBltio Achillea nnd di 
raer Huuavertrugea von I5<J» sowie des diesen wiedei 
bacLer Vertrages von Iü03 stand den In Auepach 
ruDg gekommenen Jüngeren Linien des llubeuEullen 
wartachart auf die EurrürslIicheD Lande und die Mitbelehnnng mit denselben so. 
lo Aospach (Onoltzbacb) regierte damals (1054-— 1IJ67) Uarkgraf Alb 
JD Balreuth (Culmbacti) war nach dem Tode des Markgrafen Christi fto IfiaS 
dessen früu verwaister anmündiger Ente) Christian Ernst zur Begiernng ga- 
kommeo, für welchen bis eu seiner Volljährigkeit (Ili61J Euifürat F. 



t diese bestüligenden Ge- 
im beatäligenden One 
jnd Baireuth zur EUgia- 
cben Kurhanaea die 



lostraktion der Gesandten. 107 

wie andererseits für die Sparneckischen und Hallersteinischen Reichs* 
lehen, welche die Herren Vettern in Franken inne haben and besitzen, die 
gesamte Hand für den Ef. za suchen ist. Aach sollen die Ges. den 
Markgrafen Albrecht in der Kitz ingi sehen Sache ^) gegen Würzbarg 
anterstützen and bei dem Kaiser eine dem Vorschlage des Markgrafen ent- 
sprechende Resolntion answirken. 

In Betreff der Kanzlei -Gebühren ist nnstreitig, dass ein Knrfürst 
für Urkunden, die seine Kurlaade angehen, nichts za zahlen schuldig ist; 
die Aeqai Talente hat die letzte Wahl- Kapitulation ') ausdrücklich für tax- 
frei erklärt Für Pommern hat schon des Ef. Vater 1638 7000 Thaler, 
und überdies für die Hofämter jener so wie der jetzige Kf. 1642 ein Dop- 
peltes gezahlt, und da ihm überdies nur ein Theil von Pommern zugefallen 
ist, so ist er um so weniger verbunden, noch einmal für die Aequi?alent- 
lande zu zahlen. Alle diese Forderungen haben Ges. deshalb abzuweisen. 
Für Camin, obgleich dasselbe in dem Friedensschluss nicht ausdrück- 
lich zu einem weltlichen Fürstenthum erhoben ist, fordert Kf. doch, da 
laut des Friedensschlusses') selbst die Kanonikate nach dem Tode ihrer 
jetzigen Inhaber erlöschen sollen, dieselbe Belehnung wie für die übrigen 
Aequivalente. 



Die Geheimen Räthe in Berlin (v. Loben, v. Somnitz, v. Blu- 
menthal und Tornow) an den Kurfürsten. D. Colin a. d. Sp. 

4/ [14] Juni 1661. 

[Eventaelle Forderangen der Schweden.] 

Sie fragen mit Bezug auf t. Löbens Absendung unter anderm an: 14. Juni. 
Die Schweden werden, wie in Oliva so auch jetzt, es dahin zu bringen 
suchen, dass die mit ihnen zu Stettin 1650 (sicl) aufgerichteten Qrenz-Pacta, 
wie es mit den pommerschen Erbverträgen bei den jedesmaligen Beleh- 
nnngen der Pommerschen Herzoge gebräuchlich gewesen, vom Kaiser 
absonderlich confirmiert oder wenigstens die darin specificierten und dem 



Wilhelm und Markgraf Alb recht die Yormundschaft führten, 8. Bensohel, 
Des Darchleuchtigaten Char- und Färatlichen Hauses BraDdeoborg Stammbaum 
S. lUff. 

S. loatr. pacia Osoabr. IV § 23 und die genauere Darstellung dieses 
Streitea bei Renaohel S. 127. 

>) Wahlcapitulation Kaiser Leopolds I. d. Frankfurt 18. Juli 1658 § 17 
(Londorp VIII S. 354): .auch sollen diejenige Chur-, Fürsten uod Stände, 
welche vermog des Friedensschluss Länder haben abtreten und davor andere 
aoDehmen müssen, zu keiner neuen Cantzley- oder Lehngebnhr vor die über- 
kommene Hertzog- und Fürstenthumen uod Landen vor das Mahl aogehalteo 
werden, oder darzu einigerley Weiss verbunden sein.* 

') Instr. pacis Osnabr. XI § 5. 



! 108 



Die 



iii;r des Kurfürateti 



Kf. abgegreniten Orte dem Lehnbrief inseriert werden. iNon iet EWar flia 
Üntepschied zwischen Erbverträgeii und Grenz-Pacten, sie finden auch oicht, 
AnsB in den letzteren wegen der k:ii»erljehen ConRrtontioD etwas eoihalten. 
DemoBch bittet t. Loben um In^truktiuu für den Fall, dass sie bierunter 
einigen Beifall erlangen sollteu. 

Des Kf. Vorfiihrea haben bei den Fommerscben Belehnnngen noch 
1626 doranf gedrungen, dass wegen der Anwartschaft auf solche Länder 
ihre Abge.'andteu zur Mitberührung des P>angelienbu(hcs und Schwerdtes 
TcrslatteC werden möchten, sie haben aber solthes nicht erhalten, son- 
dern sich mit Anrührung des Uant«ls der Ponimerschen Gesandten be- 
gnügen müssen. Nun finden sii.'h in den Steltiner G reu z-P acte n die Worte: 
per coutactum »esilli und werden sieh die Schweden darauf beziehen, 
dagegen wird Löbeu die Worte: solitas solcuuitates und solito morc 
halten') und siib von dem alten Gebrauch nicht begeben, bis ihm deshalb 
Befehl des Eurfttrsten zukomme. 



Der Kurfürst an 



' Gelieimeii Uätlie ia Berlin. 1). Cleve 
21. Jimi 1661. 



[Auf die Relation Tom 4/14. Jnni. Oia Frage wegen CoDGrmalioQ ' 
pacteo Dud der üerimooieD hui der Belehaung mit Pommura ist dei 
anheinnoetelleo ] 



I 



— In Betreff dei 
durch den Kaiser haben 
kommen sollte, defcctn mi 
cnisrhuldigeii, und dase 
darinnen zu willigen hältci 
Gefallen stellen, was Sic 
Pacis gemäsi 



Coufirmalion der Stettiner Grenz-Traktate 
leh die Gcäaudten auf den Fall, wenn es vor- 
idii'i und dass sie darüber uirht instruiert zu 
e daher weder dagegen zu reden noch auch 
, sondern bie müssien es za lliro Kaiser). Maj. 
a hierunter für Ue'bt und sonst dem Instrumeuto 
iirden. Es würden doch ohne das olle Cunfirma- 



tlones salvo jure tertii nnd also auch dieses dergeetalt eingerichtet werden 
müssen. Was aber die Solemnia luvesliturae wegen Hinte rpommeru 
anlangt, sehen wir nicht, wie man von Schwedischer Seite, da i-ie nur die 
gesamte Hand an Hinterpommeru haben, dieselbe aber dem Reichs- 
berkommen uaoh anders nicht denn durch Augreifung des Mantels ge- 
Bcfaieht, ein mebres werde praeteudieren können, wiewohl auch endlich 



■) Der belreffenile PassDa dus Bt 
lautet: lade ubtento ab Imperalore 

qaatucir ante meosibuB ä Kegiae &1 
Saa Sereaitate Eluctorali BigniScaudi 




Greaivertragefl voo 16^3 (§27) 

ioTestttarae rcuoTBudae is similiter 

Bupradictum ■ 

it, quo ä. Regia Maiestua buos ad so- 

lactam vei:illi soleaai- 

rageudaa malare suiis ad aulam CaesaieaBi ablegara siuiultaneaiii<)ue 

inresIilDran] aiipcr iluvato nlletiariB Pomtrauiac cpisropatnqiie rnmiiiin-'aii tn- 

lilo more recipere poasit (Uaboerl, 1 8,140). 



J 



SckwedMche Ford«raagw. 109 

dergleichen Solemnim nicht so eigentlich uns sondern dfn Stjinm Cunne 
angehen, nnd so wird solches gleichfalls xn Ihr. Kais. AI. Verordnung 
stehen. Ges. hmben sieh aber darüber mit den Schwedischen in keinen 
DispntAt noch auch Ober die Grenz -Traktaten nnd die darin enthal- 
tenen Worte in Streit eiosnlassen, damit es nicht das Ansehen gewinne, 
als wenn sie diesen IVaktat dadurch auch approbierten. — t. Loben wird 
darüber mit den Kais. Ministris in Zeit conferieren nnd Torbauen, dass 
keine Nenernng uns lum Prajndix lugelassen werde. 



Lorenz Christoph y. Somnitz an den Kurfürsten. D. Colin 

a. d. Sp. 25. Juni/ [5. Juli] 1661. 

[ZasAmmeDkanfl mit dem Vorpommerschen Kaniler ▼.. SterDbach.] 

Er ist am 20. [30.] mit dem Schwedischen Kanzler tu Stettin *} in Zeh* r>. Juli, 
den ick *) zusammen gewesen. Derselbe hat angebracht: 1) Kf. hätte zu Oraf 
Dohna'), der neben seinen eigenen Geschäften aach beauftragt gewesen 
sei, den Kf. der Freundschaft seines Königs su versichern, gesagt, jener 
contestiere zwar seines Königs Freundschaft, er würde aber eben berichtet, 
dass die Schicicung aus Schweden nach Warschau^) su seinem Nachtheil 
angesehen, 2) der Franzose de Bourdeanx^) habe gegen Kf. im Namen 
des Schwedischen Königs Sachen ausgebracht, die das gute Vertrauen 
zwischen diesem und Kf. stören möchten, 3) Schnolsky habe ans Frank- 
furt berichtet, dass der Kaiser den Deputierten einiger Reichsfürsten ein Me* 
rnorial wegen der bedrohlichen schwedischen Eriegsrüstungen*) habe zu- 
gehen lassen. Sein König habe ihn beauftragt, die Nichtigkeit dessen, so 
Misstrauen verursachen könnte, zu weisen, und des Königs friedliche In- 
tention gegen Kf. zu bezeugen. Wegen der Schickung in Polen, so sei 
Graf Skitte^) aufgetragen, einige Sachen, die Polen und Schweden an- 

^) Der Schwedische Kanzler io VorpommerD Heinrich Goelestin v. Stern- 
bach hatte (d. Stettin 2./12. Juni 16G1) v. Somnitz aufgefordert, mit ihm zu 
einer geheimen Besprechung zusammenzukommen, v. Somnitz hatte (d. Berlin 
5./ 15. Juni) dem Kf. davon Mittheiinng gemacht und demselben angezeigt, dasi 
er gesoDoeo sei, dieser Aufforderaog Folge zu leisten, er wolle anhören, was 
jener vorbringen werde, und sich ihm gegenüber sehr vorsichtig halten. Kf. ge- 
nehmigt dann diese Zusammenkunft (d. Cleve 20. Juni 1061). 

^ Zehdenick an der Havel, Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Templin. 

*) S. über dessen Aufenthalt am Hofe des Kurfürstun zu Cleve (März — 
April 1661) ürk. u. Akt. IX S. 733. 

*) Gemeint ist die Sendung Steno Bjelkes, der Ende Mai IGGl alt schwe- 
discher Gesandter in Warschau angekommen war, a. Urk. u. Akt. IX S. 253. 
Diarium Europ. VIII S. 347. 

*) S. ürk. u. Akt. IX S. 737. 

^ 8. darüber Urk. u. Akt. IX S. 739 u. oben S. 55. 

Irrig, der Gesandte hiess Bjelke. 



v& 



110 



3. Die BeleliouDB des Rurrürsten u. a. w. 



gingen, zu tradieren, aler dabfi Huch Afbt za 
Bchaft mit Ef. nicht verletzt würde. Ltourd< 
der König, was derselbe nach seiner Abreise ai 
liehen Hofe geredet oder geschrieben, nicht für d 
Armatur sei notbwendig den Mosbowi 



tifaen, dass die Freand- 
anx betreffend könnte 
; Sehweden am kurfürst- 
s geinige erkennen. Die 
^enüber, mit denen der 



Stillstand nur bis in deu Herbst danre '), Er bethenerte darauf des Königs 
freundseh.'iftlii-he Gesinnungen ood bat Somnitz, Kf. zu ersuchen, da 
sein König mit demselben in engere Correspondenz zu treten wünecbe, 
Kf. möchte sich erklären, oh dergleichen fernere Correspondenz ihm ge- 
fällig und ob er jemand dazu deputieren wolle. Somnitz versicherte da^ 
gegen, dass anch Kf. zar Erhaltung des Friedens und der Freundschaft 
geneigt sei; was mit Bourdeau s p:i6sjert, wisse er nicht; dass Graf 
Schlippenbach sofort nach dem zu Oliva geschlossenen Frieden sich 
vermerken lassen, dass der Krone Schweden nicht angenehm sein würde, 
wenn El hing dem Kf. tradiert würde, wäre zu verschiedenen Malen be- 
richtet, auch erweckte bei m;inchen Nachdenken, daRS berichtet werde, der 
Friede zwischen Schweden und Moscan sei geschlossen und dennoch 
Schweden in ziemlicher Armatnr, zumal an Orten, die von Moscau weit 
entlegen, bestehen bliebe. Sternbach sagte dagegen, mit dem Frieden 
mit Moscan h;ibe es bisher misslieh gestanden, ihre Arm;ilnr, zumal in 
Deutschland, könne niemand ärgern. Peldmarschall Königsmark habe 
JD Bremen die VerpBeguug auf die Hälfte reducierl , in Pommern seien 
2 Regimenter zn Ross, welche, sobald der Friede mit Moscau richtig, eae- 
siert werden würdeu, ob Iteichsadmiral Wrangel herauskommen würde, 
sei sehr ungewiss. Graf Schlippenbach wäre dem Kf. bekannt gewesen, 
auf sein Reden wegen El hing halte mau nicht viel zn sehen. 

Wenn icli meine einfältige Gedanken sagen soll, ist nicht ohne, 
dass ea zum Theil auf ein Sondiren, wie man etvpa ^egen Polen 
und OeBterreicli gesinnt, angesehen gewesen sein mag, eonsten 
aber kommt es mir so fUr, als wenn die Leute was für hatten uail 
E. Cbnrf. D, sich gerne vorher versichern wollten, dann die Sincera- 
tion — war sehr gestudieret — auch that er, als wenn Schweden 
nircbtete, dass K. Churf. D. wider sie was fUrnebmen möchte, gestalt 
er dann einmal unter andern erwähnte, man müchte ja nicht daa 
praevenire spielen — , däuobte mir also wohl, dass sie was fQrhahen 
mässen, wohin aber ihre Intention gerichtet sein mag, desawegen 
konnte man aus seinen Üiscursen nichts gewisses nehmen. Von dem 
Muscowttischen Kriege und dessen Conduite auf Entstehung des 

') Aehalicbe rreundEcbaftliche und beruhigondo ErkliruDgen orbielten du- 
mala die Gesandten des Kf, v. Hovorbeck and v. DobrcKi^oski tn Warachsa 
von dem dortigen Bchwodigchen Gesandten Bjulke (s, dvron Berichte vum 4. 
D. 7. Jnai Urk. n. Akt IX S.mi. 259) und ebenso der damals von dem Ef. 
nach Stockholm geBcbickte v. t.edebnr (s. ürk. n. Akt. TX S.736ff.3. 



ZnsABMeBkiuifl t. Sonahs*« mh t. Steinbaek. Hl 

Friedens redete er anTerholen; wann er toh Reiehssaehen redete, 
wollte er behanpten, dass Schweden im Römischen Reich was ftknü- 
nehmen keine Lost hätte. — Wie ich ihm sag;te, dass neulich Ton 
Wien geschrieben y dass I. Kais. M. alle Werbung eingestellet nnd 
daher wollte geschlossen werden, dass die Siebenbürgische Sachen 
zom Accommodement kämen, hörete er was hoch anf nnd fragte, wo 
I. Kais. M. auf solchen Fall ihre Völker lassen würden, die sie schon 
in ziemlicher Anzahl hätten. Von den Polen sprach er also, als wenn 
zwischen ihnen nnd Schweden noch nicht alles richtig, weil die Grenze 
an der Düne noch nicht gezogen, auch weil er ftrgab, sambt hätte 
der Bisehof Ton Craco mehr Anhang in Polen als der jetzige Erz- 
bischof^ dänchte mir nmb so riel mehr, dass er nur umb ausforschen 
willen sokhe Fragen morirete, er hat aber Ton mir nichts widerliches 
gegen Polen remMumen. — 



Der Korforst an t. Loben. D. Cleve 12. Juli 1661. 

[ZMUuwakaaft n Zdideaiek. Mittkeiluig daroo aa Font Portim.] 

— Schon TOT seiner Abreise nach Wiea werde t. L. Terstandeo haben, 12. JalL 
dass zwbdiea dem SehwediseheD Kanzler io Stettin nod dem Kanzler 
ia EBalerpoMBem aat des Kf. Coaseos 20. Joni sl t. [20, Joni] zo Zeh- 
deniek eine CcMiferenz stattgefondea lul Der Schwede hat deo Wmseh 
seines Kdaigs osd der Krone, mit Kf. in Frenndsehaft zo leben, kand 
g^eben nnd conlestiertr dass sie das, was der Franzose de Bourdeanz 
znr Sedrang des gatea Yertraacas aasgesagt, fär das ihrige nicht agno- 
scierten, Yielm^r wünschten sie inic Kf. in engere Correspondenz zo treten, 
nad wollten ikm nanehialiclie Bedingungen anzeigen lassen, nnd jener hat 
n^efragt, ob Kl die Conferenz zar Anhormg solcher Y<vsehlage conti- 
aa iere a laoKn woiie. Kf. hat dies nfcht wohl deeüaiereB können nad 
Somnitz die Foftselzaag aa^ctragea % Ges. soll dieses dem Forsten 



Kt ««ist (d. Chfw 12. ud ^ JoU l^l) r. Sonnitz an, Sternback 
mhzntkeilea, dam er bennftrmgt mL eine ncae ZasaameBkiiiift mit ika sn kalten, 
ikn abcr^ dort aar za Tefneksca, la weickcr Weise ^€ aakara Cor- 
rastaarfe getnackt wcrdea foUte, vad sfck seiaerscfta aiekt aasza- 
laasea. Sosaitz k«ricktet ikm darmof (^. Oetober 1^1), er kabe Steraback 
Toa jenen Belekl^ des Kl Mittkeilaai^ geauckt, aoa dessen Aatwortea aber 
aä sa «raekettr »wie sie tob der rorkla geaaekten Caolcre&z abatefcen, einige 
Particalarpratcnaionen als iGe Waldeckxacke aad Bioreakiaalaeke treiben,* ca 
•ekeiae^ aia wollte Sternback an die Haod geben^ .dasa E. Ckl D. in Sckve- 
den ackBcken, aad Toa Ikrer Seite aoamekro defgieiekea Conferenz oder Cor- 
begefcren mdcktcaL* Danof erwidert Kt (d. Cläre IL Octob er 1651), 



112 3. Die BelehnüDg des KurfürsteD n. 8. w. 

Portia vertraulich, jedoch ohne Vorzeigung dieses Schreibens, com- 
municieren und ihn ersuchen, dass er solches dem Kaiser hinterbringe, 
sonst aber noch geheim halte, bis man yernehme, was bei dieser Conferenz 
vorgehen wird. 



V. Loben an den Kurfürsten. D. Wien 5./ 15. Juli 1661. 

[Ankanft io Wien. Tärkeogefahr] 

15. Jali. V. L. hat bei seiner gestrigen Ankunft in Wien den Schwedischen 

Gesandten Klej und den des Markgrafen Albrecht von Onoltzbach, 
Grafen von Hardeck vorgefunden. Neumann hat Nachricht, dass auch 
der Culmbacher bald eintrefifen werde. Die Türken haben eine neue Armee 
vou 40000 M. nach Siebenbürgen geschickt, denen zu widerstehen und auf 
alles ein wachsames Auge zu haben, Montecuculi an die Türkische und 
Graf V. Staren berg an die Siebenbürgiscbe Grenze geschickt sind, Sta- 
renberg aber, der nur 6000 M. bat, wird nichts tentieren dürfen. De 
Souches hält sich hier auf und wird wegen der Competenz mit Monte- 
cuculi wohl nicht nach Ungarn, sondern nach seinem Gouvernement zu 
Brunn gehen. Inzwischen giebt der Sultan viele Friedensversicherungen, 
denen man aber nicht traut, sondern in aller dienlichen Gegenverfassnng 
begriffen ist, auch an den Werken Wiens fleissig arbeitet i), so dass um 
die Stadt herum viele stattliche Gebäude, Klöster und Gärten umgerisseu 
werden müssen. PS. Der Kaiser hat sich mit einer Spanischen In- 
fantin versprochen, was noch ganz geheim gehalten wird. 



V. Loben an den Kurfürsten. D. Wien 24. Juli 1661. 

[auf das Rescript vom 12. Jali. MittheilaDg ao Portia.] 

24. Juli. Fürst Portia dankt für die Mittheilung, derselbe glaubt, dass die 

Schweden und Franzosen sich alle Mühe geben würden , das zwischen 
dem Kaiser und Brandenburg bestehende vertraute Bündnis wo nicht zu 
zerbrechen, so doch zu schwächen. Er billigt, dass Kf. die Fortsetzung 
der Yerhandlungen gestattet hat, man werde die Pläne jener besser daraus 
kennen lernen. 



er finde nicht nothig, dass Somoitz über die in des Schwedischen Kaoslers 
Schreiben berührten Punkte sich in Schriftwechselung einlasse, sollte von jenem 
ferner etwas Schriftliches an ihn gelangen, so solle er alles bis zn des Ef. 
Rückkehr anstehen lassen. 

*) Ueber diese damaligen Befestigungsarbeiten in Wien s. Diarium Europ. 
Vn 8.377; VH! S. 66. 



Erste TerbandlDDgQn. 113 

ns dem Diarium v. Lüben's niiii Neuiuaiin's über ihre Ver- 
liandlnngeii in Wien vom 5./ 15. bis 20./30. Juli 1661. 

Nach Uebergabe seines Crediti?B an den Oberkümmerer Grafen ». Lam- 
berg am 5./1Ö. Joli erhalt v. Loben am Nacbniittage des IH./I8. Audienz 
beim Kaiser, welcher ihm luftglichBtc Beschleunigung der ßelehimng zu- 
sagt, am 9./ 19. bei der verwitweten Kaiserin, in deren Namen Graf Ma- 
radas antwortet, während Erzherzog Leopold diirrli seinen Oberhofmei- 
ster Grafen t. S chwarzeuheig den Empfang negcn Utiwohleeias ab- 
lehnt. Schon am 6./ 16. bat Neumanu Abschriften der früheren Lehnsbriefe 
«od die üblichen Memoriaüeu dem Reichs- Hofrath übergeben, bat aber 
ZQgleith Ternoinnien, dass die neue Belehnung nicht in einem Lehnsbriefe 
rertringiert, sondern verGcbiedene Briefe auEgefeitigt werden bollten, damit 
den Krb- und Hofamtera die Kegalicn ni<:bt entgingen. 

7./17. Juli verbaudeJt Neumann mit Kleihe. Dieser erklärt, seine 
Nei^otiatoa bezwecke: I. Negotia regia, 2. Simnltan-Inveslitnr fiir Pomraeru, 
3. die Schwedische Belehnong mit den Rcichslanden. Die Simultnu-lnvemitur 
Dmfasse auch alle Stettiner Tractaten. Da er über die letzteren noch Infor- 
mation aus Stettin erwarte, so hoffe er, wir würden ihm Zeit lassen, zumal 
da über die Schwedische Belchnaug bei seiner vorigen Anwesenheit') zwar 
ein Projekt') entworfen wäre, bei dem es jedoch noch alleilei zq bedenken 
gäbe. Änch sei zur Theiinahme an diesem Schwedischen Actus ein Herr 
Sparr, aus einer der ältesten und vornehmsten Schwedischen Familien, 
bestimmt, der aber auch erst in 5 Wochen hier sein werde. Im übrigen 
wünsche sein König — und das hübe er schon vor v. Lcdeburs ') Ankunft 
ins Auge genonimen — mit dem Kf. gute Ficnudschaft und Nachbarschaft 
ra halten. Ueber das seit 14 Tagen herrschende Gerücht, als seien Irruu- 
I gen zwischen Dänemark und Schweden ausgebrochen, äusserte Kleihe 
sich dahin, Dünemark habe seine Miliz noch nicht aus Holstein abgeführt, 
auch in Holstein Contribation erhoben und suche auch Femeru an sieb zu 
bringen. Darüber habe Schweden in Copenhagen aich beschwert und er- 
warte Abhiilfe. 

Unter Bezeugung, dass auch der Kf. Freundschaft und gute Nach- 
barschaft wünsche, erklärten wir, dass uns aufgegeben sei, auser Geschäft 



If) Jnli 
18, Jali 



■' 



') Kleihe war schon Kode 1654 von König Karl X. Gustav nach Wien 
geschickt worden , um die Belebnang mit deu durch den VVeatßtischeD Friaden 
Schweden lugeralleDen Eteichalaodeu zu betreiben, halte aber scbliesslich nach 
Ernchtloeeu Verhandlungen Ul.'iT abreisen müssen. I^. lleyue, Üer echwedlBche 
Invesliluratreit S. 11 ff. 

^ Dasselbe ist abgedruckt in Bericht and Bewandois (aach lateinisch 
ersctiieneu unter dem Titel: RepraesenCatio Inter B. Caesaraaoi Uuestatem et S. 
pam Maiestatem actorum de aegocio investiturae etc. Stralsund 16US) Beil. U, 
' danach im Diarium ßurap. VllI S. 42i5 a. Londorp VIII S. Ö44. 
') S. Urk u. Akt. IX S. 7.S3ff. 



114 3. Die Belehnang des Kurfürsten a. s. w. 

bald EU beendigen, in Betreff des Stettiner Traktates uns defectu niandaii 
zu entschuldigen, uns aber gefallen zu lassen, was der Kaiser darin für 
Recht erklären werde; übrigens yerlange nicht einmal der Stettiner Traktat 
die Inserierung der Lirent-Convention in den Lehns-Akt. 

Vom 13. / 23. — 16./ 26. Juli verfassen und überreichen die Gesandten 
dem Reiohsbofrath die Anträge (Memorialien) wegen des Kf. eigner Be- 
lehnung and wegen der gesamten Hand, wobei ihnen der Präeedenzstreit 
des kürzlich mündig gewordenen Markgrafen Christian Ernst Ton Cul m- 
bach mit seinem Vetter AI brecht von Onoltbach SihwierigkeiUin be- 
reitet« da die Gesandtschaft des Culmbachers deswegen erst nach 6 Wochen 
iH>. Juli, eintreffen will. Am 16./ 26. Juli meldete sich Kleihe an and stellte in 
zweistündigem Discurs 9 Forderuniien auf: 1) vertraaliche Besprechung 
wegen der gesamten Hand unter gegenseitiger Mitiheilung der Instruktionen, 
2^ in den Lehnsbrief des Kf. sollte bei solchen Landen, in denen Schweden 
die Anwartschaft und gesamte Üand zustehe, diese Expectans mit inseriert 
werden, damit die ferbündeten Häuser*) nicht deswegen mit Schweden 
in Streitigkeiten geriethen. 3) Vorlasse des Antrages, den Ges. wegen den 
Investitur- Akts machen v^ürden, 4) ob man des Königs dabei gedenken 
werde! 5^ im Pommorsrhen Lehnsbrief sei des Schweden Eokommendeu 
Halbscheids der Licenten zu erwähnen, 6) Mittheilung. wie man in demsel- 
ben über das Herio^thum Pommern sich äussern wolle ^ 7) ob wir befeh- 
ligt seien, die Confirmation des Stettiner Recesses zu begehren? 8) Kf. 
solle sich vorpflichten, nioht nur in direkten Aoschreiben, sondern aoch einem 
Hritten gegenüber den König M«gesta$ statt Regia Digoitms zu nennen; 
in solchem Fall werde Kleihe dem Kf. in der Vollmacht ao den RHof- 
rath das Prädicai Serenissimus Celsissimns geben. 9) wie in vorigen Zeiten 
zwischen den Kurfürsten und den Hcraogcn von Pommern, so solle es anch 
im Pommerschen Lehns briet zwischen dem Kf. und Schweden in Betreff 
der gesainten Hand gehalten werden. 

\Vir erwiderten: ad T beim bevorstehenden Lehnsnegotian wäre es 
von uns auf alle von Kiiser und Keirh dem Kf. zostehendeo Lande ab- 
t;c<ehcn. in weh heu tcnnnis «ir piäcise verlvleiben würden, der kgl. Ges. 
.iber werde, was er rat4one simuhineae Investiiarae dabei zu ferrichteiu 
.lUi'h wohl in Avht tu nehmen wissen. Kf. habe seiner Obliegenheit ge- 
mäss dem Konige zu rrchicr Zeit Na« brich: gegel^n und werde auch sonst 

^ Sachsen a?.«i Hessen, d^a^n knf^ d#r Krttverbradema^ mil d«ai Bran- 
o^tibcnpech^a Haaite o> Ar.wart«oh*() *af «Seesen I.a««äe tostaad. NacMem 
«:.;rck d#a K7^r«rtr4f ain «a«r. Heriof^a rcva Ponnera rom :)0 JaÜ 15T1 (s. 
Bericht «cd Be«aa«{aif ^K^pr«ee«atal:.^ B^il R Kaifir«! Jokaan G«org 
«i.^sea d^ Aa«4r:«c^«^ tk-^( d\if NesmaH^. o*s La^d Steraber^ a. *. w. aoft- 
fprwvkea kaiu. war ^r. «i*r Krceseraa^ ;es^r Kr^T^rfr^ierua? ,d. Naambaig 
.V y«rf 1<Mr 4iee«« Aa^K-lit der IVwweT^-'kea Herv .vc« aaf jea« Land« aaa- 
dräciltc^i aa^ckaaat vc^rd^n .Berückt «sd Be«aaaa*.s ^S^fraef«atatio) Heil TX 
\ fi\. Sc^c:fe. IV.« ll4K*)p»#^s>e d<r ^r^f^^r^ad^a <:e«:a<Wa Fanteakäaatr II 



Verhandlungen mit Kleihe and Sehfits. 115 

tllem, was den Pactis gemäss, nichts in den Weg legen, 2) der gesaoiten Hand 
Sehwedens im Knrf. Lehnsbrief zn gedenken, wäre nicht Herkommens. 
Was jener wegen der Erbyerbrüderten anführte, gehöre nicht hierher; das 
Instromentom Pacis zeige ihm, was es damit für Bewandnis habe. Der- 
gleichen so movieren würde ohne das beim RHofrath nur zn Weiterungen 
Anlass geben und ich, v. Loben, hätte Befehl, bald möglich mich zu ex- 
pedieren, ad 3) würde nur in generalibus bestehen und Schwedens in spe- 
eie nicht gedenken, ad 4) die Requisita der Belehnung würden im RHof- 
rath examiniert, ad 5), 6) und 7) wären wir nicht instruiert, ad 8) der 
Titulatur wegen würden wir alles an den Kf. berichten und dessen Befehle 
erwarten, der Gres. würde am besten thun, diejenige Vollmacht einzuliefern, 
wodurch dem Ef. am wenigsten zn nahe getreten wird, ad 9) was zwischen 
dem Kf. und den Pommerschcn Herzogen vorgegangen, sei vigore pacto- 
rum initorum geschehen, jetzt liesse man es bei demjenigen, was die pu- 
blica und andere pacta mit sich brächten, denen man von Seiten des Kf. 
zu inhaerieren begehre. — Kleihe bedauerte, dass wir in einem und an- 
deren uns nicht anders erklärt hätten, lehnte auch unsere Einladung, bei 
uns zn Mittag zn bleiben, mit seinen Geschäften ab, Hess sich aber um 
4 Uhr bei Neu mann zu Besuche anmelden, was dieser aus Besorgnis, 
dass jener ein anderes zn Dispntat bringen würde, ausschlug. 

Kleihe betreibt jetzt die Simultan -Investitur, hat deswegen um eine 
besondere Audienz nachgesucht nnd trachtet danach, nachdem er unsere 
Auslassungen vernommen, sich beim RHofrath zu insinuieren. Deshalb 
wurde für gut angesehen, dass ich. Neumann zum RHofrath Schütze, 
welchem in Abwesenheit des H. Linden spührer das von uns eingesandte 
Lehnsbriefs - Project übergeben worden , mich verfügte. Ich bemerkte 
ihm, dass Kf. die vom Kaiser ertheilte Anwartschaft auf Schwerin und 
Ratze bürg freudig aufgenommen habe, aber gegen die beabsichtigte 
Sonderung der Aeqnivalente in einem besondern Lehnsbrief remonstrieren 
müsse, da diese Lande nur ein Surrogat für das, was Kf. amore pacis 
in Pommern aufgegeben hätte, seien, und fragte, in wie weit er sonst 
mit unserm Entwürfe übereinstimme. Schütz antwortete: In Betreff 
Schwerins und Ratzeburgs wären im RHofrath allerhand Bedenken pro 
und contra vorgekommen, über welche zu entscheiden man dem Kaiser an- 
heimgegeben habe (N. weiss, dass der Kaiser zu Gnnsten des Kf. entschieden 
hat). Auch wie der Lehnsbrief einzurichten, beruhe auf des Kaisers Willen. 
Wie man Pommern, magnum tractum Gerraaniae, in den Kur-Lebns- 
brief habe inserieren können, befremdete viele nicht wenig. Weil aber 
Kaiser und Reich hieran soviel nicht gelegen wäre, so stünde dahin, was 
der Kaiser thun werde. — Auch verspüren wir, dass man das Herzog- 
thom Magdeburg, weil es im Instr. Pacis nur als eine Ezpectanz be- 
zeichnet ist, nicht ebenso wie die bereits in Besitz genommenen Aeqniva- 
lente in den Lehnsbrief inserieren will , und bitten wir Kf. uns darüber zu 
instruieren. 

PS. 1. D. Wien 20./30. Juli 1661. 

8* 



I 



3. Die Btilehnung des Kurrürelen u, a. w. 

,i. Vorgestern war Kleihe \viederura bei Neunianri und erhob gegen 

nnser Vorgehen allerlei Einwendungen, namentlich forderte er mit Beru- 
Tnog auf eine Urkonde und gethane Versprechungen, dass er beim Lehns- 
akt mit den übrigen LehnB-Ernpfängern oiederkniee, das EvangelienbucL 
berühre nnd den Knopf am Schwerdte küäse a. s. w, loh erianerte 
Kleihe, er möge dem WeEvn Eeiaea Lauf lasEen und vor der Zeit nicht 
unnöthige Sorge tragen; es würde im RHofrath alles adjustiert werden, 
deo Bchwedeu günstigen Urkuudeii stünden lieBiilutioaen entgegen, oaih 
welchen Usns und Obserfanz iu i'ontrarium liefen. Kleihe sucht mit Pleisb 
Gelegenheit, das Lehnsaegotlutn in Coaferenzen und dadurch in Weit- 
läuftigkeitea zd ziehen, was wir abzuschneiden uns möglichst bemühen 
wolteu. — 

i. Gestern haben wir beim Fürsten Portio Visite abgelegt und ihm die 

Lehns-Soche recommendiert. Portia oontestierte, dasa, indem er dem Kf. 
zu Willen sei, er auch des Kaisers Nutzen förderte. Kf. werde nicht be- 
reuen, dass er mit dem Kiüser in gutem Vertrauen stünde; man würde den 
Schweden nicht mehr einräumen, fils was ihiieu vermöge des Instr. i'ac. 
gebühre. Er empfing uns oben au der Stiege und begleitete uns bis au 
die Kutsche, wie auch Tags vorher Fürst Lobkowitz gethan. 

i. FS. 2. Nach Abfassung obiger Relation meldete sich Herr Johann 

Ludwig Herwig ämoldt gen. Schütz und brachte an 1) der UUot- 
r;i(hs-Secret:ir hätte ausser Befehl die kaiserliche Resolution wegen der 
Expektanz anf Schwerin und Ratzebnrg herausgegeben, welche man 
deshalb gerne geheim gehalten haben wolle, damit es nicht durch allzufrühe 
Eröffnung ku Coutradiction anderer gerathen möchte, zomal Sachsen - 
Lauenburg bei den Friedens-Traktaten auf diese Lande praeteudiert 
und es durchgesetzt habe, dass .lein frotest dem Instr. Fac. inscrieit 
wurde '), wogegen vom Kf. nichts eingewendet noch auf die den Schweden 
in Mecklenburg zugewachsenen Länder etwas bedingt sei. Falls nun 
auch S. Lauenburg eine Prätention darauf nicht zustände, so würden 
doch diese Lande evenicnte casu et in defectum domus Merklenb. Kaiser 
and Reich heimfsllen, wo dann der Kaiser dieselben dem Reiibe zu In- 
corporieren verbunden wäre. Nun hätte aber der Kaiser in Consideration 
gezogen die grossen und hohen Merita des Kf., indem er durch Hingebnng 
der vornehmsten Theile der Pominerschen Lande das ganze Reich obli- 
gierct, und wolle ihm daher desto eher in solcher Anwartschaft condes- 
ceudteren. 

2. In üetreQ' des Lebnsbriefes seien zwar die Aequivalente statt 
Pommerns gegeben nud Pommern im Hauptbriefe begriffen; das .sei aber 
darum .geschehen, weil der Kf. und sein Vater noch nicht in possessione 
solcher Lande gewesen, um bei obhandenen Kriegsläufteu ihre jnra desto 
mehr ed bestärken; jetzt sei alles in sicherm Stande, die Aequivalente aber 
absonderliche Herzog- und Fürslenthüoier, welche auch absouderliebe Ses- 



') S. lofltr. Pacis 0«nBbr, XII § 1. 



Verhaadluugeu mit Kleide and 8cliülx 



117 



I aioncs ond Vota anf dem Reicbslage führten. Docb stüuilc es den Ges. 
, solche rationea anzaführea, welche den Kaiser uod RUofratli bewegen 
lanöchteD, alles in Einen Lebnsbricf kommen za lassen. 

. Die über die RecorapeiiRländer cctheilteo Lehosbriefe würden cum 

infiertione textQum Instrumenti fac. expedicn werden. Dass der Kaiser 

hiervon nicht abgehen künue, habe diesen Grand, weil der Stadt Bremen 

aaf keine andere Weise pro tuenda libertate et [mmedietate Imperü könnte 

geholfen werden, daher auch die Schweden Eich dem Entwurre dieses Lehns- 

brieres heftig widersetzten, der Kaiser aber davon nicht ablassen woJUe. 

Wollte man nun dem Kf. willfährig sein, so würden die Schweden sofort 

gleiches verlangen und die Stadt Bremen in Gefahr bringen, um deren 

CoDservation der Kf. sich so dringend beim Kaiser verwandt habe. Auch 

&ei das Project des Lebnsbriefes so eingerichtet, da.sB es in anteceüen- 

qa:iin seqaenttbns anf ganz Pommern, wie es 1638 nnd 1642 ver- 

I lieben, lante, obzwar dieses in mcdio etwas restringiert würde, welches die 

Schweden , wenn ^ie Communication des Lchnsbriefes begehren würden 

stünde dahin, ob man ihnen dieselbe abschlagen könnte, — nicht 

I eingehen oder zugeben würden. Man hätte sich sonst zwar wohl zu ver- 

I sichero, dass man ihnen nichts übriges einräumen würde, es wäre hingegen 

[' bekannt, wie sie bald, wenn man ihnen irgend wie nahe kommen wollte, von 

I eoDtraventtones Paeis zu reden anliugen; mau diirfe ihneu d.izu keinen 

I Anläse geben. 

4. wiirde sonderlich auch wegen MagdebargR dem Instrnmento Pac. 
[ nachzugehen sein, in welchem dasselbe als eine Expectanz bezeichnet sei, 
I Und könnte der Kaiser davon nicht abgehen in Erwägung, dass der jetzige 
I Administrator dieses Land noch in Possess habe, auch unlängst dittnit be- 
sci. Wollte man diese Especianz dem H au pllehnsb riefe inseriert 
l'Wiisen, so könnte derselben an dem Ort, wo der Expectanz auf das Her- 
(sogtham Mecklenburg Meldung geschehe, gedacht werden. Wollte man 
f «uf Aueferligung eines Lebnsliriefes allein beharren, so müsste tnan beim 
l Kaiser per memoriale einkommen, damit es demselben per votum könne 
1 vorgetragen werden, nnd alsdann könnte iiber die Eiuricbtong desselben 
I gesprochen werden, uns anheimstellend, ob wir ein anderes Conccpt dem 
l BHofrathe darüber vorlegen wollten. Damit aber dies ganze Kor- und 
I Fürstliche Lebns-Negotiom desto füglicber eingerichtet und dem Kaiser auf 
reinmal vorgetragen werde, wäre von nöthen, dass aach wegen C ulmbachs 
ftdie Requisita prodnciert würden. Zwar habe der Kaiser wegen des aus- 
Mhreibendeo PUrstenamts sich für Onoizbach resolviert, doch erwarte 
n Kf. als Caput familiae Anträge, wie beide FUrstenthümer zu ver- 
gteicben seien. 

Hierauf wurde von uns in kurzem i 
kaiserl. Resolution nicht ausbreiteu, 
Eax natara snrrogatorum judiciert werden, 

Baudere Bewandoiss als mit anderen, da Kf. im vorigen Lehnsbrief ganz Pom- 
rmern erhallen , ad 4) Magdeburg sei ulcht Anwartschaft, sondern ein dem 



D geantwortet: ad 1) man werde 
ad 2) Aequivalente könnten nur 
ad 3} hätte < 



]^g 3. Die BelehDong des Eorfärstea u. a. w. 

Kf. bereits gehnldigtes Herzngthnni, weon oucb Kf. die Nntzniessung 
ad dies vitae dem Admiuistrator riiclil streitig machea wolle. Ein neues 
Projekt darüber obzofasi^eu, erscbeiae ihDen bedeDklieb, doch wolle Neu- 
mann sich in seinem Hanse mit dem Secretar darüber besprechen. Auf 
Culmbarh sei nicht zn warten. 

Schutz, indem er dies dabin gttstcllt sein liess, gab za veTetehen, 
dass, nennglei'b »lies in GineD Lebnsbrier gebracht würde, Ef. doch 
der Entrichtung der Hegalieii für die Erbärater wegen Magdeburgs, Hal- 
beretadts, Mindens und Cumins siib nicht entziehen werde, sprach 
es aber nicht nuediücküch aus. so dass wir es unbeantwortet li'is^^en. Dar- 
auf kam er auf das Laudemium, welches der Bdofrath wegen Magde- 
bnrgs begehrt: Annu 11)38 habe des Kf. Vater die Zahlung unr deshalb 
anstehen la^seii, weil er noch nicht zum wirklichen Possess in Pommern 
gelangt sei, der KHofrath bofTe daher, Kf. werde das I.andeminm jetzt ab- 
führen iH&sen, und stelle dessen Betrag dem Kf. als einem „mildt-eichen" 
Heim anheim. Wir Tersprachen in unserer Kelation dessen zu gedunbeu. 
Der RHofrath bcbauplet, dass alleä, was lü'dS bezahlt, der Kanzlei 
zugekommen .sei und er, der KHorrutb, daran gar nicht participiert 
habe. Bei diesem ersten Lebns- Negotium nach dem Friedensschiasse 
ibSten sich allerhand Difficultäien vor und noch andere dürften sich bei 
Abfa^Enng des Lelinsbricfcs zeigen; wenn mau nun den RHofrath, der 
an den Etnolnmenlen der Kiinzlci nicht participiert, nicht bedenke, so 
könnte dieser lei< ht iliudernisse bereiten, welche Zeil- und deshalb grossen 
Kostenaufwand verursaulieu mächten. 



Die Gesaudtcii an den Kurfiirsteu. D. Wien 3. August 
8t. n. 1661. 

[Verhandlungen mit dem Rsichshofrutli .ScbiitK ] 

RHofrath Schütz hat heute bei v. Loben ?orgebracht, dass gestern 
Kleibe den Kaiser sebrifilich, den RHofrath mündlich I) um Abschrift 
aller unserer Eingaben, 2) um Zulassung zu dem lür unsere Belohnung uu- 
gesetet«n Termine mit Bezug auf die Simultan - Investitur gebeten, auch 
gefordert, dass bei der Belebnang nuf Urund des tou Kaiser RudolT (d. 
Regensburg IS. Aug. 1&04] den Herzogen ?on Pommern ertheilten Privi- 
legiums sämtliche Oesiindte neben einander auf den Knieeu das KTaDgelieo- 
boch berührten und den Knopf des 8chwerdtes kUssten, dass ferner 3) dio 
Stetlinischcn Pacta den Lehnsbriefeo inseriert, auch 4j das sogen. DJrec- 
lorium Ceremoniarum ihm, Kleibe, ausgeantwortet werde. Weil dies nun 
morgen dem Kaiser referiert werden solle, die Punkte aber wichtig und 
dem Kf. nachtbeilig sein könnten, so hätte man gemuss dtm zwisrhcn dem 
Kaiser und Kf. herrschenden Veitrauen erst unser Sentiment darüber ver- 
nehmen wollen. V. Loben bat Schütz gedankt und veiheissen, dj 



Verhandlangen mit Schäte- 



119 



NcariianD sith (tarülier mit ilitn besprechen solle, dulici aber bemerkt: 
ad 1) Sfbeiue Kleihe nur Gelegenheit zu sacheu, ilurch aufgelunUeiio 
Scrnpel die Sa< hc auf die lange Bank zu ecbieben, wie er sebou dariu 
kuud gebe, dnss er Auriscbub bis dabin verlange, da^s der Principal- 
Gesandte Fb. v. Sparr, von desseu Aufbruch es noeh still sei, imgi-langt 
wäre, nnd die iScbwedi-icIie Uauptbelebnang über die iu DeuUchlund gele- 
genen Lande vorhergegangen sei, wogegen sie befehligt seien, sobitld nur 
der C ulmbacbische Gesandte gekommen wäre, die äusserete Besehlen- 
iiigniig zu betreiben, nd 2) hielten tie dafür, üass der Kaiticr iiiehl dartin 
willigen werde, weit ts gegen das Herkommen nnd auch den kurfürstlichen 
GeGüDdten bei den BelehnungCQ mit Pommern nicht gestattet worden sei, 
ftDch IKge darin ein Präjudiz für die Vettern des Kf, iudcm zu besorgen, die 
Suliweden möchten diesen Actos Für eich erzwingen nnd jenen gar eiu.sC 
in der Sncression vorgreifen wollen. Wir Ges. würden nns der Belebnung 
I enthalten, ehe wir dergleichen nacbtheilige Dinge gestatten aoll^n. Gegen 
4 wäre nichts einzuwenden. Dass der Stetliuischen Pacta im Lehusbncfe 
gedacht werde, werde Kf. uiclit gcetatlen. 



Die Gesandten an den Kurftlrsten. 
at. n. 1661. 



D. Wien 6. August 



[Weitere Verbandlnngea mit Schüti.J 

Neumann hat gestern roitSebUtz das zwischen diesem und v. Lö- i 
n Verhandelte nochmals besprochen. Ea sei zu befürchten, meinte er, 
da!.s wenn die Schweden die Slmultan-Investitur, auf die sie ao dringen, 
nrg hätten, sie nm die Hauptbelehnnng, woran Kaiser und Reich be-on- 
deres Interesse h^ben, aii'li nicht bekümmern dürften. Zwar könne ihnen 
die iäimnllan-lnvestitur nicht denegiert werden, wenn sie binnen einem Jahre 
I aach extradiertem Olivischen Frieden gefordert würde. Da aber dieser 
I Termin am 4. oder 14. AngoGt zu Ende gebe, stünde ea beim Kaiser, ob 
er ^ie ihnen später gestalten wolle. Kf. fürchte aber, dass die Schwe- 
den, nftcbdem sie dieselbe erlangt hätten, nicht allein den posteris, son- 
dern auch dem KT. selbit allerhand Einträge in den anfälligen Ländern 
ond deren Adminisiralion machen werden. Der nächste Weg , allen zn 
besorgenden moris vorzubeugen, werde sein, wenn die Investitur des Kf. der 
SimultaD- Investitur vorhergehe. — Der RHolralh, welcher vorgestern und 
gCbteru das Lehnsuegotium berietb, bat beschlossen, der Kaiser könne 
uicht zugeben, dass der Schwedische Gesandte dem völligen Actus Invcsti- 
turne, zumal wenn Kf. mit der Kor belehnt würde, beiwohne, daher müssten 
3 Actus gebalten werden 1} weisen der Kur, 2) wegen Pommern und 
. Camin, 3) wegen der anderen Lande; auch die Regalien für die 
■£rb- und Hofaiuter würden sich dann leichler bestimmen lassen) die ver- 
(schiedenen Actus nach Neumann g Vorschlage in Einen Lehnabriei zu 



120 



Dil! Belehuiiiip dea Kurrürslen u 



briiigeo, hat mau nicht für iliuntir'h geheilten Ges. ratheo, Kf. möge 
2 Actus, eioen für alle anderen Lande, den anderen für Pommern gestatten, 
dann würden die Regalien nur für Pommern zu zahlen sein. Freilich 
württen die Schweden wegen der im Stettiner Traktate gewonnenen Ai 
eprüche aof Märkische Gebiete anch bei der Investitur der Rurlande hii 
zugezogen werden müssen. Dieser üebelstand, der anch dem Kaiser nichi 
genelim sei, werde jedoch beseitigt, wenn die Schweden zuerst zum 
pfnng der Reirhslehen nufgefordert werden; dem würden sie nicht nach- 
kommen, schon weil der Princtpal-Gesandte nicht zur Stelle ist, Kf. sei 
dann nicht schuldig, auf diese Belehnung zu warten, der Kaiser ebenso 
tvenig, die Schweden zur Sintultan-lnvestitnr zuzulassen, ehe sie sieb dem 
Reiche verpflichtet haben. Kf, wolle beslimmen, ob im Lebnsbriefe das 
Uerzogthum Stettin auszulassen, dn man nicht genau wisse, was dazu 
(lehört, und ob für den Pupillen"), da v. Stein noch immer nicht ange- 
kommen ist, ein ludult zu fordern sei, damit durch ihn die Belehnung des 
Kf. nicht aufgehalten werde, — 



-l^A 



Der Kurfürst an die Gesaudten in Wien. D. Cleve 
16. Augnst 1661. 

[auf das FS. vom 20./m Juli, Verballungsbefehle.] 
r. In dem Streite zwischen Onolzbach und Buireuth hat Kf als 

Vormund eine Interims- Verordnung gemacht. Da aber um 27(en die Vor- 
mundschaft endet, »o wünscht Kf , dass bei diesem Actu In?estiturae beide 
Theile sich so betragen möchten, damit der Streit zu des Hauses Rcspect 
und ohne Aergernia zu Ende gebracht werde, Ges. sollen den Kaiser 
zur Ausstellung einer Erklärung zu bestimmen suchen, dasii, obgleich Onolz- 
bach diesmal Culmbach vorgehe, solches der B aireu ihiscben Linie 
zu keinem Praejudiz gereiche, zumal da bei Empfahnug der gesamten 
Hand an den Kur- und anderen Landen des Kf, Baircuth ohne das dem 
Hause Onolzbach vorgehe. Ges. sollen auf Einen hehnsbrief beEtehen; 
Kf. ist zufrieden, dass der Belebnnng mit Hinterponimern hinzugefügt wird: 
„wie es im Instr. Pac. enthalten und wegen der Grenzen in Stettin 1653 
verglichen ist." In Betrefl' Magdeburgs sollen Oes. eine Abschrift des 
dem Administrator ertbellten Lehnsbriefes begehren und examinieren, ob das 
Instr, Pac darin angezogen ist. Mecklenburg und .Magdeburg dfirfea 
nicht zusammen geateilt werden, da Kf. auf M ec kl enburg erat nach Ab- 
gang des ganzen MannsstHUimes mitKUspreihen hat. In Betreff des Laude- 
I erwartet Kf., was deshalb vom RHofrath praetendiert wird, Ges. sollen 
ihnen ihrerseits keine Hoffnung geben. Bei dem Acte der Investitur kann 
Schweden niiht mehr praeteudieren als des Kf. Vettern Dem G«;«Dche 
der Schweden nach einer Coufirmation des Stettinischen Grenz-Tractats 




th s. ober 



S9, 



I 



VerliaodluDgeri über die schwodischen Fufdernngen. 121 

sollen sie nicht wiilersprethen. Sie sollen auf deo Empfang der Lehu, 
Bo weit 63 die Kur-, die Länder iu Reiche und in Böhmen betrifft, so- 
fort bestehen, woranf v. Loben »ich sogleich Earücksobegeben hat. Wenn 
man aber wegen Pommerns ani kais. Hofe nicht eogleicb fertig und einig 
werden kiinn, so soll Neumaiin solches ferner allein respicleren, und kann 
der Ilaupt-Lehnsbricf so lange ausgestellt bleiben, bis man wegen l'animcrns 
in Ricliligkejt ist. 



Die Gesandten an den Karfilrsten. D. Wien 10./20.Angust 1661. 

[Weitere Verband loDgen mit Wolkeostcin nod ScbätK wegen der schwedischen 
Fordernngen]- 
Dcr Vicepräsident t. Wolkeustein nud RHofrath Schütz habend Aa| 
DOS gestern in einer Conferenz im Namen des Kait^ers ercitTnet: der Kaiser 
wünsche, wie iu anderen Dingeu, so auch dann dem Kf. in wülfahren, 
daee die Belehuug fdrderiii;hst nnd unico actu geschehe, aber die Postu- 
lat« der Schweden enthielten mehrere Formali;i nnd Materialia, vor deren 
Aosgleichung der Lehnsakt nicht vor sich geben könne. Formalia: 
Scliweileu »erlange mit den Agnaten ad conlrectationem evangelÜ et gladii 
engelassen zu werden und begründe das auf eine zwischen Brandenburg 
and Pommern früher geübte Observanz, auf die Ob5ervanz des kaiser- 
lichen Lebiishofes nnd anf den Stetlinischen Kecess, in welchem dies ans- 
drucklieh Si'bwedeu zugesagt sei. Nun sei dem K<iiscr die Ob^ervan/. 
•wischen Fummern und Brandenborg nicht bekannt, am Eaiserbofe fände 
«ch aber bei der Eanilei das Contrarium, es habe nämlich 1626 Eurflirst 
Georg Wilhelm auf sein .Anbringen wegen der Solennien den Bescheid 
erhallen, dass zwar dergleichen in den Lehusbrief eingerückt, niemals aber 
sur Wirklichkeit gelaugt sei. Der Steltiniscbe Recess sei vom Kaiser 
laicht ratificiert, obgltich beide Theile die Ratification desselben reserviert 
lätien,') auch werde die Ratification von keinem Theile gesucht, dieser 

>} Der betieCTeDde Passus des Stetliner ßecessee (§ 2!i) lantet (Däboerl I 

i. H3): Caeieroni tum S. Ret^iae Maiestali Kegnoqoe iiueciiie per Instrumentnm 

:iB non modo Citerior Pomeraniik el Rugia — — ac simollaoea investituru 

reliquam eiasce ifsrlem, sed etirnn omnia aatecegaorum Dacam FumeraDJae 

t sc expectBDtine atque ila quuque especlanllH et tiiDinltanea iuvealilura in 

i-Marobiam necaoD et in castra Vierraden ac Löckeoiti eoriimque adperli- 

pbentia bona eis MarcbicoB fines in Foinerania sita coucessa et collaln sin). 

lUSto et expeciaDtiam iub S. CueHareae UsieslatiB rali- 

Drandenbnrgicae ejusqae sncceBSores ueciion agnatt 

lea — — hiace deauo coaaeDtiaiil idqne cam declaratioiie seqaenli: nempe 

:ontingal — S. Klectorem Brandenbnfgicuai eiuaqae tolam dumum el familiam 

felectoralem ubsque prole mascula deficere, quod eo casa S. Regia Maieslae Reges 

Begnumqae Saeciae in basce ditiones sucoedere earamqne vacuam posHeaaioDem 

praevia anprkdiuta (Jaesarea calificatiooe — — orripere, interea antem casu eroa- 



3. Die BelelinunK des Knrrürslen n, b. w. 

Hcress köiiiie abo vorläufig Kaiser und Beicli iiinlit binden, diiü der KaiBer 
sei nicht gesonnen, aus dem HerkonioiPD zu Bchreitea und Schweden das 
einzaräumen, was man des Kf. Vorfahren zu vergönneD Bedenken getra- 
gen. ÄdMaterialia finde der Kaiser bedenklieh, die Verleibung utji< o aeto 
yorzonebnien, die Espectauz auf die Neumark widerspreche der Verpflich- 
tung des Kaisers, vorn Reiche nichts zu veräussern, zugleich anch der golde- 
nen Bulle, wonach die KurUnüe ungethcilt bleiben sollen. Der Kaiser 
wünscbe aber zu wissen, ob Ges. es fiir den Kf. für zuträglich erachwten, 
den Actum zu tbcilen, oder wie Eie meinten, dass die Schwedischen Forde- 
rungen abzuwenden seinen. Wir antworteten: wir stellten die Forrnali» 
in des Kaisers Eikentnif, meinten aber, dass die Forderung an die Schwe- 
den, vorerst ihre eigenen Feuda zq suchen, altes beseitigen werde, dngegcn 
eiklärten wir uns gegen die Trennung der Actus nnd für sofortige Beleb- 
nnng des Kf. Der Krone Schweden könne per dccretnm versichert werden, 
dnss ihr diese Belohnung nicht praejudiiiere, sondern, wenn sie ftir ihre 
eigene Lehen praestunda pr;iestiert, ihre Befugniss offen gehalten werden 
solle; ich, v. Loben, hielte mich schon bis iu die sechste Woche hier auf, 
der Kf. bedürfe meiner und ich müsste anf Bebcblennigung dringen. 

Jene bestanden dennoch auf Theilung des Actus; dem Kaiser würde 
es schwer, anders zn verfahren, nachdem Kf. einmal selbst den Schwe- 
den die Theilnahme bewilligt habe, die Schweden aber, wenn mau 
ihnen dies direkt itbscbliige, Ursache nehmen könnten, mit ihrer Belehnung 
zum Nacbtheile des Reiches zDrürkEuhalten, die Simultiin-lnvestitnr über 
Uinter- Pommern und Cnniin wolle der K:iiser, iodero er nur so weit sich 
erkläre, als das Instrumcntnm Pac. es verlange, so reslringiereu, dasB es, 
nuUo colore, nicht weiter sollte cxtcndiert werden köuneo. Schliesslich 
Iheilten die Kaiserlichen vertraulich mit, dasB sie befehligt seien, mit dea 
Schweden in Conferenz zu treten, doch nur aber einige Formalia. Heule 
Morgen hat Schütz an v. Loben geschricbeu, die Relation an den Kai- 
ser sei concipieit, der gesamte KHofrath wünsche die Sache znm CoD- 
lento dea Kf. einzurichten, Kleihe habe Aufschub für die Conferenz erlangt. < 



Die Geaauilteii an den Kurflireten. D. Wien 13./23. Äugast 1661. 

[CuDferuue der Kaiaerlicheu mit Kleilio, desBcn aiiacheioende Verlraulichkeit.] 

'23. Au};. Der Kaiser hat befohlen, die ihm übcrgcbcnc Relation znrüekznlegen« 

bis die Conferenz mit dem Schweden gehallen sei; diese ist heute vor sich ge- 
gangeu. Nurh derselben zeigte Kleihe den Gesandten an, dass in derselben 
au dem Eide etwas desideriert worden und seine Forderung, dass in der Voll- 
macht der Titel des Königs von Schweden dem des Kaisers vorgeeetit 
werde, nicht gebilligt sei. Ges. Hessen sich dnich diesen Sclieiii der Ver- 
traulichkeit nicht bestimmen, jeneu, was er sichtlich mit dieser Mitlheilung 
bezweckte, mit dem Resultate Ihrer Conferenz bekannt zu machen. 



Verhandlaogen öbor die schwedischen ForderangeD. 123 

Der Kurflirst an v. Loben und Nenmann. D. Tornhout in 

Brabant 24. Augast 1661. 

[auf die Relation vom 6. Angnst Die Schwedischen Fordernngen. Rechte des 

KT. anf HohensoUern.] 

Beide sollen die am Schloss seines Rescripts vom 16. August gegebene 24. Ang. 
Ordre strenge befolgen, insbesondere sollen sie verhüten, dass ihm auf 
keine Weise von den Schweden duich die gesamte Hand an Hinter- 
pommern, Nenmark, Yierraden nnd Sternberg eine Concnrrenz in 
der Regierung wegen selbiger Lande introduciert weide, und ist nöthig, 
dass das mit ausdrücklichen Worten praecaviert werde. Wofern aber der 
Schwede in seinen Memorialien diesen Punkt nicht berühre, sollen sie auch 
deswegen nichts erinnern, und würde sodann gleichwohl Schweden nicht 
mehr begehren können, als andere im Reiche simultanee Investierte. Was 
die Titulatur anbetrifft, so ist dem Schweden glimpflich anzuzeigen, dass 
er in Wien für die Krone Schweden als Reichsstand erscheint, und dass 
dem Kf. nicht allein von allen Kur- und Fürsten, sondern auch vom Kai- 
ser der Titel Serenissimus gegeben wird. Wenn Kf. aber mit seinem 
Könige als König von Schweden correspondierte , so hätte man sich der 
Titulatur halber verglichen. Sollte jener aber damit auch auf C am i n deuten, 
60 sollen sie ihm anzeigen, dass Kf. damit vermöge des Instr. Pac. zu beleh- 
nen und befugt sei, alle Länder, mit welchen er belehnt sei, in seinen Titel 
aofzunehmen. Dass dem Kaiser durch den Stettiner Vergleich das Werk 
erschwert sei, könne er leicht glauben und hätte er es gern anders 
gesehen und gewünscht. Wenn sie aber am kaiserl. Hof seinen damaligen 
Zustand, und dass Kaiser und Reich, wie sie wohl schuldig gewesen, bei 
der Sache nichts hätten thun wollen, bedächten, so würden sie von sich selbst 
gestehen, dass man ihn und das Reich in solchen Zustand gesetzt, wie 
derselbe jetzt wäre. Kf. hätte aber dadurch dem Reiche nicht praejn- 
dicieren wollen noch können. Und obgleich seine Vettern den Ver- 
gleich ratificieret, so wären doch die Erbverbrüderten nicht weniger 
dabei interessieret, welche doch weder dazu ihren Consens gegeben 
hätten, noch deren sonst dabei mit einem Worte gedacht sei. Kf. wollte 
den Schweden den Vergleich nicht disputieren, und würde Coiifirmation 
DTid Ratification zu des Kaisers Belieben stehen. Sollten die Schweden 
jetzt oder dereinst, wenn die Belehnung über Hinter-Pommern, Nen- 
mark etc. absonderlich empfangen wurde, bei dem Actu luvest vorzu- 
sitzen begehren, so ist ihnen zu antworten, dass sie nur als herzogliche Ab- 
geschickte anzusehen seien, und ohnedem der, welcher nur simultanee investiert 
wird, dem principaliter Belehnten nachsitze. Ihr wüsstet auch, dass bei 
der in Frankfurt a. M. geschlossenen Allianz der König von Schweden 
in der Ordnung als ein Herzog gesetzt sei, seine Gevollmächtigten auch in 
dieser Ordnung unterschrieben. Den R.Hofrath Schütz können sie auf 
des Kf. Erkenntlichkeit hoffen lassen. 



124 3. Die BelehaoDg des Knrfurat«» d.s. w. 

Dieweil auch uiiEer Eurbao» aus dem Ilohen lollerischen Hause 
soiaen Uräpraog bat, duselbe aar gar scbwachen Füssen nod fast auT dem 
Falle etcbt,') es aber in DH^erm ÄrchtTo zu CoIId a. d. Spr. au eigeullicbcr 
Nschricbt mangelt, so soll Neumanu dch bemühen, ans der RHürralbsre- 
fTislratar einige Nacbricbtfn darüber eiazDziehen, and nebst t. Lö ben licim 
Kaiser und den ?oruebmsteu MiniEteni Ansuchung tbun, dasB der Kaiser 
über das HohenEullerscbe Reicbslehen, weil es mit unseres Uauses An- 
fang — and oasere Vorfahren es »or diesem allezeit gehabt, nicht so 
ungerm Prüjadiz disponiere, sondern nnser alles Kecfat von oeaem bestätige. 



Die Gesaudteii an den Kurfürsten. D. Wien 21./3I, Augast 1661. 

[aar daa ßescr. vom IB. Ang. EDiscbeidnog des Kaisers »egea zweier 
B e lehn an gs actus. Das LandetDiam für den RHofralh,] 

r Schütz bat ans im Namen des Kaiser« gemeldet, doss die Belebnimg 

' in 2 Actus, einem für die Eurlande und Markgraf AlbrecLts Reicbsleheii, 
und einem für Hin cerpommern und Camin erfolgen könne, wofern im 
Tasamte gebührende Richtigkeit gemacht wäre, die Schweden sollten zur 
Uitbelebnnng gelHiigen, wenn sie ihr Memorial nach des Kaisers Willen änder- 
ten, doch dürften sie nnr deo Mantel berühren. Wir erklärten ans mit den Ac- 
tibns inlrieden. doch dürfe der Schwede nur bei dem letzteren anwesend sein, 
DasE tu dem einen Lehnsbriele alle Lehen, auch die Böhmischer, zusaiiimeage- 
fasst werden, will der Kaiser nicht zugeben, schon das sei eine besondere 
Gnade, dass nicht über jedes Fürslenthuni ein besonderer Lehnsbrief ausgefer- 
ligC würde. Nach dem Schluss der Conferenz sondierte v. L. S i- h ü t z , wohin 
and auf eise wie hohe Summe der RHofratb wegen des Laudemii zielte. 
Er meinte, wegen des ijnanti werde jener alles des Ef. , als eines weitbe- 
rühmten liberalen Herrn and Poleutaten Willkür lediglich anheim stellen. 



■) Van den drei Liaien. unter welche uacL dem Tode des Grafen Karl L 
von Hoheuzollern (1076), der 15.^H der Ätleinbesitzer und Stammhalter der 
gaozea schwäbischen Linie genordeo war, die Bcailzungen desselben gelheilt 
worden waren, war die jüngste (die lleigerlocher) schon lt>34 ausgestorben, aaa 
der älteren (Hecbinger) war, nacbdem Fürst Eitelfriedriuh V 11. Juli 1661 ge- 
storben war, nur dessen schon seclizig Jahre aller Brader Philipp Gbriatopli 
übrig, welcher sich erst im näcbaLen Jabre Ittli'i vermählte, uschUer aber noch 
mehrere Söhne bekommen hat. Graf Mein rad I. von der raitlleren (Siegmaringer) 
Linie (li;38 - 1681) halte mehrere SÖboe. S. Schulze, Die Hansgesetie der 
regierenden denUcben Füntenbäuser III S. üHift. Schon 1488 hallen die Nöbas 
des damals gestorbeueu Grafen JostKicklas eine Qebereioknnft geiroScn, dass 
sie einander beerben, für den Fall ihres allseitigen erblosen Ablebens aber das 
Baus Brandenburg ZQ Krbeu eiuaelzen wollten. Schulze a. a. Ü. S. ööl. 



Verzögerang durch Kleihe. 125 

Ges. fragen schliesslich an, ob Markgraf Christian Ernst, der 
27. Jnli 1644 geboren, als majorenn zn betrachten sei, da annns inceptns 
pro completo nicht gehalten werde. 



V. Loben an den Kurfürsten (eigenhändig). D. Wien 

28. August / 7. September 1661. 

[Schwierigkeit mit Kleihe zu verhaodeln, derselbe sucht die Sache biDZuzieheo]. 

Da uns von Berlin über die Armatur nnd die besorgliehen Einfälle der 7. Sept. 
Schweden viel geschrieben wird, auch allerlei Zeitungen umlaufen, die nur 
bestimmt sind, den Kaiser nnd RHofrath irre zn führen, so lege ich bei, 
was der Rath und der Hauptmann von Kolbatz') mir überschrieben hat. 
Mein hiesiges Geschäft geht schwer nnd langsam weiter, nnd wenn auch 
gestern eine nene Conferenz mit den Deputierten des RHofrathes gehalten 
ist, nach welcher keine weitere Verhandlung mehr stattfinden darf, so fürchte 
ich doch, durch Kleihe noch lange aufgehalten zn werden. Mit Kleihe 
ist übel zn negotiieren, und kann man wohl nicht in gutem an ihn kommen, 
massen er, wie freundlich man sich auch gegen ihn behauptet, dennoch 
in seiner eingebildeten Meinung continnieret, selbiges mit Vergessung aller 
Rationen, redet ohne Aufhören von seines Königreiches grosser Macht, dass 
sie ein Heer von SO completen Regimentern Nationalvölker aus dem König- 
reich ohne Nachtheil schicken und damit, wohin sie wollten, gehen könnten, 
und dass man alles ans Furcht vor dieser eingebildeten Macht thun müsse, 
wie er sich dann nicht gescheut uns seinen Secretar mit einem Entwurf, 
wie er es haben wolle, auf den Hals zn schicken, nnd solches Concept ohne 
seine, sondern nur des Secretars Unterschrift, was Ursache gewesen, dass 
wir ihm den Aufsatz zurückgesandt nnd uns defectu mandati entschuldigt 
haben. — Ich verspüre wohl, dass seine Intention dahin geht, den Haupt- 
actns so lange aufzuhalten, bis die Sache wegen des Stettiniscben Ver- 
gleiches am kaiserlichen Hofe und bei Kf. so weit stabiliert werde, 
dass die darin enthaltenen Lande und Plätze mit Hinterpommern nnd 



Derselbe (Franz v. Feiend schreibt ao v. Löbeo (d. Kolbatz 9/19. August 
16öl), die Gerüchte von den kriegerischen Absichten der Schweden bestätigten 
sich nicht, es solle in Schweden ein grosser Geld- und Proviantmaogel sein, auch 
io Pommern, namentlich io Rügen sei unerhörter Misswachs, aud die Vor- 
pommerschen Stände hätten durchgesetzt, dass die deutschen Soldaten abgedankt 
und schwedische Nationalvölker in die Festungen nothdurftig verlegt werden 
sollten, welche mit Kommiebrod und Käse zufrieden wären. Es scheine daher, 
als wären die Schweden des Krieges roude, nicht so sehr ihres Willens sondern 
ihrer unzureichenden Mittel wegen, nur W ran gel sei kriegerisch gesinnt, die an- 
deren Häupter der Regierung seien friedlich und wurden wohl, zumal während 
der Minderjährigkeit des Königs, besonders im Römischen Reich, nicht so leicht 
Krieg anfangen. 



k 



H. Die BetehDQDg des KurfürateD u. i 



Ca min zusammen f 



I Ha 



ipl^K 



1 und hernacK' 



Zeiten 



1 gezogen, er 
des Kf, Hanptiehnsbrief gebracht werden möge. Kf. wolle bei 
laran denken, wie seinem Ansinnen, welebea oicbt lange ausbleiben 
wird, zu begeguen und 7.11 antworten sei. Ich fürchte, dass das Geld des 
Scbwedeu an den Orten, da man e>« nicbt verhüten kann, die Gedanken und 
guten Conrepte verändern dürfte. So macheu mir auch die vou den Rllof- 
raths-Deputierten geTührten Woiie nicht wenig Nachdenken, indem uns auf 
mein Anbringen, dass ich mit dem Schwedischen Legato sonderlicb wegen Be- 
fitiitigung des Stettiner IteceBses mich einzulassen nicht inftruiert gei, alsbald 
Ton jenen »orgebwlten wurde: der Kaiser hätte tu Kf. das Vertrauen, der- 
selbe würde bei diesem Werke nicht allein auf sich und sein Kurf. H&aa 
sehen, sondern zuvörderst auf des Kaisers hohes Amt uiid das h. Kömiscbe 
Reich selber, wobei H. v. Wnlkenstein auch erwähnte, dass dem Kais« 
und Reiche ninimer zu ralhen, dasE ausländischen formidablen Potentaten 
so staltlicbe Festungen, als Ciistrin nnd Driescn mit ihren beifliessendes 
Strömen wären, in ihrer Hand gelassen wüfden. 



Der Kurftirat an die Geeandten. D. Cleve 23. September 1661. 

IZuruckweieuDg der Forderung des Grafen SchwiuzeDberg Die Belelmung kann 
in tViei actns erfulgon. der Schwedlscbo darf nur bei der Investitur mit Uint«r- 
pomoiern, nicht bei der mit der Knr ZQgegen stin. der Stetlinische Recesa in dea 
Lehosbrief nicbt eiogerücltt werden, Kf. will fiir Hinlerpoinmern die einfachen 
Regalien erlegen). 

t. Gereichet uns anfangs zu sonderbarem gnädigsten Gefallen, dass ihr 

euch la demjenigen, was der Graf von äcb wartzenberg') wegen des Rrx- 
herzogs Ld. begehret, nicht verstanden. Wir befehlen euch auch hicmit 
gnädigst und erustUch, dass ihr euch darzu durchaus nicht bequemet — 
Wie UDS daun auch nicbt wenig zu Gemüth gehet, dass der Graf vou 
Schwartzenherg von einigem actn submissJouis Erwähnung getlian und 
dnbero auch von dem Kaiser!. Hituse ein Argument ziehen nad vor einen 
Erzherzog eben dasjenige haben wollen, was ein Römischer Kaiser präten* 
diret. Wir haben uns deshalb — bei dem Fürsten von Porti a — be- 
schweret, werden die Sache mit andern unsern Ilerreu Mitchurfürsten, Fürsten 
und Ständen communicieren und davon auf künftigem Reichstag weiter reden. 

Soviel das Lehusnegotium betriCfl, so zweifeln wir nicht, ihr werdet 

unser gnädigstes Reecript de dato Turnhout -) vor Ankunft dieses erhalten uud 
aus demselben nnsere fernere Meinung und dass wir in die zweeen Actos 

1) S. aoteo die Hanptrelatioa der Qesaudteu. Deber Oraf Adolf v. 
ScIiRortEenberg. den Sohn des fräbaren brandanbargiscliea Ministers, b. Wolf, 
Fürst Wuniel Lobkowits S. 72. Vgl. über diesen Torgung PafendorflX 
§ 31 (8. W,d f.). 



=) S- oben S. 123. 



UegebnhrliehR PordernDg des Qrafun SohiTarsenberg, 



127 



bewilliget gesehen, habeo. Dass ober der Schwedisrhe bei dem actii in- 
Te^titiirae, wann wir mit der Chor belehnt werden, eein könne oder solle, 
daza können wir uns keineswegs verstehen, wir mögen auch nicbt absehen, 
ans was fiir einem Schein er solches snchen oder prulendiren könne. Und ob 
wir es wohl nochmals dabei bewenden Ussen, dass wir den zu Slcttin anf- 
gerii htetfin Recess vor ans nicht anfechten oder dispntiren und sonsten alles 
dasjenige chun wollen, wm in Instrumento Pacis enthalten, dieweil ihr aber 
anterthänigiit berichtet, dass I. Kai^erl. M. aus vielen erheblichen Ursachen 
bedenken, den Schv^eden contra InEtrnmentuni Paris an der Neumark etc. 
die gesamte Haud zu geben, ^o könntet ihr ante actum inrestiturae ein — 
Memorial übergeben, und in demselben berichten, was die Schweden ans dem 
Stettinischen Vergleich au die Nenmark, Stembergetc. prätcndirien, und 
dass, weil wir den Vergleich dazumal eingehen müssen, ietzo nicht gemeint, 
denselben zn dispntiren, sondern müssten das tibrlge, was I. Kais. M. vor 
sich und des Reiches wegen dabei zu verurdnen allergnädigst gemeinet, zo 
dero allergnädigstem Gefallen stellen, doch dass die Churlande keineswegs 
.'cpariret nnd getrennet werden, ihr begehretet durch die ßelehnung, welche 
uns geschähe., dem Könige und der Krohn Schweden an deren Befugnissen 
nichts zn prüjudiciren und deswegen vor euch proCestando bedingen, und 
darauf könnet ihr in Gottes Namen (wenn es nicht albereit geschehen) die 
Kelehnung in zween ftclibus vor sieh gehen lassen und bei Hinterpommern 
und Camin den Schwedischen zur Enipfahung der gesamten Haud zulassen. 

Ob wir auch wohl wegen der in Instrumento Pacis überkommenen 

Lande weder ratione regaüum noch sonsten lehtwaa gestehen, so wollen wir 
doch endlich zufrieden sein, dass ihr, wie ihr euch albereit herausgelassen, 
wegen Ilinterpommern die regalia einfach erleget, zu einem mehreren aber 
eurh durchaus nicht verstehet. Sollte m.-in euch anch dieserhalben oder 
auch wegen der Schweden über die Uobühr aufhalten wollen, so habt ihr 
anzuzeigen, dass ihr endlich de diligentia l'rotestation einlegen und ihr, der v. 

Loben, euch wieder zurückbegeben wolltet, Dass sich Ihre Maj. 

gnadigst resolviret, alle unscve Lehen in einem Lehnbrief endlich bringen 

zu lassen, dafür werdet ihr euch gebührend bedanken. Dass der 

Siettiniscbe Vergleich unserm Lehubriefe eingerücket werde, das kann nicht 
sein, wie weit aber derselbe bei Pommern, der Grenzen halber, zu gedenken, 
deswegen haben wir euch albereit gemessenen Befehl neulich zukommen 
lassen. 



9» 



»er Kurfürst an Fürst Portia. D. Cleve 23. September 1661. 
(Conc. F. V. Jena.) 

[Beschwerde über die Forderung des Gntfen Scbwarzeoberg, ilasa die Gesandten 
den Erzherzoge Leopold Wilhelm gleiche Ehren wie dem Kaiser erweisea aoUeu.l 

Ew, Ld. wollen aus beiliegendem Extrntt vernehmen, was der Graf 23. Sept. 
ra Schwarzenberg wegen des II. Erzherzogen Leopolp Wilhelms 



128 



3. Die Belebonng dea Kurrüreleo n. 8. w. 



zu OpsterreiL'h f.d. an unsere itzo zu Wien subsistirende GesaiidUn, das«^ 
iiemblich Hoclig. S. Ld ron ihocn eben fo1c;he SobmissJoD und Ehre . 
Ihrer Kays, M. selbst bei der Proposition und Audient tribniret werden 
müsse, prätendiren dürren. Nun befrembdct uns eoIcheK alles uicht uubillig 
und können wir nns in diesen des Grafen von Seh warzenberg gegOD 
unseren Gesandten geführten nngereumbteu und unvermuteten Discnrsen fast 
nicht schicken. Sinthemal nns im Rom. Reich von keinem Kaiser mehr 
als nur voo eiuem das geringste wissend. Wann anch sein, des Grafen 
von Schwarzenberg, Ärgumeut fest stellen Mollte, dass nemblicb tüten 
denjenigen, so nuf dem R^iserl. Schlosse wohnen, wie er vermeinet, auch 
Kaiserl. Ehre angethan werden müsile, so geben wir Ew. Ld. zu bedenken 
anheimb — was vor eine seltsame und wunderliche Folgerung daraus 
erwachsen würde, hüben derowegen solches E. Ld. vermittelst dieses mit 
wenigen vorzustellen eine Notbturft befunden und werden nicht onterlassea 
dieses Sebwarzeobergische ungewöhnliche und neuerliche Anbringen auch t 
Sern H.H. Mitcborfürsleti wie auch andern Fürsten und Ständen zn remon«t 
ren und daraus bei kiinfligem Reichstage der Nuthturft uaeh zu commuoirieren. 
Unterdessen ersuchen wir E. Ld. — Sie belieben es bei allerhöchstg. Ihre 
Kays. M. dabin zu vermitteln, damit dieses mehrobg. Grafen von Schwarzen 
berg gebührend vorgehalten und auch vnn Ihrer Kays. M. der HJI, Cbur- 
fürsten Praeeminenz, Recht und BeFugniss denen Reichsfund ameutalsatzun- 
gen gemäss auch an Ihrem Kays. Hof couserviret — werden möge. ■ 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 14/24. Sep- 
tember 1661. 

[BelebuuDg mit äeo EurlandeD.] 

24- Sepl. Njichdem der Kaiser endlieh den ersten actum auf heute gegen 10 Ulir 

zu Ebersdorff angesetzt, haben sich die sämtlichen Gesandten vorher 
um 8 Uhr in v. Löbens Logcment eingefunden und sind sie in sechs 
Kutschen, darunter die v. Löbens und des Grafen von Hardegg mit 6, die 
anderen mit zwei Pferden bespannt narec, nach Ebersdorff gefahren. 
Dort ging dnnn der artus um halb elf mit eben den Cerimonien, welche ia 
dem Directorio beschrieben, vor sich. Das Gemach war fast klein und mit 
Zusehern sehr angefüllt, darunter sich auch des Schwedischen Gesa&dtcB 
Secretarius und audere Bediente befanden. Der Kaiser bezeugte sich bei 
dem ganzen arlu ganz gnädig, nahm den Hut sowohl bei unserem Heran- 
naben als Abtritt sehr tief ab. Zu seiner rechten Hand stand der 0. Mar- 
schalk Griif von Stareuberg mit dem blossen Schwer!, au der linken aber 
ein Graf von Hohen zollern als Erbkämmerer. Der H. Viceprüsident 
Graf von W oUkens lein that im Namen des Kaisers auf unsere und def 
Gcvoltmächtigten Markgraf Albrechts l'roposition die Antwort, wie er 
Qua dann auch die formnlam jnramentl, so wir nachsprachen, vorlas. Der 



Die BelehDUDg mit den KurlandoD. 129 

Kais. O. Hofmeister Fürst von Portia hielt nebst dem Grafen von Hohen- 
zol lern das Evangelienbnch. Sonst standen riogshernm noch verschiedene 
Kaiserliche Minister, welche dem actus bis zu Ende zusahen. Nach En- 
dignng desselben wurden wir wie auch die anderen Fürstl. Markgräflichen 
Gesandten vom O.Hofmarschall , welcher und des Tages vorher einladen 
lassen, tractiert, und ist sonsten vor diesmal wegen der Regalien, ausser 
dass der Hofmarscball in seinem und der anderen Erb- und Hofämter Namen 
deshalb Erinnerung that, uns nichts in den Weg gelegt worden, vermuthlich 
weil dieser actus vornehmlich das Churfürstenthum concernieret, weswegen 
keine regalia entrichtet werden, wir dürfen uns aber nicht einbilden, dass 
man davon still schweigen würde. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 18./28. Sep- 
tember 1661. 

[Weitere VerzögeroDgeD.] 

V. Loben hat zufolge des Kf. Befehl und nachdem er die Verzögerung 28. Sept. 
und Schwierigkeit, so sich wegen der Schwedischen gesamten Hand er 
eignet, vermerkt, sich bemüht, dass dessen unerwartet die anderen Reichs- 
und Böhmischen Sachen zur Richtigkeit gebracht werden möchten, allein man 
bat an Kaiserl. und R.Hofraths Seiten keines von beiden zurücksetzen wollen, 
sondern die Conferenzen mit dem Schwedischen Abgesandten und uns pari 
passu fortgesetzt, und man ist willens, nun den particularen Actus über 
Hinterpommern und Camin, und zwar noch vor dem böhmischen, 
vorgehen zu lassen. Dieser Actus wird nun wohl bald nach der Rückkehr 
des Kaisers von Neustadt vor sich gehen, sie bitten daher um weiteres Geld, 
da die ihnen mitgegebenen und per Wechsel übermachten 8000 Thaler nicht 
ausreichen. 

PS. Heute Mittags 12 Uhr haben sich bei mir, v. Loben, drei Per- 
sonen angegeben, davon einer sich für einen Notar, die anderen beiden 
aber für Zeugen ausgaben, der Notarins berichtete, er sei vom Schwedischen 
Gesandten an mich, v. Loben, geschickt, ich fiel ihm darauf ins Wort, 
sagend, dass ich nicht allein Gesandter wäre, und darauf kam Neu mann 
auf Erfordern auch dazu, da er dann continuieret und nichts mehr gesaget 
als nämlich wegen des Stettinischen Recesses, welches er etliche Mal wie- 
derholte, und weil er nun sich nicht zu explicieren wusste, die andern bei- 
den aber ihm einhelfen wollten und sagten, dass es defectu mandati und 
wegen der Belehnung wäre, dabei aber die Schrift, so er in der Hand 
hatte, weder von sich selbst zeigte noch auch wir zu sehen begehrten, so 
haben wir ihm angedeutet, dass wir uns in ihre Reden nicht zu finden 
wüssten, und wenn sie sich nicht besser und deutlicher zu vernehmen geben 
könnten, sie sich nnr wieder, woher sie gekommen, zu begeben hätten. 
Zugleich haben wir denselben vorgehalten, dass wir mit dem Schwedischen 

Mater- z- Gesch. d. G. Kurfürsten. XI. 9 



130 3- ^1^ BelehnuDg des KarforsteD a. b. w. 

Gesandten nichts zn thnn, and sie, sonderlich der Notarios, es sebwer za 
verantworten haben würden, dass sie sich dergestalt gegen I. Maj. gebrau- 
chen Hessen, als welche den Karfürsten wie andere Knr- and Fürsten belehnt 
hätte, nnd wann sie diesfalls etwas anznbringen hätten, daselbst suchen 
und, was ihnen darüber begegnen würde, erwarten möchten. Womit dieselbe, 
nachdem sie sich entschuldigt, sich zwar zurückbegeben, wir aber des 
Schwedischen Gesandten Intention daraas klärlich genug abnehmen können, 
dass es nämlich ihm nur darum zu thnn, wie er einige acta formieren nnd 
sich vielleicht deren etwa hernach bedienen möchte, derhalben wir desto 
mehr Ursach gehabt, uns auch diesmal nicht viel mit ihm einzulassen. 



Die Gesandten an den Karfttrsten. D. Wien 25. September/ 

5. Oetober 1661. 

[BelehnuDg mit den Böhmischen Lehen. Entwarf des GeDerallebobriefes.] 

5. Oct. Vorgestern ist im Kaiserlichen Geheimen Rath beschlossen worden, dass 

die Böhmischen Leben heute, Mittwoch am 10 Uhr zu Ebersdorf 
empfangen werden sollten, und ist solches nunmehr anch wirklich erfolgt. 
Gestern Nachmittag haben sie auch endlich das Project des Generallehns- 
briefes erhalten, sie werden sich bemühen , dass derselbe noch etwas mehr 
nach des Kf. IntenMon eingerichtet nnd womöglich noch vor v. Löbens 
Aufbruch ausgefertigt werde. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 28. September/ 

8. Oetober 1661. 

[Besorgnisse vor den Absichten Schwedens, v. Lobens Verabschiedaug auf- 
geschoben.] 

8. Oct. Sie freuen sich, dass auch Kf. in seinem Rescript vom 23. Sept. sich 

dahin ausgesprochen, dass der Belehnungsact über die Kurmark Branden- 
burg nicht gethcilt werden dürfe. Sie haben sich dahin bemüht, nicht nur 
wegen des Befehles des Ef. vom 14/24. August, darauf Acht zu haben, 
alle Concurrenz in der Regierung zu vermeiden, sondern auch weil v. Lo- 
ben als Deputierter zu den Hinterponimerschen Landtagstractaten und zum 
F. Pomraerscheii Leichenbegängnis zu Stettin^) wohl vernommen, womit man 
schon damals von Schwedischer Seite umgegangen, indem der Schwedische 

Das Leicbeubegängnis des letzten Pommerschen Herzogs Bogislav XIV., 
welches erst, nachdem die Streitigkeiten zwischen Schweden und dem Kf. äb«r das 
Erbe desselben durch den Stettiner Grenzreci^ss beendigt waren, am 25. Mai 1654 
zu Stettin gefeiert wurde, 9. v. Bohlen, Die Erwerbung Pommerns durch die 
Hohenzollern S. 35 f. 



Belehoaog mit deo böhmischen Leben, mit Hinterpommern u. Camin. 131 

Abgesandte Lilienstrobm') ihm über der Tafel vorgeworfen, dass Kf. 
neben der Lutherischen auch die Reformierte Religion in Hinterpommern 
einführen wollte und dass Schweden wegen seiner Anwartnng nnd gesaraten 
Hand solches nicht leiden würde, woher nicht zweifelhaft, dass dergleichen 
aus solchem vermeinten pnncipio herfliessendes Eingreifen nnn hiernärhst 
noch wegen der Nenmark werde prätendiert werden, wenn die mit ihnen 
aofgerichtete Stettinische Pacta also simpliciter sollten confirmiert und sie 
zor gesamten Hand anch über solche Provinz admittiert worden sein. 

PS. Loben hat sieh 28. Sept./8. Oct. beim Kaiser Audienz erbeten, 
um von demselben Abschied zu nehmen, dieser aber hat von ihm verlangt, 
er solle sich noch ein paar Tage gedulden, dann werde der Kaiser ihm 
fernere Resolution seines Abschieds halber zukommen lassen. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 5./ 15. Oc- 

tober 1661. 

[Belebnang ober Hinterpommern and Camin. v. Löbens VerabschiedaDg.] 

Auf ihr eingegebenes Memorial wider das abermalige Anmuthen wegen 15. Oct 
so vieler Regalien und nach einfacher Erlegung derselben ratione des Her- 
zogthums Hinterpommern beim Taxamt ist ihnen die Belebnung über Hin- 
terpommern und Camin angekündigt, auch darauf gestern Morgens 
um eilf Uhr zu Ebersdorff verrichtet worden, ratione solennium ging 
es ebenso wie bei den anderen Belehnungen zu, ausser dass, weil ich, der 
Freiherr v. Loben, mit einem catarrho befallen gewesen, ich, Neumann 
die Proposition und Danksagung auf den Knieen gethan. 

Obgleich der Schwedische Gesandte noch des Abends vorher, als 
V. Loben ihm von der Ansage zu solcher Belebnung berichten lassen, 
in Zweifel gestanden, ob er dem Actu beiwohnen wollte, und zugesagt, 
dass er ihn solches noch an demselben Abend wollte wissen lassen, so 
ist doch weder solches erfolgt, noch auch er am folgenden Morgen bei dem 
Aotu gegenwärtig, sein Secretarius aber dabei als ein spectator befindlich 
gewesen. Dem R.Hofrathssecretar Schütz gegenüber hat er erklärt, er 
wolle sich bei den Kaiserlichen Geh. Räthen bemühen, dass der Actus noch 
differiert würde*). 

V. Loben hat gestern gleich nach dem Actus sich vom Kaiser und den 
dort anwesenden Kais. Ministris ?erabschiedet, will heute dasselbe bei den 



^) Johann Nicodemns Liliestr5m, Vicepräsident von Vorpommern s. 
Urk. u. Akt. IV S. 923 ff. 

^ Bei der Abschiedsvisite, welche v. Löbon dem schwedischen Gesandten 
macht, erklärt dieser, er sei deswegen nicht bei dem Belehnnngsakt erschienen, 
„weil ihm mit der Titalatar, lateinischer Sprache und sonst nicht gefugt sei, und 
weil in dem ihm communicierten Hauptbelehnungsproject des Kurfürsten demselben 
etliche Sachen attribuiret worden, deren er sich schon vorlängst begeben hätte.*" 



132 3. Die BelehoQDg dee Karfarsten a. 8. w. 

hiesigeo und dem Schwedischeu Gesandten thnn ond übermorgen, Montag, 
seine Rückreise antreten. 



V. Löben's und Andreas Neumann's Hanptrelation. D. 

Wien 6./16. October 1661. 

16. Oct. Nachdem wir vom 5./ 15. Juli ab von Posten zu Posten berichtet, wie 

es mit dem Lehnsnegotio daher gegangen, and dasselbe durch allerhand 
Hindernisse bis in die zwölfte Woche hingezogen nnd endlich von I. Kais. M. 
veranlasst worden, dass E. Chf. D. von I. Kais. M. nnd dem Reiche recog- 
noscierende Lehen nicht, wie vor diesem, una vice eodemque actn, sondern 
wegen der darch den Frieden von 1648 erfolgten Yerändemng und darin 
der Krone Schweden auf Hinterpommern und Camin ertheilten Expectanz 
in duobns separatis actibus ertheilt, und zwar in dem anderen die Schweden 
zu gesamter. Hand admittiert werden sollten, so achten wir unnöthig , alles 
der Länge nach hier zu wiederholen, und wollen nur dasjenige berühren, 
was zu diesem Belehnungswerk eigentlich und hauptsächlich gehört und 
woraus bei künftigen Fällen die Series actorum soviel klärlicher erhellen 
köune. Und zwar weil der Ingrcss dieser Handlung von Ueberreichung 
der zwei Creditive an I. Kais. M., das eine tanquam ad Caesarem, das 
andere tanquam ad Bohcmiae regem, und der darauf folgenden Audienz 

17. Juli, gemacht worden, so sind die Creditive zwar bald am vierten Tage nach 

V. Lobe US Ankunft, weil L M. die Tage vorher verreist gewesen, dem 
Kais. O.Kämmerer, Graf v. Lamberg, durch den Secretarius Legationis 

18. Juli, überreicht, die Audienz auch des andern Tags darauf durch einen kaiserl. 

Trabanten gegen 3 Uhr Nachmittag angesagt und dabei die Proposition 
sowohl wegen der Reichs- als Böhmischen Lehen durch mich, v. Loben, 
vorgelegt worden. Bei der verwittweten Kaiserin, bei deren Vice - Oberhof- 
meister, Graf V. M aradas, die Creditive gleichfalls abgegeben waren, erhielten 

19. Juli, wir Tags nachher 4 Uhr Nachmittags im Favoritenhause im Beisein Dero 

Hofdamen Audienz, wobei die Kaiserin durch Dero Vice -Oberhofmeister 
Antwort ertheilte. Das Creditiv an Erzherzog Leopold Wilhelm hat 
der O.Kämmerer Graf v. Seh warzenberg zwar an sich genommen, des 
Fürsten Unpässlichkeit aber anfangs zur Entschuldigung angewandt, warum 
die Audienz zur Zeit ihren Fortgang nicht haben könne. Als aber diese 
Ursache cessierte, brachte der Graf ein anderes Obstaculum in den Weg, 
dass nämlich der Fürst, als vom kaiserlichen Hause und der auf der kaiser- 
lichen Burg wohnte, sowohl als der jüngere Erzherzog Carolus Jose- 
phus bei diesem vassallagii et submissionis actu ebeudergleichen Tracta- 
ment als der Kaiser mit dem Hutdecken und sonst praetendierten , dessen 
wir uns aber, nachdem wir bei dem anwesenden ehemaligen Kursächsischen 
Principal-Gesandten v. Burckerode uns vorher erkundigt hatten, in dem 
Wege billig verweigert, und daher diese Visite und Audienz gar zurück- 
geblieben, was S. Chf. D. 13./ 23. August approbiert. An die kaiserl. Mi- 



HaaptrelatioD der Gesandten. 133 

nUtros Bod fast alle Geheime and Reichs - Hof räthe hatten wir Creditive; 
wir haben sie aber nnr an die ?ornehmsten abgegeben, und bei der ab- ^ 
gestatteten Visite unser Anbringen vornehmlich anf die Beförderung des 
Lehnswerkes und Recommendation der Jülicbschen Belehnung gerichtet. 
Unterschiedliche haben uns darauf zu Gaste geladen und sonst alle Ehren 
angethan. Während wir mit den Visiten zu thnn hatten, hat man bei der 
Canzlei nicht ermangelt, diejenigen Urkunden, deren Confirmation nach- 
gesucht wurde ^ abschreiben, und vidimieren zu lassen.. Da ferner der Ge- 
neral-Lehnbrief propter dispositionem Instrum. Pac. wesentlich hat geändert 
werden müssen, so haben wir uns bemüht, sonderlich dem R.Hofrath 
Schütz diesfalls E. Chf. D. Intention beizubringen, damit er dieselbe be- 
fördern helfe. Nächstdem wurden folgende Memorialia dem R.Hofrath über- 
geben: 1) M. pro Investitura, 2) M. über die Belehnung des Chf. mit 
den Jülich- Cleve-Bergschen Landen, 3) M. um des Chf. gesamte Hand an 
allen und jeden der Vettern in Franken tragende Reichs-Lehen, 4) M. um 
Ertheilnng eines Scheines wegen der etwa noch mangelnden Pommernschen 
Urkunden. Obzwar zu wünschen gewesen wäre, dass auf diese Memorialia 
gewierige Resolution hätte erfolgen und, wie vor diesem, die Belehnungs- 
actus bald angesetzt werden wollen, so hat doch solches aus deu angege- 
benen Ursachen, theils aber auch weil die Culmbachischen Gesandten erst 
23. Aug./ 2. Sept. ankamen, eher nicht geschehen können, ausser dass der 
kais. Commissar mit uns sowie mit dem Schwedischen Gesandten Conferenzen 
pflog, darüber an den RJIofrath referiert und verschiedene Gutachten an 
den Kaiser abgefasst wurden und endlich eine Resolution ertheilt wurde, 24. Sept 
wornach der erste Belehnungsactus am 14. /24. Sept. um 10 Uhr Vormittag 
za Ebersdorf vor sich gehen solle, was Tags vorher communiciert wurde. 
Gleichwie nun vorher auf E. Chf. D. Rescript vom 6./ 16. August wir uns 
mit dem Culmbacher Abgesandten deswegen vereinigt, dass Markgraf 
Christian Ernsts Lehen vor diesmal nicht empfangen, sondern solches 
bis zur Antretung Dero Regierung differiert werden möchte, gestalt dem 
wir deswegen die Indulta auf 2 Monats Frist erhalten, auch E. Chf. D. 
Befehl vom 23. Sept. zufolge noch um fernere Prorogation angehalten 
worden, so ist es auch dabei verblieben und sind also vor diesmal nur 
E. Chf. D. und des Markgrafen Albrecht zu Onolzbach Lehen uno actu 
empfangen und die gesamte Hand dabei reciproce beobachtet worden. 
Anf unser erstes Memoriale haben wir die Original-Documenta und Confir- 
mationes erhalten, welche mit den zuvor mitgctbeilten Kopeien collationiert 
and richtig befunden worden. Und weil E. Chf. D. General - Lehenbrief, 
dessen Concept ausm R.Hofrath communicieret worden, und die davon de- 
pendicrende Generalis Confirmatio sowohl wegen der von uns beigefügten 
Notalen und Erinnerungen, welche noch zur Zeit vom R.Hofrath nicht 
allerdings attendiert werden wollen, als auch weil solches LeheubriefsPro- 
ject den Schweden communiciert worden, bisher noch zu keinem Stande 
haben gebracht werden können, so werde ich. Neumann, E. Chf. D. fer- 
nem Befehl sonderlich wegen der völligen Insertion des Art. XI. Instru- 



134 3 Dio Belehnaog des Karfdrsteo u. b. w. 

menti Pac. ond in demselben enthaltenen Paragraph! : Civitati yero Magde- 
bnrgensi, gehorsamst erwarten, anch Dero Intention zn erreichen mir äus- 
serst angelegen sein lassen, wiewohl Schütz, von dessen Direktion das 
Werk grossentheils dependiert, nns dazu jüngst 28. Sept./8. Oet. fast wenig 
Hoffnung gemacht. 

Nachdem es dann mit der Belehnung von Hinterpommern nnd Camin 
wegen obiger Difficnltäten sich ziemlich verweilet, anch der vielfältigen 
Regalien halber noch immerfort Znmuthnngen geschehen, so dass der 
Tax- Amts- Verwalter ans vorgegebenem Befehl des O.Hofmarschalls sich 
noch 2 Tage vorher angemeldet nnd angedeutet, es würde dieser Actus 
Investiturae nicht ehender vorgehen, bis man von den verschiedenen Fürsten- 
thümern die Regalien entrichtet hätte, wir aber dagegen ein abermaliges Me- 
morial an den Kaiser dem O.Hofmeister Fürsten v. Porti a haben überbringen 
lassen und derselbige sich entschuldigt, nnd dass solcher angeforderten 
Regallen halber dem Actus kein Hindernis zugezogen werden solle, 
versichert, so ist hierauf diese Belehoung über Hinterpommein und 
14. Oet. Camin am 4./14. October Vormittags um 11 Uhr zu Ebersdorf verrichtet 
worden. Vorher hat man uns das Directorium Ceremoniamm communiciert, 
dabei aber zu beobachten, dass obwohl des kgl. Schwedischen Ablegati darin 
und qno loco et ordine er seine Stelle zu halten, gedacht wird, derselbe 
doch bei solchem Actu nicht erschienen ist, hat sich vielmehr bemühet, 
damit derselbe differieret werden möchte. Von dem Expectanzbriefe auf 
Hinterpommern und Camin, wie auch von dem decreto assecurationis, 
dass dieser mit dem Chur- und Fürstlichen Hause Brandenburg allein vor- 
gegangene Actus Investiturae über Hinterpommern nnd Camin dem Könige 
und der Krone Schweden an ihrem ex Instr. Pacis zustehenden Jure si- 
multaneae luvest, nicht solle praejudicierlich sein, so man dem Schwedi- 
schen Gesandten eriheilt, sind uns Copiae, wie auch was derselbe wegen 
der praeteudierenden gesamten Hand und Expectantia auf die Neumark etc. 
beim R.Hofrath eingegeben, communiciert worden. 

Beim Hinterpommerschen Lebnsakte hat Neu mann statt des mit 
einem Katarrh befallenen v. Loben die Proposition und Danksagung auf 
den Knieen abgelegt. Die Belehnung über die Jülich -Cleve- Bergischen 
Herzogthiiraer, welche die Gesandten zweimal schriftlich forderten, wird 
ebensowenig jetzt als früher erfolgen, es ist ihnen aber der gewöhnliche 
Schein darüber, dass sie diese Lehen gebührlich gesucht hätten, ertheilt 
worden, und als der Churfürstlich Sächsische Anwalt gegen ihre Forderung 
protestierte, haben Ges. dagegen eine Reprotestation eingereicht. Zn den 
Lehen der Vettern in Franken sind Ges. zwar zu denen des Markgrafen 
Albrecht am 14/24. Sept. zu gesamter Hand zugelassen worden. Weil 
aber Markgraf Albrechfs Lehnsbrief von Adjustierung des churfürstlichen 
dependiert und vorher nicht ausgefertigt werden kann, auch Markgraf 
Christian Ernsts Belehuung noch bevorsteht, wo auch die Investitur 
über die Sparneck- und Wallersteinschen Reichslehen geschehen wird, so 
wird Neu mann erst künftig zu den betreffenden Lehnsbriefen gelangen 



I 



HaaptrelatioD der Gesandten. 135 

können. Anch einen Schein darüber, dass die etwa noch nicht vorgelegten 
Pommerschen Privilegienbriefe dem Kf. nicht schädlich sein sollen, nnd die 
Erlaubnis, in den Registraturen der R.Hofraths-Kanzlei sich danach umzu- 
sehen, hat Neumann noch nicht erhalten, bat aber bereits die Registratur 
danach durchsucht und giebt ein Verzeichnis derer, die er dort gefun- 
den hat 

In Betreff der ?om T;ixamt geforderten Regalien uud der Prätension 
des gesamten R.Hofraths CoIIegii ratione Laudemii ist zwar jetzt keine 
fernere Instanz gethan, sondern alles in £. Chf. D. Belieben gestellt, so 
stehen sie doch annoch in dem festen Gedanken, £. Chf. D. werde von 
sich selbst ihnen eine Gnade widerfahren und sie Dero Liberalität und 
Müdigkeit empfinden lassen. Sonst haben wir dem Rescript vom 23. Sept. 
zufolge noch vor dem Actu über Hinterpommern und Caraiu die einfachen 
Regalien wegen Hinterpommeru beim Taxamt abtragen lassen*). Dem 
Markgrafen Albrecht haben wir befohlener Maassen in der Kitzingischen 
Sache alle mögliche Assistenz geleistet. 



Der Kurfürst an Fürst Portia. D. Cöln a. d. Spree 

4. / 14. November 1661. 

[ZarückweisuDg der Forderuog des Grafen Schwarzenberg.] 

Wir haben aus E. Ld. Beantwortung de dato Ebersdorf vom 18. Octo- 14. Nov. 
bris') so viel wahrgenommen, dass sie zwar der Meinung sein wollen, 
samt hätte unser — Freiherr v. Loben dasjenige, was ihm der Graf 
V. Schwarzenberg wegen der von desH. Erzherzogen Ld. prätendierten 
Submission angezeiget, nicht wohl eingenommen, gleichwohl dabei in denen 
Gedanken stehen, dass, weil der actus investiturae ein actus submissionis, 
des H. Erzherzogs Ld. aber auf dem Kaiserlichen Schlosse sich aufhielten, 



1) Laut der den Akten beiliegendeo Qaittaogen sind bezahlt worden : 
ao die Reichskanzlei wegen ausgefertigter Raiserlicber Coufirmationsbriefe 

für Kf. 168 Thaler 20 Gr. 

ao die Hofamter (8 4 120 FI.) 960 Fl. 

die Geh. Reichssekretäre (2 ä 24 Fl.) .... 48 Fl. 

den Reichetazator 20 Fl. 

den Reichsregistrator 20 Fl. 

die Kaozlisten in gesamt 30 Fl. 

für die Kapsel ^ 3 Fl. 

1081 Fl. = 720 Thaler 20 Gr. 
ao die Kaiserlichen Uoterofficiere (darunter 
gerechnet auch 100 Tbaler an A. Neumann 

und 15 Thaler an dessen Schreiber.) 537 Tbaler 

zusammen 1426 Tbaler 10 Gr. 

^ Dieselbe fehlt in den Acten. Vgl. über die Sache oben S. 126 0*. 



136 3. Die BelehnaDg des Karfursten u. s. w. 

in ihrer Macht und Gewalt nicht gestanden, nnsere des Lehns halber ab- 
geschickte Gesandten als formelle Gesandten zn qualificieren und zn trac- 
tieren. Wan aber nnsere Gesandtschaft die Sache anders nicht als £. Ld. 
eingenommen, sie nns anch nie anders davon — referieret, — also müssen 
wir nochmals bekennen, dass nns dergleichen Anmuthen — nicht wenig 
befrembdet und ?on mehrer unzulässiger Consequenz vorkommet. Dan gleich- 
wie kein Cuhrfürst, Fürst und Stand des H. Römischen Reichs gegen 
jemand anders als dem Kaiser und dem H. Römischen Reich bei der Lehns- 
empfängnis einige Submission zu erzeigen schuldig, also werden sie auch 
keinem unbeschadet ihrer und des Reichs Gerechtsame und Hoheit ein- 
räumen können, dass er von Submission rede und dasjenige an sich nehme 
und ziehe, was dem zeitlichen Kaiser und dem H. R. Reiche einzig und 
allein «gebühret, und weil es nun keine andere Beschafifenheit mit des H. 
Erzherzogen Ld. Beginnen hat, und das Argument, dass I. Ld. auf dem 
Kais. Schloss sich aufhalten, nns oder andern des H. R. Reichs Cuhr- 
fürsten, Fürsten und Ständen nicht praejudicieren und die von ihnen ge- 
schickten Gesandtschaften qualificieren oder disqualificieren kann, demnach 
so müssen wir es nochmals bei uiiserm vorigen an £. Ld. abgelassenen 
Schreiben bewenden lassen. 



Andreas Neumann an den Kurfürsten. D. Wien 15. Fe- 
bruar 1662. 

[EiosendaDg der GeneralcoofirmatioD, die Anfertigung des Lehosbriefes 

verzögert sich.) 

15. Febr. Er übersendet die Generalconfirm^tion der Privilegien und Rechte des 

Kf. Die der Eaozlei zugestellten Monita sind meist beobachtet worden, 
bei einigen Punkten aber wäre es erforderlich gewesen, an den R.Hofrath 
zn geben, er hat dieses vermieden, weil es dauu dem Schwedischen Able- 
gatus kund geworden wäre* und zur Contradiction hätte Anlass gegeben 
werden können. Die Ausfertigung des Lehnsbriefes wird, wie Schütz ihm 
gesagt, mit Fleiss nicht stark betrieben, da man des Kf. Intention, ab- 
sonderlich in betreff der Klausel wegen Magdeburg, zu befördern sonst 
nicht ungeneigt sein würde, jetzt aber, ehe es mit dem Schwedischen Lehns- 
brief seine Richtigkeit erlangt, Difficultäten geben dürfte, da die Schweden 
sogleich darauf fallen und die Auslassung des coutextns Instrument! Pacis 
gleichfalls prätendieren würden. 



YerhandlaDgeo mit v. Sterobach. 137 

Proposition des Pommerschen Kanzlers Heinrich Coelestin 
V. Stembach an die Deputierten des Kurfürsten. D. Cöln 

a. Sp. 17./ 27. Februar 1662. 

[Klage aber v. Loben, die Schwedische Belehoaog, Kf. soll die Bestatigang des 

StettiDischen Recesses darch den Kaiser befordern.] 

Sein Köuig hat gehoffty dass die anlangst in Wien gewesenen Abge- 27. Febr. 
sandten des Kf. dessen Neigung znr Herstellnng der alten Freundschaft mit 
Schweden durch die That bewiesen und mit dem Schwedischen Abgesandten 
Kleyhe über die Beförderung dessen, was zwischen Schweden und Kf. 
iii Kraft und Anleitung des Instr. pacis in Stettin abgehandelt worden, ver- 
trauliche Communication gepflogen haben würden. Der Baron v. Loben 
aber hat nicht allein nicht gestchen wollen, dass er von Kf. Ordre hätte, 
mit demselben über das, was besagten Stettiniseheu Rccess anginge, zu 
communicieren, sondern gar negiert, dass er von solchem Recess etwas 
wüsste, daher er auch so viel weniger nöthig zu haben vermeinet, sich 
im geringsten darum zu bekümmern, massen er, der Baron v Loben 
noch weiter, als ihm Kleyhe ein und anders, wovon er gemeint, dass 
dass es denselben auf andere und bessere Gedanken werde bringen können, 
gleichwohl in gebührender Moderation zu Gemüthe führen lassen, mit ein 
Haufen ungestümer Worte ausgefahren^ alles sinistre gedeutet und vermit- 
telst des daraus gemachten Quereis sich desto besser aller correspondence 
äussern zu können gehalten. Derselbe hätte dann nicht gesucht zur Con- 
firmation desjenigen, was zwischen beiden Priocipalen abgehandelt, zu ge- 
langen, sondern darauf bestanden und es geschehen lassen, dass ihm die 
luvestitur in antiquis terminis conferiert worden. Demzufolge hat sich 
Kleyhe entschliessen müssen, von dem ihm sonst committiert gewesenen 
actu simultaneae investiturae wegzubleiben. Da der Kaiser demselben ein 
Decret, kurz vor der Kurfürstl. Lehnsempfängtiis, hat zustellen lassen, 
dass dieselbe dell Rechten des Königs und der Krone Schweden nicht 
präjudicierlich sein sollte, so habe sein König sich damit contentieren 
lassen müssen, er glaubt auch, dass jene Bezeigung nicht mit des Kf. 
Willen und auf sein Geheiss geschehen sei, da er aber im Wevk l^egrifi'en 
ist, jetzt am Kaiserlichen Hofe das negotium investiturae principale be- 



*) In dem für denselben ausgestellten Creditiv (d. Stockholm 12. /22. December 
1661) erklart die schwedische Regentschaft, sie habe gehofft, dass die Abgesandten 
des Karfürsten am Kaiserlichen Hofe eingedenk des Stettiner Recesses mit 
ihrem behufs der Belebnang dortbin geschickten Gesandten in commani Interesse 
et simultaneae investiturae negotio communicare snstinerent. Da sie jetzt ihre 
Gesandten zur Lehnsempfängois nach Wien geschickt hätten, entsendeten sie 
zugleich Sterobach an den Kf, um mit demselben darüber und über andere 
ihm aufgetragene Dinge zu verhandeln. Vgl. über die Sendung desselben die 
Berichte des gleichzeitig in Berlin anwesenden französischen Abgesandten de 
Lesseios (ürk. n. Akt. H S. 255. 257). 



138 3. Die BelehDUDg des KnrförBten n. s. w. 

treiben zu lassen, and seine dazu Be?olImächtigten *) schon auf der Reise 
sind, und ihm sehr daran gelegen ist, die Belehnung über alles, woza er 
in kraft des Westfälischen Friedensschlusses und des daraus geflossenen 
Stettinischen Recesses berechtigt, zu erlangen, Kf. aber die Confirmation 
selbigen Recesses bei dem Kaiser mit zu befördern aus gedachtem lustra* 
mento verpflichtet ist, so ersucht der König den Kf., dass er dessen allen 
sich erinnern und nunmehr von seiner Seite einen Ministrnm benennen and 
verordnen wolle, welcher mit den Schwedischen Abgesandten am Kaiser- 
lichen Hofe vertraulich communiciere und die Confirmation auf alle dien- 
liche Wege dergestalt befördere, dass dieselbe entweder in einem abson- 
derlichen Instrumento expediert, oder auch in dem Lehnbrief mit einge- 
führt werde. 



Resolution des Kurftlrsten auf v. Sternbachs Proposition. 
D. Cöln a. Sp. 19./[29.] Februar 1662. 

[Zarück Weisung der Beschwerden gegen v. Loben, Verweigerung der Coopera- 
tion am kaiserlichen Hofe.] 

29. Febr. Kf. hat aus Sterubachs Vortrage die Beschwerde über v. Loben 

und die jetzige Forderung des Königs vernommen und demselben folgende 
Resolution zn ertheilen anbefohlen. Wie Kf. dem Könige die Zeit der 
vom Kaiser angesetzten Investitur angezeigt und, da am Kaiserl. Hofe über 
des Schwedischen Ablegati Suchen einige Schwierigkeit sich ereignet, seine 
Abgeordneten bis in die fünfzehn Wochen in Wien habe verweilen lassen, 
so lebe er auch der Zuversicht, v. Loben werde sich gegen Kl ei he so 
betragen haben, wie die Affection, welche der Kf. gegen den König hege, 
fordere. 

Gestalt dan auch S. Chf. D. sehr lieb gewesen wäre, wenn durch 
besagten K. Schwedischen Ablegati fast harte und bedräuliche Be- 
monstration — , dass er zwischen L Kön. M. und S. Chf. D., wenn 
er [Loben] ihm in seinem Begebren nicht allerdings fügete, Weite- 
rung und Unheil stiften würde, bemeldter Freih. y. Loben nicht 
hätte dürfen veranlasst werden, dieselbe zu Herzen und zu Gemfithe 
zu ziehen. — Anlangend die S. Chf. D. angestellte Assistenz und 



Es waren Peter Sparre, Vicepräsident des Kgl. Hofgerichts in Stock- 
holm, and David Mevias, Vicekanzler des Tribunals in Wismar. Sie kameo 
mit grossem Gefolge im April 16ü2 in Wien an, s. Diarium Earop. VIII 8.308^ 
AuBfübrlichen Bericht über die dort von denselben geführten Verhandlangen Bit 
zahlreichen Urkundenbeilagen enthält die von Mevius verfasste Schrift: «Beriekt 
und Bewandnis," (Repraesentatio) Stralsund 1663. 8. oben S. 113; vergl. aoel 
Heyne S. 17ff. 



I 



YerhandlnngeD mit ▼. Sternbach. 139 

Cooperation, so seind zwar S. Chf. D. die zwischen I. Kön. M. und 
deroselben befindliche Blut- und nachbarliche Freundschaft und Cor- 
respondenz — zu cultiviren und zu erhalten allerwege entschlossen. — 
Aldieweil Sie aber vernehmen müssen, welchermassen die besagte 
Cooperation ex pacto und als ein debitum gefordert wird, und aber 
aus keiner Convention oder Pacto dergleichen etwas aufzubringen oder 
zu erweisen, dass S. Chf. D. sich dazu verbindlich gemacht, I. Eon. 
M. auch selbst erkennen werden, mit was für einer neuen Beschwerde 
S. Chf. D. sich dergestalt beladen würden, als setzen Sie zu dersel- 
ben das freundvetterliche Vertrauen, sie werden S. Chf. D. mit sol- 
chem Ansinnen fernerhin verschonen und sich allewege versichert halten, 
dass S. Chf. D. sonsten deroselben angenehme Freundschaft und ge- 
fällige Dienste nicht allein den Pactis, sondern auch der nachbar- 
lichen Freundschaft zufolge zu erweisen sich willig werden erfinden 
lassen. 



Zweites Memorial v. Sternbachs. D. Cöln a. Sp. 27. Fe- 

bruar/[9. März] 1662. 

[WiederholaDg der BeschwerdeD über v. Loben. Kf. ist darch sein Versprechen 
dazD verpflichtet, die Ratification des Stettiner Grenzrecesses durch den Kaiser 

zu befördern.] 

Wiederholung der Beschwerden gegen ?. Loben wegen seines Ver- 9. März 
haltens gegen Klei he, Darlegung verschiedener Gründe, aus denen Kf. 
verpflichtet sei, zur Ratificierung des Stettinischen Grenzrecesses durch 
den Kaiser zu cooperieren. 

L Churf. D. aber haben aus diesem allen ohnfehlbar zu urtheilen, 
dass I. Kon. M. umb keiner andern Ursach willen, als dass dero- 
selben daher, dass I. Churf. D. die Ratification des Grenzrecesses nicht 
suchen lassen, die simultanea investitura gehörigermaassen hat wollen 
difficultiret werden, dero Durchl. darunter ersuchen müssen. — — 
In Erwägung, dass zwischen I. Kön. M. und I. Churf. D. ein gewisser 
Vergleich getroffen, derselbe dergestalt ratificiret, dass von I. Churf. 
D. nomine suo et successorum suorum bona et electorali fide ver- 
sprochen und angenommen, nicht zu gestatten, dass sothanem Ver- 
gleich auch von andern auf einigerlei Weise zuwider gehandelt werde. 

Gleichwie nun L Kön. M. ihrerseits was im Namen der Kön. M. 
und Cron Schweden solchergestalt ebenermassen verheissen und ver- 



140 3* ^>® BelehDODg des Kurfürsten n. s. w. 

schrieben, Ihrer Churf. D. ufrichtig und Königlich zu halten — sich 
angelegen sein lassen, also verlassen sich dieselbe nicht minder uf 
die Erftillung I. Churf. D. gegebenen Wortes, dass n&mlich, weil die 
Kais. M. die Ersuchung umb die Ratification des Stettinischen Re- 
cessus vor nothwendig hält und, solange sie darumb von I. Churf. D. 
nicht requiriret worden, die Investitur Ihrer Kon. M. also, wie es 
dero Sicherheit erfordert, förmblich zu thun nicht verstehen will, I. 
Churf. D. die Requisition thun zu lassen kein Beschwerde nehmen, 
viel weniger, als ob aus keiner Convention oder pacto dergleichen 
etwas ufzubringen oder zu erweisen wäre, sich bedeuten lassen werden. 
Dann zum Fall es also angesehen werden sollte, ob hätten die Con- 
trahentes sub hujusmodi formalitate verborum: dass sie die Ratifica- 
tion oder Confirraation des Grenzrecesses bei der Kais. M. entweder 
separatim oder conjunctim beschaffen wollten, sich nicht verbindlich 
gemacht, würde doch bei so gestellten Sachen, da die Ratification ge- 
suchet zu werden der Kais. Hof vor nothwendig genommen, — der 
Contrahirenden Theile Intention, Wille und Meinung gewesen sein, 
dass sie zugleich solche Ratification suchen sollten. — 



Erklärung des Kurfürsten auf des Schwedischen Abgesandten 
anderwärtiges Memorial. D. Cöln a. Sp. 17. /[27.] März 1662. 

[Wiederholung der früheren Erklärung. Kf. hat kein derartiges Versprechen 

gegeben.] 

27. März. Rf. lässt betreffend die Beschwerde gegen v. Loben es bei seiner 
früheren Resolution bewenden. 

Den Hauptpunkt belangend, so will zwar bemeldtcr Herr Able- 

gatus auf die Erfüllung S. Churf D. gegebenen Worte dringen. Nun 

seind zwar S. Churf D. dero gethanen Versprechen allezeit fürstlich 

nachzukommen beständig gesinnet, als aber, dass deswegen einiges 

Wort gegeben, nicht dargethan worden, noch dargethan werden kann, 

und im übrigen S. Churf. D. diesesorts sich hierunter in einige Dis- 

ceptation einzulassen Bedenken tragen, so wollen sie auch gleichfalls 

dieses passus halber auf dero Resolution sich beziehen. Und weil 

von dem K. Schwed. H. Ablegato eine und andere Erklärung, so in 

dieser Sachen am Kais. Hofe soll gefallen sein, und dadurch piao 

sich auf S. Churf D. beziehen wollen, angeführt wird, davon aber 

Sr. Churf. D. bis hieher sonsten nicht das geringste zu Ohren gekom- 



VerhandloDgen mit v. I^terobach. 141 

men, so werden S. Churf. D. des Zustandes der Sachen sich erkun- 
digen, und wie sie Ihrer Kon. M. dasjenige, wozu sie rechtswegen 
befuget, zu streiten garnicht gemeinet, als leben sie auch der guten 
Zuversicht, man werde auch an Ihr. Kon. M. seiten mit neuen be- 
schwerlichen Anstellungen sie zu behelligen fernerhin kein Belieben 
tragen *). 



Der Kurfürst an Andreas Neumann. D. Coln a. Sp. 

29. April/ [9. Mai] 1662. 

[VerhandlaogeD mit v. Sternbach. Kf. ist Dicht verpflichtet, die Ratification des 

StettiniflcheD Yertrafj^s vom Kaiser za fordern.] 

Kf. giebt demselben Nachricht von den dem Kanzler v. Sternbach er- 9. Mai. 
tbeilten Resolutionen und befiehlt ihm, sich auch dem Schwedischen Ge- 
sandten in Wien gegenüber deongemäss zu verhalten. 

Was in specie die im besagten Pommerischen Grenzrecess ge- 
meldete Expectanz auf die Neumark belanget, da ist euch ohne 
Zweifel erinnerlich, dass wir darin sub ratificatione Caesarea consen- 
tiret und also, nachdem wir solche ratificationem als eine conditionem 
zu unserer Verwahrung, damit wir weder dem Reiche noch dem 
Kaiser praejudicirten, a parte Suecica selbst requiriret, so seind wir 
ja die von uns ihnen angestellte Gondition zu praestiren nicht schuldig. 
Es giebt auch das protocollum, dass unsere Gommissarii bei diesem 
Punkte, bedungen, wenn es etwa deswegen Streit abgeben sollte, der 
Kon. Maj. zu Schweden selbigen auszuführen obliegen würde. Ihr 
habt euch aber mit den Schwedischen hierüber nicht einzulassen, son- 
dern defectum mandati vorzuschützen. Und wie man alhier dem 
Schwedischen Ablegato versprochen'), dass man weder hierunter 
was hindern noch befordern wollte, als habt ihr euch danach zu 
achten. 



') Das Recreditiv des Kurfürsten für v. Sternbach ist datiert vom 26. Mars/ 
5. April 1G62. Ueber dessen Abreise und die ihm ertheilte Resolation des Kf. 
8. auch Lesseins' Bericht vom 11. April (Urk. und Akt. II S. 275.) 

*) S. Lesseins' Bericht vom 11. April, dem der Kf. selbst von diesem Ver- 
sprechen Nachricht gegeben hatte. 



142 3- Die BelehDUDg des Karfarsten n. 8. w. 

Andreas Neumann an den Kurfürsten. D. Wien 

3./ 13. Mai 1662. 

[Die ForderongeD der Schweden in b«-trefir des Lehnbriefes werden nicht erfüllt 

werden.] 

13. Mai. Den Schwedischen Gesandten hat man ein Dekret zngefertigt, 

Donnerstag l./ll. Mai die Lehen zu empfangen, ond ist Sonntag Torher 
mit ihnen conferiert worden. Sie bestanden hier daranf, dass ihr Lehns- 
brief möchte adjustiert nnd die Monita beobachtet werden, die sie später 
schriftlich eingaben'), in welchen sie hauptsächlich eingerückt haben wollen: 
jus fortificandi mare alluens, Oommendas, Monasteria, Recessnm Steti- 
nensem and einen General -Passns wegen der Stadt Bremen. Man wird 
zwar endlich ante actum Investitnrae ein Coneept des Lehnsbriefes heraas- 
geben, aber nach dem Inhalt des Instrum. Pacis nnd weiter nichts hinein- 
setzen and alsdann ihnen freistellen, ob sie die Lehen empfangen wollen 
oder nicht; die Insertion des Stettin. Recesses will beim RHofrath nicht 
angenommen werden; ob der Kaiser im Geheimen Rathe sich daza ver- 
stehen wird, steht dahin, wird gleichwohl schwerlich davor gehalten. Die 
Gesandten lassen sich verlauten, wenn man's nicht machte, wie sie verlangen, 
dass sie davon ziehen wollen, worauf man es wird ankommen lassen, weil 
man geneigt gewesen ihnen zu geben, was das Instrum. Pacis mit sich 
fuhrt. Und weil der Kaiser Estat macht, am 9./ 19. nach Presborg so ver- 
reisen , so werden sie sich bald resolvieren müssen, was sie than wollen, 
indem auf den Ungarischen Landtag wenigstens ein Vierteljahr hingehen 
wird und sie nicht nachfolgen werden. 



Andreas Neumann an den Kurfürsten. D. Wien 

10. /20. Mai 1662. 

(Der Kaiser will den Stettioer Recess nicht ratificiereo.] 

20. Mai. Er übersendet die Monita der Schweden gegen das Projekt des Lehns- 

briefes. Man hat im RHofrath ein neues Projekt aufgesetzt and meint ein 
Temperament aufgefunden zu haben , wie man dem Instr. Pacis nachgehen 
und doch des Stettin. Recesses halber das Werk in suspenso halten könne. 
Es will sich aber nicht schicken, und ist der Kaiser damit nicht zafrieden 
gewesen, welchem im Interesse des Erzhaoses die Auslegang der Expec- 
tanzen und die Genehmignng des Stettiner Recesses, was Artikel 29 an- 
betrifft, nicht genehm ist. Die Schwedischen Gesandten berufen sich auf das 

^ d. 4. Mai 1G62 (Bericht und Bewandois (Repraesentatio) Beil. B. 
Diarium Europ. VIII S. 439. Londorp VIII S. 847). 

^ S. Bericht und BewaodoiB (Repraesentatio) Beil. G. Diariani Borop. 
VIII S. 420. Londorp VIII S. 842. 



Verhandlnngen in Wien aber die schwedische Bdlehnang. 143 

vorhin aasgehändtgte Concept, worin der Secretar ohne Befehl den Stetti- 
nischen Recess angezogen hat. Alles dependiert von des Kaisers Ratification, 
welche absqne consensn Stataum vel saltem Electornm nicht erfolgen kann. 
Sollte es zur Belehnnng kommen, so kehrt der Kaiser ?on Presburg, wo 
er jetzt ist, zurück. 



Andreas Neumann an den Kurfürsten. D. Wien 

17./ 27. Mai 1662. 

[Auf das Rescript vom 29. April / 9. Mai. Verhandlangen mit den depntierteo 
Reichshofratben wegen der schwedischen Forderaogeo.] 

Seit Sparr und Mevius hier angelangt, haben mir dieselben keinen 27. Mai. 
Anlass gegeben, mit ihnen zu reden. Gestern aber schickte der Reichs- 
Vicekanzler zu mir und begehrte, dass ich zu ihm käme. Er sprach an- 
fangs mit mir allein über die Schwedische Belehnung, doch kamen bald 
die anderen zu diesem Belehnungswerk deputierten Reichshofräthe (Graf 
V. Wolckenstein, Walderode und Schütz) dazu, worauf er mT vor- 
trug, ich würde wissen, dass man mit jener Belehnung bisher occupiert ge- 
wesen. Die Schweden behanten nun auf der Coufirmation des Stettinischen 
Recesses, beriefen sich auf des Kf. und der Agnaten Consens, auch dass 
ihnen a. 1655 ein Concept ihres Lehnsbriefes, worin des Stettinischen Re- 
cesses gedacht wird^), wäre zugestellt, und trotz der vielen Jahre keine 
Contra dictio sich hervorthäte und dieses alles in Notorietate bestände, und 
begehrten daher zu wissen, ob der Kaiser, was von keinem widersprochen 
worden, vor sich difficultieren wolle. Alle bisherigen Remonstrationes hätten 
nichts verfangen, sie beharrten vielmehr darauf, dass der Rec. Stett. durch 
das Instr. Pacis veranlasst und also in demselben fundiert, auch in dem 
neulichen Olivischen Frieden Artic. l bestätigt wäre, dass sie ohne dessen 
Insertion oder Confirmation die Lehen nicht empfangen könnten, auch 
weder des Instr. Pacis noch des vorstehenden Recesses gesichert sein 
würden. Er wolle nun vernehmen, ob wegen des Kf. ich etwas dabei an 
Hand zu geben hätte, weil der Kaiser nicht gern wollte, dass dem Kf. und 
dessen Hause Ungelegenheit entstehen sollte. Ich erklärte, dass ich über 
diese Dinge keinen Befehl hätte, dem Sternbach habe Kf. gesagt, dass er 
das, wozu er verpflichtet gewesen, praestiert habe, und zu weiterem nicht 
verbunden sei. Das 1655 abgefasste Concept eines Schwedischen Lehns- 
briefes sei, so viel Neumann vernehme, ein unvollkommenes Werk, doch 
wäre ihm davon weiteres nicht bewnsst, viel weniger, wie es mit dem an- 



'} Der betrefifeDde Passus desselben lautet: ea latitudine partis orientalis, 
prout inter Regios et Blectorales comaiissarioB circa ezactiooem limitum cae- 
terorufuque miuutiorum defioitiooem Stetini die 4. Maii a. 1653 peculiari et ab 
utriusque partis principalibus ratihabito recessu pleue conventum est. 



144 3. Die Belehnnng des KorfarsteD n. s. w. 

geblichen Consens der Markgrafen bewandt sei. Nachmittag theilt Schütz 
Neamann mit; das Werk sei noch mit ziemlichen Difficnltäten umfangen, 
die Schwedischen Abgesandten wollten von ihren Monids nicht weichen 
und drohten davon zu ziehen, wofern man ihnen nicht deferierte. Was nun 
nach den eintretenden h. Pfingsttagen weiter vorgehen und aus dem Werke 
endlich werden wird, steht zu erwarten. 



Andreas Neamann an den Kurfürsten. D. Wien 

14. /24. Juni 1662. 

[Kaiserliche BeBoIntioo, neaes Memorial der Schweden.] 

24 Jddi. In der Schwedischen Lehnssache ist, nachdem der Kaiser einige zu- 

rückgebliebene Geh. Räthe nach Pressburg convociert, resolviert 0, sie 
ihnen secundnm tenorem Instr. Pacis zu geben und mit 'dem übrigen an 
den Reichstag zu verweisen. Sie haben aber durch ein Memorial cathe- 
goricam resolutionem auf ja oder nein begehrt, und soll das Memorial 
ziemlich hart eingerichtet, auch Wiedererstattung der verursachten Kosten 
und Schäden darin bedingt sein. Ob sie mit solcher Bedrohung etwas her- 
ausbringen werden, steht zu erwarten; dem Verlaut nach machen sie sich 
reisefertig. 



Andreas Neumann an den Kurfürsten. D. Wien 

21. Juni/ 1. Juli 1662. 

[Nene ResolntioD des Kaisers. Abreise der Schwedischen Geaandteo.] 

1. Juli. (auf ein Rescript des Kf. vom 26. Mai, worin er angewiesen ist, sich iu 

das Schwedische Belebnungswerk weiter gar nicht einzulassen.) Uebersende 
hiermit der Schwedischen Gesandten rationes, so zu Behauptung ihres In- 
tents dem Reichshofrath hinterbracht ^) , deren ungeachtet sein Kais. M. 
darbei geblieben^), dass die Sache ad comitia zu remittieren, worauf die 
Gesandten am verscbienen Dienstag nach Presbnrg gereiset, von Ihr. Maj., 
wie geschehen, Abschied zu nehmen, und sein gestern wieder anhero kommen, 
willens anstehende Woche ihre Rückreise anzutreten, nehmen ihren Weg 



Die Kaiserliche Resolation vom 18. Jani 1662 in Beriebt und Bewandais 
(Repraesenlatio) Beil. N. Diarium Europ. VIII S. 644. Loodorp VIII S. H68. 

^ Memorial der Schwedischen Gesandten vom 21. Jnni 1662 in Bericht 
und Bewandnis (Repraesentatio) Boil. O. Diarinm Europ VIII S. 652. Loo- 
dorp VIII S. 869. 

^ Zweite Kaiserliche Resolution vom 28. Jani 1662 in Bericht und Be- 
wandnis (Repraesentatio) Beil. P. Diarium Europ. VIII S. 668. Londorp 
VIII S. 873. 



1 



Abreise der schwed. Oesandteu. Drohende AbBichteo Schwedens. 145 

über Prag. Der Baron Sparr soll sich im Bremischen aufhalten, KI ei he 
aber nach Schweden gehen wollen , mündh'che Relation zu erstatten und 
sodann den Reichstag zn besuchen, dem Snolsky auch beiwohnen soll. 



Ewald V. Kleist^) an den Kurfürsten. D. Sternberg 
31. October/[10. November] 1662. 

Er hat dem Kf. am 23. aus Dargun berichtet, was zwischen dem 10- Nov. 
Schwedischen Reichsadmiral und ihm wegen der Investitur über die Ex- 
pectantien im Discars vorgegangen. Der Caminsche Kapitular Weissen- 
fels hat ihm zu verstehen gegeben, man fürchte schwedischerseits , dass 
Kf. sich der Occasion, da am kaiserl. Hofe der Belehnuug über die im 
Grenzrecess exprimierten Expectantien widersprochen wird, dahin bedie- 
nen wolle, dass der ganze Grenzrecess möchte umgestossen werden, und 
dass solches ohne Krieg nicht würde geschehen können. Er hat das aber 
durchaus verneint Sonst wird man gewahr, dass von seh .vcdischer Seite 
so bald keine Investitur mehr wird gesucht werden, sondern man es darauf 
.ankommen lassen will, ob die Zeit käme, da man sie offerieren würde, wie 
denn auch die Schickung auf den Reichstag so bald nicht geschehen wird. 
Der Verdruss auf den kaiserlichen Hof ist sehr merklich und die Begierde, 
des Reichs Stände gegen denselben zn animieren, auch daher abzunehmen, 
dass der R.admiral oftmals wiederholte, der Kaiser bemühe sich sehr, die 
Krone Polen an sich zu bringen und fomentiere daher die Conföderation, 
wenn es ihm gelinge, sei es um des Reichs Freiheit gethan, und dieselbe 
noch mehr in Gefahr als 1629. Diese Materie, nebbt dem, was wegen 
Lothringen das französische Interesse ist, scheint die vornehmste bei den 
Conferenzen gewesen zu sein, welche der Reichsadniiral occasione des 
Schwalbach sehen Bades ^ mit etlichen Kur- und Fürsten gehalten. 
Bei K.Mainz ist er zweimal und dieser ebenso oft bei ihm gewesen, er 
soll sogar auf dieser Reise selbst bis in Frankreich gewesen sein, dessen 
wahrer, eigentlicher Grund nicht zu penetrieren gewesen ist. Daran aber 
ist kein Zweifel; dass zwischen Frankreich und Schweden das Concert 
ganz fertig, und je geheimer es gehalten wird, je mel;r und besser dieje- 
nigen, welchen an diesem Geheimnis gelegen, sich vorzusehen haben. 



Ewald V. Kleist, Geheimer Rath, 1649—1651 Gesandter des Kf. in Stock- 
holm (s. IV S. 843 ff.), 1656 und 1657 wiederholt als Gesandter nach Dänemark 
und zu König Karl X. Gustav entsendet (s. VIII S. 113 ff. 124 ff. 175 ff. 228 f.). 

2) Wrangel war (Diarium Europ. VIII S. 643) incognito nm 5. Juli 1662 
in Frankfurt angekommen und von dort über Mainz, wo er statth'ch empfangen 
warde, nach Lange nBchwalbach gereist. Knde August kam er dann (Diar. 
Kurop. IX, S. 186) inCöln an und reiste von hier über Holland nach dem Her- 
zogtbum Bremen. 

Mater, z. Gesch. cL O. Kurfürsten. XI. |Q 



146 3* ^^^ Belehnung des Karfürsteo n. 8. w. 

Die National - Regimenter in Schweden sind ganz complet und rühmt 
man sie 30000 Mann stark, davon über 15000 Mann zq Felde gehen können, 
ohne was im Bremischen vorhanden, and soll jetzt mit Königemarck 
wegen Werbungen des Orts für Schweden gehandelt werden. 

Bei dem allen bleibt dennoch Gott Richter auf Erden. 



Abschnitt 4. 

Der Anfang des Regensburger Reichstages. 

1662 — 1664. 



10* 



Einleitung. 



Als der im Jahre 1653 in Regensbarg zubammengetretene Reichstag 
im Mai des folgenden Jahres geschlossen wurde, obwohl die Mehrzahl der 
demselben durch das Westfälische Friedensinstrument zugewiesenen Reichs- 
verfassungsfVagen noch nicht ihre Erledigung gefunden hatten, war be- 
stimmt worden ^), dass derselbe behufs Vollendung dieser Aufgabe nach 
zwei Jahren, am 17. Mal 1656 sich wieder versammeln und dass inzwischen 
eine der wichtigsten und schwierigsten unter jenen Fragen, diejenige be- 
treffend die casus restituendorum ex capite amnestiae et gravaminum, 
d. h. die Ausführung der Bestimmungen des Friedensinstrumeutes über den 
kirchlichen Rechts - und Besitzstand, durch die jetzt streng paritätisch zu- 
sammengesetzte ordentliche Reichsdeputatiun , welche auf den 1. October 
1654 nach Frankfurt a. M. berufen wurde, in Angriff genommen werden 
sollte. Die letztere ist, allerdings erst ein Jahr später, im September 1655, 
in Frankfurt zusammengetreten, hat dort, freilich ohne irgend etwas Er- 
hebliches auszurichten, bis zu Ende der Regierung Kaiser Ferdinand III. 
getagt, ein Theil ihrer Mitglieder hat dann eigenmächtig auch nach dem 
Tode dieses nnd nachher nach der Wahl des neuen Kaisers Leopold I., 
trotzdem derselbe ihre Verlegung nach Regensburg forderte, ihre Sitzun- 
gen dort fortgesetzt ^ind hat so Veranlassung zu jenen Streitigkeiten ge- 
geben, welche im ersten Abschnitte dieses Bandes behandelt worden sind. 
Dagegen ist der Reichstag weder an jenem festgesetzten Termine noch 
überhaupt während der Regierung Ferdinand III. wieder zusammenberufen 
worden, und auch dessen Nachfolger hat sich lange ge&träubt, jene Zusage 
seiues Vaters zu erfüllen. Eine wirkliche Erledigung und Ordnung aller 
jener noch offenen und streitigen Fragen der Reichs Verfassung lag über- 
haupt durchaus nicht im Interesse der kaiserlich - österreichischen Politik, 
und am wenigsten konnte diese damals, nachdem gerade im Gegensatze 
zu ihr ein Theil sowohl der katholischen als auch der protestantischen 

1) Reicbatagsabachied von 1654 § 101. 192 (v. Meiern, Regenspargiscbe 
ReichstagsHaDdlaogen II 8. 138 f.). 



150 4- l^or Anfang des Begensbnrger Reichstages. 

Fürsten sich mit Frankreich and Schweden zur Rheinischen Allianz 
vereinigt hatte, hofifen, dass eine solche ihren Wünschen gemäss werde 
zustande gebracht werden können. Daher hat der Kaiser dem ihm zu- 
erst Ton einigen befreundeten Fürsten zu Anfang des Jahres 1660 ge- 
machten Vorschlagt), jenem Streite über die Verlegung der Beichsdepu- 
tation durch Wiederberufung des Reichstages ein Ende zu machen, welcher 
bald auch von den Fürsten der Oppositionspartei wiederholt wurde, kein 
Gehör geschenkt , und auch, als zu Ende dieses Jahres infolge der üblen 
Wendung, welche die Siebenbürgischen Wirren nahmen, die Gefahr eines 
neuen Türkenkrieges heraufzog, und er sich entschloss, für einen solchen 
die Hülfe der deutschen Reichsstände in Anspruch zu nehmen, hat er zu- 
nächst unter dem Vorwande'), dass Gefahr im Verzage sei, aaf anderem 
Wege, durch besondere Verhandlungen mit den einzelnen mächtigeren Für- 
s^ten und Städten diese Absicht zu erreichen gesucht. Allein nur ein Theil 
derselben zeigte sich willfährig, und den Fürsten der Oppositionspartei gab 
gerade dieses Hülfsgesnch des Kaisers Gelegenheit, mit am so grösserem 
Nachdruck die Berufung des Reichstages zu fordern. Das Haupt derselben, 
der Kurfürst von Mainz, verlangte in der Resolution, welche er dem an 
ihn abgeschickten kaiserlichen Gesandten ertheilte'), als das beste Mittel, 
um einmuthig dem Türken entgegenzutreten, die Wiederberufung des Reichs- 
tages und sagte nur für den Fall, dass es vor derselben zum wirklichen 
Ausbruch des Krieges kommen sollte, die Stellung von Hülfstrnppen zu. 
Noch entschiedener war die Sprache, welche der Pfalzgraf von Neabarg 
führte^), und in ähnlicher Weise machten auch die Braunschweigischen 



1) S. oben AbBcho. 1 8.11. 

^) Vortrag der kaiserlicbeD Gesandten an die Reichsstände wegen der Tür- 
kenhülfe (Diar. Europ. VI S. 235. Londorp VUI S. 744): .Dieselbe than sich 
zwar des alten Herkommeos guter maassen bescheiden, dass dergleichen An- 
suchen and Begehren auf einer allgemeioeo Reichs - oder Kreis Versammlung ge- 
schehen sollte, nachdem aber mehr bedeatete vor Augen stehende Gefahr ein- 
zigen Verzug oit leidet und dargegen bekannt ist, wie schwer, kostbar and lang- 
sam es mit solchen Zusammenkünften hergehet, so haben I. K. M. notbweodig 
diesen nähern Weg der absonderlichen Schickung ergreifen — müssen. 

3) Diar. Europ. VI S. 240. Londorp VIII 8. 746. Ueber die später von 
Kurmains gestellten Bedingungen s. Ludwig XIV. Instruktion für Gravel 
(Guhrauer II S. 305). 

*) Resolution von Pfalz -Neuburg an den kaiserl. Gesandten Grafen zu 
Königseck, d. Düsseldorf G. Februar 1661 (Londorp VIU S. 747): er ver- 
weigert eine bestimmte Erklärung, weil eine einseitige Hälfe nicht allein dem 
Kaiser wenig nützen, , sondern von den Mitständen eine solche Specialdeclara- 
tion als ein Vorgriff in eine allgemeine Reichssache aufgenommen und ungleiche 
Gedanken erwecken werde' , dagegen zweifle er nicht, wenn der Kaiser die 
Reichsstände zu einem Reichstage förderlichst berufen werde, dass dieselben 
ohne ZeitverlieruDg denselben beobachten und zu Abwendung der Gefahr freudig 
concurrieren werden, und dass im Fall der Feind vor Ablauf des im Reichstags* 



Eioieitang. 151 

Fürsten, der Herzog von Würtemberg, der Landgraf von Hessen- 
Cassel n. a. ^) ihre Hülfeleistnng von der Berafang des Reichstages ab- 
hängig. Der Kaiser versuchte diese Opposition dadurch zu beschwich- 
tigen, dass er in einem Schreiben, welches er am 14. Mai 1661 an den 
Kurfürsten von Mainz und auch an die anderen Kurfürsten richtete'), im 
Princip in die Berufung des Reichstages einwiUigte und gegen die Deu- 
tung, welche man jenen besonderen Hülfsgesuchen an die einzelnen Reichs- 
8tände gegeben hatte, als wolle er auf solche Weise denselben ihr jus 
suffragii nehmen und dem Reichstage entfliehen, protestierte. Aber er 
erklärte doch wieder, dass er unter den jetzigen Verhältnissen die Aus- 
schreibung des Reichstages nicht für thuulich halte, und verlangte, dass zu- 
nächst der Deputationstag nach Augsburg verlegt werde, mit der Versiche- 
rung, dass dort auch praeliminariter von dem gehandelt werden solle, was 
-zur Beförderung des Reichstages dienen könne, und dass er, wenn er von 
den Reichsständen die Versicherung erhalten werde, dass man ohne Weit- 
läufigkeit zum Reichstage gelangen könne, einen solchen bald ausschreiben 
^olle. Allein dieser Versuch, zu dessen weiterer Durchführung er den 
Reichsvicekanzler v. Waldersdorf nach Mainz schickte, scheiterte voll- 
ständig. Der Kurfürst von Mainz und dessen Bundesgenossen verharrten 
einerseits bei ihrem Widerspruch gegen die Verlegung der Reichsdeputation, 
andererseits beschlossen sie auf den Vorschlag Ludwigs XIV., welcher 
60 in geschicktester Weise die Bemühungen sowohl des Kaisers als auch 
des mit diesem Hand in Hand gehenden Papstes zu vereiteln wusste^), 
zwar dem Kaiser Hülfstruppen anzubieten, aber unter Bedingungen, von 
denen man im voraus wusste, dass derselbe sie nicht annehmen werde, 
nämlich dass die gesamten Alliierten als solche im Verein mit Frankreich 
ein besonderes Hülfsheer schicken wollten. Obwohl dieses Anerbieten ihm 
nicht officiell mitgetheilt wurde, bewog doch die Kunde von diesen Ab- 
sichten der Alliierten den Kaiser, zumal da die Gefahr eines Krieges mit 
den Türken immer ernstlicher heranzutreten schien, zu weiterem Nachgeben. 
Zu einer solchen Demüthigung, die Hülfe des so verhassten und bisher so 
viel geschmähten Rheinbundes anzunehmen, wollte er sich nicht verstehen, 
leichter als mit diesem schien es doch möglich sich mit einem Reicbstage 
zu verständigen, so erklärte der Kaiser schon im August 1661^), dass er 
den Reichstag auf den 1. October des nächsten Jahres ausschreiben wolle, 



aasschreiben benannten Termins losbrechen sollte, die Reichsstände „in Aosehung 
des ausgeschriebeoen Reichstages anerwartet des Reichascblusses'' dem Kaiser 
beispriogen werden. 

*) ö. Köcher, Gesch. von Hannover and Braanschweig I S. 307. Sattler, 
Gesch. des Herzogthams Wärtenberg X S. 10 f Vgl. oben Abscbo. 1 S. 29. 

3) Diar. Europ. VII S. 103. Londorp VIII S. 750. S. oben Abschn 1 S. 34. 

8. Guhrauer n S. 297ff. Köcher I S. 307 ff. 

*) ^, das Schreiben des Kaisers an den Kf. vom 25. August 1661 oben Ab- 
scboitt 1 S. 46. 



152 ^* Der Anfang des Regenebnrger Reichstages. 

erbat den Cousens der Kurfürsten dazu, stellte freilich nochmals das Ver- 
langen, dass zunächst der Deputationstag in Augsburg znsammeu treten 
solle, Hess aber, da der Kurfürst von Mainz und dessen Bundesgenossen 
bei ihrem Widerspruche dagegen verharrten, schliesslich diese Forderung 
fallen und schrieb am 8. Februar 1662*), unter Hinweis auf die immer 
weiteren Uebergriflfe der Türken in Ungarn und ihre bedrohlichen Rüstun- 
gen, sowie andererseits darauf, dass er ^schon sonst gemäss dem letzten 
Reichsabschied entschlossen gewesen sei, zu fernerer Abhandlung der aus- 
gestellten Punkte und zu Erhaltung von Friede und Einigkeit deo proro- 
gierten Reichstag zu reassumieren^^ den Reichstag und zwar schon auf den 
8. Juni dieses Jahres nach Regensburg aus. Als Aufgabe desselben 
wurde in diesem Ausschreiben nur bezeichnet, es solle berathen werden, 
wie dem Türken kräftig und nachdrücklich gesteuert, derselbe von den 
kaiserlichen Erblanden abgehalten und dadurch auch das Römische Reich 
in beständiger Ruhe und Sicherheit erhalten bleiben möge, doch enthielt 
jene vorhergehende Erklärung wenigstens indirect das Zugeständnis, dass 
auf demselben auch die auf dem letzten Reichstage unerledigt gebliebenen 
Fragen wieder aufgenommen und auch über die securitas imperii, über eine 
Reichskriegsverfassung berathschlagt werden sollte- 

Das Verhalten des braudeiiburgischen Kurfürsten in den der wirk- 
lichen Berufung des Reichstages vorhergehenden Streitigkeiten und Verhand- 
lungen ist schon oben im 1. Abschnitt näher dargelegt worden, die nachfolgend 
mitgetheilton Akten sollen die Wirksamkeit veranschaulichen, welche der- 
selbe durch seine Gesandtschaft auf dem Reichstage zunächst während der 
beiden ersten Jahre des Be^tehens desselben ausgeübt hat. Die Auswahl 
aus dem ungemein umfangreichen Aktenmateriale "O ist von dem Gesichts- 
punkte aus getroffen worden, dass diese Auszüge neben der besonderen 
Aktion des Kurlürsten und seiner Gesandten auch den allgemeinen Verlauf 
der Reichstagsvcrhandlungen erkennen lassen sollen. Allerdings liegt eine 
auf urkundlicher Grundlage beruhende Geschichte^) jenes Reichstages vor, 
doch bietet dieselbe, für welche vurnchmlich reichsstädtische Gesandtsebafts- 
akten benutzt sind, weder ein ganz vollständiges Bild der dortigen Vor- 
gänge, noch linden diese immer die richtige Beleuchtung und Würdigung, 



•) Diar. Europ. VIll S. 12:5ff. Loudorp VIII S. Sllff. Pachoer v. Eg- 
gen stör ff, Vollständige Sammlung aller von Anfang des noch fürwabrendeD 
Teutschcn Reichi^tages du anno 16^)3 biss auhero abgefassten Reicb88chlü8»e 
I S. 1 ff. 

-) Ausser den sehr zahlreichen und ansführlichen, mit vielen Beilagen aus- 
gestatteten Relationen der Gesandten und den Sitzungsprotokollen liegt noch 
ein von G. v. Jena eigenhfiudig geführtes nicht minder umfangreiches Dia- 



rium vor. 



^) Gemeiner, Geschichte der öffentlichen Verhandlungen des zu Regeoa- 
burg noch fortwährenden Reichstages, I. II. Nürnberg 1794. 95. AuSalleDder 
Weise sind auch die Verhandlungen dieses Reichstages von Pafendorf fast 
ganz unberücksichliut gelassen worden, dagegen sind die Hauptinomente der* 



i 



Eioleitung. 153 

so dass eine Ergänzong derselben aus aüderweitigen Quellen keineswegs 
als überflüssig erscheint. 

Die wirkliebe Eröffnung des ursprünglich auf den 8. Juni 1662 be- 
rafenen Reichstages hat sich sehr lange hingezogen. Als die branden- 
borgische Gesandtschaft Anfang September in Regensbnrg nnkam, waren 
dort ausser den kaiserlichen Kommissaren, deren Haupt, der Erzbischof von 
Salzburg erst wenige Tage vorher seinen Einzug in die Stadt gehalten 
hcitte, nur wenige andere Gesandten anwesend, erst allmählich in den näch- 
sten Monaten fand sich eine grössere Zahl zusammen, am 2. December 
kündigte der Erzbischof von Salzburg an, dass der Kaiser die Ver- 
lesung der Proposition und damit die Eröffnung des Reichstages auf den 
20. Januar 1663 festgesetzt habe, an diesem Tage fand dieselbe wirklich 
statt und darauf haben die Sitzungen begonnen. Gleich zu Anfang trat 
der Gegensatz der Parteien hervor; während der Kaiser und die demselben 
willfährige Majorität im Kurfürsten- und Fürstencollegium zunächst nur 
den ersten Tunkt der kaiserlichen Proposition, die lierathung über die dem 
Kaiser gegen die Türken zu leistende Hülfe, in An<rriff nehmen wollte, 
verlangte die Oppositionspartei, die Rheinischen Alliierten, und unter ihnen 
namentlich die welllichen Fürsten, welche auf Anregung und unter Leitung 
von Pfalz-Neu bürg im April 1662 zu dem „Pürstenvereiu" zusammen- 
getreten waren *). auf deren Seite sich aber bald auch einige andere Fürsten 
und zeitweilig auch die Reichsstädte stellten, auch gleichzeitige Vornahme 
der beiden anderen Punkte, der Reichskriegsverfassung und der durch das 
Friedensin^trumeht auf den Reichstag verwiesenen Fragen, namentli( h über 
die Wahlcapitulation, doch konnten die letzteren damit nicht durchdringen, 
and so hat der Reichstag angesichts der immer drohcMider herannuhenden 
Türkengefahr sich bis zum Juli ausschliesslich mit den die Türkeuhüife 
betrefl'enden Fragen beschäftigt. Entsprechend den Weis^ungeu, welche er 
seineu Gesandten s( hon in ihrer Instruktion ertheilt hatte, lässt der Kurfürst 
dieselben während dieser Verhandlungen durchaus die Wünsche und For- 
derungen des Kaisers unterstützen, freilich aber bedingt er insgeheim aus. 
dass er selbst mit Rücksicht auf die Gefahren, welche ihm im Norden 
durch die feindselige Haltung Schwedens und Polens und durch die 
Streitigkeiten mit den preussischen Ständen drohten, von der Leistung der 
Hülfe entbunden sein sollte. Anfang Juli erhielten diese Berathungen über 
die Türkeuhüife mit der Ueberreichung eines Reiehsgutachtens an den 
Kaiser, in welchem sich das Kurfürsten- und die Majorität des Fürsten- 
cullegiums zu der Zahlung von 50 Römennonaten auf ein Jahr, die Al- 
/ 

selben schon von Droysen, Gesch. der Preuss. Politik 111,3 S. 2ö ff. hervor- 
gehoben worden, neuerdings sind dann die dortigen Vorgänge, aber nur des er- 
sten Jahres 1663, genauer von Köcher, Gesch. von Hannover und Brauoschweig 
I S. 321 ff. dargestellt worden. 

') S. Sattler, Gesch. des Herzogthums Wurteoberg X S. 19. Köcher, 
I S. 316 ff 



154 



4. Der Anfang; des Regeosbarger Beicbstages. 



liicrtoa, denen drr Euiiicr nun doi ]i dieses Zugestand tiis machen mi 
zD der Stellung eines eDtsprecbendeo Truppencorpa unter besooderen, mit 
dem Erzbiachof von Salzburg »ereiubarteti BediiigU'igeti, von den Städten 
nur eiti Tbeil zar Zihlnng von 20 RömermonateD erboten, einrn Torläufigen, 
sebr üngendgeoden AbscbluBS, und es wurden iiuu die anderen Fragen vor- 
geuommen. Nach langen Streitigkeiten darüber, in welcher Ordnung über 
die.'iclben bcratben werden sollte, einigte man sich AnTaiig September d 
dass in der nächEten Zeit nar die Ueichslfrirgiverrasguu^. vom 1. November i 
an aber abwechselnd mit derselben auch die Wablcapitnhliou berathea 
werden sollte, Obwohl Inzwischen der Krieg in Ungarn begonnen hatte 
und bei den glticblicheu Erfolgen der Türken bald auch die dcoL 
Erblaiide des Kai-ers in näi:hsier Nähe von denselben bedroht wurden, ' 
wurden die Verh^jndlungen über die Ueicbskriegsrerfassung znoäcbst 
rein theoretisch und mit derselben L.tn^sambeit und Uneinigkeit wie vorber 
geführt, SC) dafn erst Anfang December ein einhelliger Beschlnss der drei 
Collegien zu stände kaui, na(.'b welebem ein jeder Reii'h^staud das Tripluoi 
seines alten Anschlages bereit halten >iollle. Kurfürst Friedrieb Wil- 
lielui, der inzwischen dem Kaiser ein beeonderea HülfECorps geschielä 
hatte, hat sieh allerdings auch au jenen Beratbuiigeu betbeiligt und die* 
selben durch gute Ratbseblage, wel«lie er ertheilen liess, icu fördern 
^^cbt, er bat aber fortgesetzt daraufgedrungen, dass dieselben bosehleunigt 
und dass vor allem der augenblicklich drohenden Gefahr ge^entiber wirk- 
lich Hülfe geschafft werden solle; in der Erkenntnis, dass ein nach dem 
bewilligten Triplnm aufgestelltes Reirhsbeer (c. 30,000 Mann) nicht 
reiche, verlangt er, dass man uich zunächst über eine grössere Zahl toa 
Truppen (er schlug 60,000 Mann vor) vergleichen und dann erst überlegen 
stille, wieviel die einzelnen ReichBStände dazu zu stellen hätten, er driugt 
darauf, dass die Fragen wegen einer bestandigen Keichskricgb Verfassung 
und wegen der gegenwärtig zu leisleuden Tiirkenbülfe vuu einander ge- 
sondert und dass zunächst, da die höchste Gefahr im Verzuge sei, du 
zweite erledigt werde. Nur dieses letztere ist erreicht worden, im übrigen 
aber nahmen die Verhandlungen, aui-b na<-bdem Ende Dereniber der Kn 
und dadurch veranlasst die übrigeji KiuTürstcn und zabireiihe andere Für- 
steu persönlicb in Regensburg crscbicneu waren, (Kurfürst l' riedrich 
Wilhelm bat die Frage, ob auch er der an ihn ergangenen Einladaiig 
dorthin Folge leisten solle, ernstlich in seinem Gebeimeu Rathe erörtern 
lassen, aber sich Echliessliub namentlich mit Rücksiebt darauf, Aass 
Wirren in Polen seiue Auwesenbeit im eigenen Lande erforderten, cul- 
scblossen, dieselbe abzulehnen) deneelheu schwerrülligen Verlauf wie vorbei 
zu der Bewilligung einer grösseren Streitmacbt wollte man sich nicht i«> 
sieben, und Monate vergingen, ehe man sieb über die Einricbtuug und Aoi- 
rüstung des nach dem Triplum aufzustellendeu Reichsbeeres, welches, dt 
die Truppen der Alliierten ein besonderes Corps für sich bildeten, tut 
'2li,I)UU Manu Bnge^cblagen wurde, namentlich über die BesetxiiQg ätt 
höheren Befehlshabcrstelleu einigen konnte, üo hat sich diese Keicbsarmrt 



EinleitaDg. 155 

erst Mitte Juli 1664 mit der kaiserlichen Armee unter Monte coccoli ver- 
einigt ond bat nur an den letzten Kämpfen, denen schon im September 
der von dem Kaiser auf eigene Hand abgeschlossene Friede ein Ende 
machte, mit wenig Rnhm Theil genommen. Der Kurfürst hat sich die von 
dem Reichstage in diesen Angelegenheiten gefassten Beschlüsse gefallen 
lassen, hat nach wie vor die Forderungen des Kaisers' unterstützt, hat 
aber seinerseits unter Berufung darauf, dass er dem Kaiser ein besonderes 
Hülfscorps geschickt habC; und dasF dieses stärker sei, als das nach dem 
Triplnm auf ihn fallende Contingent betragen würde, jeden Beitrag zu den 
Kosten des Reichsheeres abgelehnt. 

Die mit der Türkenhülfe zusammenhängenden Fragen haben bis gegen 
Ende des Jahres 1664 den Reichstag so überwiegend beschäftigt, dass 
neben ihnen und der Erfurter Angelegenheit, welche zeitweilig im Sep- 
tember und October die ordentlichen Reichstagsverhandlungen ganz in's 
Stocken brachte, nur noch ein anderer wichtiger Punkt, nämlich die Wahl- 
capitolation, in Angriff genommen worden ist. Nach dem am 26. Sep- 
tember 1663 gefassten Beschlüsse sollte vom 1. November dieses Jahres an 
diese Frage abwechselnd mit der Reichskriegsverfassung berathen werden, 
dem zufolge waren im October die kurfürstlichen Gesandten zu vertrau- 
lichen Besprechungen über diese Angelegenheit zusammengetreten, am 
19. November fassten sie eine Declaration ab, in welcher die Zugeständnisse, 
zu denen sich die Kurfürsten aus freien Stücken bereit erklärten, angegeben 
worden, und stellten am 23. November dieselbe dem Directorium des Fürsten- 
colleginms zu. Diese Zugeständnisse waren aber so unbedeutend, dass die 
Fürsten, insbesondere die Mitglieder der Oppositionspartei, damit durchaus 
nicht zufrieden waren, vielmehr wurden von denselben ähnlich wie schon 
auf dem vorigen Reichstage Forderungen erhoben, welche darauf hinzielten, 
den Korfürsten bei der Abfassung der Wahlcapitulation gänzlich die Hände 
zu binden und so^die Prärogativen derselben auf das äusserste zu be- 
schränken. Doch wurden auch die Verhandlungen über diese Frage so 
hinausgezogen, dass dieselben bis zu Ende des Jahres nicht über die vor- 
bereitenden Stadien hinausgekommen sind. Innerhalb des Fürstencollegiums 
gelbst machte sich der Gegensatz zwischen den weltlichen und den 
geistlichen Mitgliedern desselben geltend, zunächst traten nur die ersteren 
und zwar unter Ausschliessung der Gesandten derjenigen kurfürstlichen 
Häoser, welche als Inhaber von Fürsteuthümern auch diesem Collegiom 
angehörten, zosammen ond stellten ein Gegenproject einer „beständigen^ 
Wahlcapitnlation auf. Nachdem sie Anfang Juli 1664 damit fertig gewor- 
den waren, traten nun die Geistlichen, von denen auch die Vertreter der 
kurfürstlichen Häuser, darunter auch der des brandenburgischen Kurfürsten, 
hinzugezogen wurden, ihrerseits zusammen, um über das kurfürstliche Pro- 
ject zu berathen, erst Ende November wurden sie mit ihren Bemerkungen 
zu demselben fertig ond erst Anfang Decembcr haben dann die Berathun- 
gen darüber im plenum des Fürstencollegiums begonnen. Kurfürst Fried- 
rich Wilhelm hat auch jetzt in dieser Frage dieselbe Haltung einge- 



i 



156 ^' ^er Anfang des Regensbarger Reichstages. 

iiommcn wie auf dem vorigeu lieichbtage^ er hat allerdings gegenüber jeueu 
so weit gehenden Forderungen der Fürstenpartei an der Behauptung der 
wesentlichen, in den Reichsgesetzen und dem Herkommen begründeten 
Vorrechten der Kurfürsten mit Entschiedenheit festgehalten und hat zu 
diesem Zwecke unter diesen selbst eine festere Vereinigung zn begründen 
versucht, aber er hat sonst gegen billige Forderungen der Fürsten zur 
Nachgiebigkeit gerathen. Er hat gleich zu Anfang, als ihm jene kurfürst- 
liche Declaration, die den Charakter eines Ultimatum trug, mitgetheilt wurde^ 
erklärt, die Fürsten würden steh sicherlich nicht mit diesen Zugeständ- 
nissen begnügen, und darein gewilligt, dass mit denselben weiter darüber 
verhandelt werde, ebenso hat er nachher, obwohl er vorher das Oegentheil 
gewünscht und gefordert hatte, nachgegeben, dass diese Verhandlungen im 
plenum in ordentlicher Weise geführt wurden. 

Neben den eigentlichen Reichstagsgeschäften haben die brandenbur- 
gisehen Gesandten in Regensburg in diesen Jahren auch andere Verhand- 
lungen zu führen «xch iht, sie erhielten den Auftrag, beim Kaiser die Refrti- 
tution von Jägerndorf zu betreiben, sie sind mit den Gesandten des 
Pfalzgrafen von Neubnrg und mit denjenigeu Fürsten, welche sich zur 
Vermittelung der Streitigkeiten desselben mit dem Kurfürsten erboten, in 
Unterhandlungen getreten, und haben, freilich schliesslich ohne Erfolg, zu- 
nächst in der Streitfrage über das Directorium im webtiälischen Kreise 
einen Ausgleich anzubahnen versucht, ihnen wurden dann im Jahre 16B4, 
nathdem der Kurfürst sirh entschlossen hatte, der Rheinischen Allianz 
beizutreten, die darauf bezüglichen Verhandlungen mit dem jetzt auch in 
Regen^bu^g anwesenden Buiidesiathc übertragen; auch über diese ander- 
weitige Thätigkeit derselben geben die hier mitgetheilten Akten Auskunft. 

Die Gesandtschaft, welche Kurfürst Friedrich Wilhelm im August 
1Ü62, jedeuliills in der Voraus>etzung, dass auch dieser Reichstag eine 
nicht allzu lange Dauer liaben werde, nach Regensburg schickte, war eiue 
sehr zahlreiche und ansehnliche, sie bestand aus den beiden Mitgliedern 
des (ieheimen Rathes Claus Ernst v. Platen und Carl Caspar 
V. Blumenthal, aus dem llalberstädtischen Regierungs- und Landrath 
Cnrt Asche v. Mahren hol tz und dem Frankfurter Professor Dr. Gott- 
fried V. Jena, denen 4 Edelleute und ein stattlit hes anderweitiges Ge- 
folge beigegeben wurden. Die lange Verzögerung der Eröffnung des 
Reichstages, dann das unerwartete Hinziehen der Verhandlungen desselbeu 
haben aber den Kurfürsten bald veranlasst, namentlich aus Rücksicht auf 
den grossen Kostenaufwand, dieselbe einzuschränken. Schon Anfang De- 
ccinber 16G2, also noch ehe die eigentlichen Reichstägsverhandlungen be- 
gonnen hatten, wurde v. Bluiucnthal abberufen, um die Gesandtschaft 
na» h Paris zu übernehmen, im Mai lt3G3 wurde auch v. Platen und der 
grössere Theil des Gefolges zunickgerufen, so dass nur v. Mahrenholtx 
und Jena, jener als Vertreter des Kurfürsten im Kurfürsten-, dieser im 
FürstencoUeirium, mit be>cheidinem Gefolge in Regensburg zurüekbliebeo. 



I 



Einleitung. 157 

Der erstere war schoo im Jahre vorher') (Januar — Februar 1661) zu 
einer diplomatischen Sendung an den dänischen Hof verwendet worden, 
er ist bis zu seinem Tode (29. October 1674^) in Regensburg geblieben, 
ohne, wie es scheint, dort eine bedeutende Rolle zu spielen, der letztere 
bat hier zum ersten Male die diplomatische Carriere und zugleich diejenige 
Stellung angetreten, in welcher er nachher lange Jahre verblieben ist, und 
in welcher er eine hervorragende Thätigkeit entwickelt hat. Gottfried 
von Jena^), der jüngere Bruder des Geheimen Rathes und Halberstäd- 
tischen Kanzlers Friedrich von Jena, 1620 in Z erb st geboren, hatte 
wie jener sich der jaristischen Laufbahn zugewandt und nach Absoivierung 
seiner Studien auf den Universitäten Wittenberg, Giessen und Mar- 
burg und nach längeren Reisen sich als Docent der Rechte in Heidel- 
berg niedergelassen, war dann aber 1655 als Nachfolger seines damals 
von dem Kurfürsten als Geheimer Rath in dessen unmittelbare Nähe ge- 
zogenen Bruders als ordentlicher Professor der Rechte an die Univer- 
sität Frankfurt a. 0. berufen worden. Dort hat er sich neben seiner 
akademischen Thätigkeit durch die Anfertigung von Recbtsdeductionen und 
Gutachten hervorgethnn, er wurde dafür von dem Kurfürsten mit dem Titel 
eines Geheimen Rathes beehrt und 1662 als Mitglied der Reichstagsgesandt* 
Schaft nach Regensburg entsendet. In dieser neuen Stellung als Ver- 
treter des Kurfürsten auf dem immer verlängerten und schliesslich in eine 
ständige Versammlung verwandelten Reichstage ist er ein Viertel Jahrhun- 
dert lang, beinahe bis zum Tode des Grossen Kurfürsten, bis zum Sommer 
1687 *) verblieben, und er hat dieselbe auf das geschickteste und würdigste 



S. Urk. u. Akt. IX S. 719 f. 

^ Irrig setzen Cosmar und Klaproth, Gesch. des Preossischen Geheimen 
Staatsratha S. 362 seinen Tod auf den 18. September 1689 an; G. v. Jena mel- 
det (d. Regensburg 19./29. October 1674), dass v. M. an diesem Tage Nachmittags 
3 Uhr nach ganz kurzer Krankheit (er hat noch die vorhergehende Relation vom 
15./25. October unterzeichnet) gestorben sei. 

^ S. Isaacsohn in der Allgem. deutschen Biographie XIII S. 762. 

*) Irrig giebt Isaacsohn a. a. 0. an, G. v. Jena sei trotz der zu Anfang 
des Jahres 1687 zwischen ihm und dem Kf. entstandenen Differenzen auf seinem 
Posten in Rcgeosburg bis über den Tod des Kf. hinaus verblieben. Allerdings 
wurden jene Differenzen ausgeglichen, der Kf. versichert ihn (d. Potsdam 
22. März / 1. April 1G87) wieder seiner früheren Huld und Gnade, gewährt ihm 
aber zunächst einen dreimonatlichen Urlaub, um seine in Brescia sich aufhaltende 
Tochter daselbst zu besuchen , und weist ihn an, sodann sich zur Beobachtung 
seiner obliegenden Funktionen im Herzogthum Magdeburg wieder einzufinden, 
nimmt aber (d. Potsdam 29. Mai /8. Juni 1687) den ertheilten Urlaub wieder zurück 
and befiehlt ihm, sogleich nach Halle sich zu begeben, und J. meldet von dort 
am 2./ 12. Juli desselben Jahres, dass er dort angekommen sei. Nach seinem 
Abgange verwaltete zunächst der schon IfiSO ihm beigegebene C. Schonbeck 
allein die Gesandtschaftsgeschäfte, bis der Kf. noch in demselben Jahre Ernst 
V. Metternich und Wolfgang v. Schmettau zu seinen Gesandten beim 
Reichstage ernannte. 



158 4- I^^r Anfang des Regeosbnrger Reichstages. 

ond zar volleo Zufriedenheit seines Herren ansgeföllt. Mit eloer gründ- 
lichen Kenntnis der verwickelten staatsrechtlichen VerhiUtnisse verband er 
eine scharfe Beobachtungsgabe, and aach mit den damaligen Künsten der 
diplomatischen Intrigne hat er sich schnell vertraut gemacht; bei aller Ent- 
schiedenheit, mit welcher er die Rechte und Interessen seines Herrn ver- 
trat, zeigte er sich doch mild und versöhnlich, er war von angenehmen 
Umgangsformen und hat sich so auch bei seinen Genossen in Regensbnrg 
allgemeiner Achtung und Beliebtheit erfreut. 

Als Anhang sind diesem Abschnitte die auf die Versammlungen des 
Obersächsischen Kreises zu Leipzig (October 1663 und Juni 1664) 
und auf die beiden Zusammenkünfte des brandenburgischen Kurfürsten mit 
dem Kurfürsten Johann Georg von Sachsen (December 1663 und Juni 
1664) bezüglichen Akten beigegeben. Dieselben Fragen, welche den Reichs- 
tag beschäftigten, namentlich die Abwehr der Türkengefahr und die Er- 
furter Händel, sind auch auf diesen Zusammenkünften zur Sprache gekom- 
men. Von Interesse sind dieselben namentlich deswegen, weil sie zeigen, 
wie der Knrfürst den damals angesichts der Türkengefahr auch Im Ober- 
sächsischen Kreise gemachten Versuch der Organisierung einer Landes- 
vertheidigung unterstützt, wie er zugleich sich bemüht hat, einerseits eine 
Vereinigung desselben mit dem benachbarten Niedersächsischen Kreise, 
in welchem eine ähnliche Einrichtung begründet war, herbeizuführen, anderer- 
seits eine besondere Verbindung mit Kursachsen nnd anderen benach- 
barten Fürsten zur gegenseitigen Hülfeleistung zu stände zu bringen, wie 
er ferner sich bemüht hat, überhaupt mit Kursachsen in ein näheres 
und engeres Verhältnis zu treten, welche Versuche aber durch die un- 
schlüssige und zweideutige Haltung des sächsischen Kurfürsten vereitelt 
worden sind. 



1 



iDBtniktioo der Reichstagsgesandten. 159 



InBtrnktion, womit wir — unsere liebe geheue Claus Ernst 
V. Platen — , Christoph Casparn Freiherrn v. Blumenthal — , 
Curt Aschen von Mahrenholtz — und Gottfrieden v. Jena auf 
den am 8. Jufli 1662 ausgeschriebenen Reichstag naher Re- 
gensburg abgefertiget haben. D, Cöln a. d. Sp. 23. Juli/ 

[2. August] 1662. 

Sie sollen, obwohl die kaiserlichen Eommissarien wohl nicht zum fest- 2. Auf?. 
gesetzten Termin eintreffen werden^ doch im Jnli in Regensborg sich 
einfinden, v. Platen soll im Kurfürstlichen Collegio des Kf. Stelle halten 
und Freih. v. Blnmenthal das Wort führen, im Fürstenrath aber ▼. Mah- 
renholtz wegen Hai berstadt und Pommern, v. Jena wegen Minden 
und Camin reden und votieren*). 

Als Punkte der Berathschlagnng bezeichnet das kaiserliche Ausschreiben, 
d. Wien 8. Februar»), dass: 

- 1) von der Sicherheit des Reiches und wie dem Türkischen Vorbrnch 
in dasselbe als auch in die Kaiserlichen Erblande zu wehren, 
2) von der durch den Friedensschluss und letzten Reichsabschied zur 
allgemeinen Erörterung verwiesenen Reichsangelegenheiten zu handeln 
sein wird. 

Woneben dann einige andere absonderlich uns und unsere Lande 

angehende, dann auch diejenige Sachen, so uns sonsten recomman- 

dieret, zu beobachten sein werden. 

I. Türken hülfe. Ges. sollen dafür stimmen, dass solch Werk zu- 

Cst vorgenommen werde, zuförderst aber rathen, dass der Kaiser quibus- 

<^Qt}qQe honestis conditlonibus Frieden mit dem Türken machen möchte; 

tollte dies nicht möglich sein und zur Deliberation kommen, ob und wie 

S. die ähnliche OeschäftsvertheiluDg in der InstroktioQ für die GesandteD 
*^r dem vorigen BeichsUge, ürk. u. Akt. VI S. 164. 

') Diarium Europ. VIII S. 123ff. Londorp VIII S. 811 ff. Pachner 
^* Eggen stör ff, Vollständige Sammlung aller von Anfaog des noch fiirwäh- 
'^^Oden Teatscheo Reichstags de aoDO 1G63 biss anhoro abgeTassteD Reicha- 
•^hlüaae I S. Iff. Vgl. oben S. 56 u. 152. 



160 ^- ^er Anfang des Regensbarger Reichbtages. 

weit sich das Reich dieses Krieges anzunehmen habe, so befindet Kf. in 
Anbetracht der auch dem Reiche durch die Türken drohenden Gefahr die 
Hülfe für nöthig. Betrefifend 1) die Frage, wie stark die Hülfe sein solle, 
kann Kf. jetzt noch nichts resolvieren, sondern wül sie erst auf empfan- 
genen Bericht hierüber instruieren. Einwendungen wegen Moderation der 
Matrikul u. dgl. sollen nicht beachtet, sondern deren Erörterung auf an- 
dere Zusammenkünfte verschoben werden. 

Jedoch haben unsere Abgesandten bei den Kaiserlichen Commis- 
sarien ingeheimb zu bedingen, dass, da es anjetzo an unsern Gren- 
zen sehr trübe aussiebet und wir umb unserer Lande aus der Nach- 
barschaft anscheinenden Gefahr willen eben jetzo noch in kostbaren 
Verfassungen stehen müssen, wir zu solcher allgemeinen TQrkenhülfe 
für diesesmal und ehe wir von der obgesagten Gefahr befreiet, wie 
gerne wir auch wollten, etwas beizutragen nicht vermöchten, und 
hoffeten also, Ihre Kais. Majestät hierunter uns nicht* verdenken, son- 
dern das Türkische Wesen vielmehr dahin richten würden, dass durch 
Gelegenheit desselben andere nicht Anlass nehmen möchten, Sie und 
uns zu beleidigen und zu infestiren. 

Betreffend die Fragen: 2) ob die Hülfe in Völkern oder Geld beste- 
hen, 3) wenn Völker zu senden, wie es mit ihrem Unterhalt, 4) wie es mit 
dem Commaiido und der Direktion des ganzen Wesens zu halten sein 
solle, hält Kf. die Geldhülfe für die geeignetste, doch da aoch hierbei 
Schwierigkeiten sind und er zu diesem Werke diesmal überhaupt nichts 
beitragen kann, können sich die Gesandte den Majoribus accoromodieren ; 
5) wie das Geld aufzubringen, wird am passendsten der Ausschlag nach 
den Römermonaten gemacht werden, auch nach den Beschlüssen früherer 
Reichstage auswärtige chrifetliche Potentaten, auch die Eidgenossen , der 
Ritterorden und die unmittelbare Reichsritterschaft um Geldhülfe und Sen- 
dung von Truppen angegaugen werden können; 6) wegen der Artillerie, 
ist es wie früher zu halten, dass die Könige von Ungarn diese anzuschaffen, 
die Kreise etwas Feldgeschütz ihren Völkern mitzugeben haben. Betref- 
fend 7) die anderweitige Sicherheit des Reichs, so scheinen Gefahren für das- 
selbe jetzt nicht zu fürchten zu sein, man müsse Streitigkeiten mit aus- 
wärtigen Mächten jetzt nicht anregen, aber doch dafür sorgen, dass das 
Reich in uuverniuthetcn Fällen nicht gar bloss stehen, sondern ein jeder 
der Executionsordnung gemäss sich bezeigen möge. 

II. Punkte, welche durch das Instrumontum pacis auf einen 
allgemeinen Reichs tag verwiesen, aber auf dem vorigen Reichs- 
tag nicht völlig abgetban sind. 

1) Justitialia. Betreffend Abthnung der Mängel bei dem Reich!«kaiB- 
mergericht, Verbesserung der Ordnung desselben sowie der Reichsbof- 



V 



IcstruktioD der Reichstagsgesandten. 161 

rathsordonng sollen Ges. in allen zweifelhaften Fällen erst an Kf. 
referieren. Eine Revision der Eammergerichts-Matriknl ist; nachdem 
anf dem letzten Reichstage Erhöhung der Gehälter der Assessoren 
und sonstigen Officianten desselben beschlossen ist ^), nothwendig. 
Betreffend die Präsentation der Assessoren von evangelischer Seite 
sollen Ges. dahin sehen, dass Kf. im niedersächsischen Kreise mit zur 
Präsentation gezogen werde, im westfälischen Kreise aber den einen 
evangelischen Assessor allein präsentiere. Aach in der Kanzlei soll 
die Parität der Religionen durchgeführt, die Visitation derselben nicht 
durch K.Mainz allein, sondern mit Zuziehung anderer, darunter 
auch evangelischer Stände, erfolgen. Bei der neuen Reichshofraths- 
ordnung^) sollen die Monita der Stände 3) berücksichtigt, in dem 
Reichshofrath selbst die Zahl der evangelischen Mitglieder vermehrt wer- 
den, so dass die Parität wirklich beobachtet werden kann; Ges. sollen 
auch dahin wirken, dass den evangelischen Mitgliedern grössere Re- 
ligionsfreiheit gewährt werde. 

2) Ecclesiastica. Bei Erledigung der Restitutionsfragen sollen Ges. 
ihr Absehen auf das Instr. pacis, den Nürnbergischen Executions- 
recess und den arctior modus exequendi richten. 

3) Politiea. In betreff der Herstellung der Parität im Kurfürsten- 
coUegium auf Deputationstagen soll es, da über andere Vor- 
schläge Kur- und FürstencoUegium sich nicht haben verständigen 
können, bei dem alternierenden quarto voto *) , das auf ein interim bei 
jüngster Deputation eingeführt ist, verbleiben. In der Frage wegen 
der Pluralitas votorum in collectis^) hat Kf. sich jetzt für die 
von den evangelischen Fürsten vorgeschlagene^) Distinktion entschie- 
den, dass nicht bei voluntariae, sondern nur bei necessariae collectae 
die majora zu gelten hätten, und zwar nnr, wenn die Majorität wenig- 
stens zwei Drittel der Vota betrage. Wenn zwei Drittel der Vota 
nnius collegii eine coUecta für necessaria erklären, so soll dieselbe 
dafür zu achten sein. 

Verhandlungen über die Frage wegen einer beständigen Wahl- 
capitulation ^) haben die Ges. sich zu bemühen zu verhüten, sollten sie 



^) Reichstagsabschied von 1654 § 11 (v. Meiern II Anhang 8. 97); s. ürk. 
u. Akt. VI S. 294. 

2) 8. V. Meiern I S. 1133ff. ürk. u. Akt. VI 8. 436. 450. 

3) V. Meiern I 8. 1135 f. 

*) Reichstagsabschied von 1654 § 191 (v. Meiern II Anhang S. 138). 8. Urk. 
o. Akt VI 8. 319ff. 348. 400f. Droysen lU, 2 8. 87ff. Kocher I 8. lOHff. 149. 

^) S. über die darüber aof dem letzten Reichstage geführten Verhandlangen 
Droysen 1X1,2 S. 86 ff. Köcher I 8. 108ff. 149. 

h S. ürk. u. Akt. VI 8. 320 f. 

8. über die Verhandlangen darüber auf dem letzten Reichstage und die 
Stellungnahme des Kf. ürk. o. Akt. VI S. 375ff. 400ff. Droysen a. a. O. 
Köcher a. a. O. 

Sriater. z. Gesch. d. G. Kurfürütci) XI. \ { 



162 



4. Der AnfaDg des Regeoeburger ReicfastsgeB. 



I 

I 

I 
I 



doch rorgenümmcn werden, eo snUen sie daraufgehen, diisE in einer solchea 
CnpitalatioD dea Hechten der Kurffirsten oicbts vergeben werde; ee nird 
sich schwerlich practicieren lassen, eine solche Capitulation aufznseizen, 
darin nach Gelegenheit der Zeit bei künftigen Fallen nichts zu andern 
Torfallen eoHIc. 

Wegen der Achtserklärnng') soll die Bestimmung der Wabicspi- 
mlation-) wiederholt nnd dem Reii-hsabschicde inseriert werden, dass keiD 
Stand des Reiches ohne der gesamten Stände Erkenntnis nnd Einwilligung 
oder wenigstens der sieben Kiirfiirdtco bei einer Collegialversaramlung in 
die Acht erklärt werden dürfe; der Punkt dea letzten Reichstagsabschieds ■), 
worin dem Eammcrgericlit die Acbtserkiarnng ez solo ospite coDtnmaviae 
znerkannt wird, soll geändert werden. 

Wegen Verbesserung der Defensions- nnd Ezecations< 
nang ist anch Kr. der Meinung, dass diese wohl eingerichtet and es nur 
dabin zu bringen sei. dass sie wirklich ausgeführt werde, doch soll der 
Punkt der Executionsordnung geändert werden, dass erst ein Krei^ seine 
Macht allein versuchen und erst, wenn diese sich nicht als ansreichend er- 
weist, andere Kreise herangezogen werden sollen, vielmehr iduss sofort die 
Hülfe nach der Gefahr und Macht des Feindes eingerichtet nnd einem 
solchen mit gesamter Macht begegnet werden. 

Es soll eine Verbesserung der Polizeiordnung Torgeoommen wer- 
den, auf Grund der auf dem niedersächsisclien Kreistage zu Branosrhweig 
1654 gemachten Vorsehläge, doch mnss allen Standen freigelftssen werden, 
nach Gelegenheit und Zustand ihrer Lande die Polizei einzurichten, nui 
dass darin nichts, so der allgemeinen Poli,!ei direct entgegen ianfe, festge- 
setzt werde. 

Im Kriege unbefugterweise eingeführte Zölle ') sollen abgeschafft, neue 
gemäss der Wahlcnpitulution ') nur mit üustimranng des Knrfürsteucolle- 
giums gestattet werden. Ges. sollen ptch bemühen, dass OonaDwörck 
realitniert, dass dasPostweaen geregelt werde. Wenn, wie zu erwarten, 
die Mitglieder des Dcputationstages, über dessen Translocation es ZB 

') Vgl. die ähnlichen Voraebrirten in der Instruktion für die Keichatftgtge- 
aandlun vom 16. December ir>52 (Qrk. n. Akt. VI S. 153 f.) und die Instniktion 
für diegoiben «om 21- Uai 1653 (S. '21S)- 

-) Wahlcapitulation Kaiser Leopolds L (d. FranklHirt 18. Juli 165S) § 2S 
(Londorp VIII S. 357). 

^ Eine aolcbe üestimmung Sndet sieb dort nicht, lietmehr werden in § 3S 
die im Fall der conlnmaciB bisher gebräacblictaen Wege, entweder auf die Poea 
der Acht oder ImmiBBioa ex primo vel gocuudo decreto zu procedieren, anter- 
aagt und in § 1(12 dem Kammergericht vorgeschrieben, nur in soweit ea demsel- 
ben vermöge der Keicbaabscbiede und der KOordnnog gebiibre, zur Acfataerklä- 
rung zu achrelien. 

') Vgl. die ähnlichen Vorschriften in der Inatrnktion für die Reichstagag»- 
aandten vom 16. Deeember Ki.^a (Drk. u. Akt. VI S, IGO). 

^) Wahlcapitulation Kaiser Leopolds I. §21 (Londorp VIII S. 3a&]. 




J 



Instruktion der ReichBtagsgesandten. 163 

so heftigen Streitigkeiten gekommen ist, Bestätigong alles dessen, was sie 
getban und verrichtet, vom Reichstage fordern, so müssen zunächst die 
actus und Handlungen, deren ConJSrma(ion gesucht wird, specificiert werden, 
doch wünscht Ef. i), dass diese Sache, als welche sehr stachlich ist, weil 
diese Streitigkeiten nunmehr cessieren, nicht möchte angeregt werden. 

III. Punkte, welche Kf. in particulari concernieren: 

1) Man untersteht sich^ ihm ratione der Stifter und Bisthümer Bran- 
denburg, Havelberg undLebns und der Herrschaften Ruppin, 
Schwedt und Vierraden absonderliche collectas anznmnthen; dies 
ist durchaus ungegründet, doch sollte wegen dieses Punktes von den 
an deren Reichsständen nichts moniert werden, so haben auch Ges. ihn 
zu übergehen. Weil bei diesem Reichstage Redressiemng der Matricul 
vorgenommen werden soll, so haben Ges. sich zu bemühen, dass 
eine Redressiemng') derselben auch inbetreff der unrechtmässig be- 
lasteten Lande Cleve, Mark und Ravensberg, ferner Hinter- 
pommern, Halberstadt und Magdeburg vorgenommen werde. 

2) Gegenüber der Stadt Magdeburg*), welche die im Instr. pacis ver- 
glichene Eventual-Erbhuldiguog verweigert und einen Immediatstand 
beansprucht, haben Ges. sich zu bemühen, dass dieselbe nicht die 
vom Kaiser geforderte Bestätigung des Privilegium Ottonianum erhält^ 
vielmehr Rath und Bürgerschaft der Alten Stadt Magdeburg von 
ihrem Unfog und Widersetzlichkeit abgemahnt, hingegen zur Ablei- 
stung des Eides angewiesen und, faUs sie sessionem et votnm bean- 
spruchen sollten y zurückgewiesen werden, auch die Forderung der- 
selben wegen Ausdehnung ihres privilegii muniendi et fortificandi auf 
alle eine Viertelmeile Weges um die Stadt liegende bona privatornm 
ond wegen Verhinderung der Wiederaufbauung der beiden Land- 
städte Neustadt und Sudenburg sind ganz ungegründet. Ges. 
sollen sich in diesen Sachen mit den Gesandten des Administrators 
vereinigen. 

3) Ges. haben die Rechte des Ef. zu wahren, falls wegen der Jülich- 
schen Succes sionssacbe auf dem Reichstage etwas vorkommen 
sollte, oder falls die Stadt Herfordt^), obwohl sich dieselbe mit 
ihm verglichen, oder die Städte Wesel und Duisburg^ als freie 



») 8. oben S. 58 f. 

^ Vgl. die ganz iihnlicben Vorschriften in der Instruktion vom 16. Decem- 
ber 1652. (ürk. u. Akt. VI S. 152 f.) 

») ibid. S. 152 f. 

*) ibid. S. 161. Näheres über diese Streitigkeiten mit Magdeburg unten 
io Abschn. 13. 

^ ibid. S. 162. Die Stadt hat allerdings 1653 auf dem Reichstage Versuche 
gemacht, ihre Reichsstandschaft geltend zo machen, s. ebendaselbst S. 166 f. 
195 f. 220. 

«) ibid. S. 163. 

11 ♦ 



k 



]ß4 3- D'« Belebouüg dea Kurrüraten a. b. w, 

Reichsstädte E^s^ionem et volnm bcanspriiclien, oder der Cardlnil' 
V. Harrach') augebliche Rechte auf die Probstei Halherstadt 
vorbringen soUlo. 

4) Der Köm'g von Schweden') hat vom Kf, dessen AssislenE nachge- 
sucht, am vom Kaiser mit der Pommerischeu Belehnung aceh zugleich 
die Hatification des Grenereccsses zn erlangen, Kf. hat dieses aber 
allgeschlagen, Ges. sollen sich darauf nicht eiiilaseen, sondern anstatt 
voti die dem schwedischen Gesandten ertheilte Resolution *) vorleecD. 

5) Kf. hat sich bisher nicht ent6cbloti»eu, der Aufforderung einiger Stände 
und des Königs von Frankreich, der Älliaiice dcTEelbeo beizu- 
treten'), nachzukommen; sollte anf dem Reiehstage von diesen des- 
wegen etwas ao die Ges. gebracht werden, ^o babeo »ie zu erklären, 
darauf nicht instruiert zu sein, es aber an Kf. referieren zu wollen. 

6) Gegeuüber etwaigen Klagen einzelner Stände über Belegung mit Durch- 
zügen oder Quartier im Iptzten Kriege wider Schweden sollen Ges. 
nachweiset), dass Kf. keine Schuld daran trage. Andererseits aber 
sollen sie dafür, dass Kf. erst im fünften Jabre nach drui Osnnbrürk- 
schen Frieden in den Besitz von Hinterpommern gekommen, 
SchadeuersatK oder, dass dem Kf. deswegen eiuige cadac Lehne zuge- 
wandt werden, fordern. 

7) Sollte wegen der Poslen^) etwas vorgehen, so sollen Ges. sich 
darüber beschweren , dass der Kaiserliche Generalpoätnieister Graf 
TuxiB sich erlaubt hat, de^ Kf. Recht, in seinen Lftnden Postea atisu- 
legcn, anzufechteu, und dahin wirken, dass diesem sein nnbegriindetes 
Vornehmen und die harten Reden, die er iu seinen Schriften gebrancht 
hat, verwiesen und Kf. bei seinem Rechte geschützt werde. 

IV. ScbliesBlichen nan auf diejenige zu kommen, bo aneeic 
Assistenz uDd Hülfe bedürfen und uns zum Theil darum er- 
sucht habeu: 
1] Ges. sollen mit den anderen evangelischen Ständen zusammen beim 
Kaiser Fürbitte für seine evangelischen Unterthaneu wegen mehrerer 
Religionsfreiheit einlegen. 
2) sollen sie sieb der Interessen des Kurfürsten von der Pfalz, der Kf. 
damni ersncht hat^, annehmen. 



') ibid. S. 164; vgl. die Relation der Gesandten vom 17. Juli liJSS (S. 2bti). 

^ S. oben Abaehn. 3 S. 137 CT. 

*) B. oben S. 138. 140. 

*) S. (iia Verhaudlougan mit Lesaaina Urk. n. Akt 11 S. 243 ff. IS S. eOOff. 

') S. BclioD die Vorscbrifido in der Inatroktion vom 16. December 1653. [Otk. 
n. Akt. VI S. liUf) Vgl. Stephan, Oeschichte der prenssischeu Post S. äült 

'^ Auf (irnad der zwischen ihnen 6, Mai Itiül abgeBchlossonen Alliani (t. 
oben Abscbn. 2) hatte Kurfürst Kurl Ludwig deu Kf. orsncbl, ihn auf dem 
ßoichstnge ku anterBtützen. 



lostraktioD der Reichstagsgesandteo. 165 

3) Ef. hat vcrsQcbt, den Streit zwischen den beiden brandenbnrgi- 
sehen Hänsern in Franken*) über die Präcedenz and das ansscbrei- 
bende Fürstenamt nnd Direktorium im fränkischen Kreise zu schlich- 
ten; wenn sie sich nicht beruhigen, so sollen Ges. sich weiter um 
einen Vergleich bemuhen und vorschlagen, dass jene inzwischen ihnen 
das Votum in beider Häuser Namen überlassen, auch sollen sie die 
Kitzinger Sache derselben gegen K.Mainz') nnd die Forderung 
des Markgrafen Christian Wilhelm') gegen den Administrator von 
Magdeburg unterstützen. 

4) Der Herzog von Mecklenburg hat des Kf. Assistenz gegen Schwe- 
den wegen des Warmünder Zolles*) nachgesucht; Kf. hält Schwe- 
den dazu nicht für befugt und sollen Oes. demgemäss ihr votum 
einrichten. 

5) Ges. sollen den Heermeister, Fürsten zu Nassau, bei seinen Be- 
mühungen wegen der 3 Ordenscomtureien Mirow, Nemerow und 
Wiidenbrnch^) unterstützen. 

6) Der Kaiser hat vom Kf. sein Gutachten über die Lothringische 
Translation, über die von Frankreich geforderte Huldigung der zehn 
Städte im Elsass und wegen der Strassburgi sehen Huldigung 
gefordert Kf. ist über diese Punkte nicht genügend informiert, Ges. 
sollen zusehen, was darüber für Information ertheilt wird, und wohin 
andere zielen, und danach sich in ihrem votum richten oder an ihn 
referieren. 

Ges. sollen alles jederzeit unter sich insgesamt wohl überlegen und 



>) S. oben Abschn. 3 S. 99. 

^ S. darüber Ren schal, Des Darchleachtigsten Chor- und F&rstlicheo Hauses 
Brandenbarg Stammbaam (Bayreath 1666) S. 127. 

>) Des GrosBoheims des Kf., des ehemaligen, seit 1632 katholisch geworde- 
nen Administrators von Magdeburg. Die Streitigkeiten desselben mit dem 
jetzigen Administrator von Magdeburg, August von Sachsen, betrafen die 
ihm aus dem Erzstift zu zahlenden rückständigen Alimentgeider, s. Urk. u. 
Akt. IV S. 905. 

*) S. die darüber schon auf dem vorigen Reichstage 1653 vorgebrachten Kla- 
gen bei V. Meiern I S. 356 ff. 

^) Durch den Westfälischen Frieden (Art. XII §3) waren dem Hause M ek- 
len bürg als Entschädigung auch die daselbst gelegenen Johanniterordens-Com« 
toreien Mirow und Nemerow zugesprochen worden, doch unter der Bedin- 
gung, dass dasselbe die Einwilligung des Ordens erwirke und diesem sowie dem 
Kurfürsten von Brandenburg als Patron desselbeo die üblichen Leistungen fort- 
entrichte. Der Orden protestierte aber dagegen und forderte nicht nur die 
Besponsgelder, soodern nach dem Tode des Herzogs AdolfFriedrich 1658 auch 
die Buckgabe der Comtureien selbst, und auch der Kf. unterstützte dieses Be- 
gehren. S. über die darüber bis zum Jahre 1693 sich hinziehenden Streitigkeiten 
Li isch in Jahrbücher des Vereins für Meklenburgische Geschichte und Alter- 
thnmskunde IX S. 67 f. 



166 4. Der Anfang des Begeosbnrger Reichstages. 

nichts ohne gemeines Outbefinden thnn, votieren oder handeln, alles fleissig 
protocollieren und dem Rf. ?on allem, was passiert, bei allen Posten aus- 
führlichen Bericht senden. 



V. Blnmenthal, v. Mahrenholtz und v. Jena an den Eorftirsten. 
D. Regensburg 25. Augu8t/[4. September] 1662. 

[Ankuoft. Geringe Zahl der Anwesenden.] 

Sept. Sie sind gestern hier angekommen, v. Platen') hat sich in Jndenbach 
von ihnen getrennt und ist noch nicht eingetroffen. Der Erzbischof vod 
Salzburg^) ist am 19./ 29 August hier angelangt'), will aber, weil nur we- 
nige Gesandte anwesend sind, wieder abreisen und Graf Wolkenstein 
hier lassen. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln a. d. Spree 

26. August/ [5. September] 1662. 

[Wie sie sich gegen den französischen Gesandten verhalten sollen.] 

5. Sept. Er sendet Abschriften der Berichte Becks über seine Audienz beim 

Könige von Frankreich und über die mit demselben wegen Erneuerung 
der .Allianz gehaltenen Discurse, sowie seines Rescripts an denselbeu^). 
Sollte der französische Gesandte ihnen gegenüber diese Sache berühreo, 
und die neue Instruktion, welche Kf. ihnen darüber zufertigen will, noch 
nicht angelangt sein, so sollen sie dieses demselben anzeigen, inzwischen 
demselben mit aller Courtoisie und Vertraulichkeit begegnen und des Ef. 
Geneigtheit zur Freundschaft mit dem Könige versichern. 



V. Platen begab sich zunächst zu den Markgrafen von Ansbach aod 
Baireath, um eine Ausgleichung des zwischen denselben ausgebrochenen Präce- 
denzstreites (8. S. 165) zu versuchen. Er meldet dem Kf. 26. Augnst/Ö. September 
aus Baireuth, Markgraf Albrecht von Ansbach wolle den Vorschlag des Kf. 
nicht annehmen, beide Markgrafen wollten sich auf dem Reichstage der Session 
enthalten und ihr votum einem anderen auftragen. 

^ Erzbiscbof Gnidobald von Salzburg, kaiserlicher Principalkommissarius; 
neben ihm halte der Kaiser den Reichshofraths-Vicepräsidenten Grafen von 
Wolckensteio und den Reichsbofrath Grane zu Kommissarien bestellt. Die 
österreichische Gesandtschaft bestand aus Graf von Weissenwolf, Freiherr 
V. Volmar, Dr. Scherer und Dr. Höcher. S. Diar. Europ. VIII S. 567. 

^ S. die Beschreibung seines Einzuges Diar. Europ. IX S. 188 ff. 

*) S. ürk. u. Akt. IX S. 615 f. 



i 



Ankanft der OesaodteD. AeDSseruogeD des Erzbischofs von Salzburg. 167 

Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 

l./ll. September 1662. 

[Absichteo der Depatierteo in Frankfurt. Cerimooialstreit mit dem Erzbiechof 

von Salzburg.] 

y. Plateo ist vor drei Tagen auch von Bairenth hier angelangt 11. Sept. 
Es scheint mit dem Reichstag sehr langsam und schläfrig daherzogehen ; 
die ZQ Frank fort Sobsistierenden werden sich wohl nicht so geschwind 
hier einfinden; wie ihnen der knrsächsische Gesandte Dr. Strauch mitge- 
theilt, wollen dieselben , nm ihre bisherigen actiones zn beschönigen und 
den Convent mit Manier aufzuheben, einen Deputationsabschied verfassen 
und sich hier nicht einlassen, ehe selbiger vom ganzen Reich confirroiert 
worden. Ges. haben sich heute bei dem Kaiserlichen Principal -Conunissa- 
rius, dem Erzbischof von Salzburg, zur Visite anmelden lassen; da derselbe 
aber erklärt hat, sie so behandeln zu wollen, wie er andere kurfürstliche 
Gesandte zu Salzburg zu behandeln pflegte , und sich geweigert, ihnen, wie 
sie verlangt, die Präcedenz und Oberhand und den Titel Excellenz zu geben, 
so liaben sie die Visite aufgeschoben und fragen bei Ef. an, wie sie sich 
dem gegenüber zn verhalten haben. ^) 



Die Gesandten an 'den Kurfürsten. D. Regensburg 
22. October st. v. / [1. November] 1662. 

(Visite bei dem Erzbischof von Salzburg.] 

V. Blnmenthal hat den 20./. 30. Audienz beim Erzbischof von Salz- 1. Nov. 
bürg gehabt. Nach Erörterung des Präcedenzstreites, wobei jener sowohl 
als V. Bl. auf ihren Behauptungen und Forderungen beharren, spricht der 
Erzbischof über den Reichstag, beklagt, dass es mit demselben so schläfrig 
herginge, auf seine Anfrage beim Kaiser, ob er, ohne auf die anderen 
Stände zu warten, mit der Proposition verfahren solle, habe er noch keine 
Antwort, ja er wäre versichert, dass man zu V\rien weniger auf den Reichs- 
tag als alhier gedächte. So gefiele ihm die Kaiserliche Conduite bei jetzi- 
gem Türkenkriege auch gar nicht, sagte, er hätte Leute, die sich zu gar 
mchta resol vieren könnten. Der Feldmarschall Montecucoli wäre zwar ein 
capabel Subjectum, allein gar zu speculatif, langsam und behutsam. Zum 
Schloss erwähnt er des päpstlichen und französischen Streites'), giebt dem 
Papste auf das höchste Unrecht und erklärt, derselbe disgustiere alle teut- 

>) Kf. erwidert darauf (d. Cüstrin 17./ [27.] September 1662), sie sollten auf 
ihrer Forderung bestehen, wenn dieselbe nicht erfüllt wurde, den Erzbischof 
einzeln und ohne Solennitäten besuchen, aber in den Geschäften fleissig mit ihm 
communicieren. 

^ S. Ranke, Französische Geschichte III S. 295 ff. 



168 4. Der Aofaog des Regensbarger Reichstages. 

sehen Fürsten; er hätte ihm nealich einen Brief geschrieben, den er ans 
Fenster zu stecken Bedenken tragen würde; er wünschte nnr, dass darch 
genauere Znsammentretung der teotschen Fürsten *) dem Pabst ein solcher 
Knoten möge vorgelegt werden, den er nicht aufzulösen vermöchte. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 10./ 20. No- 
vember 1662. 

[AeasseniDgen des Erzbischofs von Salzbarg.] 

20. Nov. V. Platen und v. Blumenthal sind gestern einer Einladung des 
Erzbischofs von Salzburg zur Mittagsmahlzeit gefolgt; dabei erzählte der 
Erzbischof, er hätte »n den Kaiser gelangen lassen, weil man den Frieden 
mit den Türken für gewiss hielte, so würde nicht zu rathen sein, den An- 
fang des Reichstages von der Hülfe der Stände zu Beibehaltung der kaiser- 
lichen Armatur za machen, sondern man solle zunächst die auf dem letzten 
Reichstage unerledigt gebliebenen Reichssachen, namentlich punctum secnri- 
tatis imperii vornehmen, und würde der Kaiser daranf bedacht sein müssen, 
dass den gravaminibns imperii abgeholfen werde; wenn solches geschehen, 
würde sich am besten von der Hülfe reden lassen. Er wüsste zwar, dass 
er damit bei den kaiserlichen ministris schlechten Dank verdiente, der Kaiser 
hätte ihm aber doch anheimgegeben, wenn die KMainzische Hauptgesandt- 
schaft käme ^), mit derselben und dem kurfürstlichen Collegio zu überlegen, 
wie die Proposition am füglichsten eiozurichten sei. Man glaubt aber allge- 
mein, dass die Proposition vor dem neuen Jahre nicht geschehen werde. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 23. November/ 

[3. December] 1662. 

[Festsetzung der firöffnaDg des Reichstages.] 

3. Dec. t)^r Erzbischof von Salzburg hat zn gestern Nachmittag erst um VjS 

die kurfürstlichen und dann um VsB die fürstlichen Gesandten zu sich berufen; 
V. Mahrenholtz ist zu dem ersten, Jena zu dem zweiten Termin erschie- 



^) Auch Kurfürst Job an D Philipp von Mainz billigte das Vorgehen Lud- 
wigs XIV. gegen den Papst, und Ludwig XIV. selbst hat damals eine Vereini- 
gung des fraozösiscben und deutschen Klerus gegen denselben gewünscht, s. 
die Rescripte des Königs an Gravel vom 28. September und 28. October 1662 
(Guhrauer, Kurmaioz in der Epoche von 1672, II S. ^1.344). 

'-) Anfang November ist in Regensburg als Gesandter für K.Mains nur 
Dr. Ettinger anwesend, erst am 25. November kommt der Kanzler Mehl, 
18. Januar 1063 der Principalgesandte, Bischof von Worms, an, letztererstirbt 
daselbst am 13. März 1063 (S. Diar. Europ. IX S. 508. X S. 4. 132.). 



i 



EröffDQog des Reichstages. 169 

neu , aof dem ersten theilte der Erzbischof mit, dass der Kaiser für den 
20. Jannar st. n. die Proposition festgesetzt habe, und fragte, ob die kur- 
fürstlichen Gesandten damit einverstanden wären; auf ihre bejahende Er- 
klärung theilte er dieses dann nachher den fürstlichen Gesandten mit, die 
sich auch zustimmend erklärten. 



Dieselben^ an den Kurfürsten. D. Regensbufg 12. /22. Ja- 
nuar 1663. 

[EröffDQDg des Reichstages.] 

Vorgestern, Sonnabend den 10./20. ^ wurde die Reichstagsproposi- 22 Jan. 
tion^) eröffnet, obgleich sowohl auf der geistlichen als weltlichen Bank 
an die 40 Stände fehlten. Freitag Nachmittag fand vorher im Hause des 
EMainzischen Kanzlers Mehl eine Zusammenkunft der kurfürstlichen Ge- 
sandten statt, worin über allerhand Cerimonialien , worin die Präeminenz 
des Kurfürsten zu wahren, verhandelt wurde. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 15. /25. Ja- 
nuar 1663. 

[Beschlüsse über die Reihenfolge der zu berathenden Gegenstände and den 

modas tractandi.] 

Dienstag den 13./23. Januar wurde die erste Session^) gehalten; die in 25. Jan. 
beiden Collegien ad deliberandum vorgetragenen Punkte waren: 

1) nach welcher Ordnung die in der kaiserlichen Proposition enthaltenen 
Materien vorzunehmen? 

2) was für ein modus tractandi hierin zu halten sei? 

Beide Collegien beschlossen: 1) die vom Kaiser in der Proposition 
gemachte Ordnung zu observieren, also zunächst von der Hülfe gegen den 



V. Biumeothal, den Kf. für die Gesandtschaft nach Paris bestimmt hatte, 
(a. Urk. Q. Akt. IX S. 616) hat inzwischen 4. December Regensbarg verlassen 
and ist zaoäcbst nach Berlin gereist (Diar. Earop. IX S. 508.). 

^ S. die aasfübriiche Schilderang der EroffnaDgssitzaDg Diar. Earop. X 
S. 5ff.; Theatr. Europ. IX S.857f.; Gemeiner I S. 17 ff. 

3) In derselben (Diar. Europ. X S. r2ff.; Londorp vm S. 963; Pachner 
V, Eggenstorff I 8. 7 ff.) werden drei Punkte zar Berathung gestellt: 1) Hülfe 
gegen die Türken, 2) Erhaltung der Rahe and Sicherheit des Reiches, 3) Erle- 
digung der nach dem Friedensscblass za vollziehenden und auf den Reichstag 
verwiesenen Gegenstände, es wird aber verlangt, dass zunächst der erste erle- 
digt werde. 

*) S. Gemeiner I S 23 ff. 



no 



i BogeDsburger ßeicbalugea. 



Erbfeind zu lianJcla, doch ^o, duss die b den bcidcu letzten Packten be- 
griffenen MalerieQ oack Möglichkeit zugleicli mit TorgenommeD wurden. 

2) die Dinge sollten ordentlich in pleno vorgetragen «erden, doch dasa 
nach der Sachea Beschaffenheit za Zeiten auch depulati bolcbe vorzuneh- 
men verordnet würden, 

Qes. erbitten vom Kf. AnneiEong inbetreff der Türkenhiilfe, ob sie aof 
das Geld oder auf das Volk gehen, uad wieviel sie bewilligen sollen. Sie 
haben wegen des FUrsteatbams Cammin ein .Memorial ') dein Erzbischof vua 
Salzburg Übergeben. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regeiisbarg 19. / 29. Ja- 
nnar 1663. 

[Geeprüch Jenas mit Crana, Äcilealua^, daae Kf. nicht £Q der Türkenliülfe bei- 
tragen ItÖanB.I 
S9. Jan. Heute wird die zweite Sitzung gehalten werden. Weil dort über di« 

Türkenhiilfe berathen werden soll , haben Ges. es für nöttaig gebalten, den 
Kaiserlichen Koinmissarien von weitem zu verstehen zn geben, dass Kf. 
dieseömal sich an der Leistung von Volk oder Geld nicht betbeiligeu könae. 
Daher hat eii'h Jena zu Crane begeben und zunächst als Vorwand 
angefragt, ob dem Kaiser mit Volk oder Geld mehr gedient sei. Jener 
antwortete, der Kaiser würde hierin indifferent sein und den Ständen soivhea 
anheimstellen. Im Discurs kamen sie auf die vom Kf. geführton Kriege und 
wie Kf. auch jetzt noch in Waffen bereit stehen njüi^ste, nnd Jena be- 
merkte darauf, duss Kf. wohl für entschuldigt gebalten werden würde, wenn 
er für diesmal mit der Hulfeleistung verschont za sein snchen müsete. Da 
aber jener hierauf nicht antwortete, so merkte Jena, dass er keine luetmk* 
tion oder Macht in diesem Werke hätte, weshalb er es auch nicht für ge- 
rathea hielt, sich detibalb deutlicher herauszulassen. Ges. bitten Kf. ota 
-Anweisung, was von ihnen hierin ferner zu thun sei, sie bitten zu erwi^o, 
ob CS nicht räthlich sei, dass Kf. selbst an den Kaiser schriebe, nnd ob 
dem Dinge nicht besser za Wien als hier abgeholfen werden könne. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 22. Januar/ 
1. Februar 1663. 

[Vorgänge in der Sitzung vom 21. /31. Januar.] 
1 .Fuhr. In der gestrigen zweiten Session') wurde im kurfürstlichen Oollegi» 
deliberiert, aufweiche Weise die TUrkeubülfe einzurichten sei, und I 

') Loodorp VIU S.ÖCTf., darin wird verlangt dass dem durch den W«llr> 

rälieclien Frieden säe ul arisi arte Biathum Oamaiio die ihm gebührende SLuUs 'a 
Fürstenrathe angewiesen werde. 





Erste Berathaogeo. 171 

schlosseD, gewisse Fragen abzufassen und solche ad dellberandam in colle- 
giis zn proponieren. Im Fürstenrath kam erst die Sache wegen der Ses- 
sion für C am min vor, dann proponierte das Direktorium die Frage, ob dem 
Kaiser gegen die Türken zu helfen wäre, welches auch beliebet ward, doch 
dass die anderen Materien specificiert, zugleich mit vorgenommen und ab- 
gehandelt werden möchten. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 26. Januar/ 

5. Februar 1663. 

[Die Sitzungen vom 21./ 31. Januar und 24. Januar/ 3. Februar.) 

Genauerer Bericht über die Vorgänge in der zweiten Session. Die 5. Febr. 
Kurfürsten hatten für nnnöthig erklärt, vom Kaiser Information wegen des 
nngarischen Wesens zn verlangen, ebenso dass die im 2. und 3. Punkt der 
Proposition enthaltenen Materien von den Directorien specificiert würden, 
sondern man sollte erst den ersten Punkt abhandeln. Im Fürstenrath 
verlangte ein Theil zunächst nähere Information und Specificierung jener 
Punkte, die Majorität aber erklärte sich dagegen; doch bestritten einige, 
daronter alle Alliierten, dass es wirklich die Majorität gewesen. la der fol- 
genden Sitzung (24. Januar /3. Februar') behaupteten die Alliierten, die Ma- 
jorität sei eine ganz geringe gewesen, um 2 oder 3 vota sollte nicht der 
anderen Meinung hintenangesetzt werden, doch blieb es dabei. Weil aber 
auch die Städtischen Information über die nngarischen Verhältnisse und 
subdiyisionem secundi et tertii puncti begehrten, wurde endlich verwilligf, 
dass bei den Kaiserlichen Kommissarien Information könne eingezogen 
werden, doch dass dadurch der Handlung des ersten Punktes kein Auf- 
schob gemacht, und dass inzwischen die directoria den 2. und 3. Punkt 
snbdividierten und materias tractandas spezifizierten. 

Die Alliierten haben wohl 50 Punkte aufgesetzt, welche alle auf 
diesem Reichstage abgehandelt werden sollen. Ihre vota richten sie auf 
einerlei Weise ein und nennet einer des andern ohne Unterschied ein vor- 
trefifliches votum, mit ihnen stimmen und treten auch zusammen: Sach- 
sen-Altenburg, Brandenburg Culmbach und Bamberg. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 2./12. Fe- 
bruar 1663. 

[aof die Relation vom 15./ 25. Januar. Kf. verlangt von der Leistung der Tär- 

kenhülfe entbanden zu werden.] 

— Solchem nach habet Ihr, was sothane Hülfe belanget, zwar da- 12. Febr. 
hin zu votiren, dass wir, gleich anderen getreuen Churfürsten, Fürsten 

') S. Gemeiner I S. SOff. 



i 



172 4. Der Aofang des BegeDsbarger BeichsUges. 

und Ständen des Reiches dieselbe zu than bereit und erbötig wären. 
Ch. I : Dieweil Euch aber zum Theil bekandt, wir ans aoch nicht anders 
erinnern, als dass es Euch in Instructione mitgegeben, dass, wann es 
zu der wfirklichen Leistung der Htllfe oder Abffihmng der Bömer- 
monat vor diesem gekommen, wir von dem Eeyser zuvorhero ver- 
sichert worden, dass wir zu der Würklichkeit nicht gehalten, abo 
habet Ihr auch itzo mit dem Grafen von Wolckenstein und Granen 
deswegen ä part im Vertrauen zu reden und es gleichfalls dahin zu 
beforderen, auch auf solchen Fall I. Keys. M. in diesem Stfick mit 
euren Yotis an Hand zu gehen.: |^) • 



Die Gesandteu an deu Kurfürsten. D. Regensbucg 

2./12. Februar 1663. 

[Sitzang vom 30. Janaar / 9. Febraar, Gespräch mit der österreichischen Gesandt- 
schaft wegen Befreiung von der Tarkenhülfe.] 

i. Febr. Die Direktoren des kor- aud fürstlichen Collegiom haben sich zasam- 
mengethan, den ersten Punkt in Specialfragen dividiert') und zugleich da- 
bei einige Nachricht von dem siebenbürgischen Zustand gegeben;^ darauf 
wurden 30. Januar/ 9. Februar^) alle 3 Coliegia berufen, um über diese 
Specialmembra zu rathschlagen. Kurfürsten- und Fürstencollegium be- 
schlossen, sogleich zur Deliberation zu schreiten, doch worde nichts rechts 
verglichen, weil die Frankfurter Alliierten sich nicht eher herauslassen 
wollten, bis auch der 2. und 3. Punkt der Proposition subdividiert und 
materiae tractandae spezifiziert seien; die Städtischen entscholdigten sich 
defectu mandatorum. 

Der Kaiser begehrt nach dem zur Diktatur Gegebenen eine starke 
Geldhülfe, da aber weder in dem kaiserlichen Ausschreiben noch der Pro- 
position etwas davon enthalten, so werden sich Ues. vorläufig defectu man- 
dati entschuldigen und des Kf. Resolution abwarten. 

Bei einer Visite der österreichischen Gesandtschaft am 31. Jan./lO. Febr. 
erklärte dieselbe, der Kaiser wünsche lieber Geld als Volk, Ges. erwiderten, 
auch sie seien auf Geldhülfe instruiert, Kf. aber hoffe, dass der Kaiser die 
Erschöpfung seiner Lande und, dass er noch beständig in Wa£fen bleiben 
müsse, berücksichtigen werde; jene erklärten darauf, sie erkennten , dass 
Kf. Ursache habe, sich in Verfassung zu halten, und wüsste man nicht, 



i)S. oben S. IGO. Kf. wiederholt diese Weisaog am 6. März 1663. 
'-') S. Fachner v. Eggenstorff I. S. llff. 

^) Diar. Europ. X S. 3üff. (irrig als vom 19. /'^O. Januar). Londorp VIII 
S. 965. 

*) S. Gemeiner I S. 33flf. 



y 



J 



Berathaogen über die Tärkenhälfe. 173 

weDD man in Ungarn occapiertj wessen man sich a tergo zu versehen hätte, 
was sie wegen des Contingents des Kf. angeführt, wurde sich schon finden. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 5./ 15. Fe- 
bruar 1663. 

[Sitzung vom 3. /13. Februar. Parteinahme eines Theiles der AUierten für 

die Städte.] 

Die Berathschlagung über die 3 membra von Punkt 1 ist am 3./13. Fe- 1<^>- F«^br. 
bmar*) durch das Conclnsum der Städtischen ') verzögert worden ; gestern') 
ist im kurfürstlichen und fürstlichen Collegio wieder beschlossen worden, 
dass man die Frage, quomodo die Turkenhülfe zu leisten sei, vornehme 
und die Reichsstädte ermahne, sich diesem Beschluss zu accommodieren. 

Es fangen sonsten etliche von denen Herrn Alliirten im Fürsten- 
rath an, ob sie gleich auf vorigem Reichstage ganz anders gesinnet 
gewesen, der Städte sich anzunehmen^), und wollen lieber, dass die- 
selbige sofort mit im Anfange, ehe die beide höhere GoUegia ver- 
glichen, zur Re- und Gorrelation gezogen würden, und das städtische 
Votum so viel als das Ghurfttrstliche oder Fürstliche gelte. Man 
siebet wohl, dass sie vermeinen, wann solches geschehe, es zu ihrem 
Zweck dienlich sein würde. — 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 18. Fe- 
bruar 1663. 

[Weserzoll des Grafen von Oldenburg.] 

Der Graf von Oldenburg hat, trotz der Vorstellungen des Kf. am Kai- 18. Febr. 
serlichen Hofe, vom Reichshofrath erwirkt, dass er über den für einige Jahre 
erlangten Wescrzoll nach seinem Belieben disponieren darf; doch werden 
davon sowohl die Rechte des kurfürstlichen Collegiums als auch des Kf. 
besonderes Interesse betroffen, der Reichshofrath ist nicht befugt, sich 
dergleichen Concessionen anzumassen, der ZoH darf ohne Zustimmung des 



In der Relation steht irrthümlich 6./16. Jannar. 

^ S. Gemeiner I S. 37. Darin verlangen dieselben genauere Information 
aber den Türkenkrieg, erklären, dass sie über mehrere Punkte der dictierten Sub- 
diviaion ohne Instraktion seien, and fordern zunfichst Erledigung der Fr ob 
die Majorität die anders Stimmenden verbindlich mache, Revision der Matrikel o. a. 

3) S. Gemeiner I S. 38ff. 

*) S. Gemeiner I S. 39. 



I 



174 ^- I^^c ADfatig des RegeDsburger Reichstages. 

kurfürstlichen Collegiuuis nicht alieniert werden. Ges. sollen die£<T Sacbfl 
wegen mit dpa anderen kurrürsliicheD Geaaudteu romaiuDicierea. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Kegensburg 
9./19. Februar 1663. 

[Nachgiebigkeit der Städte.] 

'■ Die ReiohsBtädte haben sich soweit nuconimodiert'), dass die Frage, 
wie dem Kaiser die Hülfe wider die Türken zu leisten, heute in Delibera- 
tion gezogen werde, dot^h mit der Bediugung, dass sie in materia collec- 
tarnm per plnra sich nicht wollten binden lassen und dass die noch anre- 
fidierte Matrikol ihnen nicht uaclithciiig sei. 

Die Pfalz-Neuburgischen Gesandten') haben privatim Jena eine 
Schrift^ njitgetheilt, nclche der Pfalzgraf in der Jülichschcn Successioos- 
ä.iche hat drucken lassen, deren Verfasser der jetzt »erstorbene Kanzler 
Sillemann sei, Sie gedachten, dass, wenn sie das votum wegen der Jülich* 
sehen LÜuder sachten, des Kf. Gesandten mit ihnen wohl umtreten würden, 
nnd wünschten, dass die ganze Jiilichsehe Sache per sententiam decidiert 
werden oder dass ihr Herr nnd der Kf. einmal persönlich zusammen kommen 
möchten, damit ein endlicher gänzlicher Vergleich getroffen werde. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Uegcnslmrg 19. Februar/ 
1. März 1663. 

[Oeldhiilfe ist besclilojsen norduo. Vorschläge wegen des qnaoti.] 

t. Alle drei Coli egien haben sieh für die Hülfe in Geld entschieden '), und 

soll nun ein gemeines Gutachten abgefasst nnd den kaiserlichcD Kommis- 
sarien übergehen werden. Jetzt wird man de qnanto nnd de modo coUec- 
tandi rathschtagun, Ges. erbitten dafür nähere Instruktion. 

Einige der geistlichen Fürsten schlagen 60 Römernionate, 20 pro prae- 
terito, "20 pro praesenti und 20 pro futuro vor. Im Fürstenrath ist von 
einigen, namentlich Würzburg, geraiheu norden, dass ein gemeines Kriegs- 
heer EU der Stände und des Reiches Sicherheit möge aufgerichtet werden. 




') ü. Gemeiner I S. 40. 

'') Der Obrist und HofrathspräBident Wolf Jat 
haueen und der Hofrath Dr. üarrer (üiar. Eni 

MoQtiam, Murcliiae pt fiapensbergae «Ic. dii 
a recognita, e. nnten Absclin. 8. 
') S, aber die Verhandlungen darüber 



ob' üagelter v. DieaaeD- 
jp. IX S. 50b). 
dillooeique Jaliae, CliviM, 
relutatio, apologia anno 1660 



r I S.41B. 




BerathoDgeD über die Täikenhulfe. 175 

dessen man sict^ contra qaemcunqne sofort zo bedienen hätte; Ges. bitten 
auch deswegen um Instruktion. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 26. Februar / 

8. März 1663. 

[Reservatam der Alliierten.] 

Das Reichsgntachten hat noch nicht übergeben werden können, weil 8. Mars. 
die Alliierten evangelischen Theiles and einige andere das reservatam 
bi neinrücken wollen^), dass sie znr Leistung der Hülfe wider den Türken 
sich nicht verbindlich machen wollen, wenn die im 2. and .3. Punkt der Pro- 
position begriffeneu Materien auf diesem Reichstag nicht ausgemacht werden 
sollten. Das kurfürstliche und die Mehrheit des fürstl. Collegiums wollen 
es auslassen, unterdessen steht dessbalb das ganze Werk still. Die Alliier- 
ten erklären, sie wollten solche Versicherung, weil sie erfahren hätten, so- 
bald man mit dem ersten Punkt fertig sei, wollten die Kurfürstlichen davon- 
ziehen; überhaupt hind sie gegen das kurfürstliche Collegium nicht zum 
besten gesinnt. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 2./12. März 1663. 

[Das Beiebsgatachteo. Gespräch mit Graf Wolckenstein über Befreiung des Kf. 

von der Türkenhülfe.] 

Das Reichsgutachten >) ist nun glücklich zustande gekommen und wird 12. März, 
den kaiserlichen Kommissarien per deputatos übergeben werden. 

Ges. sind heute bei dem Grafen v. Wolckenstein gewesen and haben 
bei ihm, was Kf. ihnen wegen der Türkenhülfe befohlen, angebracht, auch 
gemeldet, was der Kaiser deswegen dem Kf. schon für Vertröstung gegeben. 
Er erklärte darauf, dass der Kaiser dem gethanen Versprechen wohl gnä- 
digst nachkommen lassen würde, er wollte es mit H. Grauen besprechen, 
den sie morgen auch besuchen wollen. 



S. Gemeiner I S. 44ff. 

2) d. 12. März 1663 (Diar. Europ. X S. 124 ff. Londorp VIII S. 9G7 
Pachner v. Eggenstorff I S. 13), über die vorhergeheDdeo Verhandlaogeo 
s. Gemeiner I S. 48. Dasselbe warde am 15. März den kaiserlicheo Kommissa- 
rien öbergebeo, darauf erfolgte eine zastimroende kaiserliche Resolution vom 
2. April 1663 (Londorp VIII S. 969f. Pachner v. Eggenstorff I S. 15), 
in welcher der Kaiser verlangt, dass ihm aufs eheste mit einer absooderlichen 
erheblichen Hülfe assistiert werde. 



176 4. Der Anfang des Regensbarger Reichstages. 

Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 

12./22. März 1663. 

[Sitzung vom 9./ 19. März. Verschiedene Abstimmang in betreff der Leistung 

der Turkenhulfe.] 

22. März. ^^^ Frage, wie die Türkeobülfe za leisten, ist 9./ 19. vorgeoommen 
worden, im karfürstlichen Collegium haben Mainz, Cöln and Baiern 
für Volk, sie, Sachsen nnd Pfalz für Geld gestimmt, Trier hat sich 
nicht entschieden erklärt. Im Fürstenrathe stimmten alle Alliierten and 
einige andere für Volk, andere für Geld, andere liessen sich garoieht her- 
aus, andere wieder stellten allerhand Bedingungen. In dem endlich abge- 
fassten Conclusum ist enthalten: 

1) Anordnung eines allgemeinen Gebetes. 

2) Ausländische Potentaten sollen um Hülfe angerufen, auch die Reichs- 
ritterschaft und die Hansestädte dazu gezogen werden. 

3) Ratione auxilii hätte sich die Majorität für Geldhülfe erklärt. 

Es scheint, dass diejenigen, so Volk, und diejenigen, so Geld gewilligt, 
bei ihrem Erbieten werden gelassen werden, sonderlich da es eine frei- 
willige Hülfe ist, und der Kaiser wird auch wohl damit zufrieden sein. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 

12./ 22. März 1663. 

[Befreiung des Kurfürsten von der Turkenhulfe.] 

22. März. Als gestern der Graf v. Wolckenstein und Herr Grane ihnen 

die Gegenvisite gemacht, haben sie den Punkt wegen Befreiung des Kf. 
von der Turkenhulfe wieder vorgebracht. Beide erkannten die rationes, 
welche sie angeführt, für erheblich, erklärten aber, sie köonten darüber 
nichts resol vieren, erboten sich aber, deswegen an den Kaiser zo refe- 
rieren und die Sache auch vor dem Erzbischof von Salz barg geheim 
zu halten. Ges. sind in Zweifel, wie sie sich inzwischen, bis sie Bescheid 
erhalten, verhalten sollen, werden aber wohl mit ihren votis wie bisher fort- 
fahren müssen. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 

17./27. März 1663. 

[auf die RelationeD vom 19. Februar/1. März und 2./12. März. Die TarkenhüUit. 
Das Würzburger Projeet. Die Neuburgische Sache] 

27. März. Da Kf. sieht, dass inbetreff der Turkenhulfe noch zur Zeit wenig Stat » 
machen, so befiehlt er den Ges. sich zu bemühen, dass der Kaiser adfi 



BerathoDgeD aber die Tarkbnhälfe. 177 

allen Fall sich eines gewissen za versichern habe. Das von Würzbnrg be- 
antragte Heei' zur Defension des Reiches contra qnoscunqne anbetreffend, 
lässt er sich die Sache an und für sich nicht zuwider sein, wünscht aber 
erst nähere Auskunft darüber. In der Neuburgischen Sache kommen 
3 Punkte vor: 

1) ratione voti, ob sie auch von seiten des Kf. solches prätendieren und 
den Neuburgischen unterstützen sollen. Darüber, ob es vortheilhaft, 
sollen Ges. erst ihre Meinung äussern. 

2) wegen des westfälischen Ereisdirectoriums und der Bemü- 
hungen von Osnabrück, Münster und Braunschweig eine Ei- 
nigung darüber zu vermitteln: Ef. ist bereit dazu, will mit der Alter- 
nation zufrieden sein, doch so, dass er den Anfang mit dem Dirjec- 
torio auf dem Ereistage mache. 

8) wegen eines li au ptsäch liehen Vergleiches. Er will sich auch darin 
so zeigen, dass man erkennen soll, dass er zu Friede und Einigkeit 
geneigt sei. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 

20./ 30. März 1663. 

[Erneaerang der Rheinischen Allianz.] 

Von der Frankfurter Allianz haben sie Nachricht, dass diese zwar auf 30. März 
3 Jahre prolongiert sei^), dass die dqrt befindlichen Gesandten sich aber 
alle separieren 3), auch der französische Gesandte Gravel und der schwe- 
dische Schnoltzki seien entweder schon auf der Reise hieher oder doch 
zam Aufbruch bereit, von den Reichsstädten befinde sich keine in der Al- 
lianz und wolle man solche auch nicht aufnehmeu. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 6. April 1663. 

[auf die Relation vom 12./22. Märs. Unterstützang der kaiserlichen Forderung.] 

— Dieweil wir nun nicht zweifeln, es werde :| Ihre Key. Mt. |: die G.April. 
von Euch angeführte und in der kündbaren Wahrheit bestehenden 
Ursachen :| bei sich wohl gelten lassen und sich unserem Verlangen 



^) Die Rheioische Allianz war am 7. März 1663 auf drei Jahre (Ai^ost 
16»)4 — 1667) verlängert worden (Dumont VI, 2 S. 453). S. Mignet, N^gociations 
relatives ä la succession d'Espagne 11 S. 19. Köcher I S. 314. 

^) Am 12. März beschloss der Bandesrath zn Frankfurt die Üebereiedeluog 
nach Regensbnrg, doch hatten schon vorher die meisten Mitglieder der Allianz 
ihre Gesandten dorthin geschickt, s. Köcher I S. 313f. 

Mat«r. %. Gesch. d. G. Kurfürsteo XI« 12 



178 



knfang des Regensbarger Reichstage!) 



nach erklären,;: also habet Ihr gegen vorgedaehte t' beide ComniiB- 
sarieD zu getieoeken, dass, weil ihr Dicht zweifeltet, es wflrde auf ihre 
•geseliehene Relation die kaiserliche Resolution so, wie wir dieselbe 
begehrten, einkommen, also wolltet Ibr in solchem Vertrauen krnft 
habendes unsers aussdnickliehen Befehls sie ratione niodi et quanli 
so, wie sie es desideriren möchten, in Euren Votissecundiren, geslalt 
Ihr dann auch, wie itzo gedacht, solches zu thun und allen inflg- 
lichen Kleiss mit guter Manier anzuwenden, damit Ihre Key. Mt. in 
diesem Stack zu ihrem Intent ie eher ie lieber gelangen möge. |: — 



Die Gesandtea an den KorfUrsteu. D. Regensbnrg 
30. März /9. April 1663. 

[BeratliUDgeD über iIbb Quantum der Türbealiülre.l 

I. . Vergangeiien Freiiag ') ist eiue Session gehalten und die quaeEtio quanti i 
(wie i^rosa die UülTe ia praeseoü aad in futnrQm dem Kai^ter zu leisten) 
beratben norden, doch ist niemand weder im Kurfürsten- noch ira Fürstenrathe 
gewesen, der darüber etwas gewüses deternjlDleret hätte, auch Ges. haben 
eich ZQ keii>em qannto erbolcn, sondern gefordert, die kaiserlichen Kom- 
midearien möchten angeben, mit was für einem quanto dem Kaiser gedient 
wäre. Sonnabend ist Mahienboltz Liei H. Crane gewesen nnd hat iho 
gefragt, auf was für eine Summe eigentlich der Kaiser zielte, uud ob schon 
Antwort von demselben iiibetreff der Forderung des Kf. diesmal von der 
Leistang der Hülfe enibunden zu werden, eingetroffen sei. Crane ant- 
wortete, die kaiserlicheu Kommissarieu wären nicht iustmierl, den Ständen 
etwas ratione qnanti Torzni:chlageo, doch gab er auf M's. weiteres Drängen 
endlich zu verstehen, dass ira 8 aUburgischen Votum 60 Römermonate 
pro praeseiiti und, wenn es zum Kriege komme, jährlich 50 Monat in fntn- 
rum offeriert worden, in dem Pfal z-Lauternscben Votum aber liitte 
man sich besser und, wie er redete, hnrtiger herausgelassen und pro prae- 
senti 100 Römermonate gewilligt, welches dem Kaiser gewiss zum Gefallen 
gereichen würde. Auf ihren Bericht an den Kaieer wegen der Fordemng 
des Kf. sei noch keine Antwort erfnlgt, der Kai,-er würde aber gewiss die 
gefährdete Lage des Kf. berücksiuhtigen. Er wüa*te auch nicht anders, als 
däss derselbe dem Kf. durch eine Gesandtschaft sclwn vor diesem Ver- 
sicherung gegeben, dass er vüu seinem Antlieil befreit werden sollte, wobei 
er es wohl werde bewenden lassen. Nachdem nun am 30. März/S. April 
wieder ratione quauti zu Ralh angefügt, ober von der oslerreiehi sehen Ge- 
aandlschalt bei coriger Session gar übel empfunden, dass niemand an<:Grr 



'^ Ueber diese Sitzung i 
30. März/H. April s. Oeme!D< 



! folgeude 



BerathnngeD aber die Tärkenhülfe. 179 

Salzburg und Pfalz-Laotern ein quantom habe benennen wollen, haben 
816 beschlossen, obwohl sie darauf nicht instruiert sind, auf Ratifikation 
des Kf. 100 Römermonate vorzuschlagen, dafür haltend, dass, weil Kf. dabei 
nichts zutragen wolle, wie er ausdrücklich habe bedingen lassen, es ihm 
gleich sein werde, ob ?iel oder wenig verwilligt werde, und dass dadurch 
Kf. bei dem Kaiser sich soviel angenehmer machen werde. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 3./ 13. April 1663. 

[Vorschläge wegen des QaaDtam.] 

Sie haben 100 Römermonate für die Türkenhülfe vorgeschlagen. Die, 13. April 
welche sich anfänglich zu Volk erboten, haben erklärt, dem Kaiser, wenn 
es zum öffentlichen Kriege käme, 8000 Mann oder mehr mit der nöthigen 
Artollerie auf ein Jahr, im Nothfall noch länger, auf ihre Kosten stellen zu 
wolleh, doch da verschiedene noch keine bestimmte Erklärung abgegeben, 
ist man noch zu keiner Re- und Correlation geschritten. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 6./16. April 1663. 

[Abstimmang wegen des Quantum der Tärkeohalfe.] 

Heute ist wieder Sitzung gewesen; im KurfürstencoUegium hat dieMa-ie. April 
jorität auf 50 Römermonate gestimmt, auch sie haben sich dem accommo- 
diert. Im Fürstenrath hat die Majorität auf 50 Römermonate ratione prae- 
teriti et praesentis auxilii geschlossen, von der künftigen Hülfe werde künftig 
zu reden sein. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 17. April 1663. 

[Abberafnng v. Plaiens.] 

Kf. sieht sich der grossen Kosten wegen genöthigt, seine Gesandtschaf- 17. April 
ten möglichst einzuziehen, daher erhält v. Platen den Befehl, nach Berlin 
zurückzukehren*), v. Mahrenholtz und Dr. Jena sollen dortbleiben und 
ihren Staat und Suite so einrichten, dass sie monatlich mit 600 Rthl. aus- 
kommen. 



*) y. Platea reist am 15. Mai ab. 

12 



Der Anrnnff <Irb RegeDabur(;er ßeichata^ea. 

Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensbnrg 
16./2G. April 1663. 



%al die Fordfrung des Kf. 
ton voD Magdeburg) 



VerlDDgeii des Adinini 



I 



il- Vorge^teiD hat ihnen Craoc die Antnorl des Eai^ers a.af geioe» 

und des Grafen Wolckenatein Bericlit wegen der brandeuburgischen For- 
deroDg mitgetheilt, dieselbe laatet: 

Wie nun erstbesa^ten Churfürsten zu Brandenburg Ldn. sich 
gegen uns woli versichert wissen, dasa wir derselben in allen mtlg- 
lichen Dingen zu willfahren geneigt seind, also werden wir Ihrer Ldn. 
desideria des Orts dergeetalt beobachten, dass Sie damit zuversichtlich 
weil vergnügt und hinvviederumb beursacbt sein werden, unsere dem 
Rom. Reich und der ganzen Christenheit sowoll alss uosem beider- 
seits der Gefahr am nächsten gelegenen Land und Leuten zum besten 
angesehene Intention Ihres Theils nicht weniger zu secundiren. 

Ges, fragen an, ob Kf. es dabei bewenden oder aber noch etwas dess- 
lialb erinnern lassen wolle, und stellen anbeim, ob er deswe^eu an Craiie, 
welcher sich dieser S;iclie voruebmiich angeuoinnien, scbreibeu wolle. Der 
Oesandle des Herzogs August von Sachsen, Administrators von Magde- 
burg, hat ihnen mitgetheilt, sein Herr habe mit Kursaehsen einen Ver- 
gleich gesehlossen, wodurch er die landesTürstUrhe Hoheit über etliche Aem- 
ter erhalten '), er beanspruche daher Session und votnni im Fürstenratb. Der 
Kaiser habe bei-eits seine Zustinimang daza ertheilt, an Kf. wäre deswegen 
auch geschrieben, und er wünschte zu wissen, was ihnen hierin zu thijio 
anbef'>blen sei. Sib haben erwidert, dass sie noch keine Resolution des- 
wegen erhalten hätten. 



Der KurfUrst an die Gesandten. D. Königsberg 
17./27. April 1663. 

[Geg. BolIeD ilir Volum in betreff des Quantam redresaieren ] 

I, — Im übrigen so ist euch unsere eigentliche Meinung ratione 
subsidii, welches Ihrer Keys. M. zu leisten, aus mehren Rescriptcn zur 
gnUge bekannt, und hättet ihr euch daher auf mehr Monate aU an- 
dere herauslassen sollen, und weil wir sehen, dass ihr darinnen doa 
pfalzische Votum gefolget und aub spe rati euch auf lOCl Monat in 
futurum herausgelassen, wir:| aber vielmehr den Dank bei Ihrer Keys. 

'J S. Opel, Die Vereiuiguag des Herioglhums Magdeburg mit Knrbrandeo- 
bnrg 8. 7. 



Die Turkenhülfe. Das von dem Admio. von Magdeburg gesachte Votum. 181 

M. ZU haben yerlangen, dass wir anderen und nicht andere uns vor- 
gehen, {: solchem nach so habt ihr dahin zu sehen, damit ihr mit 
guter Manier euer Votum, als welches sub spe rati abgeleget,:{ der- 
gestalt redressiretj: dass ihr in euren Votis an und furbringet, dass 
ehe und bevor eure unt. Relation bei unseinkommen:! unser gnädig- 
ster Befehl ratione quanti eingelanget Was nun die Eeyserliche, als 
mit welchen ihr daraus vorhero zu communiciren, begehren möchten, 
dass ihr ratione quanti sowohl wegen des künftigen als vergangenen 
votiren sollet, darnach habt ihr euch zu richten, doch dass eure Vota 
auf eine höhere Summa als die pfalzische ist, und, wann die Eeyser- 
lichen es zu determiniren Bedenken hätten, zum wenigsten auf 150 
Monat eingerichtet werden, { : und dass, wan inskunftige ein mehres für 
des Reiches und der Christenheit Bestes notig sein möchte, damit nach 
Beschaffenheit der Sachen continuiret werde. Dass aber einem andern 
als dem Eeyser die üisposition über dem Geld gegeben werde, das 
halten wir gar nicht für zuträglich, und werdet ihr daher, wie ihr 
alleweil zu unserm gnädigsten Gefallen gethan, ferner im Votiren 
fortfahren. — - 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 

27. April / 7. Mai 1663. 

[EröffDungen des neaeD PfalzDeaburgischen GeBandten.] * 

Der E. Säe basische Gesandte bat aufs neue wegen Session und Vo- 7. Mai. 
tum des Administrators, Herzog Aagust, Erinneraog gethan. Pfalz-Neu- 
barg hat einen seiner vorigen Abgesandten, ?. Didinghausen, abge- 
fordert und an dessen Stelle den v. Raatenstein, der früher in Polen za 
Oliva bei den Trac taten*), auch zu Frankfurt a. M. gewesen, hieber ge- 
sandt, welcher sofort, als er das erste Mal in den Fürstenrath gekommen, 
Jena zugesprochen und sich zu Fortsetzung der Freundschaft, in der je- 
ner mit dem früheren Abgesandten gestanden, erboten. Als sie dann priva- 
tioi Ton der Jülichschen Sache gesprochen, erklärte er, es sei für beide Theile 
nützlich, wenn ein endlicher Vergleich aufgerichtet würde, und dass ein 
jeder mit des anderen Assistenz der Jülichschen Lande halber ein yotum 
boehen könnte. 



») S. ürk. u. Akt. VIII S. 711. 



\g2 lli-ir Allfang dM RegeDeburffer Reicbslagei. 

Guttfried v. Jena ') an den Korfliraten. D. llegensburg 
8./ 18. Mai 1663. 

[ VersSbDlIche AensseruDg dos Pf. Neubargieclieii Geeatidteii. VerhaodluDgeD 
wegan des für ddo Administrator vun Magdeburg verlangten Votums.] 

li. VorgeBterti wurde das »om Reichsdireotorio abgefasBte Reichsgut- 

achten') deu Ständen per dictatur&m mitgctheilt und wurden dcoBelben Tag 
alle consilia berufen, doch ixt ea noch zu keinem Scbluüs gekommen. 

Der Pfalineuburgieche Gesandt« v. Rautenslein bat mit J. vertrau- 
lich geredet, er hält« über ihr früheres Gespräch") seiuem Fürüteo berichtet, 
dieser wäre damit wohl zufrieden und wünsche, J. möge dem Kf. bericbtcn, 
dasB er za einem beständigen Vergleieb wohl geneigt sei, nud könuteu dazu 
einige Intcrponenteii vorgeschlngeu werden; J. hat erklärt, darüber an Kf. 
beriibien zu wolltn, und erwartet von diesem Instruktion, 

Wegen der Forderung des Administnitors von Magdeburg hat er mit 
ili-m K. sächsischen Abgeordneten Strauch rerhandelt und dabei des Kf. 
Forderung vertreten, dass jener ratione loci nichts deu Fürstenlhiiincrii des 
Kf. Präjudicierliches prätfndieren dürfe. 



Derselbe an den Kurtllisteu. D. Regeuaburg 11,/21. Mai 1663. 

[BemtbuDgeD über das ReicIiegulacLlen wegen des Quunium.} 
I. Trotz dreier Sitzungen (Freitag, Sonuiibend und heute) ist doch dag 

Reichsgutachteo uoch nicbt zustande gekommen 'J, im kurfürstlicheD Colle- 
gio ist jetzt eine vollständige Conformität erzielt, nachdem der Kurcöliiiache 
auch zu 5U Römermonaten sich erboten , gleii:bwobl ist angezeigt worden, 
dass Kf. sie inzwischen aut lOÜ Monat, anch wohl noch mehr instruiert 



habe. Die bewilligte Summe ei 
und Ostern 1664 erlegt werden. 



zwei T( 



, künftigen Mithnelia 



Derselbe an den Kurflirsten. D. liegensburg 15,/2ö: Mai 1663. 

[Uas Reich Bgu lachten iet zuslRode gekommon. Bevorstebende Berstbung wegsn 

des fulurum ausiliuu ] 

i. Das Reichfigutacbten ^) ist glücklieh zustande gckommeu uud heute 

durch Deputierte den kaiserlicbeo Kommissarien übergebeu worden. Der 

■) V. Mahrenhollz war nach Halberstadt gegangen, um dort die fär di« 
Gesandtscbaft bestimmteo Gelder flüssig zu macbeu. 

'•"1 S. über dasselbe und über die vorbergelienden Verbandluiigen Gen 



^ S. oben S. löl. 



slorff 1 S. 18f.). 



irp VIII S. 971 ff. Pachni 



Die Tärkenhülfe Die Forderuog des Admio. von Magdeburg. 183 

Erzbischof tod Salzborg hat darauf in seiner Antwort erklärt, map 

möchte jetzt zaerst das futarom aoxilium abhandele, weil der Brach nitd 

Krieg mit den Türken sehr wahrscheinlich wäre^ der Kaiser würde sich 
Volk 80 lieb als Geld sein lassen. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 26. Mai 1663.. 

[Die kaisprliche Resolntion, die Forderaog des Administrators von Magdeburg.) 

— So viel die keys. Resolution, welche euch von Granen com- 26. Mai. 
municiret, belangt, da sind wir der Meinung, dass ihr andeutet, dass 
wir die Resolution also verstünden und annehmen, als wir es von 
Ihrer Keys. M. desideriret. — Was des H. Administratoris zu Magde- 
burg Ld. prätendirte Session und Votum ratione Quer fürt betrifft, 
da lassen wir es nochmals bei unserm jüngsten Rescript *), und habet 
ihr euch durch keine majora davon bringen zu lassen, als welche uns 
und anderen das jus iam in ipso Instrumento pacis quaesitum nicht 
entziehen oder nehmen können, auf solche Weise könnte einer, der 
allererst in Fürstenstand erhoben, durch die majora denen älteren vor- 
gezogen werden, welches doch injustum und inauditum. — 



Gottfried V. Jena an den Kurfürsten. D. Regensburg 

18./28. Mai 1663. 

[Berathung über die künftige Hülfe, Forderung, dass anch der pnnctas securi- 

tatis zugleich vorgenommen werde.] 

Gleich am Sonnabend sind wieder die Collegia berufen worden, und 28. Mai 
heute ') ist dann der Punkt von der künftigen Hülfe ordentlich vorgenom- 
men, doch noch kein Beschluss gefa&st worden. Im kurfürstlichen waren 
die plara (Cöln, Trier, Mainz und Baieru) für Volk; Branden- 
borg beantragte, da das kuif. colleginm vorher einmüthig auf Geld ge- 
stimmt und der Kaiser erklärt hätte, dass ihm ebenso mit Qeld wie mit Volk 
gedient, möchte man sich noch zur Zeit auf 50 Römecmonate au Geld er- 

') Ein solches ist in den Akten nicht erbalten, der Inhalt desselben ist aus 
den späteren Bescripten und Relationen der Gesandten ersichtlich. Ef. willigt 
eio, dass der Administrator für sein Fürstentbum Sachsen-Querfurt Sits und 
Stimme im Fürstenratb erhalte, will aber nicht zugeben, dass 'derselbe , wie er 
verlangt, mit den übrigen sächsischen Häusern zusammen vor seinen Fursten- 
ihämern die Stelle erbalte. 

2) S Gemeiner I S. 69 f. 



134 ^' ^^f Atifaog des Regenshorger ReichstageB. 

klären, aach damit, so lange der Türkenkrieg währte, continaiercn, wovon, 
in Betrachtung die Matricol sehr geschwächt, etwa 30000 Mann, wenn die 
andern znm Kriegsheer nöthigen Dinge mitgerechnet würden, erhalten wer- 
den könnten. Mit geringerm wäre kein genngsamer Widerstand zu thun 
oder was Frnchtbarliches zu verrichten. K.Mainz verlangte, dass der punc- 
tus securitatis zugleich mit der Türkenhülfe vorgenommen ^erde, die Ma- 
jorität aber erklärte sich dafür, dass dieses erst nach ausgemachtem erstem 
Punkt in Richtigkeit zu bringen sei. Auch im Fürstenrath stellten die 
Alliierten nnd wenige andere dieselbe. Forderung, dass die Sicherheit des 
Reiches sofort und zugleich mit der künftigen Hülfe abzuhandeln wäre. 



E. V. Platen an den Kurfürsten. Berlin 22. Mai / 

• [1. Juni] 1663. 

[Vorschläge der K.MaiDzischen nud K.CölDiBchen wegen der künftigen 

ReichsverfasBang.] 

I.Juni. Er ist vorgestern hier angekommen, will nur berichten, dass, als er von 

einigen Gesandtschaften, darunter der K. Mainzischen und K.Cölni- 
sehen, Abschied genommen, von denselben ein Discars wegen der künfti- 
gen Reichsverfassung angefangen wurde. Der KJilainzische Kanzler Mehi 
erklärte, sein Herr sei auf den Gedanken gekommen, es müsste nothwendig 
im Reiche eine beständige Eriegsverfassung eingerichtet i/erden, nnd zwar 
müsste, da den alten Reichsverfassungen und der Execationsordnong fast nie 
nachgelebt sei and die Hinderung unter anderem aus der Matricol herrührte, 
etwas ganz neues gemacht werden, nämlich: 

1) der Kaiser müsste sich mit den Ständen und diese anter sich zu 
• mutueller Hülfe auf das kräftigste verbinden. 

*i) auch die auswärtigen benachbarten Kronen, namentlich Frankreich 
und Schweden, müssten hinzugezogen werden, so dass aoch diese 
sich mit dem Reiche zu mutueller Hülfe verbänden. 
:^) es müsste jederzeit ein Tollkommenes Kriegsheer aas geworbeoer 
Mannschaft mit Generalen, sonstigen Officieren, Artollerie ond Moni- 
tion in Bereitschaft gehalten werden, wozu jeder Stand dms seioige 
contribuieren müsst«. . 

4) Jedem Stand» müsste freie Hand gelassen werden, wie hoch er sich 
anschlagen und was er bei solchem gemeinnützigen Werke tbon woUe. 
Er hat darauf nur erinnert, ob es auch dem Reiche zuträglich sein 
würde, sowohl die Fremden so weit in des Reiches Affaireo zu miscbeii, 
als auch sich zu ihrer mutuellen Defeosioo contra quoscuoqoe, da sie oft 
viel Streit mit ihren Nachbaren bitten, zu Terbinden. 

Bei dem K.Cölntschen Gesandten D. Althofe n hat es fast gleichen 
Discars gegeben, derselbe hat nur noch hinzugefügt, dass man Frankreich 
und Schweden ohnedem wegen der abgetreteneu Reichslaode «ur Garaotie 



Project eioer ReichskriegsverraBSUug. -Forderung des Admio. v. Magdeb. ISf) 

Terbanden sei, die sie sehr weit (z. B. Schweden im polnihclicii Kriege) 
eztendierteD. 



Der Kurfürst an die GeäHtuIteii. D. Königsberg 1. Juni 1663. 

[Geneigtheit za einem Vergleich mit Pfalz -Neuburg.] 

Id betreff der Forderung des Administrators von Magdeburg wieder- 1 Juni. 
holt Kf. seine frühere Entscheidung. Mit dem Pfalzneuburgischen 
Gesandten soll Jena ferner reden und ihm andeuten, Kf. sei geneijgt, wenn 
Pfalsncoburg es beliebe, sich mit ihm in gutes Vei trauen zu setzeu 
and einen gütlichen Vergleich nicht auszusehlagen, er wolle erwarten, was 
jener ratione modi compositiouis und personarum mediantium vorschlagen 
werde, nud werde sich dann darauf erklären. 



V. Mahrenholtz und Gottfried v. Jena an den KurfUrdten. 
D. Regensburg 25. Mai / 4. Juni 1663. 

iK.Sachsens Forderoog wegen des Administrators. Die Angriffe gegen die 

Reformierten.] 

Die karsächsischen Gesandten haben wieder die Sache des Administrators 4. Juni. 
Torgebracht nnd verlangt, Ges. sollten wenigstens snb spe rati demselben den 
Vorsitz vor Halberstadt und consequenter den anderen Fürstenthümern des 
Kf. verwilligen, sie haben aber erklärt, des Kf. Befehl abwarten zu müs- 
scHy nnd dabei dessen Weisung gemäss bemerkt, Kf. hätte K.Sachsen und 
dem Administrator zu Liebe rem ipsam, nämlich sessionem und voium, 
Terwilligt, in der Zuversicht, es werde das alte Vertrauen zwischen ihnen 
erhalten und in K.Sachsens Landen nicht gut geheisseu werden, des Kf. 
Religionsverwandte wider den Keligions- und Osnabrückischen Friedens- 
i^chlnsä zu beschweren*), v. Gersdorf erwiderte, der Kaiser hätte dem Ad- 
ministrator schon sessionedi nnd votum concediert, wenn er aber die Stelle 
bei den anderen sächsischen Häusern nicht erhielte, werde er Session und 
Votaiq nicht begehren. K.Sachsen würde an dem, was privat doctores 
gegen einander schrieben, kein Gefallen tragen, und falls einer, dass er 
«ich vergriffen, wie dann nöthig wäre, überwiesien werden, sollte, würde er 
akdann solchen in seinen Landen nicht dulden. Was Calovius gebchric- 
ben, deshalb hätte er sich entschuldigt.-) 



') S. über diese theologischen Streitigkeiten, durch welcbu das gegen die 
Univertität Wittenberg gerichtete Edict des Kf. vom •21. Augast 1*;G2 veraulasat 
worden ist, Hering, Nene Beiträge zur Gesch. der evangelisch -reformirten 
KIrehe in den Preussiech-Brandeuburgischen Ländern II S. \o^ff. und unten im 
Anbaog die Akten über die Zuaunimenkuufi des Kf. mit K Sachsi'ri zu Turgau. 

^ Hering a a. O S. 1.72 ff 



I 



18G 4. L>er Äufaiig di>B Regensburgir Reichatage«. 

Dieselben ari den KurfUraten. D. Regeusbarg 
29. Mai / 8. Juni 1663. 

[Drohende Nachrichteu vod der Türkengefithr.] 

Vgr tvenigeu Tugen hl der Graf Lacron von Wien aagekomruea , um 
dem Eraijischof vou Salzburg die Türkeugerabr »orznstellen '), der durauf 
auub beiliegeodeE Schriftstück^) über den uDgaviseben Ziistand den Sländeo 
per dictaluram mitgetheilt hat, darüber ist heute deliberiert"), aber weder 
im kurriii'stiichcD noch fürutliehtn CuDegium zu eiuem Schluss gekommeu; 
im ersteren wnrde erklärt, da der Kaiser an alle Kurfürsteu dieser 8aehe 
halber Ge^audte gCEchickt, müssten sie (leren Befehl abwurten; im Fürsteu- 
ratbe wird es wohl zn keinem einmüthigen Beschluss kommen, die AUÜertco 
rerlaugen, dusB der punctas Gecuritatis mit der künftigen Türkenhülfe za* 
gleich rorznoehmeu &e\, werden es aber nicht dnrcbsetzen. 



Dieselben an deu Kurfürsten. D. Regensburg 5. /15. Juni 1663. 

[Beralbtingca wegen der küaftigeu Türkeahüire.j 

i. Der künftigen Türkenhülfe wegen ist es im Fürsteniath noch eu kei- 

nem conclunam gekommen, wegen der Verschiedenheit der Meiuuugeu und 
da bicb noch etliche 21) defectu iustructioniü entschuldigt. Die Alliierten, 
welche sich zu Volk erboten, sind gestern und vorgestern bei den K.Hain- 
ziacheu versammelt gewesen, um bieh zunächst unter siih wegen der Coa- 
ditionen, unter welchen sie die Völker schicken wollen, zu vergleichen, sie 
werden dann ihre iJedingungen dem Erzbiüchuf von Salzburg mittbeilen. 



Dieselben an den Kurttlrsten. D. Kegensburg 19./29. Juni 1663. 

[Uneinigkeit iubetreff der zu leisteuden Türkenbälfe.] 

■■ Mit dem futuro auxilio wird es nun bald zu Ende kommen, doch bleibt 
im fürBtIichen als auch EtadtiGcbcn UoHegio bei 
> daa allgemeine fieichsgutacliten üecuiidum con- 
elusa difl'urmia eingerichtet werden und ist es daher zu keiner durcbgebetn 
den Gleichheit (welehes wohl vor diesem iiu h. Reich jiemalä geäcbebea) 
zu bringen. Die Alliierten haben ihre (abschrifilich beiliegeiideu) Condi- 
lionen übergeben. 

') S. das Schreiben dei Kaisers au den BribiBcbof von Saliburg d. Lsx«ttt 
bürg 9. Mai 16U3 (L>iar. Europ. X S. 307 f. Loudorp VIU S.97I). 

s) Uiar. Europ. S S. 2(>0ff, Luudorp VIll S. Ü73. Pacboer v. EggnB- 
storff I S. 20. 

") Gemeiner I S.12. 



Die TürkBDgurnhr. Beratbnngun aber dra Tärkenhnife. 187 

Nach Erledigung des ereteo PaDktes wird es jelst bald zur ViTbuiiü- 
tlppg über deo zweiteu, die Sicherheit des Reiches, kommen-, Ges. erwarten 
l'dtriiber des Kr. WillensnieiuDOg. 



Der Kurfürst an die Gesandten. Ü. Königsberg 
6. Juli 8t. V. 1663. 

Vfuf ^'^ BeUlion vom 29, Mai/S. Jnni. Mahnangea an die ReichsatÜode. die 
Türkenbülfe ernster auzagreiren. Eigene üülfserbietongen des KT] 

— Wir betrüben uns Über dergleichen Verzögerung und gefährlichen ic Juli 
Aufenthalt nicht wenig und d&s» man des Erbfeindes deBsein nicht 
mit mehreren Ernst und Eifer zu Herzen uiramt, — Ihr habet dahero 
unserlwegen dies Werk beweglich und glimpflich vorzuBlellen — 
dass gleichwohl, da der Allerhöchste annoch Mittel geuug verliehen, 
solchem allen in Zeiten mit dessen göttlichen Beistand vorzukommen 
und abzuwehren, diejenigen eine schwere Veraniworiung Hber sich 
und ihre Nachkommen ziehen würden, welche durch andere Keapeete 
die Defension des Vaterlandes zu hindern oder doch zu diverliren 
suchen, und weil wir versichert wären, dass unter allen Oliedern des 
Kelches niemand wäre, welcher an solcher Auflage zu participiren 
begebrete, vielroebr alle Kräfte und Mittel wider Gottes und des Vater- 
landes Feind anzuwenden begierig, so wollten wir ihnen allen und 
jeden als ein getreues Mitglied die BefiJrderung dieses Werkes hestcr- 
niassen recommandiret haben, und weil wir Euch neulich alhereit 
gnädigst anbefoblßu, daus Ihr unsertwegen 150 Römermonat willigen 
solltet, also lassen wir es noehmalB dabei bewenden, und haben wir 
denn, nachdem die Keys. M. durch eine eigene Absehickung ') uns 
die instebcnde Gefahr rcprae»cntiren lassen und umb schlDnige Hülfe 
an Volck, Munition und Geld beweglieh anlialten lassen, doroaelben 
alsofort einige Völeker zu Hoss und Fubs, etliche hundert Cenlner 
Pulver, etliche tausend ytnek Kugeln und Granaten und dann hun- 
dert lausend Kthalcr versprochen, dae Geld albcreit wirklich gezahlet, 
und sollen die Volcker und Munition, so bald es Ihre Keys. M. noti- 
lieireD und begehren werden, marchiren und geliefert werden, wel- 
ches alles Ihr bei guter Gelegenheit zu erwähnen und dahin uüt allen 
Vleiss Euch zu bemühen, damit vor allen Dingen der punctus der 



■) Uebor dieie Sendnog Lisola's aa den ST. b. aateo Abschn. 5 



188 4. Der Aufang des Rogensburgcr Reichstnges. 

Türkenhillfe vest gesetzet und durch keine andere Materie divcrtirct 
werde. — 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 

10. /20. Juli 1663. 

[MittheiluDgeD RauteoBteioB.) 

'20. Juli. In publicis ist in 14 Tagen nichts geschehea, die Stände sind so liingc 
nicht zusammen berufen worden, da man erst die kaiserliche Resolution 
auf das Reichsgutachten erwartet, vermuthlich wird der Kaii^e^ nicht mit 
dem, was bisher bewilligt, zufrieden sein, sondern eine andere, besser ein- 
gerichtete, conforme und stärkere Hülfe begehren. 
* PS. Der Pfalz-Neuburgische Gesandte, Rantenstein, hat Jena an- 

gezeigt, sein Herr hielte das, was hier wegen eines gütlichen Vergleiches 
geredet sei, für aufrichtig gemeint und schlage seinerseits den König von 
Frankreich und den Bischof Ton Münster als Interponenten vor, wün- 
sche die Sache aber vorläufig noch geheim zu halten. 



Dieselben an den Kurfttrsten D. Regensburg 17./ 27. Juli 1663. 

[Die kaiBerlicbe ReBolntion auf das ReiehagniachteD.] 

27. Juli. Die kaiserliche Resolution i) auf das Reichsgutacbten ist nun erfolgt 
und werden jetzt, nach 3 Wochen, die Stände zusammenberufen werden, 
doch ist zu fürchten, dass keiner oder wenige sich anders oder zu einem 
höheren qaanto erbieten werde, man meint; der Kaiser werde geschehen 
lassen'), dass jetzt der punctus securitatis angegriflfen werde, doch mit dem 



d. 24/14. Juli 1663 (Londorp VIII S. 981f., Pachoer v. Bgg«DBtorff 
I S. 33). Darin vörlaogt der Kaiser, daas die ex caosa praesentiB ei praeteriti 
temporis bewilligte Geldbülfe anticipiert werde, daaa diejenigen Beicbaat&ode, 
welche weniger als 50 Romermonate bewilligt, den anderen beitreten, daa« für 
die anf dieses Jahr bewilligte Geldholfe bestimmte nnd swar mögliehtt nahe 
Termine festgesetst and dass, da sa besorgen sei, dass der Krieg in diesem 
Jahre nicht werde beendigt werden , leitig wegen fernerer Hülfe • Beschlass 
gefasft werde, dass ferner diejenigen, welche Volkshoife bewilligt hatten, 
ihre Trappen sofort anmarschieren liessen, damit er dieselben Ende Jali oder 
Anfang Aognst zur Hand habe, die Torgeschlagenen Bedingangen habe er schon 
durch den Erzbischof ron Salzburg auf die Billigkeit adjustieren lasten. (S. 
den Vertrag mit den Alliierten wegen der von diesen zu stellenden Hälfstnippen 
d. Regensbarg 11. Juli 1663 Diar. finrop. IX S. 406 ff.« Londorp Vm 8.977, 
Pachner y. Eggenstorff I S. 30f.) 

^ Der Erzbischof von Salzburg theilt (d. Regensbarg 27. Jali 1663} dem 
K.Mainzischen Direkt orinm den Inhalt der kaiserliehen Resolation mit und 
stellt anheim, da die Gesandten deswegen erst lastraktion von ihren Principaleii 



/ 



Die Tärkenhülfe. Die Becnritas imperii. 189 

Vorbehalt, wenn die Türkengefahr nicht nachliesse, den punctas anxilii zu 
reassomieren. 

Ges. haben den inzwischco angelangten französischen Gesandten G ra • 
Tel besacht ond wegen des Tractainents garkeine Schwierigkeit gefunden. 

K.B airische und K.Main zische Truppen sind schon auf dem 
Marsch Dach Ungarn. 



Der KarfUrst an die Gesandten. D. Königsberg 

20./30. Juli 1663. 

[BemerkuDgen in betreff der Bccuritas imperii. Geneigtheit zur VerstaD- 

digang mit Pfalz-Neabnrg.] 

Kf. bedauert, dass es der Türkengefahr gegenüber nicht zu etwas <)o. Juli. 
Rechtschaffenem gekommen ist; er treibst will für das Vaterland und die 
Christenheit beitrageir, soviel ihm der Allerhöchste Vermögen und Kräfte 
rerleihe. 

1) Wann nun der punctas securitatis imperii vor und in Delibera- 
tion kommen sollte, so habt Ihr unsertwegen in beiden Collegüs das 
Votum dahin abzulegen, dass wir verhoffeten, man werde uns im 
h. röm. Reich das Zeugniss geben, dass wir bis anhero nichts anders 
gesuchet, dann dass die Ruhe und so teuer erworbene Friede — er- 
halten und coDserTiret werden möchte. Da hätten wir nun wohl bei 
uns kein zulänglicher und sicheres Mittel finden können, dann dass 
zuforderst im h. röm. Reiche zwischen Haupt und Gliedern ein rech- 
tes und hikshst nöthiges Vertrauen and Verständnuss gestiftet and be- 
festiget werde, und hätten auch zu keinem andern Zweck alle unsere 
consilia und actiones gerichtet, möchten aber nicht eigentlich wissen 
oder sagen, woran es sich bis anhero gestossen, befindeten aber dieses 
bei UD8, dass so lange im Reich selbst zwischen den Gliedern und 
dem Haupt und dann denen Gliedern unter sich selbst ohne An- 
Mhn und Unterschied der Religion kein rechtes Vertrauen gestiftet, 
alle factiones, studia und Misstrauen aufhöre, an der Securität des 
Vaterlandes vergeblich und ohne Effect gearbeitet werde. Wir er- 
beten uns und wollten femer in der That mit Gottes Hülfe beweisen, 
dass wir unserem Eeyser, zumal dem gegenwärtigen, welchem doch 
aach nicht das geringste zu imputiren oder beizumessen, dass er 

• 

erwarten worden, inzwischeo d- n paoctas securitatie vorznoehmeo und die Ver- 
kaadlwig«D wegen der Aoticipatioo fortzasetzen (Diar. Kiirop. IX S. 128 ff., 
Loadorp VIII S.liTOf). 



190 



4. Der Anfang des Regensbnr 



ichslages. 



emigen ^atiiDd lietriibet oder zu Weiterung Ursach und Anlaes ge- 
geben, allen sutiuldigen Itespect leisten und gegen alle und jede un 
aere Herrn MitcliuirUrsten, b'Ursten und Stände dergestalt betrageO' 
wollen, wie es einem getreuen und redlichen Gliede des Vaterlandes 
gebühret und die fJrundgesetze und andern des Reiches Constitutionen 
erfoderten , und nelienst ihm_ des h. rüm. Reielis Ehre und Rübe — - 
samt der vor diesem erworbenen Reputation, Praccminentz und Gloria 
Diainteniren und naeli äUHserslen Kräften und Vermögen vertrel« 
helfen wollten. 

2) Negst diesem so gehörte zu der Securität des Reiuhes, dasB 
dasselbe mit allen Ben achtbahrten in gutem Verständnusit stunde and 
bliebe. Unter den Benaehtbaiirten wären Frankreich und Schwßdett 
die vornehmsten, wann nun der mit denselben zu Ossnabrugg 
Monster aufgerichtete Friede beslfmdig gehalten und dasjenige, 
beiden aus obgedaclitem Frieden zukommet und wiircklicb Iradiret, 
gelassen wurde, so hätte es mit beiden Cronen seine gute Richtigkeit 
und wQrden sie auch an ihrem Ort nicht weniger den Frieden un- 
verbruchlicb zu halten geneiget sein. 

3) — bestünde die Sicherheit des Reiches auch mit darin, daas 
sich da a b. röm. Reich von niemand zu nahe treten Hesse öder gar 
zu viel leidete, denn auf die Weise käme es in Verachtung, wurde 
man sich aber einmal und eininlitliig des Valerlandes Interesse ange- 
legen halten' und dasselbe mit Nachdruck secundiren, so wurde uch 
auch wohl bernacbmals einer und der andere bedenken, dasselbe 
zu lacessiren, 

4) — so hätte man nun über hundert Jahr bis gegenwärtige Zeit 
au einer guten Ordnung, wie nemlich ein Creyss dem andern und 
ein Stand dem andern im Nothfall assistiren und mit Hülfe erachoi- 
uen sollte , gearbeitet, man hätte aber gleichwohl kein besseres be- 
finden künnen, als das Fundamentum, wetcbcH in der Exeeutions- 
ordnung vom Jahr ibbb enthalten, wir hätten auch wohl so viel 
wahrgenommen und in der That erfahren, dass es nicht so sehr &d 
guter Ordnung als an denenjenigen ermangelt, welciie denselbeu Ord- 
nungen kein GuUge ihun und denenseliieu nachkommen wollen, ge- 
etalt man sich dann bisdahero so wenig auf die allgemeine lieichs- 
verfassungen, Executionsordnung und was darauf mehr erfolget, als 
auf particulär Verbandnuase, Vereinigung, Erhverbrilderung und der- 
gleichen zu verlassen gehabt, wurde demnacii dahin voraemlich mit 
zu arbeiten sein, dass nach Anweisung der Executionsordnung die 




Die sectiritK imperii. 191 

-'Sache Torgenomnieii, waa in der Exeeulionsordnung nicht zuroicliend, 
verbessert, was mangeltmft, hinzugetban, und absonderlich darauf das 
Abseben gerichtet werde, damit der Ordaung, welche gemacbet und 
beliebet, ein recbter Nacbdruck gegeben werde, damit die bedarfen- 
dtn Stände darauf Kich auf allen Nothfall Terlaesen und darauf Staat 
inaeben küunen. 

5) — wurde nOtbig sein, dass Haupt und Glieder alle ihre con- 
sUia einzig und allein auf das b. rCm. Heicb und desselben wahres 
Interesse wendeten und sich davon durch kein fremdes Absebn, es 
sei auch dasselbe wie es wolle, abweudig machen lassen. 

G) So wurde auch für das sechste nicht undienlich sondern zur 
Sicherheit des Reiches uothig sein, dass ein perpetuus miles im h. 
rüm. Reich untevhalten wurde, welcher nicht so sehr in numero als 
in robore und in geUbten und tapferen Soldaten und OfHcicren be- 
stünde und dass dieselben ordentlich und ohne Abgaog besoldet wür- 
den, und diese letztere securitatis media alle wurden sich leicbtüeh 
6nden, wann nur das erste seine gute Richtigkeit hätte. 

Dieses wären unsere treugemeiuten privat Gedanken für die 
Sicherheit des Vaterlandes und wollten der übrigen gleiebfalss ver- 
aebmCD und au unsern Ort alles getrcuUcIi beitrageu helfen. Und 
diese unsere Meinung nun habt Ihr in Kuren Votis verbutenus, wie 
dieselbe alhicr zu befinden, abzulegen, der übrigen Churfursten, Fur- 
steo und Stände Meinungen und Vota vieissig protocoUiren zu lassen 
und uns unt. zu berichten. 

Ges. snlleo den franzOfiscbeD Gesandten Gravcl rlsitieren and des 
Kr. freaodscbaftlicbc Gesiuuuag gegcu die Krone Frankreich contestierea. 

PS, RauteuBteiu sollen sie auf Gcine neulii he Erklärung tod eeiten 
des Kf. versichern, dass auch von diesem die Sct'he aufricblig gemeiut 
läei. er wüusche aber, dass dieselbe zunächst im geheimen aud ohne Hiri- 
ZDziffbung von Vermittlern zwischen ihren beiderseitigen Bäthea abgethan 



Die Geaatidten an den Kurfürsten, B, Kegeosburg 
24. Juli/ 3. Angaat 1663. 

[BerallinDgea über dun puacina secaritiliB.] 
Vorgestern, Mittwoch, ^iud die Stande wieder zusanimenberufen wor- i 
den, nachdem K.Mainz eine Art Frupo&itiun ') betreffend punctum securi- 

') d. BegeoBborg 19./29. Joli ICSS .Diar. Enrop, IX S. 43«. Lon.lorp 



JII S 



■ Eggei 



.rfr I S. 44), B. Ge 



r I S. 83 f. 



192 



4. Der Anfang Jet 



Reicbslage». 



taiis li:f_t öffentlicb dictierco lassen, über wekbe Neuernng dev ETzbi?c)i<it' 
fOD Salzburg sebr ungebalten ist. Im kurfüralichea ColicgJo propo- 
nierte dns K. Maiaziscbe Direktariam, dass nacb nbgebaDdeltem ersten Puukt 
DUR der punrtus eecuritatU vdrzanebmea sei, er bätte Geine Gedaukea darü- 
ber scbon Gchriftlich niitgetheiit. Die meisten (aacb, Ges.) stiitiiuteii danaf 
dafür, dass dieses K.Mainziäcbc Memorial erst den Principaleii eiazaseodea 
und deren Meinung zu erwarten sei; im Für,,teiiratb brachte das öster- 
reicbjscfae Direktorium den punctus securitalis so vor, wie er ia der kai- 
serlichen Proposilion eulhniten ist, die Umfrage wurde aber nicht zu Ende 
gebracht, die Mehrzabl bat bisber verlangt, dass die Directoria diesen Punkt 
IN meinbra anbdivldieren und daau solche proponieren ujörbteu '). Sa 
Bcn-Älienburg, auch Braiideiihurg-Culrabach uud Braunschw 
beantragten, dass die Capitulatio pcrpetua zuerst TOrgenommeD werde. 
Dabei scbeiot die Intention eines oder anderen zu sein, deu statuiu des R, 
Reichs anders zu Formiereu, man wünscht, die von den Kurfürsteu depeo- 
diereaden Gesandten solange aus dem Fürstennth los zu werden, bis die 
dos kurfürstliche Collcf^ium und dessen Präemineuz angebenden Dinge za 
Ende gebracht sind. Ges. aber wollen zu bewirken suchen, dass diesB 
Frnge noch etwas zurückbleibe. 

Graf Hoheniohe»), General der Frankfurter Allüerlen, ist hergekom- 
men, dieselben halten viele Itasamnienkünfte, bei welchen sich auch der 
französische Gesandte einfindet. 



Üieaelben an den Kurfürsten. D. Regensborg 
30. Juli / 9. Äugoät 1663. 

IVerbandlDogen über den panctas secnritatie.) 

0. Aug. Die Umfrage im t'Urstenratü ist 24. JuIi/3. August 3) fortgeBetat und 

beendet worden, .es wurde beschlossen, dass die fürstlichen Directoria mit 
dem K.Maiozischen sich xusammeu tbun, deu pnnctum securitutis in ge- 
wisse membra subdividieren und solche in eine Ordnung, wie sie vorzanch- 
bringen sollten. Es wurden von verschiedenen Seiten verschieden 
ite, die zuerst zu lehaudiiln seien, vorgeschlagen (t-o die Wahlcapito- 
1 ihnen selbst der puuctus restitneudorum). Mittwoch wurde das 

') V. Jena in dem Votum für Balberstadt verlangt: 1] das DirekloriBm 
mächte diese Punkte so vortragen, dass Dicht bald unter den ätäuden oder Golle- 
gien Streit entstehe; 2) man müclite zuerst das Reich wegen des Türken Einbrach 
in Sicberbeit setzen, 3) zngleicli aber den punctum res ti tuend orum vornehmeD, 
dejftDach dem FrisdeDSBctiluss nuerst zu erledigen sei. Kr erklärt zugleich, dos« 
das von K, Mainz Uictierte keine Proposition sein koun«, dass dem FörBteocol- 
leginm überhaupt auseer seinen Direktoren niemand etwas zu proponieren btb«. 

") S. über deriBelbon Tboatr Burop. IX S Sll.l ff. 

1 S. Gemeiner ISi.85. 




BeralliaiigeD über äiv TorEnnehnieDdea Gegenstände. 193 

karfürgtliche Collegiom allein cooTOciert. E. Mainz wünechle, maa möchte 
aicb Daher heraoslasseD, maa erklärte aber, tnan habe zunächst das K.Maia- 
ziscbe Memorial den PriDripslen eingeEchirkt, man niiitFcbe, neil im Füreten- 
rath der pnnctas securitatis sehr weit exteudiert verde, die directoria möch- 
teo sich zasammenthuD und diesen l'nnkl in t^enitise capita diTidieren, damit 
nicht die beideu Collegieo über verschiedene Materien deliberierten, beson- 
ders wäre die ExecutionEordnung zn verbessero; K.Mainz will aber vorfäufig 
diese Snbdivislon nicht übernehmen, bis man sich specialius erklärt hatte. 

»Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensbarg 
7./17. August 1663. 
[Die Erblärnng des Kurfürst«» Weitere Beralbnugeo über deu punctus 

Ges. haben des Kf, Rescript vom 30/20, Juli am 4./U. August erhalten 17, Ang. 
und bei healiger Zusammcnknoft') dessen Meinung befohleuermaiiEen in 
ihren votis in beiden Collegien verbotenus vorgetragen; es wurde dieses 
DJi ht allein mit guter Attention in beiden coüegiis angehört, sondern ancb 
{lar wohl aufgenommen und fast borh gehalten. Im kurfürstlichen CoUe- 
gium gingen die majora dahin-}, dass eine ProTisioual Verfassung zn des 
KeicbeE Sicherheit ehestens za machen sei, damit man einer Reichsbiilfe 
sowohl gegen den Erbfeind als contra quosvis invasionis casas versichert 
wäre, und dass ancb die Execntionsordnnng revidiert werden müsse. Im 
Fürstenratb erklärte sich die Majorität wieder dafür, die direcloria uiöcbten 
xunächsl den Punkt ia gewisse membra subdividieren und diese den Stän- 
den mittheilen. Die allermeisten auf der weltlichen Bank bestehen aber 
duranf, dass die perpetua capitnlatio znnärbst abgehandelt werde, deuten 
in Privatge spräche II auch das votum des Kf. dahin, weil darin vorgectellt 
werde, dass das innerliche gute Vertrauen zwischen Haupt und Gliedern 
zuerst zn stabilieren wäre, während Ges. daraus schliessen, dass zuerst die 
EsecDtiouEordnnng und der perpeluus miles weiter abEuhandeln Fei; sie er- 
bitten des Kf. Gedanken über die perpetoierliche Capitnlalion 



I 



Dieselben an den Knrförsten. D. Regensburg 
U./24. August 1663. 

[Weitere BerathnngeD über die za behandelnden Gegenstände.] 
Das kurfürstliche Colleginm hat endlich per migora beschlossen ■), ä4. Aug. 
die ExecutiuDEordunng zu revidieren sei, im Füretenrath <) aber hat 



>) S. Uemeioer I S. 89^ 

>) S. den E.MainziBchen AvisatioDasettel d. IT. August 1663 (Londorp 
VIII 8. 983). 

') 13./32. AngoBt s. Gemeiner I S, '.r2. 
•) S Gemeiner I S. H» ff, 

Muit- L Garn d. G. KiirfTiiaicn. XI, 18 



194 



4. Der AnfaDg des Regenaburger Reichstages. 



es wegen der Veracbiedenlieit tler Meiiiani^eD Doch zd keinem wirblicbea 
Bescbluss knmnieii können; die Alliierten auf der weltlichen Bank (deun 
die Oeistlichen Dehmcu es sich nicht an) Dnd andere, daronter die 
fürstlichen Häuser Ktim gröasereo Theil mit sind, driiigen diiranf, dass die 
Capitulation /.nerst vorgeDomnien werdet sie selbst haben in Ermangclang 
besonderer Instruktion verlangt, dass zuerst die Executionsordnung i 
Verfassung im Ueich , auch der pnnctas reeititnendorum zd Ende zu briu* 
gen nnd dann der defectns cnmitiorum zu corrigieren sei. Einige im FiiP- 
stenrath lassen sich verlauten, Kf. würde denjenigen, welche die Einrichtung 
der perpetuierlichcn Ciipitnlalion zufördergt urgicrten, nicht ablallen, w( 
auf dem vorigen Reichstage'] durch seine Geeandteu im Fiirstenratb goI- 
cbes Werk habe aocnndiereD lassen. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 
31. August 1663. 

[Erhaltaag dur kurfäratlichea Prärogativen.] 

3t. Aug. Ues. sollen sich die Erhaltung der kurfürstlichen Prärogativen') au- 

gelegen sein und sich auf keine Weise aus dem Filrstenralh exckidieren 
lassen. Kf. ist betrübt über die Vorgänge auf dem Reichstag und fürchtet, 
dass nnr nor:h grösserer Zwiespalt dadurch entstehen wird. Wenn diese 
Materie im Pürsienrath vürkommen sollte, sollen sie erklären, sie müsstes 
darüber erst an Kf. referieren, bis sie Resolution erhielten, möchte mit dem ' 
ronclusnm innegehalten werden, im Kurfürstenrath haben sie sich möglichst 
mit Baiern und Sachsen za confonnieren. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensborg. 
21/31. AEgnst 1663. 



[BeratbuDg über die 



1 bebBDiIelnden GegeoBtände. Frankreicbs Erbieten i 

Türkenhülfe.] 



• Ang. Man hat sieb noch immer nicht verglirhen, welche Materie zuerst vor- 

zunehmen sei; im Fürscenratb verlangen die meisten Weltlichen zaerst ditt 
Wahlcapitulation, die anderen, darunter auch Halberstadt, babeii be< 
schlössen, mit der Wahlcapitulation zugleich eine Verfassung im Reich 
aufzurichten, und zwar solle über beides tu pleno verhandelt, zugleich der 
puDctus restitnendorum durch Depnlierte vorgenommen werden. Dieser 
Ueschluss derselben ist heute durch das österreichische Direktorium den 



I) S. Droysen m, 2 S. fl8 f. 
>] S. das Reecript des KT. au seine Gesandten i 
r./15, Februar XÜöi (ürk. n. Akt. VI 8. 400). 



jf dem Reichstage 



FestsielloDg der votsanehnieDdeD QegeDstäode. ]95 

deren mitgetbeilt worden, dieselben haben sich aber noch nicht darauf 
erklärt. 

Die Alliierten haben Bomb ach znm Qeneral-Major bestellt, ihre Trup- 
pen sollen schon anf dem Marsch sein. Frankreich erbietet sich znm 
simpel Allianceanschlag, 800 z. Pf. und 1600 z. F. unter denselben Bedin- 
gungen, wie die anderen Alliierten, zu schicken. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
28. August/ 7. September .1663. 

[Feststelluog der za behaodelodeo Oegeostäode; allgemeioe Zafriedeoheit mit dem 

Votum de9 Kf. wegen der Wahlcapitalatioo.] 

Im Fürstenrath ist es endlich, nachdem Halberstadt erklärt, weil T.'Sept 
sich immer neue Difficultäten ereigneten und man diese wichtigen Dinge 
nicht in pleno tractieren wolle, müsse es seine Meinung zurückziehen, an 
sich halten und neue Instruktion erwarten, zu einer Einigung gekommen*), 
nämlich zugleich mit der allgemeinen Reichsdefension und der Wahlcapitu- 
lation anzufangen und damit bis zu Ende der Sachen zu continuieren , zu- 
gleich aber auch den punctus restituendorum , diesen per deputatos, die 
beiden« anderen aber in pleno zu verhandeln; auch Halberstadt hat sub 
spe rati eingewilligt 

Sonst wird es Ew. Ghf. D. sehr wohl gedeutet, dass das von 
dero dependirende Halberstadt — sich der Capitalation nicht wider- 
setzet — sondern gütlich und aus Liebe zu Stiftung innerlichen Ver- 
trauens in dero eheste Handlung gewilliget, und seind dergestalt beide 
Theile mit Halberstadt über die massen wohl zufrieden und stellen 
sich mit Gebehrden sehr freundlich. — 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Insterburg 

10. September 1663. 

[auf die Relation vom 14./ 24. August. ZuBammeugehen mit K.Baieru uod E.Sach- 
Ben gegenüber den bei der Wahlcapitulation beabBichtigten Nenerungeo.] 

Ef. erneuert seine Anweisung, mit den K. Bairischen und K. lO.Sept. 
Sächsischen vertraulich zu communicieren , wie man sich den im Für- 
stenrathe beabsichtigten Neuerungen gegenüber zu verhalten habe. Sie 
sollen femer zu penetrieren versuchen, was eigentlich bei der Capitulation 
prätendiert werde und auf welche Weise man dieselbe eingerichtet haben 



S. das GonclaBam vom 26. August / 5. September Londorp Vm S. 983, 
vgl. Gemeiner I S. 93 f. 

13» 



196 4. Der Anfang dea Regeasbarger Reichatagea. 

wolle, Terner eoIIcd sie bejiclileo, wer neben den AlllierteD, Alteubnrg 
Dod Cutmbacli noch dieees Werk wider das DDstreilige Recht der Eur- 
Türaten treibe. Man bat sowohl bei AufrichtuDg der Wablcapilnlation auf 
dem vorigen Reichstage zu Kegensbnrg als auch bei der Wahl de§ jetzi- 
gen Kaisers 1658 die ErinneruiigeD aller Stände be rücke ich tigt, es ist also 
dea VorschriftGn des Instr. pacis »attGam Genüge geschehen. VorlünEg, 
bis Ef. ihnen weitere Resolution gesandt, solleii sie erklären, sie hätten in 
betreff der Capitnialion wegen l-'erne des Weges n'ich keine Instruktion 
erhalten. 



Die GeaaniJten an den KurflireteD. D. Regensburg 
4./ 14. September 1663. 

[Streit zwiscbeD Kur- und FürgtencoUeg über Vomahma der Wablcapitulstioa. 

KlttgBD BremeoB über Schweden. Freundliche Erkläroagen dea scbwedischeD 

Geeacdten.] 

l.Sept. Das kurrür^^tliche Collcgiitm hüC beRrblosi^en '), dass zuerst nur die 

ReichsTerrassuDg und er^t nach deren Abbaudlnng die Wahlcapilulniiou 
vorznnebmen eei. Vorgestern kamen diirauf beide höhere Collegiu iur Rc- 
und Correlation zosammeii, die Sache wurde aber nicht Terglicben. lumit- 
telBt geht etlicher Meinung im korlürstlichen Coliegio dahin , lieber gütlich 
sofort zu Terwilligen, dass die Capitulation mit der Reiehsverfassungzusam-' 
men verhandelt werde, Ges. werden sich der M;ijorität aoGchliesten. 

Der Deputierte der ätadt Bremen >) hat geklagt, dass der Herzoglich 
Brcroisclie Gesandte die Ezclnsion der Stadt, vom Reichstage verlangt c 
gefordert habe, dnss die Stadt ihre Quote znr Türken^teuer dem Herzog- 
Ihum «riegen solle, er fürchtet Thätliohkeiten und bittet um Unterslutz nog'. 

Der Schwedische GeBwndte wegen Bremen bat in Privatdiscursen 
mit Halberstadt erklärt, die Krone Schweden nnd ihre ministri hätten 
es mit Brandenbarg immer ehrlich gemeint, wenn Kf. mit derselben 
gutem Vertrauen stünde, würde es für beide Theile der grösste Natsen sein, 
Halberstadt bat geantwortet, dass Kr. dazu bereit sei. 



') S. daa Conclasum von S/12. September Londorp Vtll, 8. 9S6, vgl. Ge- 
meiner 1 S.94. 

") Dr. Biirchard Eden. Schon am 37. Januar IS63 hatte der Schwediach- 
Bremieche Gesandte (Snol aki) einen Protest gegen die Znlssaung der Stadt sam 
Ueichatage eiugereicht (Loudorp Vlll. S. 9Ul>), wogegen Eden um iächnti der 
lieichBimmedletät der Stadt beim fteicb^lagc eingebommen war (Londorp a. a. O.). 
Tgl. Duntxe, Geach. der freien Stadt Bremen IV S. 13S, 



WahlcapitalatioD. Türkeogefabr. 197 

Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 

21. September 1663. 

[aaf die Relation vom 2d. August/?. September. Nothwendigkeit schoeller Hülfe. 

Die flälfsBeoduDg des Kf.] 

Ges. werden Docbmals angewieseD, sich wegen des modi tractandi ma- 21. Sept. 
terias nach den K.B airischen nnd K.Sächsischen zu richten. Kf. ist 
dorcbans nicht dagegen, dass nach Anweisung des Instr. pacis die Wahl- 
capitolation vorgenommen und womöglich eine perpetna eingerichtet werde, 
angesichts der tranrigen Nachrichten ans Ungarn nnd Oester reich aber 
hält er es vor allem für nötbig, dass ein jeder sofort nach Kräften Hülfe 
leiste. Es wird ja an der Capitnlation nichts versäumt nnd es kann 
ohne Gefahr des Reiches damit anf einige Wochen Anstand haben. 

Ihr habet es in beiden Collegien anzuzeigen und unsertwegen zu 
bitten, dass man jetzt nicht so sehr auf die Matricul oder Gleichheit, 
sondern auf die Noth sehen und schicken möge, was man könnte; 
auf allen Fall und wann es nicht verfangen will, so seind wir ent- 
schuldiget und haben wir gethan, was in unserm Vermögen gewesen. 
Wir schicken Ihrer M. 1000 Musquetirer, 500 Reuter und 600 Tra- 
guner, guter tüchtiger und geübter Mannschaft, und werden uns des 
Vaterlandes und der Christenheit Elend mit Gottes Hülfe ferner an- 
gelegen sein lassen. Inskunftige werden wir euch des Defensions- 
werks halber specialius instruiren, weil wir durchaus nicht rathen 
können, dass man durch langsame Handlung und Conditionirung die 
Hülfe aufhalte oder dieselbe allererst nach geschlossener und ver- 
glichener Defension resolviren und schicken wolle, dann da wurde 
dieselbe wenig nutze sein und verfangen. — 



Der Kurfürst an dieselben. D. Königsberg 21. September 1663. 

[Zasammengehen mit R. Mainz. Gee. sollen in die Vornahme der Capitnlation 

einwilligen.] 

Der Knrfürst von Mainz, dem Kf. sein votnm wegen der secnritas pnblica2]. Sept. 
mitgetheilt hat, hat in seinem Antwortschreiben (d. Mainz 4. September) er- 
klärt, dass er darüber mit Kf. einig wäre nnd seiner Gesandtschaft in Re- 
gensbarg befohlen habe, mit der brandenbnrgischen vertraulich zo confe- 
rieren, Kf. befiehlt daher den Gesandten, mit der K. Mainzischen Gesandt- 
schaft wegen der Türkengefahr, der Präeminenz des kurf. Colleginms und 
der Sicherheit des Reichs vertraulich zu communicieren. — 

Und können wir endlich geschehen lassen, dass man so weit die 
Capitnlation vornehme, als solches in Instrumente pacis gegründet, 



198 i- D^'' AnTaDt! des RegeoBbarger Reichbtages- 

in welchem doch dem Cuhrfürstliehen Collegio niehls entzogen. Ilir 
liabt liierunter mit aller Beliutsamkeit zu procedireo und lieber eine 
Sache, daran ihr zweifelt, bis zu unserer gn. Resolution auszustellen. — 



Die Gesandten an den Karfllrsten. D. Regensburg 
11./21. September 1663. 

[Furcht infolge dea Streifzugea der Tatareo und Türkes.] 
21.Sept, Wegen des Streifens der Türken und Tataren') ist nicht nur 

grosEeu Qegchrei, Gondern auch FIücbteD in Böhmen, Voigtlaud, Ober- 
pfalz uod den benachbarteD Landen gewe^^en, so dase die Leute, eine 
I Meile von. dieser Stadt wohnend, Bich und das Ihrige nicht mehr getranet, 

auch alhier die Stücke auf die Bastians gebracht worden, doch hat sieb 
dicB jetzt, nachdem diese streifenden Parteien zurück gegangen, wieder ver- 
loren. 



Die Gesandten an den Kf. D. Regensburg 
17./27. September 1663. 



[Verstüudiguag ewiscben <\em kurfurBlI. und furatlichea CoUegiam. FordemDgea 
der Fürstlichen bei der Wahlcapitalation.] 

üT. Sept. Nachdem das fürstliche Collegiara das von dem kurfürstlichen rorge- 

bchlngene Temperament'), dass nämlirh secnritas allein bi» zum 1. No- 
vember zu tractiercD and alsdann die Capitulation zu combiniereti sei, 
gebilligt, sind vorgestern, Mittwoch, beide höhere Collegia zur Re- und 
Correlation geschritten und haben sich endlich verglichen'). 

V. Jena hat erfahren, dass die Forderungen der Fürstlichen wegen 
der Wahl capitulation sich auf folgende Punkte richten : 

1) ratione hanni. 

2) rat. lelaneorum, dass künftig neue Zölle zu bewilligen, nicht den 
Kurfürsten allein zustehen solle. 

3) rnt. postarum. 

4) rat. belli et pacis, dass ehe solche vorgenommen würden, alle Stands 
darüber zu vernebmen wären. 

b] rat. eligendi regem Romanornm, dass zunächst alle Stände eu verneh- 
men, ob Bolr.hes bei Lebzeiten eines römischen Kaisers nützlich und 



>) S. darQber nnlen Abechn. 5. 

^ S. Gemeiner I S. !l5ff. 

^ Kar- Qod Füratliches Conclae 



I Hi./26 September Londorp VUl 



Törkengefahr. Veretandigung über die zu berathenden Gegensiäode. 199 

Döthig sei; wenn sie es für gut befioden würden, sollten die Karfürsten 
nachher nach ihrem Belieben wählen, wen sie wollten. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
25. September/5. Oetober 1663. 

[Mittheilang. der Mahnangen des Rf. Grosserer Eifer seit dem Tatareneiofall.] 

Bei vorgestriger Session haben Ges. nach des Ef. BefehP) in ihren 5.0ct 
votis erinnert, dass männiglich sofort und noch vor aasgemachtem Defen- 
sionswerke sich in Verfassung stellen and die vorhandenen Völker alsobald 
anmarschieren lassen möchte, Kf. hätte schon eine ziemliche Anzahl tüchti- 
ger Mannschaft anziehen lassen. Einige erklärten sich hierauf ziemlich, 
etliche aber nahmen solches ad referendam an, es scheint, es hätte der 
neuliche Streif der Tataren*) und der dadurch weit und breit entstan- 
dene Schrecken verursacht, dass manche die Gefahr etwas besser zu be- 
herzigen anfangen wollen. 

800 Pfalz-Neuburgische und 1000 Münsterische Mnsquetiere, 
letztere mit 12 Regimentsstücken und Mörsern, sind nach Oestcrreich darch- 
marschiert 



Gottfried V. Jena an den Kurfürsten. D. Regensburg 

2./ 12. Oetober 1663. 

[EioiguDg aber den modus tractandi materias. Verhältnis der Gesandten 

zu Gravel.] 

Die 3 Collegien haben sich über den modus tractandi materias nun 12. Oct. 
dahin verglichen, dass nach verflossenem Oetober die Sicherheit oder Ver- 
fassung des Reichs 4 Tage und dann wieder die Capitulation 4 Tage alter- 
native in pleno tractiert werde. Nachdem durch die directoria die Ver- 
fassung des Reichs in 11 Punkte eingetheilt') und diese per dictaturam 
den Ständen mitgetheilt worden, begann am vergangenen Mittwoch die 
Berathung. Im kurf. Colleg wurde nur beschlossen, bei Stellung des 
Fusses die Reichsmatrikul zu beobachten Im Fürstenrath ist noch nichts 
geschlossen worden. 

Freih. von Blnmenthal hat^) (21. Sept.) aus Paris geschrieben, 



■) S. das Rescript vom 21. September oben S. 197. 

^ ä. oben S- 198 aod nDten Abschn. 5. • 

^ Sabdiviaio des panctas secaritatis d. 8. October/28. September 1663. Pach- 
ner V. Bggeostorff I S. 46 f. Gemeicer I S. 105 f. 

*) S. v.ßlameothals Relation ao den EurfürsteD, d. Paris U/'S!. September 
1663 (ürk. u. Akt. IX 8.659.) 



200 'I- I^^c Anfang des Begau ab arger ReichatageB. 

Lyoniie habe das vertrauliclie Verhäll?iis zwiechen Liesiger Gesandtschaft 
uüU Gravel gerühmt, nod aie aofgefordert, da dieses seiner Negotiaiigo 
zustauen bomiiicD IcöDoe, darin rortzufahren; t^ie bitten, Kf. möchte ihnen 
etwas an die Hund gelicn. dadurch sie Gelegenheit erhielten, zn Zeiten 
Gravel mehr zu Fprecben. Derselbe hat nenlith Jena in seiner Eigen- 
schaft als iur das Für^tenthnm Nassaa Votierenden besni-bt, ^ich zu allen 
DieuBten erboten, erklärt, er menge sich in nichtg, suche Eintracht zu er- 
halten, der König von Fr;nikreicli habe sich sogar zum Dnpel- nod Tri- 
peluuscblag zur Türkeubiiire erboten, der Kaiser aber habe es nicht an neb< 



Gottfried v. Jena an den Kurttiraten. D. Regensburg 
9./ 19. October 16b3. 

[BerBlbaugeD über die beiden ersteji Punkte der HeichakriegBTerraisaog. 
Beechwetdeu gegen die Matrikol.] 

Pl9. Oet In beiden höheren CoUegien ist über die II Punkte beratb schlagt, do 

nur die beiden ersten') recht angegriffen norden. Der Fnss wird uhue 
Zweifel nach der Reichsmatriknl und deren Anschlng eingerichtet werden, 
das Quantum aber kann erst dann eeinc Determiuatiou erlangen, vena ta- 
nächst klar gemacht wird, was die Matrikul und deren Simpel-Anschlag 
trirklich austragen. 

K.Trier und K.Cöln haben 20O00 z. Fusa und ÖOOOO e. Rosa vot- 
geachlageu, einige im Fürstenrath 40 bis 50000, andere meinen, um dia 
äacbe t^chneller zu erledigen, Hiille mau sich mit denen, die sich über ein 
zu hohes Conttngent beschweren, gütlich einigen. Einige Stände iu dem 
Nledersächaischen Kreise (Magdeburg, Uecklenburg-Schwerin und 
Mecklenburg-Qiis trow, Sachsen-Lauenburg) bringen schon ihr« 
Beschwerden über allzugrossen Anschlag ad dictaturam und wollen 
Moderation oder Rectification derselben anhalten. Da diese Frage sicher 
vorkommen wird, schlägt Ges. vor, K(. möchte allen seiueo Provinzen und 
Landen befehlen, ihre gravamina über das allzugrosse Conlingent aufzu- 
setzen und möglichst bald herznschicken. 



Derselbe an den Kurfilraten. D. Regensburg 
19./9. October 1663 (eigenbändig). 

[Vertrauliche Berathnog dea kurfiirall Collegiuina über die WahlcapilalatioD. 
KlugdQ über die haisurlicben Minister.] 

L9. Oct. Dus kui'fUrstlicbc CoUegium hat schon vor einigen Wochen beschlo&sei 

über die Capitniatiou vertraulich zu verhandeln, ein gemeinsames GutachU 

^ S. über diese VKrliandlungen Gemeiner I S. lOäff. 



ReichskriegSTerfaBsaog und Wahlcapitalation. 201 

abzufassen und den Principalen zn übersenden. Doch ist diese Familiar- 
conferenz erst am 2./12. gehalten worden, doch ist dort nur sine ordine dis- 
enrriert nad endlich beschlossen worden, dass ein jeder Gesandter seine 
Gedanken schriftlich am 7./17. dem directorio übergeben sollte, daraus 
dann das gemeinsame Gutachten abzufassen wäre. Doch ist auf den be- 
stimmten Tag damit nicht innegehalten worden, da Jena aber mit seinem 
[beiliegenden] Gutachten fertig^ erschien, erbat es sich Director Mehl 
zur Communication, erklärte, dass er damit ganz einverstanden sei und es 
seinem Kurfürsten zusenden wolle *). Das CoUegium hat auch beschlossen. 
Dm die Sache geheimer zu halten, selbige remotis secretariis oder proto- 
collistis zu verhandeln, so dass die Gesandten selbst die Protokolle und 
Relationen abzufassen haben. 

Hiebe! wurde auch erinnert und abgeredet, dass ein ietWeder 

seinem gn. Herrn Oberen gebührlichst in geheim hinterbringen sollte, 

vfie theils der Herren Fürstlichen sich verlauten liessen, dass Keys. 

Maj. Yomehmste Ministri dem Regiment im Rom. Reiche bei diesen 

gefährlichen Läufften nicht wie es sich gebührete vorstünden, und 

dass denen Herrn Churfürsten zukäme , hierin zu wachen und Sorge 

zu tragen, Keys. Maj. deshalben zu erinnern und abzurathen, sich 

des Werks bei diesen Läufften selbst mit anzunehmen. Schiene zu 

befahren, wann dieses länger anstünde, und die Herrn Churfürsten 

sich nicht interponirten und auf des Reichs Wohlfahrt selbst mit 

sehen, auch etwas der Regierung sich mitannehmen, dass die Herrn 

Fürsten etwas hierin tentiren möchten. — 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 

12./ 22. Oetober 1663. 

[Bei der drohenden Gefahr ist zuerst die DefeDsioosverfassung schnell zu er- 
ledigen.] 

Angesichts der Türkengefahr, und nachdem der Kaiser ihm die Noth 22. Oct. 
in einem besonderen Schreiben^) vorgestellt und begehrt hat, die Hülfe ohne 
einig ander Absehen zu Regens bürg zu poussieren, befiehlt er ihnen, 
da die Türken für das nächste Jahr mit einer unglaublich grossen Macht 
gegen Ungarn sich herausbegeben und absonderlich gegen Teutschland den 
Krieg eifrigst fortzusetzen beabsichtigen* sollen, dem kurfürstlichen und 
fürstlichen Collegio dieses zu remonstrieren und dahin mit höchstem Fleiss 

zu cooperieren, damit man bei solcher Beschaffenheit die Hauptreflexion 

16/26. Oetober sendet er auch Abschriften der Gatachten ▼od Trier, Cöl c, 
Baiern, Sachsen and Pfalz dem Kf. ein. 

^) d. Wien 3. Oetober 1663 s. unten Abscbn. 5. 



202 



i. Der Anfaug des Regeneburger ReichBtages. 



vor allen Dingeu auf die Rettung des VaterlandcB — ricbten möge, 
damit in Betrachtung dieser jetzterwähnten Gefahr die Defensions- 
verfaseuog vor allen andern Sachen vor die Hand genommen, ohne 
Verlicrung einiger Zeit verglichen, und wann dieselbe zur Kichligkeit 
gehracht, alsdann dea Churfll rötlichen Collegii selbsteigcner Meinung 
nach von der Capitulatien nach Ausweisung des Instrumenti pacis 
und der Guldnen ßull gehandelt werde, man auch auf keine Matrikai 
oder auf einen langwierigen modum wegen Aufbringung der UDlfe 
sein Absehen richten, sondern dieselbe Schleunigst schicken möge, wia 
solche ein jetweder zu thun vermag. — 



Gottfried v. Jena an den Kurfürsten. D. Regensburg 
16./26. October 1663. 



[BeffaCTDang des LandrollEg ia den Ki 
Streites libor daa Di 



Es wird . 
verhaadeH. E 
die tiicbtigeo 
sollen, um sie 



Vorschlüge vegen Beile^Dg dei 

1 WeBttaliBchBD Kreise,] 

lucb über den Fusb, daraaf die Keichsverfassung zu sMlleo, 
i i;j[ aueb beschlosseu wofdeu, dass in allen Reichskreisen 
Landvölker armiert nud ia Bereitschaft gehalten werden 
im Notbfall zu gebrauchen. Im Scbwäbiscben Kreise ist 
es scboD ausgeführt; der bairische, fräukiscbe und schwäbische 
Kreis wollen eine Zusammenkunft veranstalten, um sieb wegeu Uuireleistaog 
zu vergleichen. Ein Tbeil der westphälischen Stande klagt, dass wegea 
Uuricbtigkett des diiei'toni der Kreis Sebaden leide und nicht zusammea- 
komme; dem Anspruch Münsters, dass ihm vorläufig das Dircktorinm 
allein gegeben werde, hat Ges. und ebenso Pfalz-Neuburg widersprocbeo, 
Ges. bat vorgeschlagen, es vorlanGg dem Kf. allein zu überlassen. Er 
übersendet das jetzt von E. Maine dem kurlürBtlicbeu Collegio communi- 
eierte Verfassungsproject. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. JVIarieuwerder 
in Preossen 5. November 1663. 



[her Anschlag zur Eeichsdefenai' 



mgenügend, eilige Hulfti aothwetidig.] 



Die Berichte vom 8./ 18. und 9./ 19. October hat Kf. auf der Reis« 
nach Brandenburg erhalten, er kann erst nach seiner Rückkehr nach Berlin 
ihnen auslübrlieheren Befehl darauf zukommen lassen. Vorläufig verweist 
er sie wegen der Capitnlation auf sein Schreiben an K.Mai nz. 

Die Anzahl der 20000 Mann z. F. und 6 000 Reuter, worauf die 
Jteichsdefension gerichtet werden sollte, tinden wir nicht allein ge- 



Die ReichskriegsverfassaDg. 203 

ring, sondern auch nicht proportioniret, wovon wir Euch hienegst 
unsere fernere Meinung wissen lassen wollen. Dass man aber der 
gegenwärtigen Gefahr vom TQrken durch dieses Mittel zu begegnen 
gedencken wollte, würde im geringsten sich nicht practiciren lassen, 
und bestehet der Nachdruck und das pondus derjenigen Hülfe, welche 
I. Kais. M. geleistet werden soll, fumehmlich in der Eilfertigkeit und 
wnrcklieher schleunigster Anstalt. — 

Ef. sendet bei, was er deswegen an die meisten Fürsten geschrie- 
ben hat')- 



V. Mahrenholtz nnd v. Jena an den Knrflirsten. D. Regens- 

bnrg 29. October/8. November 1663. 

[auf das Rescript vom 12/22. October. Beratbungen über das qaaotam der Eeichs- 

verfassoDg.] 

Das Quantum der Refchsyerfassang hat noc]i nicht festgestellt werden 8. Nov. 
können, weil anfänglich einige Geistlichen, welche eine beträchtliche Yer- 
ringernng ihres alten Anschlages am Kais. Hofe ansgewirkt, Ursache zur 
Verzögernng gaben ') , die aber non damit stille sind , jetzt aber hat das 
Salzbnrgische Direktorinm allein das Werk verzögert, welches für sich 
die Moderation zn behaupten sucht '). Oes. haben nach Befehl die grosse 
Gefahr beweglich vorgestellt ond ihrerseits sab spe rati sich zu dem alten 
Matriknlanschlag ftir diesesmal und saWa fatora rectificatione erklärt, wenn 
alle anderen Korfürsteo, Fürsten and Stände das gleiche leisten wollten. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensbnrg 

5./ 15. November 1663. 

[Bescblass des Triplom. Versöhnliche Erkläraog des Pf.NeabargischeD 6e- 
saodteo. Erkläraog des EarfärsteDCollegs wegen der Wahlcapitalation.] 

Wegen der Reichsdefension haben sich endlich beide höheren Gollegia 15. Nov. 
dahin verglichen *), dass ein jeder Stand mit dem triplam seines alten An- . 
Schlages an geworbener Mannschaft sich gefasst halten solle, nm solche 
zn stellen. Wie aber die Reichsmatrikai und deren Moderation beständig- 



*) d. Königsberg 15./25. October 1663 s. unten Abschn. 5. 
') Ueber diese Streitigkeiten wegen Moderation s. Gemeiner I, 8. 110 ff. 
^ S. Gemeiner I, S. 115. 

*) S. das Conclo8Qm|Lect. 7. November 1663. Londorp VIII, 8. 992., vgl. 
Gemeiner I, S. 116. 



204 



i Der AafaDg des RB^oneburger ReicbslageB, 



I 



I 



lieh einzurichten, dnvaa wäre suo lacu zu reden, onterdessen aber sollte, 
hier mit den graviitis vermittelst der Kreise provisiouiiHier gehandelt werdea. 
Das reichsstädtische Collegium ') hat sich zwar die Frovision^lmoderatiun 
gersUea lassen, allein zum gedachten triplo sich uoch nicht verstehen wolleo 
und einmiithig erklärt, dass dieses Defensionswork nicht von einem immer- 
währetideu, soüdern nur von einem zeitlichcD, pro durante periculo et pecessi- 
tntF, zu verstehen epI, auch K.S achseo, K.Pfalz und einif^e im Füretea« 
rath meinen ebenso und halten perpemnm militem für unnölhig, die nieibtea 
aber meinen, daas eine wirkliche perpetnierliche Verfassung auf^urii-bten sei. 

Betreffend das Directorinm im Westfälischen Kreise scheint es 
des Kf. Sutisfactiou dermaleins zum Ende zu gelangen. DerPfalz-Ni 
burgische Gesandte hat v. Jena einen Extract aus dem Vergleich mit 
Braiideiibnrg von lö4T) Kugestelll mit der Erklärung, dasg er davon bisher 
nichts gewQSst, und weil die Hauptsache sei, dass dea Cleve- und Juli 
si'hen Lauden zwei Vota auf Kreistagen verwilligt wtirdeu, so habe er mit 
den Gesaudteu der anderen Kreisstände deswegen geredet, mit Begehren,. 
es an ihre Frincipalen zu bringen, und ihnen die Nützlichkeit und Billig- 
keit dieses Ausgleiches remonstriert, Ges. haben sich darauf noch nicht' 
erklärt, soudern erwarten des Rf. Befehl. 

PS. Das Kurfiirstencolleg hat jetzt auf Vorschlag von K.Main: 
schlössen, den Fürsten und Ständen eine schriftliehe Erklärung, vas 
betreff der Wahlcapitulation einzugehen willens, semel pro semper zuzustellen; 
sie senden den Entwurf dazu ein. Sie hoffen, da im Fiirstenrath unterschied- 
liche Bufaugen sich mitins auszulassen, es werde noch so ziemlich ablaufen. 

Die deiiideria der FUrsten sind ausser den früher erwähnteu'): ju 
ciendi fuedera intcr se et cum eiteris, suffragia statuum, si leges universalea 
feroodric, und der Kaiser mochte sich solcher ministrorum gebrauchen, 
dem Reiche uicht etwa schädlieh sein müchteo. 



Geheimenratlis-ProtocoII. D, Cöln a. d. Spree 
9./ 19. November 1663. 

[Ob KT. persÖaliah nach RegeQsburg sich zum Reicbstsge begaben und d*.: 
BeichEgeneralat BDuehmeD solle.l 
praes. S. Chf. D. I. F. G. v. Anhalt. Graf v. Dobna. Freih v. Schwer! 
V, Löbeu. Uoverbeck. Flateo. 
'. Kf. proponiert die Frage, weil der Kaiser ihm geschrieben ') und begeli/f 

dass er persönlich auf den Reichstag nach Regensburg kommen toöchtt, 
ob ihm bei gegenwüitigem Zustande zu rathen sei, solche Reise zu ihvOi 
') S. Gemeiner I ä. lltif. 

^ ProvisioDalvergleich zwischen KT. und dem Ffalzgrafee Wolfgang Wil- 
helm von Nenbarg vom T.April 1IJ47 (Londorp VI S. -241 ff.) b. ürk. u. HL 
IV S. 335. 

') Oben S. IW- 

'} Üieses Schreiben des Kaisers liegt den Akten nicht bei. 



EoUehloss des Kf., nicht persönlich nach Regensbarg zo geben. 205 

0. PrlLs. T. Schwerin erklärt sich dagegen: 

1) weil S. Ghf. D. in solchem Lande, das in Frontieren vieler 
Potentaten gelegen, da viel Unruhe ist, ut in Polen, item in 
Schweden solche Sachen vorgehen, da der Effect im Vorjalir 
za sehen sein wird. 

2) der Effectus itineris ist dubius. 

3) die Mittel, die sie haben, vielmehr zur Defension ihrer Lande 
als auf eine kostbare Reise zu verwenden; scheinet, dass es 
dem Kaiser nur blos darum zu thun, dass S. Chf. D. die andern 
Chnrfllrsten und Stände dazu treiben soll, welches wohl ein Ge- 
sandter thun könnte. 

Aach die anderen äassern sich in ähnlicher Weise, endlich Kf.: Sic 
hielten davor, dass sie hohe Ursache hier zu bleiben: 

1) wo es also ist, dass es mit Polen also abgelaufen, dass sie 
vom Moskowiter geschlagen. 

2) die potissima ratio, warum der Kaiser mich dahin haben will, 
scheinet, dass ich die Brücke niedertreten solle, welches aber 
nicht zu vermuthen, zumahlen meine eigene Vettern sicli nicht 
nach meinen votis richten wollen. 

3) weil man wegen Schweden nicht weiss, was sie vorhaben 
möchten gegen diesen künftigen Sommer. — 

An den Kaiser könnte man also schreiben, hätte ihr Sehreiben 
erhalten, und wie gerne ich wollte, und wegen der grossen Itcise , so 
ich itzo gethan, und wegen meiner Unpasslichkcit, so mir itzo zu 
begegnen pfleget, würde sich nicht wohl thun und ich solche Hinreise 
nicht verrichten können. — 

Wegen des Generalats anzunehmen hätten S. Ghf. D. gross Beden- 
ken, sie wttssten, wie es ihren Vorfahren ergangen, denen man kein 
Geld gegeben und hätten ihre grusste Schulden dadurch gemacht ; wä- 
ren auch allerhand Völker, da man die Officicrc noch auch die Gemei- 
nen keonete und- daher schwerlich was rechtschaffenes auszurichten. 



Gesandten an den KnrfÜrsten. D. Regensbarg 
13./ 23. November 1663. 

[Di« Declaration des Karfursteo- ao das Fürsteocolleg. Der Krfurter Streif. J 

Vorigen Montag hat das knrfürstlir.-he ( ollegiuui seinf j>tzt n-vidierto 23. Nov 
fcchriftliche Declaration ') dem Directorium des füristiicljcii Coücgiurn:* zu- 

</ DicL 10. NoTember 1663, Londorp VIII, S. 'J'.fJf. 8. GeraeiDer I, S. lt'.>. 



4. Der Anfang des Kegenabnrger BeichslaReB. 

geottllt, nafh V'erieüUNg dieser Proposition aber ist die Umfrage nicht ts 
Ende geführt wordea, da alle verlangten, dass dieee Erklärung per dii'la- 
turam za comnmnicieren sei, was auch gescbchea ; Eeitdem ist es oocb 
keiner Sitzung gekomineD. Die Fürstlichen sind seither in ihrem Begebreo 
mitiores nnd temperati und nicht mehr go importun, es i^cbeint ancb, dasi 
die lom Kf. un die meisten Fürsleu abgelassenen Schreiben ') nicht allein woU 
aufgenammen bind, sondern auch eine gute, erspriessliche Wirkung haben 
werden. 

Die K. Mainzische Gesandtschaft bat ibnen vor 3 Tagen die ge- 
druckte Relation') der Kaiaerl. Commisäarien und des Heroidee, die widerdie 
Stadt Erfurt die Acht püblicieren sollten, zugeschickt, auch ihnen ge^em 
ein Schreiben von K.Mniuz an Kf, in dieser Sache mitgetheilt. Der K, 
sächsische Gesandte Struncb hat auch mit ihnen über die Sache ge£pro<:beD, 
Boineburg habe ihm gesagt, K.Mninz wolle vorläufig keine wirklich« 
Belagerung der Stadt vornebniea, aber dieselbe durch 10O-2OÜ Beiter 
conimodjereu lassen, das U;ius Siicbsen werde aber dazu nicht slill bleibeu 
können; Strauch wünscbt, das^ die EKecutiun aufgescbobea werden möge. 
damit inzwischen die Stadt, in weli.her der Rath zur Parition erbötig null 
der Pöbel allein jetzt regiere, durch andere geringere Mittel znr Schuldig- 
keit gebracht werde, und bitte), Kf. möge auch in diesem Sinne an E.MaiDZ 
fccbrtibcn. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. COln a. d. Spree 
17./27. November 1663. 

[auf die Relation vom 5/15. November. Bemerkungao über den BeacbluBB wegen 
des Triplum, di» Erblürnug des Ffal^'Neubargi^clieD, das Schreiben des Karfärsled- 

cullegs. Der zu erwartende spaatsche Gesandte.] 

T.Nov. Kf ist erfreut, dass das kurf. und furstl. Collegium eich aof ein trip- 
lum verglichen, holTt, ancb die Städte werden sieb dazu disponieren lasset^, 
Ges. haben sich dabin zu bemühen und zu sehen, dass niemand ans des 
kur- nnd fürstlichen Collegio durch der Städte Opposition sich abweiuU| 
machen lasse. 

Die Moderation betreffend, gönnen wir dieselbe' den graTatis gut 
gerne, jedoch muas vor allen Dingen dabin gesehen tverden, Az» 
solche Materie die wirekliche Aufbringung der Assistenz nicht bin- 
dere. Ob der milea perpetuus sein solle, der itzo vom Reich iiafge- 
bracht wird, halten wir anitzo nicht von der Zeit, davon zu delib^ 
riren, sondern es wird die Zeit, die Gefahr und die Minderung ia- 

'} S. oben S. 203 and uoten Abachn. 5. 

>) S. Diar. Enrop. XS.929ff. Londorp Vms.i)36ff. Vgl. anlenAbs» 



Die Brfarter AogelegeDheit. Beschlnss des Triplam. 207 

selben inskQnftige hierzu mehr Anlass und Licht geben können, 
dannenhero Ihr dahin zu rahten habet, dass man itzo alle solche 
unnöthige Dinge bei Seit setze und blos und allein sieh mit recht- 
schaffener Hülfe gegen die besorgliche Macht des Türken im Früh- 
ling gefasst machen solle. — Gleichwie uns auch »lieb zu vernehmen, 
dass der Neuburgiscl^e Gesandte nunmehr erkennet, dass wir Theil 
an der Direction im Westphälischen Greise haben, also erinnern wir 
uns auch wohl, was wir uns im Jahr 1647 mit dem Pfalzgrafen von 
Neuburg deshalb verglichen, und .wann es auch von Neuburgischer 
Seite bishero nicht wäre gehindert worden, so möchten die zwei Vota 
längst eingewilligt sein; wir wollen aber ehest an die Westphälische 
Creisstände schreiben und zweifeln im geringsten nicht, sie werden 
sich alle willig darzu verstehen, nur habet Ihr bei dem Pfalzneu- 
burgischen anzuhalten, dass ihrerseits desgleichen geschehe. 

Kf. ist mit dem Schreiben des korfürstlichea an das» fürstliche Colle- 
giom sonst wohl zufrieden, besorgt aber, es möchte dem letzteren noch 
nicht vollkommene Satisfaktion geben, ^er hätte daher lieber gesehen, dass 
mao es nicht als ultimam resolntionem ausgegeben; Ges. sollen sich bemü- 
hen, die anderen kurfürstlichen Gesandten dahin zu disponieren, dass sie 
sich noit den Fürstlichen vergleichen, jedoch sei dahin zu sehen, dass der 
Fräeminenz der Kurfürsten kein Nachtheil geschehe. 

Mit dem Gesandten, Graf Carlo Archinto, welchen nach der Mel- 
dung des hiesigen spanischen Gesandten^) der König von Spanien nach 
Regensbnrg schicken werde, sollen sie gute Correspondenz unterhalten. 



Die Gresandten an den KurfUrsteu. D. Regensbnrg 

20./ 30. November 1663. 

Im Fürstenrath ist über die Declaration der Kurfürsten berathen wor- 30. Nov. 
den'), und kann das Kurfürstencolleg vorläufig mit den Beschlüssen wohl 
zufrieden sein. Der Versuch, es dahin zu bringen, dass die monita per 
deputatos zusammen getragen und dann in pleno 'deliberiert würden, um 
dadurch einen oder andern^ so etwas hinderlich fället, auszuschliessen, ist 
vereitelt worden. Es scheint, dass es im Fqrstenrath selbst wegen Viel- 
heit der Köpfe und unterschiedlicher Inclinationen in materia capitnlationis 
allerhand Difficultäteo geben dürfte. 



') Sebastian d*Ucedo s. nnten Abscho. 5. 
^ S. Gemeiner I S. 120fir. 



208 i- Der Aofang dea Refjensbnr^er ReichslBgeB, 

Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 
21. Novembei7[l. December.] 1663. 

[auf die RelatioD vom 13./23. November. Wie über die Oeclaralion der Kar- . 

rärsteo zu verbcmdelu vad die ReichebriegsverrGEEuDg eiDEnricblen sei. Ver> 

fabreS dea Kt in der Erfurter Angelegenheit.] 

ET. Eweifeh sehr, dass die Furzten Bicb tuit dem in der Declaration 
der Rurfüräteo EDtbalteaeD begniigea werden, meiat also, dass, wen'h die- 
selben darauf bestebcD, daas die tnateria capiculationig ordioario modo vor- 
genommcn werde, man ibnen dieses zagestefaea, die Declaration loco cod- 
clasi repetieren oad darauf ihr cüdcIdsuiu begehren solle. Damm aber 
darf der punctus defensiimis nioht ins stockeu gerathen; Kf. halt den An- 
schlag anf 3 Römerzüge, welcher kaum 30,000 M. zu Robb und Fuss aus- 
trageu würde, für viel zu geriug, man miiege sich zuuitibsC eines gewissen 
quanti an Maunscbaft z. R. nnd z. F. vergleichen and alsdaon, wie solcbB 
von den Släoden aufzubringen und unter dieselben zn vertlieilen, überlegen, 
das quantum auch so einrichten, dass mau nach Gelegenheit aui/h offeusiT« 
agieren könne; der Auscblag tei zum wenigsten auf 60,000 Mann, 40,000' 
z. F. nnd 20,000 z. R., zu machen, .dahin sollen Ges. ihr Votum einricbten. 
Mau wird in Regensburg schwerlich, wie eigentlich der Krieg zq führen, 
ein gewisses verordnen können, sondern man wird das Abziehen nur daniaf 
zu richten haben, damit es an Volk, Geld, Muuiliou, Proviant und anders 
nötbigen Stücken nicht ermitiigele. 

In der Erfurter Sache') hat K.Sachsen bisher noch nichts an ihn 
gelangen lassen, ausser dass gestern der G. Wachtmeister Arnim her- 
gekommen und dabei einige .Apertnr gethan, wohl aber hat Kf. von dea 
Herzogen Friedrieh Wilhelm und Ernst von Sachsen, von K.Mai 
nnd der Stadt Erfurt Schreiben erhalten, er hat darauf an E.Mainz j 
Bchrieben und demselben gerathen, die Vollstreckung des banui bei diesen 
gel'ährlichcn Zeiten nicht zu eifrig zu urgieren, sondern den Sachen aoC 
einige Zeit Austand zu geben, da sich ohne Zweifel andere Mittel an di« 
Hiind geben wurden, die Stadt zum Oehprsam zu bringen. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Kegenabarg 
27. November/ 7. December 1663. 



[auf das Bescript v 
Neuburgi sehet 



n IT. Nov. BeschluBS der Kaichaatritlte. tjmtriebe der Pd- 
Neue BeralhuDgen über die ReicfaskriegaverraaBDDg.] 



Die Reichsstädte haben sich per majora zum duplum erklärt nnd zwar, 
dass etliche dasselbe nicht iu Mannschaft, sondern mit Geld oder anderea 
zum Kriege dienlichen Dingen abtragen wollten. 



Erfurter ood Weatfiliscfae KreüaogelegeDheit. EUichskriegsTerrMBaag 209 

Die Neabargiachen Gesandten haben zwar Jena den Extract aos 
dem Vergleirh von 1647 mitgetheilt uod auch sonst nichts anders bezeugt, 
ah ob sie darwider nichts zu sagen hätten. Altein er hat kürzlich er- 
fahren, dasB sie heimlich bei den Kreis ständen nnd sonst die Ansfüh- 
rang der verglichenen Alternation in bindern nnd es dahin zn spielen 
SDchen, dass l'falz-Nenburg allein das directorinm circnli provisionaliter 
aorgetragcn werde. Jena hat dagegen eifrig bei den Stauden remonstriert 
and die Rechte des Kf. verfochten, and hat dieses voruehoiliub die Pfalz- 
Nenbargischen ood Catholisrhen und auch lindere, so dubii amici, -stutzig 
gemacht, daas er vorgegeben, er vermuthe, dass, sobald sich jemand uuter- 
_ stände einen Kreistag auszusrhreiben,Ef.incontiueLiter desgleichen thnn würde, 
ä Stande dahin, zn welchem die meisten Staude kümen. Wen» Kf. in der 
^Sache an die Kreisstände schreiben wollte, wird dieses hoffentlich gute 
Vrücbte tragen. 

Im Fürstenrath hat man bei der kurfürstlichen Ueclaration erinnert, 
i£9 dieselbe gar zq general sei, nnd verlangt, dass das kurfürstliche Colle- 
1 sich speciatias herauslassen möchte. 
Nachdem man 4 Tage von der Capitnlation gehandelt, wurde den 
31. materia defeosionis reassumiert '), doch ist es im Kurfürstenrath noch zu 

I keinem Conclusnra gekommen und im Fürstenrath ist man in drei Sitzungen 
poch Dicht mit der Umlraiie fertig geworden. Ges. haben sich vorläufig 
jjUfectu instrnctionis entschuldigt. 
(Abi 



Der Rurfilret an die Gesandten. D. Cöln 
l./[ll.] December 1663. 
B^bgeleBen in Consilio am 30. November/[10. December] in praes. 8. Chf. D- 
uud anderer geheimbten Räthe.) 
r die Belation vom 30. /30. November. Bemerkungen übet die 11 Paukte, be- 
treffend die KeichskriegBverfaaaDDg.] 

Bei der andringenden Türkenge fahr müssen der punrtna securitatis i] ^^^ 
pnblicae in quoscnnqne casus und, wie der gegenwärtigen Tiirkengefahr zu 
widerstehen, vor allen Dingen abgethan werden, Ges. haben darauf zu 
dringen, dass diese zwei Casus getrennt und der letztere, als wobei sum- 
mam periculum in mora, zuerst abgethan werde. Kf. wiederholt seine 
vorige Weisung, der Anschlag müsse wenigstens auf 60,000 Mann gema'bt 
werden, sie sollen denen von den Stadien zureden, dass sie sich in solcher 
allgemeinen Kolh mit den kur- und fürstlichen Collegüs conformieren. 
Auf die 11 überschickten Fragen*) bemerkt Kf. vorläufig: 
ad l) Er ist damit zufrieden, dass der Foss der V'erfassuug auf die 
Reichs matrikol salra moderatione genommen werde. 



') 6 



Oei 



Der I S. 123 ff. 

i ReUtion vom 2./l'2. Oktober S. 1' 



210 4. Der ÄBTaD^ dca Regensburgäi' Reicbitagee. 

ai) 2) ratione der bpstfindigeii Vcrr;is»ung auf küQftige Falle ist er mit 
dem Triplum eiüverstandeo, für die gegeiiwärtige Tiirkeugefahr aber genügt 
die Tripalhilire nicht. 

ad 3) Ein Regiment z. F. hat ans 10 CompaErnieen, und jede Com- 
pagnie aus 150 gemeinca Knecbten, obne prima phina, ein Regiment z. R, 
ans 10 Cotnpagnieen und jedf Compagnie aus inO gemeinen Rentern za 
betitebeo. Die Stände, welche ein Regiment oder eine Coinpagnie tuellen, 
haben alle OfGi^ierc zu bestellen, solche, deren Contingent nicht Eoriel aus- 
trügt, mUsseo zusammengesetzt und eine Disposition gemacht werücii, naa 
ein jeder von Orficieren annehmen oud bestellen soll. 

ad 4) So lange die Völker nicht zusararaeiigefiihrt werden, haben sie 
in dessen Pflicht zu stehen, der sie wirbt und unterhält, wenn sie aber za- 
sanimengefübrt werden, bind sie in des Reiches, des Kaisers und der ge- 
samten Stände PQichten zn nehmen, bleiben aber daneben in dessen Pfliiht, 
der Bie schickt. 

ad 5) Das Oberdirectorinm mnss dem Kaiser und den Ständen des 
Reiches bleiben, welche sieb auch wegen Bestellung der Generale werden 
zn ?ergleichen haben. Den Generalen wird das Directorium, wenn'a zur 
Action kommt, anzurcrtrancn sein, doch muss dem Stand, dem durch dieses 
Corpns Hülfe geschieht, so lange in seinen Landen agiert wird, der Vorzog 
gelassen werden. Die Generalität wird durch gemeine Wahl des Kfrisers 
und der Stände, wie in andere Reicbssarbcn Herkommen ist, zu bestellea 
sein, und musa dabei dae .Absebi;ii vornebtultch nuf die Capacitat der Persoa 
und derselben Erfahrenheit gerichtet werden. Eiu Ivricgsrath ist nöthig, 
Über die Art der Besetzung desselben will KT. erst diu Vorschläge anderer 
boren und sich dann resolviereu, es werden aber auch dazu Leute, die 
nicht allein studiert, sondern auch des Krieges erfahren sind, zu nehmen sein. 

ad 6) Das ganze Werk ist nur zui Defension des Reiches in gemein 
und eines jeden Standes contra quoscnnque invasores, dabei dann bloa 
auf das factum in?asiouis and nicht quo jure qnare injuria der Invadent 
oder Friedebrccher dazu bewogen, zu sehen ist. Ob die ganze Verfassung 
oder die Hälfte oder weniger zu senden oder aurznfordern, wird ex virtbns 
invadentis zu judicieren sein. Sobald ein Tumult ini Keicb entsteht, ist 
ein Reichstag aaszoschreiben, aber mit der Hülfe kann so lange, dasa alle 
Stände darin consentieren oder ein gemeines Reichsconclusum beranskomme, 
nicht verzogen werden. 

ad 7) So lauge die Völker nicht aufgefordert werden, steht jeden 
Stande des Reiches frei, die seinigen au verpflegen, wie er will, wenn sie 
aber aufgefnrdert werden, so müssen sie einerlei Verpflegung erhalten, Sber 
welche man sieb zu vergleichen hat. 

»d üj b^in jeder Stand bat Magazine einzurichten, daraus er zur Zeit 
der Nolh der Suldatesque entweder gegen bare Zahlung Proviant zukommen 
lassen oder einen Vorscbuss thnn könne. Einquartieruug wird nicht abin- 
wenden sein, aber jeder Stand bat seine Völker selbst zn unterhalten. 

ad 9] Conipetenz der Ol&ciere wird dadurch verbüiet werden könaea, 



Die ReichskriegsverfasBiiDg. 211 

wenn nicht junge Leute, soodern alte, geschickte and capable Männer dazu 
genommen werden, nnd weiss man, wie die Chargen auf einander folgen. 
Unter denen, die in gleicher Charge stehen, werden die, so die Charge bei 
diesem Werke am längsten bedient haben, vorgehen, oder will man, dass 
die Obersten einander in dem Rang und Ordnung, wie sonst Kar- and 
Fürsten nnd Stände, folgen, so kann Kf. auch damit zufrieden sein. Den 
Generalen aber müssen alle Obristen indifferent parieren. 

ad 10) Wegen der Artollerie, Manition und dergleichen wird zwar ein 
Anschlag, wie viel bei einem Feldzag nöthig, zu machen und solcher unter 
alle Stände proportionaliter zu vertheilen sein,* doch mnss jeder Stand da- 
von einen grösseren Vorrath bereit halten, um, wenn er beleidigt wird, 
soviel in der Eile nöthig hergeben zu können. 

ad 11) Die Wachsamkeit und dass ein Stand dem anderen bei Zeiten, 
wenn etwas vorgeht, Nachricht geben mnss, findet sich von ihm selbst. 

Dieses haben wir in der Eile aufsetzen lassen. — Ihr habt aber 

vor allem dahin zu sehen, dass zufoderst das Werk, wie der jetzigen 

TQrkengefahr zu begegnen, erörtert und fest gesetzet werde, in der 

beständigen Verfassung aber befinden wir die Sache der Wichtigkeit — 

dass man sich hierin nicht übereile, sondern dem einen und dem 

andern Zeit zu lassen, damit er von dem, was votiret, seinen Princi- 

palen Relation thue, derselbe sich darin ersehen und desto besser 

resoWiren könne. Gestalt Ihr solches zu erinnern und Euch, was wir 

Euch hierin befohlen, dergestalt zu gebrauchen, wie Ihr sehen werdet, 

dass sich die andern herauslassen, darnach Ihr Euch auch zu richten. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Coln 
2./ [12.] December 1663. 

[WahruDg der Rechte des Kf. auf einer etwaigen ZasBmmeoknDft des West- 

fälischeu Kreises ] 

Da auf dem 1653 zu Essen abgehaltenen Westfälischen Kreistage^) 12. Dec. 
dem Kf. allerhand Präjudicia und Torten zugefügt sind, so ist zu verhüten, 
dass ihm dergleichen femer begegnen möge. Die Streitigkeiten mit Neu- 
bürg wegen des Ansschreibens und Directoriums lässt er für jetzt dahin- 
gestellt sein, Ges. sollen aber, wenn eine Zusammenkunft der Kreisstände 
erfolgen sollte, darauf bestehen, dass, wenn die ihm wegen des Herzog- 
thnms Cleff, des Fürstenthums Minden, der Grafschaften Marck und 
Ravensberg zustehenden vier vota in Zweifel gezogen werden sollten, 



') S. ürk. u. Akt. VI S. 474 ff. 

14 



212 4. Der Aufsog des Regenaburger Reichstages. 

er skh EQ nichts ratioDe dieser Laodc TerGteben, DOrli sich zu Effectaierong 1 
desBeo, was vom Kreise beschlossen werdea sollte, Terbnndea erachten werd«^ i 



Die Gesandten an den Kurfiiraten. D. Regensburg 
4./14. Decembcr 1663. 

[VerhandluugBD über die BeiuhakriegsvorfaHsung. Das Directorinm im Weat- 
miachen Kreiae.] 

~i4. Dec. Sie haben die Vorschläge äes Kl., dass zuvörderst daa Quantam dea 

Simpelansehlagea in Hiclitigkeit gesetzt werden möge, und dass der An- 
schlag zum wenigsten auf 4U00U z.V. und 20000 z. R. zu macben and 
offensive zu agiereu sei, vorgestellt, aber ohne Erfolg, manche Stände 
wollen sich auch zu dem Triplum nicht, ausser salva moderatione, rer- 
stehen, die Städte verharren bei dem Dupluni. 

In materia defenstonis ist eifrig beratben') und über alle 11 Pankte 
Howohl im knrfürstl. als fiirstlicbea Collegium ein Conclusnm abgefasst 
worden. 

Gegenüber den Bemühungen Pfalz-Neuburgs, das Directorinm im 
westrälischen Kreise allein zu erhalten, bat man fUr nöthig erachtet, im 
Miudenscben Voto anzuführen, dass die Alternntion verglichen, aurb den 
Kreisständen erspriesslicb sei, und dass die ztrei Vota nicht difBcultiert 
werden könnten. B^i scheint, dass diese vorgebrachten Motive maiicbea 
Gesandten ziemlieb affioiert und auf den rei-hten Weg gebracht haben, 
auch der Pfalz-Neuburgi sehe Gesandte, der zuerst gereizt geantwortet, 
bat ebenso wie manche andere um Communication der Erklärung, die auch 
gewährt wurde. Die Pfalzneuburgischen haben inzwischen nochmal, 
dass sie zur Güte nicht nngcneigt, erklärt, von Münster aber scheint es, 
dass es solches lieber gehindert sähe. 



Der Kiirftirst an die Gesandten. D. Cöln 
7./[17.] December 1663. 

[Ef. wird niclit selbst nach Regensborg kommeii.] 

17. Dec. EDcllich geben wir eucli gn. zu vernehmen, daas zwar I, K. M., I 

iiiatäudig bei uns angehalten, in Pereon nach Kegenspurg zu kooH [ 
men, daas wir auch nicht ungeneigt gewesen, wenn nicht die Weit 
läuligkeit unsrer Regierung, Situation der Lande und, dass wir jeder- 
zeit auch unser Absehen uff Pohlen und was aldort passirt, haben 
mtisaen, una daran gehindert, daher wir bewogen ^ uns bei L K. M. 

■) S. Gel 




Westfälisches Kfeisdirectoriain. Schwedische Belehnaog. 213 

za entschuldigen, so auch I. E. M. in Gnaden angenommen. — Werdet 
euch demnach bei Ankunft I. K. M. und denen andern in Person 
ankommenden Chur- und Fürsten umb Audienz anmelden, solche Ent- 
schuldigung wiederholen, I. E. M. unsere beständige Affection zu dero 
und des Reichs Wohlfahrt wie ingleichen bei andern Chur- und Für- 
sten versichern. — 



Der Korfiirst an die Gesandten. D. Cölu 
9./[19.] December 1663. 

[BeförderoDg der schwedischen BelehnaDg.] 

Da er ans Schweden Nachricht erhalten^), dass man dort wegen der 19 Dec. 
schlechten Behandlung der nach Wien geschickten Gesandtschaft') sehr 
disgnstiert und nicht gemeint sei, fernere Ansuchnng der Investitur halber 
ZD thun , aoch sich wegen des Saccurses wider den Erbfeind nicht so zn 
bekümmern, wie es nöthig ist, befiehlt er ihnen, K. Mainz dieses vorzu- 
stellen und ihn zn veranlassen , am kaiserlichen Hofe dabin zn wirken, 
dass Schweden anfs neue zur Empfahnng der Lehen invitieret werde, 
auch sollen sie selbst bei den kaiserlichen Ministris die Sache befördern. 



Die Gesandten an den KurfUrsten. D. Regensburg 

18./28. December 1663. 

[Ankanft des Kaisers. Berathang der karforstlicheD Gesandten über die dem- 

selbeo abznstaitende Visite.] 

Der Kaiser ist Sonnabend den 12./ 22. hier angekommen'), durch sei- 28. Dec. 
nen Einzug und durch die katholischen Feiertage sind die Beratbungen 
unterbrochen worden, so dass es in materia defensionis noch zu nichts weiter 
gekommen ist. S^. möge sie instruieren« wen er bei der bevorstehenden Wahl 
des Reichfigenerals vorgeschlagen haben wolle, und ob er* geneigt sei, seine 
Völker dem Ober-, Niedersächsischen und Westfälischen Kreise zu conjun- 
gieren nnd einige Oelder zu den Kreiskassen zn contribuieren. 

Die Reformiemng der Reichsmatrikul wird ein sehr schwieriges und 
lange dauerndes Werk sein, Ges. geben zu bedenken, ob es nicht dienlich 
wäre, wenn eine ganz neue Reichsmatrikul gemacht würde. 



S. die Relatiooen v. Krockows aas Stockholm vom 17. und 29. November 
1663 (ürk. 0. Akt. IX S. 760. 763). 
') S. oben Abschn. 3 S. 142 ff. 
») S. Diar. Europ. X S. 913 f. Theatr. Burop. IX S. 874. 



214 ^- Dßr Aufang des Regensburger ReicLalages. 

Dieselben an den Kurfürsten. D. Regeusbnrg 24. December 
1663 / 3, Januar 1664. 

[VoracbJag des Kaisers viegan der Türkenhült'e. Ton der immernäbreDden ReiebB- 

krlegBcerraaeiiiig ifil es etill geworden. Urohungen RauteoBteios gegen den 

PaderborDacheD GeHBodten. Viaiten bai K. Mainz und deiD Kaiser. Emprebloitg 

der Bchvediacban OelehnaDg.] 

Der Kaiser hat am letzten SoDoabeiid seine Meinnng wegen des llülfs- 
werks') in allen Collegien verlesen lassen, liass zuerst der Fuss oder daa 
einfache Quantum iu Ricbtighelt zu bringen sei, der Vorschlag wurde so- 
fort allgemein angenommen. 

Von der immerwährenden beständigeo Verfaasang und in BereitEcbaft 
stehender Soldatesqnc wirrt es etwas stille, und haben einige Stände dazu 
wenig Belieben. Das Haus Oesterreich hat zu dieser Sacbe auch keii 
Lust, wie denn dessen Directorium im Fiirstenrath vor etlichen Wochen 
Jena ersucht hat, solche hindern zu helfen. £r hat geantwortet, dass er 
solches öffentlich nicht tbuo dürfe, aber geratben, dass sich das oestet- 
reichische Directorium nicht mehr opponiere, sondern sich anstelle, als in- 
clinierte es dazu, dadnrcb wiirde es eher erbalten, dass das Ding stecken 
bliebe, als per manifestum cootradictionem. Nachdem nun OesCerretch eicb 
also bezeugt, ist es davon ziemlich stille geworden und hat es oiemand so 
stitrk mehr urgiert. 

Ueber die Antworten Huf des Kf Schreiben an die Westfälischen 
Kreisstände ') haben Qes. nuch nichs erfahren. Nur der Gesandte des 
Bischofs von Paderborn, Meioders biiC Jena auf sein Na<.-hfrageii er- 
klärt, sein Herr wäre zufrieden, dasa die zwei im Vergleich von 1647 ge- 
d;icbte!i Vota verwilligt wurden, und dass Kf. das Directorium alternatir» 
führe. Als er solches dem PCalz-Neubnrgischen Gesandten Rantensteia 
offenbart, habe sich dieser verlauten lassen, ob der Bischof haben wollte, 
dass sein Herr demselben mit sechs oder eiebentausend Mann ius Land 
fallen sollte, der Bischof verliesse siib aber auf Kf, Ob nun zwar dies« 
aus Uobesonnenbeit ausgestossenen rainae wohl wenig zu fürchteu, so 
richtet er doch dem Kf. davon und wird sich dieselben hier sonderlich 
Nutze zu machen 'wissen. 

Sonnabeud den 19./29. haben Ges. bei K.Maiuz') die Visit« abge- 
legt; derselbe bedauerte des Kf. Abwesenheit, sprach seine Freude 
dasB beide in materia defeusionis et capitulationis eines Sinnes wären, wollte 
auch, dass den Türken zuförderst begegnet und alsdann erst die perp»- 
tuierliche Verfassung eingerichtet wiirde. Er befinde sonst noch hier 

>) Dict. 1Ü./29, December (Londorp vm, S. 93 T f. Pachuer v. BggsD^^. 
torff I 8.55.). 

>) S. das Rescript dea Kf. vom 1T./2T, November 16iS3 oben S. SOT. 

') Derselbe war am 20. December in Kegenaborg augekommoD 8. Diar. B i 
X 8. 913. 





Westfälisches Kreisdireetoriam. Schwedische BelehnuDg. 215 

Zeit wenig gethan, wolle aber dem Kaiser frei zureden und das Werk bei 
dessen Ministris mit gelinden nnd anderen Worten nrgieren. Wegen der 
schwedischen Investitur'}, welche Sache Oes. ihm empfohlen, würde er 
Sorge tragen. An demselben Nachmittag 5 Uhr haben sie dann Andienz 
beim Kaiser gehabt nnd sind auf das ehrenvollste behandelt worden. 
Am Montag machte Jena einen Besuch bei Fürst Anersperg, nm das An- 
snchen des Kf. wegen der schwedischen Investitur vorzubringen, der- 
selbe erkläriCi dass vom Reichshofrath legitime darin verfahren sei, was aber 
etwa ausser diesem sonst vorgegangen, damit wäre er nicht in allem einig 
gewesen^ wollte diese Sache beobachten » Graf Windischgrätz') sei nach 
Schweden geschickt, mit dem könne davon geredet werden. Vorgestern 
hat Jena auch aus derselben Ursache Fürst Portia besncht; derselbe 
erklärte, dem Könige von Schweden sei zn Wien die Investitur nicht 
abgeschlagen, sondern er sei wegen der unterschiedlichen Interessenten an 
die Reichsstäude verwiesen worden, es würde auch vermnthlich hier wie- 
der vorkommen, er wollte der geschehenen Erinnerung eingedenk sein. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 29. December 1663/ 

[8. Januar 1664.] 

[auf die Relation vom 18. /28. December. Beantwortang der Anfragen der 

Gesandten.] 

Wegen Benennung des Reich sfeldhanptmanns hat er ihnen in einem 8. Jan. 
besonderen Rescript') die Nothdnrft befohlen, wegen Benennung gewisser 
Personen zn den Eriegsräthen will er znnächst die Vorschläge vonseiten 
der Vorsitzenden abwarten. Ob er seine Völker mit anderen Kreisvölkern 
nach Situation eines jeden Lan$les conjnngieren oder absonderliche Regi- 
menter daraus formieren wolle, darauf kann er sich noch nicht erklären, 
sondern will vorher die particnliere Repartition erwarten, sich auch nach 
aaderen Fürsten, welche in verschiedenen Kreisen Länder haben, richten. 
Aach inbetrefif der Capitulation will er znnächst erwarten , was von den 
Fürsten dabei wird erinnert werden. Die alte Matriknl ganz zu verwerfen 
und eine ganz neue zn machen, hält er nicht für rathsam, das würde eben- 
soviel Difficultäten geben, doch sollen Ges. ihm ihre Gedanken darüber 
aosführlicher mittheilen. 



1) S. das Bescript des Kf. vom 9./19. December 1663 oben S. 213. 
^) S. über dessen SenduDg nach Stockholm Diar. Earop. XI S. 63. 
3) S. das folgende Bescript vom 30. December/9. Januar, 



216 



4. Der Anfug des RegeDBbnrger BeiclisUgea 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 30. December 1663/ 
[9. Januar 1664.] 

[CoDfereoR mit E.SachseD in Torgau. VorechUge wegen dea Commaado iet 

Reicbsarmee. Die Jägcrodorfer Saclie. Gütliche Beilegang der Erfurter Sache, 

UoteritiitzoDg der Forderung des AdminiBtrators von Uagdebarg.] 

Er theilt ihTien die Resultate der toit K.Sachsen za Torgaa ') S^ll^'^- 
nen Conferenz mit. K.Sachseiihat ihn für das Coramando der Reichgarmee 
vorgCBchlagen, er hat aber verschiedene Bedenkeu dagegen Torgestellt. 

Sollte nun diese Maleric daBellist furkommen — so habt Ihr unser 
Votum auf Chur-Sachsens Ld. ^ abzulegen, in Erwägung dieselbe 
nicht allein für ihre Person der Rom. K, M. und dem ganzen Reich 
ausser allem Zweifel angenehm, sondern auch wegen dero mit denen 
oesterreicbischen Erblanden meiBtentheils angrenzenden Estala bei 
dem Werk zum logaten inferessiret wären. Im Fall aber auch I. Ld. 
sich desfalls entschuldigen mogten, so könnet Ihr in unserm voto auf 
Hertzog Friedrich Wilhelms Ld. zu Sachsen- Altenburg zielen. 

K, Sachsen will pereöiilicb nach Regensburg gehen und bnt zuge- 
sagt, dort des Ef. consilia und Intention, sowohl in pobli''!», als in den 
porticuliereu Angelegenheiten seines Hnuecs zu berörderu, besonders beim 
Kaiser wegen Restitution des FürBtenthums Jägcrudorf zu intercediereo, 
welche hochlmportierende Sache Ges. aufs Beissigste zu befördern haben. 

lu der Erfurter Sache aollen Ges. vorstellen, dass man billig aller- 
hand occasiones zu innerlichen Tronblen verbiiteo müsse, K.Mainz köonie 
darum doch zu seiner Intention und Befugnissen gelangen, wozu sie dem- 
selben des Kf. Assistenz und InterpoKÜion offerieren solleu. 

Ges. sollen die Sathe des Administrators von Magdeburg wegen Vo- 
tum und sessio den Wünschen desselben gemäss secnndieren'). 



Die Gesandten au den Knrttirstcn. D. Kegeusburg 
1./ 11. Januar 1664. 

[BeiohlÜBse über die Reichshülfe. Das Weetrülische Kreisdirectoriuin.] 

,. Das kurfürstiii-he und fürstliche Collegium haben si'h am 30. Decem' 

ber zu einem getnei!iS''baftii''beu concIusunH) über die Reichi<büire geeinigt; 



1 den Städten ') haber 



r U erklärt, das Triplum erlegen zu wulleo. 



') S. nnten den Anhang. 

') Dazu hatte sich KT auf 
stimmen lassen a. ebendaselbst. 

>) Londorp VIII S 1UI3 (wiederholt IX S. 1), 
1 S. 58, B. Gemeiner I ä. 127 ff. 

') Daa CoDclnsnm derselben Lec[. T, November. 
[IX 8. äff.), a. Gemeiner I 8. 135 ff. 



ZusammeDkunFt mit E. Sachsen zu Torgan be- 
ichner v. Eggenatorff 
Londorp VIII S. ms ff. 



ZasammenkuDft zu Torgan. Westfälisches Kreisdireetorium. 217 

Im karfüertlichen Collegiam ist am 28. dorch das Directoriom proponiert 
worden, dass vom Reich aoPfalz-Nenbarg oder Münster geschrieben 
and Erknadigong eingezogen werden solle, was ein jeder Stand im West- 
fälischen Kreise an Y ölkern geschickt oder sonst contribaiert, and welcher 
noch in Rest sei, dem aber hat Mahrenholtz als den Rechten des Kf. 
präjadicierlich widersprochen, und Jena hat darauf Boinebnrg Yorstel- 
langen gemacht und diesen dahin gebracht, dass er, was vom Westfälischen 
Ereisdirectorio vorgekommen, ans den Protokollen hat auslöschen lassen. 
Jena hat die Gelegenheit benutzt, um die Drohungen Rautensteins gegen 
den Paderbornischen Gesandten ^ anderen mitzutheilen nnd sich darüber 
zu beklagen , Rauten stein hat ihm darauf erklärt, die Sache verhielte 
sich anders, als der Paderbornische sie erzählt habe. 

Der Schwedische Gesandte Schnolski hat sich sehr für die Bemühun- 
gen der Ges. bei E. Mainz in der Investitursache bedankt. 

Dienstag haben sie den spanischen Gesandten, Grafen d'Archinto 
besucht Vorgestern hat K. Baiern hier seinen Einzug^) gehalten. 



Der KurfUrst an die Gesandten. D. Cöln a. d. Spree 

6./[16.] Januar 1664. 

[Bemerkungen za der ReichskriegsverfassiiDg. Die DrohimgeD RaatensteiDB. 

Aufnahme Fürst Radziwills in den Fürstenrath.] 

Weitere') Bemerkungen und Vorschläge zu den einzelnen Punkten der i6. Jan. 
Reichskriegsverfassung. 

Die Antwort des Pfalz-Neuburgischen an den Paderbornschen 
Gesandten kommt ihm sehr insolent vor, er kann nicht glauben, dass der 
Pfalzgraf demselben solches sollte in Instruktion gegeben haben, doch darf 
man das nicht hingehen lassen, sondern jener soll befragt werden, ob er 
solches auf seines Herrn Befehl gethan. Falls der Paderbornsche Gesandte 
Bedenken tragen sollte, dieses zu thun, soll Jena bei Gelegenheit mit Zu- 
ziehung eines anderen Gesandten ihn deswegen zur Rede stellen. Dem 
Paderbornschen aber sollen sie mittheilen, Kf. hofife nicht, der Pfalzgraf 
werde so verfahren, sollte es aber geschehen, so werde Kf. ihm mit alier 
Macht assistieren. 

Ges. sollen die Bemühungen des Fürsten RadziviP), zur Session und 
Votum im Fürstenrath zugelassen zu werden, nnterstützen. 



^) S. die Relation vom 24. December/3. Janaar oben S. 214. 
^ S. Diar. Europ. XI S. 18. Theatr. Europ. IX S. 874. 
*) S. oben S. 214. 

*) S. über den schon auf dem vorigen Reichstage von demselben gemachten 
Versach, die Reichsstaodschaft za erlangen, Urk. a. Akt. VI S. 209. 450. 



2IS i- Der Aofaug des Regeosburger Reichstages. 

Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 7./[17.] Januar 1664. 

[Bülfegeench bei äea NiederlandeD.] 

117, Jan. Da es wegeo der Hülfe and Defeasion wider den Türken bei deo 

I Reichsdeliberütioaen so laogeam hergeht, hat Kr. darch eiaige Beiaer Rathe 

in den Niederlanden Hülfe soUicitieren lassen'). Ges. sollen K.Maint 
I und dcD kaiserlichen Mitiistern davoo Mitiheilung macbeD, damit diese da- 

hin wirkon, dass die General Staaten roii dem ganzen Reiche hierzu enacht 
oder er beauftragt werde, im Numen des gaiiECD Reiches dergleichea b«j 
deDselben zu soUicitieren. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. ßegensburg 
8./18. Januar 1664. 



I 



[Das Volum dea Kf. im Weatfätiacheu Kreise. BemähuDgeu Magdeburgs, seraa 
Ansprücbe auf Reicbsnomittelbarkeit durchzusetzeD. Bewilliguag für deo 

1. Der Osaabrücksche Gesandte bat ihnen erklürt, dass er beauftragt 

sei, Kf. im Westfälischen Kreise für seine CleTiscben Laude ein Votum en 
verwilligen und auch des Üirecloriums wegen an die Hand zu gehen. Auch 
Münster erklärt sieb in äbniicber Weise günstig, ties. glauben, Kf. (bge 
sehr recht, wenn ev es zunächst bei einem Votum dort beweudeo lassen 
wolle; weori er jetzt auch solche für Mark und Ravensberg forderte, 
würde es nur Weitläufigkeit verursachen. 

R.Mainz hat ihnen dureh Borneburg Copie einer Supplicatioo der 
Stadt Magdeburg') niitgetbeilt, wonu sich dit-selbe auf die erdichtet« Otto- 
uiscbe Freiheit und das extendierte Fcstuugsrecht stützt. Ges. Gclilagen 
vor, Kf. möchte desswegen an K.Mainz schreiben; derselbe köaue dieses 
AttenUit der Magdeburger sehr zurückhalten, oder auch etwas deswegeo 
propoiiieren lasseu. Die M.jgdeburger haben aueserdem ihr Contingeut und 
Coutributiou dem Erzbiscbof von Salzburg, als kaiserlichem Principal- 
komniiäsar, offeriert und hier erlegen wollen, sind aber damit abgevrieseo 
worden. Der Syudicus Id eu ist uoc-li liier, der Bürgermeister Kusenslock 
ist schon längst nach Hause gereist. 

Im kurfürstlichen Colleg ist auf Remonstration des Kaisers p«r Dfr ' 
Jora beschlossen worden , 4 Rümermoante zur Ansehaffnng von ProTiut' 

') 8. Doteu Abachn. 5. 

^ d. 19. December 1663, darin wird K. Mainz ersDcht, auf dem Reichstage 
dabin lu wirkeu, dass der die Stadt Magdeburg betreCfeude Paragraph dM i 
WestnilischeD Friedens zur Ausfiibruug gebracht werde, s. aber diese Be- 1 
mübuDgeu Magdeburgs beim Reichstage tlüffmauu, Otto roa Oaericke her- 1 
auag. TOn Opel S. 164 f. 



Westfötisches KreisdirectoriiiiD. BemohuDgen Magdeburgs. 219 

zo bewilligeD ') , die Gesandten von K. Sachsen, K. Pfalz und aach sie 
haben sich defectu instrnctionis entschuldigt. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 

15./25. Januar 1664. 

[Der Pf.Neiibnrgi8che Oesandte Giese. Die Jägerodorfsche Sache ist bei Fürst 
Portia vorgebracht worden. Wünsche des Kaisers io betreff der Besetzung des 

Beichsgeneralats.] 

In pnblicis ist, obgleich der Kaiser sich nnn schon bei fünf Wochen hier 25. Jan. 
befindet^ auch die Stände sich öfters versammeln, wenig fortgeschritten^. 

Pfalz-Neuburg hat an Stelle Rautensteins seinen Obersten Kanz- 
ler 6 bis e hieher geschickt^ derselbe hat Jena freundlich zugesprochen, sein 
Herr wolle dem Kf. sessio et vota im Westfälischen Kreise nicht difficul- 
tieren, wenn er nicht befürchtete, dass daran das verglichene direct-orium 
altemativum hinge und daraus folge. 

Mahrenholtz hat Freitag dem Fürsten Portia eine Visite gemacht 
und dabei Gelegenheit genommen^ der Jägerndorf sehen Sache zu ge- 
denken und des Kf. Recht und Praetention kurz anzuführen, er vermerkte 
aber wohl, dass jener sich in etwas alterierte, er antwortete gar kürzlich, 
er hätte nicht vermuthet, dass diese Sache jetzt vorkommen würde, und 
wäre darin nicht eigentlich informiert, wollte doch gerne sein Bestes und 
Möglichstes zu des Kf. Satisfaction thun. M. hat ihm, damit er sich nicht 
aus Mangel der Information zu entschuldigen hätte, eine Gopie der ihm 
vom Kf. zugeschickten species facti übergeben, die jener auch angenom- 
men hat. 

P. S. Soeben hat sie Herr Hoc her, welcher wegen Oesterreich 
*\m Fürstenrath das Directonnm führt, besucht, hat ihnen einen Gruss 
des Kaisers und dessen Dank für ihr bisheriges Comportement^ zu- 
gleich die Bitte mitgetheilt, isie möchten dahin wirken, dass nicht fernere 
Weitläufigkeit und Aufschub verursacht werde; vor allem sei nöthig, dass 
das Generalat versehen und der Obriste Feldhauptmann vorhanden sei; 
der Kaiser incliniere dahin, dass das Reichsgeneralat dem Markgrafen 
zu Baden, der ein teutscher Fürst, bei 20 Jahren in Kriegen geübt und 
dessen Valor bekannt sei, aufgetragen werde, er hätte auch beabsichtigt, 
des Kf. Generalfeldmarschall Sparren dem Markgrafen zu adjungieren; 
trüge derselbe aber Bedenken, unter diesem zu stehen, so wollte der Kaiser 
ihn bei seiner eigenen Armee^ welche Graf Montccucoli commandiert. 



') Kf. io einem Rescript vom 19./29. Januar ertheilt seine Zastimmnog dazu. 

') S. aber die den ganzen Januar sich hinziehendeo VerhaodluDgen, welche 
sich haoptsächlich darum drehen, auch die Städte zur Einwilligung io das Tri- 
plam zu bewegen Gemeiner I S. 138 ff. 



220 



4. Der Anfang des Regensburj^er Beichitagee, 



als mit dem er in guter Freundschaft gelebt, aceommodieren, er gedächie 
auch den Pfalzgrafen von Snltzbaeh, den General Wiirlz nnd an- 
dere in seine Dienste zu uehuicii. Der Kaiser hielte für nicht näthig , den 
Kriegsrath jnit absonderlieheu Snbjei-tis zu bestellec, derselbe könnte aas 
den Generalen und anderen Kriegsbedienten formiert werden, Da die 
Alliierten die Ihrigen nicht zu den Ereisvölkorn stosEeo lassen and auch 
ihren eigenen General behalten nnd DDterhalten wollten, so würden die 
übrigen Stände die Unkosten für die Reichsgeneralität allein tragen müssen. 

Dieselben an den Kurfflrsten. D. Regensburg 
21./31. Januar 1664. 

[E.MaiDE und Uünater habe ifare Termittelong in dem Streit wegnn dea 
Directoriums im WeatfäÜEichen Kreise angeboten.] 
1. Sie hnben die Vorschläge des Ef. wegen einer Hülfesurhang bei den 

Generalstaaten K.Mainz mitgetheilt, derselbe hat sich zur Befördernng 
der Sache erboten; namentlich Munition werde von dorther leicht geliefert 
werden können. Ges. halien bei dieser Gelegenheit demselben die West- 
fälische Kreissaehe empfohlen; er erbot sieh zu allem Guten, dem Kf. 
werde es sehr nuizlieh sein, wenn die Sache in Güte beigelegt würde; et 
wäre bereif, dazu mitzuhelfen und iu eigener Person den Traktaten beiia- 
wohneii. Auch der Bischof roo Münster, dem Jena uls Nassaaiscber 
Gesandter seine Vieite machte, erbot sich von selbst zur Vermittelnng; er 
erklärte, es wäre der Wahrheit ganz zuwider, dase er mit Pfalz-Neu- 
burg wegen dei: Direc torin ms ein pactum, dass kein anderer zu deiugelbeo 
gelangen solle, aufgerichtet: er sei zwar mit Pfalz- Ne aburg alliiert, 
machte daraus aber nicht causam commnnem. Wenn dem Kf. K. Hains 
angenehm wiire, wollte er mit demselben commnoieiereo. 

Im städtischen Collegium hat sich die Majorität nun auch zum Triplnm 
erklärt'), doch wollen sie zwei Drittel an Soldaten, das dritte ao Geld nnd* 
Munition leisten. 



Der Knrfürföt au die Gesandten. D. [Cöln] 26. Januar/ 
[5. Februar] 1664. 

[anf die ReUtioa vom lö./'ib. Januar. Wbb die Oesaodten in der Jägern dorfer 
Sache tbna sollen. Feldmarscball Sparr.] 

— In der Jägerndorfisehcn Sache wird die Nothdurft erfodern, 
dasB Ihr ein kurz Memorial allfasset, simpliciter umb Restitution dcfl 
Herzogtbunibs anhaltet und solchcB I. K. M. abgebet und Keeolution 
begehret. Sollte bei einer Couferenz oder sonst auch angetragen 

I S. 145 f. 





WeatRlIiBcbBS Ereisdirectorinm. Jägerndorfer Sache. 



221 



daes I. K. M. uns an Geld, wie sie sich vor deme verneh- 
men lassen '), Satisfactioa thun wollten, so habet Ihr solches pure zu 
refusiren, und dass Ihr solches nicht einmal ad refcrendum annehmen 
durfflet, Euch vernehmen zu lassen, — wann aber in Vorschlag käme, 
ans an Land und Leuten ein Äequivalcnt zu geben, so habet Ihr 
solches ad referendum anzunehmen und, was man uns eigentlich geben 
will, mit Fleiss zu erkundigen, und könnet Ihr hierin den Spani- 
schen Gesandten auch umb Assistenz ersuchen *). 

Auch Kf fiudet es börhst Dötbig, dass der Feldhauptmaon baldigst 
benannt werde, lääst ea aber deswegen bei seiner früheren Resolution.') 

Unsern Feldmarsehall Sparren aber, weil wir uns selbst in De- 
fensioQ zu setzen entschlossen, von uns zu lassen, — können wir uns 
noch zur Zeit nicht erklären. — 



»Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
29. Jaiiaar/8. Februar 1664. 

[Vorachlftg einer Znaammenkunft der WeatfäliacheD Kreiastände. Dae Reiclia- 

gatschten wegen der Türken liiiire. Verbandlungsn mit den kaiBerlicheo MiDiatero 

wegen der Jägerndorfer Sache.] 

Zu Erledigung der Westfälischen Kreissacbe 'dfir/te sehr dienlich 8, 
sein, wenn die Westfälischen Kreisslände zunamnaen kommeu köonteii. Ges. 
schlagen ror, dass sie ermächtigt werden vorznschlagcn, dass diese Stände 
ohne Cleve und Jülich, nur einmal uud allein des streitigen Directorü 
halber, zusammen kämea, nnd dass ihre Gesandten dazn von Münster 
coorociert würden, doch müsste Minden mit dabeisein. 

Zu Erneuerung der ErbTerbrüderung') finden sie sowohl dielEur sächsi- 
schen als auch Hessischen Häuser sehr iDcliniert, sie haben eine bal- 
dige Zusammenkunft, um de praeliminaribns et geoeraiibns zu reden, vor- 
geschlagen. 

In puncto der Verrassung wider den Erbfeind ist es endlich zu einem • 
Beichfignlachten') gekommen, welches dem Kaiser durch das K. Mainz lache 



r ■) inletzt 16.'j9, ■• ürk. o. Akt. VIII S. 371. 
I *) In eiaem Beacript vom 30. Januar/Ü. Febrnar 
9 K.Bai.eru um Cooperation in dieser Sache s 



") e 



obec 



5. 21G. 



Biet Kf-Bie an, aach K.Ma 
Eugeben. 



'} S. die darüber auf der Zuaammenkui 
K.Sacbaen getroSenen Verabredungeo UDtei 

') d. 18. Jaouar 1664: Diar. Earop. X 
Pachner v. Eggenslorff I S m. Die 



2S.Janaar/7, Februar l&M: 
18. 62. Vgl. Theatr. Euro 



rt ZD Torgan zwischen Kf. und 

im Anhang. 
: S. 36 ff. Londorp IS S. 235 f. 

kaiserliche ßesalnlion darauf d. 



Dudorp IX S.2y6ff. Pachner v. KggeoJ 
. IV S. 1101. Gemeiner 1 S.UTt. 



irff. 



222 



4. Der Aoraog des Itegeaaburger Keichstagea, 



1 ist, doch bnt <l»ä rcicliä städtische Collegiam 
usgestellt, wie viel diese oder jene Stadt can- 



Directorium übergeben worder 
eine besondere Specification a 
tribuieren wolle. ' 

Die Jägerndorfsc tie Sache hat Mahrenhaltz ferner den Fürsten 
von Anersperg nnd Lobkowitz vorgestellt, sie coutestierten EOnderbsren 
Eifer gegen Kf., entschuldigten sich aber, sie wären niclit eigentlicli io- 
formien, die Sache würde am besten dem Grafen von Nostitz, itls Böh- 
mischem Kanzler, bekannt sein. Mit diesem hat M. anch davon geredet 
h;it aber .ins seinen üiscursen erkannt, dass er nicht gern davon härte, ond 
liess derselbe fast echlechtc ACTection vermerken. 



Der Kurfürst au die Geaandteu. D. Cüln a. d. Spree 
3./[13.] Felu-uar 1664.' 

[uuf die Relation vom 21. /.11. Jaonar. Kl. hält an dem Tergloich wegen 6n 
WestfäliBcben Directoriama teet, verlangt BsrufuDg eines Kreiatagec.J 

13, Febr. —Wegen des WestpfältBchen Creyss-Directorii, weil wir darin 
einen riclitigen Vergleich ') mit l'falz-Neuburga Ld. vor uns haben, 
können wir uns anderergeatalt nicht erklären, als wie wir Euch neu- 
licher Zeit gn. in Befehl gegeben. — Und weil wir, wo nicht aller, 
doch der meisten Westpfälischen Creyss-Ötäude Verwilligung dea 
dupUcis TOti et sessioois in Händen haben — so hatten wir, daw 
hicdurch die Sache seine Richtigkeit habe und die Condition, bo dem 
Pacto aonectiret, purificiret sei, also dass es nun an nichts ermangelt, 
als dass sich der Pfaltzgraf dem Vergleiche accommodire, and man 
also nach Inhalt solches Vergleichs zum Ausschreiben des Crcyss- 
IftgcH schreite. Habt demnach aus solchen Schreiben, darin das dn- 
plex Votum zugestanden wird, einen Extract zu machen und sowobi 
Sr. Ld. dem Churflirsten zu Maintz, als dem Bischöfe zu Münster 
. vermittelst gebührender Danksagung vor ihr gutes Erbieten solches 
vorzutragen und dieselbe zu ersuchen, dass sie solches dem Pfalti- 
grafen von Nenburg vorstellen und dieselben dahin disponircn wollen, 
dass sie es auch ihresthcils bei dem Vergleich bev^enden lassen mögen, 
gestalt darauf die Ausschreibung des Creysstagea nach Anweisung 
des Vergleichs communi nomine von uns und dem Pfaltzgrafen nebet 
Unster wirklich geschehen kann. — Was die gänzliche Hinlegung 
des Successionsstreits anlanget, finden wir dabei wegen der vielen 



■) Gemeint ist der Vergleich vom 6. April 1647 a. oben S. 20i. 




Westfälische nnd Jägeradorfer Sache. 223 

Interessenten allerhand Difficultäten, wollen euch aber mit ehestem 
unsere Meinung darüber wissen lassen. Inmittelst aber könnet ihr 
alle gute Gontestationes unsertwegen thun. — 



Die Gesandten au den Kurfürsten. D. Regensburg 

5./15. Februar 1664. 

[Gerüchte vom Abschlnss der Allianz des Ef. mit Frankreich. Reichsschlnss 

wegen des Proviantwesens.] 

Die Rheinische Allianzsache belangend, ist hier ungefähr vor 15. Febr 
10 Tagen ans Paris Nachricht gekommen, dass Ef. mit dem Eönige von 
Frankreich am 14. Jannar habe schliessen lassen^), auch geneigt wäre, 
in diese Allianz zn treten. Darauf haben Ges. an selten der HH. Alli- 
ierten sofort fast mehr Liebe, Aflfection nnd Vertrauen verspürt und wahr- 
genommen, dass dieselben auf des Ef. Person sonderbare Reflexion machen, 
ihn zum Alliierten wünschen und den grossen Nutzen hervorheben, den er 
dadurch dem Yaterlande erweisen werde. Einige andere aber, die, ob sie die 
besten Freunde, wir nicht wissen, darunter auch die Pfalzneuburgischen 
sein mögen, und die ihr eigenes Interesse und Nutzen durch diese neue 
obhandene genauere Freundschaft nicht befördert sehen, Hessen ihnen wohl 
lieber sein, wenn das Werk seinen Fortgang nicht gewinne. 

Betreffend die materia defensionis ist es wegen des Proviantwesens zn 
einem allgemeinen Reichsschluss ') gekommen, dass ein jeder Kreis noth- 
weodige Proviantbediente bestellen, auf 6 Monat Proviant anschaffen und 
seine Völker versorgen solle; die Alliierten aber wollen sich deswegen nicht 
10 Unordnung und Weitläufigkeit setzen. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 

12./22. Februar 1664. 

[Memorial an den Eaiser wegen der Jägerndorfer Sache. VerhaDdlnngen über 

die zu ernenn^den Reichsgenerale.] 

Wegen der Restitution von Jägerndorf haben sie ein kurzes Memorial 22. Febr 
für den Kaiser abgefasst und diesem in einer Audienz vorgestern übergeben. 
Der Kaiser antwortete, dass er allemal geneigt gewesen, dem Ef. seine 
Affection zu erweisen, wobei er auch künftig verharren würde, er wollte 
das Memorial durchlesen und ihnen darauf seine Resolution zukommen 
lassen. 



>) Diese Gerächte waren irrig s. Urk. u. Akt. IX S. 672 ff. 
') d. 11/1. Februar 1664 (Pachner v. Eggenstorff I S.69.) s. Gemeiner 
I S. 148 ff. 



224 



4. Der Äorang dea Regeosburger Reicbstsgei. 



üeber die IJeneon 
die Berathaag begoDO' 
SchlnsB gekommen, h 
Gotha gebracht. Dcb 
und Pfalz-Veldent 



iig der Generalität') ist vorgestern io den CoUegiea 
u worden. Im KurlureteDratli ist es nach zu keinem 
Fürstenrath ist die Umfrage nar bis Sachsen- 
Kf. Person ist von Magdeburg, Pfalz- Laote rn 
Torgeschlagen worden, sonst ist auch Pfalz-Nen- 
burgs, l'falz-Sulzbachs nnd Ba deu-Badeos gedacht worden atid 
fiind noch zur Zeit die plura für Baden-Baden vorhanden'). 

Der Eeichspfeanigmeister, Freiherr v. Ilohenfeldt, hat gegen Jeni 
erwähnt, dass manche Stüade ihren alten Matrikular-Anschlag selbst muile- 
rierten und die RÖmennonate danach erlegten, Ges. fragea an, ob Kf. flir 
seine Lande es nicht ebenso machen wolle. 



Der Kurfarst an die Gesandten. D. Cöln 16./[26.] Februar 1664. 

[Inrormation für den Kaiser ia betreS' der durch v. Blumentbal mit FraDkreieb 
gerührten Verhandlnngeo,] 

r. — Nachdem sowohl der keyserliche als königl. liispaniache sich 

anitzo bei unBerm Hofe betindende MiniBter sich dessen vermerkea 
die durch unaern üelieimhten Raht, den Freiherrn 
von Blumenthal eine Zeit bero mit dem Könige iu Frankreich 
gepflogene Handlung*) bei beiden Höfen allerhand Nachdenken vo^ 
anlasset, und wir leicht ermessen können, dasB daraus bei entste- 
hender gründlichen Nachricht von dem, was vorgangen, leicht ein 
MisBtrauen erwachsen durfte, so haben wir, umb demselben vor- 
zukommen, die prorogirte Preussische AUiance ') in extensa copia 
euch beigefügt uberschieken wollen. Ho ihr — Ihrer Keyserl, M. bei 
bequemer Gelegenheit in unserm Namen zu communiciren und dabei 
gebührend zu berichten haben werdet, welcbcrgestalt, da uns sonsten 
in allem, was unserstheila erinnert oder desideriret worden, deferiret, 

') 8. Gemeiner I S. IblS.-, sehr irrig wird dort (S. 1Ö2] behanptet: ,Unt«r 

den dsDtechen FürBten bewarb sieb Booderlich der Chnffürst von Brandenborf 
um die erite Stelle." 

^ S. .Speciflcation derjenigen Generalen, so be; der den 20. Febraar 1664 
gebaltenen Seasioa in nateracbiedlicben votia in Yorschlag gekommen'. (Diu. 
Knrop. XI S. »1 ff,). 

') S. das Protokoll über die am a./ia. April ltiä4 ed Berlin mit L: 
Ucedo gehaltene Cooferenz unten Abschn. 5. 

•) S. Drk. II. Akt. IXS.<;^Off. Die Terbandliingea waren damals nach kein» 
wegB zum Abschluss gekommen, acbienen aber damals (a. v. Blumeut hals Bt- 
lation vom Ib.ßb. Januar 1064 S. GTd) demselben nahe zu 



') Pnfendorr 1, IX § 60 (S. titS). 



J 



MitiheilüDg aber die Verbandloogen mit Frankreich. 225 

wir uns dennoch keineswegs dahin hätten wollen lenken lassen, dass 
wir nachgeben sollten ^), dass des Königs Alliirte mit Namen speci- 
ficirt, unserseit aber der mit Ihrer Eeyseri. M. habenden Alliance 
per expressum nicht mitgedacht würde, wie aber endlich das Expe- 
diens ins Mittel kommen, dass der von beider Theile Alliirten dispo- 
nirende Artikel in general terminis eingericht werden könnte, und man 
französischer Seiten sich daran vergnügen lassen, hätten wir solches 
mit Fug und Glimpf nicht ausschlagen können. Als nun hierunter 
nichts vorgangen, so Ihrer Keyserl. M. Interessen zuwiderliefe oder 
der mit deroselben aufgerichteten Alliance entgegen wäre, so haben 
sich dieselbe zu versichern, dass wir deshalb nicht weniger dann vor- 
hin ihr und des H. R. Reichs Bestes und Aufnehmen unserm Vermögen 
nach zu befördern uns jederzeit werden angelegen sein lassen. 

Der von Frankreich bei dieser Negotiation endlich ausge- 
würkten Guarantie') über den dem Instrumento pacis Olivensis zu Ver- 
sicherung unsrer Jurium beigefugten Articulum separatum, wofern es 
der Discurs nicht mit sich bringt oder auch Anlass dazu gegeben 
wird, achten wir nicht nöthig sei zu gedencken, weil alles, was des- 
halb iin jetztgedachten Frieden disponiret, Ihrer Keys. M. gevoUmäch- 
tigte Gesandte mit gut gefunden und Sie selbst in dero extradirten 
Keyserl. Ratification approbiret. 

Es hat auch mehrgemelter unser Geheimbter Raht eine Declara- 
tion ') ausgestellet, dass wir uns mit denen in der so genannten 
Rheinischen Alliance stehenden Cronen, Ghur- und Fürsten mit ver- 
bünden wollen. Es soll aber auch (welches Ihr ebenmä&isig zu ver- 
sichern habt) nicht anders dann mit Beibehaltung unsers Ihrer Eeyseri. 
M. zutragenden schuldigen Respects und vermittelst solcher Modi- 
ficationen geschehen, dadurch des H. Rom. Reichs Ruhe und Sicher- 
heft bestätiget werde. — 

Die Gesandten an de;p Kurfürsten. D. Regensbnrg 

19./29. Februar 1664 

[Gespräche mit K. Mainz und Münster. Bestellung der Reichsgeneralitat. Das 

Westfälische Kreisdirectoriam.] 

Ges. haben eine Audienz bei K. Mainz gehabt. Wegen der Hülfe- 29. Febr. 
suchung bei den General Staaten will derselbe veranlassen, dass zunächst, 

S. Urk. u. Akt. IX S. 629 ff. 

2) PofeDdorfl. IX § Gl S. 602 Q 

^) Kioe solche Declaratioo ist nachher nicht von Blumen thal, sondern von 

Mater, x. Gesch. d. G. Kurfürsteo. XI. J5 



226 



i. Der AnfaDg des R<?gensbDrger ReichsUgee. 



zur BeschleuoigDiig der Sache, onr ein Schreiben vom korfUrstUcbeD Colle- 
giora an Kf. iibgetns^en werde, worin derselbe ersucht nird, im Nameo des 
Keicbs Hülfe gegen die Türken von den Niederlandea zu erbitten. la der 
J ägerodorfsche n Angelegenheit erklärt er, nicht genügend informieit 
zu Bein, erbietet sieh aber, nicht nur Eclbsl zu helfen, aondern auch das 
kurHirttliche Collegium zar Intercessinn zn veranlassen. Auch wegen dea 
Westräliiicheu Kreisdirecturinm« will er das Seinige thun, er erwähnte 
wieder eines endlichen Hauptrcrgleirhs. Jena i^it anch beim Bischof 
von Münster gewesen und liat im Namrn des Kf, fiir dessou Anerbieten 
gedankt und ihn gebeten, Pfalz-Neu l> urg, der in wenigen Tagen hie 
erwartet wird, dnhin tu disponieren, daas er dns Diroctorium alternativun 
nicht länger difScnltiere. Der Bischof zeigte sich sehr befriedigt, kam auci 
bald auf das Hauptwerk und erbot sich, ohne alle Pa^^sion zu dessen gut 
licher Beilegnug zu cooperieren, er hezeigic gegen den Kf. ganz besonderen 
Respekt, erklärte sich bereit, mit dem Pfalzgrafen wegen des Direktorium 
zu reden, hielt dafür, dass, wenn das Hauptwerk beigelegt werden könnii 
dieses sirh von selbst geben würde. Er fragte, nach welchem Jahr die 
Religion einzurichten, ob nach Itiiiy oder 1624. Jena hat sich mit Mangel 
an Instruktion entschuldigt, aufgefordert aber, «eine PrivfitgedHnken : 
entdecken, eikiärte er, diese tiache werde sich schwerlich mit Fug nach 
B. 1624 regulieren lassen, &A. durch die von den possedierenden Für^lru 
ausge.stellten Resersalen die Unterlhanen ein qnaesitum jus halten. 

Eb stehet dahin, wie Ihre F. Gn. eigentlich inlenlioniret, allein 
dürfte Ew. Ch, D. daruiiih mehr nlltzlicli als nat-btheilig fallen, weil 
Sie die licputatioo gerne werden Laben wollen, dasa Sie diesen so 
lange gedauerten Streit und wiclitige Sache scLliebten helfen, und 
dasB Sie vermeinen, als ein Nncbbar beständige Rübe 2u haben. 

In den lieicbscollegien ist über die Bcsfcllung der Generalität ( 
handelt worden, Oes. haben in beiden Collegien K.Sachsen und, wenn 
dieser ablehnte, Herzog Friedrich Wilhelm Ton AlleuburR vorge-. 
schlagen. Die meisten im Kurfüratenrath und auch ein Theii der Fürsten 
meinen, da8s zur Zeit noch kein Reichsfeldbnuptmann, sondern nur 
Feldmarscbälle oder General-Lieutenants zn verordnen seien, daher 4hid 
auch der Markgraf Ton Baden nnd Pfalzgraf von Sultzbaeh 
KU Feldmarschällen vorgcscbbigen worden Pfah-Seuhurg bat nur 
ein einiges Votum bekommen, hingegen- seinilt Ew. Clif. D. von allen 
denen, so vermeinen, dass ein Reichsfeldhauptniano odi r Gener&lia- 
simns nötbig sei, dazu genannt worden, dabei dann ausführlicb de- 
monstrirel. wie niemand zu finden, der mit allen denen zu dieaem 
wichtigen Werke gebürigen nüthigen Qualitäten, Experientz, Valor 



dem Kf. selbst (Pufendoc 
während dur Verbandlongen 
u. Akt. IX S, CTlfT 



} anageatellt worden , und Mich 
einer lolcheu die Bede s. Utk. 



Dm westfälische Ereisdirectoriam. ßestellang der Beichsgeueralität. 227 

aod Olflck begäbet sei, als Ew. Gbf. D. höchste Person. Auf E. 
Sachsen. and Sachsen- Altenburg hat ausser uns keiner der Vor- 
oder Nachsitzenden gestimmt. — So wird auch wohl das Westfählische 
Kreysdirektorium und die darin competirende sessiones und vota zum 
billigmässigen Stande zti bringen, das allerdurchdringendste Mittel sein, 
dessen Ew. Chf. D. — vor etlichen Wochen erwähnet, dass Sie näm- 
lich von denen Jülich- und Cleveschen Landen so lange keine Onera 
beitragen wollten, bis dasjenige Ihr eingeräumet wäre, was andern 
nitro vergönnet wird. — 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensbnrg 
26. Februar/ ?• März 1664. 

[Bestellang der Reichsgen eralitat. Audienz bei K.Sachsen. Wunsche der Alli- 
ierten in betreff der Verhandlungen mit Ef.] 

Im Eurfiirstencolleg, wo Mainz, Trier, Baiern nnd der heute vor T.März. 

acht Tagen hier angekommene Kurfürst von Sachsen persönlich zugegen 

waren, sind gewählt worden^): 

zom Oenerallieotenant z. R. Graf Georg Friedrich y. Waldeck, 
Oen.-Feldzengmeieter nnd Generallientenant z. F. Gr. Franz Fogger, 
Gen.- Wachtmeister z.B. Herzog Hans Adolph v. Holstein, 
Gen.- Wachtmeister z. F. Freih. y. Bugg nnd Holtz; 

zu Kriegsrathsdirectoren sind ernannt: 

Bischof zu Münster, der dies Amt auf seine eigenen Kosten yer- 

walten will, und 
Markgraf zu Baden- Durlach. 

Zn Kriegs- oder Assi^tenzrätheu, auf Vorschlag yon K. Sachsen: 

▼. Haubitz und Graf Lynar. 

Ges. haben wegen mangelnder Instruktion zu allen diesen, ausser Mark- 
graf Leopold Wilhelm yon Baden') und Graf Lynar'), nichts sagen 
können. 



S. das kurfürstliche Conclasam vom 27. Februar/ 8. März Diar. Europ. 
XI S. 85f. 

*) Derselbe hatte schon am 30. October 1663 nnd dann nochmals am 7. Februar 
1664 Ef. ersucht, seine Ernennung zum Reichsfeldmarscball zu befBrderOf und 
Kf. hatte ihm seine Unterstützung in einem Schreiben vom 6/16. Febniar zugesagt, 
8. das Rescript des Kf. an die Gesandten vom 1./11. März 8. 229. 

*) Kf. hatte durch Rescript vom 9./ 19. Februar nach Verabredung mit 
K. Sachsen die Gesandten angewiesen, denselben vorzuschlagen.- 

15* 



228 ^' I^ec Anfang des Regensbarger Reichstagea. * 

Im Fürstenrath siod die anderen Stände mit AasschlDSS der Alliierten^) 
zusammengekommen ond haben gewählt'): 

zum Gen.-Lientenant z. Pf. Graf Georg Friedrich v. Waldeck*}, 
General über die Cavallerie Herzog Ulrich zu Wtirtemberg, 
Gen. -Feldzeugmeister und General von der Infanterie Graf Franz 

Fngger, 
Gen.- Wachtmeister z. Pf. Herzog Hans Adolph v. Holstein, 
Gen.- Wachtmeister z. F. Gustav Adolph v. Baden and Baron 
V. Bugg, 
von Bestellung des Eriegsraths und des Directoriums desselben ist dort 
noch nicht geredet worden. 

K. Sachsen hat ihnen vorgestern Audienz ertheilt nnd auf die von 
ihnen vorgetragenen 4 Punkte: Erneuerung der Efbverbrüderung, Schreiben 
an Polen wegen der Königswahl, Restitution von Jägerndorf nnd Abschaf- 
fung der Missbräuche der Zünfte und Innungen, ihnen vergnügliche Ant- 
wort ertheilt. 

Die Gesandten der Alliierten erklären, dass die monita des Kf. ^) zu 
dem AlUanzvertrage hier, wo sie alle bei einander und bevollmächtigt wären, 
am füglichsten samt dem ganzen Werk sich einrichten lassen würden. 

K. Mainz schickt an Rf. das Schreiben des kurfürstlichen Collegiums 
wegen Hülfeleistung der Niederlande zum Türkenkriege. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln l./H. März 1664. 

[Die Jägerndorfer Sache und das Westfälische Kreisdirectoriam. Reichsgene- 

ralität. Des Kf. Leistung zur Türkenhülfe.] 

11. März. Die J ägerndorfsche Sache sollen sie fleissig poussieren, da der 
Kaiser nicht lange dort verweilen wird und die, so der Sache nicht wohl 
wollen, daher Gelegenheit nehmen möchten, sie bis zur Abreise der Kaisers 
zu trainieren, da sie dann wieder wie früher ins Stocken gerathen würde. 
Eine gleiche Verzö-t^erung fürchtet er wegen des Westfälischen Kreis- 
direktoriums, zumal da K.Mainz und Münster immer davon abstrahieren 
und auf die Vergleichung des Hauptstreites kommen, welches doch nicht 

^) 8. über die VerhandluDgeii mit den Alliierten, welche darauf bestaodeo, 
ihren Truppen selbst eiuen Chef zu geben und weder an den ADordnoogeo für 
die übrigen Reichstruppen noch au den Beiträgen für dieselben Tbeil zu nebmeo, 
Gemeiner I S. 153 ff. 

O S das fürstliche Coucluaum Diar. Europ. XI S. 88. 

^) Derselbe theilt dem Kf. 13. März seine Ernennung mit, Kf. beglückwünscht 
ihn darauf am 1ü./25 März und ersucht ihn um Mittheilnngen über die Kriegser- 
eignisse, welcher Aufforderung auch Wal deck durch Briefe vom 15. Mai, 12. Joni, 
15. Juli und ein undatiertes Schreiben entsprochen hat. 

^) 8. unten Abschu. 7. 



Bestellang der Reichsgeoeralitat. 229 

so geschwinde wird erreicht werden können. Ges. sollen ausdrücklich er- 
klären, dass Kf., wenn man ihn darin länger aufhalten und nicht zu der 
Session und Votum und alternierendem Directorium nach Inhalt des Ver- 
gleiches wolle kommen lassen, von seinen Westfälischen Landen weder zu 
der Türkenhülfe noch zu anderen Reichs- oder Kreisoneribus das geringste 
beitragen wolle. Wegen der Religion kann Kf. nicht von den Reversalen 
und dem terminus 1612 abstehen. 

Wegen Benennung der Generalität ist Kf. einverstanden damit, dass 
die Bestellung eines obersten Reichsfeldhauptmanns vorläufig ausgesetzt 
werde; er würde gern sehen, dass Markgraf Leopold von Baden die 
Feldmarsch^llcharge erlange, ist auch 'zufrieden, dass Herzog Ulrich von 
Würtemberg Gen.-Leutnant über die Cavallerie, Graf Fugger Gen.- 
Lentnant zu Fuss, der Herzog von Holstein Gen.- Wachtmeister zu 
Ross, und wünscht, dass Herzog August von Holstein, der seine Völker 
commandieft, bei der Reichsarmee Gen.- Wachtmeister zu Fuss werde. 

Was sonst uns an Völkern wegen aller unser Lande zu der Tri- 

peltürkenhfllfe zukommt, habet Ihr aus beigehendem Uflfsatz') zu er- 



^) yUffsatz, was S. Chf. D. zum einfachen und zum dreifachen Römerzuge 
kompt nach der Nürnberger RepartitioQ, darin aber S. Chf. D. dero Lande zum 
Tbeil sehr graviret befinden: 

Einfach Triplum 

z. Rosa z. Fuss z. Rosa z. Fuas 

60 277 Churbrandeoburg 180 831 

l^ 83 Pommern 41 249 

6 28 Gamin 18 84 

14 6e Halberstadt 42 198 

10 16 Minden 30 48 

35 161} Clevo und Mark 105 484 

2 8 Hohenstein, so S. Chf. D. uff 

sich nehmen 6 24 

6 17 Ravensperg 18 51 

146f 656} 440 1969 

Nun haben S. Chf. D. bei der keyserlicben Armee: 

500 z. Ross, ist also za viel 60 z. Ross 

machet z. Fuss 180 

600 Dragoner, than z. Fass 1200 

1100 z. Fuss, bleibt 1100 

2480 
wäre nach soKhem Caiculo zu viel 521 Mann.'" 

Seinen Ständen gegenüber bat der Kf. ganz anders gerecbuet. lo dem Aus- 
acbreiben zu dem kurmärkischen Landtage (d. Cola 22. Januar/ 1. Februar 1G64) 
giebt er als das auf die Kurmark nach dem doppelten Triplum (zur Reichs- und 
Kreishulfe) fallende Contiogent an: 860 z. Ross und 2712 z. Fuss; für Halber- 
stadt (and ähnlich für Pommern) 140 z. Ross, 48 z. Fuss; für Minden 100 z. 
Ross, 48 z. Fuss; für Raveu sberg 00 z. Ross, 51 z. Fuss; für Die ve und Mark 
350 2. Ross, 484 z. Fuss (in dem Rescript an seinen Statthalter in Cleve, den 



230 



r R^ichatBg'!« 



selipn. Ol) Dun zwar Id dem Simpelacsclila^ einige unser Lande 
graviret sein, und wir deswegen Moderation begehren, so lassen wir 
es doch wegen das Volkes dabei bewenden, weil wir — schon Ihr. 
K, M. mehr Völker als uns zukommen, wann vor 3 zu Fuss ein Reuter 
und vor 2 zu Fusb eiu Dragoner gerechnet wird, — zugeschieket haben, 
so wir hierzu zu emploiren oder wegen der Türkenhülfe rechuen wollen, 
doch uns, ob dieselbe zu andern Reicbsvölkern gehen, oder bei der 
Keyserl. Armee bleiben sollen, die Resolution vorbehalten. Sollte e« 
aber zu Schickung einiger Gelder wegen Unterhaltes der Generalität, 
Artillerie oder dergleichen kommen, so werden wir uns der Modera- 
tion, so andere Eurem Vermelden nacli thun, auch gebrauchen und 
soviel uns gut deucbt einschicken. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensbnrg 
4,/ 14. März 1664. 



[Oaa Westfälische Ereiedirectorram. Amlie 



i_ Die Reichsarmee, welche vod den nicht 
hörenden Ständen zusamoicugebracbt wird, sol 
und 16000 z. F. bflaufen'). 

Sonst gebt es in allem hier ebenso liingsi 
auch wegen des Weatfiliachen Kreisdirectorii 
terniinis. Sie haben in PriraCdiscursen erklärt 
Forderungeu aiubt erfüllt werden sollten, seine 
miereu, um sie al» souverain zu besitzen. D< 



:nr Rheinischen .Alllauz ge- 
sich ungefähr auf 4000 8. R. 

m von Gtütten wie früher, 
steht ei aoch in vor^ea 
Kf. würde, wenn seine 
westfäliscbeD Länder exi- 
r Bischof von Munt 



ist zu Pfalz-Neubnrg, der seine Reise hierher aufgegeben bat, gerei»^ 
am ihn zu bestimmen, des directoHum allernatirani wegen nicht langer u 
difficultiereii , zugleich angeblieh, weil der Pf.ilzgraf einen seiner Priazea 
zum Uoch- nud Teutschmeistcr befördert zu sehen wünscht. 

Vorigen Montag hatteu Gce. Audienz beim Kaiser, condolierten den- 
selben zum Tode des Erzherzogs Carl Joseph'), recommandierteD d» 



FHuzeu Jubana Moritz, von Nassuu tdui :>. Februar giebi er letzlerea eogM; 




auf 360 z. KosB, 1H46 z. Fuss an, b. Drk. u. Akt. V S. m2). Die kurmätkiacb« 




Stände aber habeu dagegen remoustriert und in ihrem Uemorial vom 8./1S. Min 




darauf hingenieaen, daaa in den Bei clia au seil lagen und Matrikeln die Earmark 




nur zu einer aimpten Anlage von GÜ z. Boss und ^77 t. Fusa sefuudeD werdlL 




') Diese ganz ungeßhre Berechnung war In der^Sitzung vom 19./a9. FebrnA 




aufgB8te!lt worden a. Gemeiner I 8. 154. 




=) Erzherzog Carl Joseph. Bruder Kaiaer Leopolde, DeuIacbordeoBhock^ 




meiBter, Biachof von Paasau, Breslau und OlmiiU war IE Januar 1664 K 





YermittelaDg der Streitigkeiten mit Pf. Neabarg. 231 

Herzog zo Braun Fchweig^) und Landgrafen zo Hessen^ zq dem yh- 
Gierenden Hodi- und Tcutschraeister- , auch Bisthümern, thaten Apertur s) 
des fr.'inzösischcn prorogierten foederis, übergaben die Artikel in extensa 
forma mic angehängten Contestationen und Versicherung beständiger Treue 
ond baten um kaiserliche Resolution auf das Memorial wegen der Restitution 
von Jägerndorf und wegen Camius. Der Kaiser antwortete auf alle 
4 Punkte ordentlich, bedankte sich für die Condolenz und Apertur und 
tbat im übrigen allergnädigste Vertröstung. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 

11. /21. März 1664. 

[Münster und K.Mainz erbieten sich zur Vermittelung mit Pfalz-Neuburg. Mark- 
graf von Baden Rdcbsfeldmarficball. Der neue Kalender ] 

Der Bischof von Münster hat, nachdem er von dem Besuche bei 21. März, 
dem Pfalzgrafen von Neuburg zurückgekommen, Jena mitgetheilt, der 
Pfalzgraf habe sich, nachdem er ihm hart zugeredet, bereit erklärt, gutlich 
zu tractieren, er selbst sei bereit, als Vermittler zu fungieren, und könnte 
zunächst nur punctus directorii et religionis abgehandelt werden, da dann 
Kf. noch einen Evangelischen zu adjungieren hätte, and kam dabei der 
Gesandte der Frau Landgräfin von Hessen-Cassel in Vorschlag. Auch 
K.Mainz hat sich abermals zur Interposition erboten und sich auch bereit 
erklärt, zunächst nur punctum directorii et religionis anzutreten, auch Frh. 
V. Boineburg hat seinen Wunsch zu erkennen gegeben, Kf. bei dieser 
Gelegenheit einen Signalen Dienst zu erweisen. 

In publicis ist man etliche Wochen garuicht fortgeschritten ^), auch die 
Bestellung der Geneiale hat sich verzögert, einige Stände wollen den 
Markgrafen von Baden nicht, doch ist es endlich im Kur- und Fürsten- 
rath zu Beschlüssen gekommen, aus denen aber noch nicht ein einheitlicher 
gemacht worden ist, doch ist der Markgraf von Baden zum Feldmarschall 
ernannt worden. Von Bestellung eines Reichsfeldhauptmanns ist vorläufig 
abstrahiert worden. 

Im kurfürstl. Collegio ist vorgekommen, ob nicht endlich der neue Ka- 



^) Johann Friedrich, Bruder der regierenden Herzoge Christian Lud- 
wig von Celle und Georg Wilhelm von Calenberg, der 1651 zur katho- 
lischen Kirche übergetreten war, s. Kocher I S. 358 0*. 

') Friedrich, jüngster Sohn des Landgrafen Ludwig V. von Hessen- 
Darm 8 ladt, seit 1636 zur katholischen Kirche übergetreten, seit 1638 General- 
prior des Malteserordens in Deutschland, seit 1655 Cardinal. Kf. hatte durch 
Hescript vom 13./*23. FebruaY die Gesandten angewiesen, sich für beide behn Kaiser 
za verwenden. 

*) 8. das Rescript des Kf. vom 16./'26. Februar oben S. 224. 

*) S. Gemeiner I S. Uu ff. 



23-2 



4, Per Anruni; des Heg^iidburger ReichB(a?«>3 



lender aögeiKimmen und eio Rpicii;kaleiiiler gnnatiiit werden könnte i); K. 
Sachsen hat sich daza bereit erklärt, mao hofft es auch vom Kf-, da Geine 
preussisfbeo und clevischeo Länder und aach die meiälen N.icbbaren sich 
desselben bedienen. 

K. Mainz wünscht wie die übrigen Kurrür»ten votum et «et^sioiiem im 
FürsteDrath, etwa wegen des Eichafeldes oder Rheinganes. Die Re- 
novation der Erbverbrüdernng wird Bchwerlich bei K. SachseoB Än- 
wesenbeit, der in 14 Tagen von hier aufbrecheu will, vorkommen, sie er- 
innerD wegen dieser nnd anderer Sa'hen dessen Gesandten Öfter. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Ci5lnl5./25. Mflrz 1664. 

[AiiBUBbinostelliiDg der Alliierten. Die Eriegarathsdirectoreo. MotiitR cd der 

TerpSegnngflordlDanz.] 

26.MärÄ. — Befinden sonsteu dem Iteiehe wenig vortraglich zu sein, dass 

zwischen denen Allürtcn und andern Keiclissländen gleichgam eine 
Oiviiion gemacht wird, tiiid diese absonderlieb und jene aueh abson- 
derlich ihre Generalilfit setzen, selbige abaonderUch unterhalten und 
keine gemeine causam machen wollen. Es scheint solches einer 
Trennung im Reiche nicht unähnlich, daraus leicht mehre Weiterung 
entstehen kann. — Und wenn ob noch dahin zu bringen, dass man 
der Alliirten Armee mit der andern Stände in ein Corpus brächte, 
und nicht diese des Reichs nnd jene der Alliirten, sondern beide 
zusammen die Rciehsarniee nennete, so wurde dadurch vielen besor- 
genden Confusioueu vorgebauet werden. Es scheinet aber, dass ee 
damit schon zu späte und dass man also uff ander Media, Uneinig- 
keit zu verhüten, wenn die Noth die Conjunction erfodero sollte, wird 
bedacht sein müssen, so doch daruff beruhen wird, dass man gewisse 
Regeln setze, welcher Feldmarsehalk das oberste Commendo und den 
Vorzug haben und wie die andern Generals von beiden CorporibUB 
und die Regimenter einander folgen sollen. 

Ef. kann nicht einsehen, weshalb «wei ReirbEfürsten zu Direktoren dM 
Kriegsratha genomiueu werden, sie dürfen keine andere Gewalt als du 
anderen Eriegeräthe, nur den Vorsitz haben 

Monita zn dem Entwurf der VerpQegungeordinauz, nameutlich meint Kf^ 
da die Reichsarmee oft neben und mit der kaiserlichen agieren würde, so wiin 
es am passendsten sein, diese Verpäegnng nach der kaiserlichen einznrichtes; 



') 8. das baiaerliche Üecret v 
nor T. BggoDBtorff I S. 80). 



I. April 16ii4(LoDdorpIXS. 250. Pack- 



Verhalten der Alliierten. Versammlung der WeBtfalischen Kreisstände. 233 

Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 

18./ 28. März 1664. 

[Herzog Angnst von Holstein. Versammlung der Westfälischen Kreisstände. 

Erbverbräderang. Neue vota.] 

Wegen des Herzogs Angost von Holstein, deo Ges. aaf Befehl 28. Man 
des Kf. zam Oeoeralmajor bei der Reichsaroiee vorgeschlagen, ist be- 
schlossen >), dass er dazu angenoooimeQ sein solle, wenn die kurfürstlichen 
Trappen zaooi Rreiscorps stiessen. 

Der Bischof von Münster hat die Westfälischen Kreisstände, 
welche nicht der Rheinischen Allianz angehören, der Türkenhülfe halber 
zu sich geladen; Jena, obwohl nicht eingeladen, hat sich auch dorthin 
begeben und hat seine Stelle znr Rechten des Bischofs von Münster einge- 
nommen, doch wnrde dort ohne Ordnung geredet, einige ersuchten Jena, 
Kf. möchte doch (wie Münster, Pfalz- Neubnrg, Paderborn and 
Osnabrück sich • erboten) ausser dem triplo noch das simplum com di- 
midio bewilligen, er erklärte darauf, wenn seinen desideriis a circulo ein 
Genügen geschehen, möchte er wohl sub rato was thun. Wegen der Erb- 
verbrüderung hat bei E.Sachse ns Anwesenheit nichts vorgenommen werden 
können, da dieser durch Visiten, Gastereien u. s. w. an diesem nnd der- 
gleichen mehr verhindert worden. Er will in 8 bis 10 Tagen abreisen und 
dann bald Kf. besuchen. Pfalz-Snlzbach sucht Session im Fürstenrath, 
dasselbe soll auch E. Baiern für die Oberpfalz, Münster für Strom- 
berg und andere, etwa 12, beabsichtigen. Da im Fürstenrath schon über 
90 vota sind, so wäre besser auf Mittel zu denken, dieselben zu vermindern 
als zu vermehren. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 
23. März/ [2. April] 1664. 

[aaf die Relation vom 11/21. März. Die Streitigkeiten mit Pfalz Nenborg. Ein 

einheitlicher Kalender] 

Ef. hat gern vernommen, dass E.Mainz und Münster sich zur Ver- 2. April 
mittelung mit Pfalz-Neuburg erboten haben. Wegen des directorii aber, 
ist ein richtiger Vergleich vorhanden, und kann Ef. nicht zugemuthet werden, 
sich desselben zu begeben und in neue Traktaten einzulassen. Ges. sollen 
dieses E.Mainz und Münster remonstrieren und sie ersuchen, dem Pfalz- 
grafen zuzureden, diesem Vergleich, wie Ef. erbietig sei, nachzuleben. Die Re- 
ligionssache aber hängt von gewissen vom Eaiser dazu verordneten Eommis- 



') S. das Conclusam d 26./ 16. März 1664 (Di^r. Europ. XI S 124ff. Lon 
dorp IX S. 247. Pachner v. Eggenstorff I 8.77 0- 



i 



234 



Dor &atai\g dfS RtceDsbgr!;er Reichslagee. 



sarien ') ab, welche wieder ihre Sululelegierten verord'iet haben (»uf des Kf. 
Seite Findet^: Fleritog Angust ron Brauu schweig- Wolfeabucicl, 
Fürst Friedrich von Anhalt und der neulich verstorbene Ffirft von N 
sau-DilUobur;;), bei deiiselbeu ist die S;icbe iu^troierc und ^ie haben 
alle Ana und lulorm;itii»iies in Händen, daher zweiMC Kf., ob die Sache 
von ihiieu avociert werben and er sich in ändere Traktaten eiulasseti könne. 
Da ihm aber lieb sein würde, dass dieser Streit ehest abgetban werden 
inüi'blc, so Bollei) GeB. mit den betreffenden Gesandten reden, ob eie hieraal 
von ihren Herren mit instruiert seien, dann könnte er wohl geschehen las- 
sen, dass es dort zu gelegener Zeit vorgenommea werde uod K.Mi 
and Müniiter sich zugleich mit iuterponierten. 

Wegen des Feldh^uptinanns, FeldmarschallB und d,er lustraktiou fijr dea 
Reichskriegsrath will Kf. sich den Majoritätsbeschlüssen conformieren. Er 
ist aurh cinverstaiidi'u diituit, diiss dureh^ebends einerlei Kalender einge- 
führt und dazu der neue gebraurht werde, doch soll es nicht das Ansehen 
haben, als wenn es in Respeet de6 Papstes geschehe, Ges. sollen darüber 
mit anderen evangelischen Ständen (vonferieren. 



Dil! Gesandten an den Knrfürsten. D. Regeiisburg 
25. März/4:. April 1664. 

[Dur RaichskriogBriith. ächfrudiachi] lielehnung. VurwenduugBschreiben dea 
KurrürdtsuuullugB wugi'o JägerodoTf.] 



irigen Freilag 1 



ichlosben wurden, ilass keia 
r KriL-g^^ath gebildet nerUen solle, am Mittwoch aber ist da<> Gegen- 
theil beschlossen worden und haben siuh auch die uieisten Alliierten erklärt,, 
zu demselben beitragen £U wollen, damit das Kreis- und der Alliieneti Cor- 
pus hierdurch zusaiDinengelijiiten würden'). 

Die Kleisvölker sollen den li./H. April xu Ungarisch Alleobn 
auf dem Hendezviiu» sein, es ist aber dam noch wenig Apparenz; ebe ui 
hier alles, wie es sein soll, einrichtet, dürfte der Sommer meisieutheila ' 
vergehen. 

Den Schweden ist die formula investiturae zngestellt wurden, diizn si« 
ihre monita gelhnu, und soll, wenn sie es begehren, der Stetlinische Ver- 
gleich dem Lehnsbrief eingerückt werden. Oes. fragen an, ob sie eine Oopia 
des Lehnsbriefs begehren oder aber es so gcsclieheu lassen .sullen'). 

') Üieeelbeu waren 1651 bei Geieganheit ilea Vergkichs zwischen dem EL 
□nd dem PfulEgrafeD eingesetzt wortleu e. diesen Vergleich voia 11. Oclober Itiöl 
(Londorp VI ä. i;32). 

^ S. Uemeiuer 1 S. lUf. 

') Kf. (d. C51u 5./ir). April liiiil] erklärt Bicb damit einversluaden, daaa dM 
Sielliniache Recaas dem Bcliwedisthen LeliDSbtief worllicb iusetiisrl werde, beauf- 
tragt aber die Gesandten, eine Abschrin des Ictzlerea vor Beiner Aasferliguiig 
zu verlungvn und ihn einxuichickeu. 




Reichsgeneralität nnd Kriegsratb. Jagerodorfer Sache. 235 

Wegeu der Restitatioo von Jägern dorf haben sie das von dem Kur- 
fürsten colleg dem Kaiser einzureichende Memorial selbst abgefasst nnd dem 
Freib. y. Boinebnrg zugestellt 9 heute soll dasselbe im Kurfürstencolleg 
vorgelesen und eingerichtet werden. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Oöln 
29. März/[8. April] 1664. 

[auf die Relation vom IS.ßS. März. Kf. will zur Bezahlung der Reicbsgenerali- 

tät nicht beitragen.] 

Kf. will sich die Beschlüsse wegen der Generalität, deren Bezahlung 8. April. 
ond was demselben anhängig, wohl gefallen lassen, weil seine Völker schon 
bei der kaiserlichen Armee sind nnd schwerlich zu dem Reichscorpus kom- 
men werden; er erwartet daher, und Ges. sollen dahin wirken, dass man 
ihn mit dem Zutrag znm Unterhalt der Generalität, Anschaffung des Pro- 
viants und was hiervon dependieret, verschone, zumal da er über die 
Yolkshülfe dem Kaiser auch ein ansehnliches an Munition (200 Centner 
Polver) zugeschickt hat. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 

31. März/ 10. April 1664. 

[Kommission wegen der Jülicb-ClevescheD Religionseache. Reicbskriegsrath.) 

Wegeu der Konimist^arien in betreff der Religionsangelegeuheit iu den 10. April. 
Jülich-Cleveschen Landen haben sie durch den Residenten Neu mann 
Erkundigungen eingezogen. An Steile des Fürsten von Nassau-Dillen- 
burg ist dessen Sohn eingesetzt worden, hat aber dawider ezcipiert; der 
Wolfenbütteische Gesandte hat erklärt, dass er mit Vollmacht versehen 
sei, das gesamte fürstl. Anhaltische Haus hat das votum dem Sachsen - 
Gothaischen Gesandten aufgetragen, welchem von dieser Sache nichts 
bewusst ist, und mit Nassau-Dillenburg ist es noch nicht richtigt 
Jena führt dieses Votum, I^falz-Neuburg wird aber vermuthlich gegen 
ihn axcipieren lassen. Ges. glauben, dass hier in dieser Sache schwerlich 
etwas Fruchtbares wird verrichtet werden können^), zumal ingemein da- 
für gehalten wird, dass gegenwärtiger Reichstag sich in kurzem endigen 
dürfte. 

Wegen des Kriegsraths haben, da auch die Alliierten an demselben 
Theil haben wollen, das kurf.- und fürstliche Coilegium die Einsetzung 



>) Auch Kf. (d. Cola I2./22. Apnl 1664) erklärt aaf Graod dieses Berichtes, 
die Kommission werde sich dort bei dem Reichstage nicht füglich expedieren 
lassen. 



236 ^' ^^f Aofang dei Re^nsbnrger Beichvtagea. 

TOD Tier Kriegsrätheo beschlossen *) , die Reichsstädte wollen aoeh zwei 
dazn ordnen, worüber man aber noch nicht einig ist. Ueber die Befugnisse 
der Reichskrieg^raths-Directoren wird etwas concipiert werden. 

Das Ton den Ges. entworfene Empfehlnngsschreiben des Kurfürsten- 
collegiums in der Jägerndorfer Sache ist im CoUeginm angenommen 
nnd wird Ton K.Mainz dem Kaiser insinuiert werden. Oes. bekommen 
auch nonmehr etwas bessere Hoffnung dieser Sache wegen als zuvor, in- 
dem sie vernommen, man solle an Seiten des Kaisers entschlossen sein, 
deswegen mit ihnen in Conferenz zn treten. 

Ges. übersenden den im KurfürstencoUeg angenommenen Entwurf einer 
Consta ntis capitnlationis, der jetzt den Fürsten übergeben ist 

K.Mainz prätendiert votum et sessionem im Fürstenrath für Lorsch, 
auch Fürst Porti a fängt an dergleichen zu suchen'). 



Dieselben an den KurfUrsten. D. Regensburg 8./ 18. April 1664. 

[Beihälfe zur Artillerie. Zasammenkonft der EvetDgeliachen.] 

18. April. Im karf. Collegio haben sich dieser Tage alle, aasgenommen sie und 
die K.pfälzische Gesandtschaft, erboten, dem Kaiser wegen der Artillerie 
8 Römermonate zn zahlen^). 

Die gesamten Evangelischen Fürstlichen hielten unter Vorsitz von 
Magdeburg eiue Zusammeuknuft nod beriethen über 6 Punkte: 

1) Religionsfreiheit für die seh lesischen Unterthanen. 

2) Monita wegen der Reicbshofrathsordnnng. 

3) Visitiernng des Reiebsbofratbs durch K.Mainz allein. 

4) wegen der Sache des Herzogs C bris ti an von Mecklenburg^) und 
der ihm angeblich vom Kaiser ertheilten Dispensation. 

5} was bei der Erfurter Achtsacbe zn thun. 

6) wegen Klagen evangelischer Unterthanen im Stift Bamberg. 

Es wurde beschlossen^): 

ad 1. Wegen der evangelischen kaiserlichen Erbunterthanen solle 
K.Sachsen durch eine Deputation aufgefordert werden, persönlich dem 



CoDclusum vom 30. März/9. April 1664 (Londorp IX S. 251. Pachner 
V. EggeostorfflS. 82). Die Instruktion für den Reichskriegsrath Yom 17./27. März 
Londorp IX S. 244 ff. 

^ S. die betreffendeo kaiserlicheo Decrete Yom 31. und 27. März 1664. 
Pachner v. Eggenstorf f I S. 79. 85. 

') S. Gemeiner I S. 173. 

*) S. Urk. u. Akt. IX S. 646. 

^) S. diese Beschlüsse (d. Regeosburg 28. März (?), dict. 4./ 14. Mai 1664) 
bei V. Scbaoroth, YolIstäDdige Sammlung aller UoDclusorom, Schreiben und an- 
derer übrigen Verhacdlungeo des hochpreisslichpo Corporis Evangeliconim L 
S. 518. 



/ 



Zaiammenkanft der BvaogeliacheD. 237 

Kaiser sosoreden, dass dasjenige erhalten werde, was dem lostr. pacis 
gemäss sei'}. 

ad 2 ond 3. Die Reiehshofrathsordnong sei durchzogeheo, die nöthigen 
monita zq verfassen nnd hernach eines gewissen sn vergleichen nnd zn be- 
obachten, dass solche Ordnung zn wirklicher Observanz komme. Inzwischen 
solle E.M ainz ersncht werden, mit der beabsichtigten Visitation einzuhalten. 

ad 4. Wegen des Herzogs Christian von M ekle nbnrg solle durch 
die Deputierten mit E.Sachsen vertraulich communiciert werden, dass den 
Evangelischen dadurch nichts beschwerliches zustehen, sondern das ausge- 
wirkte kaiserliche Decret wieder cassiert werden möchte *), hernach solle 
auch mit dem französischen Gesandten Oravel daraus geredet werden. 

ad 5. An die Stadt Erfurt wolle man ein bewegliches Schreiben 
abgeben lassen, um sie zur Parition zu ermahnen, worin aber der wider sie 
gebrauchte Process nicht zu.billigeD. 

ad 6. Wegen der evangelischen Unterthanen im Stift Bamberg 
könne die von ihnen verlangte Kommission nrgiert werden. 

K.Sachsen ist gestern, der Bischof von Münster vor einigen Tagen 
abgereist, Feldm. Sparr geht hente zu Wasser nach Wien. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensbnrg 

15./25. April 1664. 

[Unterhalt der Reichageneralitat. Kaiserliche Beatätigang des TestameDtes 

des Kf.] 

Ges. haben im Fürstenrath umständlich vorgestellt, warum Kf. seine 25- April. 
Truppen zu der kaiserlichen Armee hat stossen lassen, nnd dass ihm daher 
nicht zngemuthet werden könne, zu Unterhaltung der Kreis-Generalität, 
Anschaffung des Proviants und dergl. etwas zu contribuieren. Die Kreis- 
stände sehen ein, dass ihnen der Unterhalt der Generalität und vieler an- 
derer Dinge sehr schwer fallen dürfte, aus welchen Ursachen nnd Unge- 
wissheiten das ganze Werk stecken bleibt. 

Die vom Kf. über seine inter screnissimos filios aufgerichtete Dispo- 
sition *) begehrte Confirmation durch den Kaiser wird in wenigen Tagen, 
wie ihnen zugesagt worden, ausgestellt werden. 



*) S. das deswegen an den Kaiser gerichtete Schreiben der Evangelischen 
Staude, d. Regensbnrg 13. April 1664, v. Schaaroth II S. 19. 

') S. das Schreiben derselben von demselben Datum, v. Schaaroth II 
S. 172. 

^) Das Testament des Kf. vom 23. März 16G4, die kaiserliche Bestätigung 
ist vom 29. April 1664 datirt, s. Droysen, Das Testament des Grossen Kur- 
fürsten S. 9 (Gesch. der Pr. Pol. IV 4 ö. 133). 



2.1 

I 

C. h 

I 



Dieselben an den Kurfürsten. D. llegensbnrg 
22. Äpril/2. Mai 1664. 

[HinKiebang der Jü^erodorrar Sache. Die schwedische BelehDnng.J 

la der JägerndorfEcheu Sache geschieht Crots aller ihrer Beniühaii 
gen nichts, es ist den kait^eiüoben Ministem duniit kein Ernst und sie 
suchen nur diese Sache auTzuschieben. Die Schwedischen GeeaDdten 
haben ibneo eine AbEcbrifC des Lebubriefs niitgetbeilc, die InreEticar selbt 
soll auf heate angesetEt sein. 

In den CoUegien ist bisher vornehmlich von Unterhalt der Geoeralitä^. 
BesetEuug des OeneraUtabs und der Kriegskanzlei ferhandelt worden')' 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 
26. Aprit/[6. Mai] 1664. 
[Beilegung der Erfurter Sache.) 

Der Kath von Erfurt hat iu einem Schreiben') um seine Cüoperatiaa 
gebeien, dHniit die Stadt wieder aus der Acht erledigt werde. Ges. sollen, 
wenn diese Sache Torkommea Gollce, sieb derselben annehmen und dabin 
wirken, dass sie gütlich beigelegt werde, insonderheit aber dabei in Acht 
nehiDen, dass K.Maiue dadurch nicht diägustiert werde. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. ßegeusbnrg 
29. April / 9. Mai 1664. 



[Kiorühraug Portias. Die i 



len Vota. Resülutian wegen Jägerndorfa. 
discbe Belebnnng.] 



a bat die begehrte i 
ihuTg in den Fürste 
gesucht'), da'is n 



Zession erlangt*) und i^t »om Em- J 

jratb eiugerübrt worden; es werden I 

i<:h nicht wohl darin schicken kann, 

und es dürfte aus Incliniition, Freundschaft, gegenwärtigem oder künftigem 1 

Interesse fast allen gelügt werden, ob zwar viel nützlicber wäre, die ?ot« f 

zn verringern und zu contrahieren. Wenn noch mehrere recipiert werden | 

') S. Gemeiner I S. 176ff. 

') d. 14./24. April 1Ü64 b. unlen Abacbn. 6. 

») S. Gemeiner I S. 1Ü2. 

•) Vgl. die Relation vom lÖ./SS. Mare oben S. 233. Die kaiserlicheD Decrett \ 
betreffend die Ädmissioa von E.CÖIo uod Herzog JaiiuB Heinrich t«i 
Laueubnrg fiir Gngern und Westfalen (d. 2!). April) und von Münster & 
Stromberg (d. 2. Juli 1653, dict. Regeasburg .■>. Mai 16iU) bei Facheer v.Bggeo- 
sturff I H. 90. Ii2. 




Kaiaerlicbe Resolatioo wegen Jagerndorf. 239 

soUteo, erklären etliche Häoser^ sich garnicht mehr durch majora binden 
lassen zo wollen. 

In der Jägerndorfschen Sache haben sie endlich beifolgende kaiserliche 
Resolntion *) erhalten, darinnen nurten die vor diesem gebotene Summe, 
von welcher man anfänglich alhier nichts wissen wollte, agnosciret 
und confirmiret wird. Wir haben zwar ein mehreres gewünscht und 
die Restitution des Landes prätendiret, weil aber keine andere Re- 
solution zu erhalten gewesen, haben, wir* diese uns zugeschickte — 
angenommen, und stunden gar nach so langem Verzug in Furcht, man 
werde uns ohne alle Antwort lassen. 

* Am 25. haben die Schwedischen Gesandten die Reichsbelehnung 
empfangen^), am folgenden Dienstag Dänemark die über Holstein. 

Der Kaiser ist gestern nach Linz abgereist'). K.Mainz wird anch in 
.'} — 4 Tagen abreisen. 



>) d. Ratisbonae G. Maii 1664: «Der R5id. Key. auch za Hongaro and 3o- 
hemb Kooigl. Majestät, uuserm allergDädigsten Herrn ist ausführlich vorgetragen 
worden, was bei deroselben H. Conrad Aschen von Mahrenboltz und H. 
Gottfried von Jena auf gnädigsten Befehl Ihrer Churf. Dnrchl. zu Branden- 
barg wegen des Fürstenthurobs Jagerodorff angebracbt, seiot auch höchstbesagter 
Ihrer Key. und Königl. Maj. die vielfältig und hocherspriessliche Dienste, welche 
dero hochlöbl. Ertzbaus Ihre Charf. Durchl. und dero hochgeehrte Yorfahreu 
ganz rühm- und annehmlich geleistet und noch weiters za leisten vermögen, wohl 
bekannt, welche ansehnliche merita, gleich wie Ihre Key. nnd Königl; Maj. zu 
dero danknehmigcn Gemütb ziehen und hoch estimiren, also hätten Sie auch wün- 
schen mögen, Selbe mit der hiebevor vertrösteten Erkantnuss der einmalhundert 
and achtzigtausend Reichsthaler zu begegnen und Ihro Durchl. mit der Bezah- 
lung an die Hand zu geben. Es ist aber Ihro Durchl. selbst wohl bekannt und 
menniglich vor Augen, in was kummerbaften Zustand Sie sich leider der Zeit 
befinden und nit allein dero Cammergefall aufs höchste erschöpfet, sondern auch 
seithero des Welitzkiscben Salzes Mittel Ihro entfallen und dergestalt wider 
Ihren Willen und Zuversicht dasjenige zu prästiren nicht vermögen, wessen Sie 
sich hiebevor gegen Ihre Durchl. vernehmen lassen. Haben deruhalben zu 
Deroselben das gnädig freundoheimliche Vertrauen, Sie diese so beschwerliche 
Zeit selbst erwägen und in dessen Ansehung in gutwilliger Geduld stehen wer- 
den, mit dieser Versicherung,. dass sobald Sie die hierzu erforderte Mittel haben 
wurden, Sie die hievorige willfährige Erklärung berührter Summen Bezahlung 
Ina Werk setzen und sich dergestalt bezeigen wollten, dass Ihro Durchl. Ihrer 

Key. Maj. Affection und dankbares Gemäth in der That verspüren sollen. * 

In seinem Schreiben an den Kf. (d. Regensburg 7. Mai 1664) bezieht sich der 
Kaiser auf diese Resolution und ersucht Kf.: „bei jetzigen kummerhaften Zu- 
stand sich hierinnen von Selbsten finden und wegen Werkstelligmachung unserer 
hievorigen will^hrigen gnädigsten Erklärung noch in etwas in Geduld stehen** 
za wollen. 

'i S. oben Abschn. 3 S. 102. 

^ S. Diar. Europ. XI S. 220. 



I 



4. Der Anfang das Beganabarger ReJuhstage«. 



Der Kaiizlist Pn 
Disposition'} nach ßi' 



lese geht heute mit der 7om Kaiser coDfirmierteo 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regenaburg 5./1Ö. Mai 1664. 

[VerbandlnDgen dea KurfllrBten v 



jcliwedigcbeo QeBaadiea mit 



PTslz-Neuburgl 



i. Zu Pfalz NeuLurg, welthfr (-ieli, um den Kaiser zu Straubing &af- 
KU^ucheu, iu der Nabe in einem Cluster aufgeballeo bat, sind K.Mains 
und der scbwediscbe Gesandte Schnolski gefahren und habeo mit dem- 
selben, wie sie den Ges. mitgetheilt, wegen des Julichsi-hen Beügions- 
streits und dea Westfäl ischeu Kreiadirertoriums geredet; der Pfalzgrkf 
bat erklärt, er sei aa dem Vorgegangenen nicht Ursache, ein Beamter^ 
hätte über Befehl gehandelt, aei nuch dafür bestraft und des Dienstes ent- 
setzt. Er wäre geneigt, das Keligionswesen auf ein gewisses nnd bestän- 
diges kommen zo lassen, und würde das Dircctorinm nicht eher Terwilligen. 
K. M ai n z bittet, Kf. möchte es imr noch jetzt in statu qno auf ein iaterim 
lassen und niebt ferner zo einer oder anderen Execution schreiten, damit 
die Sache dadurch nicht schwerer würde; auch die PfalK-Neuburgischea, 
mit denen sie wegen der Sache geredet, und der Schwedische raten, 
alles TorläuGg in dem jetzigen Zustande zu lassen, bis entweder die Inlcr- 
po^ition oder die Komraisbion znm Ende gelnuge. 



Der Kurfürst an die Gesandten. 
11./21. Mai 1664. 



D. CöIq 



[■nf die Relation vom 29. April/9. Uai. Die neuen voU. Beitrag %a dem Uoter- 

halt der Genaralilät nnd der Artillerie. Die kaiaerlicbe ReeolDtioa in der Jägero- 

dorfer Sacbe.] 

i. Wegen der gesuchten neuen vota (ausgeuommen Querfurt) fiolleo J 

Ges, auf die Inconveiiicntieo, welche aus Muitiplicetioii derselben eot^tehen, .[ 
und wie durch di'iselbeu dem Reich so garkein Nutzen zuwachsen würde, hia- I 
weisen. Wenn anderen neue Sessionea zugestanden würden, so behalte sieb I 
auch Kf- Tor, dergleichen wegen der Neumark, der Stifter Urandenb 
Havelberg undLebus und der Grafacbaften liuppin und VierradeaJ 
zu suchen. 

Was andere Kur- und l'^üreteu zu den Unterhalt des Kriegsratsl 
und der ArtoUerie verwilligeu, lassen wir dabiu gestellet sein, UaM 



. S. oben S. 214. 217. 219. 



Die Denen vota, die Erfarter nnd Bremer Sache. 241 

§ 

aber habt Euch dazu nicht zu erklären, sondern uns die freie Hand, 
ob wir dazu etwas geben wollen oder nicht, vorzubehalten. 

Mit der Keyserl. Resolution wegen Jägerndorff können wir nicht 
zufrieden sein, weil aber nach Abreise Ih. K. M. bei gegenwärtigem 
Reichstage dabei schwerlich ein mehreres wird können gethan werden, 
als werden wir die Notturft desshalb sonst beobachten lassen. — 



Die Gesandten an den Kurfllrsten. D. Regensburg 

20./ 30. Mai 1664. 

(Die Denen vota. Die Erfnrter Sache. Beschwerden Bremen« aber die Schwe- 
dische Regiernng.] 

Dnrch ihre nnd der meisten anderen Weltlichen Bemühungen ist es 30. Mai. 
dahin gebracht worden, dass die neuen prätendierten sessiones et vota, aus- 
genommen Querfnrt, Snizbach und Lorsch, verschoben worden sind, 
sie haben es aber nicht verhindern können, dass auch C ammin, obwohl es 
sich bei demselben nur um den ihm zu assignierenden Ort handelt, den 
übrigen gleichgestellt worden ist. 

Zu Anschaffnng nnd Unterhaltung der Artillerie ist wegen des Kf. 
nichts verwilligr, sondern die Sache von ihnen so beobachtet worden, dass 
als diejenigen Stände, welche hiezn contribuieren, specificicrt worden, Rf 
darunter nicht befindlich gewesen. 

Von der Stadt Erfurt Acht ist es eine Zeit lang ganz still gewesen, 
man hört von keiner Handlung, welche hier vorgenommen werden sollte, 
auch von dem, was zwischen K.Mainz und K.Sachsen hier deswegen ab- 
geredet 8 ein mag, ist keine weitere Nachricht, als dass K. Sachsen den zu 
ihm namens der evangelischen Stände abgeschickten Deputierten versichert 
hat, dass von K.Mainz der Religion in der Stadt kein Nachtheil zugezo- 
gen werden würde, dass aber ein Reichsstand sein Recht proseqniere, 
könne mau demselben nicht verdenken. 

Die Fürstlichen haben jetzt die vom kurfürstlichen Collegio projec* 
tierte beständige Capitnlation unter Händen nnd stellen in Aussicht, dass 
sie bald mit ihren monitis dazu fertig sein würden. 

Die Stadt Bremen 7 beschwert sich beim Kaiser über die Schwe- 
dische Regierung, dass diese der Stadt Gefalle in den unter schwedischer 
Territorialhoheit stehenden Dorfschaften arrestiert, weil sie ihr Contingent 
an der Contribution nicht zu der Landkasse geliefert; ferner darüber, dass 
sie trotz zweier kaiserlicher Decrete nicht im Niedersächsischen Kreise ad 



1) S. Dontze, Gesch. der freien Stadt Bremen IV S. 138. 146 und unten 
den Abschn. über die Bremischen Händel. 

Mater, c. Gesch. d. G. Karfürsten. XI. 1(3 



242 ^' I^cr Anfang des Regeusbarger Reichstages. 

Yotom et' sessioDero zugelassen worden, der Kaiser will wieder in dieser 
Sache ein Ootachten der Kurfürsten^) fordern. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Oöln 

7./[17.] Juni 1664. 

[Beförderung der Türkenhülfe. Wegen Beilegung der Streitigkeiten mit Pfal^-Nea- 

bürg erwartet Ef. Vorschläge.] 

17. Juni. Da man mit den Berathungen über die . Reichsdef^nsion gegen die 
Türken noch immer nicht zu Ende gekommen ist, sollen Ges. sich der Be- 
förderung der Sache annehmen, wobei dann das Absehen nicht blos auf 
dieses Jahr, sondern auch, weil leider der Frieden mit den Türken in so 
kurzer Zeit nicht zu hoffen, auch darauf zu richten sein wird, wie es ins- 
künftige und zwar so lange der Krieg währet zu continuieren , und dass 
man auch von Zeit zu Zeit recrntiere. 

In der Westfälischen Directions- und Jülichschen Religionssache 
sieht er nicht, so lange keine Vorschläge geschehen, wie er ihnen weitere 
Information oder Vollmacht geben könne, doch hat er an seinen C le- 
vis chen Statthalter und Regierung geschrieben und ihr Gutachten, wie 
aus der Sache zu kommen und was für Mittel und Vorschläge sich dazu 
finden möchten, gefordert, unterdessen sollen Ges. denen, welche sich 
zur Interposition erbieten, dafür Dank sagen und sie bitten, ihre Vorschläge 
zu eröffnen. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 

10./ 20. Juni 1664. 

20. Juni. Es wird jetzt über die Instruktion des Reichsfeldmarschalls, des Reichs- 
kriegsraths und der Directoren desselben berathschlagt '^)y dann soll darüber 
verhaüdelt werden, wie lange diese Reichshülfe dem Kaiser zu leisten sei'). 



') Ueber das frühere Gutachten der Kurfürsten in dieser Bremiocheo Ao- 
gelegeoheit s. oben Abscho. 1 S. 33 f. und 55. 

^ 8. Gemeiner I S. lOo. Die Instruktion für die Reichskriegsrathsdirek- 
toren d. 22. Joni 16G4 Londorp IX S. 264. Pachner v. Eggenstorff I 
S. 111 ff. 

^ Ef. erneuert in Bezug darauf (d. Cöln 21. Juni/1. Juli 1664) seine In- 
struktion vom 7./ 17. Juni, dass wegen der Dauer der Hülfe keine bestimmte Zeit 
festzusetzen, sondern dieselbe, so lange der Krieg dauere, zu leisten und von 
Zeit zu Zeit, namentlich im nächsten Herbst, zu ergänzen sei. 



Bevorstehende Aafloenng des Reichstages. WahlcapitalatioD. 243 

Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 

24. Juni /4. Juli 1664. 

[ WahlcapitalatioD.] 

Die Capitolation ist von den weltlichen Fürstlicheo wieder dorchge- 4. Jali. 
gangen und nach ihrer Meinung eingerichtet und darauf den geistlichen 
übergeben worden, um deren Willen ebenso zu vernehmen. Dieselben wer- 
den heute dazu zusammenkommen und haben anch Ges., die als kurfürst- 
liche von den Weltlichen nicht gerufen worden waren, eingeladen ; einer von 
ihnen wird sich auch dort einfinden. Das jus adcapitnlandi, welches das 
kurfürstliche Colleg sich reserviert, ist in dem von den Weltlichen ge- 
machten Aufsatz ganz ausgelassen worden. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln a. d. Spree 

5./ 15. Juli 1664. 

[Angebliche Absiebt, den Reichstag anfzalosen.] 

Er theilt ihnen mit, was K.Pfalz an ihn wegen Aufhebung des Reichs- 15. Jali. 
tages nnd dass derselbe in einen Deputatioustag möge verändert werden 
gebracht, sowie seine Antwort darauf und ein darauf bezügliches Schreiben 
an K.Sachsen ^). Sollte etwas wegen Dissolution des Reichstages vor- 
kommen, so sollen sie sich nach seiner dort ausgesprochenen Meinung richten. 



G. V. Jena^ an den Kurfürsten. D. Regensburg 

15./ 25. Juli 1664. 

[auf das Rescript vom 5./15. Jali. Berathnogen der Geistlichen über die Wahl* 

capitalatioD.] 

Es soll dahin getrachtet werden, dass die etwa beabsichtigte Disso- 25. Juli, 
lation des Reichstages verhütet bleibe, oder aber, wenn ein Deputationstag 
beliebt würde, solcher ohne alle Trennung angetreten, auch die Reise der Ge- 
sandten von hier auf Nürnberg oder Augsburg unerwartet eines neuen 
Ansschreibens gerichtet nnd die Handlungen daselbst fortgesetzt werden. 

Die Instruktionen für den Reichskriegsrath, den Feldmarschall und die 
General- Com missarien sind jetzt fertig*); inzwischen haben die Verhand- 
lungen über die Capitulation von selten der geistlichen nnd einiger welt- 
lichen Stände, welche von den Weltlichen vorher ausgeschlossen waren, 
begonnen. 

') Diese Schreiben liegen den Akten nicht bei. 

^ V. Mahrenholtz war wieder nach Halberstadt verreist. 

^ S. über diese langwierigen YerbaDdluDgen Gemeiner I S. 205ff. 

16* 



244 4- I^cr Anfang des BegeoBbarger Reichstages. 

• 

Man hat aach dort das von den Korfürstlichen abgefasste Project za 
Grau de gelegt, gleich über das Prooemiam aber waren die Meinongen sehr 
verschieden, schliesslich hat die Majorität sich für die Fassaog: „So ist ein> 
mal ein Project derselben vom Chnrf. Collegio abgefasst, in allen dreien 
Käthen für Hand genommen, berathschlaget nnd endlich erdeatete Capitu- 
lation erkläret worden, wie folgt,^ entschieden. 

Wegen Rekrutiernng der Reichsarmee ist einmüthig beschlossen wor- 
den '), dass alle Stände den Abgang ihres Contingents an Mannschaft 
spätestens bis Mitte September ans eigenen Mitteln zn recrntieren schuldig 
sein sollen. 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Regensburg 
22. Juli / I.August 1664. 

(Oesach des Kaisers am Beihälfe zar Artillerie. Yerhaadlangen der Geistlichen 

über die Wahlcapitulatioo.] 

l.Ang. Nachdem es mit den Instmktionen und Rekruten seine Richtigkeit er- 

langt, ist roateria assistentiae fast gänzlich abgethan. Doch lässt der Kai- 
ser nnn wieder um etliche Römermonnte zn Anschaffung und Einrichtung ei> 
ner nöthigen Artillerie anhalten ^. Die Alliierten wollen sich hierin gänzlich 
ezimieren, weil sie deswegen mit dem Kaiser einen besonderen Vertrag 
gemacht, auch manche andere Stände zeigen wenig Neigung, dazu zu con- 
tribnieren; Ges. wollen nach ihrer Instruktion dahin arbeiten, dass dem 
Kaiser zu diesem hochnöthigen Dinge ein Zuschub geschehe. Bei den 
weiteren Verhandlungen wegen der Capitnlation hat namentlich der Passus 
wegen der Wahl eines römischen Königs bei Lebzeiten eines Kaisers grosse 
Schwierigkeiten gemacht, die M;gorität der Geistlichen hat beschlosseo, 
diese Frage vorläufig auszustellen. Diese Verhandlungen zeigen, dass die 
meisten Fürsten entweder das Recht des kurfürstl. Collegii zu schmälern 
oder das, was ihnen zu gute in der entworfenen Capitnlation enthalten, auf 
Rechnung zu nehmen und nach und nach mehr an sich zu ziehen gedenken. 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Regensburg 
29. Juli/ 8. August 1664. 

[Gesach Erfarts. Glückliche Käinpfe bei Parkao und au der Raab.] 

8. Aog. Wegen der Stadt Erfurt hat sich einer bei ihnen angemeldet und 

das instrumentum paritionis und ein Memorial übergeben, worin der Rath 
die Gesandten ersucht, nachdem nnn die Einführung der Qebetsformel 
erfolgt sei, sich zu Gunsten der Stadt zu verwenden und auch bei Kf. ihre 

Dict. 23./13. Juli 1GG4. Pachner v. Eggeostorff I S. 125. 
^ S. Gemeiner I S. 218 ff. 



i 



Wablcapitalatioo. Glückliche Kämpfe gegen die Tnrkeo. 245 

Sacbe zo recommeodiereD. £r hat geantwortet, Kf. hätte sich deswegen 
schon beim Kaiser verwendet nnd hätte auch der Oesandtschaft dem ent- 
sprechende Befehle*) ertheilt. 

PS. Der Erzbischof von Salz borg hat ihm gestern Abend noch 
spät eben eingetroffene Briefe des Kaisers mitgetheilt, welche melden, dass 
General de Sonches Barchan erobert nnd die Donanbrücke bei Gran 
zerstört ^), und dass die conjnngierte Armee die Türken, welche mit ganzer 
Macht die Raab haben passieren wollen, nach langem Gefecht') glücklich 
zurückgetrieben und einige Tansend erschlagen habe. 



Der Kurfürst au die Gesandten. D. Cöln 2./ 12. August 1664. 

[Bewilligaog der Beibülfe zur Artillerie. Wahrung der Rechte der Karfürsten.] 

Kf. befindet für billig, dass dem Kaiser wegen der Artillerie von den 12. Aug. 
Reichsständen, aber ebenso auch von den Alliierten mit einigen Römer- 
monaten an die Hand gegangen werde; in betreff der Höhe des Beitrages 
sollen sie sich nach den Vorsitzenden im knrfürstl. CoUeginm richten. 

In betreff der Capitnlation findet Kf., dass man nunmehr den Kurfürsten 
recht ans Herz greife, indem man ihnen die freie Wahl eines römischen 
Königs vivente imperatore zu entziehen und selbige allen Ständen gemein 
zu machen gedenkt, Ges. haben bei ihrem Widerstände dagegen zn behar- 
ren, da hierin der Kurfürsten Recht klar durch die Observanz bestätigt 
ist. Kf. könne daher die Aussetzung dieses Punktes nicht verwilligen, es 
sei denn, dass in den Reichsabschied gesetzt würde*, man hätte sich über 
diesen Punkt nicht vergleichen können nnd die Kurfürsten hätten sich ihr 
Recht vorbehalten. 



G. V. Jena an den Kurfürsten. D. Regensburg 

5./ 15. August 1664. 

[Recrutierong. Beitrag zur Artillerie. YerpflichtuDg der Landstande za den 
LegdtiooskosteD beizutragen. Erklärang Gravels.] 

Die Recrutierung ist bewilligt, die Mannschaft soll Mitte September in 15. Aug. 
Ungarn sein. Oott gebe, dass die Zeit besser, als verwichen, mit der 



1) S. das Rescript vom 26. April /6. Mai oben S. 238. Kf. weist darauf die 
Gesandteo (d. Cöln 9./19. August 1G64) ao, iu betreff dieser Erfurter Angelegenheit 
die Meinung der anderen Kurfürstlichen, namentlich von K.Mainz zn sondieren. 

^ S. darüber unten Abscbn. 5. 

^ Gemeint ist die Schlacht bei St. Gotthard am 1. August 1664. S. das 
Schreiben des Kaisers an d^n Erzbischof von Salzburg (d. Wien 4. August 1664) 
und die Relationen des Markgrafen Leopold von Baden (d. Furstenfeld 
4. August 16^54) und des Grafeo Hohenlohe (d. Feldlager bef St. Gotthard 



246 ^' ^^r Anfang des Regeosbarger Reichbtages. 

Reich>hülfe beobachtet werde, ein Theil der Kreise hat die Ihrigen erst im 
Joli oder gar im Angnst geliefert , von mancheu Mannschaften wird wohl 
wenig oder garolchts übrig sein, daher wird die Recratierung sehr schwer 
fallen nnd wohl nicht viel anders als auf eine nene Leistung des tripli 
auslaufen. 

Nachdem das Eurfiirstencollegium schon am 6./ 16. Mai sich zo 8 Rö- 
mermonaten als Beihülfe zur Artillerie erboten, hat jetzt auch die Majorität 
des Fürstenrathes beschlossen i), dem Kaiser dazu einen Beitrag zu leisten. 

Ebenfalls ist beschlossen worden'), dass die Landstände nnd XJnter- 
thanen die Legationskosten zu Reichs-, Deputations- und Kreistagen mit- 
tragen sollen. 

Der französische Gesandte Gravel hat neulich gegen Jena erwähnt, 
dass die Tractateu zwischen dem Könige und dem Kf. den Schlnss er- 
reicht') und er den Befehl hätte, wenn Sachen, des Kf. Interesse betreffend, 
vorkämen, solche von selten seines Königs zu secundieren^). 



Derselbe an den Kurfürsten D. Regensburg 

12. /22. August 1664. 

[Beitrag zur Artillerie. Erklärung der Alliierten.] 

2*2. Aug. Wegen der Artillerie ist es noch nicht zur Re- und CorrelatioQ ge- 

kommen, da das im Fürsteurath gemachte Conclusum mehr eine Erzählung 
unterschiedlicher Meinungen, als ein gleichstimmender gewisser Schluss ist 
Die geistlichen Fürsten sind noch mit der Berathung über die Wahl- 
capitulation beschäftigt. Punctus gravaminuni et restituendorum bleibt noch 
immer cum magno gravamine gravatorum unangegriffen. 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Regensburg 

19. /29. August 1664. 

[Verbandlungen im Färstenrath über ContiDuaiion der Türkenhülfe.] 

20. Aug. üeber die Continuation der Hülfe wider den Erbfeind ») ist im Fürsteu- 

rath eine Umfrage gehalten, aber sehr ungleich gestimmt worden, viele 

2. August 1G64) an die Reichstagsgesandteu Diar. Europ. XI S. 423 ff. Lon- 
dorp IX S. 274 ff. 

») S. Gemeiner I S. 218 f. 

3) S. Gemeiner I S. 219. 

^ S. über die neuen, zum Abschluss führenden Unterhandlungen v. Blamen- 
Ihals in Paris, Juni bis August 1GG4, Urk. u. Akt. IX S. G82ff. 

*) Kf. weist darauf die Gesandten an (d. Cöln 16./26. August 1664), Gravel 
dafür zu danken und zu versichern , dass auch er. sich werde angelegen sein 
lassen, die billigen Interessen des französischen Königs zu befördern. 

^) S. über diese Verhandlungen Gemeiner I S. 221 ff. 



I 



WahlcapitalatioD. Erfurter Sache. 247 

haben die EntseheidoDg darüber noch verschieben wollen, nm, wenn der 
Kaiser in puncto capitulationis nnd sonst ihnen nicht zn Willen wäre, ihm 
die Assistenz entziehen zu können, nnd da sie fürchten, dass, wenn es mit 
dem puncto auf etliche gewisse Jahre seine Richtigkeit erlangte, der Reichs- 
tag werde aufgelöst werden. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Oöln 29. Ang^t / 
• [8. September] 1664. 

[Behandlung der Wahlcapitalationssache. Die Erfurter Angelegenheit.] 

Wegen des punctns capitulationis hat das gesamte kurfürstliche Colle- 8. Sept. 
gium zu verhüten gewünscht, dass man hierüber zu keinen ordentlichen 
Deliberationen , noch weniger aber zu den gewöhnlichen Re- und Corre- 
lationen kommen möchte, Ges. sollen also danach handeln und dahin wirken, 
dass man sich sonst extraordinarie wegen der monita des fürstlichen Colie- 
giums vergleichen möge. 

Die £.rfnrter Sache findet E f. so beschaffen, dass, wennK.Mainz 
bei seiner Resolution, die Stadt mit Gewalt zu bezwingen, verbleiben sollte, 
daraus leiiht ein grosses Feuer im Reich angesteckt werden könnte. Da- 
her hat er an K.Mainz geschrieben und ßerlepsch an denselben ge- 
schickt, nm ihn von der vorhabenden Expedition abmahnen zu lassen ^), 
Ges. sollen inzwischen mit der interessierten Kur> und Fürsten Abgesandten, 
als Sachsen-Altenbnrg, Weimar und Gotha, aber nicht weniger 
mit den Rgl. Schwedischen nnd Braunschweigischen und Hessi- 
schen daraus commnnicieren. Sollten di^elbeu dahin zielen, dass nomine 
imperii an E.Mainz geschrieben und derselbe davon dehortiert werden solle, 
haben sie solches mit zu befördern. 



V. Mahrenholtz und v. Jena an den Kurfürsten. D.# Regens- 
burg 2./12. September 1664. 

[B erathuDgen und Massregelo der Evangelischen in der Erfurter Angelegenheit.] 

In den gemeinen Reichsgeschäften ist diese ganze acht Tage her nichts 12. Sept 
gehandelt worden'), weil glaubwürdige Kunde gekommen, dass K.Mainz 
Truppen zusammengezogen, zu denen auch lothringische Truppen gestossen, 
nm die Execution an Erfurt zu vollstrecken, auch würden dazu noch et- 
liche tausend französische, um Metz stehende, und andere Völker erwartet. 
Durch diese Zeitung sind die evangelischen Fürsten bewogen worden, vor 
acht Tagen, 26. August/ 5. September, aus der gemeinen Rathsstube ab- 



') S. unten Abschn. 6. 

S. Gemeiner I S. 224 ff. Kocher I 8. 334 f. 



248 ^- *^<" Autaag d«B RegoDBburger KniobaUgcB 

zutreten uod sich in der DepQtar.inn-^stube allein zu verGammeln, dshia auch 
Hulberatadc uus (lern kurFiirfitlicbeD (Jollegio gerufeu wordeu. Die 
liberationen sind auch Sonnabend und Sonnla^t rortgeselzt worden, manche 
waren der Ansirht, man sollce den Österreichiücheu Gesandten ftndeateo, 
dass, wenn der Kaiser die>ie[a get'.ihrdruhendpn Wesen nicht steuerte nnd 
K. Mainz zurückhielte, die evan«!(-li8chen Stände den Ratb uicbt mehr be- 
suchen, keine Kecruten scbickeo, ja ihre in Ungarn stehenden Völker zurück- 
rufen würden; Jeiiu aber erscbien dies noeb zur Zeit zd liertig uad er 
bcbltig gelindere Mittel vor. Darauf wurde für gut belunileu, da^un zu alt- 
etrahjei'en, und geht der vom Magdeburgischen Directorio abgetanste tichluss ') 
dabin, im Namen der ETaugeliücben au den Grzbiscliol' rou Salzbn 
H. Gravel und an die Österreichische Geeandtschart gewisse deputati 
abzasenden, die das in dem concluso Enthaltene remonbirieren sollen. 

Am Montag liess der karsächsische Gesandte, H. Strauch, 
evaugelische Kur-, Fürst-, Graf- nnd Städtische in sein Quartier laden, 
auuh Mahrenholtz') sich einfand. In seiner Proposttiou wurdä des Er- 
furter Wesens Epet:ialiter nicht gedacht, sondern nur genemliter yorge- 
tragen, wie ein Tbeil der Augsbnrgischen Religiou&vei'waudleü scboii lange 
begehrt, einen soluhen Coiivent ku halten, und weil nunmehr der puuctus 
restituendornm et gravaminum vorkommen suUte, da auch von der Visitatioa 
und Ordnung des Hcichshofraths zu reden, wollte er vernehmen, was die 
Stände hiebei oder auch sonst zu erinnern halten, darauf der kurpfäizjs 
sofort nuf Erfurt gefallen und ausgeführt, wie dieses dae aller wichtigste 
sei, dessen Meinung die Nachstimmenden gefolgt, da dann das bereila ge- 
machte fürstÜLhc Rouclusum in Umfrage gesiclll, welches in der Hauptss 
unverrückt geblieben, dot'h vom Kursärlisisehen Directorium ein conclusutu^ 
im Namen aller obgedachter Stände aufgesetzt wordeu. Gs hat sich aacli 
sonst anfangs der Kursächsische dieses Dinges gar wenig angenommen, 
vielleicht aus Mangel der Instruktion, welches mancherlei Gedanken er- 
weckt hat'). 

Ges. haben, obwohl man ihnen sehr augelegen, die deputationes an des 
Erzbischof von Salzburg und Oravel zu übernehmen, sich doch < 
schuldigt und sich nicht eben sonderliub interessieren wollen, da ihre lo' 
struktloncn sie zu nichts mehr, als geschehen, anweisen. Die öai 
reichischc Gesandtschaft hat Jena ersucht, dem Converit beizuwobuen, 
um zu verbüieu, wenn etwas dem gemeinen Weseu iider der Verfaüsung 
wider den Türken Nachtheiliges vorkommen sollte. 

'} Ü. (Juuclusnm priocipam livangelicorum d. ^1), August lt}ii4 die weget 
der Erfurter Sacbe vorzukehruDdi) Maesregeln batrefTend, v. Schauruth I S. &2L 

■) Derselbe war aoi 5. September wieder nscb Itegensburg znriickgekehrl. 
. ^ S. Relation was b«i geeamler Evangel. titande ZasamuiaDkunft des 
^9. Aagusti iSüi wegen fijrhabeuder Cti.HaiiizUcher Ueberziebung der Stadt 
Erfurt fürgekommen, v. Schaurotli I S. Ii23. 

') S. über K.HaobBens Verhalten in dieaur Erfurter Angelegenheit uotsK, 
AbacbD. 6. 



Die Erfurter Angelegenheit. 249 

Dienstag ond Mittwoch sind darauf die deputati bei dem Erzbischpf 
von Salzburg ond der österreichischen Gresandtsehaft gewesen, der 
Erzbischof erklärte, er sei darauf nicht instruiert, hätte auch keine Nach- 
richt vom Anmarsch fremder Truppen, K.Mainz gebe die besten Versiche- 
rungen, er wolle aber den Vortragt, den er schriftlich begehrte und erhielt, 
dem Kaiser vorstellen und die Sache recommendieren, er ermahnte aber, dar- 
über die publicas deliberationes nicht zu unterlassen. Die österreichische 
Gesandtschaft erwiderte ähnlich, erklärte, dass dieses kein ad comitia ge- 
höriges Ding, Erfurt kein Stand des Reiches, der Kaiser durch die Ca- 
pitulation in dergleichen Processen gebunden, auch sonst an diesem Handel 
ganz unschuldig sei. 

Bei Gravel hat die Deputation nicht ausgerichtet werden können, da 
derselbe sich mit ünpässlichiceit entschuldigte, worauf beschlossen wurde, 
ihm etwas schriftlich zu schicken'), mit der Bitte, es seinem Könige zu re- 
commendieren. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 

9./ 19. September 1664. 

[Die Erfurter tiäche.] 

Die Erfurter Sache hat wieder veranlasst, dass in den anderen Ge- 19. Sept 
Schäften nichts hat gehandelt werden können, db die Gesandten der Augs- 
burgischen Confessionsverwandten Fürsten coutinuierlich a part darüber be- 
rathen haben. Am 30. August sind im Namen derselben Halberstadt, 
Würtemberg, die Fränkischen Grafen und die Städte Regensburg 
und Colmar an. die österreichische Gesandtschaft deputiert worden, 
da dann ?on Halberstadt die Sache ausführlich und beweglich vorge- 
stellt und gebeten worden ist, dieselbe dem Kaiser schleunigst zu hinter- 
bringen und zu remonstrieren, dass mit der Fxecution zurückgehalten, 
super paritione erkannt und auf allen Fall auf Mittel gedacht werden möge, 
die einer und ander zu apprehendieren nicht Ursach hätte; man sei durch- 
aus nicht gemeint, die Rechte von K.Mainz in Zweifel zu ziehen. Zu- 
gleich sind von der gesamten Augsburgischen Confesdions verwandten Ge- 
sandten Schreiben^) an den Kaiser, K.Maiuz, die Reichskriegsraths- 
directoren und einige ausschreibende Fürsten gerichtet, auch an Gravel 



*) S. deoselben und die darauf von dem Erzbischof von Salzbarg ertheilte 
Resolution (d. 30. Augast 1664), bei v. Schaarotb I S. 527 ff. 

^ S. lodicalus ratioDam, qaae Cbristiaoissimae saae Regiae Maiestati per- 
suadeant, at oon tantum ab opprimenda civitate Erfartensi regias maoas absti- 
nere sed et EmiDentissimo d. Electori Mogantino, at civitati parcat, aactor esse 
velit, bei v. Scbauroth I S. 538 ff. 

^ S. dieselbeo, sämtlich datiert Regensborg 3./[13] September 1664, bei 
V. Schaarotb I S. 53Qff. 



L 



L'50 



4. Der Aofang dca Regeasbur'er HeichBta^a. 



l 



I 



Information gegeben worden. Die Äugsbargiscben ConresüioDKvernaDdteD 
Furätlicbcu haben auch Dutersuliibdlich an die Katholischen gebracht ■)• ^>i^ 
die Erfurter Sache im FiirKtenratb corijuuciira deliberiert werden möchw, 
allein dieselben haben sich dazu nicht bequemen wallen, iheils vorschütcead 
Mangel an InsIruktioD, die Saibe gebore nicht ad comitia, gei schou 
den Kaiser ausgebracht nnd stünde erst dessen ResojQtion zd erwarten, 
theils gaben sie auch vor, dass jeder Fürst berechtigt sei, seine Unter- 
tbaneo zum Gehorsam zu bringen, and würde, wenn sich andere daraus 
hielten, keine Weitläufigkeit oder Unruhe im Reiche entstehen. 



Dieselben an den Karfdrsten, D. Regeuabarg 
I6./26. September 1664. 

[Die Erfarter Sache.] 

1. Wegen der Erfnrter Sache haben die Augsbargiscben Confessions- 
verwandten Fürstlichen ancb die^e acht Tage oft berathen nnd haben be- 
schioasen, dieses Werk sei von solcher Wichtigkeit, dasa es vor aliei 
deren in den drei Reicheräthen vorzunehmen sei, nnd wird das Magdebur- 
gische Directorium solchen wiederholten Beschlnss den Kathulischen um- 
ständlich hinterbringen, doch steht zu vermutben, dass sie dieses Begehrea 
auch jetzt abzulehnen suchen werden. Sonst iiit nicht zu merken, äüst 
einige Gesandten zu der rechte» Realität geungsam iostraieret, und werdeo 
auch die auinarschierenden Truppen durch den Kur- und Oberrheinischen, 
Niederaichsischen und Fränkischen Kreis ohne Hinderung gelassen. 



Der Kurfürst an die Gesandten. I>. Cöln 
20./ [30.] September 1664. 



[Oes. sollen eich Erfitrli 



L 



lanehmen, docb wegeo dieser Sache die Reichsdelib»- 
ratioacD aicht aaagasetit werden] 

t — In der Erfurtiscben Sache habt Ilir wohl gethan, dasa Ihr 

Euch der Stadt, da^s dieselbe a bauuo iniperii absolviret und 
Cbur Mainz von der vorhabenden Militarexecution abgemahoet 
werden mochte, mit angenummen, allerinaaaen wir dann auch una 
äusserst angelegen sein lassen'), Cbur Mainz Ld. von Bolcben Extr»- 
mitftten abzumabneu. WiewobI es das Änaeben gewinnet, da« 

') S. Estractna Fiiratliober Protocollorum dd. 3,/13. Sept. — 26. OcL/5. Nov. 
Wji betrelTeDd daejeuige, was wegen der Erfurtischen Sache und deren Propa- 
aitiOD auch Inaerirung in daa üodcIubudi zwischen denen FUrstlicb-Evangeliscbii 
nnd üBtholischen vorgegangen, bei v. Scbaurotb 1 S.hbiS. 



Die Erfarter Angelegenheit. 251 

nunmehr 8chon so weit gekommen und die Sache nicht zu remediren, 
indem die Churmainzischen Truppen schon wirklich vor die Stadt 
gerückt .sein auch zwischen ihnen und der Stadt, dem eintreffenden 
Bericht nach, schon viel Hostilitäten vorgegangen. So habet Ihr den- 
noch darin zu continuiren und wie dieses Feuer wieder zu leschen 
mit anderen Evangelischen zu überlegen, gestalt wir solches zu Wege 
zu bringen ebenermassen continuiren und unsern Berleps *) an 
Chur-Mainz L. abgeschickt haben. Dass man aber darumb sich 
gar des Raths enthalten und alle andern Sachen wolle stecken lassen, 
davor stehen wir an, und habet Ihr, wie Ihr solches schon wider- 
rathen, zu suchen die Evangelischen zu disponiren, dass sie sich 
wieder bei den* ordinären Berathungen einfinden. — 



Die Gesandten 'an den Kurfürsten. D. Kegensburg 
23. September / 3. October 1664. 

[Die Erfurter Sache. Abschlass des Friedens mit den Türken.] 

Da die Evangeliscbeo und Katholischen in ihrer nogleicbea Meinung 3. Oct. 
wegen VorDehmuog der Erfurter Execations- Sache verharren ond jeder 
Theil deswegen absonderlich zusammenkommt, so hat nochmals nichts an- 
deres vorgenommen werden könoeo. Ein kaiserliches Decret vom 20. Sep- 
tember 1664*^ verwirft die Paiition der Erfurter und lässt es bei der 
declaratio bann! bestehen, wofern nicht die Stadt plene pariere nnd E.Mainz 
als pars laesa für sie intercediere. 

Von den Alliierten ist jetzt die Eidesformel für die R.£[rieg8räthe fest- 
gestellt worden -^ es dürfte aber der ganze punctus assistentiae nnd also auch 
diese Dinge ihre abhclfliche Maasse erlangt haben, nachdem heute in den 
Reicbscollegiis durch die directoria öfifentlicb verkündigt worden ^ wie der 
Friede mit den Türken geschlossen, auch die Feindseligkeit zwischen den 
in Ungarn stehenden Armeeen bereits aufgehoben sei'), und sollten die con- 
ditiones pacis den Ständen ehest communiciert werden. 



^) S. über dessen Sendnog unten Abschn. G. 

'*) S. das Schreibeo des Kaisers an den Kf. von demselben Datum nnten 
Abschn. 6. 

^) S. die Schreiben des Fürsten Portia an die Reichskriegsdirektoren (d. 
Eberstorf 28. September) nnd dieser an die Reichstagsgesandten (d. Wien 
19./20. September 1Ü64) Diar. Europ. XI S. 501 ff. Londorp IX S. 279. 



252 ^' ^^^ Anraog des Begensbürger Reichstages. 

Die Gesandten an den Kurftlrsten. D. Regensburg 
30. September/ 10. Oetober 1664. 

[Wiederbeginn der ordentlichen Reichstagsverhandlungen. Die jetzt vorsnoeh- 

menden Pankte.] 

10. Oct. Die Bemühungen der Evangelischen; die Execution gegen Erfurt zu 

verhüten, sind vergeblich gewesen, die Feindt^eligkeiten haben schon be- 
gonnen, die französische Cavallerie steht schon vor der Stadt, die Infanterie 
marschiert durchs Würzburgische dorthin. 

Die ordentlichen Deliberationen haben wieder begonnen, auch die Evan- 
gelischen haben sich dazu bequemt, bei der Umfrage im Fürstenrath über 
vier vom Herzog Johann Adolf von Holstein übergebene Punkte^) 
aber haben sie in ihren votis der Erfurter Sache gedacht und die Katho- 
lischen nochmals vergeblich ermahnt, sich mit ihnen zu gemeinschaftlichen 
Schritten bei K.Mainz zu vereinigen. 

Da sich die Conjuncturen wegen des mit den Türken geschlossenen 
Friedens, über welchen verschieden geurtheilt wird, merklich geändert haben 
und von der Hülfeleistung nicht mehr geredet werden darf, wollen nunmehr 
die Evangelischen punctum securitatis, restituendorum et gravaroinum und 
das Polizeiwesen vorgenommen^ aach die Capitulation beschleunigt und also 
gegenwärtigen Reichstag continuiert haben, die Catholischen aber erwäh- 
nen hievon nichts und scheint, dass sie die Dissolution dieses Convents ihnen 
nicht möchten zuwider sein lassen, doch soll der Erzbischof von Salzburg 
den Winter über hier auszuhalteii resolviert haben. 



Dieselben an den Kurftlrsten. D. Regensburg 

7./ 17. Oetober 1664. 

[Streit wegen Erwähnung der Erfurter Sache. Anzeige des Friedens mit 

den Türken.] • 

17. Oct. Ueber die in dem Memorial des Herzogs von Holstein enthalteneo 

Punkte ist es noch zu keinem Schluss gekommen, da sich Evangelische 
und Katholische wegen der von den ersteren dabei verlangten Erwähnung 
der Erfurter Sache nicht haben einigen können*). 

Der Kaiser hat betreffend den mit den Türken abgeschlossenen 20 jäh- 
rigen Stillstand und dessen Conditionen an den Erzbischof von Salzburg 
ein Schreiben 3) gerichtet mit Begehren, solches den anwesenden Gesandten 
mitzutheilen. 



^; S. Gemeiner II S. 4. 

2) S. Gemeiner 11 S. G ff", v. Schauroth I S. 554 ff. 

3) D. Ebersdorf 5. Oetober 1GG4 Pachner v. Eggenstorff I S. 13G ff. 



Erledigaog der Erfurter Angelegenheit. Der Frieden mit den Türken. 253 

• 

Dieselben an den Korfttrsten. D. Regensbnrg 

14/24 October 1664 

[Schlichtang des Streites zwischen den Evangelischen nnd Katholischen aber 

die Erfarter Sache. Die nea proponierten Punkte.] 

Nachdem die Nachricht der Uebergabe von Erfurt eiogetroflfen, haben 24. Oct 
endlich die Katholischen nachgegebea, dass dem concluso ^) folgende Worte 
beigerückt würden: ^Es haben die H H. Augsbargischen Confessions Ver- 
wandten in ihren votis einige Erinnerungen wegen Erfurt gethan, hingegen 
aber die H.H. Catholischen es bei ihren vorigen, dieser Sache halber ge- 
thanen Erklärungen bewenden lassen^, und dieses ist alles, darum man sich 
und die übrigen Reichsgeschäfte in die siebente Woche aufgehalten. Nach 
diesem erfolgten Vergleich sind in allen drei Rathscollegiis nachfolgende 
Paukte proponiert worden: 

1) Wie der Herzog von Holstein, welcher Reisekosten prätendiert, 

2) Der F. ßaden-Durlachsche Secretarius, der dergleichen und einen 
Recompens fordert, zu expedieren. 

3) Wie dem Kaiser wegen des notificierten Friedens zu antworten. 

4) Wie es mit der R.Kriegsraths-Directoren und Generalität Erlassung, 
deren rückständiger Gage etc. und Abführung der Völker zu halten. 

5) Was an den Gen. Kriegs- Commissarius zu schreiben. 

Beschlüsse darüber sind noch nicht zustande gekommen. Da Kf. beim 
Kreiscorpo nicht concurriert, ist von ihnen zu dem allermeisten wenig ge- / 
sagt worden, da sie decisive hierüber nicht votieren können. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 

21./ 31. October 1664. 

[Beschwerden über den vom Kaiser eigenmächtig geschlossenen Frieden. Fort- 

setzang des Reichstages.] 

Alle dem Türkeukriege noch anhängende Dinge sind erörtert und abgethan 31. Oc. 
worden '), auch das Glückwunsch- und Dankschreiben an den Kaiser wegen 
des getroffenen Stillstandes ist schon abgegangen, es hat deswegen einige 
Difficultäten ^) gegeben, da mehrere Fürstliche mit dem gemachten Frieden 
nicht zufrieden gewesen und in ihren Votis erwähnt, der Kaiser hätte vorher 
den Ständen von den vorseienden Traktaten Mittheilung machen und ihre Mei- 
Dong und Gutachten einholen sollen, im kurfürstlichen Colleg hat der K.Cöl- 
D 18 che dergleichen vorgestellt, doch ist er von niemand secundiert worden 
und ist es dabei geblieben. Nach geendigter Umfrage im Fürstenrath hat 
das österreichische Directorium glimpflich auf jene Anschuldigungen 

*) d. 15./25. October 1664 (Londorp IX S.280f.), 8. v. Schauroth I S. 588 f. 
^) S. den Reichsschluss vom 19./29. October 1664 (Londorp IX S. 283. 
Pachner v. Eggenstorff I S. 138 ff.). 
3) S. Gemeiner II S. 8. 



254 4' i''i AnfuDK dee Reagens barger BeicbsUges. 

geajilwortet 'j. Der Kait-pr hat dorcti dasselbe versicbern laäseo, er «rolle 

cooperieren, dass trotz des erlangten Friedeüs die veraulassenden Materien 
angegriffen, ansgearbeitet und also der Reichstag ferner continiiiert werde. 



Dieaelben an den Korflirsten. D. Regensburg 
28. October/ 7. November 1664. 



7. Növ. Die Angsburgischeit Confe^sionsverwaDdteD 

^^ men der Capitnlation wegen absooderlirb 

^^ bezüglichen Dinge, welche einzurücken begehrt 



14.1 

I 



I 



id die Katholischen kom- 

die anf die Keligiax 

rden, zu überlegen. 



Dieselben au den Kaiflirsten. D. Regensburg 
4./14. November 1664. 



[Wiederaurnnhme der 
weg^n des vom Kaie 



eratbuDgeu über di« Walilcnpitulatian. E.Colns Antrag, 
eigeamäcblig gescblosseaen Friedens Klage zn rähreu.] 



'. Auf das Drängen der Evangelisrheii, welche deswegen eine Deputation 

an den Erzbischof von Salzburg geschickt, haben die Katlioliscbeo die 
Beratbung der Capitnlation Sonnabend wieder aufgenommen, haben aber 
beschlossen, die Ilanpttiachen, das prooemiuni, den epilogo^, die electio 
regiB KomaoorDin und bannam bis zuletzt za laBi^en, trotzdem Geg. dagegen 
remonstriert. Eb,ensowenig konnten Ges. um Monl^ig, bei der Berathoog 
des PoEtwesens, mit ihrem Widerspruch dagegen, dasa dasselbe ein regale 
nnd reservalnm Caesaris sei, oder wenigstens, dass anch ein künftiger Kai- 
ser dasselbe haben müsste, durchdringen. De modo deliberandi et tractandi 
capitulationis materiani Ist abermals geredet, aber zwischen beiden Parten 
im Fürstenrath noch nichts verglichen worden, die Evangelischen, mit ihnea 
auch Ges., bleiben dabei, dass alles extra plenum, wie angefangen, zn trak- 
tieren nnd zu schliessen sei, die anderen wollen es dagegen in pleno haben. 
Wenn sonst, wie aus allen bisher vorgegansrencn Dingen zn sehen, i 
knrf. Collegium mit den Kutholischen allein zu ihun hätte, würde alles, ' 
es vor diesem gewesen, bleiben, wie denn die geistliche Bank allemal, wenn ' 
die Weltlichen darauf gedrungen, es mit Stillschweigen übergangen, auch,, 
dass sie es vornehmen müssten, fast genöthigt sind. 

K.Cöln bat beantragt, alle Kurfürsten sollten, wenn sie dem Kais« 
zu dem Frieden gratulierten, eine kleine Ahndung thuD, dass solcher ohlll 
des knrfiirstl. Collegit Vorbewnsst nnd Ratb eingegangen sei. 



') Scbrtftliche loformatian des Hoch). OoBterreicbiBcbeu Directorü an i 
Pürsteorath anf dem Reichstag in Regensburg von den Ursacbeo dea mit dei 
Türken in Ungarn gsHCliloBBeneD SlillBtHuds (d. l-l,/24. October 1(164} I 
Europ. XI S. &Oa(f. Londorp IX S. 309 ff. 




J 



WahlcapitnlatioD. Paoctas restitaendornm. Tarkenfneden. 255 

Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 

11./21. November 1664. 

[YerhandlaDgeD über den poDctüs restitneDdonim nnd aber die Wahlcapitulation.] 

Endlich Mittwoch den 9./ 19. November sind die schon auf- vorigem 21. Nov. 
Reichstage ad punctum restituendorum Deputierten (darunter aus dem kur- 
fürstlichen Collcgium auch Brandenburg) zusammmen gekommien und ha- 
ben gemäss dem bereits am 24. October 1663 gemachten conrlusum be- 
schlossen, dass die zu Frankfurt gewesenen Deputati Relation erstatten 
sollcp, was vorgegangen und warum man dazumal nichts frnchtbarliches 
habe verrichten können. Es ist wenig Aussicht auf einen erwünschten Aus- 
gang dieser Sache. 

Die Katholischen sind nunmehr mit ihren monita wegen der Capitula- 
tioQ fertig, haben aber die wichtigsten Punkte unerörtert gelassen. In der 
Postsache haben Ges. verlangt, dass dem Kf. in seinen Landen allein 
das Recht zustehen sollte, dessen sich der Kaiser in seinen Erbländern 
im Postwesen bediente, der Österreichische Gesandte liess sich gar 
freundlich vernehmen, doch ist es bei allgemeinen Vertröstungen geblieben. 

Der Erzbischof von Salzburg^) ist nach Hause gereist, hat aber er- 
klärt, in kurzem wieder zurückzukehren. 



Der Kurfürst an die Gesandten [s. 1.]. 15./ [25.] No- 
vember 1664. 

[auf die Relation vom 4./14. November. Postwesen. Kf. billigt die Art des 

FriedensBchlosses.] 

• 

Wegen des Postwesens kann er nicht einräumen, dass es ein solch 25. Nov. 
Reservatum imperatorum sei, dass den Ständen deswegen in ihren Landen 
alle Disposition benommen würde; der Kaiser habe seine Erblande selbst 
von dem Reichspostamt eximiert, daher könne er dieses anderen Kur- und 
Fürsten nicht absprechen. 

Ob aber bei Ihr. Keys. M. Anhang zu thun, dass sie vor Schlies- 
sung des Friedens von dem kurfürstlichen Collcgium kein Gutachten 
begehret, dabei stehen wir an. Der Krieg ist bisher hauptsächlich 
nur I. K. M. wegen Ungern angegangen, und hat das Reich nur Hülfe 
geleistet, die Stände selbst haben das Subsidium nur pro voluntario 
gehalten — und, das das Principaliste ist, so wollen in Kriegssachen 
die Zeiten nicht zulassen, weitläuftige consultationes anzustellen und 
vieler abwesender Stände Gutachten einzuholen. — Wir haben auch 



') S. Diar. Europ. XII S. 2f. 



256 



inTiLDf! des Re^eDsbiirger Reii:ljBla|;e8 



I. K. M. zu dem P'rieden aclion gratuliret ') und desgleichen werdea 
andere unsere Herren Mitcliurfli raten olme Zweifel auch selion getban 
haben. — Dalier wir davor halten, dass man damit zurilckzuhalteo, 
in noch mehrer Erwegung, dass I. K. M. auch danimb die Traktaten 
geheim gelialten, damit dadurch die Staude durch geschupfte UotTuung 
des Friedens nicht in den Deliberationen uud Fortsetzung der Kriegs- 
rUstungen scIilälFerig gemacht werden, welche considerationes uns dan 
dahin bewogen, dass wir I. K. M. in diesem Punkt wohl entschul- 
diget nehmen. — 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 23. November ^ 
3. December 1664. 

[Abräbmug der Besalzaog aas Erfart.] 



von Erfurt sowohl von K. Ma: 
geiuai'UCtrD Huffnung, da&s so- 



Da trotz der vor erfolgter Rcdm 
aU noch tod K.Sacbsen und dem 

bald die Stadt zur l'Hrition unil Submission gebracht, das fremde Eriegi- 
Tolk wieder abgeführt und alles in vorigen Stand gesetzt werden solle, eiua 
Fkusehnliche Uesalzoiig französischer uud kunnuiuzischer Völker bis dato in 
der Stadt gehalten wird, welcbes deu im Kreise uud den heuachbaiteu StJtll- 
deu kein geringes Naehdeakeu billig Ternrsacht, so solteu Oes. deewegen 
mit deu Gesaudteu der hierbei interessierten Hüuser, namentlich mit dea 
knr- und lürsttichcu Sächsischen commuaicierea uud mit deuselbcu über- 
legen, wie K.Mainz dabin zu disponieren sei, diese ansehnliche BesatEnng 
aus der Stadt abzuführen"). Was dazu gut befunden wird, eollen 
allem Eifer und Ernst befördern. 



Üie Gesatidten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
25. November / 5. December 1664. 



[Die WalilcapitulatioD soll ' 
S. Dee. Im Fürstencolleg ist 



.plei 



n doe Filratenratbea 



r behsndeU'werdeo. 



Geld- und Froviantrcchnangen und den Prä- 
tensiouen einiger Officiere und Bedienten gehnndelc und fast alles abgethan 
worden^. Wegen der Capitulaiion haben Evangelische nud Katholieohe H 
keiuer durchgehenden CoufonnÜat gelangen können, haben daher beschlusGU 

') S. das Schreiben des ICf. an den Kaiser Tom 20./30. October 1664 QOtM 
Abschn. 5. 

'^ S. die Scbreibeu des KF. an K.Mainc und an Heriog Augaal Too 
SacliBeD vom 23. Nuvcmber/3. Uecember 1664 unten Abacbn. 

^ 8. Gemeiner II S. Uff*. 



J 



Rrfnrter Sache. Wablcapitulation. 257 

am die Sache nicht länger aafzahalten^ dass ein jeder seine Meinung in 
poblico sagen möchte; aach die übrigen kurfürstlichen Gesandten haben 
darein gewilligt, in der Hofifnnng, die Kathoh'schen geistlichen würden es 
darchgehend mit den Kurfürstlichen halten und also die majora machen. 
Es dürfte aber mit nichten erfolgen, da nicht wenige derselben sich mit 
Salzburg, welches ad partes Evangelicorum ziemlich incliniert, confor- 
mieren ^), 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 

26./ 16. December 1664. 

M;iteria capitulationis ist no(h im vorigen Stande; Ges. haben aber 16. Dec 
oiiterdessen das Werk ganz in der Stille so herumgeworfen, dass die meis- 
ten im Fürstenrath und auch die Kurfürstlichen das Werk nur extra plenum 
vornehmen wollen. 

In puncto restituendorum ist nichts geschehen, auch die Relation an 
die 3 Reichscollegia von den früheren Deputatis nicht verglichen, viel we- 
niger abgestattet, und hat man etliche Tage her die Proviantrechnung 
durchgesehen. 



^) Ef. erwidert daraof (d. Cöln 5./ [15.] December 1664), wenn es nicht an- 
ders zn verbäten sei, wolle anch er in die Berathnng darüber in pleno willigen, 
er halte es anch nicht für rathsam, über die qnaestiones praejadicialies viel Dis- 
patierens za machen, Ges. sollten nar dahin wirken, dass den Earfürsten ihre 
althergebrachten Vorrechte nnd das jns adcapitalandi verblieben. 



Mater, s. Gesch. d. G. Kurfürsten. XI. 17 



Anhang 

Die Obersächsischen Kreistage zu Leipzig (October 1663 uod 
Juni 1664) und die Zusammenkünfte der Kurfürsten von 
Sachsen und Brandenburg zu Torgau und Berlin (December 

1663 und Mai 1664). 

Kurfürst Johann Georg von Sachsen an den Kurflirsten. 

D. Dresden 3./[13.] Juli 1663. 

[Vorschlag der Bernfnog eines ObersächsischeD Kreistages.] 

13. Joli. Er zweifelt nicht, dass der kaiserliche Abgesandte Graf Isola bereits 

in Königsberg augehmgt und bei Kf. dieselben Anträge anf Snccars bei der 
Türkengefahr wie Graf Dietrich stein bei ihm gestellt haben werde. Ob- 
gleich er sich nach Gelegenheit der Zeit und Beschafifenheit zu etwas er- 
klärt hat^), auch solches aufzubringen im Werk begriffen ist, hat der Kai- 
ser aufs neue durch ein Handschieiben vom 23. Juni um Beschleuaigung 
der Hülfe nachgesucht. Da auch der Obersächsische Kreis durch die Tür 
kengefahr bedroht ist, auf dem Reichstage zu Regensburg aber es sehr 
langsam und wunderlich zugeht , so beabsichtigt er eine Versammlong der 
Obersächsischen Kreisstände zu berufen, bittet Kf. ihm seine Gedanken 
darüber zu eröffnen. 



>) Laut dem beiliegpoden Dankschreiben des Kaisers vom 23. Juui hatte 
sich K.Sachsen zur Lieferung von 300 Centner Pulvt^r und zur Stellung einer 
Compagnie Reiter von V2b Mann und von 1000 Mann zu Fuss erboten. Dem 
Wunsche des Kaisers entsprechend, welcher erklärte, dass ihm bei diesen God- 
juncturen mit Fussvolk mehr gedient sei, schickte er nachher ein Regiment Fuss- 
Volk (1174 Mann in G Compagnieen), welche, nachdem sie am 16. September ?oo 
dem Kurfürsten zu Torgau gemustert waren, am 26. September den Marsch nach 
Ungarn antraten, s. Schuster und Francke, Geschichte der sächsischen Armee 
I S. 85. 



ßernfang eines Obersachsischen Kreistages. 259 

Der Kurfürst an den KurfQ raten von Sachsen*). 
D. Königsberg 31. Juli 1663. 

[auf das Schreiben vom 3./ 13. Jali. Vorschlag einer Verständigong der Kur- 
fürsten antereinander. Znstimtnnng zar Berarang eines Kreistages.] 

Kf. dankt für die Mittbeilnng ond dass K'. Sachsen sich die ongewöhn- 31. JuH, 
liehe Art zn Regensbnrg zu Herzen nehme. Da man dort, wie er höre, 
den Fondamentalgesetzen ond dem statoi reipoblicae Romanae zuwider- 
laofende ond vornehmlich die Korfürsten ond deren Präeminenz toochierende 
Dinge vorhabe, so werde ohne Zweifel K.Sachsen eine rechtschaffene 
vertraolichc Correi^pondenz zwischen den Korfursten darüber für nöthig er- 
achten, wie die Sache recht anzogreifen ond ob man hieraos a part oder 
coHegialiter oder dorch Schickung sich onterreden solle, auch was sonst 
mehr dabei zo beobachten sein werde, damit die Harmonie im Reiche er- 
halten werde. Mit der ßerofong des Kreistages ist er einverstanden^. 



Instruktion für den Geh. Hof und Kammergerichts Rath, auch 
Vicekanzler zu Cöln a. d. Spree, Lucius v. Rahden auf den 
Obersächsischen Kreistag. D. Königsberg 24./ 14. Sep- 
tember 1663. 

[Sicherang des Kreises, schlennige Entsendung der noch rückstandigen Kreis- 
trappen.] 

Kf. hat dem Kaiser schon 1000 Mosketiere, 600 Dragoner und 500 24. Sept 
Reiter zn Hülfe geschickt, will aoch ferner sowohl daselbst als bei dem 
Obersächsischen Kreide das Seioige thon. Das Werk ist so beschaffen, 
dass man sieb dorch hinge Deliberationen nicht aofhalten darf, das beste 
ist, jeder Stand soll das Seinige so beitragen ond eine solche Mannschaft 
an die Hand schaffen, welche zo Sicherong der Grenzen aosreirht, nnd diese 
Mannschaft soll ans des Kreises Mitteln onterhalten werden, dabei aber ist 
nicht nöthig, kostbare Generale ond andere hohe Officiere zo bestellen, falls 
nicht das Defensionswerk zn eztendieren sei ond die Nothdorft eine stärkere 



^) Schon vor Empfang des Schreibens vom 13. Jali, das erst am 25. Jali in 
Königsberg anlangte, hatte Kf seinerseits (d. Königsberg 20. Jnli 1663) K.- 
Sachsen mitgetheilt, dass er Anstalten treffe, dem Kaiser Hülfe zu senden 
and seine Lande in Vertheidigungszostand zn setzen, and angefragt, welcher 
Hülfe er sich im Nothfalle von demselben za versehen habe und ob and was er 
meine, dass dieses Punktes halber im Kreise zu berathschlagcn und zu thun sei. 

^ K. Sachsen theilt darauf Kf. mit (d. Dresden 2./12. September 1663), dass 
er, zumal nachdem durch den Einbruch der Tataren in Mähren alle benach- 
barten Lande in Schrecken gesetzt seien, den Kreistag nach Leipzig auf den 
27. September berufen habe 

17* 



260 



4. Der Aorang de« Regenabareer Reich*Uf:eg. Auh&Df:. 



VerfasEung erforderte. Zagieicli soll er erinoera, daas die Stände, welche 
dem Kaiser noch keine Hülfe geschickt, dieselde auf das äoEserste beEcblra- 
nigen mögen. Sollte weiteres vorgebracht werdeD, so bat er sich dererln 
mandali and das» dem Ef. das Ausscbreibea erst »m 23. 13. zugi-bommen 
eei, zu eatschDldigen. 



Kreisabschied des Obersäclisischen Kreistages. 
D. Leipzig 10./[20.] Octüber 1663. 



[Ereisverfaaiani; nacb dem TripluD 
ZahlaoK vorlinfig ein 



Röi 



e Qeaandtoo in Regenaborf, 
ar KreiBkMs<-.] 



I 



). Oct. Zur Vertheidigung des Kreises ii^t das Triplnoi des nat dem Kreistage 

I65T festgesetzten Simplom, dos ein jeder Stand bereit halten solle, bewilligt 
worden; jeder Stand soll sein Contingent an Volk") möglichst schnell, 
testens binnen 3 Monaten aufbringen, dem Krcisoberslcn Anceige davon 
machen und dessen Ordre wegen der Zasatamenluhrung, Verpflichtung und 
Musterung erwarten; zugleich sollen die Stände ihre Untertbanen mit G«* 
wehr versehen und dann fleisNig exercieren lassen, damit sie im Nothfall auf- 
geboten werden können, ibre Oreuzeo und Festungen wohl besetzen und auf 
unbekannte Reisende und durchstreichende Leute Beissige Aufsicht halten. 

Es ist eine Liste der Ofliciere nnd Gemeinen, wie stark die Regimenter 
sein und welche Stande ihre Vjilker zusammenführen sollen, wie viel davon 
unter jede Compagnie und Fähnlein zu bringen, was einem jeden 
monatlichen Sold zu geben, und wie es mit der Artillerie, Munition und 
auderem zn halten, gemacht worden. 

Jeder Stand hat sein Contingent selbst zu unterhalten, doch soll das- 
jenige, was in gemein auf hohe Befehbhaber, Stabspersonen nnd anders 
Kriegsbediente, Artillerie, Munition, Kundschaft nnd anderes aofiEttweaden, 
in gemein nach dem Anschlag eines jeden entrichtet werden. 

Sollte die Gefahr sich vergrastem nnd die türkischen Trappen weiter 
einbrechen, so ist dem Kreisobersten, Nach- nnd Zugeordneten anheioi- 
gestellt, einen Tbeil des Fussvolks in Dragoner zn verw.indeln. 

Um schnelle nnd zuverlässige Nachricht von den Kriegsereignissen eb 
erhallen, soll eine Correspondenz mit dem Statthalter in Prag nnd deiD 
Oberamt iu Schlesien eiitgerichtet und Correspondenten «n verschiedeneB 
Orten bestellt werden. 

£in Kreiszahl- und proviantmeister soll bestellt werden. Die Gesand- 
ten in Regensbnrg sollen von ihren Principaleu Befehl erbalteo, des 



Roh, 



■) Der Anschlag noch dem Triplum beträgt im ganze 
3513 t. Fuss, 2373» Rthlr., davou fallen auf: 

K.BrBDdeuburg IM) z. R. &31 z. F. 

Pommern 102 , liOO . 

Cammio 18 , 84 , 






5484 Rthlr. 
3624 , 




Obersachsischer Kreistag zu Leipzig. 261 

pauctum secnritatis aafs schleunigste abzuhandeln und so die wirkliche 
Hülfeleistong desto eher zu stände zu bringen. 

Die benachbarten Kreise sind zum Beistand aufzufordern. 

£io Römermonat soll spätestens innerhalb 2 Monaten in die Kasse 
gezahlt und, da dieses wahrscheinlich nicht zureichen wird, von dem Kreis- 
obersten, auf vorhergehende Communication mit den Nach- und Zugeordne- 
ten, noch ein oder zwei Monate ausgeschrieben werden. 

Diese Verfassung soll, wenn die Gefahr durch Friedenshandlung oder 
sonst sich endigen sollte, auch ihre Endschaft erreichen. 

Die Stadt Erfurt soll durch ein Schreiben ermahnt werden, mit Geld, 
Geschütz und dergl. zu dieser Verfassung beizutragen. 



Aus V. Rahdens Relation. D. Leipzig ll./[21.] October 1663. 

5./15. October ist auf die Frage, ob diese Hülfe im Kreise zu behalten 21. Oct. 
oder dem Kaiser auf Begehren etwas davon zu schicken sei, per majora be- 
schlossen, dass, wenn die deliberationes auf dem Reichstage sich verzögerten 
und der Kaiser in äusserster Gefahr Hülfe begehrte und die benachbarten 
Kreise sich dazu auch verstehen woilteo, der Kreisoberste solches den an- 
deren Kreisständen notificieren und nach deren eingelangter Meinung mit « 
dem Nach- und Zugeordneten einen Schluss wegen Zuschickung der Hülfe 
machen solle. Doch soll dieser Schluss dem Kreisab'schiede nicht inseriert 
werden, damit, weil derselbe dem Kaiser zugesendet wird, dieser nicht 
Aiilass nehme, die in eventum gewilligte Hülfe sofort zu begehren. 

7./17. October wird beschlossen, den Kaiser in einem Schreiben zu er- 
suchen, dass die Ezecution wider Erfurt etwas suspendiert und nicht 
K.Mainz, sondern dem Obersächsischen Kreise befohlen werden möchte. 

10./20. October wird beschlossen, zwei Schreiben an Erfurt zu richten, 
in dem einen die Stadt um Beitragung zur Defension dieses Kreises, in dem 
anderen ^) zu Parition der zwischen ihr und K.Mainz publicierten Urtheile 
anzumahnen. 

Die Lüneburgischen Gesandten, welche für Walkenried an dem 
Kreistage Theil nehmen, haben in voto Erwähnung gethan, dass eine ge- 
nauere Correspondenz zwischen diesem und dem Niedersächsischen Kreise 
gestiftet werden möchte, und, als solches von den anderen nicht attendiert 
worden, von Rah den privatim begehrt, solches dem Kf. zu berichten. 



1) Beide sind datiert Leipzig 10./[20.] Ootober 1663, das letztere gedruckt 
Diar. Europ. X S. 759. Londorp Vni S. 935 f. 



262 ^- I^^r Anfang des Regensburger Reichstages. Anhang. 

Kurfürst Johann Georg von Sachsen an den Kurfürsten. 
D. Dresden 2./[12.] December 1663. 

[Sendung Pflog's v. Koitwicz behufs näherer Verabredung über die gewünschte 

persönliche Zusammenkunft.] 

12. Dec. Er hat aas der Relation seines Geh. Kriegsraths und G. Wachtmeisters 

Wolf Christoph v. Arnimbi) sich vergewissert, dass Kf. wünsche'), 
wegen erforderter persönlicher Erscheinaug auf dem Reichstage and auch 
wegen anderer die Wohlfahrt des Reiches, insonderheit noch die Angelegen- 
heiten des kurfürstlichen collegii conrernierenden Materien mit ihm zu coii- 
ferieren. Auch er selbst verlangt nicht weniger danach, ehe er sich anf die 
Reise dorthin begebe, sich mit Kf. vertraulich zu besprechen, und da Kf. 
ihm die Bestimmung von Ort und Zeit anheimgegeben, so sendet er behufs 
näherer Veriibredung seinen Kämmerer und Trabanten -Hauptmann Hie- 
ronymus Siegmuiid Pflug zu Kottwicz'). 



Actum Torgau 18./ [28.] December hora 3 postmeridiana auf 
cliurfQrstlichem Schloss in des Freih. v. Schwerin Gemach. 
Praes. Churf. Sachs. Geh. Rath Freiherr v. Frisen und 

0. Präs. Freih. v. Schwerin. 

28. Dec. V. Schwerin erinnert an die vor 6 Jahren zu Lichtenberg zwischen 

beiden Kf. gehaltene Zusammenkunft^), welche die einstimmige Wahl des 
jetzigen Kaisers, Beendigung des damaligen Krieges und andere segens- 
reichen Folgen gehabt habe, daher habe auch Kf. diese Zusammenkunft 
gewünscht. Derselbe verspüre zu seinem Leidwesen auf dem Reichstage 
sehr wenig Ernst bei dem Defensionswerk ut»d der Beförderung des vom 



1) (Jeher die Verbandlungen mit demselben findet sich nur folgende Notiz 
in dem Geheimenraths- Protokoll vom 21. November/ 1. December 1663: »Reeo- 
Intion, 80 H. Hoverbeck dem K. Sächsischen Abgeschickten H. v. Arnheim 
geben soll: dass S. Gbf. D. bätten wünschen mögen, dass es ihr möglich wäre, 
da sie nur erst ils Land kommen, solche ferne Heise dabin zu thun, würde ihr 
lieb sein, wenn gleichwobl K.Sachsen dabin ziehen mochte und des Reiches Beste 
befördern. Wegen K.M aiozs Sache mit Erfurt hätte man ihm geschrieben, da- 
fern es auch begehrt würde, wollten S. (Jhf. D. alle gute officia auch media- 
toria anwenden.'' 

'0 Schon in einem Schreiben an K.Sachsen vom 15./ 25. November spricht 
Kf. die Hoffnung ans, es werde die von ihm jüngst vorgeschlagene persönliche 
Zusammenkunft bald stattfinden. 

^ Kf. erwidert (Cöln 8./18. December l(jG3), er habe nach Besprechung mit 
Kottwicz beschlossen, sich am 18./2?5. bei K.Sacbsen in Torgau einzufinden. 

*) December 1657, s. Pufendorf 1. VII §33 (Ö. 417f.). ürk. u. Akt. VIU 
S. 470. 



/ 



Zasammenkunft zu Torgan. 263 

Kaiser begehrten Soccnrses, es sei za besorgen, dass der Winter verfliesscn 
werde, ohne dass dieses wichtige Werk zor Richtigkeit gelange. Bei den 
dem Reiche aber nicht nur von den Türken, sondern auch von andern be- 
nachbarten Kronen, welche stark rüsteten, drohenden Gefahren achte sich 
Kf. verpflichtet, die Sache mit behörigem Nachdruck zu befördern und bitte 
K.S. ihm zu eröffnen, wie dies Werk am füglichsten anzugreifen sei. Ef. 
wünsche zu wissen, ob K.S. allein zn Richtung eines ezercilus oder allein 
zu einer Geldhülfe oder theils auf Geld, theils auf Volk incliniere> was er 
ferner wegen des Hauptes, dessen Commando das Heer zu untergeben, für 
Absichten hätte. Weil auch bei einer Armee, wozu ein jeder Stand seine 
Leute schickt, vielfältige confusiones nothwendig entstehen, ob es nicht 
am rathsamsten sei, mit dem Haupte, welchem die Armee untergeben wer- 
den solle, zu capitulieren , dass derselbe die Armee selbst, jedoch unter 
des Reiches Pflichten werbe. 

2) Da aber die Erfahrung bezeuge, dass es mit solcher allgemeinen 
Hülfe langsam zugehe, die Gefahr aber den Landen beider Kurfürsten am 
nächsten sei, so fragt er an, ob sie nicht zur Defension der Grenze ent- 
weder allein oder mit Zuziehung einiger Nachbaren auf eine Verfassung 
bedacht sein wollten, und was K.S. solchen Falles wegen Anzahl der 
Mannschaft und sonst conditionieren wolle. 

3) Da, wie die Reichstagsakten ergeben, das einmüthige Zusammen- 
gehen der Reichsstände auch dadurch gehindert wird, dass zwischen dem 
kur- und dem fürstlichen Collegium allerhand Streitigkeiten, namentlich 
wegen der verlangten capitulatio perpetua, vorfallen, so sieht Kf. zwar^), 
wie wenig die Prätensionen des fürstlichen Collegiums fundiert sind und 
man ihnen schon soviel zugestanden hat, dass sie .damit zufrieden sein 
könnten. Da er aber fürchtet, dass die Fürsten sich .hierin sehr hart- 
näckig zeigen und auf fremde Kronen, welche sie darin bestärken, verlassen 
werden, gleichwohl aber die Wohlfahrt des Reiches erfordert, dass man 
mit ihnen in Einigkeit und Frieden verbleibe, so wünscht Kf. zu wis- 
sen, wohin K.S.s Gedanken hierin zielen, damit man diesen Punkt zu Re- 
gensburg desto einmüthiger zur Richtigkeit befördere, welche Einmüthig- 
keit zu Wege zu bringen auch K.Mainz 3) sehr beflissen ist. 

4) Kf. wäre deswegen nnd aus anderen Ursachen gern selbst nach 
Regen sburg gekommen, da ihm aber solche Verhinderungen zngestossen 
seien, welche nicht nur statum publicum sondern auch seine eigenen Län- 
der concernierten, so müsse er, namentlich wegen des sehr fremden und 
verwirrten Zustandes in Polen, seine Grenzen in Obacht nehmen nnd habe 
sich deswegen beim Kaiser entschuldigt. Kf. wünsche zu wissen, was K.S. 
zu thun gedenke; wenn derselbe nach Regensburg gehen sollte, werde 
er seine dortigen Gesandten anweisen, die Intentionen desselben nach Mög- 
lichkeit zu befördern. 

S. das Rescript des Kf. an die Reichstagsgesandten vom 27. November 
1663, oben S. 207. 

^ S. das Rescript an dieselben vom 21. September, oben S. 197. 



I 



I 



204 4- t)er Anfaug dea Regenebarger ReictistageB. AoLaog. 

S) Auch vom Polnischeu Wesen halte Kf. nicht für uinüenlieh, K. S. 
nähere Informntinn zu gebeD. Dort wäre Ewar die ConfSderntion aofge- 
hobcn'), itber der Adel wäre noch immer von Mii^Ktraaen erfüllt, weil das- 
jenige, was Tcrtproeheu worden, nicht gehalten und noi'h immer slark 
gearbeitet werde, einen rranzösisclien König bei Lebzeiten des jetzigea mit 
Verlast der Freiheit ins Reich zu führen. Als du'' Hllergcfährlicbste fürchie 
Kf., dass ee zwischen dem Hofe nnd den Ständen zu solihen Eitremitälen 
kommen möihte, dnss nuch aoGWärtige Kronen dazn schlagen oder wol 
gar vom HoTe dazu solliciiiert werden möchten. Da nun diese Troul.U 
das Rom Reich gar leicht implicieren könnten und es allein darauf ankäim 
dass entweder de elettione vivo rege gainicht geredet oder, wenn solches 
geschehen sollte, der Republik ein sob'bes Subjectnm vorgeschlagen werde, 
von dem weder dieselbe noch die Narhbaren «inige Jalonsie zo befahren, 
so würde es Kf. lieb sein, wenn K.S. sein Gutachten darüber ertbeitle, ob ' 
es nicht zuträglich wäre, dass die Krone F ölen vom ganzen Rom. Reiche ' 
ersucht werde, einen solchen König und ans solcher Familie zu wäblen, 
der keinem der benachbarten Potentaten oder Stände Onibragc geben 
könnte. 

6] Auch habe Kf. K.S. nicht verbergen wollen, was er jetzt in Pr&Dk- 
reicb und Schweden negotÜeren lasse. Der König von Frankreich*) 
hätte nach dem Olivaer Frieden öfters zu verstehen gegeben, dass ihm die 
Reuovation des vorigen Bündnisses angenehm sein würde, auch zu dem 
Ende au KT. einige Schickungen >) getiian, Kf hätte, da jene vorige Allians 
blo^B in Instr pai'is Tundiert und zu keines Standes Beleidigung augeseheu 
sei, solche Offerte uliiie OOension nicht abschlagen köimen und deswegen 
zur Erneuerniig solcher Allianz einen nach Püris geschickt'), die Sache wäre 
langst rii'htig gewesen, wenn Frankreich nicht halte etwa-; weiter gehen 
wollen, wozu sich Kf. garuicht verstehen wolle. Gleiche Beschaffenheit 
hätte es mit der Gesandtschaft in Schweden, woselbst die Regierung ibm 
zum öfteren Freuiidschaft und die Renovation der Allianz angeboten häU«^), 
Kf in der Hoffnung, dass solches zur Erhaltung dos l''riedens gereicbcD 
werde, habe darein eingewilligt'). Es wäre ihm auch Bericht zugekommen, 
von dorn er jedoch nicht wüsste, ob er fundiert wäre, dass Frankreich 
von dem neulich katholisch gewordenen Herzog von Mecklenburg^) 

I) S, Utk. a. Akt. IX S. 3H5f. 

') Ufk. n. Akt. IX S. f.91 ff. 

''<) Ueber die Sendune Leaseina' an Kf. (Januar bie April lliO'i), a. Drfc 
u. Akt. U S, 'J43 ff.. IX S. 599 ff. 

') Ueber die Sendung v. Blumenthala nacb Paria (seit Janair 1663) a. 
Urk. u. Akt. IX S.li-20ff 

>) S. oben AbachD. 3 S. 1U9 f. 

^ S. über die .^eaduog v. Krockowa Qncb Schweden (seit December I 
Urk. u. Akt. IX S. 742 ff. 

'} S. DIar. Europ. X S. (i4-2 f. Urk. u. Akt. IX S. (iÖI, über aolohe Ge- 
rüchte Diar. Europ. XI S. 620. Urk. n. Akt. IX S.üU. 




Zaeaminenbaoft sd TorKsa. 2(^ 

srin ganzes Uerzoßtlium oder doch eioeri grosseo Tbeil deEselbeo an eich 
zu erhandeln beabsichtige. 

7) K.S. habe spHou 1647 hei den MüflEtersrheD Tractateii wegen Er- 
neuerung der Erbverbrüderang zwJEchen Sachsen, Brandenbnrg 
und HeseeD erinnern lassen, auch 1657 sei die Sache za Lichtenberg 
vorgekommen und habe Kf. Tcrsprorhen, das Werb nach MogUrbkeit eu 
fnrdern. Kf. meine, dass die Coufiruiation von Kiuser und Reich bei dieser 
Cunjunctur wühl zu erlangen sein werde. 

8) Kf. daniie K.S., dass er seine Verordnung wegen der Witien- 
bcrgischeu Universität') so, wie eie gemeint sei, aufgenommen habe 
Es sei weder geschehen, um jene hochberübmte Universilät zu beschimpfen, 
noch um meinen Lutherischen Uniertlianen in ihrer Religion Eintrag tu 
thuD, noch gar um K.S. zu nahe zu treten, sondern Kf, sncbe nur seine 
Lande in Rnhe und Einigkeit zu erhalten. 

ÖJ Kf. erinnere sich, dass auf der vorigen Zusammenkunft eines Cere- 
moniels Erwähnung geschehen, wiesiciiKur- und Fürsten sowohl in Person 
noter einander, als auch gegen auswarlige königliche und andere Oesaudte, 
und wie sich die Gesandten unter einander zu comportiereu. Weil aber 
nichts BeEtändtges abgeredet und inzwischen sich in Regensburg und 
anderen Orten allerhand IJeuerungeu zugetragen, so verlange Kl. S.S.s 
Meinung darüber zu vernehmen, damit man sich eines gewissen hierunter 
vergleichen könne. 

10) Kf. bitte K.S. um Intercession beim Kaiser, namentlich wenn er den- 
selbeo perBönlich In Regensburg begrüsse, iubetreff der Restitution tou 
Jägerndorf. 

11) Kl. habe, sobald er vernommen, dass die Häuser Sachsen bei 
der Stadt Erfurt interessiert seien, K.Maiuz von der beabsichtigteu 
Esecntiou abgemahnt^). Wenn K.S, ihm seine fernere Meinung wegen 
dieser Sache eröffnen wolle., ^^o werde er nicht unterlassen, dessen Interesse 
Kelter nach Möglichkeit la fördern. 

12) Kf. wolle vorstellen, welchen Schaden und Uugelegeuheit seine und 
die benachbarten Lande bei den von Alters so angestellten Gilden und 

') Das Edikt des Kf. vom 21. Angnst lG6ä. in welchem allen bruadeubur- 
giscbeu UatertbaDeu, welche Theologie and Philosophie eludieren wutlten, der 
BesQcb der Universität Wittenberg verboten wurde. Dasselbe war veran- 
UsBt wordun durch eine von der dortigen theologischen Faknltät In demselben 
Jahre herausgegebene tjchrift, betreffend das lt)61 zn Caesel zwischen lutheri- 
acben und rerormterten Theologen gehaltene Colloquium. in welcher eine Ver- 
eiuiguag Ewiacben beiden CoDfeHsionen für nnmöglich erklärt und den Reformier- 
ten der Name der Evangeliecben abgesprochen worden war. 8. Hering, Nene 
Beiträge tnr Geschichte der evaageliscb-reformirten Kirche io den Preussiecli- 
Brandenburgischen Läiideru II S. 160 ff, Brandes, Qescbichte der kirchlichen 
Politik des Hauses Brandenburg I S. 233 ff. Vgl. oben S. 185 und Urk. u. Akt. 
IX 8. 767. 

>) S. dal Schreiben des Kf. au K.Mainz vom 25. November 1663, nnlen Ab- 
schnitt 6. 



2fifi 



4. Der AofaDg des R«g«nibarger Reicfa*(N|rei. Anhanf. 



ZüDrteii') '■mpßnderi, und .-nrrn^'ti, ob K.S. nicht dienEam Gude, nnr 
t'iDpm EreiaCatie oder .nnf gej;eiittärii^em Reichstage djirauf tu dringen, 
dass solche Zünfte entweder mirgt'hobeii oder dergestalt modificiert würdi-ri, 
dnss dadurch nicht andere gi^äihickte Ijcate Kirb in diesen Landen nieder- 
zulassen abgt'baUen werden möchten. 

?. FrieBCü erklärt, er werde ilbi-r dici-e prupouieiten I'uuktc seinem 
Herrn referieren und dann antworten. 



Autnm Torgau 19./[29.] Deceraber liora 9 aiitenieridiana praes. 
Freih. v. Friesen und Freih. v. Schwerin. 

T. Friesen erklärt nnch ub gestattetem Danke: 

ad 1. Inbetreff der Türken hülfe. K.S. wia^e nach den eingekoni- 
meiien Relationen nicht andere, als daes die Volkihülfe in allen Reich*-' 
collegicn beliebt worden, und es sei nicht wohl abzusehen, wie dies zu 
dem, es könnte doch einem Jeden St;ind, der etwn wenig Vrdk gebe, GeW 
zu zahlen gestaltet werden. Auch auf dem jfingsten Kreistage zu Leipzig 
sei besehlossen worden'}, da.-s alle Staude des Oberfächsiscben Kreises sich 
mit einer gewissen Anzahl Volk ohne Geld gefa^sC halten sollten. lubetreffi 
des Quantum habe KBaiern schon längst im kurrUrstl. Collegiam die 
Frage angeregt, ob nicht der Türkenkrieg besser offensive als defensifs 
zu (ühr^D sei. Die^e Frage wäre zwar noch nicht vom DirectorlDm pro- 
pouiert, "sollte es aber noih gesrhehen, so roüssle eine weit grössere Hülb 
erfnigen, Über welche am füglii'hsten auf dem Reichstage dunh den Kaiser 
sdbtt zu verbandeln sei. Auch K.S, erkeine. dass man die Armee mit 
I qunlificierten llanpte verseben müsse, er hnbe schon längst gehört 
demKf, wegen Uebernabme des Reicbsgeneralats Antrag 
geschehen, er wünsche zu vernehmen, ob dieser Antrag erfolgt sei und wla 
sich Kf. darauf erklärt habe; ihm wäre diese Nachricht sehr augcnebm ge- 
wesen, da er zu Kf, ganz besonderes Vertrauern hege, u..d er sehe kein« 
Ursache, vtarmn Kf. dieses aussrblagcn solle. Uuber die Einrichtung der 
Cnpitulation bei der lieicbsarmee sei am rUglicbBten zu Kegensburg 20 
si'hliessen und d;ibei die Esecutionsordiiung zu Grunde zu legen. 

ad 2. Auch K.S. erkenne eine solche V'erfassang zur SiL-hernag 
der Grenzen für uothwendig. Doch sei dem auf dem letzten Kreistag« 
einigerniatsen prüvidiert worden, indem die Stände beschloseeu hätten, du* 
die Türkenbülle ans zwei Tbeileu bestehen solle, von denen der eine wider 
die Türken, der andere zur Vertheidrgung der Grenzen zu gebraachen so, 

AbstelhiDg der Znoflmieebräocbe gerichteten Beetre-. 
U. 3. Moritz Moyer, Gesch. der Preaasiach«! 





ZasammeDkonft za Torgaa. 267 

Aocb hätte er daneben Fein Absehen auf eine Landesverfassnng gerichtet, 
wonach von beiden Enrfürsten zur Sichernng ihres Estats eine Anzahl ge- 
worbener Völker, etwa 3000 z. F. und KXK) z. R., aufgebracht und unter- 
halten werden müssten. 

ad 3. K.S. sei erfreut darüber, dass im kurfürstl. Colleginm ein solches 
Temperament, wie in K.brandenb. Proposition erwähnt, gefunden sei, er hoffe, 
dass die Fürsten sich damit befriedigen lassen, und, wenn dieses nicht ge- 
schehen sollte, Kf. die wohlhergebrachte Präeminenz der Kurfürsten sich 
aufs beste werde recommendiert sein lassen, bitte zugleich um Communi- 
cation des Schreibens von K.Mainz an Kf.; an ihn wäre bis jetzt nichts 
gekommen, ausser was Reiffenberg^) mündlich gedacht. 

ad 4. K.S. bedauere, dass Kf. nicht nach Regensburg kommen 
könne, er selbst werde der kaiserlichen Einladung folgen, erwarte aber erst 
Nachricht, wer von den übrigen Kurfürsten bereits zur Stelle sei. 

ad 5. Ein an Polen zu richtendes Gesamtschreiben des Reiches Hesse 
K.S. sich nicht missfallen; wie es einzurichten sei, werde siih am besten 
in Regensburg verhandeln lassen. Man werde zu verhüten haben, dass 
keiner Partei in Polen einige Jalousie gegeben, vicinis regnis keine un- 
gleiche impressiones erregt, alles aber mit Vorwissen und Gefallen des 
Kaisers vorgenommen werde. 

ad 6. Die Erneuerung der Allianzen des Kf. mit Frankreich und 
Schweden halte auch er zur Erhaltung guter Correspondenz mit den 
Nachbarreichen für sehr dienlich. 

ad 7. Die Erneuerung der Erbverbrüderung wünsche er auch 
sehr, die näheren Verbandlungen darüber könnten am passendsten in Re- 
gen sburg geführt werden. 

ad 8. Das Edikt des Kf. wider die theologische Facultät zu Wit- 
tenberg habe K.S. nicht anders aufgenommen, als es gemeint gewesen, 
wiewohl er dessen Commnnicntion vor der Ankündigung gewünscht Hätte. 
Aus einem Schreiben, welches er bald na^h Auslassung des Ediktes am 
23. Januar erlassen^, könne Kf. ersehen, dass er nicht gemeint sei. seinen 
Theologen unbefugte Eingriffe zu gestatten, auch Kf. werde gewiss geneigt 
sein, alles, was ratione dieses Ediktes sowohl bei anderen Evangelischen 
Dugleiche Opioion erwecken könne als auch sonst bedenklich sein möchte, 
aus dem Wege zu räumen. 

ad 9. Das Ceremoniale betreffend erwarte man das Project des 
Kf., wie man 1657 übereingekommen sei. 

ad 10. Für die Restitution von Jägerndorf wolle K.S. alles thun, 
was Kf. wünsche. 



>) S. über dessen SeoduDg an R Sacbseo, welche zu dem gebeimen Vertrage 
zu Torgau vom 30. November 1G63 geführt hatte, Heibig, Johann Philipp von 
MaiDZ und Jobann Georg II. von Sachsen während der Erfurter Wirren, 1650 — 
1667 (Archiv für die Sächsischo Geechichte III) S. 415 ff. 

2) S. Hering, Neue Beiträge II S. 172 ff. 



SfiS 



4 Der AafsDg dea Re^eneborger Relotistages. Äabang. 



ad li. K.S. erkenne mit Dank, da^s Kf. seine Gedanken dahiu 

liebtet, dasB die von R.Maioz Regen Erfurt gerichtete ExecaCion 8us> 
pendiert werde, auch er hätte si'b gegen den jüngsten K.Mainiiaehen Ab- 
gesandten in gleicher Weise erklärt, er könnte nicht anders merken, denn 
dsEs dieses etwas gefruchtet, indem K.Mainz die Volker wieder zurück- 
gezogen, hitcte aber oboISngst nicht ohne Mefreuidang vernommen, dass der- ' 
selbe wieder von Herzug Ernst einen Pass durch dessen Lande gefordert 



hätte. Sollte di 
laufe dieses der von de 
Erklärung zuwider, dat 
Boridern erwarten werde 
Reputation und Rechte 
ergreifen werde. K 8. 



auf einen gewaltsamen .Angriff imgesehen seiu, so 

lern Biiron v. Boynebnrg zu Regfnsbnrg getbauen 

its man nichts Tbätliches gegen Erfurt vomebmeD, 

was man zu Kegensburg au Conserviernng der 

von K.Mainz im knrfürstl. Cdlegium oder suual 

habe daher seine dortigen Gesandten dem ent- 



sprechend instruiert, er werde schwerlich we^en seiues Interesse geschehen 
lassen, dass eine solche Stadt sub praetextu dieser Esecution occupiert und 
seiner Protection entzogen werde. 

ad 12. K.S. vermeine, dass dieser Punkt auf dem Reichslage erörtert 
und die Innungen dergestalt eingerichtet werden müssteu, daas die boha 
Landesührigkeil sich vorbehalte, selbige zu restringieren oder zu modificieren. 

Feiner hätte K.S. au Kf. zu bringen begehrt, was wegen des dem 
Herzog August zu Sachsen neulich zu Kegeusburg com Kaiser und 
den meisten Standen bewilligten voti et sessionis vorgegangen'). Er hoffe, 
Kf. (verde das Werk iiieht ferner dilficulticren, bei der Aufrul'uiig des votum 
solle uicht Querfurt genannt werden und also kein ueues votum eein, 
sondern das alte Särhsische votum bleiben, recommendiere solches nochmaU 
auls beste. 

Schwerin dankt und erklart, duri'iber dem Kf. referieten zu wollen. 



Actum Torgau ll)./[29.] December 1663 liorii 4 poatnieridiana. 

:. Schwerin erklärt: ad 1. Obzwar Kf. d;il'i,r halte, dass das in Re- 
genahurg bewilligte Triplum bei weitem nicht zureiche, so wolle er m 
doch dabei bewenden lassen, weil er hefiirchte, dass, wenn man etwas ueaes 
proponteren liesse, sokhes mehr zur Behinderung ah zur Beförderung der 
Sache ausschlagen könnte, zumal weil die Städte sieb so gar widerwärtig 
bewiesen. K.S. mö^e dahin wirken, da.ss, wenn die 24000 Mami, auf welche 
er das Triplum berechne, aufgebracht wären, mau auf mehr Succurs be- 
dacht sein möge, weil bekannt, dass sokhes corpus in solchen Quartieren 
leicht zerschmelzen werde. Ancb gefiele dem Kl. das K. Bairieehe voIum 
so uneben nicht, da alles rergebeos sein würde, wenn man nicht zam hello 
offensivo wider den Türken überginge. Wegen des General-Commando der 
Reichsarmee sei am katserl. Hofe und andern Orten viel Redens und Für- 




J 



Ziiaammeiikunft eh Torgaii, ^69 

^chlageus (teweseii Wie aber Kf, liei nlleii Occnsioiien za erkennen gege- 
ben, dass die Regieroog so Tieler Lande nnd andere Augelegcobeiien ilitn 
nicht gestatleten, ein so schweres Werk über sieb zn nehmen, aLsonderlich 
da er beim Reiche aoch keinen fcrossen EiTer verRpiire, die ilülTe mit Nach- 
druck zu leiKien, so wäre aocb ferner un ibo deshülb DichlB gebracht wor- 
dcD. Kr. wünsche, das& der Allerhöchste ein solches Hanpt erwecken 
wolle, so dieser Lnst genngsann gewnehseo, Qod dass einer aas dem K- 
Sä>'hBi sehen Hause sich damit beladen lassen wolle, er wolle dieses noch 
nllen seinen KräfteD befördern helfen, E.S. möchte sieb darüber experto- 

Kf. bnlte es auch für znlräglichcr, wenn die Reichü.nrmee nicht rou 
einem Hanple geworben werden soll, dnss die Werbungen in den Kreisen 
voD einem jeglichen Kreisobersten geschehen, d;i cb viel Weitlaoftigkeit 
geben würde, wenn die Werbungen von so vielen Ständen sollten angestellt 
werden. Er besorge, wenn dieses in Regensbarg proponiert werden sollte, 
dusa es nur Verzug verursachen durfte, weil die meisten Gesandtschaften 
sich defeitu mandati entschnldigen würden, daher würde ihm lieb tein, wenn 
K.S. sich au einer Defensionshülfe verstehen wollte, welche, ob sie zwar 
zn allen Oceasionen nicht zareicbend, dorh zur Abwendung der Gefahr 
Uocbnöthig sei, er erbiete »irb zu einer gleichmastigen Hülfe und erwarte 
onr, wie hoch K.S. solche determinieren wolle, ancb werde ihm lieb sein, 
wenn die Krei=liülfe zustande gebracht werden könnte. — 

ad 5. K.S. möge Sorge trogen, dasa das Schreiben an Polen behut- 
sam eingerichtet werde, Kf. sehe es nicht gern, dass fremde Kronen, ab- 
sonderlich Frankreich, daraus Offension ergreife. — 

Hd 10. II. K.S. möge die Jägerndorfer Sache berördern, Kf. wolle 
dem Begebren zufolge entwerfen lassen, wie etwa das Schreiben einzurich- 
ten sein möchte, er werde sieb ebenso die Erfurter Sache aufs beste re- 
contmendicrt sein lassen. 

Das desidcrinm des Mcrzogs August Bnde Kf. auf aller Billigkeit 
bembend und es sei ihm lieb, dass die evangelischen vota vermehrt wurden, 
es würde damit auch keine Schwierigkeit geben. Es wäre nur Streit ratione 
li)Ci, und dass seine Vettern von itaireutb sich beschweren möchten. 
Daher wünsche Kf. zu wiseen, wie sich dieselben etwa darüber erklärt hät- 
ten, er halte dafür, dass es nicht gross zu bedenten hätte, was für ein Ort 
dem Herzoge August assigniert würde. 

V. Friesen dankt und sagt zu, K.S. werde über die vergllihenen Punkte 
seinen Gesandten in Regensburg gemessenen Befehl zukommen lassen 
und auch in pnblicis mit dem Kf, alle gute Correspondenz coutinuieren, 
unr wegen des letzten Punktes hoffte er, Kf. werde das detiderium des 
Herzogs August per mandata an seine Gesandtschaft so secondieren lassen, 
dass ihm nicht allein votum und sessio an sich selbst, sondern ancb der Ort, 
wo das K.Sächsi.sche Haus seiae vota ablegt, gestattet werde. 



270 ^' ^^^ Anfang des Regensburger Reichstages. Anhang. 

Actum Torgau 20./[30.]December 1663 Lora 10 matutina. 

30. Dcc. V. Friesen erklärt als Antwort K.S.s, derselbe sei mit Ef. dario einig, 

dass zum' Türkenkriege 24000 Mann nicht zulangen, man wolle daher in 
Regens barg votieren, dass man nach deren Aufbringung dem Kaiser mit 
noch einem considerablen Corpo seeundiere. K.S. wünsche zum Anführer 
ein Haupt von Ansehen, hoffe, dass Ef., wenn das Werk direet an ihn ge- 
bracht werde, sich mit dieser Function werde beladen lassen, er hoffe, dass 
wenn ein Haupt von solcher Autorität dazu käme, der Eifer im Reich 
grösser sein werde. Die a parte Verfassung von R.Sachsen und K. Bran- 
denburg werde ohne Abbruch der Kreisverfassung verstanden, aUo dass 
die 4r)00 Mann zu beiderseitiger Defension zu gebrauchen. Da K.S. dem 
Kaiser ein starkes Regiment gesandt, was andere Kreisstände nicht gethan^ 
80 dürfe dieses Regiment und auch was Kf. für den Kaiser gethan die 
Kreishülfe vertreten und wolle man die anderen Kreisstände ermahnen, sich 
in gleicher Weise anzustrengen. Wenn K.S. und Kf. jeder mit 4000 Mann 
gefasst wären, könnte solches eine bastante Reserve sein, die Grenze zu 
vertheidigen und im Nothfall auch zur Assistenz gegen die Türken zu ge- 
brauchen ^). 

Im Streite der collegia verspricht K.S. in Regensbnrg gute officia, 
für die Erbverbrüderung Mittheilung der nöthigen Archivalien; er will in 
Regensburg im Interesse beider wirken, dafür soll Kf. als Nachgeord- 
neter im Kreise dafür sorgen, dass daheim alles in Ruhe und Frieden bleibe, 
und die Wünsche Herzog Augusts unterstützen'). 

Infolge des Beginnens des Eisganges auf der Elbe bricht Kf. sogleich 
auf, so dass keine Conferenz mehr gehalten werden kann, seine Bagage 
muss über Dresden zurückgehen. 



Geheimenraths- Protokoll. D. Cöln a. d. Spree 

19. /[29.] Januar 1664. 

[Conferenz mit General Würtz.] 
29. Jan. H. Kanzler Jena referiert von der Conferenz, so er mit H. Wfirtz 

Auf eine Anfrage K. Sachsens vom 3./ 13. März 1664, ob Kf., nachdem sie 
zu Torgau verabredet hätten, 3000 Mann z. F. und 1000 z. R. zur SicheroDg 
ihrer Lande parat zu halten, noch bei seiner damaligen Meinung verharre, antwortet 
Kf. (d. Cöln 15/25. März 1664): „So haben wir auch soviel Völker auf den Bei- 
nen, dass wir demselben, was wir zu Torgau mit E. Ld. verabredet, wenn 68 
die Noth erfordert, jederzeit, sonderlich was das Fussvolk anlanget, ein würk- 
licbes Genüge leisten köunen, und zu den Reutern können wir auch leichtlieh 
gelangen, also dass wir es unseretheils bei solcher Abrede nochmals bewenden 
lassen und von E. Ld., wie Sie es halten wolle, fernere Erklärung erwarten.* 

'*') S. das Rescript des Kf. an die Reichstagsgesandten vom 1). Januar 166if 
in welchem er denselben die Ergebnisse der Torgaiier Zusammeikkunft mittheilt 
und ihnen die entsprechenden Weisungen ertbeilt, oben S. 216. 



GoDferens mit Würtz. Zosammenkunft mit R.Sacbseo zo Berlin. 271 

gehalteo^), weil er über der Oratalation noch etwas mehr aDzubringen, ob 
er Apertur davoo thon wollte. 

Würtz hat erklärt, er sollte, nachdem Ef. an die Pommersche Regiemog 
geschrieben ond die Noth des Türken vorgestellt, sie dieses dem König 
commaniciert and derselbe des Kf. Vorsorge wohl aufgenommen; vernehmen, 
1) wie Kf. vermeine, wie es wegen der Defension contra Tnrcam einzurich- 
teo, 2) hätte er wissen wollen, wie die negotia der Tractaten in Schweden 
ständen. Dann fragte er an wegen der Rheinischen Allianz, ob Kf. hinein- 
treten wolle. Es ist ihm erklärt worden, Kf. hätte sich erklärt, aber es wä- 
ren etliche Punkte darin, so nach dem jetzigen Znstand nicht könnten bestehen. 

Es wird berathen, was ihm wegen der Verfassung gegen den Türken 
ZQ sagen sei, Kf. entscheidet: 

1) zu reden von der Defension, wie wir die Grenzen gegen die Ca- 
naillen [vertheidigen wollen], ihm zu sagen und zu communieieren, was mit 
K.Sachsen, vorgega ngen. 

Ob man nicht Mecklenburg, Braunschweig-Lüneburg auch 
dahin disponieren könne, dass sie uns assistierten. Qewiss wäre es, dass 
es das beste, wenn man ein Haupt hätte, dem man das Geld gebe, aber 
das wird schwerlich geschehen. 

Was von Krockau geschrieben, kann man ihm communieieren, und 
möchte H. Würtz auch seine Meinung sagen. 



Protocollum was bei Anwesenheit I. Chf. D. zu Sachsen alhie 

zu Cöln an der Spree aufm Schlosse im April 1664 die Churf. 

Sachs. Herren Geheimen Räthe des Herrn Oberpräsidenten 

Freiherm von Schwerin Gn. proponiret haben. 

1. Conferenz. Protocoll dessen, was die K.Sächs. H.H. Ministri, der 
Freiherr v. Friesen und General-Lieutenant Wolf Christian v. Amheim 
den 24. April 1664 dem Churbrand. H. Oberpräs. Freiherrn v. Schwerin 

proponiret. 

V. Friesen erklärt, K.S. hätte in Regensburg mit Freuden die grosse 4. Mai. 
Sorgfalt verspürt, welche Kf. zur Erhaltung der Sicherbelt im Reiche öffent- 
lich bezeigt, und dass zwischen den beiderseitigen Gesandten gute V^er- 
traulichkeit gepflogen, er habe auch befohlen, solche Vertraulichkeit zu con- 
tinuiereu. K.S. habe, wie er zu Torgau zugesagt, die Jägerndorfer 
Sache sofort dem Kaiser schriftlich vorgestellt, auch dieselbe in Regensburg 
beim Kaiser mündlich und beim kurfürstl. Collegio recomnieiidiert und er- 
biete sich, auch ferner darin alle gute officia zu tbun Betreffend die ver- 

•) S. ürk. u. Akt. IX S. 775. 778. Wurta war wahrscheinlich von der 
echwedischeo Regierung nach Berlin geschickt worden, um dem Kf. zu seiner 
glücklichen Heimkehr aus Preassen zu gratulieren. 



272 



Der AnTuDg des RegeDsburger ReicbBtages. Anhang. 



ubredete reciproque Assistenz babe K.S, schon aogef^agcu, zu deren 
Expedieruiig Anslulc zn machen, es wäre ihm lieb gewesen zn vernehmeD, 
dass Kf. sich mit dem Srhwedischen Q.LieiiteD. Würtz deshalb vereint 
und dessen Gedanken ihm mitgetbeitt habe'), die beabsichtigte ! 
Schickung Ton Gesandten InsEB er sich desto mehr gefallen, je rorlbeübafter 
es für den ganzen Kreis wäre, dass dergleichen gnte Verfassung geschehe. 
Nachdem neulich der Niedersächsische Kreis auf ein Triplum an Völ- 
kern und ein Siropluni an Gelde geschlossen, und da es gute Facilität 
könnte, wenn diese beiden Kreise zasanimcuhielten, wünsche er des Rf. Ge- 
danken darüber zu vernehmen, ob mau den Obersacbsiscbeo Kreis daza 
disponieren und zu diesem Zweck eine KreisverGammluog ansscbreibeD solle. 

K.S, danke dafür, daas KT, in der Erfurter Sache wirklich die Ver- 
mittelnng betrieben hätte, dessen Schreiben an K.Mainz sei nichl ohne 
Effect gewesen. Da er aber bemerke, dass der Kaiser stark auf die Pa- 
rilion dringe, gleichwohl aber verlaute, dass der gemeine Pöbel so unge- 
zogen sei, dass der Magistrat nicht mehr Macht hätte denselben zur RaisoD 
zu bringen, auf welchen Fall K.Mainz sieber auf die Exeeutioii driugea 
werde, so wäre er sehr besorgt und wünsche von Kf. zu vcruebmeo, waa 
vor die Hand zo nehmen, damit demselben vorgekommen und gefahritilie 
Conseqnenzen verhindert würdeu. 

V. Schwerin bezeugt des Ef. Freude über diesen Besuch, bittet 
der BewtrChung nach Gelegenheit der Zeit vorlieb zu nehmen nnd versprictal 
Atitwurt auf die propunierten Pnokte. 

2. Cooferenz. Den 25. April 1664. 
V, Schwerin erklärt: ad 1) Kf. danke für die Bemfibnngen K.Ss. la der 
Jägerndorfscben Sache, da »ber darauf bisher noch keiu effectns am 
kaiserlichen Hofe erfolgt sei, Kf. aber gemeint sei, in dieser Sache eia- 

>) Kf. hatte (d. Cola 22. Märs/L. April I6Ü4) K.Sachsen mitgetheilt, er habe 
nenlich mit dem Schwediecben G.Lieutenant v. Würtz bei deesea Anwesenheit 
in Berlio, gemäss der in Torgau getroffenen Abrede, we^^ea einer Defensioni- 
verfnssuag der vornehmsten Stunde des Ober' and Niedersäcbsischeo Kreise* 
gej^eo die Türken verhandelt (s. darüber das obeu S. 2T0f. mitgethailte Geh.Batlii- 
Protokoll vom l'J./'JÜ. Januar lG(i4); derselbe habe jetzt (in einem Schreibeo an 
den Fürsten von Anhalt, d. Stettin IO,/20. Harz IWA) berichtet, di 
Schweden bereit sai, das Werk za befördern und auch andere Stände iIm 
Niederaschsischen Kreises, das Haue Braunachweig, Mecklenbarg nnd Hol- 
stein antzniiehnien. Kf. habe sich darauf zur Beschickung einer Zneammenkunft be- 
reit erklärt und als Ort derselben Goslar, Magdeburg, Tangermünde. Salzwedel uod 
Lüneburg vorgeschlagen; er ersncht K.Sachs eu, auch an dem Werke mitinhelfei 
ond wogen Ort nnd Zeit seine Meinong zu eröffnen. Darauf halte Herzog Mo- 
ritz von Bacbsen, als Statthalter für seinen noch in Regensburg abwesende! 
Bruder, geantwortet (d. Dresden 31. März/ 10. April 16)>4), er werde dieses dem 
Enrfüraten bei deseea bald bevorstehender Rückkehr melden, und gebeten, 19 
lauge zn warten. S. auch Drk. a. Akt. IX S 116. 




ZiisammeDkuDrt mit K.SBchseD ea Bertia 373 

iia] eine eodlicbe Richtigkeit zu treSeo, so ergache er K.S., ihn aurh fer- 
ner dabei zu UQleratülzen. 

ad 2) Kf. h;ilte auch jetzt für oöthig, ausser dtr ReicbbhüKe auf De- 
fension der Grenze bedar^ht zu sein. Er habe zwar gemeint, dass daa 
vom ObersÜchsischeD Kreise bewilligte Triplum zur Kreisdefen^ion angese- 
hen sein solle, da er alier heute vernommen, dass es auf die zu Kegensburg 
gewilligte Tripelhülfc zu versteben sei, so wolle er eich mit K S. gern 
hierunter conforiuieren, nenn mau nach dem Bei^^piel des Niedersäcbsiscben 
Kreises auch eine solche absonderliche Hülfe tbun möchte, er stelle ganz 
K-S aubeim, wie dieses werksleliig zu rauchen sei. 

ad 3) in der Brfnrter 8;iche, da R.S. selbst erkenne, duss'rlcr Kai- 
ser niid K.Mainz auf die Parition dringen würden, und wünsche, dass die 
Sladt billig parieren solle, so erbiete sich Kf., dieselbe dazu zu ermahnen. 
Er gebe anch zu bedenken, ob es uicbt ralhsam eei, im F-A]e die Jura, uelchc 
beide Kurfüt>ten zu Sachsen und zu Mninz an diese Stadt prätendierten, 
noch streitig wären, dass sie beide ^ich zuforder^t darüber verglichen, was 
eiDem jeden zustehen solle, und K.S. alsduun sieb erbiete, er und sein 
Hans und errorderlirhcn Falls der ganze Obersächsiscbe Kreis wollten die 
Stadt da^n bringen, du'B sie dasjenige, was man alsdann K.M;iinz zuge- 
stehen werde, acceptieren solle, wozu Ef. seine Hülfe zusage. 

Ueber die anderen Torgaucr Punkte wolle er nirbt proponiereu, da er 
bche, dass K.S. so sehr wieder wegeile. Da ;iber von den Gesandten zu 
Kftegensbnrg beriibtet werde, dass, sobald der Kaiser aufgebrochen, man 
deliberieren nolle, ob der Heirhslag continuiert oder in einen OepatationK- 
tag verändert werden solle, wünsche Kf. K.S.s Gedanken darüber zu ver- 
nebmea. Noch einen anderen Punkt li.ilte Kf. für nötbig, hier zu repe- 
tieren. Bei neulicher Zusammenkunft sei desideiierl worden'), dass das von 
Kf. wider die tbeolopische Fakultät zu Wittenberg erlassene Edikt ge- 
mildert werde. Kf. habe das auch so viel bei ihm gelten lassen; dass er 
seitdem wider den Inhalt des Edikts diejenigen, welche nur von Wittenberg 
gekommen, zum miuisterig befördeit hätte, und er hätte es noch ein wenig 
ansehen wollen, wie sich die Theolugi auf K.S.s harten Verweis verhalten 
würden, da dann das Edikt nicht allein von sich selbst dabin gefallen, bod- 
dem Kf. auch den jungen studiosis den licsucb von Wittenberg erlaubt 
haben würde. Allein zu seiner grossen liestürzung sei ni'uli<.b ein grosses 
weilläufliges Scriptum der Wittenberger theologischen Fakultät berror- 
gekommen "), worin dergleichen harte, anzügliche und erschreckliche Redens- 
arten enthalten, als noch nie sieb in Schriften zwischen diesen streitenden 
evangelischen Kirchen gefunden. Kf. wolle davon, dass in diesem Scriptum 
den reformierten Glaubensgenossen die SeeliKkeii giini abgesprochen werde, 
nnd auderem abseben, darüber aber könne er nicht umbin zum höchsten 

■) S. oben S. 2(55. 2^;7. 

'0 Diisc Schrift Führte den Tili.'l: Zengniese der tbeologischcn Paknltüt nnd 
Mintstiiriuina , dasa ilie Calriniscbe uatl Zwingllscbe Lehre verdumm lieh sei, s, 
Hvriug. Neue Ri-i(räin> It S. 17H. 



274 4- l^or Anfang des Regensbnr^r RetchsUges. Aobmng. 

za klagen, dass dieses Scriptum eigeDtlich gegeo ihn gerichtet, dass darin 
weiter gegangcD sei<, als es Tbeologis gezieme, dass sie hienioter aoch 
wider den ReligioDsfriedea und das Instr. Pacis bandelten, dass sie auf 
ganz uDverantwortliehe Weise ihn und seine Vorfahren besehnldigten, als 
hätten sie ihre getreuen Lutherischen ünterthanen aus dem Lande vertrei- 
ben wollen, u. 8. w. 

Kf. stelle zu K.S.s Belieben, was er gegen die Autoren dieses 
Buches wegen ihres Ungehorsnms verordnen wolle, und sei nicht gemeint, 
ihm hierüber etwas vorzuschreiben, bitte aber K.S. es künftig nicht übel 
zu empfinden, wenn er solche Mittel gegen dieses Scriptum der Witten- 
berger Theologen gebrauche, die den autoribus ihren Unfug öffentlich zeu- 
gen und seine getreuen Ünterthanen warnen könnten, sich vor diesem 
Scriptum zu hüten. 

V. Fxiesen versichert darauf, dass weder sie, die Deputierten, noch, 
wie sie meinten, ihr Kurfürst, von dem Buch der Wittenberger wisse, der- 
selbe werde sich gewiss darauf so erklären, dass Kf. zufrieden sein und 
das gute Vertrauen zwischen ihnen nicht gestört werde, sie würden hier- 
über wie über das andere referieren. 



3. Conferenz. a meridie eodem die den 25. April 1664. 

5. Mai. V. Friesen erwidert: Wegen der Assistenz wolle K.S. eine Znsam- 

menkuüft des Obersächsischen Kreises zu Montag nach Trinitatis an- 
set2en, die Verhandlung mit dem Niedersächsischen Kreise könnte, 
bei dieser Zusammenkunft gleichfalls besprochen werden, wie denn, wann 
ratione modi die Kieisobersten es festgestellt, die Sarhe leicht einzurichten 
sein werde, weil im Niedersäch^isrhen Kreise dergleichen schon angestellt 
sein soUe. Da aber indessen Brandenburg und Sachsen leicht die 
erste Gefahr treffe:i könne, so stelle er anheim, ob man sich nicht hier- 
unter >chon prae1imi:tar!trr in quanto und modo succurrendi einigen wolle. 
NB. Dieses ward hernach also declariert, dass es nicht alibier abgehandelt 
werden sollte, sondern erst auf dem bevorstehenden Convent. 

K.S. danke für des Kf. Erbieten. Erfurt zu disponieren, dass die Strei- 
tigkeit beigelegt werde. Nachdem von Regensburg eine Schickung an 
Erfurt geschehen und sie znm schuldigen Gehorsam anermahnt worden, 
wünsche er erst zu erfahren, was solches gefruchtet; wenn solcher Berieht 
einkäme, wollte er ferner Apertur davon thnn und bitte er, dass Kf. dann 
seinem Erbieten nachkommen wollte. Er wüsste aber nicht, dass wegen 
der jurium mit K-Mainz Streit entstanden sei, als bis zu der neulich von 
demselben begehiten Gebetsformcl , vermeine sonst, ob nicht der l'arition 

m 

dadurch abzuhelfen, wenn untersucht würde, was eines jedeu Intention in 
dieser Sache gewe^en, und hernach das Werk vel per inteipositioneni vel 
per commis-ionem g(In.ben würde. 

Wegen der Erb Verbrüderung werde Kf. von seineu Gesandten er- 



ZasAOfimeokoDft mit K. Sachsen su Berlin.' 275 

fahreo haben i), dass die Oesandteo der drei Häuser deshalb beim Kaiser 
hätten einkommen wollen. 

Das Bach der Wittenberger Theologen kenne K.S. nicht, er 
werde es einfordern und examinieren lassen und, wenn es sich also befinde, 
als angezogen worden, solche Verordnung ergehen lassen, dass man spüren 
solle, er wolle, dass dem Instr. pacis und den Reichsgesetzea nachgelebt 
und, soviel Gewissens halber geschehen kann, nachgekommen werde. 

K.S. sehe es gern, dasa der Reichstag continuiert werde. 

4. Conferenz. Den 26. April 1664. 

y. Schwerin erklärt, Kf. bitte um Fortsetzung der Recommendation 
iu der Jägerndorfer Sache. Da er vernehme, dass K.S ehestens zum 
Kaiser nach Prag kommen werde, so bitte er dort die Sache zu recom- 
mendieren. 

Kf. sei mit Zeit und Ort für die Obersächsische Krcisverfassnnf 
einverstanden. Modus und Quantum der gegenseitigen Assistenz bedürfe reifer 
Deliberation, vorläufig meine er, weil beide Kreise sich von allem aufgebrach- 
ten Volk nicht würden entblössen wollen, hätte man zu begehren, es möchte 
die Hälfte der aufgebrachten Völker zur Bewachung der Grenzen beider 
Kurfürstenthttmer hergegeben werden, deren Unterhalt aus den Kreisen er- 
folgen müsse. Da K.S. zur Besetzung seiner Grenzen von diesen Truppen 
mehr vonnöthen haben werde, so werde er mit einem Drittel jener Hälfte 
zufrieden sein, die er ins Cross^nsche und einige andere Orte an dem Neuen 
Graben verlegen werde, K.S. werde etwa die Sechsstädte in Acht zu neh- 
men haben. Auch werde der attaquierte Tbeil ?on dem anderen, der dies 
nicht zu befahren habe, succurriert werden müssen, worüber die Officiere 
zu beordern seien. 

Für die Continnierung des Reichstages werde auch Kf. durch seine 
Gesandten wirken lassen. 



KarfUrst Johann Georg von Sachsen an den Kurfürsten. 

D. Dresden 13./[23.] Mai 1664. 

[BerufuDg eines Kreistages nach Leipzig.] 

Nachdem die jüngst zu Brannschweig versammelt gewesenen Ge- "23. 
sandten der Stände des Niedersächsischen Kreises bei den Ober- 
sächsischen beantragt haben, dass vermittelst Zus immenschickung beide 
Kreise sich vereinigen möchten, wie die Assistenz bei diesen böchstgefähr- 
lichen Zeiten einzaricbten , nachdem ferner der Obersächsische Kreis das 
im vorigen Jahre zu Leipzig bewilligte Triplnm dem Kaiser hat gänz- 
lich zur Hülfe senden müssen und derselbe daher bei der aufs neue dro- 

S die lielutiunea üerselbeii vom 21. und 28. März 16i4, (üben 8. 232 f.) 
worJD sie kla;;ei), üass K-Suchseo auch um diese Aogelegeuheit sich nicht kümmere. 

lÖ* 



2"*; 



4. Der AsFang des Regeuebarger Rsicbatagen. ÄDhang. 



henden Türkengefahr gani ohne Verfassung steht, hat er nach vorheriger 
persönlicher ÜDterrpdung mit Kf und dem Herzoge von Alteuburg 
Kreisversammlung auf deu 13. Juni nach Leipzig an'^gcsi'hrielien. Dm 
nehmlich zu bereden, ob. gleich dem NiederEäcbsischea Kreise, noch eia 
anderweitiges Triplnm an Volk uod Simplum an Geld zd des Kreiaea l 
Sicherung eilend zusammenzubringen und wie die Grenzen zu besetzen, t 
was mit dem Nipdersäehfiiseben Kreise der reciproeierbrhen Hülfe und 
Assistenz halber zu tractieren und wer deshalb abzu schielten sein möchte. 
Kf. mochte dte Versammlung beschicken. 

PS. Er empfieblt seineu Gen. Lieutenant Wolf Christoph t. Ar- 
uimb zum General iilier die Kreistruppen. 



(jistnictioii fllr unsere Hof- nnd Karamergerichts- und Halber- 

städtiaelie Hegiernngs- und KamnierrUthe Philipp Warabold 

von Unistndt und Johann Budendach. D. Cöln a. d. Spree 

7./[17.]Jum 1664. 



[Aiifbrii 



einea Krulaheerea; Siehe 
Niederaäcbaij>cheD h're 



,ng de, 
e. Di. 



Grenzen; Vereinigung mit dem 
Krfurter Sache.] 



I- 1) Kf. erafhtet für nöthig, dass ausser der gemeinen Reii bsfaülfe, 

welche im Felde nidt-r den Türken agieren mu$s, zur Defeusjijn des Krei- 
ses ein Trjplum an Volk und Simplum an Geld spätestens in 2 MooktcD 
aufgebrai'ht und dahei die 16G3 gcmaclitc Eiutheihng der Compagnieen, 
Regimenter u. s. w. beibehalten werde. Was Kf, für seine Rurlaude toü 
den vorigen liiwdligungen uoth schuldig (etwa 1838 Rcichsthaler), erhallen 
Gee. mit zur Ablieferung in die Kreiskassr, was Kf. wegen II i ii lerpom- 
meru und Caramin von den seit 1656 gewilligten Römermonnlcn norh 
zuzutragen lial, soll »uch ehest erfolgeu. 

2) Sollten die kaiserliihe und Reichsarmee sifh vor dem KrbTeind re- 
tirieren müssen, so müssen alle Völker des Kreises zusammengezogen und, 
da die beiden Kurfürstenthümer zunächst tod dem AngiifT bedroht .»iiid. 
diese vornehmlich gesehiitzl werden, Kf. würde dann Crossen, Frank- 
furt a. 0., Beeskow und die Oerter daherum in Acht nehmeu Uiid will, 
da K.Sachseu mehr Oerter zu bcsetzcu hat, mit eiuem Drittel des Kreis- 
volks zufrieden sein, und müsele im Notbfall ein Theil dem anderen on- 
gcsäumt succurrieren. 

3) Kf. wüus.bl Veriiniguag mit dem Niedersächischcn Kret^^e zs 
gegenseitiger Hnlfeleistung, es ransa sofort eine Absehicknng dortbin erfol- 
gen, dicsellje würde am besten von K.Saibsen, Kf. und Sachsen- Alten- 
bürg gcsibeheu, Kf. will dizu seinen Hylbcrstadtisthen Regierungaralh 
Joh;ini> Butcndach bestimmen. Da die Slcheiluit des Obersä-bsieehei 
Kreises besonders dnranf beiuhl, dn^s die Gruizcu der Ober und Nie- 
der-IjauEltz wnhl verwahrt werden, so sollen Gc.=, aufnigi-a, ob K.S. 



InstriiktioD für die Gesandteu zum ObersächsischeD Kreistage. 277 

dazu die KreLsbüIle luit gebraacheu wolle, doch müsste er dann a part 
dieser Lande wegen za diesem Defeosionswerk zotragen. 

4) Kf. ist eiD?erstanden damit, dass W. Chr. ?. Arnimb als Gen. 
Lieutenant das Commando über die Kreistrnppen übertragen werde, doch 
darf ihm, bevor er nicht wirkliche Dienste thnt, die volle Verpflegung nicht 
gereicht werden. Diese Verfassung darf erst aufhören, wenn die Gefahr 
beseitigt ist Die Artillerie betreffend bat schwere Stücke der Stand her- 
zugeben, in dessen Lande agiert wird, wegen der Feldstücke kann es bei 
dem bleiben, was auf dem vorigen Kreistage beschlossen ist. 

In dem Notifications5;chreiben an den Kaiser kann erwähnt werden, 
derselbe möchte wegen des Proviants für die Armeeen, Beschirmung der 
Grenzen und Festungen gute Anstalt treffen und den Ungarn, Schlesiern 
und Mähren das exercitium religionis nicht ferner hemmen lassen. 

Auf diesem Kreistage ist auch die Erfurter Sache zu überlegen. 
Ges. sollen vorschlagen, dass nomine des Kreises einige Völker in die 
Stadt entweder mit Zulassung des Raths und der Bürgerschaft gelegt 
oder sonst hineingebracht würden, um die Aufrührerischen so viel besser 
zum Gehorsam zu bringen und den Kreis zu verwahren, dass nicht an- 
dere auf Mittel, sie zum Gehorsam zu bringen, bedacht sein dürfeu, sodann 
müsste man trachten, dass die Stadt mit K.Mainz ausgesöhnt werde und 
demselben Satisfaction geschehe, doch so, dass ihm nicht mehr, als wozu 
er vorher befugt, attribuiert werde, dann würde es sich wegen des Kaisers 
und Reiches heruach auch wohl finden. 



Nebenmemorial für die Kurfürstlichen Abgesandten zu dem 
Kreistage. D. Cöln 7./[17.] Juni 1664. 

[Die besondere Verfassung zwischen K.Sachsen and K.Brandeuburg. Zuziehung 
Schwedens. Besetzung des Kreisgeneralats. Zalassang Herzog Augasts von 

Sachsen zum Kreistage.] 

Die von K.Sachsen auf der Zusammenkunft zu Torgau angeregte 17. Juni, 
absonderliche Verfassung beider Kurfürstenthnmer hält Kf. in Anbetracht 
der Gefahr und, da es mit solcher Kreishülfe so langsam dahergeht, auch 
jetzt für nöthig und zuträglich. Er lässt es bei dem dort vejrabredeteu , 
Quantum (3000 z. F. und 1000 z. K.), doch könnte zur Erleichterung der 
Unterthaneu hierin die Kreishülfe mitbegrififen werden. 

Weil aber gegen einen mächtigen Feind diese Verfassung zu schwach 
sein würde, so wünscht Kf., dass auch Schweden, mit welchem er schon 
deswegen verhandelt hat i), und andere fürstliche Häuser dazugezogen werden. 
Wenn die K. Sächsischen damit übereinstimmen, so könnte mit den an- 
wesenden Schwedischen Gesandten sofort daraus communiciert, das 
ganze Werk aber müsste auf eine besondere Zusammenkunft verschoben 

»J S. oben 8. 271. 




I 



und XU dieser aml] die uiidertii, welche ««iler dazu lu ziehen, eingeladen 
werden, iuraitielst bliebe doch das, was Kf. mit K. Sachsen abger«del, in 
seinem vigor. 

Nachdem nachträglich Kürst Emauael von Anhalt bei Kf, angeballeii, 
diigs er EU der Charge als General über die K^ei^tfuppen emplojJert würde, 
so Uast Kf. sieb denselben, doch nar Im Fall K.8. von dem ». Arnirab 
abstehen sollte, gefallen. 

Nachdem K. Sachsen beiKf. angehalten, dass er seinem Bruder, dem 

i>trator vnn Magdeburg, bei diesem Kreistage Sessiun uud votum 

wegen (Juci-rurt gestatten und ihm. wie iu Regen^burg, darin gegeu zu 

erw;irtende Opposition assistieren möchte, und Kr. ihm auf dem Reichbtag« 

. zugestunden hat, so sollen Ües. darein willigen und jenen dabei 

rstuizen. 



Waiiibüld und Budendach an den Kurfürsten. D. Leipzig 
15./[25.] Juni 1664. 

[B«gprechuug mit d<>u K.SäcbeJscbea (jessDilteii. Eroffunng des KreiBtagea.j 

i. l'J.y'2-i.Juiiiaind aie iu Leipzig angelangt, hiibeu aber aosser deu K.Säch- 

siBchen Abgesandten nur den für Vorpunimeru, Obristen Wulff, vorgefunden. 
\3.l'23. Juni haben sie die K.Sä( hsiscben besucht und angefrugt, wie 
K.S. in betreff der Äufo;jhiiie von Schweden iu die besondere Verfassnug 
deuke; jene erklärten aber, da auf der neulichen Conferenz zu Berlin 
davon nichts vorgekommen, sondern nur dieser Kreistag, Bewilligung noch 
eiues Simplum und Verbindung mit dem Niedersächsischen Kreise, so hatte 
man geglaubt, Kf. hatte seine Meinung geändert. Vergeblich rcmonslrierten 
sie dagegen, jene behaupteten, darüber nichts in Instruktion zu haben. 
V. Arnim, der etwas mehr .Affection zu dieser Verfassung als die beiden 
anderen zeigte, berichtete, .K.S. hätte unter dem Namen des Landvolks 
wohl socio M. recht geworbene Völker auf den Beinen. Als sie darauf 
fragten, üb sich K.S. zur Besetzung der Greuzcu in der Lausitz der 
Sreifchfilfe iiedieneu wolle, konnten sie darauf auch garteine kalegorische 
Kesulution erhalten. In der ersten Sitiung I4./ä4. Juni wurde nach V 
lesung der Credilive die Proposition von den K.Sächsi'icben ubgelegt, heate, 
I5./'J5. Juni, in der zweiten Sitzung wurde der erste Punkt der Propositiuo, 
Aufbringung <-ines «weiten Triplum an Mannschaft und Simplum nn Geld, 
\crhandelt. Die Vei lassung selbst wurde durehgchends für nothwendig befon' 
den. die meisten aber wollten von einer Wirbnng nichts hören, sondern 
stimmten auf Bewehrung des Landvolks oder auf ein Simplum oder höcb- 
fctens ein halbes Triplum geworbener Völker. 



Obersächsischer Kreistag su Leipzig. 279 

Dieselben an den KnifUrsten. D. Leipzig 18./[28.] Juni 1664. 

[VerhandluDgeo auf dem Kreistage.] 

Am 16. /26. hat sich endlich die Majorität für das Triplum an Volk 2S. Jani. 
und Simplam an Geld erklart. Betreffs des zweiten Punktes (Bewahrung 
der Grenzen) waren auch die Meinungen sehr ungleich, die Majorität ent- 
schied endlich am 17./27. dabin, dass dieser Punkt sich am besten bei der 
bevorstehenden Conferenz mit dem Niedersächsischen Kreise würde erörtern 
lassen, dass auch eine Besichtigung der Grenzen nöthig sei, diese aber, 
ebenso auch, auf welche Weise das Triplum zu emploji&ren, den Kreisäni- 
tern anheimzugeben sei. Nachmittags wurde Punkt 3, Bestellung eines 
Generals, vorgenommen und von E. Sachsen G.L. v. Arnheimb empfoblcn, 
wegen Verschiedenheit der.vota aber konnte noch kein rechtes conclusum 
gemacht werden. Heute (18. /28.) wurde über Punkt 4 berathen und fast 
einstimmig beschlossen, dass die Zusammenschicknng mit dem Nieder- 
sächsischen Kreise nothwendig sei, und wurde dieselbe den Kreisämtern, 
K.Sachsen, K.Brandenburg und Sachseu-Altenburg übertragen. 
Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Erfurter Sache vorgebracht und 
fast einstimmig beschlossen, an den Kaiser und an K.Mainz zuschreiben, 
dass die Stadt, nachdem dort die innere Unruhe beseitigt und sie schon 
völlige Parition geleistet, vom Banne befreit werden möge. Gestern Nach- 
mittag bei der Gegenvisite der K. Sächsischen haben sie sich vergeblich 
bemüht, deren eigentliche Intention in betreff der absonderlichen Verfassung 
zu erfahren, dieselben erklärten nur, man solle noch nicht mit den Schwe- 
dischen communicieren , sondern erst den Ausgang dieses Tages und der 
Conferenz mit dem Niedersächsischen Kreise abwarten. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 22. Juni/ 

[2. Juli] 1664. 

[K.Sach8en|verweigert die besondere Verfassung. Die Erfurter Sache.] 

Da auch aus dem Beantwortungsschreiben K.Sachsens hervorgeht, 2. Juli, 
dass derselbe die absonderliche Verfassung nicht für vorträglich hält, so ^ 
sollen sie deswegen keine weitere Anregung thun. Dass Erfurt den kai- 
serlichen Mandaten völlige Parition gethan, kann Kf. aus dem, was bisher 
ihm zugekommen, der Formul des Gebets und anderem, nicht befinden, Ges. 
sollen darüber gewissen Bericht einziehen und, wenn es sich nicht befindet, 
ihrer Instruktion nachleben. 



280 Der AnfBn^ Jus Itcgeusburser Roiclislagea. Auliang, 

Die Gesandteil im den Kurftirsteii. I>. Leipzig 27. Juni, 
[7. Juli] 1664. 

[Die leUten VerhaDdluagen a,\i( dem Kreistage. ) 

7. Juli. Nüuhdem am 2l),/.'tO. und -21./31. Juni zunäcbst durch eiue Depatatlug 

mit G. L. V. Aniiuib Terhandelt und diitiii be^chlitssca wgrdeu war, aoter 

Idea von dieser mit demselben verabredeten Beditigiiiigea deinselbea dat 
Conimando der Kreisvölker zu Übertragen, wurde am '23. und 2i «egeii 
VerbtsBciung der Verpflegungsorduung veriiandelt und ausserdem besrhlos- 
seu, dem Froviantmeister wegeu der Correspondenz moiiallicb 30 Th;tlti 
zu seiuer Ü;igc zuzulegen. Aui 25. wurde der Absehied verleEMi, G.L. 
V. Aruiml) dein Krei^e verpBiehtet und da» NotiÜCätioiisscbreiben au dea 
Kiiiacr ') inif der inaerievteu Verwendu')g für Erfurt verlesen, und aU Gec. 
bcauiragteii, duuselbeu wegen Beisibaffanf; des Proviants für die Arme« 
in Uiigiirii, Bewachung der Urenze und Qestattuug des exercitii religio> 
in meinen Erbl inden zu erinnern, beschlossen, deswegen besondere Schrei- 
ben abieafaä^eii. Am 26. wurden dieselben, sowie die revidierle Vcipfle- 
gungisordiiuug verlesen und dann der Kreistag jicesi^ blossen 



I 



KrcisabsfOiied des übersächsisclien Kreiatagee. 
25. Juni/ [O.Juli] 1664. 



D. Leipzig 



[Bewilligung eluea neuen 1'riplutn sn Volk 

lüspiuioruug ilitr Uruuzau. EruaDuang v. J 

Koriiliüffura zum Kruiezatl- 






Üg einea Siniplum ao Gald. 
General der Krutstruppen, 



Da das im vorigen Jahre beschlossene und wirklich anTgebracble Tri* 
plum an Volk, niichdeni auf dem Reif hü tage dem Kniser vom ganteo 
Reiche ein Trjplum bewilligt worden, noch Ungarn geschickt uud so 
giiuze Krdsverfassung dahin angewendet ist, ist in anbetrncht der furt- 
dauernden Gefahr beschlossen worden, ein neues Triplum aufzubriugen, 
wozu ein jeder ätiiud seiu Conliiigeot binnen zwei Monaten bereit eu halte 
hat. Zugleich hat jeder Stand Vorkehrung zu thnn, diiss im Noihralte eia 
allgeiueiues Landanfgebot erfolgen kann. 

Die .aul dem vorigen Kreistage angefertigte Liste der au fznb ringenden 
Völker und die lie Stimmungen über die Vertheilung derselben unter die 
einzelnen Stände, über Besoldnng, Artillerie, Munition n. s. w. e\ati revi- 
diert und neueingerichtel woiden und sollen in dieser GestHll pro noi 



') Dasselbe (d. :>ü Juni/ri. Juli 1661) bei v. Tetlau, Die Reduktion voo 
Krfurl «od die ihr vorangegangenen Wirren (Jahrbücher der K. Akademie gemeio- 
oütziger WiaHCDHcbafteo tu Erfurt. Neue Folge. III S. SU f.; InbaltAaiigib« 



Oberfiachsificher Kreistag zo Leipzfg. -281 

Za dem »uf dem vorigen Kreistage bewilligten Simplam an Geld ist 
noch ein anderweitiges Simplam binnen Monatsfrist znr Kasse zu liefern 
bewilligt worden, auch soll im Fall der Noth ?on dem Kreisobersten mit 
Zustimmung des Nach- und Zugeordneten noch ein Monat ausgeschrieben 
werden. 

Betreffend die Sicherung der Grenzen des Kreises gegen Böhmen und 
Schlesien hin, ist zunächst luspiciernng derselben und Berichterstattung 
darüber an den Kreisobersten beschlossen worden. Ob aber solche Grenze 
mit Landvölkern zu besetzen und das Triplutn von den Geworbenen zu 
mehrerem Nachdruck* beisammenzuhalten und an den bedrohten Ort zu 

m 

stellen, ist bis nach der mit den Niedersächsischen Kreisdeputierteu 
wegen reciprocierlicher Assistenz beider Kreise zu haltenden Conferenz 
ausgesetzt worden. 

Das Conimando über das Kreiscorpo ist dem G.Lieutenaut v. Arnimb 
ubei tragen worden, derselbe soll nur einen G.Adjutanten unter sich haben 
nnd soll dafür vom 1. September an ausser der Kriegsoperation monatlich 
233 Rthlr. 8 Groschen, wenn er aber zu Felde gehen und gegen den Feind 
agieren muss, 466 Rthlr. 16 Groschen erhalten. Zum Kreiszahl- und pro- 
viantmeister ist der Obriste Wachtmeister Johann Kornhöffer ernannt 
und demselben für sich und seine Leute 100 Rthlr, dazu noch für Füh- 
rung der Correspondenz 30 Rthlr. monatlich bewilligt worden. 

Die KreisrechAungen des Raths von Leipzig sollen durch eine De- 
putation geprüft werden. 

Dieser Kreisabschied soll dem Herkommen nach dem Kaiser und den 
4 benachbarten correspondierenden Kreisen communiciert werden. 



Abschnitt 5. 

Der Türkenkrieg. 
1663-1664. 



Einleitung. 



Der Kriesr, welchen Kaiser Leopold I. in den Jahren 1663 — 1664 ge- 
gen die Türken zn führen gehabt hat, ist veranlasst worden^) durch die 
Siebenbürgi sehen Wirren der Jahre 1658 — 1662, und diese wiederum 
haben ihren Ursprung in den Verwickelungen des nordischen Krieges, 
^n diesem Kriege hatte auch, und zwar auf schwedischer Seite, der unter 
türkischer Oberhoheit stehende Grossfürst von Siebenbürgen, Qeorg 
Rakoczy II. Theil genommen. Von König Karl Gustav durch das 
Versprechen eines Theiles von Polen angelockt, war derselbe, ohne die 
Zustimmung des Sultans einzuholen, 1657 mit Heeresmacht in Polen ein- 
gefallen, aber sein Unternehmen hatte den unglücklichsten Ausgang gehabt; 
von seinem schwedischen Bundesgenossen, welcher inzwischen seine Waffen 
gegen Dänemark gewendet hatte, im Stich gelassen, war er von den 
Polen und den mit diesen verbündeten Tafaren geschlagen worden, fast 
sein ganzes Heer war vernichtet worden, und er selbst hatte als Flüchtling 
in seine Heimat heimkehren müssen. Zugleich aber hatte er sich durch sein 
unvorsichtiges Unternehmen die Ungnade des Sultans Muh am cd IV. zuge- 
zogen. Dieser, welcher mit Polen in Frieden geblieben war und dasselbe durch 
die von ihm abhängigen Tataren hatte unterstützen lassen, erklärte Rakoczy 
für abgesetzt, Hess, da derselbe Widerstand leistete, Truppen in Sieben- 
bürgen einrücken und ernannte, ohne sich um das Wahlrecht der dortigen 
Stände zu kummern, einen anderen Magnaten Barcsai, welcher sich zu 
härteren Bedingungen verstehen musste, zum Grossfürsten. Aber die Mehr- 
zahl der Siebenbürgen hielt an Rakoczy fest, und so wurde dieses Land 
während der Jahre 1658 — 1660 der Schauplatz eines wechselvollen und ver- 
heerenden Krieges, in welchem schliesslich Rakoczy unterlag. Im Mai 
1660 wurde er in dem entscheidenden Treffen bei Szaraosfalva geschla- 
gen und tötlich verwundet und starb bald nachher in Gross Wardein. 

8. V. £Dgel, Geschichte des Ungarischen Reiches V S. Iff. Ziokeisen, 
Gescliicbte des Odmauischeo Reicbcs IV 8. b71ff. Pohler, Oesterreichs Türken- 
kriifg i<>(j3—16G4 (Programm des köuigl. FrieüricbsgymuaBiums zu Frankfurt a. O. 
1^7H; «In^srlhp holiririfiolt nur die Vorgeschichte di'S Krieges bis 1660). 



28G 



Der Tärkealirieit. 



I 



Das lürbiscbe Heer zog darauf gegen tlicBe fepte Stadt, die kitiue ßei^atxDng 
derselben vertheidigre gich mit der grössten Tapferkeit, masste aber eiidlich 
um 30. ADgUit CRpitulieien. Daeh die j\Dbäiit;c-r Rakoczys setzten 
WiderslftiiU furt und erwählten 1. Januar Itiöl deB^ell friiheren Felübt-rieii 
Kemeny Janos zum Gfüs^fürt^tcn. ober die Ffori« wollte deoselbon ufchti 
HtierkeDucD, sie erzwaug, naebdem llarfsai in dessen Hiinde ger>(lleu und 
Ton ihm getötet war, die Erhebung eines nnderen Magnaten Micliiiel 
Äpaffy znra Grossfürsten und liess, al» Keinenv den Widerstand fort- 
setzte, 1661 aufs neue ein Ueer in Siebenbürgen einrücken. 

Die oeEterreichische [legierung batte in die^ien Wirren bisher ein« 
sehr zweideutige Haltung eingenommen. Sie batte die Bitten Rakoczy« 
Hülfe zurückgewiesen, hatte denselben aber in~gehcJni znni Widerstände' 
ermuntert und ihn in }<eiaer Bedrängnisg ll>bS zutä Absrhiuss eines Ver- 
trages bi-wogen, in welchem er vier Festungen dem Kaiser eu übergeUeB' 
zage^agt, und diese Festungen waren d'iun au'b durch die Tnippeti 
des in Obcrungani stehenden kaitcriiehen Gcneraiü de Süuches beseist 
worden. Als daun die Türken vor Gross Wardein erscLii-nen, liatt« 
die Besatzung in Wien um Hnlfe gebeten, der Kaiser hatte auch dk 
Souches den Befehl ertheilt, der Stadt Entsalz zn bringen, allein der Be. 
fehl war zn spät gekommen und dessen Triippeuuiaeht zu schw.-ich ge- 
wesen, als dass er demselben hätte Folge leisten können. Nach dem Falle 
der Stadt batte ^iiu die oestcrreicbisebe Kegierung in Constantinopel 
'drohende Vorstellungen gcniHiht. i«ieb des Wahlrechte der siebeubiir- 
gisehen Stände angenommen und zugleich verlangt, dnss diejenigen 
ben Oberungarist he n Cumitate, welrhe sie trüber Rukuczj ebenso 
dessen beiden Vorgängern Bethlen Gabor und Georg Hakoca^ 
I, nuf Lebenszeit überlassen hatte und welche sie jetzt als he'.mgerallett 
betrachtete, ihr zurückgegeUen würden, aber die Pforte wollte daran 
iiiehtB wissen und so kam tu, obwohl keine föimliehe Kriegserklüraug ef 
folgte, 1661 zum Ausbruch der Feiiidseligkeilen in Ungarn. Diese'] wnci 
den zunächst von beiden Seiten tuit sehr ungenügenden Sircitkräfteii ge- 
führt. Der kiiiserliche Feldmarschall Monlcruccol i, welcher mit etw* 
2&ÜQ0 Miinn bei Coniorn stand, erhielt den Befelil, nach Siebenbürgen «or- 
zugchen und Kemeny Janoa zn unterstützen. An der Tlieiss bei To- 
kiii angekommen, fand er das türkische Heer unter dem Pascha Ali vo» 
TemeKwar bis dorthin vorgedrungen, aber derselbe wagte keinen Kampit 
und zog sieb vor ihm zurück, Montecuceoli lolgte demselben bis i» du 
Inneie von Siebenbürgen, besetzte Klause ribu rg, nber sein Heer litt in 
dem aufgesogenen Lande, desfen BeTölkerung d'u Kaiserlichen wider^ 
willig, ju feindlich gegenübertrat, die grösste Noth, so begnügte er tick' 
dntuit, Klausenburg mit Besatzung und Froviant zu versehen and etl|' 



caccobs gegen diu Türkei 
■chrirti, 1 S. Iff;. Unuip 



■.9010' Riutelen, die Feldznge MoDt»- 
. — Iliü4 (Oeilerreidiiache militarifclie Zeil- 
anilo MouteCDCCOli S. 3iK)ff 



fiioleitaDg. 287 

kleines Trnppencorps bei KemenyJanos zurückzulassen, dann kehrte er 
nach Oberungarn iu dio Winterquartiere zurück, während auch die Tuiken 
sich nach Te-meswar zurfckbegaben 

Zu Anfang des folgenden Jahres 1662 fand Kern eny Jan os bei ei- 
nem Versuche, seinen Gegner Apaffy zu überwältgen, seinen Uutergang. 
Apaffy ?erlangte darauf von dem Kaiser Aherkennung und Räumung 
der Yon den Truppen desselben besetzten Plätze, der Kaiser wies diese 
Forderungen zurück, knüpfte aber mit der Pfoite zuerst durch den nach 
Constantinopel geschickten Hofkammerrath Beris, dann durch seinen 
dortigen Residenten Reunig er Unterhandlungen an, welche, von den Tür- 
ken das ganze Jahr hindurch hingezogen wurden, während dieselben gleich- 
zeitig gewaltige Rüstungen veranstalteten. Trotzdem erneuerte der Wiener 
Hof, welcher zumal bei der schwierigen Stimmung der üngbrn den Krieg 
zn vermeideA wünschte, (den im Mai 1662 in Pressburg versammelten Reichs- 
tag hatten die protestantischen Stände, weil ihre Klagen abgewiesen worden 
waren, verlassen, und auch die übrigen hatten die Entfernung der deutsehen 
Truppen aus dem Lande verlangt) Anfang 1G63 die Unterhandlungen und 
schickte den Freiherrn de Goes an den türkischen Hof. Anfangs zeigte 
sich der Sultan zu Unterhandlungen, bereit, beauftragte Ali Pascha mit 
denselben, und zwischen diesem und de Goes sowie dem demselben beige- 
gebenen Renniger kam es in Teraeswar zum Abschluss eines Präli- 
minarvertrages, nach welchem der Kaiser zwei von jenen ungarischen Conii- 
taten zurückerhalten, dafür aber Apaffy anerkennen und in die Schleifung 
der von dem Banns von Croatien, Graf Niclas Zriny nen angelegten 
Festung Serinwar willigen sollte. Der Kaiser ratificierte diesen Vertrag, 
als nun aber de Goes und Renniger sieh zu dem Grossvezier Achmed 
Köprili begaben, welcher inzwischen an der Spitze eines grossen Heeres 
bis Belgrad vorgerückt war, wurden sie von diesem auf das bochmüthigste 
empfangen, die Ratification des Vertrages verweigert und .neue, geradezu de- 
müthigeude Bedingungen (Zahlung einer Kriegscontribution und Erneuerung 
des früheren Tributs) gefordert, auf welche sie nicht eingehen konnten, und 
&ie in Haft behalten. So brach der Krieg wieder aus und zwar für den 
Kaiser unter den ungünstigsten Aussichten, da derselbe dem türkischen 
Heere von 120,000 Mann, welches nicht nur Ungnrn, sondern auch seine 
deut8(hen Erblande bedrohte, von eigenen Truppen nur etwa 28,000 Mann 
entgegenzustellen hatte, von denen ein Theil in den sicbeubürgischen und 
ungarischen Plätzen zerstreut lag. 

Allerdings hatte der Kaiser gleich beim Beginn dieser Verwickelungen 
versucht, si< h Unterstützung von Deutschland her zu verschaffen, er hatte 
zu diesem Zwecke zunächst, da er die Berufung eines Reichstages zu ver- 
meiden wünK-hte^), bald nach dem Falle von Gross Wardein, zu Ende 
des Jahres 1660, Abgesandte an die einzelnen Kurfürsten und an die mäch- 
tigeren Fürsten und Reichsstädte geschickt, um von die.^en eine Beihülfe 



») S. oben ä. 150. 



r.. n?r Türkenbrieft. 

womöglich an Geld für die gegen die Türken zii treffenden Rüstungen in 
erwirken. Bei dem Kurfürsten von Brandenburg, welcher damals 
Cleve verweilte, evt^chieii AnTnoEr 1G6I der kaiserliche Reichsborrath und 
Kämmerer, Obrist Graf Claudias Colalto, welcher schon kq Anfang des 
Jjihres 1660 zusaromen mit seinem Schwiegervater, dem Fürsten Qouzaga, 
zu demselben nach Berlia gesendet gewesen war ')• Ücber die mit dem- 
selben geführten Verhandlungen finden sich jetzt in dem Berliner Geheimen 
Staatsarchiv keine Aufzeirhnungen, solche seheineu aher noch Pufenc 
vorgelegen zu haben, und aus dessen Angaben'), welche durch gelegent- 
liche AeuBEerungen ') des Eaisers, de» Kurfürsten uud der Gesandten dea- 
selben auf dem Reichstage bestätigt verden, geht hervor, das« Coialto 
dem Kuifürsien die Gefahr eines Türkenkrieges, nachdem durch die Be- 
setzung von Gross Wardein der Waffenstillstand von 1049 gebrochen 
sei, vorgestellt lind Hülfe von ihm selbst sowie Verwendung deswegen bei 
andereu Fürsten gebeten hnt, dass der Kurfürst') sich daza bereit erklärt 
und Zahlung von lüOOOO Thalern Sulisidieugeldcrn versprochen, insgeheim 
aber sieb aasbednngen hat, dass er diese fjuutme nicht gleich zu za 
brauche, sondern der Kaiser dieselbe erst, wenn es wirklich zum Kriege 
kommen sollte, verlangen sollte. Die veri^prochenen Schritt« bei anderen 
Fürsten hat der Kurfürst gethan '), er hat d:trail aber ebenso wenig Erfolg 
gehabt wie der Kaiser selbst, und »o musste sieb dieser, um Hülfe zu er- 
lialteii, .Anfang 1662 zur Berufung des Reichstages entsrbliessen. Welche 
Rolle der Kurfürst auf demselben gespielt, wie er sieb insbesondere iu 
Verhandlungen über die Türkctihiiire verbalten hat, gebt aus den in den 
vorigen Abschnitte mitgetbeilteu Aktenstücken hervor und ist auch in dcf 
Hiuleitung zu demselben kurz dargelegt worden. Der Kurfürst bat aacb 
dort während der die ganze erste Hälfte des Jahres 1663 sieh hinziehenden 
Verhandlungen darüber die Forderungen des Kaisers nachdrücklich unter- 
stützt, freilich aber hat er sich wieder insgeheim ausbedungen, dass er st 
von der von dem Reiche ta leistenden Hülfe entbunden sein sollte. Dieses 
ja nicht gerade besonders rühmlich eriieheinende Verhalten erklärt sich 
daraus, dass der damals in Preusseii befindliche Kurfürst angesicbts der 
ihm von Schweden und von Polen ber drohenden Gefahren sowie Eeiaer 



»^ S. ürk. u Akt. VlII S. 421, 42S, 

•) L. IX 5 77 (3. 620). 

') S. dae Schreiben des Kaisers an Kf. vom 2t;, Uai 1663 and den Bericht 
der Gesnodleu aus Beg.-naburg vom •). Apri! (iben S. 178.) Der KT, bemerkt 
jii einem Rsaeriple bd die Gesaudlea vom G. Märt lljti'<, er habe, als der Kalter 
Cülal ta zu ihm Dach Cleve gdscliickl. sich willfährig wogen der Türkenhülfe erkläcL 

') Id dem Oeheimenrailii-Prolokoll vom 11. Februar IGiil wird bemerkt: .l>«I 
H. 0. Prüsid. vrrleseu das Concept einer Resolution, so dem kaiserl. Abgeord- 
neten Grafen C'olalto wegen gesuchter Turkeubülfe gegeben worden.' 

^) Noch den Geheimenraths-Protukallen vom 11 Februar und f>. MSri liul 
Mt. sowolil die Colnltc ertbeillo ReBoiiilion ala auch ein in Aogolegctiheil <]« 
Türke ab Ulfe an den Kaiser gerichtetes Sclireiben den übrigen Kurfiirstea mittheilcB. 



fiiDleitaDg. 289 

Streitigkeiten mit den Preu 6 si sehen Ständen es für nothwendig erachtete, 
die sehr beschränkten Mittel an-Trnppen und Geld, welche er besass, zn- 
sammenzuhalten, nm dieselben im Nothfall dort im Norden znm Schutz 
seiner eigenen Lande nnd znr Wahrung seiner Interessen zn verwenden. 
Andererseits aber ist es sehr wahrscheinlich, dass anch er ebenso wie an- 
dere dem Kaiser wenigdr günstig gesinnte Fürsten Zweifel daran gehegt 
hat, ob denn wirklich die Gefahr des Türkenkrieges so ernstlich sei, und 
ob nicht der Argwohn, welcher von französischer Seite auch ihm gegen- 
über geäussert wurde i), dass der Kaiser nicht daran denke, gegen die 
Türken Krieg zu fuhren, Fondern dass er die unter diesem Vorwande von dem 
Reiche zu erlangenden Mittel zu ganz anderen Zwecken zu verwenden ge- 
denke, gegründet sei. Aus den Berichten, welche er von seinem Residenten 
in Wien, A. Neumann erhielt, erfuhr er, dass man am kaiserlichen Hofe 
eifrig bemüht sei, den Bruch mit den Türken zu verhüten, dass noch bis 
in den Sommer 1662 hioein die Aussicliteu auf Erhaltung des Friedens 
günstig schienen, nachher klangen die Nachrichten allerdings drohender, 
zu Anfang 1663 aber, gerade als die Reichstags Verhandlungen begannen, 
kam die Kunde von dem zu Temeswar abgeschlossenen Waffenstillstände 
und erst Ende Juni, nachdem man erfahren hatte, dass der Grossvezier 
jenen Vertrag verworfen habe und mit seinem Heere im Anzüge sei, konnte 
kein Zweifel mehr darüber bestehen, dass der Krieg wirklich vor der Thür 
stehe. Am kaiserlichen Hofe ist man schon Anfang Mai infolge der Nach- 
richten über die tüikischen Rüstungen von der Aussichtslosigkeit der Frie- 
deosveihandlungen überzeugt gewesen, angesichts der diohendeu Gefahr 
und in der Erkenntnis, dass vom Reichstage wenig, am wenigsten eine 
schleunige Beschaffung von Hülfe zu erwarten sei, entschloss sich der 
Kaiser aufs neue, Gesandtschaften an einzelne ihm freundlich gesinnte Für- 
sten zu senden und von diesen die sofortige Sendung von Hülfstrnppen zu 
erbitten. Mit diesem Auftrage erschien Ende Juni bei dem noch immer in 
Königsberg weilenden Kurfürsten der demselben schon von den Verhand- 
lungen der Jahre 1657—1660») sowie von seiner späteren Thätigkeit als 
Gesandter in Polen ^ wohlbekannte Freiherr de Lisola, dem bald auch 
ein spanischer Gesandter d'Ucedo folgte. Damals hatte der Kurfürst 
freiere Hand, schon Anfang Mai waren die Streitigkeiten mit den Prenssi- 
sehen Ständen geschlichtet und ein den Wünschen des Kurfürsten entspre- 
chender Landtagsabschied zustande gekommen ^), auch die Aussichten in 
Polen hatten sich günstiger gestaltet nnd ebenso hatten die seit Anfang 

S. ürk. u. Akt. II S. 261f. 263f. Vgl. die Schreiben Ludwigs XIV. au 
Gravel vom 4. Januar, 27. Mai, U.Juni und 9. September 1662 (Guhrauerll, 
S. 321. 332 334. 341). 

2) S. Urk. u. Akt. VIII S. 2 12 ff. 346ff. 702ff. 

3) S. ürk. u. Akt. IX, S. 29ff. 

*) S. Pufendorf 1. IX§50 (S. ö89f.). Droysen, Gesch. der Preuss Politik 
III, 2 S. 454. 

Mater, s. Gesch ü. G. Kurfürsten. XI. W) 



'2'M) 



Der Tnrkenkries. 



des (Inhrcs in Schwede ii durch v. Krorkow fceführlcn Verhniidlungrn ge- 
rade daiiiala e nen ern'tereii Gaiip genommen '), d*^r Kf wnr so im »taadr, 
dem hedrüngten Kaispr Hüirr zu leisten, und er hat dieses nach wirklich 
in nafhdrürklich^ler Weise peth.'in. 

Die in diesem Äbsrhnitc milgciheilcen Akten liegitinen mit den vom 
Juli nn bis Anfang September 16G3 mit Msola $i;eliibrteu Verhandlungen, 
dieEellicn Terfolgtii dnnn die Schicksale des von dem Korfurslen dern Kai- 
ser anirr Führung drs Herzogs August ron Holstein za Hüire gesthick- 
1en TruppcDcorps und t,ie veranscb^iuliiben zugleich die Bemühungen, welrlie 
der Kiii-rürst ebenso wie auT dem Reii'bsia^xe und im Obersüchsisrben 
Kreise HUrh bei anderen Reirhsfürsteii und in den Niederlanden im Inter- 
esse des Kaisers uufcewcndet hat. Des mhmTollen Anttieils, welchen die 
branderibur)iischeri HülT^truppen an dem Feldzngc des Jahres IG64 anf dem 
obeinngarihchen KriegsEchanplatze genommen haben, ist in den von kaüer- 
lichiT Seite veröffentlichen Beri' hten wenig- gedar-ht worden und auch in 
di-n aar diesen bemhenden späteren Darstellungen dieser Kampfe i^t davon 
wenig zu finden'), jnerst Pufendorf) hat anf Grund der von ihm be- 
natzten Kelationen des Herzogs von Holstein einen zwar gedrängten, 
aber die wesentlichen Punkte berührenden Birieht darüber gegeben and 
neaeritint.'s bot dann Oroysen*) sowohl diese militärischen Ereignihse als 
iiberhuupt die Thällgkeit, welche der Karfürst während diesem Türkeukriege^ 
entfaltet hat, in eingehender Weise dnrgestellt und gewürdigt 

Wenn der Knrfürst in «o eifriger und wenigstens theilweise erfolgreicher 
Weite den Kaiser in diesem Tüikenkdej^e unterstützt bat, so liat er dabei 
doch keineswegs seine eigenen Interessen ausser Acht g<-lassen Kr bat bei 
den Terhandlungen mit Lisola es durehge^et^l. dac^a der Kaiser den Solu 
und Unterbau der ibm tn Utilfe gesandten Truppen übernahm, und da er unter 
Berufung darauT, dnss dieses dem Kaiser tlbe^las^rnc Corps stärker sei aU 
das Coniingenl, welrhes er nach der Keichsmatrikel zu dem Reichsheere 
liiilie stellen müssen, jeden Beitrag tu der Ausrüstung und dem Uaterhnlt 
dieses leileren ablehnte, so hat er wenigstens Geldopfer auf diesen Krieg 
hiebt verwendet, im Gegcntheil selbst während dieser Zeit an den Heer*s- 
knsten sparen können^). Zugleich hnl er dieae Gelegenheit benutzt, mn 
eine iilte and schon mehrmals vorgebrachte Forderung an dcti Kiiiser >u 
erneuein Schon auf dem litKten Rei. Iistage') (16f>.'5). d,inn bei Gelegenheit 
der Kiiiseiwiihl Leopolds I. (n;5)*) und nachher ani-h während der durcb 
die Bnndrst!nn)SEensthaft im norditchen Kriege vi-rniilnssten Verfannil 



') S. ürk. n. Akt. rx 8. TB'i. 

^ a. Itroysau, ««ilriitie nur Kritik PurenJi.rfs .-•. 1-9D, 

=) L. IX §77. 7K. S. Drujien a. b. 0. 

') Gesch. der Preiiaa. Politik III, H S. »Iff. 

') S. Hirsch. Die Aim.-8 liei Grossen Knrrürsten S. -JiSf. 

••) S. Urk. u. Akt. VI S. yoir 207. 209. 211ff. ai-iff. 271. 



EiDlpiliing. 



2f^l 



luiigtii') Ijalle der Kurlür^l die alte Forderung seiiip^ HaDses aaf die 
Zurückgabe des Fürstenthums Jagerndorf oder auf eine wenlftetens iheil- 
wei^e in Landgebiet bestehende Entscbäiltgung d:iliir gel'end geaiiieht, aber 
diese Bemühungen waren bisher immer erfolglos geweseu, der Kaiser hstte 
gii^h zuletzt iD der detD nach Wien gesrlijckten Oelieimenrathe Friedrich 
r. Jena am 5. Januar lfi59 ertbeiUen Resolution') nur zu einer Geldent- 
scbädigung im Betrage von 180,000 Thslern bereit erklärt. Doch h.'itte der 
Knrrürst die Sache nicht ruhen lassen, schon Ende December 16t)l, als 
die Berufung des Reichstages schon als sicher gellen konnte, hatte er in 
seinem Geheimen Ratbe') die Frage erörtern lassen, ob er niciit wieder 
schon jetzt bei Zeiten wegen der Balisfaction für J äg ernd orf am kaiser- 
t.clien Hof anhalten und, wenn diese nicht erfolgte, diese Sache an den 
Reichstag bringen sollte, und Anfang Mai 1662 hatte er dann wirklich im 
den Kaiser ein Schreiben gerichtet*!, in welchem er nach Recnpitulution 
der bisher in dieser Angelegenheit gefühlten Verhandlungen, bei denen, wie 
et klaffte, sein Hans allezeit mit dilatorischen Resoluiionen vergeblich nnf- 
g chaiten worden sei. und nochinaligei' Auseinandersetzung des Sachverhaltes 

^V <) 8. Utk. a. Akt. VIII S..13!iir. SOtiff. 500. 513 f. 

^r =) Ork. a. Akt. VIII S, 371. 

1] Oeh'inieriraths-Pratotolt vom I8./28. December 1661; inm'SchluiB heivxt 
i'i: .Es iat aber aaa dleaem allen bei dem Uiscurs verblieben dd<I kein Scbinvs 
eeworüen,* 

') d. Cölü 26. April/S. Mai U»i. Der SchluHa laulel: .kl] ivetJu tlaUeto gn- 
nöthigt Eu. Key». M. Dochmala ganz gehorsambst — za blltcn, Sie wollen in 
Betrachtung meiner eonderbarca Dienste aail offenbaren klaren Recbleas nun- 
wehro gernbeo, den jeUigen Delentorem, den PürBten von Lieb tenstein — bd- 
zubefehlen, sofort mein Herüoglhiitn Jägerndorf za ränmcn nnd mich dnmit nicht 
länger anfhallen m lassen. Damit auch Eu. Keys. M. mit dieser Sache so viel 
und allein nicht mehr behelliget wiTden dörffen, will ich mich bei so bewaodlen 
Umständen zngleicb an mein Herzogthumb und dessen unrechtmässigen Deten- 
lorera — halten und werdu ulso auf des Dplentoris fernere Verzögerung mit Eu, 
Kej8. M. gnädigslen PermisBion und Znlass sahen, wie ich ehest wieder t.u der 
würklichen rossession — gelangen könne. Welches mir dann weder Ea. Keji, 
M. noch auch jemsnd anders geslaltuu Sachen nach — nicht verdenken, son- 
dern vielmehr mir dazu behülSich sein werden. Gleichwie ich über djeees alles 
an Ea. Koys. M. nicht deshalb bringe, ats wenn ich mich mit dem Detentore, da 
das Kecbt so lange nicht zu erhalten und ich dazu noch deslilulna und objaclns, 
rechtlich einlassen wollen, also bedinge ich auch hiermit nochmals zum aller- 
fitierlichslen und getroste mich Eu. )Leyg. M giiütligetpn ileislandes." lu dein 
QeheimenralbB'Protokoll vom 14./24. April wird bi^mprkl: .Ein üoncept Schreibens 
an I. Keys. M. we^en JägeraOorlTiscbe Keslilution von H. Üantil. Jena verlesen 
worden. H. Platen vermeinte, es sei etwas ku hart eingerichtet. S. Chf. D. 
sagten, da'B Sie diese Sache schon f.a Osnabrngge halten wollsn anhängig machen, 
Graf Trantmannsdorff hätte aber gesagt, man möchte ee nicht thnn, dann 
1. K. M. wnlllB S. Chr. D. gewiss Salisfnctinn geben, mau eoltle es derowegen 
»O lassen, wie es wäre'. 

18» 



2fl2 



l)«r Turkeukri. 



I 



und der Rechtafrope den Kaiser ersucliie, in Aiilietrarbt ^seiner ^ouderbarfn 
Dienete und otTeDljarea klaren KechtH" dem Detentor, Fur&teu tod Lirhcen- 
xtein HTizuberehleri, fofirt das HerzogCbum ibm abzutreten, vidrigeBfnlU er 
erklärte entschlossen zu sein, sich selbst in den Besitz defselben zu »euen. 
Dieses Schreiben scIiEint g.'irnitht beantwortet worden ku sein, der RorrUrst 
ober hat nun die Geleueuhcit, welche ihm die B<:mübn[ig(.-n des Kaber)', 
Tiir den Tiirkenkrieg seine mililürii-che Hülfe ond sonstige üntersliitzong za er- 
langen, darboten, dazu benutzt, um mit allem Nachdruck diese Saehe wieder 
zu betreiben. Er b.it sofort bei den ersten Verhandlungen mit Lisola die 
Kürkgabe von JugerndorT gefordert, but dann das ErsiheJnen des epa- 
niscben Gesandten an seinem Hofe dnzo benutzt, um von dem Könige von 
Spnnien die Zusage zu erwiiken, jene Poniermig beim Kaiser zu unter- 
stützen, er hat dann einerseits bei den weiteren Verhandlungen, welche 
nach seiner Rückkehr nach lierlin mit jenen beiden Gesandten geführt 
wurden, eben die-ies Verlangen wieder vorgebrai ht, andererseits durch seine 
Gesandten in liegensburg während der Anwesenheit des K:iisers d:iselbst 
diese Sache betreiben lassen, dabei nuch t-icb die Fürsprache deä Kurfür- 
sten von Sachsen und uacbher des ganzen kurfürstliuben Collegiums xa 
erwirken gewiib-st. Trotzdem waren auch diesesin;i1 seine Betnühnngen.gauz 
vergebens, nachdem Lisola und der spanische Gesandte ihn mit nnbe- 
filimraten Verspreihiingen hingebalten, in llegensburg die kitiserlicbcn 
Minister die Veihiinülungen raonatel;ing verzögert hatten, erfolgte schliess- 
lich am 6. Mai 1664 die UesolulioR de.n Kaisern '), in welcher derselbe nur 
Huf sein früheres Verspretben, dem Kurfürsten eine Entschädigungssumme 
TOn J80 000 Thalern zu zahlen, Bezug nuhm, aber erklärte, dass er in seiner 
jetzigen bedrängten L;ige ausser Stande sei, diese Summe zu bezahlen, nnd 
dass der Kurfürst sich daher vorläufig gedulden müsse. Der KurRli'st hat 
darauf erklären lassen, dass er sieb mit einer solchen Resolution nicht in- ' 
frieden geben könnte, und hat, ab der Kaiser im August 1664 mit tbtn 
wegen Sendung weiterer Hülfslruppcn verhandeln liess, seine Forderung 
(Tiienert, jetzt sogar geradezu die Uewäbiung jener Uidfe von der Erlülloiig 
derselben iibb&ngig getnaiht, aber auch jetzt nichts nnsgerichtet, da der 
Kiiiser sieh inzwischen zum Frieden cut>chl05sen b;itte und so auf die Sen- 
dung der Hülf^truppen verzichten konnte. Wie der Kurfürst diese Mis^- 
erfolge nufgenonimen, warum er trotz derselben duch immer wieder jene 
Forderung erneuert und mit welchen Ntbengedanken er sich schon damnls 
getragen hat, dns erfuhren wir aus einem, wenige Jahre später von ihm 
aufgezeichneten merkwürdigen Entwürfe zur Erwerbung Schlesieus'). in 
«el< hem er dieser wiederholten Bemühungen o>n die Wiedererwerbunf; von 
Jägcrudorf gedenkt und erklärt, er habe in der Hoffnung auf eine gilnsli- 
gere Zukunft sich dureh die Fruchtlosigkeit derselben keineswegs betrübeD 



') S. olieQ S, -irw. 




'') Knuke. riene^i» ii<^s Pi 


iiesisfhen 


fallt in die Zuit zwiäcbcn imi n 


nd Uli. 



tea S. r)18ff; dieses ScIirirtatGck 



EinleituDg. * 293 

lassen*), dann aber auseiaaodersetzt, welche Rechte er uud seiu Haas für 
den damals in naher Aussicht erscheinenden Fall des Aussterbens des 
Habsburgischen Hauses auf ganz Schlesien geltend machen und mit wel- 
chen Mitteln dieselben durchgeführt werden könnten. 

„lomittels, auf das es nicht in Vergas geraten mochte, offters ErinDerang 
than lassen, worauff aber weuig oder gar nichts erfolget ist, wessen Ich mich 
keineswegs betrübt habe, denn ein Freundt borgt dem anderen biss zar gele- 
genen Zeitt.* 




[Die Tärheogerahr. Bilti 



Er Imt licLii KeicbElage vou der druhenilcii TUrkcDgefabr Nucbrichii] 
gegebeo, zugleich aber noih an eiDzelue Stäade besondere Gesandtfcbarten 
gescliickt. Zum Kf. sich zu begebtu bnt er den Heichshurntb , Freiberrn 
FrancifiCDE de LiEola, beaufirrtgt'), da er aber bei dem uaeieherea 
Ue^uiidbeitEZUBtande desselben zweifelt, ob derselbe sich rechtzeitig bei 
Kf. eihfiuden werde, so stellt er ihm durch dieses Sehreiben seine bedrängte 
Lage vtir. Er hat uiohls u uteri nssen, was i\i eiuem IViedliL-heu Vergleiche 
hatte rühreu können, hnt nach Mäglichkeit gerüstet und Vorkehrungcu ge- 
troffi II, dieselbeu reielicu aber gegen die Ueberuiiicht dca Feiudes nicht aus 
und er braucht Hülfe, er bittet driher Kf., ihm ^ulcbe durch rccb'zeitige 
>5cii(UiDg Tou Tru)ipeu, Krit'gtmaDiliuu und Geld zu leisteu. 



Kaiser Leupold an den Kurfürsten. D. Wien 25. Jnui 1663. 

[Drobendo Nachrichten v»d den lürbischen AbBichteo. Bitte um Rair«.] 

Er theilt dem Kf. die Kerichte seiner an den Grussvezier gesc-bicbti'ii 
Üepandtcn') mit, welche zcjgeu, daas dieser schon den Marsch niigttrcten 

') ijchreibuD älmliehen loballa hat der Kaiser ualer demaelben Datum aach 
I andere Fürsten abgeUsBeD, ». Diar. Enrop. % S. 32Btr. Londorp VIII 

HulalioD der Beicbetagegeaaudten vom tS. Juoi liiöToben Abschn. i 

') Scbou in einem Schreiben rora 2. Mai lü63 liatle der Kaiser dem Kf. an- 
gezeigt, dasB er Lisola zu ibni senden würde. Dur Ruaident des Kf. in Wien 
Andr. NeomaDD meldet von dort am 12. Mai, LisoU habe sieb hHute von ibn 
vcrabbcbiedet, wolle morgen nUreiseu und über Brealau uad Daezig u graode« 
Heise zum Kf. nach Kuiiigsberg uuaruhren. Ueber die Besorg- 
«elcbe Li so las Gesandtacbaft lam KT. in Frankreich nie in .tchwe- 
den erweckte, s. Urk. n. Abt. IX Ö. 847. Tfifi, 

'} E» liegen der Beriebt Rennigera aua Griecbilefa Weissenbnrg von 
14. Juni uud die Berichte von de Ooes und Renniger von dvmeeibün Dainn 




Seodaog Lisola's. 295 

uud bei deu Traktateu ganz unbillige Bediugangen gestellt hat, und cr- 
sucbt denselben, ihm mit allem, was er an Volk, Geld und Munition immer 
eutratben könne, schleunigst an die Hand zu gehen, zugleich seine eigenen 
Lande in Vertheidigungszustand zu setzen, damit man dem Feinde wenig- 
stens Widerstand leisten könne, bis von den anderen Reichsständen grösse- 
rer Suceurs komme. 



Der Kurttirst an den Fürsten Portia. D. Königsberg 

3. Juli 1663. 

{Bereitwilligkeit, die Wünsche des Kaisers zu erfüllen, seiue Gegenforderuugeii.] 

Wir zweifeln nicht, Ew. Ld. werden aus — des Freiherrn von 3. Juli. 
Isola Relationen mit inehrem ersehen, was gestalt wir uns in allen 
von demselben proponirten Punkten und Sachen Ihrer Key. M. alier- 
gnädigsten Intention gemäss erkläret haben, — also haben wir 
auch zu Ew. Ld. das Vei trauen, Sie werden Dero Wohlvermogenheit 
nach unsere Angelegenheiten und billigmässige desideria, insonderheit 
wegen des Herzogthumbs Jägerndorf bei I. Key. M. hinwiederumb 
bestermassen recommendiren, damit uns darin alle behörige Satisfac- 
tiou wiederfahre und wir zu unsern so klaren Befugnissen dermaleins 
kommen mögen. — 



Der Kurfürst au den Kaiser. D. Königsberg 

17. Juli 1663. 

[auf das ScbreibeQ vom 25. Juni. Zusage von Hulfu.] 

Dank für die Mitthellnngen , Kf. hofift, dass wenigstens der grössere 17. .roli. 
Theil der Reichsbtande das Ihrige bei der Sache thun werde. 

So viel mich belanget, so haben E. Key. M. so viel Staat auf 
mich zu machen, als ich nur immer bei meinem E. Key. M. bekann- 
ten Zustand werde thun können, ich zweifei auch nicht, es werde der 
Freiherr von Lisola E. Key. M. meine Erklärung allerunterthänigst 
zu wissen gemacht haben, es ist auch solchem zufolge von mir albereit 
die Ordre gestellet, dass zwene hundert Gentner Pulver zu E. Key. M. 

über ihre Aadieoz beim Grossvezier (Lundorp VIII ä. 925 flf., erstere auch Diar. 
Barop. X S. 334fir.) und das Scbreiben des Grossveziers an den Fursteo Lob- 
kowitz vom 20. Juni 1663 Diar. Europ. X S 343ff. Londorp VIII S. 930) bei. 



29fi 



Her Tnrkenkriep;- 



Dispomtion uaclitii Frankfurt an der Oder gcbraclit werden. Wann 
ich auch nur Nachricht erhalten, mit was fllr Sorten an ^tUckku^eln 
und Granaten K. M. gedieiiet, will icli deroselben etliche tausend 
Stück nachni vorgedacbteu Frankfurt schifken, so viel Völker als ich 
vor diesmal entrathen kann, wann E. Key. M. Erklärung einlanger, 
marcliiren lassen und in meinen Landen alle mugliche Ani^talt und 
Verfassung machen, auch mich mit allerliaud Nutdurfl an Munition 
und Magazins versehen. ^ 



Der Kurfürst an Herzog Augiistns von Holstein'). D. Königs- 
berg 20. Juli 1663 (conc. Fürst JoL. Georg v. Anhalt). 



[Aus welcbeii Truppen er das UUirshe 
iliiti iibertrageD wird, 



\ 



I 



B Türken, dessen Aofüliruiig 
Ilsen aoll.] 



i. Naclidem Wir Ihrer Key. M. einige Völker zum Succurs nach der 

Sclilegien zu Bchieken resoiviret und dazu eine Compagnie zu Pf. uud 
2 Coni]i. Dragoner von Unseren PreuBsiscIien Völkern, imgleichett 
.WO M. von Ew. I.d, Regiment und 500 von dem Goltzisehen Regi- 
ment neben der iu Unser Grafschaft Raveusperg liegenden Csqua- 
dron Dragoner') dcBtinirt und verordnet, auch Ew. Ld. aus sonder- 
barem zu Oerui^elben tragenden Vertrawen das Commando Über diese 
Völker aufgelragen: als zweifeln wir nicht, Sie werden solches gern 
und willig Itber sich nehmen, vfie wir Ihro daii fernere Instruction 
Ihres eigentlichen Verhallens halber hiernegst zuschicken werden. 
Inmittelst haben Wir vorberllrler Unserer Sqnadroii Dragoner Ordre 
gegeben, mit dem fUrderlichsten sich auf den Marche nach Unserer 
Chur Brandenburg zu begeben und ihres ferneren Verhaltens halber 
von Eiv. Ld. Ordre zu erwarten, wie Wir dan auch Unserm G.W. v. 
Goltzen anbefohlen, 500 M. von seinem Regiment in Bercilschafl 
zu halten, damit sie auf fernere Ordre zu Ew. Ld. stossen ktinuen, 
Welche von Dero Regiment gleichergestall 500 M, zum March parat 



') August, EweitertJobadvB Uerzügs Joachim Eroetvoii Holstein- Plön, 
guli. 9. Mai 1635, war ll).'}9 in den DJoQBt des Rf. gi-lrcteu und war Gunoralwacht- 
mcister uud Obursl des lui Halt^erBtiidtiscbeu und iu iler Allmurk atehoDden In- 
raQlerieregimenloB, s. Hiracl), Die Armee dea Groasen Kurfüraten und ihre ^llt«^ 
ballung wübrend der Jahre lüM— lt;i;6 (Histor. ZeitBchr, N. F. XVII S. S^C). 

') ä. ebendaaelbat S. "idt. 



Bildang eines Hülfscorpe. 297 

ZU halten und solche in 4 Compagnien jede ad 125 M. vertheilen zu 
lassen belieben wollen; jedoch muss denen dabey commandiienden 
Officieren angedeutet werden, dass wan hiernegst diese Volker wiede- 
rumb in Unsern Landen ins Quartier gehen würden, alles dabey wie- 
derumb in den vorigen Stand und auf die jetzige Verpflegung gerichtet 
werden soll; die beim Graben*) arbeitenden Soldaten können Ew. Ld. 
dabey lassen, und diese 500 M. von den andern, so in Halberstadt 
und der Alten Mark logiren, unterm Commendo Dero Obristlieulenant 
Sparren') marchiren lassen. — 



Der Kurfürst an den Feldmarschall v. Sparr. D. Königs- 
berg 20. Juli 1663. 

[ADOidDuugeD inbetreff der dem Kaiser za Hülfe za schickeDden Trappen.] 

Er bat dem Kaiser Suecurs an Volk versprochen, dazu eine Com- 20. Juli, 
pagnie Reuter und zwei Compaguiccii Dragoner von den Preussiscbeu 
Völkern, fünfbnndert Mann von dem Golzischen und fünfhundert von dem 
Hol sie iui sehen Regiment nebst der jn der Grafschaft Raveusberg logie- 
renden Esquadron Dragoner destiniert, auch über alle .diese Völker das 
Commando demG. Wm. Herzog zu Holstein aufgetragen. Sparr soll dieses 
Werk befördern und dem G.. Wm. Golz die nötbigen Ordres zukommen lassen ; 
die 500 Mann desselben sollen in 4 Compagnieen vertheilt und die nöthigen 
Officiere bei denselben bestellt, die Fahnen aber aus dem kurfürstlichen 
Zeughause genommen und darauf diese Völker dem Commando des Herzogs 
von Holstein untergeben werden, auch mit G.Fzm. Dörfling soll er 
dessen Esquadron halber communicicren, welche er nach der Ankunft in der 
Mark Brandenburg in drei Compagnieen vertheilen und die dritte einem 
qualificierten guten Olficier untergeben kann. Er soll wegen dieser Sache 
auch mit dem Oberpräsidenten und den Geh. Räthen in Cöln reden, damit 
wegen des Marsches, Nachtlager u. s. w. die nöthigen Anstalten bei Zeiten 
getroffen werden. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 1. August 1663. 

[Dank fär die zugesagte Hülfe.] 

Ich habe sowohl aus Ew. Ld. Schreiben vom 17ten nächst ver- i. Aug. 
wichenen Monats als auch aus — des Freiherrn von Lisola Relation 

*) Der 1661 begoDDeoe ,Neue Graben", spätere Friedrich- Wilhelms-CaDal , 
welcher die Oder oberhalb Frankfurt mit der Spree verbindet, s. über die Ver- 
wendung von Soldaten dabei llirsch a. a. 0. S. 239. 

') Aoselm Casimir Ferdinand v. Sparr, Vetter des Feldmarschalls, s. 
T. Möruer, Märkische Krieg8oborst( n S 21, 



I 



I 



r 'l'flrkcukriL'B. 

mit iDt'livcriii vcnioiriiiien, iiitUt allein mit was fiir treumciueniler 
guter Resolution Ew. Ld. eich erboten, Uber die vorhin bewilligte 
Mauuscbaft nocb bis in die 300 Keuter und 300 Dragoner mit zu 
st'liickeu, Bondcru aucli in was für gute Verfassung Sie Ibre eiguB 
Lfinder wider allcu besorgenden Vorbrucli des Erbfeinds zu setzen 
im Werk sein, 
Dauk Ualiir. 



Convention in betreff der von dem Kuit'ürsteu fllr den Tiirkeii- 

krieg zu stellenden llillfstrupiten. Signatiini Königsberg 

23. August 1663. 

, Aug. Nachdem y, Ch. D. zu Brandenburg sich gegen deu Keyn. 
Uerru Abgesandten den Freiherrn de l'Ieala erkläret, der Rom. 
Key. M. einige von Dero Völkern, als niTmlich 1000 Mann zu FttsSf 
400 Hcuter und 600 Dragoner zum Succurs gegen deu Erbfeind lav 
schicken, als sein deswegen nachfolgende Punela abgeredet und - 
von dem Herrn Abgesandten uülersclirieben worden: 1, S. C'li, D, li^ 
ben anfänglicli vcrwilliget, dass die Heuler und Dragoner zur Moute- 
ciicolischen Armee'), Jedocli diesseit der Donaw und niclit darQber 
gefuhrt werden niilgen. 2. Die Fussvölker aber geben nicht weiter 
als in Schlesien. 3. Alle Tronppeu, welche S. Cb. D. Ihrer Keys. U. 
zuschicken, werden au Unterhalt, Verpflegung, Proviant und Quartieren 
als iu IJieaaten auf Zug, Kitt und Wachten denen keys. Völkern i 
Proportion Überall gleich tractiret. 4. Wan S. Ch. D. dieser Völker. 
Selbsten von Nöthen haben und solche zum Theil oder alle abfordero^ 
oder 1. Keys. M. deren nicht mehr bedürfen würden, milssen solcha' 
ohne einzigen Abgang in solchem Stand und Anzahl, wie sie anitzö 
geschickt werden, und zwar ohne einzige S. Cü. U. Kosten odef^ 
Gefahr auf den Grenzen der (Jliur und Mark Brandenburg gegen 
Schlesien wieder geliefert werden. 0. Weil auch Ihre Key. M. dieaft 
Trouppen auf Dero Kosten unterhalten und verpflegen lassen, so bfr 
halten Sie dahingegen diejenige 100 M. Hihl., welche jUngsthin 
Ihre Key. M, bey Ihrer Kgl. M. zu Hispanien von Ö. Ch. D. cedirot 
und abgetreten^), und wollen Sie dessfals bicraegst von Ib. K. BL, 



'j tlioeelbK Bland duiDnlfl uörültch voo ilitr 
. Diar. Rurop. X H 5T1. 

>) Bei Gelegenlieit der Seuduiig v. Blai 
). Urk. U.Abt. IX S 074f.)ljatleKäii>g Pliil 



ipplV. dem Kf., Bolai 






L'09 



• oiclitti lerner |traeleiniireii. (i. SotiBlen soll dic:»cii Trouppcn m wuhl 
im Feld als in den Quartieren ihr Kxercitium Reli^ionis nach der A. 
C. in Predigten, Administration der Saeramente, Begräbnissen und 
andern Dingen ungehindert verstattet, ihnen aueh zu solehem End 
ihre Prediger gelassen und sie darin keinesweges geirret werden. 
7. Wen die Musquetirer in einige Plätze verlegt werden sollten, solchen- 
falls lassen S. Ch. D. geschehen, dass sowohl die Oflicirer als Gemeine, 
so lang sie in den Plätzen liegen, zugleich in I. Keys. M. Eideepflicfat 
milgenomnien werden, 8. Die Conipagnien zu Pferd und Dragoner sollen 
unter keine andere Itegimenter vertbeilet werden, sondern in ihren ab- 
sonderlichen Squadroneu sowohl bey Oecasionen als in Märchen und 
Quarliereu bestehen bleiben. 9. Gleicher gestalt sollen die Fussvölker 



ia dem BDuduis mit dem Kaiser verbleibuD w 
IDOIW Tlialerii ver^prucliuD, duruQ Zuiilun;^ du 
Wien, Uarciuis de UFueoU. gefclvlicu Bollt. 
(5. Juli, 1^- August uud 1-2. Uciobor 16'>i)) vou i 
äumtne gerordert, aber vou demselben immBr, 
Aulwurl erhallüO. duss ihm dt;aa'tigi^u aaa S(iui 
Ei'i. liutd darauf aber war bfi dem dainala iu 



erde, eine jaUrKi^he Subsidte tod 
ruU dun spauiBclieu GeeiindltfD ia 
B. Der Kf. balli: durauf mthrmale 
diefiem letzteren die Zahlung jener 
, lulelKt Duch rJ. März IGlil, diu 
nieu keine Nachricht sugekomoion 
Cleve reeidierenden Kf. ein Abgu- 



«aadlur des Sutthallers der spaiiiBchen Niederlande, des Marqnis de Uaraiena, 
mit eioem äcbreiben deBselbou (d, BrfiaBel •!-. Marx 1661) erachienea, ia welchem 
diifscr dem KT. mitlheille, sein König habe ihn beauflrugl demselbeD auziizeigeo, 
dasB er beacblossen habe, diese Summe ihm jetzt und aucb künflig nusüahlon m 
lassen, und auf die Millbeilung davoD hatte aucli Ia Fueole dem KT. geschriebeti 
(d. Wien 4. Mai 1661), er habe voo eüinem Könige den gleichen Aufirag erhallen 
uod boETe das Geld dasu aua Neapel zu empfangen; die Zahlung nai aber auch 
darauf Dicht erfolgt. Jetzt nun (8. Juli ltiti3) richtete KT. uiu Si-breiben an 
den VicekÖuig vou Neapel. GrafuD von Penneranda, iu nelcbeni er deuselbeii 
erauchtu, dem Uuberbringer gegen eine dcmeelben mitgegebei 
lUOfKX) Tbaler von jeneu ihm zugeaagttu Getduru auezahlen za laae 
4. Juli liegt eine schriftliühe ErlclÄruDg Liaulas vur. dass er v< 
(juilluDg über lUUUiJi) vuu dem Vicekuulg von Neapel an denselben 
'fhaler empfangen habe, welche der Kf. dem Kaiser als Hülfsgeldar 
kriege überlassen habe (s. auch unten das Dankschreiben des Kaiaera vom 
23. September 166S) lofolge der Versprechungen, welche der eben damaU bei 
ilem Kf. eingetroffene spanische Geaandle Ucüdo deinaelben machte, dasa ihm 
anflser j^ner dem Kaiser eedierlen SumniH auch weitere lOOtHXt Thuler In Neapel 
gezahlt werden sollten, hat der Kf. versucht, Termitletsl eines iu Wien lebenden 
ilalieniacben Kanfmunns Pestalozii diese Summe zu erhallen, die darüber bia 
iu den Juli Ititiö fortgesetzte Üorreapondenz aber war ganz erfolgloa. Ucedo 
erklärt in der am IS. April it;<31 zu ßertiD mit dum l-'Qrsten Aubalt, Ü. v. Schwe- 
rin und Lisola gehaltenen Conferenz ,a. das Protokoll derselben unten), daas, 
wenn der Kf, in diu Rbeinieche Allianz Ireleo sollte, sein König das veraprocheue 
(]'eld Dicht geben könne. 



Quittung 



lahlendo 
Türken- 



300 5- Der Tnrkenkrieg. 

nicht hin und wieder vertheilt, sondern ihnen die Quartiere in der 
Nähe bey einander assigniret werden, und wen es ja die Noth erfor- 
derte, solche etwas zu verlegen, zum wenigsten 2 Compagnien bey- 
sammen verbleiben. 10. Die Lieferung der Trouppen geschiehet auf 
den Schlesischen Gräntzen, und werden I. Keys. M. gewisse Commis- 
sarien zu deren Empfahung verordnen. 11. Das Kriegsrecht so wohl 
in civilibus als criminalibus neben freier Annehm- und Absetzung der 
Officirer bleibt einig und allein bei S. Ch. D. und denen jenigen, 
welche die zum Succurs geschickte Trouppen commandiren, und soll 
ihnen dessfalls im geringsten kein Eintrag noch Schmälerung geschehen. 



Instruction, wornach sich Uuser — General Wachtmeister, 
Obrister z. F.- und freundlicher lieber Vetter Herr Augustus, 
Erbe zu Norwegen, Hertzog zu Schlesswig-Holstein etc. bey 
denen I. Keys. M. zu Hulf geschickten Trouppen in ein un^ 
anderm zu achten. D. Königsberg 24. August 1663. 

(conc. Fürst J. G. von Anhalt.) 

[WiederholuDg und ErläutoruDg der in der ConveDtion getroffeneu Verabredaogeo.] 

2i. Aug. Nachdem — Wir — der Conditionen halber — auf welche diese 

Hülfe geschickt werden soll — mit dem bei uns anwesenden — FH. 
de risola weiter verglichen, als haben Wir zuvorderst dasjenige, 
was Wir wegen des Commando über diese Völker für diesem Ih. Ld. 
geschrieben, hiemit nochmal wiederholen und solches — Ih. Ld. — 
auftragen wollen, der — Zuversicht, Ih. Ld. dasselbe Dero gethaneu 
Erbieten gemäss willig über sich nehmen und sich dergestalt dabei 
comportiren und bezeugen werden, wie es der Sachen Notturfi und 
Dero selbst eigener hoher Ruhm erfordert. 

2. Die zu diesem Succurs destinirten Völker bestehen in nach- 
folgenden Trouppen: 500 M. z. F. von Ih. Ld. unterhabendem Regiment, 
500 z. F. vom Golzischen Regiment, die Derflingsche Esquadron 
Dragoner, so in der Grafschaft Ravensberg bishero geijtanden, 300 
Dragoner, so aus dem Herzogthumb Preussen geschickt werden, das 
Fürstl. Radzivilsche Regiment z. Pf. von 400 Reutern, welches 
auch aus dem Herzogth. Preussen geschickt wird. — 

3. Von obspecifieirten Völkern nun können Ih. Ld. an die Dörf- 
ingsche Esquadron Dragoner und die 1000 M. z. F. solche Ordre 
ergehen lassen, dass sie sich zu behöriger Zeit und zwar dergestalt auf 



lusUuktion für Herzog Angast von Holstein. 301 

den March begeben, damit sie ohngefähr gegen den . . . bey Grün- 
berg in Schlesien aufm Rendezvous anlangen können, gestalt dan ge- 
gen solche Zeit die Preussische Trouppen auch daselbst ankommen 
werden. 

4. Denen Officiren muss beim March ernstlich anbefohlen werden, 
allenthalben scharfe Ordre und Di^ciplin zu halten und an denen Or- 
ten, welche sie berühren, nicht die geringste Insolenz zu verüben, 
noch zu einigen Klagten Ursach zu geben, welches dan desto mehr 
von denselben zu praetendiren ^ weil ihnen aus ihren jetzigen Quar- 
tieren ein Monat Sold mit auf den March vermog ergangener Ver- 
ordnung gegeben werden soll, wie dann auch Ih. Ld. die Vorsehung 
zu thun wissen werden, damit den Beambten und Obrigkeiten der 
Oerter, so der March treflfen wird, in Zeiten Notifieation davon ge- 
schehe, damit in ein und anderm die benotigte Anstalt von denselben 
gemacht werden könne. Welcher gestalt und auf was Weise aber der 
March durch die Mark Brandenburg zu nehmen, solches werden Ih. 
Ld. mit denen zu Colin a. Sp. hinterlassenen Oberpraesidenten und 
G.H.Rhäten wie auch mit dem G.Feldmarschall Sparren zu verab- 
reden haben, damit alles in guter Ordre und ohne Beschwerung der 
Unterthanen geschehe. 

5. Nicht weniger werden Ih. Ld. nach der Schlesie denen Keys. 
Oberampt- Bedienten in Zeiten von Ihrer Ankunft Notifieation thun, 
damit sie von einigen Commissarien auf den Grentzen empfangen, die 
Trouppen darauf besichtiget, in die Quartier geführet und mit behöri- 
ger Verpflegung versehen werden mögen. 

6. Worauf dan ferner Ih. Ld. auf die Conservation und Bey- 
behaltung dieser Trouppen fleissig und sorgfältig achten werden, in- 
sonderheit damit solche dem Versprechen gemäss mit behörigen Quar- 
tieren versehen und ihnen ihr Tractament und Verpflegung jedesmal 
richtig gegeben werde, die Officirer auch keinen Unterschleif und 
Partirerey dabei gebrauchen, sondern denen Gemeinen und Unteroffi- 
ciren das ihrige ohne Abzug reichen mügen. 

7. (Convention § 2. 9. und 7.) 

8. (Convention § 8.) 

9. (Convention § 3.) 

10. (Convention § 4.) Also werden Ih. Ld. zu beobachten wissen, 
dass diejenige, so etwa abgehen, versterben, verlaufen oder für dem 
Feind bleiben mögten, alsofort wieder ersetzet und zu solchem End 



3Ü2 



Der TürkeiikrieiF. 



die nötige Kecruyteii und Werbegeliler ausge/ablel, von den Orfit-iren 
auch 7,ur Werbung und Corapletirung ilirer Oomiiagnien würeklich 
angewendet werden mngen. 

11. (Convention §4.) 

12. (ConTention §(10 

!3. Das völlige Kriegsreelit (ll)cr diese Tiouppen belialtcti II). 
Ld. und die dabei commandiieude iiolie Officirer in civilibus et cri- 
niinalibiii \\elclie aber auch auf ein kommende Klage unverzögerte 
Justiy zu administrircn, alle unverantwortliche Excesse gebührend be- 
Btraffi.n und dann sich dergestalt bezeigen mllssen, damit Niemand 
mit tug über sie zu klagen ürüaclie liabcu möge. 

14 Iniglciehen bleibt eowoll Ih, Ld. als denen andern Regi- 
mentein nnd Rquadrnnen die Bestell- und Anuehmung der etvvan ster- 
benden oder sonsteu abgebenden Offieirer, wobey dan dieser Uuter- 
Bclieid 7.U halten, dass wen beim F. Radzivilschen Regiment wie, 
auch bey denen K^quadronen der Dragoner einige Officirer vom 
Lieutennnt an zu recliueu für dem Feinde bleiben oder sonsten b& 
währendem FeldKuge abgeben worden, Ih. Ld. solche mit Communt- 
cation der hohen Officirer au diejenige, welche dazu für andern quR- 
lificiret, wieder vergeben mögen. Würde aber ein Obriwt-Litutenauf, 
Ober Wachtmeister, Rittmeiüler oder Capitain abgeheu, solchenfallB 
können zwar Ib. Ld. interimsweise das Commando jemand ander« 
aufliagen, die Charge und Compagnie aber bleibt atädau denen, wel- 
chen das Regiment und die Esquadroncn geboren, wieder zu verge- 
hen, nnd soll dessfalls auff Ih. Ld. Bericht alsofort behürige Ordre 
gestellet werden, 

15. Das Comniando bey ein »der andern furfallenden Occasion 
betreffend lassen wir zwar geschehen, dass die Keys. Offieirer, allsie 
auch gleich jüngere Officirer als die unserige wären, den Uoserigeo, 
Ko mit denselben in einem Grad und Charge sein, furgezogen wer- 
den. Wen aber unsere Officirer höhere Charge als die keyserliche 
bedienen, solchenfalls mllssen sie auch denselben nicht cedircn nocli 
sich von ihnen commandiren lassen. 

16. Wegen der Gefangenen ist verabredet, dass alle Unsere 
Officirer, welche voui Feind gefangen werden mögten, auf I. Keys. M. 
Kosten wiederumb befreiet und ran^onnirct werden sollen; hingegen 
gehören nnch alle von unsern Vülkern eingebrachte Gefangene Ib. 
Keys. M., welches Ih. Ld. also zu henhnchten wissen werden. 



lostruktioD für Herzog Aagost voo Holsteio. 303 

17. Schliesslich stellen wir es Ih. Ld. frei, ob Sie bey der In- 
fanterie in Schlesien vorbleiben oder mit der Cavallerie und den Dra- 
gonern zur Keys. Arm6e gehen wollen. Und werden dieselben sich im 
übrigen gefallen lassen, mit Uns wie anch mit Unserra G.F.Marschall 
fleissig zu correspondiren und Uns bei allen Posten, was etwa furge- 
het, zu berichten. Wtlnsche Ih. Ld. damit eine glückliche Reise, und 
dass diese Expedition und Dero führende Conduite zu Gottes Ehren, 
der Som. Keys. M. allergnädigsten Wohlgefallen und Ihr Selbsten zum 
unsterblichen Ruhm gereichen mögeO- 



Die Geheimen Räthe an den Kurfürsten. D. Cöln a. d. Spree 

24. August 1663. 

[AukonftFimemonts, dessen Bitte, den Marsch der HiilfstrappeD zu beschleuingeu.J 

Der G. Feldzeugmeister nnd Landebhauptmaiin des Fürstentboms Glo* 24. Aag. 
gao, y. Firnemont, ist hier angekommen, bat sich bei ihnen angemeldet 
und auf Grund eines im Auszuge vorgelegten Schreibens Lisolas um 
Beschleunigung des Marsches der brandeubnrgischen Hülfstruppen gebeten, 
da die Türken schon bei Gran ständen und die Hülfe, wenn sie sich ver- 
zögere, zu spät kommen würde, zugleich wollte er Zeit nnd Ort, wo er 
die Truppen au der Grenze erwarten sollte, besprechen, v. P taten, der 
mit ihm, da der Oberpräsident bettlägerig war, verhandelte, bat das Säu- 
men des Herzogs von Holstein entschuldigt, der seine Truppen aus ver- 
schiedenen Orten, bis aus dem Ravensbergischen her, zusammenziehe und 
desi^en OfBciere wegen Mangel an Pferden und Wagen noch nicht zum 
Marsch parat seien, doch sollte der Aufzug möglichst beschleunigt werden^). 



Unter demselben Datum (Königsberg 24. Augast UitiS) erlasst der Kf. An- 
weifiungen au G.Fm. Sparr, sich des Marsches der Truppen anzanchmen und 
wegen des von denselben eiozuscblagenden Weges sich mit den Geheimen Käthen 
in Berlin za verständigen, an G.Wachtm. Goltz, die von seinem Regiment 
Commandierten in Bereitschaft zu halten, an O.Wachtm. Marwitz, mit seiner 
Eskadron Dragoner an fzubrcchen und weitere Ordre vom Herzog von Holstein 
zu erwarten, und an die Geheimen Räthe in Berlin, dem Herzog von Holstein 
Kommissare entgegenzuschicken, welche die Truppen bis an die schlesische 
Grenze bringen sollen, und sich wegen des einzuschlagenden Weges mit G.Fm. 
Sparr zu vergliichen. 

*) Kf. erwidiTt (d. Kiaaten 31./-21. August 1663), er habe schon bei vorii?er 
Post Ordre ergehen lassen, dass die Truppen ihren Marsch beschleunigen sollten, 
nod er hoffe, dass dieselben in kurzer Zeit sich an det schlesischen Grenze 
stellen würden. Er habe ursprünglich nur die im Ravensbergischen stehenden 
Dragoner versprochen, nachher aber noch die in Preusscn vorhandenen drei Com* 
pagoieeo hinzog«*than. 



304 5. Der Türkenkrieg. 

Freiherr de Lisola an den Kurfürsten. I). Königsberg 

l. September 1663. 

[Bitte am Beschleuuigang des Marsches der Hülfstruppen.! 

1. Sept. Kf. möge die nöthigen Befehle zur Bescbleanigong des Marsches seiner 

Hülfstruppen ertheilen *). Baron Vernemont, der deswegen in Berlin ge- 
wesen, schreibe ihm, dass dieselben noch keine andere Ordre als sich bereit 
zn halten hätten, er selbst erfahre, da<s anch die hiesigen Trappen noch 
keinen Befehl znra Marsch erhalten hätten. Er fürchtet, dieselben würden 
zn spät kommen. 



Der Kurfürst an den Freiherrn de Lisola. D. Insterburg 

4. September 1663. 

[anf das Schreiben vom I.Sept. Die Marschbefehle sind ertheilt.] 

4. Sept. — Sobald man jüngstenhin wegen der Conditionen einig gewesen, 

[haben] wir alsofoii; denen in Teutschland stehenden Trouppen Ordre 
ertheilet, aufs schleunigste aufzubrechen und ihren March nach denen 
Schlesischen Grenzen zu zu nehmen, wir zweifeln auch nicht, dieselben 
werden anitzo in March begriffen sein und in kurzer Zeit bei Grünen- 
berg anlangen, wie dann gleicher Gestalt denjenigen Compagnien, 
welche aus diesem unserm Herzogthumb geschicket werden sollen, die 
Ordre zum March bereits ertheilet und denenselben auf den 17. dieses 
das Rendezvous im Ambt Marienwerder bei der Weixel assi- 
gniret. — — 



Der Kurfürst an den Herzog Augustus von Holstein. D. 

Insterburg 9. September 1663. 

9. Sept. Die prenssischen Compagniecn sind auf dem Marsch, er soll seinen Marsch 

so beschleunigen, dass er gegen den 10. October auf der schlesischen 
Grenze sein könne. 



-) Auch der Kaist^r liuttc in eibem Schreiben (d. Wien 20. August IGGo) deo 
Kf. gebeten, indem er ihm von dem unglücklichen Gefecht, welches Graf For- 
gate ch den Türken geiiefert hatte, von der Belagerung von Neu banset und der 
Vereinigung der Tataren, VValachen und Moldauer mit dem Türkischen Heere 
(s. Diar Kurop. IX S 48(iff. 579ff. 591. Theatr. Rurop. IX S. 947ff.> Mit- 
llieilung machte, seinen offerierten Snccurs möglichst accelerieren zu lassen. 



i 



Anmarsch der brandenbiirgischeD Hälfstrappen. 305 

Freiherr de Lisola an den Kurfürsten. D. Königsberg 

19. September 1663. 

[Erneate Bitte um BeschleunigoDg des Marsches der Hälfstrappen.] 

Er beschwört den Kf. auf Grund der in einem beiliegenden Briefe von 19. Sept. 
de Soaches enthaltenen Nachrichten über den Einfall der Tataren in 
Mähren') und die bedrohte Lage der kaiserlichen Provinzen^ und da er von 
einigen Officieren gehört, dass dieselben einige Tage auf dem Rendezvous 
bei Marienwerder bleiben und langsam marfichieren wollen, seinen Officieren 
den Befehl zu eitheilen, den Marsch auf das änsserste zu beschleunigen. 



Der Kurfürst an den Freiherrn de Lisola. D. Rositten 

20. September 1663. 

[Ursache der Verzögerang.] 

— Was unsere Truppen betrifift, so ist Euch genugsam wissend, 20. Sept 
dass dieselbe den ganzen Sommer parat gewesen, und sobald man 
der Conditionen nach Wiederkunft des Secretarii von Wien, welcher 
zimblich lang aussenblieben , einig worden, — denselben auch anbe- 
fohlen, solchen aufs möglichste zu beschleunigen — wie dann solche 
Ordren annoch bei dieser Post von uns wiederholet werden'). — 



S. Diar. Europ. X S. 594 ff. Londorp. VIII, S. 932f., Theatr. Europ. 
IX S. 952 Aach v. FernemoDt \u eioem Schreiben an die Geh. Räthe in Berlin 
(d. Gr. Glogan 17. September 1663) giebt denselben Nachricht von diesem Ein- 
fall in Mähren, von den Befürchtangen , dass auch die Hauptmacht der Feinde 
eich gegen Mähren ond Schlesien wenden werde, and von den dort getroffenen 
VertheidigangsaostalteD, and bittet am Beschleonigang des Marsches der Hülfs- 
troppen. Andr. Neamann meldet aus Wien (6. September 1663), die Tataren 
Beten über die Waag gegangen, setzt« n jenseits der Donaa alles in Brand, streiften 
bis ans Marchfeld, man erwarte sie stundlich vor den Donaabrücken. S. auch 
den Bericht der Gesandten aus Regensbarg vom 21. September oben Abschnitt 4 
S. 198, und ürk. u. Akt. IX S. 863. 

^ Unter demselben Datum ergeht an den Herzog von Holstein die Ordre, 
wegen der zunehmenden Gefahr seinen Marsch zu beschleunigen ; falls die Ravens- 
bergischen Dragoner noch nicht bei ihm angelangt seien, solle er die Fussvölker 
voraus nach Schlesien marschieren lassen und O.Wachtm Marwitz befehlen, ihm 
aufs schleunigste zu folgen. Die preussischen Reiter und Dragoner hätten Be- 
fehl erhalten, nicht auf seine Ankunft zu warten, sondern ihren Marsch nach der 
schlesischen Grenze fortzusetzen. 

i:ater. s Gesch. d. G. Karfunitcn. XI. 20 



30ß 



Der Türkenkrieg. 



l 



Herzog Aiiguatiis von Holetein an den Karfllraten. 

D. 3. I. 12./ [22.] September 1663. 

[auf das Roscnpl vom !•, September. Ureacbe seiner Verapätnag | 
'■ — Bio Rnitzo in Tollem Marsch begriffen, werde nicht manquirco 

auf die bcstimtnle Zeit an die Bchlesische Grenze anzulangen und 
wollle ich schon weiter fortsein, wenn nicht die Derfliogsclie Dra- 
goner Bo langsam wären, ob ich eie schon melr als zu zeitig zum 
Aufbruch beordert habe'). Es scheinet, der Oberst Marvitz sei was 
nachlässig, er entschuldiget sich, wie auch der G major Eller") schrei- 
bet, dass sie mit die Säitel nicht haben können fertig werden. — 



Kaiser Leopold an den KurfUraten. D. Wien 23. Sep- 
tember 1663. 

[Dank Tür die TTDIfe. BiUe, die FuBstruppen bis Mähren vorrücken xa lassen.] 
'■ Er hat durch L is ol a Nachricht vod dem Hül^e^bieten des Kf. eriialteD. 

So nimb ich die bewilligte sowohl Volk, als die bei der Croa 
Spanien ausstehende hunderttausend Reichsthalcr'JGeldhülf zu freund- 
gnädigem Dank an und ersuche solchem nach Ew. Ld. — dase Sie 
die Völker ehest mftglieh, und zwar die Reuterey und Dragoner wo- 
hin sie (lestinirct, auf das schleunigste foiiziehen , die Infanterie 
aber, weil dieselbe, als ich vcrnimb, alte versuchte Knecht sein und 
die Zeit vor dem Winter kurz, wenigst bis in Mähren, welches ihro 
nur umb ein geringes weiter als Schlesien entlegen, fortgehen lassea 
wollen. — 

Memoire k S. A. E. de l'envoy^ d'Espagiie. ') Pr. Königs- 
berg 3. üetobris 1663. 

[ZuUlung der Sabaidien. Auflüaung der RfaeiniacheD Allianz. Anfanhme den 

Königs TOD SpinieQ in die GeoeralgarBotie des Reiches, türledigung der 

dorfer Angelegenheit,) 

5, M. le roi mon maistre par sa lettre du 29 d'aoust me cont^' 

mande de reiterer les remercimenta a ä. A. E. laut du secours qu'eUe 



I 



') Auch am 27. täeplember meldet er dem Kf. 
angelangt und würde schon weiier sein, wenn er 
liÖDDte, von denen er noch nicht wiHgc, i 

'') Gouveraenr des Spareuberg im Ri 

=) S. oben S. 29!i. 

') Im Jali UiOS, bald naclidum Liaola in Königsberg ecscbie 



Zossen BUB, er Bei dort 
in er nur die Dragoner rorlkricgt 
e über die Elbe seien, 
bcrgiechen. 

war. bull« 



Antrage des spanischen Oesandten. 307 

donne a Tempereuf que poar 1a perseuerance qu'elle tesmoigne dans 
sa bonne resolution de ne se point separer des interests de la tres 
auguste maison et de ne uouloir entrer en aueune [alliance] a son 
preiudice et sans son inclusion. 

Elle m'aduertit aussi, qu'elle a despeschö de nouueau au Vice 
Roy de Naples, affin qu'il haste le premier payement des cent mille 
escus, et luy donn6 en celä tant de presse et des ordres si precis, 
•qu'elle veut meme, qu'il laisse toutes autres considerations et difSeultä 
en arricre pour satisfaire a cette Obligation, de sorte que celuy, a 
qui V. A. E. en a donnä la Charge, serä fort bien receu et bien traittö, et 
il en serk de mesme ä qui que ce soit, qu'il plairrä a S. A. E. enuoyer 
en cour d'Espagne. 

S. M. tesmoigne desirer et trouuer fort a propos que Ion tra- 
uaille a desfaire doucement la ligue du Rhin, en quoy Ion negotie a 
present non sans esperance de succes, les electeurs ecclesiastiques 



sich dort aach ein spanischer Gesandter Sebastian d'Ucedo eingefunden (s. 
Pofendorf l. IX § 58 (S. ö9b), 64 (S. 604); Droysen III, 3 S. 29 nennt denselben 
irrthümlich Macedo). König Phi lipp IV. in seinem Creditiv (d. Madrid 6. October 

1662) nennt denselben : in noatro Mediolanensis statns exercitn praecipntim no- 
stmm antigraphnm und bezeichnet als den Auftrag, den er demselben ertheilt, dem 
Kf. seine Freundschaft zn . bezeugen und dieselbe noch mehr zu befestigen. 
28. Mai 1663 melden der Oberpräsident v. Schwerin und die Geheimen Räthe 
in Berlin dem Kf., dass nach einer Mittheilung A. Neumanns aus Wien der Ge- 
sandte dort angekommen sei und nach Berlin reisen wolle, und fragen an, wie 
sie sich demselben gegenüber verhalten sollen, worauf Kf. (d. Königsberg 7. Juni 

1663) sie anweist, denselben zu ihm dorthin zu verweisen. In einem am 23. Sep- 
tember daselbst übergebenen Memoire spricht derselbe dem Kf. auf Grund eines 
Schreibens seines Königs vom 15. August dessen Dank für die ihm, dem Gesand- 
ten, bereitete freundliche Aufnahme und für die Zuneigung, welche Kf. gegen den 
König und dessen Eaus bezeugt habe, aus, versichert, dass das Versprechen 
wegen der Subsidienzahlung (s. oben S. 299) in Neapel zur Ausführung gebracht 
werden würde, ferner dass derselbe in betreff des Ceremoniells (darüber hatte 
schon V. Blumenthal 1660 (s. Urk. u. Akt. IX S. 572) den Auftrag gehabt, mit 
dem spanischen Hof zu verhandeln) die näheren Vorschläge des Kf. erwarte, 
welche er, der Gesandte, inzwischen eingesandt habe; er macht ferner dem Kf* 
Anzeige von der Verlobung des Kaisers mit der Infantin (dieselbe war am 
27. März (s. Diar. Europ. X S. 242) zu Madrid publiciert worden) und entschul- 
digt, dass dies nicht schon früher geschehen sei, damit, dass man am spanischen 
Hofe nicht gewusst habe, wohin man den betreffenden Befehl an den Gesandten 
schicken solle, endlich ersucht er im Auftrage des spanischen Gesandten in 
Wien Marquis de laFuente den Kf , seinen dortigen Gesandten anzuweisen, 
mit demselben in nähere Verbindung zu treten. — Ucedo ist dem Kf. nachher 
von Königsberg nach Berlin gefolgt und ist bis Ende December 1664 bei dem- 
selben geblieben. 

20* 



308 



0er Türkenkrieg. 



I 



I 



comiiiencaiit d'ouurir Ie8 yeux et de coDoietie, que lea fine de cette 
ligue ne »ont pas cooforraes a l'intereat des priacen de l'eiupire 
si la chose rcussit en ceitc conformitiJ, Ion aiiia ueritahlemenl ce que 
Ion desire, mala Ion ne laisse paa potir cela de juger, qit'il seva fort 
apropos, que S. M. soit comprise dans la garantie generale de l'eni- 
pire, ce qui ce luj peut estre refus^ comme nitmbre de ee corpB, 
ayant mesnie extremement approuu^ la proposition de faire une ügiie 
entre S. M. I. et les autres princes de Tempiro, qui uoudront y ea- 
ticr pour la commune aeuretö. 

Deairant aussi a S. A. E. toute eorte de satisraction eile ordontia 
au duc de Medina de laa Torres, aon premicr miniatre, de tratller 
aucc rauibaseadenr de Tempereur pour tiouuer le mojens d'aiunler 
lafrairc de Jegeradoiff a rentiere aatisfaelion de S. A. K., a quojf 
S. M. et le duc de Medina apporternnt loute aortc d'applieatina, 
affin que S. A. E. soit pleinement contente. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 
3. OctotSer 1663. 

[Die DerctDeioDSverfaBSung ant dem Reicbstagp.] 

Die Türken h;ibGii Keubiiasl geuommeii, der Sultan so)) im näcbstea 
Jahre selbst, ins Feld ziehen wolle», die Eibbnde äes Kaisers und die au- 
gieiiicnden Lande sind in grosser Üc-faUr. Daher hat er durch den Err- 
bischof von Salzbarg den Reicbftjig aufgefordert, den punctum defensjoDia 
wenigstens piovisionaliter mich eiuDs jeden Vermögen einzurichten. Er er- 
sacbt K(. seine Oefaiidten anzuweisen, dazu miiznwitkea, dsse EDüÜchst 
ä'iesc Dei'ensionsrerrasFung zustande gebrai bt und erst nachher von 
Capilulation gehandelt werde. 



Freiherr de Lisola an den Kurfllraten. D, Künigäberg 
4. October 1663. 



[Die lufaDter 



ä Muhren vorgebou. Wunsch < 
der preuaaUchen Wirren.) 



I BeendigDtig 



— Sa Majeate Imperiale se aent fort obligee dea eecoure, qu'tt 
a pleu ä V. A. S. luy envoyer — eile eouliaitte aeulenient pour conible 
de faueurs; qu'il plaise a V. A. S. envoyer un ordre a M. le priocc 
d'UolBteiD, a ce que l'infanterie puiflse passer juaques en Moravte. 



Marsch der braDdenbargischen Hölfsirappen. 309 

ou eile sera bien traittee et conservee aussi soigneusement que si 
elles demeuroient en Silesie, le principal interest a present est de 
conseryer ce pays et le preserver de rinondation de ces barbares, 
qui pourroient facilement penetrer plus outre. Si les ennemis nous 
Yoyent prepares a la deffence, ils modereront leur audace, mais s'ils 
Yoyent nos trouppes dispersees ailleurs et la Moravie desgarnie, cela 
leur donnera courage d'y entrer. — Je luy despesche mon secretaire, 
affin que, s^l est possible, il me rapporte les ordres de V. A. pour H. 
le pripce d'Holstein et que je puisse expedier le Courier saus delay. 
Nostre oour est dans une grande impatience de voir V. A. S. 
bors de ces embarras de Prusse pour pouvoir de plus präz commu- 
niquer auec eile et songer a la commune seuretä. II Importe de ter- 
miner icy les affaires en toutes facons, j'en souhaitte a V. A. S. un 
succez tel, qu'elle peut desirer, esperant, que Dieu benira. la justice 
de la cause commune et qu'il confondra a la fin ceux, qui auront de 
mauvais desseins. — 



Herzog Augnstns von Holstein an den Kurfürsten. D. Freystadt 
zwei Meilen von Grüneberg 25. September/ 5. October 1663. 

[Das Reudezvoas der Trappen soll zo Freystadt sein, Zastaod der Truppen, noch 

keine Anweisung wegen der Quartiere.] 

— Berichte derselben, dass ich gestern als den 4. dieses bei 5. Oct 
Grüneberg aDgelanget mit den commendirten 500 Mann meines Regi- 
ments, weil aber die £ais. Commissarii nicht vor gut befunden, dass 
der ^endevous der sämbtlichen Truppen dort sein sollte, so habe ich 
mich mit ihnen verglichen, dass es alhier, wo ich itzo stehe, sein 
sollte. Die Preussischen als Goltzschen auch die Derfflingsche 
Dragoner stehen itzo alle umb Crossen, und hab ich ihnen befohlen, 
den Marsch hie her zu richten, damit Churf. Gn. Lande nicht von 
unnöthigem Stilliegen mügen beschweret werden. Ich will hoffen, es 
sei solche Ordre unter weges gehalten, dass E. Ch. Gn. dess wegen 
keine Klachte vorkommen werde. Von den Preussschen Dragonern 
seind 150 zu Fuss, von den Ravensperschen bei 60, das Fussvolk 
und Reutter seind noch im guten Stande. Ich habe schon zu unter- 
schiedliche Mal an das Oberamt geschrieben, umb mich zu erkundigen, 
wo die Quartier uns werden assigniret werden, so wollen sie noch 
von nichts wissen und schreiben, dass deswegen von I. Kais. M. noch 



310 5. Der Türkeokrieg. 

nichts befohlen. Ich schreibe auch diese Po«t deswegen an dem Fürst 
Gonzaga und Lobcovitz als Krieges Präsidenten. Und weil das 
0beramt4begehret, dass ich mit den Truppen den graden Weg nach 
Breslau marschieren soll, so werde ich, sobald sie nur etliche Tage 
ausgeruhet, demselben nachleben. — 



Der Kurfürst an den Kaiser. D. Königsberg 7. October 1663. 

[auf das Schreiben vom 23. September. Die Passtroppen sollen nach Mähren 

marschieren. Erinnerung wegen Jägerndorfs.] 

7. Oct. — Auf dass Ew. Key. M. ferner sehen und erfahren möge, dass 

ich derselben nach MQglichkeit willig und gern an Hand gehe, so 
habe ich den Herzog von Holstein beordert'), dass er die Pussknecht 
nachm Mähren marchiren lassen solle, und will ich nicht zweifeln^ 
weil sie albereit in der Seh le sie ankommen, sie werden auch na 
ehest in Mähren sein — habe auch das sichere Vertrauen zu E. 
Key. M., Sie werden endlich meiner gerechten Jägerndorfischen 
Sache ihre abhelfliche Mass geben und mich dadurch zu Dero Dienst 
noch freudiger machen. — 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. 
D. WanseO 21. October st. n. 1663. 

[Streit wegen der Quartiere.] 

21. Oct. Gleich itzo bekomme ich Schreiben von Breslaw, dass sie auch 

das Fussvolk hier im Lande nicht behalten wollen, sondern wollen, 
wir sollen zur Armee gehen, habe ich mich deswegen auch resolviret, 
auch die Reutter und Dragoner nicht abfolgen zu lassen, sondern will 
mich im bisehofflichen Neus(?) setzen mit Reutter, Dragoner und 
Fussvolk und dorten so lange stehen, bis sie sich entweder ein an- 
ders resolviren, oder Ib. Chf. Gn. ein anderes befehlen. Es scheinet, 
sie achten un^er nicht, weil es gegen Winter, wollten unser wohl gern 
wieder los sein. — 



') Kf. ertheilt demselben (d. Königsberg 7. October 1GG3) den Befehl, die 
Fussknechte bis nach Mähren, aber nicht weiter, marschieren nnd in gute Oerter 
legen zu lassen. 

^ Wansen, an der Ohiau im Regierungsbezirk Breslau, s.w. von Brieg. 



^ 



Slreitigkeiten wegen der Quartiere. 

Derselbe au den Kurfürsten. D. Zobten 23. October st. n. 1663- 

[Verdäcbtiges Verhalleo der kBJserlichen BehÖrdeo. übli- Lage seiner Truppen.] 

— Bcriciile deroselben nochmals — dasa sie uus hier weder aa.Uof, 
Quartier noch Verpflegung noch nichts gestehen wollen, wollen, wir 
s<il!en 7.ÜT Haubtarmee gehen. Ich weiss nicht, was ich vor Gedanken 
schöpfen soll, sie reden hier, ob sollten wir auf das FUrstenthumb 
Jegerndorff oder Scbweinitz und Gaur einig Abseben haben. 
Selbe Gedanken ihnen zu benehmen, habe ich ihnen die Punkten, bü 
in meiner Instruktion von Ih. Churf. Gn. auf das Quartier und Ver- 
pflegung gehen, abcopiren lassen, werde sehen, was sie nun machen 
werden. Ich habe neue Munition von ihnen begehret, wenn wir ja 
auf die Grenze gehen sollten, welches mir auch abgeschlagen worden, 
bin also flbel daran und sehe ich nicht, wie wir ein paar Monat hier 
ohne unscrn Ruin subsistiren werden, ja nicht den November aus. Ich 
habe £. Chf. D. schon neulich berichtet, wie dass wegen des weiten 
Marsch über 100 Dragoner von beiden Spuadronen zu Fuss, wie 
auch bei die Reutter wohl 50. — 

Die Keutter stehen itzo in der Grafschaft Glatz')i icli will mit 
den Reultcrn zur Souchen Armee gehen, welche 1500 Mann stark und 
bei Kremsier stehet, und werde das Fussvolk unter Conduite des 
Ob, L. Sparren hier stehen lassen. — 

Der Kurfürst an den Kaiser. D. Königsberg 
22./12. October 1664. 

[auf das Schreibi'u vom 3. October. Uatljschlüge iubetrutT der KriegrüliruDg.] 

Er wird seiner Qesandtschart ia Rcgeusburg dem Wanscbe des 32. Oct. 
Kaisers geoiäas Weisung zugeben lasgeti'). 

') Uottfr. TOD Jena soudet aus Kegeugburg dem Kf. ein Schreiben der BÖb- 
mUclieD Regierung ao deo bIrEbificbof vou Salzburg (d. Prag 2S. Octobat 161)3), 
weli^hea ihm dieser mitgetheiU bat. üariu irird grklagt. das« OOi) Draguner und 
400 BeitDr brandeabnrgisebe HiilTstrupfCD mit £wei titnbeu und aehr vielem Troaa 
uach BÖlmeD geltotDiueD seien, welche nur dvr Ordre des Hersogs von Ilulsteia 
parieren wollleo, >eich uubenussi der RegieinDg und ohne einigen von den Kaiser 
vorher eiogelangleo Befehl sich von selbsteu loglemt. atalUicb tractieren lassen 
uod von keiner Ziililuug melden'. Der Enbiscbof wird gebeten, sich bei den 
bran de nbargi scheu Reichslagsgeeandleu zu verneoden, dass diese Truppen nieder 
von dort fort und nach Oeslerreicb, oder wo sonst der Kaiser befehle, abgeführt 
würden und dnas sie in den kaiserlichen Landen der dortigen Regierung den nölhigeu 
Reapect erwiesen. 

') S. das Rescript an die Gesiindten in Rcgenaburg vom 'J2. October 1<;63 
oben Abscbn. 4 S. 201. 



312 



Der Türkebkrieg, 



I 



E. Key. M. werden besBer thun, wann Sie alles, was müglich, 
zusannucnzielien und das Hauptwerk des Erbfeindes vornehmlich re- 
Bpiciren, weil doch obnmUglicb mit zertheilter Macbt und etmelnea 
Trouppen oder Regimeulern ibnie Abbruch zu tbuD oder eein Deasein 
zu brechen, — Deroselhen will ich auch aua aufrichtigen getreueo 
Herzen als ein getreuer Churfflrst ohnmassgebig ratlien, ob es nicht 
nillglich denen Evangelischen in dero Erblandeu mehrere Uewissens- 
freibeit zu gönnen, und zweifele nicht, es werde solches zu E. Key. 
M. merklieben und unausbleiblichen Nutzen und Besten gereichen, za- 
mal sie dergleichen unter den Türken zu gentessen. — , 



Der Kurfürst an die Fürsten von Brannachweig, Hessen, Wlir- 

teraberg, Alteiibnrg, Gotha, "Weimar, Anspach, Calmbauli, Sim- 

mem, Mecklenburg, Anlialt und den Administrator zu Halle. 

D. Königsberg 15. /2ö. October 1663. 

[Mabnnng, auf dem Eeithstage für die Türkeahülfe in wirken] 
;. Er weist auf die dem ganzen Reiche drohende TUrkengefabr hin, be- 

klagt, dass man auf der gegen «artigen ReiehsversammlnDg so wen'g Eifer 
in BeschiitzoHg der Cbrii-teiilieit und Rettung des Kaisers «eige, soadcrn 
lieber die Zeit mit solchen Sncheii, welche bei weitem nicht so preseaot 
^eien, zubringe, ersncbt denselben zar Her-itellung des so nöthigeo extra- 
ordinären Defensionsivcrkes mitzuwirken und seine Gesandten zu Regens- 
burg dahin za iu»liuieren, dass diese Materie, und zwar, wenn oreht eher, 
doch vor Ansgnng des Winters uud vor Herannahen des Früblinga erledigt 
werde '). 



') Darauf antwortet zuersl Herzog tCrnal vou Outlia in eiiiein langen Schrei- 
be)} (d. Friedeualeiu '28. October/|7. NoTember] ItiC^). in welchem er erklärt, ci 
sei mit üf. durcliaus darin einig, daas in solcher Gefahr daa ßeich hohe Ursache 
habe, sich anders und besser nn zugreifen, Doch ständen dem manche alten 
Schäden hinderlich entgegen: das grosse MisBtrauen und die Zerrüttung i 
den Stauden in geisllicben und wetilichen Sachen, der verderbliche Eigeonntt 
and die bei den Vorfahren nicht crhürte Pracht und der Luxus, der .mit UppreEsira 
und Knervntion der armen Unterthaneu* an den meisten Orten getrieben werdtr 
sowie die Mängel der Justiz. Er sei bereit, nach Krüfieo EU helfen, uud er ersnchl 
den Kf., der sowohl 7or Abwendung der Gefahr von nusseo als auch mr ii 
liehen Besserung des gefährlich laborierenden 8'atoa pnblici viel beitragen könnt, 
beideilei Zwecke bei den Reichsconsaltationen in Obnciit zix telimen, dass Qube4 
der Eriegsbereilschafi wider den auswärtigen Feind auch die Harmonie zwiachet 
Uaupt und Gliedern des Reichs uud dieser Glieder Proportion und Correspaüd< 



Die braDdeobargischeD HalfslrappeD io Mähren. 313 

Der Kurfürst an Herzog Augustus von Holstein. D. Riesen- 
burg 4. November 1663. 

[aof das Schreiben vom 21. October. Wiederholaog der Ordre vom 7. October.] 

Er ersieht, dass dem Herzoge seine Ordre noch nicht zugegangen ist, 4- Nov. 
wiederholt daher dieselbe, dass er auf Ordre des Kaisers seine Fussvölker 
bis nach Mäh reu, aber nicht weiter, gehen lassen solle, wegen der Reuter 
und Dragoner aber bleibe es bei der vorigen Abrede und Verordnung. 
Es verwnndert ihn nicht wenig, dass maa sich der Völker nicht mehr an- 
nimmt und derselben sich besser zu bedienen sucht 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. D. Bei 

Troppau 5. November st. n. 1663. 

Er hat des Kf. Ordre vom 7. October erhalten, mar6chiert heute nach 5 Nov. 
Troppau, um dort nach Mähren überzugehen. F.Zm. Souches schreibt 
ihm, dass seine Quartiere im Ol mutz sehen und Stern bergseben Kreis 
sein sollen. Die Truppeu siud in gutem Stande. 



Herzog Augustus voii Holstein an den Kurfürsten. 
D. Sterenberg 12. November 1663. 

[Die Quartiere in Mähren.] 

Er hat nunmehr die Quartiere in Mähren, wie eine beigefügte Speci- 12. Nov. 
fication angiebt, bezogen. Die Quartiere sind ziemlich gut, von Geld will 
man aber noch nichts wissen, sondern vertröstet ihn auf den Landtag ^)y 
welcher den 18. dieses zu Brunn gehalten werden soll. Die türkische Ar- 
mee steht noch bei Nenhäusel, den F.Zm. de Souches hat er, da der- 
selbe von hier abwesend ist, noch nicht gesehen. 



Der Kurfürst an Herzog Augustus von Holstein. 
D.Cöln a. d. Spree 9. /[19.] November 1663. 

[Forderung schärferer Disciplio.] 

Da die kaiserlichen Minister Klage geführt haben, dass seine Truppen 19. Nov. 
schlechte Ordnung und Disciplin halten, Kf. auch nach seiner Rückkehr 
Lieber vernommen bat, dass dieselben auch auf dem Durchzuge durch seine 



befördert werde. — Aach von den anderen Fürsten trafen im Lauft) des November 
äcbreibcD mit äholicheo allgemeinen Erbietungen ein. 

') S den Extract aus der diesem Landtage vorgelegten Propositiun Üiar. 
Earop. X S. 887. 



314 5. D«r TörkeDkriag, 

i'igencD L;i[idc nicht allrr Orten glciL'h gute Di^iipliii (felialten, so weist er 
ihn aD, seiner lu^tmktion gemäss bei allen seinem Conimaodo imrertrauteD 
Völkern Bcbarf und ernstliclie Ordre zu hallen nnd die vorfallenden 
lentieu esemplariter zu bestrafen, aucb die OfScicre za Haltung scharfer 
Disciplin bei Vermeidung der Ungnade des Kf., Entsetzung ihrer Chargen 
und nach Bcßudeu Leib- und Lcbcustrafe anzuwei 



Herzog Augaatns von Holstein an den Kurfürsten. 
D. Sterenberg 28. November 1663. 

[ZuüammeDtrefft^u'mit de Sonches, duBSi-'n fuiJerang. in Böbmeu Quartiert 
beKtehen, aüä andpro variiäcbtige Beden.] 

V. Et bat VOR) Kaiser Befehl') erhalten, seine Reiter und Dragoner mit 

F.Zm. de Souches eine Cavalcade nach Ungarn') unternehmen zn 
lassen. Obuohl darin nicbt eoiballen war, da^s er selbst milziebeu sollte, 
hat er sich doch entsuhlossea, dieses zn thun, um besser anf die Lent« 
Acht EU haben, da er gehört, de Soncbea wolle die Dragoner ia dea ün- 
gaiischen Bergsludteu diesen hinter lassen, wo sie unfehlbar hätteo cre- 
[liereu miiison. 

Wie ich nun den 24. dtoscB bei tiung;. Kadisch, wie nieiae Ordre 
vüin F.Zni. lautet, mich eingefunden und gleich zum de Souches bin 
geritten, mich von ein und andern zu bereden, so bat er mir gleich Or. 
der ertheilet, wieder in die Quartier zu gehen; und wie iuh mich darBber 
beachwerel, wendete er vor, der Feind hätte sich zurückgegeben nnd 
hStte uns bei sich itzo nicht nüthig, und daBa er baBlant genug wäre, das 
Sächsehe Fussvolk allein hin zu eonvoyiren, wo es diesen Winter stehen 
bleiben sollte '), sagete darneben, das» I. Maj. mir Order ertbeilen wUrden, . 
mit FusBVolk und allem in Bohemen Quartier zu bezichen. Weil aber 
Ib. Cburf. Gn. Order lautet, das Fussvolk nicht aus Mähren gehen cd 
lassen, so werde ich mich an Churf. Gu Order halten. Der F.Zm. 
versicherte midi darneben, diiBs Ih. MaJ. nicht gesinnet wären, uns mit 
Verpflegung versehen zu lassen, sondern praetendirten, dasa Ew. Churf. 
Gn. selbe gleich andern Cburf. selber bezahlten, und haben wir bis 
datto noch nichls empfangen, werde desswegen Ew. Churf. Gn. gn&- 

■) 6. Wien 11. November 16Ü3. 

^ S. Diar. Europ. X S.^i2Ü. Der Hauptzweck derBelben, Novigrad uai. 
I.ewenE zu cotaolzcn. wurde nicht erreichi. 

'^ Die K.SBcbeicheo HülfBtruppeD, Uli Mbdd z. Fusb unter dem O.LieateoaoC' 
Johann Cbrietoph Hrand v. Lindau waren Ende Seplamber in Böhmen u- 
gelaugt und bezagen die Winterquatliere in Oberungsrn in der Gegond von E 
uiU. ä.Scbuäter uad Francke, Gesch. der Sächsischen Armee I S, 85. 



Rlageo aber sdilechte DiscipliD. Aeasserangen de Soaches. 315 

dige Verordnung erwarten. Er gedachte, dass, so Ew. Churf. Gn. sich 
nicht resolviren würden, diese Völker Ih. Maj. ganz zu schenken, dass 
sie selbe auch nicht unterhalten würde, verspräche mir auch darbey, 
dass, wen Ih. Churf. 6n. solches eingehen würden, Ih. Maj. gesinnet 
wäre, bey der Armee mich als General Wachtmeister zu bestätigen. 
Wie ich aber verwandte, dass so lange Ew. Churf. Gn. mich in dero 
Dienste gnädig leiden wollten, ich keinen anderen Herrn verlangete, 
ward er sehr still. Und ob dieses nun zwar blosser Discours, so habe 
ich doch Churf. Gn. hiermit gehorsamst ersuchen wollen, wenn sie 
sich hierzu resolviren. sollten, weil ich nicht zweifele, dass fleissige 
Ansuchung hierumb geschehen wird, dass sie doch meiner nunmehro 
4 Jahr lang geleistete Dienste in Gnaden eingedenk sein wollten und 
mich aus dero Dienste so gar nicht zu verstoszen, zumahlen ich nicht 
gesinnet, ausser Diensten Churf. Gn. mich hier zu cngagircn. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfllrsten. 
D. Sterenberg 30. November st. n. 1663. 

[aaf das Bescript vom 9./19. Vertheidigung gegen die Vorwürfe wegen schlechter 
Disciplin, Klage über die Verpflegung. Menterei. Nene Quartiere in Böhmen.] 

In den Karfürstlichen Landen weiss er nicht, dass auf dem Marsch ir- 30. Nov. 
gend eine Klage erhoben sei, die nicht sofort remediert worden, er verlangt, 
dass die Kommissare, welche ihn durch die Mark geführt, ihre Klagen 
schriftlich aufsetzen. In den Kaiserlichen Landen ist er von Anfang an 
schlecht tractiert worden, man hat ihm keine Verpflegung noch Quartier 
geben wollen, so bat er an vielen Orten subsistieren müssen, doch sind da- 
bei besondere Excesse nicht vorgefallen nnd ist strenge Justiz geübt worden. 
Man bleibt hier dabei nnd will ihm keine Verpflegung geben, er hat seit- 
dem er in den kaiserlichen Landen ist nicht mehr als 7000 Gulden empfangen. 
Li sola hat nach Bresh^u geschrieben, Kf. hätte ihm 40000 Rthlr. zu Be- 
zahlung der Leute mitgegeben; wenn solche Reden bei den Soldaten laut- 
bar werden sollten, so könnte das üble Folgen haben, schon vor etlichen 
Tagen hat des Landhofmeisters Wallenrodt Compagnie gar eine Meuterei 
angefangen, indem sie behauptet, es restierte ihnen noch so viel ans Preussen, 
sie hätten von dem Landhofmeister noch an 4000 Rthlr. zu prätendieren; 
er hat dem O.L. Koller befohlen, es zu untersuchen. 

PS. Man verlangt von ihm, er solle mit allen seinen Truppen nach 
Böhmen gehen, er erwartet des Kf. Ordre. 



316 ö. Der Türkenkrieg. 

Der Kurfürst au Herzog Augustus vou Holsteiu. D. CöUu 

22. November/ [2. December] 1663. 

[Verweadang der Trappen. De Soaches' Aeassernngen.] 

2. Dec. Nachdem der Kais&r begehrt 0» dass die lufauterie weiter Torrücken 

solle, gestattet er, d.iss -dieselbe bis nach Mähren gehe, zo Verrichtung 
der Impresa aber soU nur die Hälfte der Völker hergegeben and ausdrück- 
lich bedungen werden, dass dieselben nach ?errichteter Expedition wieder 
in die Quartiere zurückkehren sollen, Reuter und Dragoner dagegen können 
wohin es der Dienst des Kaiser fordert employiert werden. Den Bericht 
über de Souches' Discurse hat er mit Befremden gelesen und deswegen an 
den Kaiser geschrieben^), er erwaitct ausführlichen Bericht über die bishe- 
rige Verpflegung. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. 
D. Sterenberg 4. December 1663. 

[Quartiere in Böhmen.] 

i. Dec. Der Kaiser hat der Landeshauptmannschaft in Mähren befohlen, seinen 

Truppen den Monat November zu zahlen, dieselbe kann aber mit den Ständen 
noch nicht richtig werden. Der Kaiser hat durch F.M. Moutecuccoli 
ihm befohlen, mit allen seinen Völkern nach Böhmen zu marschieren and 
dort die Quartiere vom 1. December an sich zahlen zu lassen, er muss dar- 
auf eingehen, will aber hier so lange bleiben, bis der volle Monat November 
gezahlt ist^). 



^) lu einem Schreiben an Lisola vom 27. October, welches dieser von Ko- 
strin aus am 7. November dem Kf. zugeschickt hatte. 

Dieses Schreiben liegt den Akten nicht bei. 

3) Am 7. December meldet er, dass er, obwohl ihm der Rest auf den November 
noch nicht gezahlt sei, doch um nicht zu Klagen, als ob er des Feldmarschalls 
Ordre nicht stracks pariert, Anlass zu geben, morgen nach Böhmen aufbrecbeo 
wolle. Doch steht er noch am 16. in Sternberg und meldet von dort aus* ao 
diesem Tage, die Dragoner, welche am weitesten zurückständen, wurden heute 
den Marsch nach Böhmen beginnen, er selbst würde noch zwei Tage warten und, 
wenn er bis dahin keinen Befehl vom Kf. erhalte, auch mit dem Fussvolk auf- 
brechen, am 16. werde er mit allen Truppen bei Landeskron in Böhmen steheu, 
wo Kommissare dieselben zählen sollten, „welches mir recht lieb, weil ich ge- 
wiss weiss, dass wir bei 200 Mann stärker sind als 2000". Kf. genehmigt (d. 
Cöln 8./ Ib. December 1663) die Verlegung der Quartiere nach Böhmen. 



i 



Verlegaog der Qaatriere Dach Böhmen. CoDferenz mit Lisola UDd Ucedo. 317 

• 

Protocollum, was bei der Conferenz, so I. F. D. der Fürst 
von Anhalt und der H. O.Präsident Freih. v. Schwerin mit 
dem Kaiserlichen und Spanischen Gesandten, dem H. Baron 
de Lisola und Don Sebastian d'Ussiedo [gehalten], vorgegan- 
gen, am l./[ll.] December 1663. 

[MassregelD gegen die Türken.] 

Purst Anhalt macht den Ingress, weil die H.H. Gesandten zji unter- ll.Dec. 
schiedenen Malen bei Kf. Anregung gethau, dass von dem Türkischen Wesen, 
wie auch von den Reichssachen und Polnischen Händeln möchte conferiert 
werden, so hätte Kf. diese Gonferenz verordnet und möchten sie belieben 
anzudeuten, von welchem Punkte man zuerst reden wollte. 

Lisola stellt zu ihrer Wahl, welchen Punkt man dieses Mal vornehmen 
wolle. 

F.Anhait: Weil die Gefahr von den Türken die gröste, würde das 
nöthlgste sein, davon zuerst zu reden. 

Lisola: Der Kaiser thäte dagegen alles, was in seinen Kräften stehe, 
hoffe im Frühling 50000 Mann ins Feld zu führen, ziehe selbst jetzt nach 
Regensburg, die Assistenz dort zu befördern, er selbst wäre deshalb zurück- 
gekommen, um Kf zu dieser Reise zu disponieren, der Kaiser furchte, andere 
möchten sich ein Exempel daran nehmen, wenn Kf. nicht käme. Wie er 
von Königsberg weggezogen, wäre Kf. gar geneigt zu dieser Reise gewesen. 

F.Anhalt: Es wäre ihm schon gesagt, was Kf. dai^n verhindere 0> 
dies würde aber dem Kaiser nichts schaden, da Kf. dessen Intention auch 
tlarch seine Gesandten genug^am befördern würde. 

L. hat darauf zu wissen begehrt, was des Kf. Meinung wäre, wie es 
m'.i dem Succurs anzustellen, denn, wenn derselbe nach etlicher Stände 
Meinung geschickt werden sollte, so wurde der Kaiser lieber garkeinen 
begehren. 

Schwerin, von F.Anhalt aufgefordert fortzufahren, erinnert Lisola 
daran, dass ihm schon angezeigt wäre, inie nöthig es sei, dass der Kaiser 
seinen Vorschlag von dem Succurs dem Kf. eröffnete, damit dieser den- 
selben ins Werk zu setzen zu helfen sich bemühen könnte, er hoffe^ wenn 
der Kaiser sich angelegen sein liesse, das ganz zerfallene Vertrauen im 
Reich zu restabilieren , dass alsdann alles besser von statten gehen würde. 
Es sei ihnen auch angezeigt worden, wie Kf. sich angelegen sein lasse >), 
dass alle anderen Sachen zurückgestellt und allein vom Succurs tractiert 
werde, es wäre auch von K.Mainz') und anderen Fürsten gute Vertröstung 
eingekommen, es sei ihnen auch Bericht geschehen, was der R Admiral in 



S. oben Abscho. 4 S. 201 r. 
O S. oben S. 197. 201 f. 
3) S. oben S. 197. 



318 



Der Türkenlirieg, 



Scbweden Wränget für Erbieten von einer Diversion in der WKllachei>] 
gethnn. 

Lisola: Des Kf. gater Intention halte er Gich versichert, Aber von des 
meisten glaabe er, das» sie darch den Sucours des Kaisers AutontiU viel- 
mehr gäuülich EU untertreten sachten. Das geschwundene Vertrauet) xa n- 
Btabilieren sei deine Suche, welche so geschwinde sieh thun liesse, inson' 
derheit da die meisten so gar depeiident von fremden Kronen närea, auf 
allen Fall wäre besser, da^s diejenigen, so es mit dem Kaiser halten, ihn 
Macht zusammenselzten und dem Kaiser hülfen, Kf, möchte selbst erwägen, 
wie es ihm gefallen würde, wenn Pf. Neuburg oder einem anderen, dem er 
nicht vertraue, die Keichsarmee untergeben würde. Die Diversion in der 
Wallache! hätte er schon längst am kaiserlichen Hof gerntben, H.Labo- 
mirsky offerierte^) dem K.-iiser dazu 8000 l'frrde, Wrangel i 
guter llofinung zu unCerhalteu, er glaubte nicht, dasa die Scbweden di« 
franEösische Wahl 7.u befördern gedächten und daher könnte mar 
ihnen wohl anuehuicn, jedoch miissten nicht gar ta viel Schweden bei der 
Armee sein. 

F.Anlialt Bclilägt vor, dass der Kaiser sich erklären möchte, kein« 
italieuisrbe oder fremde OfGciere zu der Armee zu geben, Lisola sagt 
dieses zu, man würde nur diejenigen nehmen, welche Kur- und Fürsten vot- 
scblagcn würden. En würde dem Kaiser am liebsten sein, wenn Kf. i 
dahin beförderte, dass die Hülfe zum Tbeil an Geld, zum Theil an Volk 
angenommen werde, denn ohne Geld würde der Kaiser auch seine eigeoe 
Armee nicht nnterhaltea können, er urgieric noihmald, dass Rf. sei 
denken, wie der öuceurs einzurichten, dem Kaiier eröffnen möchte. 

Als ihnen hierauf Ouvertüre gethan worden von demjenigen Bedenken, 
sn neulich im Rath verlesen worden, dass dnrch 2 Schiffsarmeeeii dem Tu^ 
ken im Archipelago Abbruch geschehen könnte, hat der Spc 
Gesandte weitläufig remoiittriert, dass den Türken am selben Orte garkein 
Abbruch geschehen könnte. 

Da nun hierauf weiter gefragt wurde, ob von dem Könige von Per- 
sicn nicht zu hoffen, dass er eine Diversion macheu würde, haben sis 
angedeutet, dass von demselben das allermeiste geschehen köiinu 
dass der Kaiser auch wohl dahin schicken würde, auch gewünscht, c 
der Friede zwischen Moscau und Polen getroffen würde, weil dem 1^ 
ken auch dadurch sehr wehe geschehen könnte. 

F.Anhalt referiert, da>is der Herzog von Holstein sehr klagte, d«i* 
des Kf. Truppen Notb litten, Lisola regerierce, dass über ihn gro»» 
Klage kiime, dass er so übel Ordre hielte, 

F.Anhalt that Anregung wegen Kestitotion von Jägerudor f, vor 
beide Gesandte gar gute Vertröstung gethan, dass Kf ehestens wegtl 



Gonferenz mit Lisola und ücedo. Die Quartiere in Böhmen. 319 

eines AequivaleDts Resolation bekommeo würde, womit diese Gonferenz 
geendiget. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. 
D. Königin Grätz 26. December st. n. 1663. 

[Eiorichtang der Quartiere in Böhmen. Bezahlung der Truppen.]' 

Er hat jetzt die Quartiere hier in Böhmen bezogen, die 1000 Mann 26. Dec 
z. F. and 5 Compagnieen z. Pf. logieren im Königgrätzer Kreise, die 
übrigen 5 Compagnien z. Pf. nnter dem Commando des Ob.L. Block 
and Ob.W. Marwitz in der Grafschaft Giatz, die Quartiere sind alle 
an einander längs der Mährischen Grenze, so dass die Truppen, wenn es 
nöthig ist; in kurzem zusammen kommen können. Wegen der Bezahlung 
sind sie jetzt auf den November und December contentiert, die Musquetiere - 
haben je 2V2 Rthlr, die Reuter und Dragoner je»4Rthlr. 20 Gr. erhalten. 
Obgleich der Kaiser nur zwei Regimentsstäbe gut thut, hat er doch drei, 
einen z. F. , einen z. Ross nud einen bei den Dragonern bezahlt und das 
G«ld daher genommen, dass ein Musquetier hier nach der kaiserlichen 
Ordinanz 3 Gr. mehr als 2V2 Rthlr. kriegt. Die Dragoner und Reiter zu 
Fuss sind schon meist remontierf, weil hier die Pferde gar wohlfeil sind^). 



Instrnction, wonach unsere — Geh. Clevische Regierungs- 
auch Amtscammerräthe und* Resident im Hage Werner Wil- 
helm Blaspeil, Jan Copes und Sylvester Danckelman bei 
der ihnen aufgetragenen Commission an die HH. Staten Ge- 
neral der Vereinigten Niederlande der gegenwärtigen Ttlrken- 

gefahr halber sich gehorsamst zu achten haben. D. Colin 

a. d. Spree 7./ [17.] Januar 1664. 

(Conc. 0. V. Schwerin. Lectum in consilio 7./ [17.] Januar 1664.) 

[Hälfe gegen die Türken.] 

Hinweis auf die Türkengefahr, die Unzulänglichkeit der Mittel des Kf., 17. Jau. 
das langsame Betreiben des Werkes in Regensburg und anderer Orten, 
Kf. wünscht die Niederlande dazu zn bewegen, zulängliche Hülfe zu 
leisten, er bemüht sich daher dahin, dass vom Kaiser und dem ganzen Reiche 



*) lo den folgenden Relationen ans dem Januar und Febrnar meldet der 
Herzog nur, dass die Trappen in gutem Stande seien, auch für jene beiden 
Monate die richtigen Assignationen erhalten hätten, dass sie aber sehnsüchtig 
auf einen guten Feldzng warteten, weil hier sonst „gar schlechter Zeitver- 
treib*^ sei. 



^jü'j 5. Der Törkeakrieg. 

dorch eine expre^se Ge*ajDdt»ehafi bei den GeaeralstaA:«« dittcc eifrig Mh 
cmert verden s^jUe-^. iozwbcben solkn die Ge«. das Werk, narhdem sie 
es raic der Pribze-sb ron Oranien äberiegt. die öbrigea im Hiag, 
Dao'^keliDftDn io den anderen Pronczen letreiben. 

In der ersten Cooferenz sollen sie nur erje generale gute EikUning zo 
erbaltc^n ^n' U^n« nachher aber bei ferneren C^nferenzea imeiozelaen fordero: 
1 AnempfebloDg der SammluLg freivil liger Beitrage an alle FroTinieo. 
2) Aos^endoDg einer S'Liffsfl>>tte im Xamen der Generalitit, am dem 
Türken eine Diver»ion zn maehen, oder wenigsten« Erlaobaiff, dass ei- 
nige ihrer Ein-^ohner, solches proprüs snmdbos anteniiliaien, in 
welchem Falle Ge«. si^^h za bemühen haben, eine Sodetat von reicheo 
Leuten zn§ammer.zabnD gen. die dergleichen Tervarken sollten. 
Sollte man aas Forcbt, dass die Commercia gehindert värden, keine 
dire<^te Hülfe leisten wollen, so soIIe:i >ie Torsehla^n. dass die CStaateo 
einige Tropp^o licentiieren. sofort aber wieder zur Hülfe gegen den Eih- 
feind annehmen lassen möchten, jedoch dürften dann dazu keine Werbegelder 
gefordert werden. * 



Der KarfUrst an den Kaiser. D. Coln a. d. Spree 

22. Februar [3. März] 1664. 

[GemeioBchafi liehe ßemüboDgeo io Holland Mnoition in erkalten.] 

3. März. Kf. hat los einem Schreiben des Kaisers Fom 4. Febiuar ersehen, dass 

derselbe seinen Vorschlag, zu ?er>uchen eine gnte Anzahl Kriegßmnnition 
in Holland za erlangen, gebilligt nnd seinen nach Dänemark geschickteD 
Gesandten, Graf Sinzendorff angewiesen hat, nach VerriebtoDg seines 
dortigen Auftrages nach Holland zu gehen und den angeregten Vorschlag 
bei den G.Staaten ins Werk zu richten. Kf. hat seine Räthe im Haag an- 
gewiesen';, denselben dabei zu unterstützen. 



y S. das Bescript des Kf. von demeelben Datum an die Gesandten in Begeu- 
barg ^obeo Abecbo. 4 S. 21^) nod die Relationen derselben Tom 31. Jannar (S. 32(0* 
k9. Ffcbniar S. 22.0) ood 7. März (rf. 22"*). Auf den Vorschlag ron K.Mains worde 
die Sache nur an das Karfürstencolleg gebracht and dieses richtete (d. Regena- 
barg 5. März l*>i4) ein Schreiben an den Kf., in weichem es denselben ersucht, 
bei d^-n Niederläodigchen Staaten das Uülfsgeeuch des Kaisers tu nnterstfitses. 
Der Kf. schickte dasselbe den Gesandten zu mit der Weisung (d. Coln 12./2:2. Ein 
\CjCA) Ton demselben hei Gelegenheit Gebrauch zu machen und das Werk oscb 
Möglichkeit zu befürdero , doch uichts publice olme den Ratb seiner Schwieger- 
mutter und Concertierung mit dem kaiserlichen Gesandten, dem eben daauU 
im Haa^ «-ingetrofi'eiien Grafen Siozeudorf (s. Diar. Europ. XI S. 176 ff.) for* 
zuuehuieo. .damit wir uns nicht prostituieren und, im Fall nichts ta erlaagts, 
vergeblich solliciti^ret hüben mugen*". 

'"/ Kf sendet unter demselben Datum an Blas peil und Copea den be- 



i 



nälfegesnch in Holland. Marsch der Truppen nach Ungarn. 321 

Der Kurfürst an Herzog Augiistus von Holstein. D. Cöln 

23. Februar/ [4. März] 1664. 

[H. soll den Befehlen des Kaisers gehorchen.] 

Nachdem die Böm. ^. M. uns gst. zu vernehmen gegeben *), 4. Mär 
wasmassen Sie entschlossen wären, mit dem ehesten einige Operation 
in Ungarn Yörzunehmen, wobei Sie unsere Auxiliarvölker von nöthen, 
als gesinnen wir von E. Ld. — , Sie wollen auf allerhöchst Ih. K. M. 
Ordre und Befehl sich dazu williglich gebrauchen lassen und das- 
jenige, was Ihne desfalss oder sonsten anbefohlen werden mögte, ne- 
benst denen Ihrem Commando anvertrawten Völkern ohnweigerlich 
exequiren. — 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. 
D. Königin Grätz 6. März- 1664. 

[Befehl Montecnccolis nach Ungarn anfznbrechen.] 

Er übersendet ein Schreiben des F.M. Montecaccoli'), in welchem 6. Mär 
ihm befohlen wird, zu der Armee de Souches' nach Ungarn za ziehen. 

treffenden Befehl. — Diese Versuche, von den Niederlanden Hülfe za erhalten, 
waren ganz vergeblich, Blaspeil und Copes melden (d. S'Gravenhage 4. März 
1664): ,Die Apparenz, etwas zo erlangen, ist so schlecht, dass Ihre Hoheit sehr 
bedenklich und schwierig sein, Ew.Chf. D. za rathen, diese Sache mit Eifer trei- 
ben za lassen**, and (8. März), es werde sehr schwer fallen, der Commercien hal- 
ber etwas anszarichteo, Holland werde sich wahrscheinlich nach England richten, 
das ebenso bedeutenden Handel nach den Türkischen Landen treibe, and man 
werde dem Gesandten die Bedröckang der Protestanten in Ungarn vorhalten, and 
(8. April), Sinzendorf könne nichts aasrichten, daher würde es ganz vergeblich 
sein, wenn sie wegen des Kf. in dieser Sache Schritte za thnn versachten, and 
Danckelmann berichtet (Haag 13. Jani), als er im Janaar dorthin gekommen, 
seien anter dem Eindrucke der von den Tataren in Mähren verübten Gräuel 
viele vornehme Personen zur Beisteuer von Geld bereit gewesen, aber die lang- 
same Ankunft Sinzendorfb, günstigere Nachrichten aus Ungarn und Oester- 
reich, auch eingeschlichene Simultäten hätten die Gemüther erkältet, so dass die 
Generalstaateu beschlossen hätten, sich nach den benachbarten Fürsten, nament- 
lich nach England zu richten, auch von dort habe Graf Konigseck gemeldet, 
dass der Konig wegen des bevorstehenden Krieges mit Holland sich zum 
wirklichen Beistand gegen die Türken nicht verstehen könne. (S. auch M^moi- 
res da comte d'Estrades II S. 244 f. und Alpen, De vita et rebus gestis 
Cbristophori Bernardi episcopi Monasteriensis I, S. 612 ff.). 

^) Das betreffende Schreiben liegt den Akten nicht bei. 

^ d. Wien 29. Februar 1664, darin theilt der F.M. dem Herzog mit, es solle 
ein Corps in Ungarn jenseits der Donau unter dem Commando des G.Fzm. Grafen 

Mater, z. Gesch. d. G. Kurfur^teo. XI. 21 



Oligletcii er vun 
hat er üemselbej 
er bittet aber de 



KT. keinen Befehl bat, das FusEvolk (lorthio stn führen, 
Joch erwidert, dass er seiner Ordre niv likommen «erdr, 
1 Kf., ilim schleunigst Bescheid znkuuiraen *n b-isseo')- 



Vi-rliallen des Eaiaera. Die polnische Wahl. Dra- 
Ri;atLtDtLoa von Jägurndorr. Wenn KT. io die Rheidacl» 
ritt, will Spanien die Subsidien nicht lahlen.] 



Protocollum dessen, was bei der Corfferenz, so I. F. G. ztt 
Aohait und der H. O. Präsident Freih. v. Schwerin tdU den 
kaiserlichen und spanischen Gesaiidteu, dem H. Baron de Li- 
sola und H. Don Sebastian d'Ussiedo gehalten, vorgegangen 

8./[18.] April 1664. 

[Kla^e über ilas 

hende Fordernog 

Ällia 

3. April. Nachdem F.AnbiiU die C'onfcreiiz eröffnet, propoiiiert v. Schwerins 

Kf. hätte in der am 1. December gehaltenen Cunferenz'), da »on der Ge- 
fahr der Türken und des Polnischen Wesens gehandelt, iD^otiderheil 
begehrt, dase der Kaiser ihn allezeit wissen tassen möchte, wohin teioe Ge- 
diinken in den Torfallenden Saeheti gingen, wiewohl dieses nicht geschebeo, 
hoffe er, der Kaiser werde aas dem, was zu Regensburg vorgefallen, sei- 
nen Eifer und Devotion für das Interesse desselben ersehen haben. Kr wün- 
Rcbe nun rornchmlich des Kaiser Meinung zu wiesen wegen des von den 
Bischof tu Münster desiderierten Directorü über die Reichaarmce, ferner, oll' 
des Kaisers ßegehrcn wäre, dass, wie es von einigen vorgescb lagen wordei^- 
ein IJaupt aus dem Reich zum Reichsgeiieral benennet werde, weiter ob dar 
Kaiser noi'b für rathsnm hielte, dass man mit anderen Potentaten anr eins 
Diversion in der Wallache! uegotileren aollte, und dann, was der Kaiser< 
intentioniert wäre wegen Verhinderung der französisehen VVebl in Pol 

do SoDches gebildet werden nnil auch die branden burgischen HüiratrappOtf 

zu demselben gehören, er solle daher mit allen seinen Truppen 

Qoartitren so aofbrecheD, dass vr am 20. März inllradisch 

dort weiter oitch Trencbiuiu Ungarn murBcli leren könne, woaelbit er weitere Ordrat 

von deSuocbes erhalteu n'erde Beigefügt eind YerbultDUgSTorscbrirtvn, darunter 

ancb die, er solle, iu Ungarn angekommen, eine Liste seiner Völker, t 

effeclive befänden, pioscliicken. ferner er »erde eine tnoualliolie Verpflegong an- 

licipaudo erhslleu und er solle einige OfGciere in den bisherigen Quartieren n- 

rijcklaaseo, um den Völkern die nach nud nach fallende Verpflegung uncfaia- 

»ebicken- 

') Kf. (d, Cöln 2./12. Mära ltiti4) wiederholt darauf seine frühere Ordre. « 

solle den Befehlen des Kaisers Folge leisti^u, und wünscht ihm eu dem bevor- 

stehenden Feldzuge Glück. Der Herzog meldet am 25. Mars von Zwi 

Bruno aus, dass er anf di^m Marache nach Oberungarn dort angeluogtj 

• ') S. oben S. 317f. 



Conferenz mit Lisola nod Ucedo. 323 

Denn ob zwar Kf. die Allianz mit Frankreich schlösse^), hätte er sich 
doch im geringsten nicht Tcrobligiert, solche zu befördern, wollte vielmehr 
hierunter das gemeine Interesse beobachten. Die commnnicierte Allianz 
wäre zwar in einigen Wörtern aber nicht in Snbstantialibus geändert, so- 
bald sie vollends adjnstiert, sollte sie in forma wieder communiciert werden. 
Die Schwedischen Tractaten') wären noch wenig avanciert; wenn das ver- 
sprochene Schwedische Project einkäme, wollte ILL auch part davon geben. 

Bei solcher Bezeugung seiner Devotion aber sei es dem Kf. sehr 
schmerzlich; dass er trotz aller Promessen nicht zu der Restitution von 
Jägerndorf gelangen könne, er müsse glauben, die Kaiserlichen Ministri 
meiuten, da er und sein Vater sich nun bald 40 Jahre hätten mit Vertröstun- 
gen abspeisen lassen, so würde dieses das beste Mittel fein also zu conti- 
nnicren, Kf. aber wolle sich nicht länger aufhalten lassen, er wolle hiermit 
declariert haben ^), dass er den Fürsten von Lichtenstein pro injusto 
usurpatore halte und dass er nach soviel gehabter Geduld gegen denselben 
alle Mittel, zu dem Seinigen zu gelangen, gebrauchen werde, er wolle zwar 
dabei den Respect gegen den Kaiser nicht vergessen, er halte sieb aber 
versichert, derselbe werde ihn mit dem Fürsten von Lichten stein gewäh- 
ren lassen. 

Lisola repliciert, er hätte dem Kf. schon längst vorgetragen, der 
Kaiser begehre, Kf. möchte seinen Gesandten in Regensburg befehlen, 
alles daselbst mit den kaiserlichen Kommissaren zu überlegen und nach 
gemachtem Concert zu exequieren, es wird ihm aber entgegnet, dass solches 
zwar in geringen Dingen wohl sein könnte, wie die Gesandten auch solchen 
Befehl hätten/ aber in diesen und anderen wichtigen Sachen könnten die 
Gesandten nicht ohne des Kf. Resolution etwas thun. 

Lisola fahrt darauf fort, was des Bischofs zu Münster prätendierte 
Directiou anlangte, würde dem Kaiser lieb sein zu vernehmen, was Kf. da- 
von meine, und sich alsdann darnach regulieren; wegen der beiden folgenden 
Punkte hätte er noch keine Resolution erhalten. Das Polnische Werk 
anlangend hielte er davor, wenn man die Election mit Gewalt dnrchbringen 
wollte, so würde der Kaiser sich solchem Dessein opponieren, es wäre 
aber schwer, etwas in dieser Sache zu thun, weil man vor Frankreich nichts 
geheimes vornehmen könnte, der Kaiser hätte das Vertrauen zu Kf., der- 
selbe werde bei der Allianz mit Frankreich seine vorige Affection und guten 
Vorsatz nicht ändern; wegen der Rheinischen Allianz hoffe er, Kf. 
werde sich besser bedenken , er würde dadurch zu vielen schädlichen Din- 
gen gezogen werden, denen er sich dann nicht würde entziehen können. 



V. Blumenthal war Au fang April von Paris nach Berlin zurückgekehrt 
und wurde Ende Mai aufs neue behufs Vervollstandigang und Ratificierang der 
Verträge dorthin geschickt s. Urk. n. Akt. IX 8. 679 ff. und über die dem Kaiser 
davon gemachten Mittheilongen oben S. 224f. 231 

2) S. ürk. o. Akt. IX ö. 759 ff. 

^ Dieselbe Drohung echoo io dem Schreiben des Kf. an den Kaiser vom 
7. Mai 16G2 oben S. 291. 

21* 



r TürkeDkrieg. 

Betreffend die Japerndnrf-'che Sache hätte er Eich seiner Znsage 
grijugsüm tteqoiltieit und die Suche mit grogseni Eifer recotnniendiert 
hoffe, dass Kf. noch Oeduld haben «erde und da^s das, was er jetxt in- 
ziehen lassen, keine genommene Resolution, sondern Dar die Sscbe zu be- 
fördern gemeint sei. 

F.Anhalt and Schwerin, na'hdom »ie einen Abtritt geaofnmen nnd 
Gich unterredet, reassnmeren nnaientliih den Punkt wegen Jägerodorf 
Qod erklären , dass solches garnirht siherzweise geredet sondern de. 
feate Resolution s^i, and dua er auch »i-hon befohlen, solches dem Kaiser 
selbst zu schreiben, er sei verwandert, das« niuii jetzt von der Sarbe noch 
weniger pprärhe als Torhin. D. Ussiedo rerapituliert d--iraaf, wa 
Kfnigsticrg und hier in dieser Suche vorgegangen, er hnbe das Werk auf 
das beste dem Könige recommendiert und dieser ;iuch au den Kaiser g«- 
schrieben, damit dem Kf. Satj'^fnction gCEchehen möchte. 

Lisola zeigt darauf jin. Kf. habe iu l'reussen erklärt, daes er mit 
einem bilügmäsiigen Aequivalbut Kufriedeo sein ') und sich der froctanni 
perceptorntu begeben wollte, es wird ihm aber regerierl, Kf. sei jetzt nicfal 
weiter daraii gebunden, weil ihm nicht sofort die Restitution gethau odet 
ein Äeqairalent gegeben, und wollte er anrh davon nunmehr nicht absteheD« 
es würde wohl das letzte Mal sein, dass er von dieser Sache auf solche 
Art .sprechen würde. 

Lisola verspricht dieses alles zu referieren. Don Ussiedo erklin 
daranf, dass sein König grosse Jalousie über v Blumenthals Negotiatioa 
EU Paris genommen'), vornehmlich wenn Kf. in die Kbeiui.«che Allius 
sollte treten wollen, weil das Haus Oe^tfrreich dadurch ganz und gar würde 
abandonniert werden, e:^ könnte auch auf solchen Fall sein König dsa 
versprochene Geld') nicht geben, und hat denniacl) grosse Instanz gethan, 
dass Kf. in dieselbe ntrht treten möuhte. 

Es ist dieses letztere ad referendum angenommen and die Cooferenl 
damit geendigt worden. 



') Nach der Angsbe des späleren kBlserlicheD GesauütuQ Baron Fridag, dar 
sich dariir auf des KT. eigene MittheiluDgen beruft, ist schon bei diesen Ver- 
haudlnagen mit Liaola die Abtretung dea Schwiebuaer Kreis«B als Braati 
für Jägerodorf 2ur tjpracbe gekommen, s. Ftida^e Relatlou an den Kaiser ans dt 
December IGöä bei Fribram. Oeaterreich und Brandenburg l&^S— 1700 S. 21 
Mach ebendeaselben Angabe ist auch acbon durch Liaola Fürst Anhall ,< 
niger reellen Kay h, Gnade DSbezeugUDgea vertröstet worden* (Relation vom 23. Mirt 
168G bei Pribram, Oeaterreich und BraodenbQrg ie85^ltiK6 S. 101). 

') S. daa Reecrtpt dea Kf. an die Gesandten in Regensbnrg vom äG. Februar 
1664 oben S. 224. 

»^ S. oben S. 2'.m. 



CoDfereDzeD mit Lisola und ücedo. 325 

Prötocollum dessen, was bei der Conferenz, so I. F. D. zu An- 
halt und der H. 0. Präsident Freih. v. Schwerin mit dem Spani- 
schen Gesandten gehalten, vorgegangen ll./[21.] April [1664]. 

[Die spaDischeD Subsidien. Biotritt des Kf. io die BheiDische Allianz. . Die 

JägerDdorfer Sache.] 

Es wird dem Don Ussiedo angezeigt, Ef. sei durch dessen jüngste2i. Api 
Proposition, sein König könnte'), im Fall Ef. in die Rheinische Allianz treten 
wollte, das versprochene Geld nicht geben, ziemlich snrprennieret worden, 
er wünsche zu yernehmen, ob der Gesandte dieses aus seinem eigenen 
mouvement geredet, oder ob er von seinem Könige Ordre dazu hätte. Der 
König hätte keine Ursache, über v. Blumenthals Negotiation Ombrage 
zu nehmen, jene Alliance wäre eine pure defensive Allianqe, die Artikel 
sollten communiciert werden, würde darin etwas sein, so wider ihr Interesse 
liefe, so wolle Kf. solches evitieren. Wenn aber der König trotzdem Be- 
lieben trage, das versprochene annuum subsidium nicht ferner zu continuieren, 
so wolle Kf. darum seine Freundschaft nicht brechen und sich desto glück- 
licher schätzen, wenn er auch ohne solches Geld demselben angenehme 
Dienste erweisen könnte. 

D. Ussiedo antwortet, es wäre seinem Könige Bericht zugekommen, 
dass Kf. sich dergestalt mit Frankreich vertiefte und in eine solche Liga 
träte, welche dem Könige und dem ganzen Hause Oesterreich sehr prä- 
judicierlich, darauf hätte der König ihm geschrieben, er könnte es nicht 
glauben, und auf solchen widrigen Fall würde er das Geld nicht con- 
tinuieren können , da doch noch vom 2(). Martii eine indispensable Ordre 
ergangen, an Kf. ohne Aufenthalt das Geld zu zahlen, er hätte auch zum 
dritten Mal wegen Jägern dorf an den Kaiser geschrieben, er hielte 
davor, wenn Kf. mit dem Hause Oesterreich in fester Freundschaft 
stände, bedürfte er der anderen Allianzen nicht. In der Rheinischen 
Allianz wäre nichts dem Könige präjudicierliches, nur rapportierte sie sich 
auf das Instr. pacis, welches derselbe nicht angenommen, weil darin enthalten, 
dass das Reich dem Könige von Spanien keine Assistenz leisten sollte, wie 
denn Grammont und Lionne zu Frankfurt solches' gar stark nrgiert hätten. 

Nach genommenem Abtritt wird ihm repliciert, dass solches ein Irrthum 
wäre, das was von Verweigerung der Hülfe an Spanien paciscieret werde, 
redete nur de hello präeterito, nunmehr aber stände einem jeden frei, nach 
seinem Belieben Spanien zu assistieren, worauf ihm weitläufig die Ursachen 
anseinandergestetzt werden, welche Kf. obligierten, in die Allianz zu treten, 
welche Spanien nicht schadeten, aber dem Kf. zu statten kämen, und dass 
es Spanien und dem Hause Oesterreich selbst vortheilhaft wäre„ wenn Kf. 
darein trete; er könnte trotz solcher Allianz, wenn das Haus Oesterreich 
attaquiert werde, Hülfe wohl schicken. 



') S. das vorhergehende Protokoll vom 15. April S. 324. 



32^* 5. Der Tuieakmf. 



D. Ufrfiedo rcr^pncbt ^ei^^s QB«Tia<I3kli tm bciidnni «ad bittet io 
di« AJiiariZ eise Ciasf«! la feixc-n. m» dem Hasse OeFUermck zwb besten 
kacTfC. niid da^s sie aneli eine offene Tbar dai£s bebieltea. Hieraaf ist iioeb- 
zuaJf das Ja£erI:idt:•rf]^cfae Lf^vyxJuoi aoi flir hfwrflifh fr irr »Mir n dir rt 
Qtjd d^nit die Coziferecz geeijd:gi vorden. 



Herzog Angastus von Holstein an den Kurf&rBteiL D. Im 
Feldlager vor Xentra 22. Aprilis SL n. 1661. 

[Belafenmf tod Neatn. Zmlaad der Trappen.! 

r^. Jprjl Er 2£t dem Befehl de> Kf^ mit nr^eh UDgarn zu sieben, aaeb^koBmen^): 

zaiLablen wir Xeaira*' vor 6 Ta^n belagert^ der Feind hat 
gleich Ton AnfaDg die Stadt rerlassen and in Brand g:eBteeket uod 
frk-h im ScLloss retiriret. welches sehr fest, wir sind aber sehen 
so weit mit der 3iine gekommen, dass ich Tcrhoffe, wir morgen nnter 
einem Bollwerk sein wollen, es lie^n <jCO Mann darin. Unsere Armee 
l>esteLet mit Ungero und alles in KXCO Mann'), ich habe micb mit 
dem F.3J. Soaches soweit Tergliehen. dass ich die Infanterie sowohl 
Kevserliche als Sächsche commendire. nnd der G.Win. Garnier die 

Kenner Sonst sind die Lernte noch in gutem Stande nnd habe 

ich noch nicht mehr als 4<J Be»chädigte and Dotte. — 



Deffrelbe an den Knrfiirsten. D. Im Feldlager outer Xentra 

4. Mai St. n. 1664. 

[EiDDihme von Neutra. ', 

}. Mai. Vorgestern . . . haben wir Neutra mit Accord erobert, seindt ge- 

stern ausgezogen bei 70.» Mann zu Boss und Fuss, wackere Leutte, 
und Dach Xeubeusel convolyret. Und weil ich die Ehre gehabt mit 
Ew. CLurf. Gn. mir anvertrauten Volcker die Approche und Mine lo 

-; S. über den Begioo des Feldeuges io OberaDgaro de Mönchen* Berickt 
so deL Kaifer s. d. -,Jali 1*>>4) Diar. Europ. XI S. 44^&tr. 

*y S. über die Belagerung von Neutra Diar. Europ. XI S. 197 ff. 451 f. 
^escbreibaog uod Plan der Stadt und des Schlosses X S. 923 ff.). S. aiieh 
Tfaeatr. Europ. IX S. 1156 und Rinteleo in Gesten*. miiiULr. Z«itachiill f 
Heit 3 S. 270. 

*, Diar. Europ. XI S. 197 wird dir Stärke der Armee auf UtOOO 3klaoD an- 
gegeben, wogegen Rinteleo a. a. O. S. 270 dieselbe oui^ auf 8500 Mann ausser 
deo'uogaridcbeo Trappen berechnet. 



i 



Belagerung von Nentra. Gefecht bei Cseroowitz. 327 

führen, habe ich beim Accord auch die Ehre gehabt, die erste Geisel 
zu geben und die Breschen zu besetzen *). Nunmehr aber wir inner- 
halb wenig Tagen von hier nach Levenza marchiren werden, selbes 
zu attacquiren, und ich meine Leute nicht gerne so zertheilen werde 

lassen, wird das Schloss von den Eeyserlichen besetzet werden 

Die türkische Macht, so hier herumb, wird noch zur Zeit über 8000 
nicht sein. — 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. D. St. Creutz 

in den Bergstetten 18. Mai st. n. 1664. 

[Glückliches Gefecht. Maogelode Verpfiegaog. Uebler Zustand der Truppen.] 

Sie sind seit dem Aufbrach von Neutra beständig hin und wieder 18. Mai 
marschiert, sind durch schlechtes Wetter an der Belagerung von Levenz 
verhindert worden. 

Vorgestern') ist uns der Feind mit 20000 Türeken und Tartern 
in die Reserve gefallen, und weil unsere Armee in allen nicht 8000 
war, weil die meisten hin und wieder commendiret, sah es wohl 
zum Übeln Aussschlag aus, aber Gott und des Feldmarschalks Souches 
seine gute Gonduite haben uns erhalten und haben Ew. Ghurf. Gn. 
Leute vor allen den Ruhm, dass sie vor allen das beste gethan, und 
ist kein ander Fussvolk als das meine darbei gewest, haben sich wohl 
gehalten und im freien Felde mit ihnen gefochten. Ich habe über 
50 Mann von Mussquetire, Reutter, Dragoner nicht verloren, unter 
welchen ist ein Haubtmann und 2 Leutenambts von Marvitz, der Tür- 
ken sind bei 1000 todt und beschädigt, und haben wir unterschiedene 

Fahnen bekommen. Ob uns zwar versprochen, dass, wenn wir 

schon zu Felde, dass gleichwohl unsere Verpflegung folgen sollte, nun 



*) Laut Beilage zu dieser Relation betrug der Verlust der brandenburgischeo 
Truppen vur* Neutra an Todten 3 Dragoner, 16 Gemeine und ein Sergeant vom 
Fussvolk, an Verwundeten im ganzen 25 Mann. 

>) S. über dieses Treffen bei Czernowitz (6./ 16. Mai) Diar. Europ. XI 
S. 274 ff., woselbst (3. 278 f.) auf Grund eines .Bericht-Schreibens'' vom 17. Mai, 
das auch der Relation A. Neumanns beiliegt, auch der -Mitwirkung der brau- 
deDburgischen Trappen Erwähnung geschieht. Auch in einem Neumanns Re- 
lation beiliegenden „Extract-Schreiben des H. G.Wm. Garnier'' d. 18. Mai 1664 
heisst es: „und hat sich in dieser Occasion die Cavallerie, die es am meisten 
getroffen, sehr wohl comportiret und voraus die Braudenburgische und Sächsische 
Heutter." S. auch Tlieatr. Eufop. IX 8. 1158f. Oesterr. roilitär. Zeitschr. I 
8. 272. 



328 '■>• l^*?»" Turkeiikrieg 

wir aber in» Feld sein, will man nichts voDjwissen, habe ich alim 
nichts, da ich die Leute mit helfen kann, und sehe nichts als ihre Ruin 
vor Augen .... und ist unsere Condition in solchem Fall viel schlim- 
mer als alle andern Reichsvölker, weil wir von niemand nichts krieg:en 
werden. So ist deswegen mein gehorsames Bitten, E. Chf. 6n. gnftdig 
vor uns jEin I. Kais. M. schreiben wollen und, im Fall dieses nichts 
fruchten werde, mir mit etwas gnädig beistehen, damit ich die 
I.cuttc mit Schuhe und Kleidung helfen könnte, auch die Krancken bes- 
ser assistiren könnte, was ich habe gehabt, habe ich schon vorge- 
Hchossen*). — 



Derselbe an den KurfUrsten. D. St. Creutz 22. Mai 1664. 

[Mangel an Lebensmitteln und Krankheiten.] 

2. Mai. Berichte dcroselben, dass sieder dem letzten, so ich geschrieben, 

nichts Notables vorgefallen, wir liegen hier und wird uns der Hunger 
mehr verderben als der Feind, und scheinet, dass man es mit uns 
machen will wie ihr alter Gebrauch, die Krankheiten reissen auch 
sehr ein, ich habe kaum noch von dem Fussvolk 800 Gemeine Dienst 
zu thun, die Dragoner haben auch sehr abgenommen. — 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Linz 13. Juni 1664. 

[Kriegsnachrichten. Bitte um Mitwirkanji: des Kf. bei dem Reichstage.] 

3. Juni. Wegen des Anzuf^es eines starken Entsatzheeres unter dem Orossve- 

zier selbst hat die Belagerung von Caiiisa'-) aufgegeben werden müssen, 
OrafStrozzi hat darauf die Türken, als sie versuchten die Mur zu über- 
schreiten, zurückgetrieben, ist aber dabei gefallen'). Er selbst ge- 

') Kf. erwidert darauf (d. Coln 24. Mai/3. Juni lG(j4), er habe wegen der 
Verpflegung der Truppen an Fürst Lobkowitz geschrieben, sngleich von dem 
sich bei ihm aufhaltenden kaiserlichen Abgesandten (Li sola) begehrt, dass er 
deswegen bei Ilufe Vorstellungen mache. 14./ 24. Juni meldet er, dass er aach 
an de Souches deswegen geschrieben habe. 

Die vereinigten Truppen Zriny^s, Strozzi's und Uohenlohe*8 hatten am 
27. April die Belagerung von Canisa begonnen, hatten dieselbe aber infolge dei 
Anzuges eines grossen türkischen Entsatzheeres unter dem Grossvezier aai 22. Mai 
aufgeben und sich nach Serin war zurückziehen müssen, s. Diar. Europ. XI 
S. 204ff. 24öff. Theatr. Europ. IX S lHJGff. Oesterr. milit. Zeitschrifl. U 
S. 1 ff. 

') S. Diar. Europ. XI S. 270. Graf Strozzi hatte sich Anfang 16G0 all 



Mangelhafte Verpflegung der Truppen. 329 

denkt den 21. Juni nach Wien zurückzukehren und will alle möglichen 
AustrenguDgeu gegen den Feind machen, bittet den Kf. zn cooperiereo, 
dass der punrtus assii^tentiae uud die Rekrntierang der Truppen und ebenso 
die von dem Kurfürstencolleg bewilligte Geldhülfe für die Feldartillerie *) 
unverzüglich ausgeführt werde. 



Der Kurfürst an Herzog Aiigustus von Holstein. D. Cöln 

a. d. Spree 7./[17.] Juni 1664. 

[NichterwähDODg der Brandenburger in de Sonches' Bericht über das Gefecht bei 

Czernowitz.] 

Er übersendet ihm eine Abschrift des Berichtes de Souches'^) über 17. Juni, 
das Gefecht bei H. Kreuz an die kaiserlichen Geheimen Räthe vom 17. Mai. 

Weilln aber darin weder Ew. Ld. noch unserer Völker garkeine 

Meldung geschiehet, welche es doch Ew. Ld. und anderer Bericht 

nach an ihrer Devoir garnicht ermangeln lassen, als stellen wir dero- 

selben anheimb, ob Sie sich hierüber bei vorged. G.Fm. deSouches 

nicht glimpflich beschweren wollen, angesehen derselbe darin wohl 

anderer Particulieren — Erwähnung gethan. — 



Der Kurfürst an den Kaiser. D. Cöln a. d. Spree 

21. Juni/[1. Juli] 1664. 

[auf das Schreiben vom 13. Juni. Bereitwilligkeit zur Unterstützung. Ungenügende 
Yertheidigungsanstalten in den kaiserlichen Landen.] 

Er will des Kaisers Absichten unterstützen, hat seine Gesandten in 1. Juli. 
Regensbnrg dem entsprechend angewiesen'). 

Wobei ich jedoch aus treudevotestem Gemüth nicht unterlassen 
kann, Ew. Key. M. gehorsambst zu hinterbringen, dass an verschiede- 
nen Orten sowohl in- als ausserhalb Reichs vielfältige Beschwerden 
geführet werden, dass in Ew. Key. M. eigenen Königreichen und 
Erblanden keine gnugsame noch proportionirliche Anstalt zur Gegen- 
wehr gemacht werde, daher dann bei vielen nicht allein die Gedanken 



Bevollmächtiger Montecuccolis am brandenburgischen Hofe aufgehalten s, Urk. 
n. Akt. VIII S. 413. 

») S. oben Abschn 4 S. 244. 

2) abgedruckt Diar. Europ. XI S. 276 f. 

3) S. das Rescript des Kf. an die Gesandten in Regensburg vom 12 Au- 
gust (oben S. 245). 



330 5 Der TnrkeDkrieg. 

erstehen, ob wäre es mit diesem Kriege kein rechter Ernst, sondern 
es lasset sich auch die Assistenz dannenhero desto träger and un- 
williger hin und wieder verspüren, dass man bei der so augensehein- 
lichen und täglich wachsenden Gefahr und Macht eines so grausamen 
Feindes billig einen wahren* £ifer und Ernst verspOrea Hesse und die 
Defensions- und Rettungsmittel, so der höchste Gott Ew. Key. IL 
herrlichen und reichen Landen gegeben, bei so grosser Noth auch 
gebührend gebrauchte. — 

Herzog Augustus von Holstein an den Knrflirsten. D. Neutra 

1. Juli St. n. 1664. 

[de Sooches' EDtschuldigaDgeD.] 

1. Juli. Er liat si< h sofort nach Empfang des kurf. Schreibens [vom 7. Joni]^) 

bei de Sou( hes besehwert; da er sich denn überaus sehr entschuldiget 
und seine Schwachheit yorwenden, dass er die Schreiben selber nicht 
lesen können, sondern habe sich auf seinen Secretario verlassen, wel- 
cher, wie er itzo vernehme, vom General Garnier und Obrist Koehari 
ein Pferd geschenkt bekommen, welches die wahrhaftige Belation ge- 
ändert, schicket mir dancbens gestern eine Abschrift eines Schreiben 
so er an Ew. Churf. 6n. vom 20. Juni abgehen lassen *), ob nun Ew. 

>) Ö. S. 329. 

^ Ueber die Ereigoisse im JqdI liegen keine Berichte des Hersogs tod 
Holstein vor. De Souches hatte am 9. Juni die Belageraog tod Leweni 
begonnen, am 12. die Stadt gestürmt, worauf die Besatsung am folgenden Tag» 
gegen Zuaicheraug freien Absuges auch das Schloss übergeben hatte. Er hatte 
dann auf die Kunde, dass ein starkes türkisches Corps jenseits der TheiM ib- 
sammengezogen werde, um einen Einfall nach Mähren hin zu nnternehmen, sich 
mit der Reiterei und den Dragonern bei St. Benedict und dann bei Frei- 
städtl gelagert und das Fussvolk weiter zurück nach den Bergstädlen verlogt, 
war dann aber, als jenes feindliche Corps bei Neuhäusel erschienen war, Bit 
der ganzen Armee nach Neutra gezogen, wo dieselbe am 1. Jnli anlangte, i. 
Diar. Europ. XI S. 375ff. und (de Souches' Bericht) S. 453. Theatr. Bnrop. 
IX S. IIGO f. 

^ In demselben (d. Neutra 20. Juni) schreibt de Souches: , Hiermit aber 
thue auch meines Orts gehorsamsten Dauk ablegen, dass Ew. Chf. D. koebao- 
sehnliche Truppen meinem Commando anvertrauet worden, welche in Wahrbeit 
durchgehend tapfere Leute und so beschafifen seind, dass, wenn selbige nickt 
wären, wir mannichmal den Feind nicht so leicht repoussiret haben würdea, 
bevorab in der Belagerung Neutra, allwo die Fussvölker mit anverdrosseoer 
Mühe die Approchen an des Feindes Werke gebracht und den Belagerten viel 
zu schaffen gegeben, in dem Treffen aber bei Czernowitz sowohl Renter ih 



j 



De Sonches EotsclmldigaDg. 331 

Churf. Gd. solches werden erhalten haben, stehet darhin, gewiss ist, 
dass ich aus allen Actionen sehe, dass er meine Freundschaft sehr 
suchet, und weil ich keine Ehre darin suche, meinen Namen durch 
Geld in den gedruckten Zeitungen zu bringen, so kann es leicht sein, 
dass andere mir vorgezogen werden. Ew. Churf. 6n. werden aber 
allezeit vernehmen, dass wir wie ehrliche Leute thun werden. Itzo 
ist de r F.M. sehr krank *) an den Blutgang, und zweifeln viele, dass 
er aujOfkommen werde,- er hat mir das Gommando über die Artoglerie 
und Infanterie aufgetragen und dem G.Wm. Knie, welcher die Rentter 
commendiret, befohlen, in guter Verstandtnus zu leben; sonsten nehmen 
die Krankheiten viel Leutte weg — und nehmen unsere Armeen also 
ab und der Feind verstärcket sich. Die Türken stehen ,noch bey 
Neuheusssel, wir bey Neutra, morgen aber werden wir nach der 
Wage marschiren. — 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Freystettel 5. Juli 1664. 

[Der Kaiser wuuscht noch weitere 1000 MaoD.] 

Landniiirscball v. Trann, der vom Kaiser hieher geschickt') ist, bat 5. Juli. 
ihn besacht ond geäussert, demselben wäre gute lufanterie sehr nöthig, 
webD derselbe wüsste, dass er keine abschlägige Antwort erhielte^ wollte 
er Kf. bitten, ihm noch 1000 Mann zu schicken, Kf. würde es ein leichtes 
sein, sie ans seinen zahlreichen Besatzungen zu nehmen. Abaffi soll mit 
30000 Mann im Anzüge sein, nnsere Armee ist nicht mehr 70OO, wir werden 
also was zu thnn haben. Gestern haben sich die Armeeen zu Serinvar 
coninngiert ') und vermutbet man , dass es heute zu einem Treffen kommen 
werde. 



Dragooer nod Fassvölker mit einer wanderlicheD Resolotion gefochteo und den 
Feind merklichen aufgehalten, dann letztlicheo auch vor Lewentz die ersten ge- 
wesen sein, welche mit den ChursächBischen Fassvölkern die Stadt gestürmet 
and erobert haben, jedoch über alle des Hertzogen Angusti Heldenmath, wel- 
cher ihm aach die geringste Arbeit wider den Fein(] za verrichten vor eine Ehre 
schätzet, aach mit löblicher Wachsamkeit and väterlicher Vorsorge den Trappen 
antern Arm greifet*'. 

') 8 Diar. Earop. XI S. 453. 

'') S. über dessen Sendung Diar. Europ. XI S. 378. 

^ Mootecuceoli selbst war, nachdem er den Befehl erhalten hatte, an der 
Vertheidigung der durch den Grossvezier schwer bedrängten, bisher von Zriny 
und Hoheniohe vertheidigteu Festung Seriowar Theil zu nehmen, am Abend 
des 14- Jnni dort eingetroffen, eiu Theil der kaiserlichen Truppen folgte in den 



33:^ 5- 0*f TörkenkriBg. 

Herzog Augustiis von Holsteiii ari (It^ii Kurfürsten. 
St. Heiiediüt 20. Juli 1664. 

[GlüüklluliBB Treffeu bei hvneat.] 
i. Seit Beinern leuten Schreibeu yoD Freya.tette! i^t nichts Bemerken»- 1 
werthes passiert, bis auf den 19. dieses, welchen Tag wir aber uitl 
dem Feind eiue so glilckliclie Bataglie') geliefert, dass vielleicht ii 
vielen Jahren dergleichen niciit gesclielien io Ungarn. Der Feind 1 
hatte Levcntz sieder den 11. dieses belagert, alwo gegcnwärtif 1 
waren der Visir von Offen, der Bascha von Neuheusel, der Fur«tl 
auBS Moldau und der aues der Wallachei, nnd haben sie sich ge> 1 
rechnet insgesamt den Tartern auf 25000 Mann '). Wesswegen sitü I 
der F.M. de Souches auf erhaltenen Befehl von Hoffe, selben Flati ' 
zu securiren und mit dem Feind zu schlagen, den IG. dieses ran 
Freystettel aufgebrochen und den 18. zu Nacbt aa der Gran an- 
gelanget, da es denn gleieb selben Abend mit dem Feind einige Kea- 
contre gegeben, und haben wir selben poussiret, dass der Pas ver- 
lassen und uns das Wasser freigelassen worden. Den 19. aber i 
Morgens seindt wir den Fiuss Uran passiret, uns auf lenerseiten is 
Bataglie gestellet und zwar so, dass der F.M.Leut. Heister') des 
rechten FlQgel kommandiret, Knie den linken, ich in der Mitten dtt 
Fubsvolk und die StUckc, in allen 9000 Mann, uud seindt in solcker 
Postur bis auf den Mittag eine viertel Weges von des Feindes Lagv 
gestanden, Nacbmiltag aber commendirte der F.M. den OberGtM 
Caprara mit tau§eDd Pferde nebens den Obw. Marwitzen mit ISd 
Dragonern den Feind zu attacquiren und selben aus dem Lager z 
locken, welcher denn auch nicht faul war, sondern gleich ereehiea 
und sich mit schrecklichen Geschrei und Lärm ins Feld stellte und 

uächeteu TageD, nübread die Reicbaarmeu ui><l duB fisuzÖBieclie Hülfseorps «mVi 
eröl Qsch der Eroberung vun Serinwar durch die Türkea (17. und '2lt. Juli) b 
ihm vereinigteo. h. Diar. Burop. XI ö. 353 ff. Tlieatr. Europ. IX S. USfli 
OeaUrr. milit. Zeitaubr. U S, ISB. 

') ä. über diesos TrelTeD den nuerübrlicben Beriebt von da Soacbes udW 
Kaiser d. LeweuE m Juli 16üj (Diar. Enrop, XI 8. 454 ff. Loadorp lX$.:iU9r^' 
Der Kaiser tbeilt deiiBelbtiD (d. WUd 23. Juli 1664) dem Kf. mit nnd bemcrti 
dabei, er babe daraus aucli errahren, „iniL was für tapferer uud faat uuglaDblichef 
ReBoIntioa' dva Kf. Hüiravülker sich bei dieser Uelegenbeit verhalten bätleo. 

'] Auf BDvieJ scbälzt sie sucb de t^ouühea, nach den Aaaeagen der Ge- 
tangeaea aber, aagt derselbe, seieo ea 30 — 40,000 Maun geweaen, 

') Derselbe oiit BoiDem Corps batte sich am 15. Jnli to FrejstSttel imt Mj 






nigt 



Treffen bei Lewenz 333 

auf uns losging, ^suchete uns auf beiden Seiten in den Rflcken zu 
kommen und uns in Confusion zu bringen, welches 'auch bald wäre 
geschehen gewesen wegen der grossen Menge. Der F.M. war zum 
Obersten Caprara geritten, und weil derselbe poussiret wurde, wurde 
dem G.Wm. Knie befohlen, selben mit ein Regiment zu Pferde zu 
secundiren. Unterdessen drängete der Feind aber ie mehr und mehr 
auf beiden FlUgeln, selbe zu trennen und uns in den Rücken zu kom- 
men, wie denn auf der linken Seite eine Hochte war, welche er oc- 
cupiren wollte. Und weil der G.Wm. Knie zum FM. geschicket war, 
und also der linke FlQgel ohne Haubt, so befahl mir der F.M.Leut. 
Heister selben zu nehmen und gegen den Berg zu avanciren, wel- 
ches ich so glücklich getahn, dass der Feind ist repoussiret worden. 
Er hat nochmahl unterschiedlich angesetzet, aber wie wir gleich und 
mit guter Ordnung darauf los gedrungen, hat er das Fpld gereumet 
mit Hinterlassung Stücke, Bagagie und Fahnen, unter den Stücken 
ist eine ganze Cartaune. Das Fussvolk ist alles todt geblieben und 
sonsten viel vornehme Leute, gefangen ist niemand geworden, weil 
alles ist niedergemachet worden. Die Beute bei der Bagagie ist 
gar gross gewesen. Der Verlust unserer Armee ist nicht 80 Mann, 
von meinen Leuten, ausser etliche Dragoner, ist nichts geblieben, kein 
Fussvolk ist nicht zum Treffen gekommen, weil sie an einen avan- 
tagosen Ort standen, wo der Feind nicht leisten wollte. Ew. Churf. 
D. Dragoner aber und Reutter haben sich uberauss wohl gehalten, 
absonderlich der Obw. Marvitz. — Nun sind wir im Marsch be- 
griffen nach Gran zu gehen, dem Feind die Brücken über die Donau 
zu verderben, wenn uns Gott darzu Glück giebet, sindt wir Meister 
diesseit der Donau ins Feld. 

PS. Ew. Chf. Gn. berichte auch, dass ich auf diese Völker den 
Monat Majum und Junium in Bezahlung von L K. M. erhalten und 
hoffe den Julium auch zu kriegen. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. D. Im 
Feldlager vor Comorre 3. August 1664. 

[Eionahme voo Parkan.] 

Er übersendet die Copie eines kaiserl. Handschreibens (d. Wien 23. Juli 3. Aug. 
1664), worin er und seine Truppen wegen der in dem Treffen bei Leweutz 
bewiesenen Tapferkeit belobt werden. 



334 5. Der Tärkenkrieg:. 

Wir sind den ersten* dieses vor Baracan'). welches sonsten 
Gay ata genannt wird und vor die SchiflTbrQeken zu Gran lieget, 
gerücket, ein welches selbes Ort wie aiich die Brücke zu ruinireo, 
es ist ein fester Ort mit zwo Wassergraben und dubbelde Palanquen 
und war besetzet mit 1500 Janitzscharen , lieget so nahe anter dem 
Sehloss von Gran, dass es mit Duppelhaeken kann beschossen wer- 
den. Wie wir nun davor gekommen, bat der F.M. gleich alle Re- 
gimenter zu Fuss mit fliegenden Fahnen darauf los gehen lassen, 
da wir uns gleich, ohngeaehtes ihr starke Gegenwehr, am ersten 
Graben loschiret und angefangen den Graben zu füllen und die Pa- 
lissaden umbzuhauen umb zu stürmen, welches gewebret bis in die 
Kacht. Aber sobald es finster geworden, haben sie den Ort sowohl 
als die'BrQcke schandtlich verlassen, Stücke und alles im Stiche ge- 
lassen und sich über das Wasser retiriret, hinder sich alles in Brand 
gestecket mit Hinterlassung vieler Dothen und Beschädigten, ist dieses 
also ein grosses Gelück, welches den keyserlichen Ländern zu grossen 
Nutzen gereichet, zumahlen der Feind nun keine Brücke mehr über 
die Donaw hat als zu Pest, welches weit abgelegen. Wir haben et- 
liche 40 Dothe und 87 Beschädigte. Jch werde in 3 Tagen nach 
Wien, mich und meine Bagage, welche alles ruiniret, zumahlen ich mit 
guten Pferden im Felde kommen und nun mit Ochsen fahre, wieder 
zu renoviren. — 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Comone 7. Angnst st n. 1664 

[BeetaDd der Truppen, frühe Winterqaartiere. Bitte um Erlaubnis, eu Kf. reisen 

zu dürfen] 

7. Aug. Er übersendet die Listen *), wie stark seine Truppen noch efifeeÜTe an 

Gesunden, Kranken und Beschädigten sind, Ef. wird darans ersehen, dass 
dieselben ziemlich im Stande sind. £r wünscht nur etwas Ruhe su habeo, 
die Mundierung wieder auszubessern, ehe das Herbstwetter eintritt Er 
bittet um Erlaubnis, wenn die Quartiere bezogen seien und er alles in Stand 



^) S. über diese Einnahme von Park an den Bericht von de So ach es ib 
den Kaiser (d. Feldlager an der Donau oberhalb Gran 2. August 1664) Ditr- 
Europ. XI S. 461 ff. 

^ Danach zählen die 4 Compagnieen z. Ross noch 39G Mann, damoter wifk- 
lieh dienstthuend 225, während 22 tot oder verloren sind, die RadciwilUchaB 
Dragoner 255 (davon dienstthuend 239, verloren 12), die Derfflingschen Drt- 
goner 322 (davon dienstthuend 239, verloren 58), die 8 CompagnieeD s. FuM 
(davon dienstthuend 615, verloreu 148). 






EioDahme von Parkan. Bitte des Kaisers am weiteren Snccars. 335 

gesetzt habe, sich zu Kf. begeben zn dürfen^). Man redet hier von gar 
zeitigen Winterquartieren, da sie schon im März den Feldzng begonnen 
haben. 



Kaiser Leopold" Instrukrion für Herzog Aagnst von Holstein. 

D. Wien 20. August 1664. 

[Rf. soU weitere Trappen snr Rekrutieroog der Reichsarmee bergeben.] 

Er soll den Kf. ersnchen, den Kreisbtänden zn Supplieraug ihrer Ver< 20. Ang. 
starkungswerbung von seiner auf den Beinen habenden alten Soldatesca noch 
ein paar tausend Mann wegen der auf dem Verzug liegenden Gefahr zu 
überlassen, der Kaiser werde demselben dafür Wiedererstattung und Satis- 
faction an Mannschaft oder Geld verschaffen. Der Kaiser wünscht, dass 
ihm diese Völker möglichst bald, noch vor Ausgang des September zuge- 
sendet werden, er wird Verordnung ergehen lassen, dass dieselben auf 
den Schlesischen Grenzen übernommen und gleich den anderen mit dem un- 
entbehrlichen Unterhalt versehen werden'). 



Geheimenraths-Protocoll. D. Cöln a. d. Spree 

l9./[29.] August 1664. 

praes. S. Chf. D. I. F. D. v. Anbftlt. H. Gr. von Doca. Freih. v. Schwerin. 
Freih. v. Loben. H. v. Hoverbeck. H. v. Platen. H. v. Somnitz. 

[Ob Kf. die von dem Kaiser geforderten weiteren Truppen schicken solle.] 

Kaiserliches Schreiben und Instruction des Herzog Augusti zu 29. Aag. 
Holstein') verlesen, darinnen I. K. M. begehret, S. Chf. D. möchten 
noch 2000 ihrer ältesten und besten Soldaten vor Ausgang des Sep- 
tember schicken, sollte defalciret werden an den Recruiten oder sonst 
Geld davor gegeben werden. 

Der Reichs Directoren Schreiben^) in eadem causa verlesen. 

S. Chf. D. erinnern wegen des Moscowiters, dass er Miene 
machte, in Preussen einzubrechen, 2) wegen derTartären, die trän- 
situm durch Schlesien bei Polen begehren. 



1) Kf. ertheilt diese Erlaubnis (d. Cöln a. d. Sp. 17./27. August 16G4). 

^) Unter demselben Datam erlässt der Kaiser auch Schreiben ähnlichen In- 
halte an K. Baiern und an die Fürsten von Hessen-Casselnnd Braunschweig. 

^) S. das vorhergebende Schreiben vom 20. August. 
.^) Auch diese (der Bischof Christoph Bernhard von Münster und der 
Markgraf Friedrich von Baden) hatten sich mit Schreiben desselben Inhalts 
wie das kaiserliche (d. Wien 19. August 1664) an den Kf., sowie auch an K.Bai- 
ern und die Fürsleo von Hessen-Capsel und Braunschweig gewendet. 



336 •'*' Dor Törkenkrieg 

F. zn Anhalt, dass S. Chf. D. noch 1000 Mann dem Kaiser 
schickte, Kaij^er wollte vor einen Mann 15 bis^ 16 Thaler geben, möchte 
8. Chf. D. das Geld nehmen, die Hälfte davon zu Werbung anderer 
Völker employiren, die andere Hälfte anderswo anwenden. 

6. V. Dona: quaestio est, ob S. Chf. D. solle die 2000 schicken, 
der Nutzen und Gefahr zu consideriren: das Land wflrde cntblOsset 
die Gefahr vor Moscowiter und Tartaren ist da: meinet es wfirde 
eine Sclinle der Soldaten sein, so S. Chf. D. ohne ihre Kosten in 
fremde Lande hielte, wQrde also nicht undienlich' sein, solche 1000 
3Iann zu schicken, möchten aber nicht lauter alte, sondern auch 
einige neue mit darunter sein und sollten von unterschiedenen Re- 
gimentern genommen werden. 

H. 0. [v. Schwerin]: S. Chf. D. erwägen die Sache billig wegen 
des Moscowiters und die schlechte Anstalt, so in Polen ist. Weil 
I. K. M. versprochen, S. Chf D. alsofort in casu necessitatis ihre 
Völker wieder folgen zu lassen, conformiret mit denen, die sagen, dass 
S. Chf. D. die Völker schicken, vor die angebotene Bezahlung, and 
dass wegen Jägern dorf wieder aufs eifrigste vorgestellet und urgiret 
werde. 

V. Lochen ähnlich. 

H. V. Hoverbeck: Es könnte wohl sein, dass Moscau und Tar- 
taren etwas thun möchten, aber die Türkische Gefahr sei die pres- 
sanste, und wann dieser gesteuert wird, so geschieht es auch den 
Tartaren. Von Moscau, meinet er, sei nicht zu befahren, dass er mehr 
F'eindc machen wollte, da er Polen hat und mit Schweden noch nicht 
richtig; meinet, dass die Völker wohl könnten abgefolget werden, so 
kämen S. Chf. D. an allen Orten in Consideration, ihre Völker wür- 
den in steten exercitio erhalten und die Länder hier wQrden etwas 
subleviret von dem onere zu erhalten. 

H. V. Platen: Wann S. Chf. D. dem Kaiser werde willfahren, 
dass sie bei der ganzen Welt grossen Ruhm erwerben und dass sie 
die UXX) Mann schicken könnte. De modo wird müssen gehandelt 
werden auf die conditiones, gleich wie die anderen zu schicken, so 
können sie selbe auf den Nothfall wieder haben und wären wohl 
exerciret. 

H. Somnitz: sei wohl gerathen, dass S. Chf. D. mit 1000 Mann 
dem Kaiser zu Hülfe komme, auch mit Werbung anderer 1000 Mann 
sich anheischig mache. Er habe vernommen von Becruiten, so von 
lieich gewilliget, wann sie solche schicken müssten, hätten sie nichts 



Weitere von dem Kaiser begehrte HdlfsleistoDg. 337 

• 

davon zu hoffen, wäre also besser itzo zu thun. Wenn Werbung ge- 
schehen sollte, dass solche ausserhalb der Lande geschehe. 

S. Chf. D.: wird zuerst zu bedenken sein, wie S. Chf. D. sich 
vor dem Moscowiter inPreussen zu versichern, darnach wird sich 
das andere alles richten. In Preussen ^) zu Mttmel 4 Gompagnien, 
Pill au 400 Mann, 800 Eulenburgische, 150 Pferde, 150 Dragoner; 
auf die Lehnpflichtigen ist sich nicht zu verlassen, Landvolk ' seind 
500 ohngefähr, Wibrantzen seind nichts nütze. Wann sie nicht vor 
dem Moscowiter sicher sein, können sie hier nichts resolviren. Man 
möchte conditiones bedingen: 

1) dass S. Chf. D. möchte in allen andern Landen werben, 

2) dass die Truppen stets beisammen bleiben, 

3) dass sie den Namen von Brandenburg führen, 

4) dass die Stücke, so man erobert, nach advenant getheilet werden, 
item die Fähndel. 

Res. Sollen 1000 Mann geschickt werden mit gewissen Gondi- 
tionen, so noch aufzusetzen. 



Resolution des Kurfürsten an den Herzog Augustus von Hol- 
stein. D. Cöln 20./[30.] August 1664.^ 

[BediDgüDgeD, anter denen Kf. dem Kaiser weitere Hälfe schicken will] 

— Nun sein zwar höchstged. S. Chf. D. allezeit begierig gewesen, 30. Aug. 
Ihrer Key. M. bei allen Oceasionen, insonderheit auch bei dem gegen- 
wärtigem Türkischen Kriege dero gehorsambste Devotion in der That 
zu contestiren — , S. Chf. D. können aber daneben nicht umbhin, Ihrer 
Key. M. zu remonstriren, dass alle dero Lande und insonderheit das 
Herzogthumb Preussen überall vielfältiger und grosser Gefahr offen 
stehen — und es danuenhero deroselben gefährlich ausschlagen könnte, 
wenn sie bei solcher Beschaffenheit sich und ihre Laude aller Defen- 
sion entblösseten. Über dem sein auch höchstg. S. Chf. D. bishero 
auch in dero gerechtesten desideriis, sonderlich wegen Restitution des 
Herzogthumbs Jägerndorf, so unglücklich, dass ohngeachtet aller 
hohen Versicherungen sie bis auf die gegenwärtige Stunde sehen 

S. Hirsch, Die Armee des Gr. Kurfürsten S. 233. 241. 

^ Von demselben Datum ist auch die Antwort des Kf. an die beiden Reichs- 
kriegsraths - Directoren , in welcher auf die an den Kaiser ergangene Resolution 
verwiesen wird. 

Haler, z. Gesch. d. G. Kurfürsten. XI. 22 



338 5. Der Türkenkrieg. 

müssen, dass solches von einem Frembden usurpiret werde und man 
wegen dessen Restitution neulich in einer schrifUichen Resolation*) 
sich noch weiniger und schlechter, als jemals zuvor geschehen, er- 
kläret, welchem allem nach S. Chf. D. wohl Ursach hätten, gleich 
anderen vielen Keichsständen an sich zu halten und sieh mit fernerer 
HQlfe nicht zu incommodiren. Nichts desto weniger, weil S. Chf. D. 
gleichwohl hoffen, es werden Ihre E. M. endlich dero heharrliche 
Devotion gn. erwägen und also auch dieselbe an dero Kaiserlichen 
oft versicherten Affection nicht ferner zweifeln lassen, insonderheit 
aber S. Chf. D. mit förderlichster Restitution dero Herzogthnmbs, wie 
auch völliger Satisfaction und Refusion der fructuum pereeptorom 
et percipiendorum erfreuen'), so wollen S. Chf. D. in Bolcher festen 
Zuversicht für diesesmal Ihrer Key. M. mit eintausend Knechten, je- 
doch unter nachfolgenden Conditionen abermalen gehorsambst an 
Hand gehen: 

1) Dass dieselbe mit eben dem Beding auf Ihrer Key. M. selten 
und auf die Art und Weise, wie für diesem zu Königsberg man sich 
mit dem Freiherrn de Lisola verglichen (welche conditiones des 
Herzogen von Holstein F. Qn. bekannt sein), ausser was nacfage* 
hends darunter geändert, Ihrer. Key. M. zum Succurs geschicket wer- 
den sollen. — — 

Weiln auch Ihre Key. M., begehret zu dero Diensten noch ein- 
tausend Mann gegen Erlegung der Werbegelder und Unkosten werben 
zu lassen, so wollen S. Chf 1). ohngeachtct aller in dergleichen Fäl- 
len fürgehender Ungelegenheiten Ihrer Key. M. hierunter mit dieser 
Condition gehorsambst willfahren, dass deroselben dazu 20000 Rthlr. 
erlegt und ausgezahlt werden sollen. 

Ihre Key. M. würden sich auch gn. gefallen lassen, einigen Churf. 
Officiren die Werbung in der Schlesien solchenfalls zu gestatten, 
damit diese Völker desto besser aufgebracht werden möchten. Za 
welchem End dann auch dieses Kcginient allzeit den Namen eines 

') S. oben Abachn. 4 S. 23i». 

^) Der Resideut des Kf. in Wien, A. Neumann, welchen dieser beauftragt 
hatte ;d. Coln 20./30. Aagust H)C4), dem Herzoge von Holstein in den demBelben 
übertragenen Geschäften zur Hand zu sein, antwortet darauf (d. Wien 31. Aagaat/ 
10. September), er worde diesem Befehle nachkommen, „wie dann hocbbeaagte 
I. Fürstl. Gn. von dem, was Ew. Chf. D. in der Jägerudorfscheo Sache dero- 
selben committiret, mir Nachricht gegeben, und wie weit ich hierin zu geben 
und was numehr zn thun, Ew. Chf. D. gnädigsten Befehls gewärtig bio^. 



^ 



Weitere von dem Kaiser begehrte HülfsleistiiDg. 339 

Brandenburgischen Regiments behalten mtlsste, wiewohl sonsten 
Ih. Key. M. sich dessen nach dero gn. Gefallen gebrauchen können 
und 8. Chf. D. nicht praetendiren , dass diese Völker dergestalt und 
auf die conditiones wie dero Ihrer Key. M. zum Succurs geschickte 
Auxiliar Völker avociret oder sonsten tractiret oder consideriret wer- 
den sollten. 

Sobald nun Ihre K. M. sich auf obiges gn. erkläret und eine 
schriftliche Resolution desfalls Ihrer Fürstl. Gn. ertheilet, welche die- 
selbe sofort anhero zu schicken hätten, wollen S. Chf. D. die Völker 
marchiren lassen, also dass sie noch für Ausgang des Septembris in 
Ihrer Key. M. Erblanden geliefert werden sollen.') — 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 

9. September 1664 0- 

[Einstellang der KriegsoperationeD, Kf. soll die bewilligten ManoBchaften zu- 
rückbehalten.] 

Er hat sowohl aus einem Schreiben des Kf. vom 20. Augnst als auch 19. Sept. 
ans der Relation des Herzogs von Holstein ersehen, dass Kf. sieh zu 
der ihm augesonnenen Ueberlassung von ein paar tausend Mann bereit er- 
klärt hat, er dankt ihm dafür, theilt ihm aber mit, dass er, nachdem die 
Türken, während das verbündete Heer sich ausgeruht, die Festungen Gran 
and Neuhäusel verproviantiert und mit stärkerer Besatzung versehen haben, 
so dass in diesem Jahre ein Angriff auf dieselben nicht mehr werde unter- 
nommen werden können, ferner wegen der Strapazen, welche die Trnppen 
würden aushalten müssen, und da auch die Reichskriegsraths-Directoren und 
Generale der Ansicht seien, dass in diesem Jahre weitere Operationen nicht 
mehr unternommen werden könnten, beschlossen habe, die Reichsstände 
nicht um weitere Anticipation der verlangten Völker zu ersnchen. Er bittet 
daher Kf., mit der auch von ihm verwilligten Mannschaft zurückzuhalten, 
zugleich durch seine Gesandtschaft in Regensburg dahin zu wirken, dass 
nicht allein der punctns continuandae assistentiae zur Richtigkeit gebracht 



* Wenige Tage darauf, anter dem Eindruck der in der Erfurter Ange- 
legenheit eingetroffeneD Nacbrichteo, droht Kf. nicht nur, die neobewilligteo 
Truppen nicht zuschicken, sondern auch das Corps des Herzogs von Holstein 
aus Ungarn zuruckzorufen, s. die Schreiben an den Kai ser und an K.Mai dz vom 
27. August/ 6. September unten Abschn. 6. 

^ V^l. das Schreiben ganz ähnlichen Inhaltes vod demselben Datum an den 
Erzbischof von Salzburg zur Mittheilung an die Reichsstände Londorp IX 
S. 277. 

22» 



340 ^- Dor Turkenkrieg. 

and sofort ins Werk gesetzt werde, sondern aach, dass die noch ruck- 
ständigen Gontigeute geworben und für das nächste Frühjahr in Bereit- 
schaft gebalten würden. 



Herzog Augnstus von Holstein an den Kurfürsten. D. Wien 

11. September 1664. 

[Der Kaiser bedarf der Hülfe vorläufig nicht. Friedensgerüchte.] 

11. Sept. Berichte in Eile, dass ich vor 6 Tagen hier angelanget, in Hoff- 
nung wegen meiner guten Verrichtung gar angenehm zu sein, habe 
desswegen einige Resolution von hiesigen Ministris verlanget, wel- 
che mir gestern ist gegeben worden, als nämlich, dass man itzo 
der Hülffe nicht bedarff, zumahlen die Resolution, einigen Platz zu 
attacquiren, sich schon geändert und man verhoffet, zu Ende Octobris 
in die Winterquartiere zu gehen, haben die Bayrische, Salzburgische 
und andere, welche schon im Marsch gewesen, contramandiret. Mich 
deucht, dass alle die Zurückschickung der Völker etwas andres aat 
sich habe und dass man den Frieden unter der Hand ohn Vor wissen 
einiges Standes des Reichs suche zu schliessen, viele wollen sagen, 
es sei schon meistentheils richtig *). Sie haben mir zwar gesaget, 
ich möchte Ew. Churf. Gn. bitten, dass sie diese gefastete Resolution, 
Ihre K. M. mit Volk zu assistiren, mochten zu künftiges Vorjahr werk- 
stellig machen, ich weiss aber nicht, ob es Ew. Churf. 6n. vortbeil- 
haftig sein wird, den ganzen Winter Leute auf den Beinen zu halten 
umb selbe hernach im Sommer hier crepircn zu lassen. Ich werde 
in zwei Tagen wieder zur Armee. 



') Kf. ist durch diese Friedensgerüchte keineswegs überrascht worden. Schon 
am 7./17. Juli hatte ihm A. Neumann von Regensburg aus berichtet, Dachdem 
der Feind Serin war zerstört habe, meine man, er werde zum Frieden geneigt 
sein , dass man aber auch am kaiserlichen Hofe die Gedanken meietens lom 
Frieden richte, darauf deute auch die Anfertigung von Silbergeschirr hin, das 
wahrscheinlich zu Präsenten bestimmt sei. Derselbe meldet 14./24. Juli: „Kaoo 
man nur den Frieden auf einigerlei Weise erhandeln, so wird man's nicht unter- 
lassen" und aus Wien, wohin er am 2. August zurückgekehrt war, 13./23. August^ 
ein Courier Rennigers melde Inclination des Grossveziers zum Frieden, moek 
hier verlange mau nichts höheres als den Frieden, und 31. August/lO. September: 
sMit den Friedensgedanken gehet man noch immerfort umb, und wenn man ti- 
liier qualiter zur Pacificatiou kommen kann, wird man's nicht ausschlagen, zninal 
wegen der Nachrichten aus Spanien, wo der Tod des Königs befürchtet wird.* 



i 



AblehnoDg weiterer Hälfstroppen. 341 

Der Kurfürst an den Kaiser. D. Grimnitz 
7./[17.] September 1664^). 

[aaf das Schreiben vom 9. September. VerwaDderaog über die Veränderiing 
des Entschlusses , Unzoträglichkeiten dadurch fär Kf. Die tod dem Kf. gelei- 
steten Dienste. Bestitntion von Jägerndorf.] 

— Nun rouss ich zwar Ew. Key. M. hochsterleuchteten Verstände 17. Sept. 
und direetorio anheimb gestellet sein lassen, welcher gestalt dieselbe 
diesen Krieg — fortzusetzen und was Sie dabei zu thun und zu re- 
solyiren — gut finden, ich hätt mich aber dieser Veränderung desto 
weniger versehen, weil Ew. Key. M. dieser anderweiten Hülfe halber 
so eifrige und ernstliche Instanz bei mir thun lassen, wodurch ich 
denn auch bewogen worden, nicht allein die Volker bereits gegen die 
Grenzen marchiren zu lassen, sondern auch dabei sofort die nöthige 
Officirer^) bestellet — welches alles mir und meinen Landen anitzo 
nicht ohne grosse Beschwerde auf dem Halse bleibet. Ich lebe aber 
hiebei der unterthänigsten Hoffnung und Zuversicht, Ew. Key. M. 



') 0. V. Schwerin hatte dem damals von Berlin abwesenden Kf. das Scbrei- 
(ben des Kaisers vom 9. September zugesendet und in einem Begleitschreiben 
d. Coln a. Spr. 6./I6.. September) gerathen , in der so ertheilenden Antwort dar- 
auf hinzuweisen, dass Kf., nachdem der Kaiser diese Hälfe so eifrig von ihm 
verlangt habe, nicht hätte denken können, dass dieselbe nicht wurde angenommen 
werden, er hätte schon die nothigen Anstalten dazu getroffen. Er hoffe, der 
Kaiser werde seine Willfahrigkeit künftig erkennen, namentlich ihm in der Jägern- 
dorfer Sache endlich die längst desiderierte Satisfaction widerfahren lassen. 
Diesen Vorschlägen gemäss ist das Schreiben ausgefertigt. 

') Kf. hatte gleich am 20. /30. August an den bei der Armee Montecuccolis 
stehenden Kämmerer Freiherrn v. Waldburg geschrieben, ihm mitgetheilt, dass 
er ihm das Commando nebst der Obristlieutenantscharge über die dem Kaiser 
zuzuschickenden 1000 Mann übertragen wolle, und ihn aufgefordert, da diese 
Truppen von verschiedenen Orten zusammengebracht und möglichst bald nach 
den kaiserlichen Erblanden geführt werden mnssten, sich, sobald der Herzog von 
Holstein die desiderierte Resolution vom Kaiser erhalten haben werde, nach Berlin 
zu verfügen, zugleich hatte Kf. den F.M. v. Sparr angewiesen, Wald bürg, dem 
er jenes Commando übertragen habe, auf das schleunigste bieher zu dimittieren. 
Waldburg in seiner Antwort (d. im Feldlager unweit der Waag 9./ld* September 
1664) dankt dem Kf. für das ihm zugedachte Commando, da ihm aber der Herzog 
von Holstein gestern mitgetheilt habe, dass die Sache zurückgegangen sei und 
die Völker diesen Herbst nicht marschieren würden, so werde er hier des Kf 
weitere Befehle abwarten. — Andere Officiere dagegen sind von dem Kf. wirklich 
schon angestellt worden, am 20./30. September weist derselbe den Oberlicenteiu- 
nehmer Preuoel an, 1000 Tbaler zur Coutentierung derjenigen Officiere su zahlen, 
welche mach Ungarn zur kaiserlichen Armee hätten gehen sollen, jetzt aber con- 
tramandiert seien. 



342 5- t)**«" Türkenkrieg. 

werde meine bei diesem Werk und sonsten jedesmal bezeugte gehör- 
sambste Devotion und Willfährigkeit hiernegst in keyserlichen Gnaden 
erkennen — wie ich denn insonderheit zu Ew. Key. M. das feste Ver- 
trauen setze, Sie werden dermaleins denen von dero — Vorfahren 
und Ew. K. M. selbst so oft gethanen guten Versprechen und Zusagen 
sich gifädigst erinnern und mir in der Jegerndorfischen Restitutions- 
sache Satisfaction widerfahren zu lassen geneigt sein. — 



Otto Christof v. Sparr^) au den Kurfürsten. D. Im Haupt- 
quartier Wiskilet 19. September st. n. 1664. 

[VValdburg. ErneoDUDg des H. v. Holstein zam G.Feldmarschalls LieateDant] 

19. Sept. Er hat Waldburg seine EruennuDg notificiert und es so eingerichtet, 

dass derselbe seine Compagnie /.u Pf. unter dem Obristen Schmidt, wann 
es ihm beliebt, quittieren kann. Er hat auch des Kf. Notificationsscbreiben, 
dass er den Herzog von Holstein zum G.Feldmarschalls Lieutenant be- 
stellt'), erhalten, wird dem gleichfalls Parition leisten und den Herzog da- 
für respectieren, uud gratuliert demselben zu dieser Charge. 



Schon Ende Januar 16G4 hatte der Kaiser den Gesandten des Kf. in 
Regensburg (s. deren Relation vom ir)./25. Januar oben IS. 219^ seineD Wunsch 
mittbeilen lassen, des Kf. G.F.M. Otto Christoph v. Sparr für deo Turkenkrieg 
in seineu Dienst zu bekommen, und zwar in der Armee Montecuccolis za 
verwenden. Der Kf. hatte darauf zunächst (f). Februar, oben Ö. 221) erklart, di 
er sich selbst in Defension zu setzeu entschlossen sei, so könne er sich wegen 
Sparr's noch nicht erklären, doch hatte er dann schon Bude Februar auf direkte! 
Ersuchen des Kaisers demselben die Erlaubnis zum vorläufigen Uebertritt in desseo 
Dienst ertheilt. Sparr hat sich zunächst gegen Mitte April nach Regensborg, 
wo sich damals das kaiserliche IIoflaü:er befand, begeben, von dort reiste er, 
wie der ebenfalls dort anwesende Resident des Kf. A. Neumann am 24. April 
meldet, am IS. April zu Wasser nach Wien, um dort einige Wochen za bleibeo 
und gute Anstalten zu machen. Er hat sich dann zu der bei Ung. Alteobarg 
stehenden kaiserlichen Armee begeben, hat Anfang Juui diese von dort nach der 
Mur geführt, ist selbst am i^O. Juni (s. Diar. Europ. XI S. 357) bei Seriowir 
eingetroffen und hat an den dortigen, sowie nachher an den weiteren Kämpfen 
bis zu Ende des Feldzuges Theil genommen. Am 27. November 1664 schreibt 
der Kaiser dem Kf., da ihr beiderseitiger Feldninrschall v. Sparr eine Reise 
nach Hauso unternehmen wolle, so bezeuge er demselben, dass er durch Tapfer- 
keit und Kriegserfahrung sich ganz zu seiner Zufriedenheit bewiesen habe. 

-') VV^ie er den Herzog von Holstein durch Verleihung dieser Charge für 
die in dem Türkenkriege geleisteten Dienste belohnte, so erliess der Kf. aock 
(d. Cöln 20./30. August 1()61) gleichlautende Schreiben an die Obristlieuteoanti 
Block, Koller und Marwitz, sowie an den Obristwachtmeister Öpai 



rr, ii i 



3 



UDthätigkeit der yereinigten Armee. 343 

Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. D. Im 
Feldlager bey Freystettel 26. September 1664. 

[Unthätigkeit der vereinigten Armee, Krankheiten.] 

— Es gehet itzo hier nehrisch zu, wir seind itzo mit der Haubt- 26. Sept 
armee und Reichs, Alliierten und Frantzosche Armee conjungiret *), 
seind in allen über 20000 Man') nicht stark. Montecuculi saget 
alle Tage von schlagen, aber es wird nichts daraus und wird es auch 
wohl schwerlich darzu kommen uod sterben die Musquetiere hauffich 
weck, und seind in 3 Wochen von denen mir anvertrauten 136 ge- 
storben. — 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Im Lager bey Freystettel 

27. September 1664. 

[Mangelnde Bezahlung, der Friede scheint sicher.] 

— es gehet zimlich schlecht zu, man ist uns itzo 3 Monat schul- 27. Sept. 
dig und ob man mir zwar bei meinen damaligen Reisen zu Ib. Ghurf. 

denen er ihnen mittheilt, dass der Herzog von Holstein bei seiner Anwesenheit 
daselbst gerahmt habe, dass sie nicht allein fär die ihrem Commando unterge- 
benen Trappen gnte Sorge getragen, sondern anch bei den Rencontren nnd Occa- 
sionen gegen den Feind Tapferkeit and gnte Resolation bewiesen hätten, nnd 
bezeugt ihnen sein Wohlgefallen darüber. 

') Nach der Schlacht bei St. Gotthard (l. Augast), darch welche der Yer- 
Buch des GrosBveziers, die Raab zu oberschreiten, von Montecuccoli vereitelt 
worden war, hatte sich der erstere gegen Stuhlweissenburghin zurückgezogen, 
während Montecuccoli's Armee nach Oedenburg hin abzog und dann An- 
fang September zwischen Gomorn, Raab und Ungarisch- Altenburg Stellung 
nahm. Inzwischen hatte die Armee de Souches', welche aber jetzt, nachdem 
dieser selbst sich nach Wien begeben hatte, von dem General Heister befehligt 
wurde, sich nördlich von der Donau bei Comorn gelagert und von hier aus Neu- 
bäusel eingeschlossen gehalten. Auf das Gerächt aber, dass eine grosse türkische 
Armee zum Entsatz dieser Stadt herannahe, gab Heister seine Stellung auf 
and zog sich nach der Schutt zurück, so dass der Grossvezier, welcher inzwischen 
(27. August) in Gran angelangt war und die dortige Donaubrücke wiederherge- 
stellt hatte, Verstärkungen an Truppen und Proviant nach Neuhäusel werfen 
konnte. Darauf ging auch Montecuccoli mit den kaiserlichen, den Reichstruppen 
und den französischen Hülfstruppen am T.September bei Pressburg über die 
Donau uud lagerte sich an der Waag bei Tjrna and Freistatt 1, wo auch Hei- 
sters Corps zu ihm stiess, und dort ist die vereinigte Armee bis zum Friedens- 
schluss stehen geblieben. S. Diar. Kurop. XI S. 483 ff. Oesterr. milit. Zeitschr. 
m iS. 23 ff. 

^ Oesterr. militär. Zeitschr. III S. 32 wird die Stärke der vereinigten Ar- 
meeen auf 40 000 Mann angegeben. 



344 5- Der Tarkenkrieg. 

6n. versprochen, es solte alles richtig bezahlet werden, sehe ich doch 
itzo, dass man alle Zusage, weil man unser vielleicht nicht gross mehr 
bedarf, vergessen. Sie sagen zu Wien noch, der Friede sei nicht 
geschlossen, aber in allen Grenzfestungen reiten die Türken aus and 
ein, handeln und verkaufen wie sie wollen, haben alle Gefan- 
genen, die sie diesen Feldzug gemacht, wieder herüber geschickt ohne 
Rantion, gewiss gelaube ich, dass sie uns wollen hier crepiren lassen, 
damit man zu nichts mehr dauchlich, ich bitte, Ew. Churf. Gn. wolle 
es am keyserlichen Hofe remonstriren und sich unser genedigst an- 
nehmen. — 



Derselbe an den Kurfttrsten. D. Im Feldlager vor Freystettel 

1. October 1664. 

[Der Friede ist geschlossen. Bitte um Verhaltangsbefehle.] 

l.Oct. — Ich kann — nichts schreiben, als dass der Friede hier rich- 

tig^), die conditiones seindt zwar noch geheimb, aber es ist kein 
Zweifel, dass es Friede ist. Man weiss nicht, wie man die Auxiliar- 
volcker will los werden, man redet, dass man uns in die Bergstette 
lägern will, welches ich aber totaliter abgeschlagen und ohne expresse 
Ordre von E. Chf. Gn. nicht thun werde. 
Er bittet um Verhaltungsbefehle. 



Derselbe an den Kurfürsten. I). Wien 8. October st. n. 1664. 

[Uebler Zustand seiner Truppen.) 

8. Oct. Er hat auf seine letzten Schreiben noch keine Antwort, bittet um Ve^ 

haltuiigsbefehle. Es seind bei Reitern und Dragonern über 300 zu 
Fuss, von dem Fussvolk ist der Abgang auch bei 400 Mann; in der 
mir mitgegebenen Instruction ') stehet, dass diese Volcker Ih. Rom. K. 
M. versprochen im selben Stande und Anzahl wieder zu liefFern, wie 
sie sie empfangen. — 



' DcV schon am 10. Auccuet iu dem Hauptquartier des Grossveziers zu Vas- 
var auf 20 Jahre abgeschlossene Friede war erst nach der beiderseitigen Rati- 
fication am 2r». September bt^kannt gemacht worden, s. Zinkeisen IV S. 03iJlL 
das Friedensdokument bei Dumont, Corps diplomatique VI 2. S. 2if. 

') S. oben S. 301 (§ 10), vgl. auch S. 21»8 (§4). 



J 



Der Friedeo. Uebldr Zustand der Holfstrappen. 345 

Der Kurfürst an Herzog Augustus von Holstein. D. Cöln 

3./[13.] October 1664. 

[auf das Schreiben vom 1. October. Die Truppen sollen im kaiserlichen Gebiet 

Quartiere beziehen.] 

Er ist erfreut, dass der Friede geschlossen, wünscht die Bedingungen 13. Oct 
desselben zu erfahren. Wir wollen sonsten nicht vermuthen, dass Ihre 
K. M. die Auxiliarvölcker so gesehwind dimittiren und weggehen lassen 
werden, wie uns dan bey dieser Zeit auch deren Verpflegung und Unter- 
halt, weil dieses alles unvermuthet kommet, sehr ungelegen fallen 
wfirde, und wollen £. Ld. demnach Gefallen tragen, umb gute Quar- 
tiere bey Zeiten anzuhalten, auch austrücklich dabei bedingen, dass 
Sie sich mit unsern Trouppen nicht nach den Bergstetten weisen und 
yerlegen lassen können. 

£r will auch an G.Fm. Sparr deswegen schreiben. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. D. Wien 

14. October st. n. 1664. 

[Die Truppen sind ohne Sold und Lebensmittel in traurigster Lage.] 

Er hat seit seiner Rückkehr von Berlin keine Antwort auf seine ver- 14. Oct 
scbiedenen Schreiben erhalten, bittet dringend darum. Ich liege hier mit 
grossen Unkosten und solicitire sowohl 4 restirende Monat Sold, als 
den Julium, Aug., Sept., Oct., von welchem allem ich nichts erhalten 
kan, ob es gleich vorhin zu geben versprochen. Die Trouppen stehen 
noch auf die Ungersche Grenze, ohne dass geringste von Lebens- 
mittel nicht ist, und gehen die Pferde sowohl von Reuttern als Dra- 
gonern alle zu Grunde. — Die Ordre vom Hofe zum Abmarsch habe 
ich noch nicht erhalten — — ich vermuthe sie stundlich. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. D. Wien 

22. October st. n. 1664. 

[auf das Rescript vom 3./13. October. Quartiere sind nicht bewilligt, die Truppen 

sind schon auf dem Rückmarsch.] 

Er hat sich vergeblich bemüht, Quartiere zu erhalten. Man wendet 22 Oct 
mir vor, dass Ih. Mai. schon mehr uns gegeben als uns zukomme, 
dass sie selbst resolviret, 8 Kegimeuter zu Fuss und 5 zu Pferde zu redu- 
ciren, und dass also man ihr nicht verdenken könne, dass sie uns nicht 



346 ö- Der Tfirkenkrieg. 

hier behalten konte, alle andern Trouppen sind schon marscbiret ^ 
ich habe auch meine Abfertigung gänzlich von hier and seind I. Ghurf. 
6n. Trouppen schon im Marsch nach Schlesien, 5 Wochen werden 
sie wohl zubringen, ehe sie an £. Ghurf. 6n. Grenze kommen. — Vor 
einer halben Stunde ist ein Courier von Chur Maintz hier angekom- 
men, berichtet, dass Erfurt auf Discretion abergegangen "), worüber 
gross Frohlocken. — 



Der Kurfürst an Herzog Angustas von Holstein. D. Cöln 

20./[30.]October 1664. 

[Kventaeller Rückmarsch der Trappen. ErgaDzang derselben.] 

30. Oct. Er verwundert sich, dass derselbe seine Schreiben nicht erhalten. 

Was Ew. Ld. Rückmarche betrift, geben wir deroselben aus un- 
serem an Ih. K. M. abgelassenen Antwortschreiben mit mehrem zu 
vernehmen, wohin unsere Intention desfalls zielet, sollte man nun am 
keyserlichen Hofe der ferneren Quartier und Verpflegung halber viele 
Difficultäten machen und sich dazu nicht verstehen wollen, solchenfalls 
hätten Ew. Ld. gewisse Commissarien zu begehren, welche Sie mit 
der Soldatesque bis auf unsere Gränze begleiteten. — — Inmittelst 
haben E. Ld. fest darauf zu bestehen, dass man dem aufgerichteten 
Vergleich gemess die Voleker uns in so starcker Anzahl, als wir solche 
geschickt, wie ingleichen mit behöriger Montirung wieder lieffere. 
Er hat G.Fm. 8parr anbefohlen, dazu zu cooperieren. 

Der Kurfürst au den Kaiser. D. Cöln a. d. Spree 

20./[30.]üctober 1664. 

[Glückwunsch zum Frieden. Wunsch, Jass seinen Trappen noch einige Zeit 
Quartiere gestattet werden, Forderung, dass die vereio harten Bedingungen erfällt 

werden.] 

30. Oct. Aus einem Schreiben des Kaisers vom 5. October'), das er aber erst 

nin 18. /[*28.] erhalten, hat er die zwanzigjährige Prorogation des Stillstan- 

^) Anfang October war die bisher bei Freist ättel vereinigte Armee anf- 
gelost worden und hatten darauf die verschiedenen Contingente der Reichsarme« 
sowie die Truppen der Alliierten uud das französische Huifscorps den Rückmarack 
angetreten. 

'-') Die Uebergabe von Kr fürt war am 10. October erfolgt, s. darüber anten 
Abschn. 6. 

') Dasselbe liegt den Akten nicht bei. 



^ 



Der Frieden. RnckmarBch der HülfstnippeD. 347 

des mit den Türken, die Ursachen, welche den Kaiser dazu bewogen, nnd die 
dabei ansgemachten Bedingungen erfahren. 

Wie nun Ew. E. M. für sothane Communication gehorsambst 
danke, also wünsche ich, dass dieses Werk zu Ew. K. M. und der 
ganzen werthen Christenheit beständiger Wohlfahrt gedeihen und die- 
selbe an allen Orten — in friedlichem und ruhigem Wohlstand durch 
des Höchsten Gnade erhalten werden möge. Was sonsten meine zu 
Ew. Key. M. geschickte Auxiliarvolker und deren Abfbhrung betrifft, 
muss ich wohl bekennen, dass weiln Ew. Key. M. umb dero Ver- 
stärkung so inständigste Erinnerung noch ohnlängst bei mir thun 
lassen, ich mich nicht versehen können, dass solche mir annoch für 
den Winter wieder zugeschicket werden sollten, und also auf deren 
Verlegung keine Anstalt gemachet. Wie aber solchem allem so ac- 
commodire ich mich hierunter billig Ew. Key. M. gnädigstem Gutfin- 
den und werde deroselben mit fernerer Verpflegung meiner Trouppen 
wider dero — Intention — keineswegs beschwerlich fallen. — So 
lebe ich doch dabei der unterthänigsten Zuversicht, Ew. K. M. werden 
die nachdrückliche Vorsehung thun, damit den Völkern — ihr resti- 
render Sold ausgezahlet, daneben auch wegen Montirung der Unbe- 
rittenen — gebührende Anstalt gemacht und darauf die Völker dem mit 
Ew. K. M. Hofrath, dem Freiherrn von Lisola aufgerichteten Vergleich 
gemäss bis an die Grenze meiner Chur und Mark Brandenburg wieder 
geliefert werden mögen. Sollte es aber ohne Ew. Key. M. höchste 
Incommodität geschehen können, dass ihnen noch auf einige Zeit die 
Quartiere gestattet werden könnten, würde Ew. Key. M. ich aus vor- 
angezogener Ur»ach wohl sonderbare hohe Obligation desfalls haben. 



Herzog Augustus von Holstein au den Kurfürsten. D. Breslau 

1. November 1664. 

[Marsch der Truppen. Der Sold ist bezahlt. Remootierung ist oicht zu erlangen 

gewesen.] 

Er ist hier, um die restierenden Marschmouate za empfaugeo und um i.Nov. 
mit dem K. Amt wegou des Durchmarsches zu couleriereu, die Truppeo 
werdeu heute oder morgen an der Schlesisehen Greuze aolangen uod wohl 
noch 4 Wocheo gebrauchen , bis sie an der Kurmärkischen Greuze bei 
Crossen anlangen, da von dem G. Kriegs -Comnüssario augeoiduet ist*), 

') Auch Kf. weist (d. Cöiu 24. October/3. November 16G4) den Herzog an, 
möglichst laugsam seiueu Marsch fortzusetzen, damit nichts zurückbleibe. In 
Schlesien bei Gruneberg könne er etwas stehen bleiben und ausruhen. 



348 5. Der Torkenkrieg. 

dass sie nicht aber 2 Meilen des Tages marschieren ond den dritten still 
liegen sollen. Man hat zo Wien Abrechnong gemacht, was uns an anserm 
Sold restierte y und ist befunden, dass wir dasjenige empfangen, was nns 
dem Versprechen des Kaisers gemäss gebührt, da mit Li sola rer- 
glichen worden, dass wir den kaiserlichen Regimentern an Bezahlung 
gleich gehalten werden sollten, zum Marsch hat der Kaiser uns noch 
einen Monat Sold mitgeben lassen. Beifolgende Liste ^) weist den Ab* 
gang der Völker und deren jetzige Effektivstärke nach. Wegen Re- 
montierang der Unberittenen hat er sich vergeblich bemüht, man wendet 
▼or, dass diese Reichs- und Au2iliarv6lker ▼öllig zu contentieren eine 
Million erfordern würde, wozu man jetzt nicht die Mittel hätte« Man könnte 
die Leute wohl ergänzen, da der Kaiser 8 Regimenter z. F. und 5 z. R. 
reduciert, aber die Mannschaft ist so liederlich und zerrissen, dass die 
Lande des Kf. davon mehr Schaden als Nutzen haben würden. 



Kaiser Leopold an den Knrfttrsten. D. Wien 

2. November 1664. 

[Dank für die Hälfe. Er kann den braudenborgischen Trappen keine Quartiere 

gewahren.] 

2. Nov. Dank für die geleistete treue Hülfe, er ist bereit dieselbe mit gleich- 

massiger Gegenbe zeigung zu verschulden, auch den Abgang von dem, was 
er nach dem mit Lisola getroffenen Vergleich zu erstatten habe, von 
seinen Völkern zu ersetzen. Es wäre ihm lieb gewesen, wenn er des Kf. 
Völkern in seinen Landen noch einige Ergötzlichkeit hätte gewähren können, 
aber die Quartiere für seine eigenen Völker sind so enge, dass er diese 
nicht unterzubringen weiss, daher hat er dem Herzog Augustus geschrie- 
ben, er möchte seinen Marsch so beschleunigen, dass er noch vor dem 
Winterwetter die Mark Brandenburg erreiche. *) 

') Nach derselbeu zählt: 

die EoIeteiDsche Eskadron 343 Mann, 

die Qoltzsche Eskadron 331 "^ 

das Radziwillscbe Regiment zu Ross Berittene 324 

zu Fu88 62 

386 
die Radziwillscbe Eskadron Dragoner Berittene 197 

zu Fass 57 

254 
die Derfflingersche EskadroD Dragoner Berittene 185 

zu Fass 45 



230 
zasammeo also B74 Mann z. F., 38G z. Ff., 484 Dragoner. 

^ Die braodenburgischeu Truppen sind Ende November in der Mark wieder 
aogelaogt. 



J 



Abschnitt 6. 



Die Erfurter Händel. 
1663 — 1665. 



Einleitung. 



Wie «o viele biseiiöii'lbe Stidte haat a»^k das zm Miiaier EEZ^isfk 
gehörige Erfart-^ ia MineBalter icuea eeiafieWs Herres gcgfMbcr tmt 
sehr selbsiio^ge SteiSsag ermg». doch ha:te die Stadt akkt dk v^oiCüe 
Uoabhii^jgkeii aad ReiekiaaHitelbartect enrorbea. vielmehr haoea dk 
Mainzer Karfumea. aath aatcMeai dieselbe ia Reforsatkmsieiaher pri>> 
testaodidi g e wo rde a war, dort eiaea Thel der Gerickisbark«: aad die 
Landesherrliehkeft aber elaige Dörfer des Stad*gebictes behaapcet« wabread 
aodererseits die Sadbcn«eben Firstea ao^ deia We'rtiaer Haa«e die Amtr- 
keDDODg ikrei Sekatxreeka aber die Stade aad die Leka^kerrtickketf äb^r 
eioeo Thefl der za dem Gebiete der^efbea gebörigea Dorfer darekge:«^zs 
hatten. Waktead dei Drttffigiiarigea Krieges " katte die Stadt, aaek<ieia 
«ie 1$31 den ciegreickea Sekaedeakc nig GastaT Adolf aafz'ea-i'niBea käste, 
Ton diesem die lia."aii»tkea Doaia&ialbeatzangea zaai Ges^keak aad die 
ZüBiekeraag erkalteDy data iie ia den dereiastigea Frieden nameiitii^ eia- 
gesehkrssea, alio ak meksaaBiittelbar aaerkanat aerdea sollte. Die Sekae- 
den, welcke, aaehdeoi die Stadt aaek dem Prager Frieden dea&se&bea bei- 
getreten aar aad die sekaaeke sekaedi^ke Besatzaag zaa Abzag «e- 
oöthigt katte, §kk 1636 derielben wieder beokächtigt and dieselbe bis zaa 
Ende des Kri^es bekaaplet hatten, katteo seh bei den FriedensTerkaad- 
longen wirkliek aber rergeblkk bemäht, die Aaerkennnng der Rdehsantnit- 
telbarkeit derseibea darehzasetzea , und so aar dnrcb dea Westialisehea 
Frieden das frohere keicesveg^ kl^re RecbuTerhäJtnis zais<hen der Sz^iz 
nnd dem üainzer Erz*Trfte arederiergesteih woriea. Der ehrgtixi^ cii 

', S. T. Teil A3, rcbfcr da« it^kaüreekiHeke Verkifcai« too Erfzrs nm 
Erzctift Maiftz. Jatkit^cher d«rr K. Aludenie geBe:£»cüUiger WLSseca«Lft5:ez 
n Erfart. Ne«e Folf*. Hef: I Erfvrt l^X} 

^ S. HerrsaftB. D^r Kaspf nm Erfvrt lib^v— 1^^^. HaL«^eae Aba^ad- 
Inagen lar acaerea Gesc kicke, Heft XIL Utile !>:!«>.. 



352 6. Die Erfurter Handel. 

klage Kurfürst Johann Philipp v. Schönborn^) zeigte sich aber sofort 
bestrebt; seine Rechte in der Stadt zu befestigen und auszudehnen, und diese 
Bemühungen wurden durch innere Zwistigkeiten, welche damals in der Stadt 
zwischen dem Ratb und der Bürgerschaft ausgebrochen waren, erleichtert 
Auf seinen Antrag bestellte Kaiser Ferdinand III. 1649 eine Kommission, 
bestehend aus dem Bischöfe von Bamberg und dem Herzoge von Würtem- 
berg; um sowohl das Erzstift in die Gerechtsame, welche dasselbe vor dem 
Kriege in der Stadt besessen, wiedereinzuführen als auch jene inneren Strei- 
tigkeiten zu schlichten ; und die Subdelcgierten derselben, welche im Sep- 
tember 1649 in der Stadt erschienen, brachten in der That einerseits den 
sogenannten Compositionsrecess vom 4. August 1650 zu stände, durch wel- 
chen jene inneren Wirren beigelegt und das Stadtregiment nea geordnet 
wurde ; andererseits schlichteten sie durch den sogenannten Restitutionsre- 
cess vom 18. Juli desselben Jahres auch die zwischen der Stadt und dem 
Kurfürsten streitigen Punkte. Die Hauptschwierigkeit dabei hatte die erst 
zuletzt von dem Kurfürsten erhobene Forderung bereitet, dass das, wie 
derselbe behauptete, früher übliche Kirchengebet für ihn selbst und das 
Erzstift in den evangelischen Kirchen der Stadt wiederhergestellt werden 
sollte. Obwohl der Rath lebhaft dagegen protestiert und geltend gemacht 
hatte, dass ein solches Qebet erst 1626, also nach dem in dem Friedens- 
schluss festgesetzten Normaljahre 1624 vorübergehend abgehalten worden 
sei, so hatten die Kommissare doch, da ein Theil der Bürgerschaft sich für 
die Wiedereinführung aussprach, dieselbe, aber ohne eine bestimmte Formel 
für jenes Gebet festzusetzen, in den Restitutionsrecess aufgenommen. Bald 
nach der Abreise der Kommissare aber brachen neue Streitigkeiten zwischen 
dem Rathe und der von ehrgeizigen Führern, namentlich dem Magister 
Volkmar Lim pr echt geleiteten Volkspartei aus, welche auch die nächsten 
Jahre hindurch fortdauerten. Das Kirchengebet für den Kurfürsten wurde 
infolge der Weigerung der protestantischen Geistlichkeit nicht abgehalten, 
so erwirkte Kurfürst Johann Philipp im Jahre 1654 die Absendung 
einer neuen kaiserlichen Kommission, des Reichshofraths v. Bohn und des 
Kammergerichtsfiskals v. Emmerich nach Erfurt. Das Ergebnis der 
Thätigkeit derselben war der sogenannte Additioualrecess von 1655, in 
welchem die Streitigkeiten über die Rathswahl geschlichtet, in betreff des 
Kircheugebetes aber erklärt wurde, dass es bei den Bestimmungen des 
Restitutionsrecesses bleiben solle. Trotzdem wurde dasselbe nicht einge- 
führt und auch die inneren Wirren in der Stadt hörten nicht auf, sie wurden 
geschürt durch jenen Limprecht, das frühere Haupt der Volkspartei, 
welcher auf Betreiben der kaiserlichen Kommissare 1654 als Obervierherr 
Mitglied des Stadtregiments geworden war, auch in den nächstfolgenden 
Jahren immer wiedergewählt worden war, schliesslich aber, nachdem er sich 
. • 

S. für das Folgende v. Tettau, Die Reduktion von Erfurt und die ihr 
voraasgegangenen Wirren 1647 — IGtJö. (Jahrb. der Erfurter Akademie. Neue 
Folge, Heft III. Erfurt 1803.) 



EinleituDg. 353 

durch seiD ehrgeiziges und hocbmütbiges Auftreten auch unter seinen ehe- 
maVgen Anhängern zahlreiche Feinde erweckt hatte, 1659 bei der Wahl für 
das D&chste Jahr übergangen war und nun voll Zorn und Hass sich nach 
Mainz begab und mit dem Kurfürsten in Verbindung trat. Durch ihn 
noch mehr aufgereizt erneuerte dieser beim Kaiser seine Beschwerden über 
die Stadt, namentlich wegen der Nichteinfuhrnng des Kirchengebetes und 
bewirkte die Absendung einer neuen kaiserlichen Kommission nach Erfurt. 
Der Reiühshofrath v. Schmidburg, welcher infolge der Erkrankung des 
zweiten Mitgliedes derselben, jenes Reichshofraths ▼. Emmerich, allein 
im September 1660 dort erschien, verfuhr auf die willkürlichste Weise, er 
setzte sogleich Limprecht wieder zum Obervierherrn ein, entfernte die 
Gegner desselben aus dem Stadtregimente, änderte die Zusammensetzung des- 
selben und bewirkte mit Limprechts Hülfe von diesem die Annahme einer 
von ihm vorgeschlagenen Gebetsformel, allein das Auftreten desselben und 
die weiteren üebergriffe, welche sich der Kurfürst und dessen Beamte und 
Anbänger erlaubten, erregten in der Bürgerschaft heftige Erbitterung, das 
Kirchengebet für den Kurfürsten, durch dessen Annahme man die landes- 
herrliche Gewalt desselben anzuerkennen und damit die Freiheiten der Stadt 
zu gefährden fürchtete, wurde trotz weiterer kaiserlicher Mandate nicht 
eingeführt, vielmehr Massregeln zum Widerstände vorbereitet. Man hoffte 
in Erfurt auf den Beistand des Kurfürsten von Sachsen und der Sächsi- 
schen Herzoge, als der Scbutzherren der Stadt, welche eine Erweiterung 
der Rechte des Mainzer Kurfürsten nicht dulden würden, und in der That 
waren') sowohl die Ernestiner, die Herzoge Ernst von Gotha, Frie- 
drich Wilhelm von Altenburg und Wilhelm von Weimar, als auch 
die mit eigenen Herrschaften ausgestatteten Brüder des Kurfürsten, der 
Administrator August von Magdeburg und die Herzoge Christian von 
Merseburg und Moritz von Zeitz geneigt, sich der Stadt anzunehmen, 
sie berathschlagten darüber, Truppen in dieselbe hineinzulegen, um die 
Volkserhebung niederzuhalten und auch etwaigen Gewaltanschlägen von 
aussen die Spitze zu bieten, allein sie wurden gelähmt durch die Haltung 
des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen, welcher sich zu keinem 
energischen Vorgehen entschliessen konnte. Erst nachdem im December 
1662 eine vierte kaiserliche Kommission, bestehend aus den beiden Reichs- 
hofräthen v. Schmidburg und v. Goppold, in Erfurt erschienen war, 
welche auf das gebieterischste Gehorsam und Bestrafung der Widerspän- 
stigen forderte, traf dort Anfang Januar 1663 auch eine Gesandtschaft 
des Kurfürsten und der Herzoge von Sachsen ein und versuchte zu ver- 
mitteln, die Erfurter zur Annahme der Gebetsformel gegen eine von dem 



*) S. Hei big, Johaoo Philipp von Mainz und Johann Georg II. von 
Sachseo während der Erfurter Wirren 1650 — 1667 (Archiv für die SächsiBche Ge- 
Bcbichte Iir. 18G5) S. 401 ff. Kircbhoff, Die Besitzergreifaog Erfurts durch 
Knrniains 1664 (Zeitschr. fiir Preussischo Geschichte nnd Landeskunde VIII. 1871) 
S. 97 ff 

Mater, x Gesch. ü. G. Kurfürsten. XI. 23 



354 



6. Die Erfurter Bändel. 



Mainzer Kurfürsten auszustelleDiie, die EOU'stigen Rechte der Stadt sicherndit 
Erklärung zu bewegen, allein die kaUerlicIien Kouimissfiie wollten eine Eiu 
mUrhung dcrseltien nit^ht dulden, verlangten unbedingten Oehor&am und 
bewirkten dadurch (Juni 166:1) einen AuBbvuch der Leideiiscbaft des Volkes, 
welcher bjcU zunächst ^c{teu Limprceht und dessen Uenossen richtet», 
durch welchen sich aber auch der uucli dort iinwesendc kaiserliche Kom- 
niisEar v. Schmidburg bedroht sah, to dass demclbe ans der Stadt floh 
und 6ich süu dem Kurrtirslcn von Mainz bpgab. Auf das Betrei 
diefei- beiden erfolgte ein kaiEerliches Mandat vum 28. Juli, in welchem 
der Stadt nur eine achttägige Fri^t gestellt wurde, um die kaiserUi-hen 
Befehle zur Ausfülirnng zu bringou, und, wenn dieses nicht geschehe, die 
KommiBsare brnuftrugt wurden, die Reichsacht über dieselbe ansiu- 
sprechen. lu Krfnrt war inzwischen die Aufregung immer höher gestiegen, 
gcgcnübir dem Rath, welcticr durch Nachgiebigkeit gegen den Kai-er und 
den Kurfürsten von Mainz die von aussen drohende Gefahr abzuweu 
suchte, gewann in der Bürgerschaft eine extreme Partei mehr und mehr 
das Ue berge wicht, welche von keinen Zugeständnissen etwas wisseu wollte. 
Leicht liiitle der Kurfürst von Sachsen durch bewaffnete Unterstützung des 
[tathes die Stadt retten ktinnen, allein derselbe begnügte sich damit, dm 
Kaiser zu ersuchen, mit der Ülsccution gegen die Stadt noch einxubalten. 
Inzwischen aber verlor dort der R;ith immer mehr die Anturitüt und kam 
der I'öbel /.ur Herr^chaO. Als Gnde September 16G3 zwei van den iu Mufal- 
hau^en brfindlii hcn kaiücilicheii Kommissaren abgeschickte kaiserliche Notar« 
in Erfurt erschienen, um dort jenes kaiserliche Mandat zu inj^tnaicrcn, erhielten 
dieselben keine Antwort und wurden bei ihrer Abreise »on der Menge be- 
schimpft. Der Rath suchte darauf durch Zusage des Gehorsams die Kommis- 
sare zu begütigen, allein diese Hessen sich von dem Kurfürsteu von Maini 
bestimmen, sofort die Achtserklärung zu publiciereu. Am 8. October 1603 er- 
schien der Reichsherold Jacob Lidl t. Seh wanenfel d in der t^tadt, tint 
das Achtsdekret zn verkündigen, aber er samt seinen Begleitern wurden 
Ton der unbändigen und wüihendeii Menge beschimpft und gern issh and eil, 
und nur mit Muhe gelang es durch das Einschreiten Besonnener, sie ' 
noch Schlimmerem zu behüten und ihnen zur Flucht zu verhelfen, Darauf 
schickte Anfang November der Kurfürst von .Moinz eine Truppenablheilung 
gegen Erfurt, diese verübte aber nur in der Nähe der Stadt einige rnha 
(Jewaltthaten und ergriff vor einem An.falle der Bürger die Flucht. In der 
Stadt aber herrschte jetzt vollständige Anarchie, nach der Rück kehr der an 
gezogenen Bürger von der Verfolgung der Mainzisehen Truppen kam i 
dort zu wilden Escessen. der oberste Itathsmeistcr Kniephof wurde e 
mordet, dann deoi eoit dem Juni gefangen gehaltenen Limprecht der Pro- 
cess gemacht und derselbe am 30 November hingerichtet. 

Diese Excesse boten dem Kurfürsten von Mainz die willkommene Ge- 
legenheit, mit Gewalt gegen de Stadt vorzugehen, um diese dann seiner 
Herrschaft vollständig zu unterwerfen. Jener erhic Mi»serfulg seiner Trappen 
hatte gezeigt, dass er einer grosseren Macht bedürfe, am dieselbe in be*' 



Einleitung. 355 

zwingen, und in der nrosichtigsten und geschicktesten Weise hat er nun 
seine Vorbereitangeu daza getroffen. Um zunächst za verhüten, dass der 
Kurfürst von Sachsen, nls Schutzherr der Stadt, sich derselben annehme 
und seinen Plänen entgegentrete , entsandte^) er an denselben im Octobcr 
1663 eine GcRandtschaft bestehend ans dem Domherrn v. Reiffenberg 
und dem Dr. Moli tor, und diesen gelang es, den schwachen und kurzsich- 
tigen Kurfürsten zum Abschluss des Torgau er Vertrages vom 20/30. No- 
vember 1663 zu bereden, in welchem derselbe sich zur Unterstützung der 
Aehtsvollstjeckung gegen Erfurt verpflichtete, wogegen ihm zugesagt wurde, 
dass er die sächsischen Lehndörfer im Erfurter Gebiet als sein Eigenthum 
bebalten, dass ihm mit dem Kurfürsten von Mainz zusammen in der Stadt 
gehuldigt werden, dass er mit demselben zusammen die Stadt besetzen 
und dass alles Nähere auf einer persönlichen Zusammenkunft beider Kur- 
fürsten festgesetzt werden solle. Diese persönliche Begegnung fand zu An- 
fang des nächsten Jahres 1664 in Regens bürg, wohin beide Kurfürsten 
ebenso wie der Kaiser zur Theilnahme an den Reichstagsverhandluugen 
sich begeben hatten, statt, und dort gelang es Johann Philipp den häch- 
sischen Kurfürsten durch die Zusage, dass die Toi gauer Versprechungen 
ei füllt werden sollten, vollständig zu gewinnen und von jeder wirksamen 
Intervention ]zu Gunsten der Stadt abzuhalten Ebendort aber wu>6te er 
eich auch dem Kaiser, zu dem er als das Haupt der französischen Partei 
im Reiche in den letzten Jahren in sehr gespanntem Vf-rhältnis gestanden 
hatte, wieder zu nähern und, indem er auf dem Rcichstnge und bei den 
Rheinisrhen Alliierten dessen Bemühungen um Unterstützung im Türken- 
kriege beförderte, zu erwirken, dass derselbe ihm gegen Erfurt vollständig 
freie Hand Hess. Zugleich wusste er die geistliehen katholischen Mitglieder 
der Rheinischen Allianz dazu zu bewegen, ihm die Stellung von Hülfstruppen 
zu dem Feldzuge gegen Erfurt zuzusagen, ebenso von dem Herzoge von 
Lothringen die Ueberlassung von Truppen zu diesem Unternehmen zu 
erwirken, und endlich bemühte er sich dann auch, von König Ludwig XIV. 
bewaffnete Unterstützuug zu erlangen. Zu diesem Zwecke') hatte er ur- 
sprunglich seinen bisherigen einflussreichen Minister, den Freiiieirn v. Boine- 
burg nach Paris zu senden beabsichtigt, da dieser sich aber bei dem 
französischen Könige zu grosser Annäherung an den kaiserlichen Hof ver- 
dächtig gemacht hatte, fo wurde Etide Juni 16G4 ebenjener Freiherr v. 
Reiffenberg zu demselben geschickt, und diesem gelang es denn auch 
mit leichter Mühe, den französischen König zur Plrfüllniig der Wünsrhe de», 
Kurfürsten, zur Zusage eines Hülfscorps von GOOO Mann zu bestimmen 
während dieser dafür damals Boineburg der Rache Frankreich» auf- 
opfern musste. Im August lG(i4 sammelten sich die Truppen des Mainzer 
Kurfürsten und seiner Verbündeten theils im Plichsfeldc- , theils im Würz- 
burgischen, und Anfaug September rückten dicnelben gegen Erfurt Ucrati. 

S. Heibig a. a. O. S. 4ir>ff. 

^ S. Gabrauer, Kar-Mainz io den Kf^Mhe von \i'tT2 I S. Tififf. 



356 ^' ^io Erfurter Uändel. 

Der Knrfürst von Brandenburg^) ist in diese Erfurter Händel erst za 
Ende des Jahres 16G3, nachdem schon die Achtserklärang gegen die Stadt 
erfolgt nnd dieselben damit in ihr letztes Stadium getreten waren, hinein- 
gezogen worden, nnd zwar hat man sich fast gleichzeitig von drei Seiten 
aas an ihn gewandt. Der Kurfürst von Mainz hat ihm Anzeige daTon ge- 
macht, dass er im Begriff sei, die Exemtion getren die Stadt vorzooehmen, 
und um seine Unterstützung dabei nachgesucht;, die Herzoge von Ooth a und 
Altenburg haben ihm die sowohl der Stadt als auch dem Sächsischen Hause 
von Kur mainz drohende Gefahr vorgestellt und ihn gebeten, bei dem letzte- 
ren nnd bei dem Kaiser sich zu bemühen, dass die gewaltsame Ezecution 
aufgegeben und die Sache durch Unterhandlungen beigelegt werde, und auch 
der Rath von Erfurt hat unter Darlegung der Ungerechtigkeit des gegen 
die Stadt eingeschlagenen Verfahrens die gleiche Bitte an ihn gerichtet. 
Wie die hier mitgetheilten Akten darlegen, hat der Kurfürst von Tome 
lioiein und nachher fortgesetzt in dieser Angelegenheit eine sehr vorsichtige 
liaicung eingenommen Er hat auf j< ne Bitten hin im November 1663 dem 
Ku^für^ten von Mainz Vorstellungen gemacht und ihn zu fricdli(her Bei- 
legung der Sache zu bewegen gesucht, er hat dann auf den Zusammen- 
künften mit dem Kurfürsten von Sachsen zu Torgau und Berlin (Decem- 
ber 1663 und Mai 1664) mit diesem auch über die Erfuiter Sache verhau- 
delt und, ohne Kenntnis von den geheimen Abmachungen desselben mit 
Kunnainz und in der Meinung, dass derselbe sich wirklich der Stadt an- 
nehmen wolle, wenn dieselbe den schuldigen Gehorsam leiste, sich bereit 
ci klärt, mit demselben dabei H;ind in Hand zu gehen. Er hat dann auch 
im August 1661, nachdem inzwischen die kriegerischen Rüstuugeu des 
Mai nzer Kurfürsten bekanntgeworden w;iren und er aufs neue sowohl voo 
der Stadt Erfurt als auch von dem Herzoge von Gotha gebeten wor- 
den war, dazwischenzutreten, si-h darauf beschränkt, bei dem Kurfürsten 
von Mainz jene Vorstellungen zu wiederholen und seine Vermittelung an- 
zubieten. Erbt als er Anfang September ans einem Schreiben des Kor- 
fürsten von Sachsen ersah, dass derselbe ruhig die Stadt ihrem Schicksal 
zu überlassen beabsichtige und dass der Kurfürst von Mainz auch gegeu 
die bisherigen Beschützer der Stadt, die Sä chsis che n Herzoge, Drohungen 
geäussert habe, eutscliloss er sich zu nachdrücklicherem Auftreten, verlangte 

') Das Verhalten dis Kf. in diesen Erfurter Häudelo ist bisher keineswegs 
irenügend aufgeklärt gewesen. Pafendorf hat auch diese Angelegenheit gauz 
übergangen, v. Tettau, der hauptsächlich auf den Erfurter chronikalischen Dar- 
stellunijen fusst, ist über diesen Punkt sehr mangelhaft uuterrichtet, Kirch- 
hoff hat zwar in den von ihm hauptsächlich benutzten Miitorialien des Weimarer 
Archivs darüber mauches gefunden, seine Quellen aber sehr flüchtig verarbeitet, 
Droysen (Gesch. der Preuss. Politik III, 3 8. 47 flf.) stellt zwar die damalige 
Politik des Kf. in ihrem weiteren Zusammeuhange in grossen Zügen richtig dir, 
doch ist ihm nicht das gesamte in Berlin vorhandene Material, namentlich nicht 
die allerdings sehr frngnicnlurlschen Nachrichten über die Verhandlungen mit 
Heiffenberg im September 1G64 und nachher im März 16o5 bekannt geweseo. 



^ 



Binleitaog. 357 

vom Karfursten von Mainz, an den er, nm diese Mahnungen noch eiu- 
dringlicber vorzustellen, seinen Schlossbanptmann v. Berlepsch schickte, 
und auch vom Kaiser Einstellung der Execntion, indem er drohte, sonsi 
nicht nur die eben zugesagten weiteren Hülfstrnppen nach Ungarn nicht zo 
schicken, sondern auch seine schon dort befindlichen Truppen zurückzurufen 
und mit Schweden und anderen Kreisständen in engere Verbindung zu 
treten, und suchte zugleich durch die ernstlichsten Vorstellungen demKurfürsten 
von Sachsen die Augen über das Verderbliche seiner Politik zu öffnen. 
Doch gelang es dem wenige Tage darauf bei ihm anlangenden Mainzischen 
Abgesandten, eben jenem Freiherren v. Reiffenberg, indem derselbe ihm 
theils über die von seinem Herren bei dieser Expedition gegen Erfurt ver- 
folgten Absichten die beruhigendsten Zusicherungen gab, andererseits ihm 
dessen Unterstützung in seinen eigenen, namentlich in der Polnischen An- 
gelegenheit, und ein Zusammengehen desselben mit ihm auf dem Reichs- 
tage in Aussicht stellte, ihn zu beschwichtigen, so dass er von seinem Wider- 
spruche gegen die Ausführung der Execntion abstand, an v. Berlepsch 
dem entsprechende neue Weisungen sandte und nach Verabredung mit 
V. Reiffenberg die Erfurter auf das ernstlichste ermahnte, sich den Forde- 
rungen des Kurfürsten zu fügen und so die Anwendung von Gewalt zu ver- 
hüten, und der Rath der Stadt, welcher inzwischen wieder der unbändigen 
Menge Herr geworden war, hat diesen Rathschlägeu folgend sich in der 
That bemüht, eine friedliche Lösuog der Sache herbeizuführen und so die 
Freiheiten der Stadt zu behaupten. Freilich musste Kurfürst Friedrich 
Wilhelm bald erkennen, dass auch er von Reiffenberg getäuscht sei, 
denn der Kurfürst von Mainz erklärte sich nun nicht mit der inzwischen 
erfolgten Einführung des Kircheugebets und der angebotenen Genngthuung 
für die verübten Excesse zufrieden, sondern verlangte als Realassecuration 
die Einräumung der Burg und zweier Thore, d. h. die militärische Be- 
setzung der Stadt, und liess, als diese sich nicht sogleich dazu verstehen 
wollte, die förmliche Belagerung beginnen. Kurfürst Friedrich Wilhelm 
hat sich dem gegenüber darauf beschränkt, durch Verhandlungen den Kur- 
fürsten von Mainz zum Aufgeben oder wenigstens zur Milderung dieser 
Forderungen zu bewegen; der Vorschlag, welchen der Rath von Erfurt, 
der Herzog von Gotha und auch sein mit diesen Verhandlungen betrauter 
Gesandter v. Berlepsch ihm machten i), bevor die Einschliessung der 
Stadt vollendet sei, Truppen in dieselbe zu werfen, hat er zwar nicht ganz 
von der Hand gewiesen, aber doch sich dafür entschieden, nur, wenn die 
Zustimmung des Mainzer Kurfürsten dazu zu erlangen wäre, denselben 
auszuführen, und da diese, wie vorauszusehen war, nicht ertheilt wurde, 



') S- unten Beriepschs Relationen vom l./ll-> 4./14., 6./16., aud 17./27. Sep- 
tember und des Kf. Resrripte vom 7./17., 12/22. September uod 21. September/ 
1. October. Irrig behauptet Kircbhoff a. a. O. S. 188, der Gedanke, Erfurt 
durch braudeoburgischü Truppen zu besetzeo, habe einerseits in Berlin, anderer- 
seits in Gotha und Weimar seinen Ursprung gehabt. 



358 6- ^>e Erfurter Händel. 

bat er da?on Abstand genommen und oflfen den Erfortern erklären lassen, 
dass sie ?on ibm keine weitere Unterstützung zu boffen h&tteo. Dem Drin- 
gen der Säebsiseben Herzoge, welche noch ganz zuletzt (Anfang Oetober 
1664) durrb eine Oesandtsebaft ihn dazu zu bestimmen suchten , sieh der 
Stadt thatkräftig anzunehmen, hat er nur insoweit Folge geleistet, dass er 
sich zur Abschickung einer neuen Gesandtschaft an den Kurfürsten Ton 
Mainz behufs Anknüpfung weiterer Unterhandlungen entscbloss, er hat aber 
von vorne herein erklärt, dass er davon wenig Erfolg hofife, und er hat, als 
dann die Kunde kam, dass die Stadt sich inzwischen (16. Oetober) ergeben 
habe, die Abschickung jener Gesandtschaft ganz unterlassen. Auch nachher, 
als infolge der neuen Befestigungen, welche der Kurfürst Ton Mainz sofort 
in der jetzt von ihm besetzten Stadt vornehmen licss, des längeren Verblei- 
bens der fremden Truppen desselben, der Veränderung der Stadtverfassung 
und der Eingriffe iu die von den Sächsischen Herzogen beanspruchten 
Rechte diese letzteren wieder seine Hülfe iu Anspruch nahmen, hat er sich 
nur auf gütliche Vorstellungen bei dem Kurfürsten von Mainz beschränkt. 

Dass der Kurfürst sich hier so zurückhaltend gezeigt hat, ist uicht 
etwa dadurch veranlasst worden, dass er die in diesem ganzen Verfahren 
gegen Erfurt und in der scbliesslichen Besetzung dieser Stadt, einer der 
wichtigsten Festungen Norddeutschlands, durch jenen ganz an Frankreich 
geketteten katholischen Fürsten liegende Gefahr verkannt hätte, im Gegen- 
theil er hat seiner Missbillignng und den auch bei ihm dadurch erweckten 
Befürchtungen den deuth'chsten Ausdruck gegeben, aber er hat sich so vor- 
sichtig zurückgehalten, weil er erkannte, dass er selbst, zumal da damals 
die Hälfte seiner Truppen fern in Ungarn stand , zu schwach sei, der von 
dem Kurfürsten von Mainz aufgebotenen Truppenmacht entgegenzutreten, 
weil er sich überzeugte, dass auf Kurs ach sen garnicht zu rechnen sei und 
dass er auch von den anderen sächsischen Herzogen und den übrigen pro- 
testantischen norddeutschen Fürsten und von Schweden, so laut dieselben 
auch ihren Unwillen über das Vorgeben des Mainzer Kurfürsten kund gaben, 
keinen wirklichen Beistand zu erwarten habe, nnd weil er sich scheute, 
durch etwaigen Widerstand gleichzeitig den Kaiser, unter dessen Autorirät 
der Mainzer Kurfürst handelte, und den König von Frankreich, welcher 
demselben seinen Beistand geliehen hatte, herauszufordern und so weitere 
Unruhen und Gefahren für Norddeutschland heraufzubeschwören. Ausserdem 
hat ihn noch ein besonderer Umstand mit dazu bestimmt, nämlich die Rück- 
sicht auf Magdeburg, welche Stadt in ähnlicher Weise wie Erfurt ihrem 
Landesherren und ihm selbst, dem einstigen Nachfolger desselben, trotzte, 
deren Widerstand er schon damals entschlossen war bei günstiger Gelegen- 
heit ebenfalls, wenn nothwendig, mit Waffengewalt zu brechen und welcher 
er daher keineswegs durch ein nachdrückliches Auftreten lür Er fu rt gegen 
den Kurfürsten von Mainz zu einem Präcedens verhelfen wollte, auf welches 
sie und ihre etwaigen Beschützer sich ihm gegenüber einstmals berufen 
könnten. 

Im Anhange ist ein gedrängter Auszug aus den Akten des im Februar 



EioIeituDg. 359 

1665 zu Leipzig abgehaltenen Obersächsiscben Kreistages, welcher 
ein Nachspiel za den Erfurter Händeln bildet, mitgetheilt worden. Dieselben 
sind dadarch besonders von Interesse, weil sie zeigen, wie der brandenbur- 
gische Kurfürst^ da der Kurfürst von Sachsen auch hier in seiner passiven 
Haltung verharrt und alle Massregeln, welche ein nachdrücklicheres Auf- 
treten des Kreises gegenüber den weiteren U&bergriffen des Mainzer Kur- 
fürsten ermöglichen sollen, zu hintertreiben sucht, die führende Rolle über- 
nimmt und es durchsetzt, dass wirlclich einige solche Massregeln, die Auf- 
bringung einer freilich gegen seinen Wunsch sehr unbedeutenden Kriegs- 
macht, weitere Verhandlungen mit dem Niedersächsischen Kreise wegen 
einer schon im Jahre vorher beabsichtigten engeren Verbindung mit dem- 
selben und die Forderung, dass bei den Verhandlungen zwischen Kur- 
mainz und den Sächsischen Fürsten die Vermittlung anderer Kreis- 
stünde zugelassen werde, beschlossen werden. 



KurfQrst Johann Philipp von Mainz an den KnrfUrgten. D. 
St. Martinsburg in unserer Stadt Maintz 20. October 1663. 

[Anzeige, dasB er die über Erfurt verhängte Acht za vollBtreckeD im Begriff 

sei. Bitte am Uoterstätzung.] 

20. Oct. Kurzer Bericht über den von der Stadt E rfurt ihm and den kaiserlichen 

Mandaten gegenüber beharrlich fortgesetzten Ungehorsam^ über die Ver- 
kündigung der vom Kaiser über die Stadt verhängten Reichsacht and die 
dabei erfolgte Misshandlung des damit beauftragten Reiehsherolds. 

So Bcind wir auch, vcrmög der von der Rom. Kay. M. uns auf- 
getragenen Execution zu angeregter Vollstreckung des Kayserlichen 
Reichsbanns und Acht, und weiln bevorab die Burgerschafft, wie ge- 
meldet, in öffentlichem Uffstand sich befindet und sich unsere Dorff- 
schafften ausszublUndern und in Brand zu stecken ohne Scheu ver- 
lauten lassen, im Werck begriffen, dagegen nöthige Verordnung zu 
thun und sie von dergleichen Vorhaben ab- und einzuhalten. Und 
haben weniger nit auch Ew. Ld. hiemit von allen Nachricht geben 
und, weiln nunmehr bey diesen Leuthen der schuldige Gehorsamb und 
Rcspcct gantz und gar erloschen ist, dieselbe hiebei freundlich ersuchen 
wollen, wofern etwan diese unbendige Reichsächter bei deroselben sich 
zu beschonen understehen oder sonsten Ihro ein wideriger Bericht ein- 
langen sollte, demselben nit allein kein Gehör oder Glauben zu ge- 
ben, sondern auch uns hierin in krafft der Churfürstlichen Verein mit 
Rath und That zu assistiren, indem cinmahl, wan dergleichen Mediat- 
stätten und Underthanen sothane — Sedition und Auffstand gegen 
ihre Obrigkeit ungestrafft hingelassen — daraus auch bei andern leicht 
höchst schädliche Consequentien erfolgen würden — zumahln wir 
auch durch die vorhabende wttrckliche Vollstreckung des Banns nit ge- 
meint seind, weder der Statt in ihrem verniög des Friedenschlusses 
habendem Religionsexereitio noch auch dem Haus Sachsen in seinen 
der Orten habenden und hergebrachten Partieularjuribus Eintrag zu thuen. 



Anzeige der beabsichtigtea Execution gegen Brfurt. 361 

Herzog Ernst von Sachsen an den Kurfürsten. D. [Frieden- 
stein] 28. October / [7. November] 1663. 

[Der Stand der Erfurter Sache. Bitte um Vermittelang.] 

PS.') Auch — müssen Ew. Ld. unserer und uusers gesambten 7. Nor. 
Chur- und Fürstlichen Hauses dringender Angelegenheit nach wir 
wehemUthig zu vernehmen geben, welcher gestalt die im Ende des 
an Keys. M. — copeylich beigefügten Schreibens') berührte Erfurti- 
sche Sache nun dermassen gefährlich worden, dass wir ohne sonder- 
bare göttliche Hülfe und Vermittelung höher wohl aflFectionirter Stände 
fast nicht sehen, wie ohne grosses Unheil unserer und anderer Sflchs. 
Lande und Leute das Vorhaben, welches des H. ChurfQrsten zu 
Maintz Ld. nun mit feindseliger Angreifung gedachter Stadt Er- 
furt ins Werk zu richten suchet, abgehen könne. Was unsers 
Hauses Interesse dabei sei, das ist am Keys. Hof, wiewohl ohne ver- 
bofften Effect, nun viel Jahr hero angeftthret worden. E. Ld. wollen 
— sich aus beiliegender Deduction '), die zwar Glimpf halber — nur 
ein und anderen Orts vertraulich communiciret worden, sich vortragen 
lassen, worauf das Werk von a. 1648 her bis in den verwichenen 
Monat Junium beruhet. Seithero nun hat der Maintzische Antrieb 
so viel durchgedrungen, dass die Acht wider die Stadt publiciret und 
der Pöfel zu desperaten Resolutionen dadurch folgends praecipi- 
tiret worden. Wir sind wohl versichert, dass E. Ld., als es doch die 
letztere keys. Capitulation^) nicht allein im Fall, da Stände, son- 
dern auch da andere in diese äusserste Straf der Acht zu verur- 
theilen sind, erfordert, umb solches Urtheil keine Wissenschaft tragen, 
also dessen Valor und darauf selbst angemasste Maintzische Execu- 
tions-Befugniss nicht agnosciren werden. Was auch auf jüngsten 

Postscriptam zu dem oben Abscbu. 5 S. 313 erwähnten Schreiben von 
deonselben Datum, der Antwort auf des Kf. Circalarscbreiben vom 25. October 1663. 

^ In demselben (d. Friedenstein 14. /24. Joni 1663), der Antwort auf ein 
Schreiben des Kaisers (d. Wien 23. Mai 1663), in welchem derselbe die Tnrken- 
gefahr geschildert und om Hülfe gebeten hatte, erklärt sich der Herzog zar 
Hälfeleistnng bereit, rath aber dem Kaiser, durch Zugeständnisse an die Pro- 
testanten in Ungarn sich deren eifrige Unterstützung zu verschaffen und in Deutsch- 
land die kriegerische Executiou gegen Erfurt nicht zu gestatten. 

^ Justitia protectionis Saxonicae in civitate Erfurtensi sive brcvis expositio 
indubitati juris, quod Ser. Elector et Duces Saxoniae — more niajorum et se- 
cuodum Imperii leges pacisque publicae constitutiones merito exercent. A. 1668 
mense Junio, verfasst von dem Gothuischcn Kanzler Veit v. Seckendorf 
(wiederabgedruckt Diar. Europ. XI Appendix, Londorp IX S. 3Sff.). 

*) Wahlcapitulation Kaiser Leopold I. §28 (Londorp VIII 8.357.). 



362 6. Die Erfurter Handel. 

Creystag zu Leipzig deshalben an Key. M. geschrieben worden*), 
das wird E. Ld. von dero Gesandtschaft wohl der GebQhr nach sein 
referiret worden. Inzwischen hat es das Ansehen, es werde zu unwie- 
derbringlichen Schaden unsers Hauses die mitten in unsern — Landen 
gelegene und unserni Hause in so viel Wege verbundene Stadt in 
Maintzische Hfindc und Superioritat fallen, also ihre zimblicherroassen 
hergebrachte Freiheit, sonderlieh was das jus armorum betrifft, ver- 
lieren und dannenhero unserm Hause, ja dem ganzen Ober-Sächsischen 
Creis ein immerwährendes Präjudiz zumal in Kriegszeiten entstehen — . 
Ew. Ld. — wollen ihres hohen Ortes sich zu unsers Hauses und 
der gemeinen Wohlfahrt und Ruhe Aufnehmen und Beförderung ge- 
fallen lassen, dero* Gesandtschaft zu Regensburg furdersamst zu in- 
struiren, dass sie diese wichtige Sache — in bessere Wege richten 
helfe. Wir sind nebst unsern Herren Vettern erbötig, was nur zu 
billiger Vergnügung des H. ChurfUrsten zu Maintz Ld. immer dienen 
kann, aufrichtig zu befördern, allermassen wir dann, ohngeachtet S. 
Ld. auf unsere und unserer HH. Vettern bisshero an Sie abgelassene 
Schreiben nicht einst mit einer Antwort sich vernehmen lassen, dennoch 
uns überwunden, deroselben solche freundliche Anerbietung') zu thun 
— darauf Sie — Ihres Stifts jura und Sicherheit viel beständiger als 
auf die itzo in Sinn gefasste Opportunitäten — bauen könnten. — ') 

Der Rath zu Erfurt an den Kurfürsten. D. 
2./[12]. November 1663. 

[AuseinaDdersetzuDg der Sachlage. Bitte am Verwendung beim Kaiser und beim 

Reichstage.] 
2. Nov. Dank dafür, dass Kf. auf dem jüngsten Kreistage zu Leipzig*) sich 

nebst den anderen Kreisständen der Stadt angenoromen hat. Da sie fürcbteo, 

') S. oben Abschn. 4, Anhang S. 2G1. 

^ In dem abschriftlich beigelegten Schreiben an K.Mainz (d. Friedensteio 
21./31. October 1663) stellt der Herzog demselben die Uebelstände and Gefahren 
vor, welche ein gewaltsames Vorgehen gegen Erfurt verursachen würde, und for- 
dert ihn auf, sich zunächst auf einer Oonferenz mit dem Hauee Sachsen über 
sein Vorhaben zu benehmen. Ueber die früheren Verhandlungen desselben mit 
K.Mainz s. Kirchhoff, Die Besitzergreifung Erfurts durch Kurmainz (Zeitschr. 
für Preussische Geschichte und Landeskunde Jahrg. VIII 1871) S. 108 £r. 

^ Auch Herzog Friedrich Wilhelm von Sachsen- Alten bürg wendet sich 
in einem Schreiben (d. Altenburg 3./ 13. November 1663) an den Kf. mit der 
Bitte, bei dem Kaiser und K.Mainz dahin zu wirken, dass letzterer sich aller 
Thätlichkeiten und der unrechtmässigen Execution enthalte und es za gütlicher 
Unterhandlung kommen lasse. 

*) S. oben Abschn. 4, Anhang S. 258 ff. 



VerweadaDgageBocbe an den Kf. 363 

dass ihre Feinde K.Mainz heftig anliegen werden, bei dem Kaiser and dem 
kurfürstlichen Collegio die Sache so darchzutreiben, dass die Executiou doch 
fortgesetzt werde, so wollen sie kurz vortragen, was bisher sowohl in meritis 
als circa processum in dieser Sache ?orgegangen. Auseinandersetzung 
der Vorgänge von dem Erscheinen der ersten kaiserlichen Kommission im 
Jahre 1660 an bis zu der Pablicierung der Reichsacht durch den kaiser- 
lichen Herold, welcher bei dieser Gelegenheit allerdings von einzelnen be- 
schimpft, aber doch mit Glimpf entlassen worden sei. 

Sie haben jetzt zu ihrer Betrübnis höreu müssen, dass K.Mainz die 
Execution der Acht übernehmen und dazu seine eigenen und seiner Alliierten 
Mittel anwenden wolle. Sie stellen dem Kf. die Ungerechtigkeit des ganzen 
Verfahrens vor, bezeugen, dass sie nach Möglichkeit sich gefügt und nach- 
gegeben haben, hoffen, dass K.Sachsen sowohl als Kreisoberster als auch 
als Schutzherr nebst dem Fürst 1. Hause den Einbruch jener Völker nicht 
gestatten werde, bitten aber auch Kf., sich ihrer beim Kaiser und K.Sachsen 
und auf dem Reichstage anzunehmen, damit die Executiou, wo nicht gar 
ubgethan, wenigstens einstweilen suspendiert werde'). 



Der Kurfürst an den Kurfürsten von Mainz. D. 
Cöln 15./[25.] November 1663. 

[auf das Schreiben vom 20. October. Rath, die Execation gegen Erfurt vorläufig 

zu unterlaBsen.] 

— Wie wir nun — ganz ungern vernehmen, dass E. Ld. von 25. No?. 
dieser Stadt dergleichen Widersetzlichkeit und Ungehorsam erwiesen, 
auch keineswegs zweifeln, E. Ld. werden an Ihrer Seiten nichts ha- 
ben crmangeln lassen, was zu gütlicher Hinlegung aller dieser Irrun- 
gen und Streitigkeiten erspriesslich sein könne, also können wir E. 
Ld. auch nicht verdenken, dass dieselbe auf nachtrückliche und in 
den Reicbsconstitutionibus fundirte Weise und Wege Dero Respect 
und jura zu mainteniren und die Widerspenstigen zur Raison zu brin- 
gen beflissen sein. Wir erkennen uns nicht allein vermög ChurfÜrst- 
licher Verein schuldig, sondern sein auch von uns selbsten ganz ge- 
neigt, E. Ld. in dieser Dero Angelegenheit mit Rath und That zu 
assistiren. Stellen aber E. Ld. hocherleuchtetem Nachsinnen anheimb, 

^) Beigelegt ist eine Abschrift des Pariiions-lDBtrameoteB (d. 24. September 
1663) uud die Druckschrift: .Gründliche Deduction uud warbaflfter Bericht, dass 
die Stadt Erfurt in puncto dess vou Ihrer CburfnrBtl. Gnaden zu Mayntz bey 
derselben gesuchten Kirchen-Gebets uud sonsten keine strafbare Widersetzlich- 
keit oder Ungebühr, wie ihr solche ungüilich beygemessen werden will, verübet 
etc.* 1663 (wiederabgedruckt Di ar. Europ XI Appendix, Londorp IX S.Sff.). 



364 6. Die Erfurter H&ndel. 

ob nicht diesem Werk bei den jetzigen höchstgefährlichen Conjuncturen 
und da unser geliebtes Vaterland vom Erbfeind des Christlichen Na- 
mens in so augenscheinlicher grossen Gefahr begriffen, lieber noch auf 
einige Zeit ein Anstand zu geben, als zu würcklicher Execution der 
publicirten Achtserklärnng, welche ohne tlberaus grosse Zerrüttung und 
Ohngelegcnheit des Obersächsischen Greises und aller dazu gehörigen 
Stände, ja des ganzen Römischen Reichs nicht werkstellig genoacht wer- 
den kann, noch zur Zeit zu schreiten, wozu dann — E. Ld. desto mehr 
geneigt sein werden, weil Sie dadurch Ihren jnribus nicht allein nichts 
präjudiciren oder vergeben, sondern auch das — Haus Sachsen sich 
dieser Sache sowohl ratione neben E. Ld. in der Stadt Erfurt haben- 
den Gerechtigkeiten, als auch, weil solche mitten in Dero Landen ge- 
legen, sehr annimbt, der Magistrat auch und viele verständige Leute 
an denen bisherigen ungehorsamen und halsstarrigen Proceduren dem 
Verlaut nach nicht schuldig, sondern daran ein Missfallen tragen, der 
unbändige Pöbel aber jedesmal in gebührendem Zwang nicht gehalten 
werden kann, wie solches die gegen den Magistrat selbst verQbte 
harte Proceduren') genugsamb darthun. Wir haben demnach nicht 
unterlassen wollen, £. Ld. dieses — furzustellen, und zweifeln nicht, 
Dieselbe werden, so viel es immer möglich, alle hochschädliche Extre- 
mitäten und innerliche Trennungen in unserm Vaterlande bei diesen 
Lcuften verhüten, hingegen aber das hochnötige Defcnsionswerk und 
die I. Key. M. versprochene Hülfe — auch ferner befordern zu 
helfen geneigt sein'*). 



') 8. V. Tel tau, Die Reduktion vuo Erfurt und dio ihr voraasgegaDgeneo 
Wirren 1(>47— 16G5 (Jahrbücher der K. Akademie gemeinnütziger WisseDschaften 
zu Erfurt. Neue Folge, Heft III) S. 115 ff., Ilelbig, Johann Philipp von MaiDi 
und Johann Georg II. von Sachsen während der Erfurter Wirren 1650 — lti67 
^Archiv für dio Sächsische Geschichte III.) S. 105 ff. 

^) Nachdem K Mainz (d. Schloss Marienberg ob W*urzbarg IB. Xovembtr 
1663) dem Kf. den gedruckt erschieneneu Bericht der kaiserlichen KommissarieB 
und des Reichsherolds über die ihnen in Erfurt zugefügten Real- nnd Verbal- 
injurien (8. Diar. Europ. X S. I«55ff., l)29ff. Londorp VIII S. 936 ff.) loge- 
sandt und erklärt hat, er müsse darauf bedacht sein, wie solche Leute von dem 
angedrohten Ueberfalie seiner angrenzenden Lande ab- und zum schuldigen Ge- 
horsam angehalten werden mochten, erwidert derselbe (d. Cöln 2./12. December 
lt. 63) in ganz ähnlicher Weise, er könne es ihm nicht verdenken, dass er leinei 
Respcct und seine Rechte durch nachdrückliche Mittel zu wahren beabsichtigt, 
bittet ihn aber mit Rücksicht auf die drohenden Conjuncturen die Sache noch 
etwas in suspenso zu lassen. 



i 



Verwendaog des Kf. bei K.Mainz för Erfurt. 365 

Der Knrfilrst an die Herzoge Ernst und Friedrich Wilhelm 
von Sachsen. D. Cöln 15./[25.] November 1663. 

[aaf die Schreiben vom 28. October/[7. November] aod 3./[13.] November. 
Mittbcilnng der K.Mainz gemachten Vorstellangen.] 

£r lässt dahin gestellt, was K.Maioz für Ursache ond Fundament za 25. Nov. 
seinen bisherigen Proceduren gegen Erfart habe nnd wie weit das Haas 
Sachsen ratione seiner jariam bei der Sache interessiert sei, er hält aber 
anter den jetzigen Gonjonctaren die Execation der Acht and die derselben 
nothwendig anklebenden Extremitäten für so bedenklich, dass er K.Mainz 
bewegliehe Vorstellungen gemacht und gebeten hat, dem Werk zum wenig- 
sten einigen Anstand zn geben. 



Kurfürst Johann Philipp von Mainz an den Kurfürsten. 
D. Marienberg ob Würzburg 12. December 1663. 

[auf das Schreiben vom 15./25. Nov. Die Aasfübrnog der Acht gegen Erfurt kaoo 
zn keinen weiteren Gefahren Anlass geben. Erfurt wird vom Hause Sachsen 

aufgestachelt.] 

Die Ausführnrg der Acht gegen seine ungehorsamen Uuterthanen in 12. l)ec. 
Erfurt wird weder die Türkenhülfe verhindern noch sonst za Weiterungen 
Anlass geben, am wenigsten im Obersächsischen Kreise, daErfart als 
eine zu K.Mainz gehörige Stadt zum Rheinischen Kreise gehöit. Die 
Erfurter, welche jetzt gegen alle Bürger und Rathsherren, die Devotion 
gegen den Kaiser zeigen, mit Absetzang, Gefängnis und Todesstrafe vor- 
gehen, werden von Nachbaren, sonderlich von dem Hause Sachsen and 
dessen anruhigen Ministris, im Ungehorsam bestäikt, von ihnen werden 
Schmähschriften und „Scarteken^ gegen ihn verbreitet *) and die Schutzge- 
rechtigkeit Sachsens znm Vorwande genommen, obgleich in dem zwischen 
der Stadt und demselben über den Schatz abgeschlossenen Vertrage K.Mainz 
aasgeschlossen ist. Er versichert , dass die Völker, welche die Acht aus- 
führen sollen, niemand ausser denen, welche sich selbst der Acht theilhaft 
machen wurden, verletzen würden^. 



Beigelegt ist die Schrift: Assertio juris Moguntioi contra afiectatam Ju- 
stitiam Protectionis Saxonicae io civitate Erfurtensi. Moguntini a. 1663 m. Octobri 
(wiederabgedruckt Diar. Europ. XI Appendix, LondorpIXS. 63 ff.). Von säch- 
sischer Seite wurde darauf veröffeotlicht: Repetita et necessaria defensio Justae 
protectionis Saxonicae etc. 1664 (Diar. Europ. XI a. a. 0. Londorp IX, 
S. 110 ff). 

^) Durch ein Schreiben ganz ähnlichen Inhalts (d. Regensburg 10. Januar 
1664) beantwort.et K.Mainz dasjenige des Kf. vom 12. December 1663. 



366 <> I>ie Erfarier HäDdel. 

Der Rath von Erfurt an den Kurfürsten. D. 1 l./[2L] März 1664. 

[Bitte um ferDere Uoterstütznog.] 

M.März. Die Stadt hat die erfreolicbe Nachricht erhalteo, dass auf das Gesach 
vom 2. November 1663 Kf. nicht allein an K.Mainz verschiedene beweg- 
liche Schreiben hat abgehen lassen^ sondern anch seine Gesandten in 
Regensbnrg znr Vermittelang eines gütlichen Vergleichs instruiert hat'). 
Die Stadt dankt dafür and bittet ihn, anch fernerhin dazu za cooperiereo, 
dass der Kaiser den erbetenen salvas condnctus') bewillige und K.Mainz 
zn einem gütlichen Vergleiche bewogen werde, in welchem der Stadt ihre 
Freiheiten and Rechte gelassen würden. 

Der Rath von Erfurt an den Kunflirsten. D. 14./[24]. April 1664. 

[Er ist zur Eioführaog des Kirchengebetes bereit, bittet um weitere Uoteratfitzang 
auf dem Reichstage und Schutz gegen etwaige Gewaltmassregeln.] 

M. April. Die Stadt ist sehr bestürzt darüber, dass trotz der Verwendung des 
Kf.| anderer hoher Potentaten and ganzer Kreise sie doch weder Aufhebung 
der Acht noch freies Geleit erlangt hat; sie ist aber dadurch wieder ziem- 
lich getröstet und ei freut, dass gleichwohl die evangelischen Fürsten und 
Stände durch ihre Botschafter auf dem Reichstage die Sache in die Hand 
nehmen') und Willfährigkeit zur Assistenz verspüren lassen, wie der Stadt 
durch ein Schreiben jener Gesandten'*) und durch den zu ihnen geschickten 
k.sächsischen Comniissarius^) versichert worden. Da aber beides eine ernst- 
liche Ermahnung zur Parition in puncto precum in sirh gehalten mit Ver- 
tröstung, dass die Stadt sodann über die anderen Punkte sattsam gehört 
und ihr treulich assistiert werden solle, so wollen sie dabei so viel ihnen 



') Rf. bat bisher nur in dem Rescript vum 1. December 1GG3 an die Ge- 
sandten in RegeDsburg (s. oben Abscho. 4, S. 208) der Erfurter Angelegenheit 
gedacht. 

^ Zu Aufang des Jahres 1()G4 war es dum neuen Rathe von Erfurt unter 
Leitung des energischen Rathemeisters U. H. Lud elf gelungen, der inneren 
Unruhen Herr zu werden und den Pöbel zum Gehorsam zu bringen. Der Ratli 
hatte darauf den Kaiser uw einen Geleitsbrief für Abgeordnete der Stadt ood 
um Aufhebung der Acht gebeten, zugleich aber Rieh auch an die Schwedische 
Regierung (d. 12./22. Januar 1G64, Londorp IX S. 221) und dann auch an die 
zu Regensburg versammelten Reichsstände (d. 8./18. März 1664, Londorp IX 
S. 217) gewendet und um deren Wrniittelun;? beim Kaiser und bei K.Mainz nach- 
gesucht. S. V. Tettau S. 1^-4 f. Helbijx S. 419. 

^) S. die Relation d(^r Gesandten aus Hejrensburji: vom 18. April 16<34 (S. 33iO- 

d. Rog.n>j>burur 2S. Mfirz l()i;4 (Londorp IX S. 219). 

^) Menius, Geheimer Rath des llerzoprs Moritz von Zeitz, nbor dessen 
Sendung nach Erfurt (Uiccmber 1003 und Anfang 1G64) s. Helbjg S. 417. 



Erfurt sacht die YerwendaDg des Kf. 367 

Dur immer möglich thon, sie hoffen, es werde die Gemeinde die Umstände 
in solche Consideration ziehen, dass es zu weiteren Extremitäten nicht 
ausschlagen dürfte. Sie bitten Kf., sich ihrer weiter anzunehmen ^). 



Otto Wilhelm v. Berlepsch^) an den Rathsherren Lndoif in 
Erfurt. D. Berlin 27. April/ [7. Mai] 1664. 

[&f. will sich der Stadt annehmen, hat mit K.Sachsen daräber verhandelt, doch 
mass man zouächst Gewissheit haben, ob die Parition wirklich geschehen.] 

Nachdem S. Chf. D. zu Brandenburg, Dieiuem gnadigsten Churf. 7. Mai. 
und Herrn, ich das von dem fiath mir jQngsten zugesendetes Schreiben 
— Qberreichet, haben sie gnädigst und wohl aufgenommen, dass ge- 
meine Stadt bei dero jetzigen unglückseligen Zustande auch bei dero- 
selben Zuflucht suchen wolle, und wie Sie dieselben aus der vor Augen 
schwebenden Gefahr gern gerettet sehen möchten, auch desshalber 
dero zu Regensburg anwesenden Gesandten albereit instruiret, mit 
allen Kräften dahin zu cooperiren, ob die Acht suspendirt und ein 
salvus Conductus zu erlangen, also haben sie auch bei jetziger An- 
wesenheit der Churf. D. zu Sachsen') sowohl mit Deroselben als 
Dero beihabenden ministris fleissig überlegen lassen, auf was Massen 
die Stadt wiederumb in voriger Beruhigung gesetzt und hierzu etwa 
ein sicheres und zureichendes Expcdienz erfunden werden könnte. 
Weiln nun Eingangs gedachtes Schreiben die Parition, darauf Keys. 
M. so feste bestehen, zwar vertröstet, des H. Maenii*) Relation aber 
liöchstged. S. Chf. D. zu Sachsen bis dato noch nicht erstattet und 
man also keinen gewissen Grund haben können, ob sothane Parition 
geschehen oder nicht, auch vielmehr das letztere und dass der Pöbel 
sich hierzu noch gamicht wollen disponiren lassen, aus anderweitig 
einkommender Nachricht verlauten wilP), so hat dcrhalben, bis zu 



S. das Rescript des Kf. an die Gesandten io Regensbar^ vom 26. April/ 
6. Mai (S. 238). 

^ Oberst nod Schlosshaaptmann zn Berlin, s. oben Abschu. 2 S. 73. 

3) S. oben Abschn. 4 Anhang 8. 271 ff. 

*) S. S. 366 and Absehe. 4. Anhang S. 274. 

^) Brst am 19. Mai 1661 wurde in Erfurt das Kirchengebet für K.Mainz nach 
der Formel von 1660, nachdem zuvor am 5. Mai die evangelische Geistlichkeit 
der Stadt allerdings unter manchen Vorbehalten ihre Zustimmung dazu kundge- 
geben hatte, von den Kanzeln verlesen, doch gab sich bei dem niederen V^olke 
noch immer grosse Unzufriedenheit darüber kund, s. Diar. Kurop. Xl S. 379 
T. Tettau 8. 179. 



368 6. Die Brfurier Häodel. 

eingelangter Gewissheit, die Sache ausgesetzet werden massen und 
Yor diesesmal nichts grQndlichers resolviret werden können. Ihre 
Chf. D. zu Sachsen reisen heute von hier wieder ab und habe ich 
dies in antecessum vertraulich benachrichtigen wollen. — 



Der Rath von Erfurt an den Kurfürsten. D. Erfurt 

l./[ll.] August 1664. 

[Ihre Sache soll nicht vor den Reichshofrath gebracht, soDdern durch Kaiaer- 
liehe Kommissare auf dem Reichstage beigelegt werden.] 

11. Aug. Dank für die Verwendung der obersächsischen Kreisstäude in ihrer 

Sache beim Kaiser ^) , doch sind sie Behr betrübt^ dass die Terschiedenen 
Intercessionen und auch die Bemühungen der gesamten evangelischen 
Stände zu Regensbnrg') noch keine Wirkung gehabt , so dass wegen 
mangelnder Resolution sie in ihrem Elend gleichsam verschmachten und 
durch Abgang alles Handels und Wandels vergehen müssen, zumal da sie 
erfahren, ein Theil der evangelischen Stände solle der Meinung sein, als 
müsste ihre Sache vor dem Reichshofrath ausgemacht werden. Sie bitten 
daher Kf., mit seinen Mitständen darauf bedacht zu sein, dass durch kaiser- 
liche Kommission uninteressierter Fürsten und Stände die Sache auf dem 
Reichstage vorgenommen und durch gütliche Vermittelnng oder derselben 
Ausspruch erörtert, auch die dissentierenden evangelischen Stände zur Con- 
formität gebracht, mittlerzeit aber und ehe solches geschieht ihnen kräf- 
tige Versicherung wiedcrfabrc, dass sie vor anderweitigem Verhör mit keiner 
Execution belegt werden sollen ^). 



Der Kurfürst an den Rath von Erfurt. D. Cöln 

8./ 18. August 1664. 

[auf das Schreiben vom l./[ll.] Aagast. Zusage seiner VermitteloDg.l 

18. Aug. — Gleich wie wir nun gn. gern vernehmen, dass Ihr demjenigen, 

was an seiten Chur Mainz in puncto des Kirchengebetes von Euch 
erfordert worden, ein Gnüge gethan und deswegen gebührende Pari- 
tion geleistet, also wollen wir nicht unterlassen uns dahin zu bemühen. 



>) S. oben Abscho. 4 Anhang S. 279 f. 
») S. o